[Deutscher Bundestag Drucksache 16/10249
16. Wahlperiode 17. 09. 2008 Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Hans-Josef Fell, Kerstin Andreae,
Bärbel Höhn, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
– Drucksache 16/10169 –
Austausch von ungeregelten Heizungspumpen als Beitrag
zur Reduzierung des Stromverbrauchs in privaten Haushalten
1. Sind der Bundesregierung Zahlen bzw. Schätzungen darüber bekannt, in
welchem Umfang gegenwärtig noch ungeregelte Heizungspumpen als
Bestandteil von Heizungssystemen in privaten Wohngebäuden betrieben
werden?
Exakte Zahlen zum Anteil ungeregelter Heizungspumpen liegen der
Bundesregierung nicht vor. Er wird aber als hoch eingeschätzt. Nach Schätzungen des
Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) könnten bis zu
80 Prozent der in Wohngebäuden installierten Pumpen ungeregelt sein.
2. Wie hoch ist nach dem Kenntnisstand der Bundesregierung der
durchschnittliche prozentuale Anteil ungeregelter Heizungspumpen am
Gesamtstromverbrauch privater Haushalte (Einfamilienhaus mit vier Personen)
derzeit etwa?
Zum durchschnittlichen prozentualen Anteil ungeregelter Heizungspumpen am
Gesamtstromverbrauch privater Haushalte liegen der Bundesregierung keine
eigenen statistischen Daten vor. Der Anteil der Heizungspumpen am gesamten
Stromverbrauch ist von vielen Faktoren (z. B. Pumpenlaufzeit, hydraulischer
Zustand der Heizungsanlage) und daher stark von den zu Grunde gelegten
Annahmen abhängig.
Expertenberechnungen (u. a. in Gutachten zur Wirtschaftlichkeit der EnEV-
Anforderungen und in Veröffentlichungen der Deutschen Energie-Agentur
GmbH (dena)) geben den durchschnittlichen Stromverbrauch von ungeregelten
Umwälzpumpen bei Ein- und Zweifamilienhäusern mit derzeit zwischen etwa
300 und 500 kWh/Jahr an. Eine von RWI und forsa im Auftrag des
Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) für das Jahr 2005
durchgeführte Erhebung des Energieverbrauchs privater Haushalte ergab bei 4-
Personen-Haushalten ohne Elektro- oder Nachtspeicherheizung einen durchschnitt- Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie vom
11. September 2008 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Drucksache 16/10249 – 2 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiodelichen Jahresstromverbrauch von 4 902 kWh. Damit hätte eine ungeregelte
Heizungspumpe einen Anteil zwischen 6 und 10 Prozent am
Gesamtstromverbrauch. Allerdings betrachtet die Untersuchung alle Haushalte, nicht nur
Bewohner von Ein- und Zweifamilienhäusern.
3. Trifft es zu, dass der durchschnittliche Jahresstromverbrauch ungeregelter
Heizungspumpen in Einfamilienhäusern erheblich höher ist, als von im
Dauerbetrieb befindlichen elektrischen Großgeräten (Kühlschrank,
Gefrierschrank) bzw. in etwa doppelt so hoch, wie für die Beleuchtung angesetzt
wird?
Eine allgemeine Aussage ist nicht möglich, da sie stark von den getroffenen
Annahmen abhängt.
Der Energiereport IV von ewi und Prognos (2005) gibt den durchschnittlichen
Verbrauch eines Kühlschranks in Deutschland in 2002 mit 255 kWh an (Kühl-
Gefrier-Gerät 274 kWh, Gefriergerät 264 kWh). Allerdings dürfte der
Energieverbrauch eines Kühl- und Gefriergeräts in Ein- und Zweifamilienhäusern
komfortbedingt über dem Durchschnitt liegen und sich damit dem einer
ungeregelten Heizungspumpe annähern; nach Angaben aus der Stromwirtschaft hat ein
Kühlschrank hier einen durchschnittlichen Jahresstromverbrauch von 355 kWh,
ein Gefrierschrank benötigt 420 kWh.
Der Anteil der Beleuchtung am gesamten Stromverbrauch macht bei
Einfamilienhäusern ca. 12 Prozent aus (vgl. Prognos 2007: Potenziale für
Energieeinsparungen und Energieeffizienz im Lichte aktueller Preisentwicklungen)
und ist damit vermutlich höher als der der Heizungspumpen (siehe Antwort zu
Frage 2). Da diese Untersuchung auch Haushalte mit Stromheizungen umfasst,
dürfte bei Einfamilienhäusern mit Heizungspumpen der Anteil der Beleuchtung
am gesamten Stromverbrauch noch darüber liegen.
