Beim Bundeskriminalamt wurden für 1997 folgende Sachverhalte als versuchte Tötungsdelikte registriert:
Rechtsextremistisch motiviert
1. 18. Januar 1997 Reddigau/ST Vier Zeugen Jehovas wurden von drei Deutschen beschimpft und bedroht. Als die Geschädigten daraufhin weitergingen, wurde einer von ihnen in einen Graben geschubst und getreten. Dem Geschädigten gelang es zunächst zu fliehen. Ein Täter versuchte danach den Fliehenden zu überfahren.
2. 19. Februar 1997 Berlin/BR Ein zunächst unbekannter Täter schießt mit einer Pump-Gun auf einen Buchhändler in Berlin. Das Opfer ist schwer verletzt. Im Tatobjekt befinden sich ein Bezirksbüro der PDS und das Wahlkreisbüro Dr. Gregor Gysi.
3. 22. März 1997 Herzberg/NI Wegen eines angeblichen Verrats innerhalb der rechten Szene - der Tatverdächtige hatte in einem Verfahren wegen Volksverhetzung ausgesagt - wurde eine Person brutal zusammengeschlagen und getreten. Das Opfer trug schwerste Verletzungen davon.
4. 18. September 1997 Pritzwalk/BB Angehörige der rechten Szene greifen Mitglieder einer Musikgruppe an und verletzen sie mit Baseballschlägern aus Metall so schwer, daß sie ins Krankenhaus eingeliefert werden müssen. Fünf Tatverdächtige werden festgenommen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Mordversuchs.
Fremdenfeindlich motiviert
5. 7. Februar 1997 Halberstadt/ST Zwei Deutsche verletzten einen Wolgadeutschen mit einem Messer lebensgefährlich. Als Motiv gaben sie in der Vernehmung an, Ausländer würden ihnen die Arbeit wegnehmen.
6. 30. März 1997 Wellending/BW In der Garage eines Einfamilienhauses wurde durch einen Deutschen, der sich selbst als „rechtsradikal" bezeichnet, ein Brand gelegt. Der Täter ging davon aus, daß sich Ausländer in dem Objekt befanden. In dem Haus schliefen zur Tatzeit 16 Rußlanddeutsche. Personen wurden nicht verletzt. Es entstand hoher Sachschaden.
7. 20. April 1997 Schönebeck/ST Vier Täter warfen drei Molotowcocktails gegen ein mit 80 Personen belegtes Spätaussiedlerheim. Eine Person erlitt Brandverletzungen. Gegen die Tatverdächtigen erging Haftbefehl.
8. 21. Juni 1997 Recklinghausen/NW Ein Molotowcocktail wird in ein Asylbewerberheim geworfen und verursacht geringen Sachschaden. Zwei festgenommene Tatverdächtige sind geständig. Gegen sie ergeht Haftbefehl wegen versuchten Mordes.
9. 3. August 1997 Pinneberg/SH Ein togoischer Staatsangehöriger wird von sechs Skinheads so schwer verletzt, daß er stationär behandelt werden muß. Mehrere Tatverdächtige werden festgenommen.
10. 26. September 1997 Weimar/TH Ein vietnamesischer Staatsangehöriger wurde in seiner Verkaufseinrichtung von drei Deutschen aufgesucht. Da sie die Ware nicht bezahlen wollten, kam es zu Streitigkeiten, in deren Verlauf ein Tatverdächtiger den Geschädigten mit einem Messer in den Bauch stach. Die Tatverdächtigen beschimpften das Opfer mit den Worten „Fidschi-Schwein".
11. 11. Dezember 1997 Eberswalde/BB Mehrere junge Männer greifen einen Türken und einen Deutschen mit Baseballschlägern an und verletzen beide schwer. Es werden fünf Tatverdächtige festgenommen. Es ergeht gegen alle Haftbefehl wegen versuchten Mordes.
12. 12. Dezember 1997 Schönerlinde/BB Auf ein Aussiedlerheim wird ein Brandanschlag verübt. Ein Molotowcocktail wird durch ein Fenster geworfen. In dem Zimmer hielten sich zwei Bewohner auf, die den Brand löschen konnten.