Die Gesamtmenge der mineralischen Rohstoffe der Erde ist sehr hoch und im einzelnen nicht bekannt. Dementsprechend existieren auch keine Statistiken über die tatsächlichen Weltvorräte.
Die landläufig zitierten Statistiken, die für bestimmte Metalle oder mineralische Rohstoffe Weltvorräte mit Reichweiten von 10, 50 oder 150 Jahren angeben, sind grundsätzlich Statistiken über bereits untersuchte Lagerstätten. Je nach der Intensität der bergmännischen oder geologischen Untersuchungen spricht man dabei von sicher nachgewiesenen oder wahrscheinlichen Reserven. Da solche Untersuchungen Kosten verursachen, haben die Bergbauunternehmen, gleichgültig ob es sich um staatliche oder private handelt, kein Interesse daran, mehr Reserven nachzuweisen, als sie in einem überschaubaren Zeitraum benötigen. Wenn nötig, können jedoch durch erneute Explorationsanstrengungen jederzeit weitere Reserven nachgewiesen werden. So sind z. B. bei den Metallen, die in den Statistiken der sechziger und siebziger Jahre mit Reichweiten von nur zehn bis 15 Jahren angegeben wurden (so auch vom Club of Rome), die damaligen Reserven längst abgebaut und verbraucht, gleichzeitig aber sukzessive durch Neufunde ersetzt worden. Über den derzeitigen Stand der sicher nachgewiesenen und wahrscheinlichen Weltvorräte geben die Anlagen 1 a, 1 b und 1 c Auskunft.
Die tatsächliche Verfügbarkeit der Rohstoffe und damit die Sicherung der Rohstoffversorgung hängen jedoch davon ab, daß der zukünftige (vermutlich steigende) Bedarf rechtzeitig und richtig eingeschätzt wird, daß die notwendige Erweiterung der Bergbaukapazitäten rechtzeitig erfolgt und daß schließlich auch der Abbau ohne wirtschaftliche oder politische Störung erfolgen kann.
Die Erschließung der Réserven und der Ausbau der Kapazitäten erfordern entsprechende Investitionen, die ihrerseits politische, rechtliche und wirtschaftliche Stabilität in den Förderländern voraussetzen. Die wirtschaftliche Beurteilung des Umfangs und damit auch der Reichweite der Reserven steht deshalb in engem Zusammenhang mit Fragen des Investitionsklimas in den Produzentenländern.
Weiterhin muß in Betracht gezogen werden, daß in Zukunft bei Erschließung und Abbau von Reserven mit zunehmenden geologischen und technischen Schwierigkeiten gerechnet werden muß (z. B. geringere Metallgehalte, tiefere Gruben, Arbeiten in entlegeneren Gebieten ohne Infrastruktur und Logistik) . Diese schwierigen Verhältnisse werden zu noch längeren Anlaufzeiten bei neuen Bergbauprojekten, höheren Kapitalaufwendungen und höheren Kapitalrisiken führen, bei gleichzeitig geringer werdender Flexibilität bei der Anpassung an die Nachfrage.
Eine Verbesserung der weltweiten Reservesituation könnte sich langfristig aus der Erschließung mariner Rohstoffquellen ergeben. Eine Realisierung der Tiefseebergbauvorhaben auf Manganknollen würde eine sehr große, zusätzliche Rohstoffquelle für Kupfer, Nickel, Kobalt und Mangan darstellen, während aus den sogenannten Kobaltkrusten großen Mengen von Zink, Kobalt und verschiedenen Buntmetallen zu gewinnen wären. Vor dem ersten oder zweiten Quartal des nächsten Jahrhunderts ist mit Erreichen der Wirtschaftlichkeitsschwelle nicht zu rechnen.