Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag Drucksache 10/900
10. Wahlperiode
19. 01.84
Sachgebiet 7
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Frau Dr. Vollmer und der Fraktion
DIE GRÜNEN
— Drucksache 101611 —
Forschung und Entwicklung des Programms Nachwachsender Rohstoffe
Der Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
– 212 – 0022 – hat mit Schreiben vom 11. Januar 1984 die Kleine
Anfrage namens der Bundesregierung wie folgt beantwortet:
1. Welche Haushaltstitel in den Einzelplänen Forschung und
Technologie und Ernährung, Landwirtschaft und Forsten enthalten
Forschungsmittel für den Bereich: Verwendung Nachwachsender
Rohstoffe?
Wie hoch sind die Einzeltitel, und welche Gesamtsummen sind für
diesen Bereich vorgesehen?
Haushaltstitel des Einzelplanes 10 (BML)
— Kapitel 10 02 Titel 526 68, Forschungsprogramm
„Nachwachsende Rohstoffe"
Für diesen Titel standen im Haushaltsplan für das
Haushaltsjahr 1983 2,1 Mio. DM zur Verfügung; im Haushaltsjahr 1984
sind 2,3 Mio. DM vorgesehen.
Der überwiegende Anteil dient zur Finanzierung von
Forschungsaufträgen, die an Stellen außerhalb der
Bundesverwaltung vergeben werden. Der Anzahl nach wird etwa die Hälfte
der Projekte in Bundesforschungsanstalten durchgeführt, die
anderen bei externen Einrichtungen.
— Kapitel 10 02 Titel 892 61, Forschungs- und
Entwicklungsvorhaben für Umweltschutz im Agrarbereich:
1983 1984
Gesamthaushaltsansatz 12,700 Mio. DM 10,000 Mio. DM
davon gesperrt 1,000 Mio. DM 1,000 Mio. DM
davon bewilligt für die
Demonstrationsanlage
zur Herstellung von
Äthanol in Ahausen-
Eversen
– Investitionskosten 3,195 Mio. DM 5,081 Mio. DM
– wissenschaftliche
Betreuung 0,281 Mio. DM 0,334 Mio. DM
davon bewilligt für
sonstige Projekte zu
„Nachwachsende
Rohstoffe", insbeson
-
dere Biogasanlagen
und Holz- und
Strohverbrennungsanlagen 0,212 Mio. DM 0,005 Mio. DM
Das Projekt in Ahausen-Eversen wurde in 1983 begonnen. Die
Durchführung des Projektes ist durch
Verpflichtungsermächtigungen für die Haushaltsjahre 1985 und 1986 abgesichert.
Zielsetzung der Maßnahmen, die aus diesem Titel gefördert
werden, ist die Umsetzung von Forschungsergebnissen in die
Praxis und die Anwendung neuer erfolgversprechender und
beispielhafter Verfahren zur Verbesserung der
Umweltbedingungen.
— Kapitel 10 10, Bundesforschungsanstalten
Die Mittel fast aller Titel dieses Kapitels werden u. a. auch für
die Durchführung von Forschungsvorhaben auf dem Gebiet
der Nachwachsenden Rohstoffe in Anspruch genommen. Eine
Aufschlüsselung dieser Titel ist nicht möglich, weil die Mittel
nicht projektgebunden, sondern institutionell zugewiesen
werden. Überschlägig kann jedoch gesagt werden, daß von den im
Jahre 1983 bei Kapitel 10 10 insgesamt zur Verfügung
stehenden Mitteln von rund 240 Mio. DM etwa 9,5 Mio. DM, das sind
4 v. H., für Projekte, die im Zusammenhang mit dem Komplex
Nachwachsende Rohstoffe stehen, in Anspruch genommen
worden sind. Für 1984 und die Folgejahre ist in etwa mit den
gleichen Summen zu rechnen.
