[Deutscher Bundestag Drucksache 16/11956
16. Wahlperiode 13. 02. 2009 Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Uwe Barth, Cornelia Pieper,
Patrick Meinhardt, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der FDP
– Drucksache 16/11784 –
„Studieren in Ostdeutschland“ – Zielsetzung und Erfolgsaussichten der
Hochschulkampagne Ost
Vo r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Während für die westdeutschen Bundesländer in den kommenden Jahren ein
enormer Anstieg im Bereich der Erstimmatrikulationen prognostiziert wird,
gehen Experten davon aus, dass aufgrund des Rückgangs der
Studienberechtigtenzahlen in den neuen Bundesländern Studienplatzkapazitäten nicht
ausgeschöpft werden. Dieses Ungleichgewicht mit Blick auf Angebot und
Nachfrage hat die ostdeutschen Bundesländer und den Bund dazu veranlasst, eine
Hochschulkampagne in Auftrag zu geben, um die Bereitschaft zur Mobilität
unter Studierwilligen aus den alten Bundesländern zu erhöhen.
Es stellt sich jedoch die Frage, inwiefern eine überregionale Kampagne dazu
geeignet ist, das Interesse an konkreten Hochschulstandorten zu wecken.
Denn wie die Studie der Hochschul-Informations-System GmbH (HIS) über
„Studienanfänger im Wintersemester 2007/08“ eindrucksvoll belegt, wirken
sich „Freizeitangebot“ und „Atmosphäre am Hochschulort“ auf die Wahl des
Standorts häufig mehr aus als die Frage nach einem konkreten Studiengang
oder dem Ruf der Lehrenden. Doch gerade mit Blick auf die kulturellen
Merkmale der Standorte finden sich im ostdeutschen Raum wesentliche
Unterschiede – so bietet beispielsweise der Hochschulstandort Greifswald ein ganz
anderes Freizeit- und Aktivitätspotential als Jena, Leipzig oder Halle.
Vo r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
Im Hochschulpakt 2020 wurde vereinbart, dass die ostdeutschen Länder die
Zahl ihrer Studienanfängerinnen und -anfänger von 2005 trotz rückläufiger
demographischer Entwicklung zunächst bis 2010 aufrechterhalten. Hintergrund
sind die Prognosen zur unterschiedlichen Entwicklung der
Studienanfängerzahlen in den alten und neuen Ländern. Demnach steht in den nächsten Jahren
dem Rückgang in den neuen Ländern ein deutlicher Anstieg der
Studienanfängerzahlen in den alten Ländern gegenüber. Um den großen Andrang der zu
erwartenden Studieninteressierten auf die deutschen Hochschulen insgesamt Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Bildung und Forschung vom
12. Februar 2009 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Drucksache 16/11956 – 2 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiodebewältigen zu können, sollen vorhandene Kapazitäten optimal ausgeschöpft
werden. Dabei sollen auch vermehrt westdeutsche Studienberechtigte für ein
Hochschulstudium in den neuen Ländern gewonnen werden.
1. Wie stellt sich die von der Bundesregierung unterstützte Kampagne
„Studieren in Ostdeutschland“ konkret dar, und welche Ziele sollen damit
verfolgt werden?
Mit einer Marketingkampagne wollen die neuen Länder Studieninteressierte
aus den westdeutschen Ländern für ein Studium in Ostdeutschland gewinnen
und junge Menschen aus den neuen Ländern davon überzeugen, dort auch ihr
Studium aufzunehmen. Die Kampagne hat Ende 2008 begonnen und ist bis
zum Jahr 2012 geplant.
Wesentliche Ziele der Marketingkampagne sind:
● Information der Studierwilligen insbesondere aus westdeutschen Ländern
über die Vorzüge eines Studiums in den neuen Ländern;
● Abbau vorhandener Hemmnisse bzw. Vorurteile gegenüber den
ostdeutschen Studienorten;
● Unterstützung der Aktivitäten der ostdeutschen Hochschulstandorte sowie
einzelner Länder.
Die Kampagne soll den Dialog der ostdeutschen Hochschulen mit
Studieninteressierten etablieren. Dabei soll ein Mehrwert für jede einzelne Hochschule
und jedes Land in Ostdeutschland geschaffen werden. Ein wesentlicher
Bestandteil des Konzepts ist eine Mobilisierung der Hochschulen. Bereits
bestehende Aktivitäten der Hochschulen bzw. Marketingmaßnahmen der neuen
Länder können integriert werden.
