Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag Drucksache 16/12364
16. Wahlperiode 20. 03. 2009 Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Patrick Döring, Michael Kauch,
Horst Friedrich (Bayreuth), weiterer Abgeordneter und der Fraktion der FDP
– Drucksache 16/12165 –
CO2-Regulierung bei kleinen Nutzfahrzeugen
Vo r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Transporter sind leichte Nutzfahrzeuge, die vor allem zum Transport von
kleineren Frachtvolumen über kürzere und mittlere Strecken dienen. Sie sorgen
dafür, dass die Bevölkerung effizient, schnell und zeitgenau mit den
notwendigen täglichen Gütern, von der Zeitung bis hin zum frischen Gemüse, versorgt
wird. Sie bieten eine hocheffiziente und flexible Möglichkeit, die gewünschte
Transportaufgabe zu erfüllen und werden deshalb auch vom Käufer unter dem
Aspekt des Transporteinsatzes erworben und eingesetzt.
Im Gegensatz zum schweren Lkw oder zum Pkw stellt vor allem das
Transportvolumen das bestimmende Merkmal des leichten Nutzfahrzeuges dar. Die
Wahl des Kunden für einen größeren oder kleineren Transporter fällt häufig
ausschließlich auf Basis der Transportaufgabe.
Anfang Februar 2009 hat der EU-Umweltkommissar Stavros Dimas
angekündigt, den Kohlendioxidausstoß von Lieferwagen, Minibussen und kleinen
Lkw bis zwölf Tonnen beschränken zu wollen.
1. Welchen Anteil haben kleine Lieferwagen, Minibusse und kleine Lkw bis
zwölf Tonnen am gesamten CO2-Ausstoß des Verkehrs in Deutschland
bzw. der EU?
Kleine Lieferwagen, Minibusse und kleine Lkw bis zwölf Tonnen verursachten
im Jahr 2007 insgesamt 12,07 Mio. t CO2. Der Verkehr in Deutschland wies
insgesamt einen CO2-Ausstoß von 151,89 Mio. Tonnen (NIR 2008) auf. Kleine
Lieferwagen, Minibusse und kleine Lkw hatten 2007 demnach einen Anteil von
rund acht Prozent (Quelle: TREMOD Berechnungen Version 4.17).
Es sei angemerkt, dass die Europäische Kommission einen Vorschlag für
Fahrzeuge mit einem Gewicht von bis zu 2 610 kg vorbereitet. Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und
Reaktorsicherheit vom 18. März 2009 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Drucksache 16/12364 – 2 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode2. Wie beurteilt die Bundesregierung die wirtschaftliche Lage der
Automobilindustrie mit Blick auf das Segment leichter und schwerer Nutzfahrzeuge?
Der Nutzfahrzeugmarkt wurde von der Wirtschaftskrise negativ beeinflusst. Im
Februar 2009 musste die Produktion von Nutzfahrzeugen bis sechs Tonnen um
65 Prozent, von Nutzfahrzeugen über sechs Tonnen um 68 Prozent und von
Bussen um 24 Prozent gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum
zurückgefahren werden.
3. Welche Auswirkungen hat nach Einschätzung der Bundesregierung die
Wirtschafts- und Finanzkrise auf die Zulassung, den Absatz und den
Auftragseingang von leichten und schweren Nutzfahrzeugen bei den deutschen
Herstellern (bitte unter Angabe von Zahlen, falls vorhanden)?
Im Nutzfahrzeugbereich sind die Neuzulassungen, der Export und der
Auftragseingang stark rückläufig. Im Februar 2009 unterschritten die Aufträge im
Segment der schweren Fahrzeuge das Vorjahresvolumen um 61 Prozent, im
Bereich der Nutzfahrzeuge bis sechs Tonnen um acht Prozent. Die Entwicklung
bei den Neuzulassungen und dem Export für Februar 2009 gegenüber dem
vergleichbaren Vorjahreszeitraum ist folgender Tabelle zu entnehmen.
