Die Anfrage geht erkennbar von der Auffassung aus, daß die Ergebnisse der Jahre 1975 und 1985 dieser Statistik unmittelbar vergleichbar seien; aus sehr unterschiedlichen Gründen trifft dies nicht zu, z. B. wegen demographischer Veränderungen und Änderungen in der Klassifikation, nach der diese Statistiken verschlüsselt werden. So hat z. B. die Zahl der bei den Ortskrankenkassen versicherten 30- bis 44jährigen im Zeitraum von 1975 bis 1985 um 737 000 abgenommen, während die Zahl der 45-bis 59jährigen um 787 000 zugenommen hat.
Grundlage dieser Statistik sind die Mitteilungen der Krankenhäuser an die Krankenkassen, mit denen die Krankenhäuser den Kassen die Kosten für die abgeschlossenen Krankenhausbehandlungen der Versicherten in Rechnung stellen. Bei diesem Verfahren wird ein Versicherter der Krankenkasse jedes Mal gemeldet, wenn er in einem Krankenhaus behandelt wurde und entsprechend in dieser Statistik als Fall erfaßt, so daß z. B. bei mehrmaligem Krankenhausaufenthalt während eines Jahres der Versicherte auch mehrmals in dieser Statistik als Krankenhausfall enthalten ist. Daher lassen sich aus dieser Statistik auch keine Aussagen über die Zahl der Personen mit diesen Krankheiten treffen, sondern es sind nur Aussagen über die Krankenhausfälle möglich. Es handelt sich also nicht um eine personenbezogene Morbiditätsstatistik, sondern um eine reine Fallstatistik.
Es ist ferner zu berücksichtigen, daß im Jahr 1975 284 Ortskrankenkassen mit einem Anteil von 90,78 % des Gesamtbestandes an Mitgliedern an dieser Statistik beteiligt waren; im Jahr 1985 waren es 238 Ortskrankenkassen mit einem Anteil von 83,04 % des Gesamtbestandes an Mitgliedern. Sowohl für 1975 als auch für 1985 basieren die Ergebnisse dieser Krankheitsartenstatistik teils auf Total-, teils auf einer Repräsentativerhebung mit einem Auswahlsatz von mindestens 20 % aller bei den beteiligten Ortskrankenkassen angefallenen Krankenhausfälle dieser Jahre.
Die Krankheitsartenstatistik 1975 basierte erstmals auf der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD) 8. Revision. Seit 1982 erfolgt die Gliederung der Krankheitsarten nach der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD) 9. Revision.
Zu der Krankheitsgruppe „Neubildungen" gehören u. a. die bösartigen Neubildungen, die gutartigen Neubildungen und die Neubildungen unbekannten Charakters. Im Jahre 1975 betrugen beispielsweise die Krankenhausfälle an Neubildungen unbekannten Charakters 19 je 10 000 Mitglieder, im Jahr 1985 waren es 64 Krankenhausfälle. Nach dieser Statistik des AOK Bundesverbandes haben die Krankenhausfälle an bösartigen Neubildungen mit 73 je 10 000 Mitglieder im Jahr 1975 und mit 126 im Jahr 1985 in diesem Zeitraum um 73 % zugenommen. Für diese Zunahme dürfte vorwiegend die höhere Zahl der Krankenhausfälle der über 65jährigen eine Rolle spielen; so haben sich bei diesen Altersgruppen die Krankenhausfälle je 10 000 Mitglieder beispielsweise bei den bösartigen Neubildungen der Harn- und Geschlechtsorgane erhöht, und zwar bei den Mitgliedern von 23 auf 51 und bei den Rentnern von 34 auf 47. Aber auch die Krankenhausfälle an bösartigen Neubildungen der Luftröhre, Bronchien und Lunge sind von 7 im Jahr 1975 auf 10 im Jahr 1985 gestiegen.
Auf Grund von Veränderungen der 9. Revision gegenüber der 8. Revision der ICD ist ein Vergleich der Ergebnisse der Jahre 1975 und 1985 bei der Krankheitsgruppe der „Krankheiten des Skeletts, der Muskeln und des Bindegewebes" ohne Einschränkungen nicht möglich. Zu dieser Krankheitsgruppe gehört auch ein Teil der rheumatischen Krankheiten. Die Krankenhausbehandlungen wegen Arthropathien (Gelenkleiden) und verwandten Affektionen mit 71 je 10 000 Mitglieder — darunter an Osteoarthrose (Verschleißkrankheiten) und entsprechenden Affektionen allein 25 — und die Dorsopathien (Rückenleiden), zu denen u. a. auch die Bandscheibenschäden gehören, mit 61 Krankenhausfällen je 10 000 Mitglieder erreichten allein einen Anteil von 73 % an sämtlichen Krankenhausfällen dieser Krankheitsgruppe.
Bei den psychiatrischen Krankheiten erreichten 1985 die 76 Krankenhausfälle je 10 000 Mitglieder mit Neurosen, Persönlichkeitsstörungen (Psychopathien) und anderen nichtpsychotischen psychischen Störungen einen Anteil von 64 % aller Krankenhausfälle dieser Krankheitsgruppe. Unter diesen Krankheiten waren allein 27 Krankenhausfälle je 10 000 Mitglieder wegen Alkoholabhängigkeit und 16 wegen Neurosen. Bei diesen beiden Krankheitsarten betrugen die Krankenhausfälle je 10 000 Mitglieder im Jahr 1975 erst 16 bzw. 8. Wie schwierig die Beurteilung ist, ergibt sich daraus, daß die durchschnittliche Verweildauer in Tagen in den Krankenhäusern für Psychiatrie 1975 (einschließlich Heil- und Pflegeanstalten) 226,5, aber 1985 nur noch 117,5 und in den Krankenhäusern für Psychiatrie und Neurologie 1975 147,8 und 1985 104,0 betrug.
Zu der Krankheitsgruppe „Komplikationen der Schwangerschaft, bei Entbindung und im Wochenbett" gehört auch die normale Entbindung. Im Jahr 1975 waren es 6,0, im Jahr 1985 111 Krankenhausfälle je 10 000 Mitglieder mit diesem Anlaß für einen Krankenhausaufenthalt. Ohne diese Krankenhausfälle der normalen Entbindung ergeben sich für diese Krankheitsgruppe im Jahr 1975 57 und im Jahr 1985 95 Krankenhausfälle je 10 000 Mitglieder und damit eine Zunahme um 67 %. Die Zunahme dieser Krankenhausaufenthalte ist möglicherweise darauf zurückzuführen, daß Frauen während der Schwangerschaft zur Vorbeugung einer Risikogeburt öfter, jedoch so kurz wie notwendig aus der ambulanten Betreuung in die stationäre Behandlung überwiesen werden. Die durchschnittliche Falldauer der Krankenhausfälle dieser Krankheitsgruppe — ohne normale Entbindung — ist jedenfalls von 10,8 Tagen im Jahr 1975 auf 7,5 Tage im Jahr 1985 zurückgegangen, und der Anteil der Kinder, deren Mütter bei der Geburt ihrer Kinder 30 Jahre und älter waren, ist von 28 % im Jahr 1975 auf 31 % im Jahr 1985 gestiegen.