Die Kampagne nutzt insbesondere die interaktiven Möglichkeiten des Jugend-
Leitmediums Internet. Partner der Kampagne ist das Internetportal SchülerVZ,
in dem derzeit über 60 Prozent aller Schülerinnen und Schüler in Deutschland
registriert sind. Über eine „Studiensuchmaschine“ erhalten die Schülerinnen
und Schüler entsprechend ihren Neigungen und Präferenzen den Vorschlag für
ein passendes Studienfach, Angaben über die Hochschulen im Osten
Deutschlands, an denen das Fach studiert werden kann, und die Möglichkeit,
Informationsmaterial dieser Hochschulen direkt anzufordern. Auf einer eigenen
Internetseite, dem Schülerportal, kann die „Studiensuchmaschine“ außerdem von
allen Jugendlichen benutzt werden, die nicht bei SchülerVZ registriert sind.
2. Welche Zielsetzung wird mit der Beauftragung der fachlichen Begleitung
der Kampagne durch das Institut für Hochschulforschung HoF Wittenberg
verfolgt?
Das HoF Wittenberg hat bisher die Aktivitäten der Kampagne fachlich begleitet
und unterstützt. So wurden etwa in Kooperation mit anderen Partnern wie CHE
(Centrum für Hochschulentwicklung) und HIS Studien zur Mobilität der
Zielgruppe bzw. zu den vor Ort vorhandenen Angeboten und
Marketingaktivitäten erstellt. Auch wurde vom HoF Wittenberg eine Informationsplattform
„Hochschulkampagne – Studieren in Ostdeutschland“ (
http://www.hochschul=
kampagne.de) aufgebaut. Diese Beratungsplattform lieferte sowohl der
durchführenden Agentur als auch den Hochschulen insbesondere in der Startphase
der Kampagne 2008 entsprechende Informationen.
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 3 – Drucksache 16/119563. In welcher Höhe stellen Bund und Länder Mittel für die Realisierung der
Kampagne und Begleitstudie zur Verfügung?
Der Bund beteiligt sich an der Finanzierung der Kampagne bis 2012 mit
jährlich etwa zwei Mio. Euro. Die Länder leisten ihren Beitrag vor allem durch
länderspezifische Werbekampagnen und entsprechende Aktivitäten und Angebote
der Hochschulen, welche die Grundlage für die Dachkampagne darstellen.
4. Wie werden die jeweiligen Hochschulstandorte im Rahmen der Kampagne
dargestellt?
Finden sich Möglichkeiten im Rahmen der Kampagne, um auf die Vorzüge
des jeweiligen Standorts – auch und gerade gegenüber Alternativen in den
alten Bundesländern – hinzuweisen?
Die Studiensuchmaschine im Internetportal SchülerVZ wurde exklusiv für die
ostdeutschen Hochschulen eingerichtet. Die Schülerinnen und Schüler erhalten
drei Vorschläge zu ostdeutschen Hochschulen. Über eine Verlinkung gelangt
man zu dem Profil der vorgeschlagenen Hochschule innerhalb von SchülerVZ.
Die Hochschulen haben hier die Möglichkeit, weitereichende Informationen
(Logos, Bilder, Videos, Texte) zu präsentieren und sich der Zielgruppe
vorzustellen. Das Hochschulprofil wird inhaltlich in drei Bereiche gegliedert:
„Studium und Karriere“, „Stadt und Ausgehen“ sowie „zukünftige Kommilitonen“.
Studieninteressierte können sich selbst ein Bild machen und Vergleiche ziehen.
Es wird kein Marketing gegen Alternativstandorte im Westen betrieben.
5. Wie sind die jeweiligen Hochschulen und Studienstandorte im Rahmen der
Kampagne eingebunden worden?
In welcher Weise hat eine Kooperation stattgefunden?
Mit welchem Ergebnis?
Die enge Verzahnung von Kampagne und Hochschulen ist Kernstück des
Konzepts und zugleich eine Grundvoraussetzung für den Erfolg. Die Werbung um
Studienanfänger soll mit einer kontinuierlichen Verbesserung der
Marketingaktivitäten und des Serviceangebots der Hochschulen einhergehen. Um einen
Anreiz für die kontinuierliche Verbesserung zu bieten, finden in den Jahren
2009 bis 2012 jährliche Wettbewerbe statt, bei denen die besten Konzepte zu
ausgewählten Servicethemen prämiert werden. Mit den Preisgeldern können
die Gewinner ihre Ideen in die Praxis umsetzen. Gleichzeitig dienen die „Best
Pratice“-Fälle anderen Hochschulen als Vorbild.