Haushaltstitel des Einzelplans 30 (BMFT)
Die folgenden Projekttitel enthalten Forschungsmittel für den
Bereich „Verwendung Nachwachsender Rohstoffe" (in Klammern
sind die Gesamtansätze der jeweiligen Titel für das Haushaltsjahr
1983 angegeben) :
Kapitel 30 03 Titel 683 20:
F+E-Vorhaben für nichtmetallische Roh- und Grundstoffe,
Nachwachsende Rohstoffe, chemische Technik (21,0 Mio. DM)
Kapitel 30 03 Titel 892 20:
Investitionszuschüsse für nichtmetallische Roh- und Grundstoffe,
Nachwachsende Rohstoffe, chemische Technik (11,5 Mio. DM)
Kapitel 30 03 Titel 683 27:
Förderung von Forschung und Entwicklung in der Biotechnologie
(63,0 Mio. DM)
Kapitel 30 05 Titel 683 13:
Forschung und Entwicklung über rationelle Energieverwendung
und neue Energiequellen (95,0 Mio. DM)
Kapitel 30 05 Titel 892 13:
Investitionen für rationelle Energieverwendung und neue
Energiequellen (144,5 Mio. DM)
Von den Ansätzen dieser Titel sind in den Haushaltjahren 1983
und 1984 folgende Beträge für den Bereich „Verwendung
Nachwachsender Rohstoffe" vorgesehen:
Ist 1983 Soll 1984
Mio. DM Mio. DM
Titel 683 20 3,269 7,000
892 20 2,108 3,900
683 27 1,302 0,880
683 13 2,110 0,650
892 13 2,900 0,400
Aus den Titeln 683 13 und 892 13 werden die genannten Mittel für
die drei Bereiche „direkte Verbrennung", „thermische
Vergasung" und „Biogaserzeugung" verwendet.
In Titel 683 27 (Biotechnologie) lassen sich die für den Bereich
„Nachwachsende Rohstoffe" eingesetzten Mittel nicht exakt
abgrenzen und beziffern. Die angegebenen Mittel beziehen sich
auf F + E-Vorhaben zur Gewinnung von Gärungsalkohol.
2. Welche Unternehmen und Institute sind in diesem
Forschungsbereich tätig? Welche dieser Unternehmen und Institute erhalten
öffentliche Mittel, und wie hoch sind sie?
Projekte des Forschungs- und Entwicklungsbereiches
„Nachwachsende Rohstoffe" werden in den verschiedensten
Wirtschaftszweigen, z. B. des Anlagenbaues, der Chemiewirtschaft,
der Pflanzenzüchtung durchgeführt. Die damit befaßten
Unternehmen und Institutionen sind zahlreich, eine Aufzählung ist
nicht möglich. Grundsätzlich die gleiche Aussage ergibt sich
hinsichtlich der Forschungsinstitute, deren überwiegende Mehrzahl
in die Zuständigkeit der Länder fallen. Es wird unterstellt, daß
eine Auflistung der zahlreichen kleineren und mittleren
Forschungs- und Entwicklungsprojekte und der diese Projekte
ausführenden Institutionen nicht erwartet wird. Hier werden
folgende aus dem Bundeshaushalt finanzierte
Forschungseinrichtungen genannt:
a) aus dem Zuständigkeitsbereich des BML:
— Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft Braunschweig-
Völkenrode (FAL), Braunschweig,
— Bundesforschungsanstalt für Forst- und Holzwirtschaft,
Hamburg,
— Bundesforschungsanstalt für Getreide- und
Kartoffelverarbeitung, Detmold,
— Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft,
Berlin und Braunschweig,
Bundesanstalt für Fettforschung, Münster;
b) aus dem Zuständigkeitsbereich des BMFT sind auf dem Gebiet
der Nutzung und Verwertung Nachwachsender Rohstoffe die
beiden folgenden Großforschungeinrichtungen tätig:
— Kernforschungsanlage Jülich GmbH (KFA), Jülich,
— Gesellschaft für Biotechnologische Forschung mbH (GBF),
Braunschweig-Stöckheim.
Die von einigen Instituten dieser Einrichtungen in relevanten
Bereichen eingesetzten Bundesmittel sind in den
Wirtschaftsplänen dieser Einrichtungen enthalten.
3. Welche Pflanzenarten und welche besonderen Sortenzüchtungen
sind als Nachwachsende Rohstoffe vorgesehen?
Mit dem Bemühen, landwirtschaftliche Pflanzen als
Nachwachsende Rohstoffe stärker oder wieder in die betriebliche Praxis
einzuführen, werden mehrere Ziele verfolgt. In dem Maße, in dem
es gelingt, ein- oder mehrjährige landwirtschaftliche Pflanzen zur
Verwendung in der industriellen oder gewerblichen
Weiterverarbeitung anzubauen, sollen
— die Importabhängigkeit bei der Versorgung mit bestimmten
Rohstoffen verringert,
— die Nutzfläche von der Produktion von Nahrungsgütern abge
-
zogen, an denen auf absehbare Zeit auch unter
Berücksichtigung der aus humanitären Gründen zu gewährenden
Nahrungsmittelhilfe ein struktureller Überschuß besteht,
— die Fruchtfolgen der landwirtschaftlichen Betriebe
angereichert werden und
— die biologische Verwertung von Restmengen, z. B. der
Zuckerproduktion, angestrebt werden, die wegen einiger Begleitstoffe
bisher nicht wirtschaftlich weiterverarbeitet werden konnten.