4. Wie haben sich der durchschnittliche Kraftstoffverbrauch, CO2-Ausstoß
und Schadstoffausstoß von kleinen Lkw seit dem Jahr 1980 entwickelt?
Die Antwort zu dieser Frage wird in die Fahrzeugkategorien Leichte
Nutzfahrzeuge (LNF, ≤ 3,5 Tonnen) und Schwere Nutzfahrzeuge unter zwölf Tonnen
(SNF) unterteilt.
Bei den LNF wurde aus den Benzin- und Dieselfahrzeugen der nach Anteil an
der Fahrleistung gewichtete Durchschnitt gebildet. Der durchschnittliche
Kraftstoffverbrauch der LNF ist von 1980 (14,62 l/100 km) bis 2007 (9,68 l/100 km)
Anzahl ± Prozent Vorjahr
Neuzulassungen 16 940 –32
bis 6 Tonnen 12 030 –29
– bis 2 Tonnen 1 430 –27
– über 2 bis 3,5 Tonnen 10 190 –30
– über 3,5 bis 6 Tonnen 410 –20
Über 6 Tonnen 4 570 –40
– über 6 bis 16 Tonnen 1 330 –35
– über 16 Tonnen 3 240 –42
Busse 340 4
Export 11 000 –68
bis 6 Tonnen 6 190 –71
über 6 Tonnen 4 330 –66
Busse 480 –6
(Quelle für z. T. vorläufige Zahlen: Verband der Automobilindustrie)
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 3 – Drucksache 16/12364um rund 34 Prozent gesunken. Dabei fand die größte Reduktion mit rund
23 Prozent von 1980 bis 1990 (11,31 l/100 km) statt. Der CO2-Ausstoß der LNF
reduzierte sich von 1980 (345 g/km) bis 2007 (254 g/km) um rund 27 Prozent.
Auch hier erfolgte mit rund 19 Prozent der größte Rückgang zwischen 1980
und 1990 (279 g/km). Der Schadstoffausstoß der LNF hat sich seit 1980
generell vermindert. Der durchschnittliche Ausstoß von Kohlenwasserstoffen ist
von 1980 (4 g/km) bis 2007 (0,13 g/km) um rund 97 Prozent gesunken. Der
NOx-Ausstoß sank von 1980 (3,47 g/km) bis 2007 (0,87 g/km) um 75 Prozent.
Beim Partikelausstoß werden nur die dieselbetriebenen Fahrzeuge betrachtet,
die eine Minderung von 1980 (0,56 g/km) bis 2007 (0,08 g/km) um 86 Prozent
vorweisen (Quelle: TREMOD Berechnungen Version 4.17).
Bei den SNF unter zwölf Tonnen wurde aus den Fahrzeugen zwischen
3,5 Tonnen und 7,5 Tonnen und den Fahrzeugen über 7,5 Tonnen bis
zwölf Tonnen der nach Anteil an der Fahrleistung gewichtete Durchschnitt
gebildet. Der durchschnittliche Kraftstoffverbrauch der SNF unter zwölf Tonnen
ist von 1980 (16,89 l/100 km) bis 2007 (12,76 l/100 km) um rund 25 Prozent
gesunken. Der CO2-Ausstoß der SNF unter zwölf Tonnen reduzierte sich von
1980 (447 g/km) bis 2007 (337 g/km) um rund 25 Prozent. Hier erfolgte der
größte Rückgang zwischen 1990 (409 g/km) und 2000 (348 g/km). Der
Schadstoffausstoß der SNF unter zwölf Tonnen hat sich seit 1980 ebenfalls
vermindert. Der Ausstoß von Kohlenwasserstoffen ist von 1980 (1,11 g/km) bis 2007
(0,29 g/km) um rund 74 Prozent gesunken. Der NOx-Ausstoß sank von 1980
(5,71 g/km) bis 2007 (3,21 g/km) um 44 Prozent (Quelle: TREMOD
Berechnungen Version 4.17).