Im November und Dezember 2008 hat die ausführende Agentur Scholz &
Friends mit allen an der Kampagne beteiligten 46 ostdeutschen Hochschulen
gemeinsame Workshops zu den Themen Hochschulmarketing und Betreuung
von Studieninteressenten durchgeführt. Zum einen wurden die einzelnen
Elemente der Kampagne erläutert und deren Schnittstellen mit den
Hochschulen definiert. Zum anderen wurden gemeinsam mit den jeweiligen Hochschulen
auf Basis einer Ist-Analyse Optimierungsmöglichkeiten in der Kommunikation
mit den Studieninteressierten erarbeitet. Die Workshops sind von den
Hochschulen sehr positiv aufgenommen worden. Die Hochschulen wollen die
erhaltenen Anregungen unmittelbar in ihre Marketingaktivitäten umsetzen.
Drucksache 16/11956 – 4 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode6. Welche Aktivitäten der ostdeutschen Hochschulstandorte und der
einzelnen Bundesländer zur Werbung von Studierwilligen gibt es derzeit, und
wie sollen diese durch die Kampagne ergänzt werden?
Momentan haben Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen
eigene Kampagnen zur Werbung von Studierwilligen. Sachsen-Anhalt und
Thüringen planen derzeit, ihre Mittel für die länderübergreifende
Dachkampagne zu nutzen. Daneben haben fast alle Hochschulen eigene
Marketingaktivitäten zur Gewinnung von Studieninteressierten. Diese Aktivitäten
konzentrieren sich in der Regel auf die Teilnahme an Messen, Kooperation mit Schulen
oder den Ausbau von entsprechenden Internetangeboten.
Ein Beispiel für die Verzahnung verschiedener Aktivitäten ist die
Werbekampagne der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU). Die Universität
konzentriert sich auf das Direkt-Marketing und verzichtet dabei auf aufwendige
Anzeigen und Spots in überregionalen Medien. Die Funktion, überregional
Aufmerksamkeit zu erreichen, soll die Dachkampagne übernehmen.
7. Wie hoch ist der Anteil westdeutscher Schulabsolventen an ostdeutschen
Hochschulen und umgekehrt (bitte nach Bundesländern aufgeteilt
angeben)?
Nachfolgend sind die Anteile der Studierenden nach Region des Studienortes
und Region des Erwerbs der Hochschulzugangsberechtigung aufgeführt
(Hinweis: neue Länder ohne Berlin).
Demnach haben nur drei Prozent der Studienanfänger mit in Westdeutschland
erworbener Hochschulzugangsberechtigung ein Studium in den neuen Ländern
begonnen, umgekehrt sind es gut 21 Prozent.
Das Wanderungsverhalten der Hochschulzugangsberechtigten aufgeschlüsselt
nach Bundesländern ist in Anhang 1 dargestellt.
8. Wo und in welchem Zeitraum nach Studienabschluss finden
Absolventinnen und Absolventen ostdeutscher Hochschulen ihre Erstanstellung?
Inwiefern verfügen die betreffenden Hochschulen über Verbleibsanalysen
(bitte nach Ländern und wesentlichen Studienfächern aufgeteilt angeben)?
9. Wo und in welchem Zeitraum nach Studienabschluss finden
Absolventinnen und Absolventen westdeutscher Hochschulen ihre Erstanstellung
(Aufteilung bitte analog zu Frage 8)?
Die Fragen 8 und 9 werden im Zusammenhang beantwortet.
Laut „HIS-Absolventenpanel 2005“ finden etwas mehr als zwei Drittel der
Absolventinnen und Absolventen aus den neuen Ländern ihre erste Stelle auch in
den neuen Ländern (69 Prozent). Ein gutes Viertel wird in den alten Ländern
Studierende nach Region des Studienortes und
Region des Erwerbs der Hochschulzugangsberechtigung
Wintersemester 2007/2008
in Prozent von HZB-Land
Land des Studienortes Land der HZB
alte Länder neue Länder
alte Länder 96,9 21,3
neue Länder 3,1 78,7
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 5 – Drucksache 16/11956erwerbstätig (26 Prozent), ein vergleichsweise geringer Anteil geht zu
Erwerbszwecken ins Ausland (fünf Prozent). Von den Absolventinnen und Absolventen
aus den alten Ländern arbeiten mit 93 Prozent fast alle in der Region ihres
Hochschulabschlusses, lediglich drei Prozent werden in den neuen Ländern
erwerbstätig.