Ziel ist eine Kombination von Abfallverwertung,
Abwasserreinigung und Energiegewinnung.
Da derzeit nicht beurteilt werden kann, welche Arten in naher
oder ferner Zukunft für einen Anbau in Frage kommen oder
umgekehrt mit Sicherheit auszuschließen sind, muß eine
möglichst breite Palette von Pflanzenarten ins Auge gefaßt werden.
Dessenungeachtet ergeben sich aus der bereits heute
erkennbaren „Anwendungseignung" bestimmter Pflanzen einerseits
und dem erkennbaren Bedarf an bestimmten Produkten, die man
aus diesen Pflanzen herstellen kann, andererseits einige
Ansatzpunkte, um ein ausgewähltes Artenspektrum prioritär zu
bearbeiten. Es sind dies
— Pflanzen zur Äthanolgewinnung, vor allem Rüben, Kartoffeln,
Topinambur, Zichorie, Getreide, Mais (letztere in
unkonventioneller Verwendung),
— Pflanzen zur Ölgewinnung, vor allem Raps, Rübsen, Cuphea,
einige Senfarten, Crambe, Leindotter, Ölrauke,
Sonnenblumen, Öllein u. a.,
— Pflanzen zur Stärkegewinnung, vor allem Kartoffeln, Erbsen,
Bohnen,
— Pflanzen zur Gewinnung von Kohlenwasserstoffen, wie z. B.
Euphorbia lathyris (Kreuzblättrige Wolfsmilch),
— Pflanzen zur Fasergewinnung, wie Flachs, Hanf, Große
Brennnessel,
— Pflanzen zur Gewinnung von Pharmaka, wie Mohn, Hanf,
andere Arzneipflanzen.
Bei züchtungsbezogenen Arbeiten an den genannten Arten geht
es darum, Sorten zu züchten, die
— den qualitativen und quantitativen Erwartungen gerecht
werden und einen auch wirtschaftlich erfolgreichen Anbau
zulassen,
— zugleich eine bessere biologische Effizienz aufweisen als
traditionelle Kulturpflanzen, weil damit ein vergleichsweise
geringerer Aufwand an ertragssteigernden und -sichernden
Betriebsmitteln und eine Produktion auch auf weniger
geeigneten Standorten möglich werden könnte.
Eine weitergehende Beantwortung der Fragen nach
Sortenzüchtungen ist zur Zeit nicht möglich.
Von den Forstpflanzen kommen insbesondere schnellwachsende
Laubbaumarten wie Pappeln, Aspen, Erlen und Weiden, aber
auch bestimmte Nadelholzarten für eine züchterische
Bearbeitung und den Anbau in Frage. Bisher haben sich bei
Feldversuchen auf guten Standorten folgende zugelassene Sorten
besonders bewährt:
— Pappel
,Androscoggin, ,Max', ,Muhte Larsen', ,Oxford', Rochester
und ,Scott Pauley'. Von den holländischen Klonen ,Blom' und
, Rap' ;
— Aspen
Sehr gute Leistungen können von den zugelassenen Aspen
erwartet werden: ,Ahle', ,Astria', ,Beberbeck', ,Mölmke', ,
Münden', ,Olbe', ,Tapiau' und ,Vaake';
— Weiden
Als sehr geeignet erwiesen sich insbesondere Salix dasyclados
und einige Klone von Salix viminalis.
4. Wieviel ha Versuchsfläche sind 1984 für den Anbau von
Nachwachsenden Rohstoffen insgesamt vorgesehen, und wie teilt sich
die Fläche auf die verschiedenen Pflanzen auf?
5. Welche Feldversuche werden derzeit durchgeführt für
a) Sortenversuche,
b) Düngerversuche,
c) Pflanzenschutzmittelversuche?