5. Wie hoch beziffert die Bundesregierung den rechnerischen CO2-Ausstoß,
der seit 1980 bei kleinen Lkw durch gesetzlich vorgeschriebene Umwelt-
und Sicherheitsanforderungen zusätzlich ausgelöst worden ist?
Der Kraftstoffverbrauch von Dieselmotoren kann zunehmen, wenn die
Anforderungen an die Schadstoffemissionen steigen. Zu nennen ist hier der
Zusammenhang, dass durch eine innermotorische Minderung der
Stickstoffoxidemission der Kraftstoffverbrauch zunimmt. Die Zunahme des Kraftstoffverbrauchs
der Dieselmotoren beträgt dann bis zu vier Prozent. Der reale
Kraftstoffverbrauch steigt aber in der Regel nicht um diesen Beitrag, weil es eine Reihe von
fahrzeugseitigen Maßnahmen gibt, die diesen Mehrverbrauch kompensieren
können. Entsprechendes gilt für einen Mehrverbrauch aufgrund gesetzlich
vorgeschriebener Sicherheitsanforderungen.
6. Wie beurteilt die Bundesregierung – auch vor dem Hintergrund der
wirtschaftlichen Situation der Automobilindustrie – die Ankündigung der
Europäischen Kommission, noch in diesem Jahr einen Vorschlag zur CO2-
Regulierung bei leichten Nutzfahrzeugen vorzunehmen?
Die Minderung der CO2-Emissionen bei leichten Nutzfahrzeugen durch die
Europäische Kommission ist Teil des Integrierten Ansatzes zur CO2-Minderung
im Verkehrsbereich. Die Grundsätze der besseren Rechtssetzung sollten
weiterhin konsequent auf neue Rechtssetzungsinitiativen angewendet werden. Der
Folgenabschätzung kommt hier eine besondere Bedeutung zu. Die derzeitige
Wirtschaftskrise darf dabei nicht außer Acht gelassen werden. Die
Bundesregierung geht nicht davon aus, dass die Europäische Kommission noch dieses
Jahr einen Vorschlag für leichte Nutzfahrzeuge vorlegen wird.
Drucksache 16/12364 – 4 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode7. Erachtet die Bundesregierung eine Regulierung des CO2-Ausstoßes bei
leichten Nutzfahrzeugen analog zu der Regelung bei Pkw für den
systematisch richtigen Ansatz?
Die Bundesregierung wird den Meinungsbildungsprozess dazu abschließen,
wenn die Folgenabschätzung der Kommission vorliegt.
8. Welche Systemunterschiede bestehen diesbezüglich zwischen leichten
Nutzfahrzeugen und dem Pkw-Segment?
Auf die Antwort zu Frage 7 wird verwiesen.
9. Ist der Bundesregierung bekannt, dass ein leichtes Nutzfahrzeug nach
Transport- und Kraftstoffeffizienz ausgewählt wird?
Die Kriterien für die Anschaffung eines Fahrzeugs können von Fall zu Fall
verschieden sein. Wie häufig dabei die Transport- oder Kraftstoffeffizienz eine
Rolle spielen, ist der Bundesregierung nicht bekannt.
10. Wie beurteilt die Bundesregierung den Ansatz, die CO2-Regulierung am
Merkmal der Transporteffizienz auszurichten?
Auf die Antwort zu Frage 7 wird verwiesen.
11. Wird das Merkmal der Effizienz nach Ansicht der Bundesregierung über
eine Regulierung des CO2-Ausstoßes nach g/km adäquat abgebildet?
Auf die Antwort zu Frage 7 wird verwiesen.
12. Sieht die Bundesregierung weitere negative wirtschaftliche
Auswirkungen, wenn für leichte Nutzfahrzeuge eine CO2-Regulierung auf g/km-
Basis eingeführt wird?
Auf die Antwort zu Frage 7 wird verwiesen.Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co., Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin
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