Folgende Tabelle gibt Auskunft über die Verteilung der Ersteinstellungen nach
wesentlichen Studienfächern (Fächergruppen) und Region. Eine Aufteilung der
Erstanstellungen nach einzelnen Ländern liegt der Bundesregierung nicht vor.
Eine Übersicht über Verbleibsanalysen der Hochschulen liegt der
Bundesregierung ebenfalls nicht vor.
Laut „HIS-Absolventenpanel 2005“ sind zwölf Monate nach dem Examen etwa
60 Prozent der Absolventinnen und Absolventen mit Abschluss in den alten
Ländern regulär erwerbstätig. Bei den Absolventen der neuen Länder (inkl.
Berlin) sind es gut zwei Drittel. Direkt nach Studienende sind die Anteile
zunächst gleich groß (gut ein Viertel aller Absolventinnen und Absolventen). Im
Laufe des ersten Jahres nach dem Examen steigen sie in den meisten
Fachrichtungen kontinuierlich an, bei Absolventinnen und Absolventen der neuen
Länder etwas stärker als bei denen der alten Länder.
Regulär erwerbstätig sind Absolventinnen und Absolventen nach verwendeter
Definition dann, wenn sie nach dem Examen nichtselbständig bzw. selbständig
erwerbstätig wurden.
Die zeitliche Entwicklung der Anteile der regulär Erwerbstätigen
Hochschulabsolventinnen und -absolventen nach Region und wesentlichem Studienfach
(Fächergruppe) ist den grafischen Darstellungen in Anhang 2 zu entnehmen.
Region der Erwerbstätigkeit, 1. Stelle nach Examen, nach abgeschlossener Fächergruppe
(in Prozent)
Abschluss in neuen
Ländern
Abschluss in alten
Ländern
Deutschland Insgesamt
Fächergruppe OST WEST Ausl. OST WEST Ausl. OST WEST Ausl.
Sprach- und
Kulturwissenschaften, Sport 72 24 4 2 94 4 19 77 4
Wirtschafts- und
Sozialwissenschaften 67 28 4 3 92 5 17 78 5
Mathematik,
Naturwissenschaften 65 30 6 4 92 4 19 76 5
Humanmedizin 71 24 5 5 92 3 20 77 3
Veterinärmedizin 73 22 5 2 96 2 23 74 3
Agrar-,
Forstwissenschaften 73 24 3 6 88 6 23 72 5
Ingenieurwissenschaften 62 31 7 3 92 5 16 79 5
Kunst,
Kunstwissenschaften 74 23 3 5 94 2 23 75 2
Rechtswissenschaft 91 9 0 1 98 0 20 79 0
Lehramt 76 21 3 0 98 1 9 90 2
Insgesamt 69 26 5 3 93 4 17 79 4
Ausl. = Ausland
Drucksache 16/11956 – 6 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode10. Wie bewerten insbesondere Studierende, Absolventinnen und
Absolventen aus den westdeutschen Ländern ihr Studium/ihren Abschluss an einer
ostdeutschen Hochschule?
Laut „Studienqualitätsmonitor 2008“ bewerten Studierende mit in
Westdeutschland erworbener Hochschulzugangsberechtigung und aktuellem
Studium an einer ostdeutschen Hochschule ihre Studienbedingungen fast
durchgehend positiver als ihre an einer westdeutschen Hochschule studierenden
Kommilitoninnen/Kommilitonen mit in den alten Ländern erworbener
Hochschulzugangsberechtigung.
Laut „HIS-Absolventenpanel 2005“ bewerten Absolventinnen/Absolventen mit
in Westdeutschland erworbener Hochschulzugangsberechtigung und Abschluss
an einer ostdeutschen Hochschule ihre Studienbedingungen fast durchgehend
positiver als Absolventinnen/Absolventen von westdeutschen Hochschulen mit
in den alten Ländern erworbenen Hochschulzugangsberechtigungen.
11. Inwiefern verfügt die Bundesregierung über Erkenntnisse zur
hochschulbezogenen Akzeptanz von Studienabschlüsse in der deutschen
Wirtschaft?
