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Kleine AnfrageWahlperiode 16Beantwortet

Ankündigung eines "Freiwilligen technischen Jahres"

Gründe für Einrichtung eines „freiwilligen technischen Jahres“, Konzeption, Zielgruppe, Anzahl der Teilnehmer, Maßnahmen für gezielte Frauenförderung, federführendes Ministerium, Unterschied zu bereits existierenden berufsvorbereitenden Maßnahmen, Finanzierung kostenloser Arbeitskräfte bzw. Praktikanten durch den Bund für privatwirtschaftliche Unternehmen

Fraktion

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Datum

26.09.2007

Antwortdauer

15 Tage

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 16/634411. 09. 2007

Ankündigung eines „Freiwilligen technischen Jahres“

der Abgeordneten Kai Gehring, Priska Hinz (Herborn), Britta Haßelmann, Krista Sager, Grietje Bettin, Ekin Deligöz, Katrin Göring-Eckardt und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Vorbemerkung

Die Bundesregierung hat auf ihrer Klausur in Meseberg am 23./24. August 2007 beschlossen, Schulabgängerinnen und -abgängern künftig ein „freiwilliges technisches Jahr“ zu ermöglichen. Laut Bundesministerin für Bildung und Forschung, Dr. Annette Schavan, richtet sich das Angebot an alle jungen Menschen, die sich für technikwissenschaftliche Berufe interessierten. Im Rahmen eines „freiwilligen technischen Jahres“ sollen die Jugendlichen durch Langzeitpraktika die Arbeit in Unternehmen aus technischen oder naturwissenschaftlichen Bereichen kennenlernen. Das geplante Projekt solle dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Als gemeinsame Initiative von Bundesregierung und Wirtschaft soll das „freiwillige technische Jahr“ bereits im kommenden Jahr starten. Im Haushaltsentwurf für 2008 sind dafür bereits 4 Mio. Euro eingeplant. Das Spektrum an Freiwilligendiensten würde damit offenbar erweitert um eine Art freiwillige Berufsorientierung in einem wirtschaftlichen Teilsegment.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen23

1

Was hat die Bundesregierung und das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) dazu veranlasst, ein „freiwilliges technisches Jahr“ einzurichten?

2

Welche Ziele verfolgt die Bundesregierung mit dem „freiwilligen technischen Jahr“, und wie will sie diese erreichen?

3

An welche Zielgruppen (u. a. Altersgruppen) soll sich das „freiwillige technische Jahr“ richten?

a) Richtet sich das „freiwillige technische Jahr“ schwerpunktmäßig an Schulabgänger oder Schulabbrecher?

b) Richtet sich das „freiwillige technische Jahr“ schwerpunktmäßig an junge Frauen oder junge Männer?

4

Welche Maßnahmen wird die Bundesregierung ergreifen, um wie angekündigt gezielt junge Frauen für technische Berufe und damit auch für das „freiwillige technische Jahr“ zu interessieren?

5

In welchem Verhältnis steht das „freiwillige technische Jahr“ konzeptionell zu den anderen bereits bestehenden Freiwilligendiensten, wie u. a. dem freiwilligen sozialen oder ökologischen Jahr?

6

Welches Ministerium wird die Federführung für das „freiwillige technische Jahr“ innehaben?

7

Plant das BMBF beim „freiwilligen technischen Jahr“ mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie oder einem anderen Bundesministerium zu kooperieren?

a) Falls nein, warum nicht?

b) Falls ja, mit welchem, ab wann, und in welcher Form?

8

Ist das „freiwillige technische Jahr“ innerhalb der Initiative „Zivil Engagement: Miteinander – füreinander“ berücksichtigt?

9

Welchen konzeptionellen Stellenwert nimmt das „freiwillige technische Jahr“ im Rahmen der neuen „Nationalen Qualifizierungsoffensive“ der Bundesregierung ein?

10

Wie genau will die Bundesregierung mit einem „freiwilligen technischen Jahr“ dem Fachkräftemangel quantitativ und qualitativ entgegenwirken?

11

Welche Institution soll die Vermittlung, Betreuung und Weiterqualifizierung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer des „freiwilligen technischen Jahres“ übernehmen, und wie wird diese finanziert?

12

Welche Bildungsmaßnahmen sind im Rahmen des „freiwilligen technischen Jahres“ vorgesehen?

13

Wie genau unterscheidet sich das von Bundesministerin Dr. Annette Schavan angekündigte „freiwillige technische Jahr“ von den existierenden berufsvorbereitenden Maßnahmen im sog. Übergangssystem der beruflichen Bildung?

Worin liegt der Unterschied zur Einstiegsqualifizierung (EQJ)?

14

Teilt die Bundesregierung die Befürchtung, dass das „freiwillige technische Jahr“ die Zahl und den Umfang von Warteschleifen zwischen schulischer und beruflicher bzw. akademischer Ausbildung erhöht/erweitert, und wie könnte eine solche Entwicklung vermieden werden?

15

Mit wie vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmern rechnet das federführende Bundesministerium für das „freiwillige technischen Jahr“, und wie viele Plätze sollen im Jahr 2008 geschaffen werden?

16

Wie gestaltet sich die reguläre Laufzeit für einen Teilnehmer/eine Teilnehmerin eines „freiwilligen technischen Jahres“?

Kann die Laufzeit individuell verkürzt bzw. verlängert werden?

17

In welcher Höhe und von welchen Kostenträgern sollen die Teilnehmer eines „freiwilligen technischen Jahres“ vergütet werden?

Falls die Kosten vollständig oder zum Teil vom Staat getragen werden sollen, mit welcher Begründung finanziert die Bundesregierung privatwirtschaftlichen Unternehmen kostenlose Arbeitskräfte bzw. Praktikanten?

18

Wie ist die Förderung eines unbezahlten oder gering bezahlten „freiwilligen technischen Jahres“ als de-facto-Langzeitpraktikum in Unternehmen mit den Ankündigungen der Bundesregierung zu fairen Praktikabedingungen (Stichwort Generation Praktikum) in Einklang zu bringen?

19

Wieso wird ein technisches Praktikum für Interessierte als „freiwilliges technisches Jahr“ nach Abschluss der Schulausbildung konzipiert und nicht als Kurzzeitpraktikum im Rahmen der schulischen oder beruflichen Ausbildung integriert?

20

Ist die Bundesregierung der Ansicht, dass ein „freiwilliges technisches Jahr“ in einem privatwirtschaftlichen Unternehmen genauso förderungswürdig ist wie ein freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr in gemeinnützigen Organisationen?

21

Welche Voraussetzungen muss ein Unternehmen erfüllen, um ein „freiwilliges technisches Jahr“ anbieten zu dürfen?

22

Mit welchen Anreizen will die Bundesregierung Jugendliche dafür gewinnen, ohne oder gegen geringe Bezahlung ein Jahr lang in einem Unternehmen zu arbeiten?

23

Sollen die Erfahrungen eines „freiwilligen technischen Jahres“ für eine Ausbildung oder ein Studium anrechenbar gemacht werden?

Falls ja, wie?

Berlin, den 11. September 2007

Renate Künast, Fritz Kuhn und Fraktion

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