Die Kampagne „Geben gibt“ im Rahmen der Initiative ZivilEngagement des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Britta Haßelmann, Ekin Deligöz, Kai Gehring, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Vorbemerkung der Fragesteller
Im Rahmen der Initiative ZivilEngagement des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) plant die Bundesregierung in den Jahren 2009/2010 gemeinsam mit dem Bundesverband deutscher Stiftungen unter dem Motto „Geben gibt“ eine Kampagne zur Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements durchzuführen. Bereits seit 2004 organisiert das Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE), unterstützt durch die Bundesregierung, die Woche des bürgerschaftlichen Engagements. Auch diese Kampagne verfolgt das Ziel, bürgerschaftliches Engagement in seiner ganzen Vielfalt öffentlich sichtbar zu machen und damit den Wert des bürgerschaftlichen Engagements für die Gesellschaft aufzuzeigen. In diesem Jahr findet zwischen dem 19. und 28. September 2008 unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten Horst Köhler die Woche des bürgerschaftlichen Engagements statt. Dabei werden bundesweit Vereine, Initiativen, Organisationen, staatliche Institutionen und Unternehmen auf lokaler, regionaler oder der Bundesebene unter dem Motto „Engagement macht stark!“ auf ihre Freiwilligenprogramme, Projekte und Initiativen aufmerksam machen. Begleitet wird die Woche des bürgerschaftlichen Engagements von einer bundesweiten Plakatkampagne.
Fragen und Antworten13
Teilt die Bundesregierung die Einschätzung, dass auch die Woche des bürgerschaftlichen Engagements die in der Broschüre „Miteinander-Füreinander“ des BMFSFJ beschriebene Zielsetzung der neuen Kampagne „Geben gibt“ („Eine Kampagne in Zusammenarbeit mit Partnern aus allen gesellschaftlichen Bereichen soll die Leitidee Bürgergesellschaft verankern und verschiedene Facetten bürgerschaftlichen Engagements und ihren Wert für die Engagierten wie für die Gesellschaft deutlich herausstellen.“) mit ihren bisherigen Kampagnen erreichen konnte? Wenn ja, warum plant die Bundesregierung dann eine weitere Kampagne unter dem Motto „Geben gibt“, mit dem gleichen Inhalt und den gleichen Zielen? Wenn nein, warum wurde nicht die Woche des bürgerschaftlichen Engagements weiterentwickelt, damit die gewünschte Zielstellung erreicht werden konnte?
Die „Woche des bürgerschaftlichen Engagements“ und die Kampagne „Geben gibt“ unterscheiden sich in Format und Strategie grundlegend. Der regionale und zeitliche Aufmerksamkeitsanspruch der „Woche des bürgerschaftlichen Engagements“ erfüllt seinen guten Zweck und hat sich als festes Datum im Engagementkalender etabliert. Die Kampagne „Geben gibt“ hat jedoch den Anspruch, Wirtschaft und Zivilgesellschaft in einer strategisch abgestimmten langfristigen Konzeption mit (staatlich und zivilgesellschaftlich relevanten) Rahmenbedingungen und Potenzialen in Interaktion zu bringen und einen Paradigmenwechsel hin zu einer trisektoral abgestimmten Engagementpolitik zu begleiten.
Welchen Verdienst hat die Woche des bürgerschaftlichen Engagements in den Augen der Bundesregierung?
Die „Woche des bürgerschaftlichen Engagements“ trägt vor allem dazu bei, die öffentliche Anerkennung für bürgerschaftliches Engagement zu fördern und den unersetzlichen Beitrag von Engagement für die Gesellschaft darzustellen. Mittels verschiedener Aktionen, einer Plakataktion, mit Flyern, Postkarten, Give-Aways und der Einbindung Prominenter, wird Engagement für eine Woche im Jahr in den Blickpunkt gerückt.
Wie und in welcher Form wird sich die Kampagne „Geben gibt“ von der der Woche des bürgerschaftlichen Engagements unterscheiden?
Die Kampagne „Geben gibt“ im Rahmen der Initiative ZivilEngagement wird als eine Dachkampagne zielgruppengenau über einen längeren Zeitraum ein nachhaltiges Verständnis der gesamtgesellschaftlichen Bedeutung von bürgerschaftlichem Engagement in den breiten öffentlichen Diskurs tragen. Mit der von ihr erzeugten medialen Aufmerksamkeit werden sektoral abgestimmt neue Impulse auf bundesweiter, regionaler und lokaler Ebene gesetzt. Im Übrigen wird auf die Antwort zu Frage 1 verwiesen.
Wie und in welcher Form kann die neue Kampagne „Geben gibt“ von den Erfahrungen der Woche des bürgerschaftlichen Engagements profitieren?
Das Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement, das die „Woche des bürgerschaftlichen Engagements“ organisiert, war bereits in einem Pre-Projekt zur Erarbeitung einer Kampagnenstrategie eingebunden und wird auch die Kampagne selbst im Kampagnenrat mitsteuern. Der Kampagnenrat berät die großen strategischen Weichenstellungen der Kampagne und sorgt für gegenseitige Abstimmung und Transparenz gegenüber den Partnern.
Wie soll die Kampagne „Geben gibt“ inhaltlich ausgestaltet werden? Welche Botschaften sollen vermittelt werden?