4. Trifft es zu, dass zwischenzeitlich auf dem Markt befindliche elektronisch
geregelte Heizungspumpensysteme beim Einsatz in Einfamilienhäusern
gegenüber ungeregelten Heizungspumpen einen um 70 bis 80 Prozent
verringerten Strombedarf aufweisen, was einer Reduzierung der jährlichen
Stromkosten von bis zu 100 Euro zur Folge haben kann?
Elektronisch geregelte Heizungspumpen verbrauchen weniger Strom als
ungeregelte. Der Umfang der Stromersparnis variiert je nach neu eingesetzter
Pumpentechnik (herkömmlich geregelte Pumpen oder sog. Hocheffizienzpumpen)
sowie energetischer Qualität des Gebäudes (Qualität der Außendämmung) und
der Heizungsanlage (s. Antwort zu Frage 2). Insofern bietet sich hier ein
differenziertes Bild, das eine allgemeine Aussage zur Stromersparnis nicht zulässt.
5. Teilt die Bundesregierung die Auffassung, dass sich die Kosten eines
Austausches ungeregelter Heizungspumpen gegen moderne elektronisch
gesteuerte Systeme bereits nach wenigen Jahren amortisiert haben?
Die wirtschaftlichen Auswirkungen werden im Einzelfall von verschiedenen
Faktoren beeinflusst, zu denen neben den in der Antwort auf Frage 4 genannten
noch die technische Lebensdauer der Pumpen zählt. Eine pauschale Aussage
zur Wirtschaftlichkeit würde diesen Umstand nicht hinreichend
berücksichtigen.
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 3 – Drucksache 16/102496. Worauf führt die Bundesregierung den Umstand zurück, dass bislang – selbst
bei dem vorgenommenen Austausch von Heizungssystemen – kaum ein
Austausch von Heizungspumpen stattfindet?
Bei privaten Haushalten bestehen verschiedene Hemmnisse, die die
Realisierung von Energieeinsparpotentialen verhindern oder erschweren (vgl. Prognos
2007: Potentiale für Energieeinsparung und Energieeffizienz im Lichte
aktueller Preisentwicklungen). Am bedeutendsten sind in diesem Fall informatorische
Hemmnisse. So kennen viele Hausbesitzer das Energiesparpotential bei
Heizungspumpen nicht. Generell ist es schwierig, Verbraucher dazu zu bewegen,
noch funktionsfähige Geräte aus Gründen der Energieeffizienz vorzeitig
auszutauschen. Zumindest bei separaten Heizungspumpen führt daher der Austausch
einer Heizungsanlage nicht zwangsläufig auch zum Austausch der
Heizungspumpe bzw. der Optimierung des Gesamtsystems.
Die Werbung der Pumpenindustrie richtet sich eher an das Handwerk und nicht
an die Hausbesitzer. Für das Handwerk ist die Weitergabe der Information an
den Hausbesitzer jedoch nicht zwangsläufig wirtschaftlich, weil der hierzu
notwendige kommunikative Aufwand im Verhältnis zu den zusätzlichen
Umsatzchancen gesehen werden muss. Viele Schornsteinfeger, neben dem
Heizungsinstallateur der häufigste Ansprechpartner der Bürger zum Thema Heizung,
richten gemäß ihres Auftrags aus der Ersten Verordnung zur Durchführung des
Bundes-Immissionsschutzgesetzes (1. BImSchV) bisher ihren Blick
schwerpunktmäßig auf die Abgasverluste.
7. Teilt die Bundesregierung die Auffassung, dass das Wissen über den
Stromverbrauch ungeregelter Heizungspumpen und mögliche Alternativen
bei privaten Wohnungs- und Gebäudebesitzern bislang nur sehr gering
ausgeprägt ist?
Die Bundesregierung teilt grundsätzlich diese Auffassung. Allerdings gibt es
Anzeichen, dass diese Problematik stärker ins Bewusstsein dringt. So werden
in ca. 35 Prozent der jährlich ca. 70 000 vom Bundesministerium für Wirtschaft
und Technologie geförderten, in den Verbraucherzentralen stattfindenden
Energieberatungen Fragen zum Themenbereich Regelung und Verteilung
beantwortet.
8. Welche Maßnahmen will die Bundesregierung ergreifen, um die
Verbraucherinnen und Verbraucher intensiv über die Auswirkungen von
ungeregelten Heizungspumpen zu informieren?
