Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag
Drucksache
14/
2225
14. Wahlperiode
30. 11. 99
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung vom 24. November 1999 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Ulrike Flach, Ulrich Heinrich, Birgit
Homburger, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der F.D.P.
– Drucksache 14/2067 –
Presseberichte über Mittelkürzungen für Internationale Agrarforschungszentren
Presseberichten zufolge (z. B. Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 3.
November 1999) beabsichtigt die Bundesregierung, die Mittel für die 16
internationalen Agrarforschungszentren (CGIAR) bis zum Jahr 2003 um 50 Prozent
auf 17,5 Mio. DM zu kürzen. Das bedeutet z. B. für das Internationale
Forschungsinstitut für Reis (Irri) in Manila eine Bedrohung seiner langfristigen
Forschungsarbeit. Zu diesen Forschungsarbeiten gehören u. a. die Zucht von
Reissorten, die mehr Vitamin A, Eisen und Zink enthalten. Mangel an diesen
Stoffen ist in Asien weit verbreitet. Außerdem wird an Reissorten gearbeitet,
die in Höhenlagen gedeihen können, die Dürren oder Überflutungen besser
widerstehen und auch unter widrigen Umständen Erträge bringen können.
Angesichts des Bevölkerungszuwachses und der Ernährungslage der
Bevölkerung in zahlreichen asiatischen Staaten ist diese Forschungsarbeit von
besonderer Bedeutung.
1. Trifft es zu, dass die Mittel im Haushalt des Bundesministeriums für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung für die Internationalen
Agrarforschungszentren gekürzt werden sollen?
Es trifft zu, dass die geltende Finanzplanung bei den Barausgaben eine
Halbierung des gegenwärtigen deutschen Beitrages zur Internationalen
Agrarforschung bis zum Jahr 2003 vorsieht. Die Verpflichtungsermächtigung (VE) im
Jahr 2000 wird gegenüber dem Vorjahr um 13 Mio. DM auf 18 Mio. DM
abgesenkt.
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2. Wenn ja, in welchem Zeitraum und welchem Umfang für die einzelnen
Agrarforschungszentren?
Der Haushaltsentwurf bzw. die geltende Finanzplanung sehen für die
Barausgaben folgende Ansätze vor:
2000: 28 Mio. DM
2001: 23 Mio. DM
2002: 20 Mio. DM
2003: 17,5 Mio. DM
sowie eine VE von 18 Mio. DM in 2000.
Aufgrund dieser Kürzungen wird der Kreis, der mit Beiträgen zum
Kernhaushalt gefördert wird, von bisher 16 auf 9 Institute gekürzt. Im Jahr 2000 erhalten
die Institute:
– International Food Policy Research Institute (IFPRI)
– Centro International de Mejaromiento de Maiz y Trigo (CIMMYT)
– Centro International de la Papa (CIP)
– International Center vor Agricultural Research for Dry Areas (ICARDA)
– International Crops Research Institute for the Semi-Arid Tropics (ICRISAT)
– West-Africa Rice Development Association (WARDA)
– International Service for National Agricultural Research (ISNAR)
keine ungebundenen Förderbeiträge mehr. In den Folgejahren werden noch
weitere Zentren aus dieser Förderung herausgenommen werden müssen.
3. Ist der Bundesregierung bekannt, dass sich die Arbeit der Internationalen
Agrarforschungszentren besonders auf die armen Bauern in Afrika und
Südasien konzentriert, die bisher von den Erfolgen der „grünen
Revolution“, die auf Bewässerungsanbau ausgerichtet war, ausgeschlossen
blieben?
Der Bundesregierung ist dieser Sachverhalt nicht nur bekannt, sie hat über ihre
Vertreter in den Gremien der Internationalen Agrarforschungszentren (CGIAR)
maßgeblich an dieser Ausrichtung mitgewirkt.
4. Wie werden die Kürzungen begründet?
Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
muss ebenfalls seinen Beitrag zur Konsolidierung des Bundeshaushaltes
leisten. Diese Konsolidierung kann nur in den Bereichen erbracht werden, in denen
keine rechtlichen Bindungen vorliegen. Dies ist bei den freiwilligen Beiträgen
zur Internationalen Agrarforschung der Fall.
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5. Trifft es zu, dass das Internationale Forschungsinstitut für Reis aufgrund
der Kürzungen die Forschungsarbeiten für Reisanbau in Hanglagen
(„upland rice“) einstellen muss?
Das Internationale Forschungsinstitut für Reis (IRRI) plant, den Arbeiten zur
Verbesserung des Reisanbaus in Hanglagen (upland rice) weiterhin eine hohe
Priorität beizumessen.
6. Welche Auswirkungen auf die mittel- und langfristige Forschungsarbeit
der Agrarforschungszentren, insbesondere auf das Internationale
Forschungsinstitut für Reis (Irri), erwartet die Bundesregierung?
Die Kürzungen gehen zulasten von Forschungsansätzen, die erst mittel- oder
langfristig Resultate aufweisen können. Bei IRRI werden die Entwicklung
mehrjähriger Reissorten und die von stickstoff-bindender Sorten aus dem
Forschungsprogramm gestrichen werden müssen.
7. Wie rechtfertigt die Bundesregierung diese Kürzungen vor dem
Hintergrund der Aussagen der Bundesregierung und insbesondere der
Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung,
Armutsbekämpfung und Sicherung der Ernährungsgrundlagen seien wichtige
Ziele deutscher Entwicklungspolitik?
Die Bundesregierung wird die verbleibenden Mittel für die Internationale
Agrarforschung noch stärker auf Forschungsvorhaben, die der
Armutsbekämpfung und der Sicherung der Ernährung dienen, konzentrieren.
8. Hat das zuständige Bundesministerium für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung im Vorfeld der Kürzungsentscheidung Gespräche
mit den Regierungen der betroffenen Staaten sowie mit deutschen und
internationalen Nichtregierungsorganisationen über die Kürzungspläne
geführt?
Da es sich um internationale Agrarforschungszentren handelt, wurden keine
Gespräche mit einzelnen Staaten geführt. Hingegen wurden sowohl die
Agrarforschungszentren als auch Nichtregierungsorganisationen (NRO) über die
Kürzungen unterrichtet und zwar über deren Vertretung im Fachbeirat des
Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.
9. Wenn ja, wie war die Reaktion der Gesprächspartner?
Die Kürzungen wurden mit Sorge zur Kenntnis genommen.
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ISSN 0722-8333
10. Sieht die Bundesregierung eine Möglichkeit, durch Einsparungen in
anderen Bereichen die Kürzungen zu vermeiden?
Nein. Es wird jedoch angestrebt, nach der Phase der Haushaltskonsolidierung,
den Beitrag Deutschlands für die Internationale Agrarforschung wieder
deutlich anzuheben.]