Welche regionalen Besonderheiten finden sich?
Der Bundesregierung liegen keine Erkenntnisse vor, wie die deutsche
Wirtschaft Studienabschlüsse einzelner Hochschulen oder Regionen einschätzt.
12. Bestehen Hemmnisse bzw. negative Vorurteile gegenüber ostdeutschen
Studienorten, und, falls dies zutreffen sollte, wie sollen diese entkräftet
werden?
Als Hemmnisse für eine Studienaufnahme an einer ostdeutschen Hochschule
werden von westdeutschen Studieninteressierten vorrangig die fehlende
Heimatnähe und das bessere Image der westdeutschen Hochschulstandorte
genannt. Da diese Aspekte nicht oder nicht umgehend verändert werden können,
setzt die Kampagne auf eine intensive Darstellung der für die Studienwahl
relevanten Vorzüge der ostdeutschen Hochschulen. Dies sind vor allem die kleinere
Größe der Hochschulen, gute Studienbedingungen inklusive guter Ausstattung
und günstigere Lebenshaltungskosten.
13. Unterscheidet sich die Bereitschaft zur Aufnahme eines Studiums in den
neuen Bundesländern mit Blick auf örtliche und soziale Herkunft, Alter,
Geschlecht, familiäre Situation und das Studieninteresse der Studentin
oder des Studenten?
Worin bestehen – gegebenenfalls – diese Unterschiede?
Mit den der Bundesregierung vorliegenden Studien, dem „HIS-
Studienberechtigtenpanel 2006“ und der „HIS-Studienanfängerbefragung Wintersemester
2007/08“, lassen sich u. a. wegen einer geringen Fallzahl der zur
Studienaufnahme in die neuen Länder abwandernden Studienanfänger mit westdeutscher
Hochschulzugangsberechtigung nur einzelne Hinweise geben.
● In etwas erhöhtem Maße haben sich Studienberechtigte aus
allgemeinbildenden Schulen und Frauen für ein Studium an einer ostdeutschen
Hochschule entschieden. Studienberechtigte mit West-Ost-Mobilität sind zudem
geringfügig jünger als die sesshaften Westdeutschen.
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 7 – Drucksache 16/11956● Unter den Studienanfängern an ostdeutschen Hochschulen (ohne Berlin) mit
westdeutscher Hochschulzugangsberechtigung sind Frauen sowie
Erstsemester aus akademischen Elternhäusern überrepräsentiert. Auffällig ist
zudem, dass West-Ost-Mobile sich überdurchschnittlich für
Rechtswissenschaften, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sowie Kunst/
Kunstwissenschaften und weniger für Natur- und Ingenieurwissenschaften entschieden
haben.
14. Hat es in den vergangenen Jahren einen Bewusstseinswechsel mit Blick
auf die Standortwahl gegeben bzw. haben die ostdeutschen Hochschulen
für potentielle Studierende an Attraktivität gewonnen?
Worauf ist diese Entwicklung zurückzuführen?
Es liegen der Bundesregierung keine Erkenntnisse über einen entsprechenden
Bewusstseinswechsel vor. Feststellbar ist, dass Zahl und Anteil der west-
ostmobilen Studienanfänger in den letzten Jahren leicht zugenommen haben.
15. Inwiefern wird im Rahmen der Berufsberatung an Schulen durch Lehrer
und Mitarbeiter der Bundesagentur für Arbeit gezielt auf die Vorzüge
eines Studiums in den neuen Bundesländern hingewiesen?
Im Rahmen der Berufsorientierung an Schulen werden von der BA neben
Veranstaltungen mit allgemeinen Informationsinhalten zu Ausbildung und
Studium auch themenbezogene Veranstaltungen mit hochschulspezifischen
Fragestellungen durchgeführt. Dabei steht es im Ermessen der Beratungsstellen, auch
auf Studienmöglichkeiten in Ostdeutschland besonders einzugehen. Im
Regelfall wird die individuelle Perspektive des Ratsuchenden vor allem in Hinblick
auf Inhalt und Dauer des Studiums, Wahl des Hochschulstandortes,
Arbeitsmarkt und Finanzierung im Beratungsgespräch mit dem Berufsberater/der
Berufsberaterin erörtert. Die guten Studienbedingungen im Osten, insbesondere
das Verhältnis des Lehrpersonals zu Studierenden, werden dabei
fallangemessen thematisiert.