Die vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
(BMU) geförderte Kampagne „Klima sucht Schutz“ bietet Hausbesitzern im
Rahmen eines interaktiven Ratgebers u. a. Informationen über die ökologischen
und wirtschaftlichen Vorteile, die sich vor allem aus dem vorzeitigen Austausch
von alten ungeregelten Pumpen gegen neue Hocheffizienzpumpen ergeben.
Hierdurch werden jährlich etwa 50 000 Hausbesitzer über die ökologischen und
wirtschaftlichen Auswirkungen aufgeklärt.
Energieeffiziente Heizungspumpen sind auch ein Schwerpunktthema der
vom BMWi geförderten „Initiative EnergieEffizienz“ der dena (siehe
http://www.stromeffizienz.de/stromsparen/heizung.html).
Hausbesitzer haben die Möglichkeit, im Rahmen der vom BMWi geförderten
Energieberatungsprogramme hierzu auf den jeweiligen konkreten Fall
bezogene, umfassende und unabhängige Informationen zu erhalten. Diese
Programme werden im Rahmen der Umsetzung des Integrierten Energie- und
Drucksache 16/10249 – 4 – Deutscher Bundestag – 16. WahlperiodeKlimaprogramms ausgebaut. So wurden bereits die Zuschüsse für die Vor-Ort-
Beratung in Wohngebäuden deutlich angehoben. Dies hatte zur Folge, dass sich
die Zahl der Anträge mehr als verdoppelt hat. Während im Jahr 2007 im
Durchschnitt 1 318 Anträge pro Monat gestellt wurden, waren es 3 230 im Juli 2008.
Auch die Energieberatung in den Verbraucherzentralen soll ausgebaut werden
(siehe auch Antwort auf Frage 7).
9. Welche Maßnahmen will die Bundesregierung ergreifen, um den
Austausch ungeregelter Heizungspumpen verstärkt voranzutreiben?
Zunächst wird auf die Antwort zu Frage 8 verwiesen. Die Bundesregierung
erwartet insbesondere vom Ausbau der Energieberatung entscheidende
Verbesserungen.
Im Rahmen der Umsetzung der sog. Öko-Design-Richtlinie hat die EU-
Kommission in diesem Frühjahr erste Vorschläge für Mindeststandards für externe
Heizungspumpen vorgelegt. Diese könnten dazu führen, dass in ein paar Jahren
ungeregelte Umwälzpumpen innerhalb der EU nicht mehr auf dem Markt
wären, so dass sie beim Austausch z. B. auf Grund von Defekten der alten
Pumpe nicht mehr zum Einsatz kämen. Bereits heute erleichtert das – bei
Heizungspumpen allerdings freiwillige – Energielabel den EU-Verbrauchern die
Wahl einer möglichst effizienten Umwälzpumpe. Diese Bestrebungen
unterstützt die Bundesregierung.
Im Rahmen einer umfassenderen energetischen Sanierung wird der Einbau
geregelter Heizungspumpen auch über das CO2-Gebäudesanierungsprogramm der
Kreditanstalt für Wiederaufbau Bankengruppe finanziell gefördert. Die
Bundesregierung prüft, inwieweit die entsprechenden Förderbedingungen
verbessert werden können.
Bei Förderung einer Solarkollektoranlage oder einer Biomasseheizung aus dem
Marktanreizprogramm des BMU wird der Einsatz einer besonders effizienten
Umwälzpumpe mit einem Bonus von 200 Euro gefördert, sofern die Pumpe
Bestandteil eines hydraulisch und regeltechnisch optimierten Heizungssystems ist.
10. Welche positiven Auswirkungen durch den Austausch ungeregelter
Heizungspumpen auf die Energiemärkte sind zu erwarten?
Wie jede effizientere Nutzung von Energie tragen auch Effizienzsteigerungen
bei Heizungspumpen zur besseren Erreichung des Ziels einer sicheren,
umweltfreundlichen und wirtschaftlichen Energieversorgung bei.
11. Welche Energieeinsparvolumen können durch den Austausch
ungeregelter Heizungspumpen erreicht werden?
Es wird auf die Antwort zu Frage 10 verwiesen.
12. Wie schätzt die Bundesregierung die Auswirkungen eines umfassenden
Austausches ungeregelter Heizungspumpen auf die Klimaschutz- und
CO2-Ziele der Bundesrepublik Deutschland ein?
Es wird auf die Antwort zu Frage 10 verwiesen.Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co., Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin
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