In das thematische Zentrum der Kampagne „Geben gibt“ wird die Mischung aus Eigeninteresse und sozialer Motivation von bürgerschaftlich Engagierten gerückt.
Die Kampagne arbeitet dabei mit dialogischen Elementen; im Dialog kann man am eindrucksvollsten Anerkennung erfahren und zudem motiviert der Dialog mit anderen am ehesten zu bürgerschaftlichem Engagement. Die Kernbotschaft der Kampagne wird „Geben gibt“ lauten. Sie trifft den Kern der Sache und schließt alle Formen des Gebens ein. Die Doppeldeutigkeit von „Geben gibt“ arbeitet in beide Richtungen: Anderen etwas geben und dafür etwas zurückbekommen.
Mit welchen Maßnahmen soll die Zivilgesellschaft bei der Kampagne „Geben gibt“ eingebunden werden?
Die Kampagne basiert auf einer breit angelegten Partnerstruktur: Im Schulterschluss der gemeinnützigen Dachverbände entsteht eine Kooperation, die aktiv an der Gestaltung der Kampagne mitwirken wird.
Wann soll die neue Kampagne „Geben gibt“ durchgeführt werden?
Die Kampagne wird voraussichtlich Ende dieses Jahres gestartet und bis Mitte 2011 laufen.
Wird der Bundesverband Deutscher Stiftungen oder das BMFSFJ für den Inhalt, die Durchführung und Koordinierung der neuen Kampagne „Geben gibt“ verantwortlich sein? In welcher Funktion wird dabei Herr Dr. Fleisch die Kampagne begleiten, als Generalsekretär des Bundesverbands Deutscher Stiftungen oder als Beauftragter ZivilEngagement des BMFSFJ?
Der Bundesverband Deutscher Stiftungen ist Träger der Kampagne. Dr. Fleisch wird in seiner Funktion als Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen die Kampagne begleiten. Das BMFSFJ wird dem Kampagnenrat als Steuerungsgruppe, die die laufende Abstimmung vornehmen wird, angehören.
Welche zivilgesellschaftlichen Partner werden außerdem in die Planungen dieser Kampagne einbezogen?
Hinter der Kampagne stehen diverse Partner, unterstützend und fördernd, beratend und entscheidend. Verschiedene zivilgesellschaftliche Partner waren bereits in die Planungen der Kampagne einbezogen: der Deutsche Olympische Sportbund, Mitgliedsverbände der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege sowie die BAGFW selbst, das Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement, das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen und der Deutsche Spendenrat.
Soll die neue Kampagne evaluiert werden? Wenn ja, von wem und in welcher Form, wenn nein, warum nicht?
Im Rahmen der Kampagne soll eine umfassende Medienanalyse in Auftrag gegeben werden. Sie gewährleistet feststellen zu können, ob und wieweit die Kampagne erfolgreich ist und ihre Kommunikationsziele auch tatsächlich erreicht.
Auf die Erkenntnisse der Analyse kann im Laufe des Agenda-Setting-Prozesses reagiert werden.
Wie wird die Kampagne „Geben gibt“ finanziert? Welches Gesamtbudget wird diese Kampagne haben? Welche Mittel sind dafür im Bundeshaushalt 2009 im Haushalttitel 684 73 vorgesehen? Welche Ausgaben entstanden bisher dem BMFSFJ in 2008 bei der Vorbereitung der Kampagne, dem sogenannten Pre-Projekt?
Die Bundeszuwendung beträgt im Jahr 2009 bis zu 400 000 Euro (insgesamt beträgt sie 1 200 000 Euro = 21 Prozent der Gesamtausgaben). Das BMFSFJ hat das Pre-Projekt mit 59 713,23 Euro unterstützt.
Hat die Bundesregierung die Absicht, parallel zur Kampagne „Geben gibt“ auch 2009 die Woche des bürgerschaftlichen Engagements durchzuführen und zu fördern? Wenn ja, wie wird bei der Durchführung der beiden Kampagnen sichergestellt, dass keine Parallelstrukturen entstehen und sich die beiden Kampagnen inhaltlich sinnvoll ergänzen? Wenn ja, in welcher Höhe hat die Bundesregierung die Absicht, die Woche des bürgerschaftlichen Engagements im Bundeshaushalt 2009 zu fördern? Wenn nein, warum wird das erfolgreiche Format der Woche des bürgerschaftlichen Engagements eingestellt?
Das BMFSFJ wird mit dem Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE) Gespräche über die Bedingungen und den Umfang einer weiteren Förderung der „Woche des bürgerschaftlichen Engagements“ führen. Parallelstrukturen sind nicht zu befürchten, da der die Kampagne organisierende Bundesverband Deutscher Stiftungen und das BBE in ständigem Austausch über ihre Vorhaben stehen.
Hält es die Bundesregierung mittelfristig für wünschenswert, die beiden Kampagnen zusammenzuführen? Wenn ja, in welcher Form? Wenn nein, warum nicht?
Die Kampagne „Geben gibt“ ist eine zeitlich befristete Kampagne. Die Bundesregierung plant zurzeit keine darüber hinausgehende Unterstützung der Kampagne „Geben gibt“.