In den „abi-Medien“ wird unter der Rubrik Hochschulpanorama umfassend
über Hochschulen in West- und Ostdeutschland berichtet. So wird
beispielsweise darauf hingewiesen, dass der Wohnungsmarkt in den ostdeutschen
Städten entspannter und die Lebenshaltungskosten deutlich günstiger sind. Auch
auf die qualitativ gute Ausstattung der ostdeutschen Hochschulen wird
hingewiesen.
16. Inwiefern geht die Bundesregierung davon aus, dass die begrenzte Zahl
an Studienplätzen an westdeutschen Hochschulstandorten zwangsläufig
zu einer Wanderungsbewegung gen ostdeutsche Hochschulen führen
wird?
Die Mobilität von Studieninteressierten ist bislang gering ausgeprägt. Der
Wohnort ist ein zentrales Kriterium bei der Hochschulwahl. So verblieben in
2007 laut einer „HISBUS-Befragung“ 96 Prozent der Studienanfänger, die ihre
Hochschulzugangsberechtigung in den alten Ländern erworben haben, auch in
diesen. Mit der Kampagne soll über die attraktiven Studienangebote in den
neuen Ländern informiert und die Mobilität der Studieninteressierten in den
alten Ländern gesteigert werden.
Drucksache 16/11956 – 8 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode17. Wie schätzt die Bundesregierung das Interesse der alten Bundesländer
ein, eine Entlastung der Lehrkapazitäten an landeseigenen Hochschulen
durch eine Steigerung der Mobilität der (potentiellen) Studierenden
herbeizuführen?
In der ersten Programmphase des Hochschulpakts finanzieren die
westdeutschen Flächenländer aus ihrem Anteil der Bundesmittel die Pauschalen, die
dem Kapazitätserhalt in den neuen Ländern dienen. Der Bund geht davon aus,
dass die Länder weiterhin ein großes Interesse daran haben, dass die Mobilität
der potentiellen Studierenden gesteigert und die Kapazitäten in den neuen
Ländern ausgeschöpft werden.
18. Inwiefern werden die Bundesländer und die Bundesregierung die
ostdeutschen Hochschulstandorte in ihrem Bemühen über die Kampagne hinaus
unterstützen, vakante Studienplatzkapazitäten durch die Anwerbung von
Studierenden aus den alten Bundesländern und dem Ausland zu belegen?
Die Bundesregierung bezweckt mit der Kampagne, dass die ostdeutschen
Hochschulen ihre Attraktivität verstärkt darstellen und dadurch Studierende aus
den alten Ländern anwerben. Darüber hinaus sind diesbezüglich keine weiteren
spezifischen Initiativen für die Anwerbung von Studierenden geplant.
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 9 – Drucksache 16/11956Anhang 1 – Kleine Anfrage 16/11784 – Antwort zu Frage 7
Drucksache 16/11956 – 10 – Deutscher Bundestag – 16. WahlperiodeAnhang 2 – Kleine Anfrage 16/11784 – Antwort zu Frage 8, 9
Anteile regulär erwerbstätiger Hochschulabsolventinnen und -absolventen nach Region
des Hochschulabschlusses und absolvierter Fächergruppe.
Sprach- und Kulturwissenschaften
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12
Wirtschafts- und Sozialwissenschaften
0
10
20
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40
50
60
70
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90
100
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12
Mathematik
0
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1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12
Humanmedizin
0
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20
30
40
50
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80
90
100
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12
Monate nach dem Examen
%
Monate nach dem Examen
%
Monate nach dem Examen
%
Monate nach dem Examen
%
Veterinärmedizin
0
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20
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40
50
60
70
80
90
100
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12
Agrar- und Forstwissenschaften
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12
Monate nach dem Examen
%
Monate nach dem Examen
%
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 11 – Drucksache 16/11956Forts.: Anteile regulär erwerbstätiger Hochschulabsolventinnen und –absolventen nach
Region des Hochschulabschlusses und absolvierter Fächergruppe
Quelle: HIS Hochschul-Informations-System GmbH
Ingenieurwissenschaften
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12
Insgesamt
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12
Kunst, Kunstwissenschaften
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12
Monate nach dem Examen
%
Monate nach dem Examen
%
Monate nach dem Examen
%
Alte Länder
HS-Abschluss insgesamt
Neue Länder
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co., Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlagsgesellschaft mbH, Amsterdamer Str. 192, 50735 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Telefax (02 21) 97 66 83 44
ISSN 0722-8333]