In der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft Braunschweig-
Völkenrode (FAL) werden neben intensiven Forschungsarbeiten
in Klimakammern und an Gewebekulturen auch 1984
Versuchsflächen mit landwirtschaftlichen Ein- und Mehrjahrespflanzen der
in Antwort 3 angesprochenen Arten angelegt; die für diese
Versuche vorgesehene Fläche beträgt 8 ha. Darüber hinaus werden
Versuche von privaten Pflanzenzüchtern und von Landes-
Institutionen durchgeführt. Hier ist für die Ölpflanze Cuphea eine
Versuchsfläche von ca. 4 ha zu nennen.
„Feldversuche" im Sinne praxisnaher Anbauversuche für
landwirtschaftliche Pflanzen werden noch nicht durchgeführt. In der
o. a. Bundesforschungsanstalt werden Exaktversuche zu
Sortenfragen und zur Düngung angestellt. Die Anwendung von
Pflanzenschutzmitteln erfolgt nur im unbedingt erforderlichen Umfang.
Versuche mit schnellwachsenden Baumarten im Kurzumtrieb
werden auf kleineren Flächen an unterschiedlichen Standorten
durchgeführt. So sind gegenwärtig in einem vom BML
geförderten Versuch 14 Hektar auf elf Standorte verteilt. Von weiteren
10 Hektar eines 1983 begonnenen, vom BMFT geförderten
Projektes in Süddeutschland entfallen 4 Hektar auf Sortenversuche,
3 Hektar auf Düngungsversuche und 3 Hektar auf
Pflanzenschutzversuche. Über eine Erweiterung im Jahre 1984 um 10 bis
12 Hektar eines anderen Standorttyps ist noch nicht entschieden ;
neben Pappeln, Weiden, Aspen sollen gegebenenfalls auch
Roteichen und Robinien in den Versuch einbezogen werden.
Eine in verhältnismäßig kurzen Pe rioden wiederkehrende
Entnahme von Biomasse ist langfristig nur bei ausreichender
Nährstoffversorgung des Standortes möglich. Die Nährstoff-
Nachlieferung kann nach vorheriger Bodenanalyse durch Düngung mit
organischen oder mineralischen Düngemitteln erfolgen.
Durch die Aufbringung von unbedenklichem Klärschlamm oder
Müllklärschlamm/Kompost kann auf vielen Standorten nicht nur
eine gute Nährstoff-Nachlieferung, sondern auch eine
wesentliche Verbesserung der Bodendynamik (Lufthaushalt,
Wasserhaltekapazität u. ä. m.) erreicht werden. Auf ehemaligen Waldböden ist
in Abhängigkeit vom Bodensubstrat im allgemeinen eine Kalkung
(z. B. 20 dt/ha) zu empfehlen.
Eine Verwendung von Herbiziden ist im Kurzumtrieb, wenn
überhaupt, nur in der Anwuchsphase innerhalb der Reihen
erforderlich. Ein Insektizideinsatz ist entbehrlich.
Die Verwertungsmöglichkeiten der im Kurzumtrieb produzierten
Rohstoffe für den Einsatz z. B. in der Zellstoffindustrie, der
Spanplattenherstellung sowie zur Energiegewinnung sind
grundsätzlich gegeben, bedürfen aber noch weiterer Untersuchungen.
Eventuelle weiter für 1984 vorgesehene Flächen sind der
Bundesregierung nicht bekannt.
•
6. In welchen Orten arbeiten bereits Pilotanlagen zur Verarbeitung
von Biomasse zur Äthanolherstellung, und wo sind weitere
Anlagen geplant?
7. Welche Unternehmen be treiben die vorhandenen bzw. geplanten
Pilotanlagen?
Welche Unternehmen übernehmen die Planung und den Bau der
Pilotanlagen?
8. Sind für bereits bestehende Pilotanlagen weitere Ausbaustufen für
die kommerzielle Nutzung geplant?
9. Sind für Pilotanlagen bzw. deren Ausbau bereits
Genehmigungsverfahren eingeleitet worden?
Da alle diese Fragen sich auf die Versuchsanlagen zur
Herstellung von Bioäthanol beziehen, werden sie zusammengefaßt
beantwortet. Im Rahmen der Forschungs- und
Entwicklungsaktivitäten des BML zur Optimierung von Herstellung und
Verwendung Nachwachsender Rohstoffe im industriell-gewerblichen
Bereich ist Bioäthanol auf der Grundlage landwirtschaftlicher
Pflanzen einer der Schwerpunkte.
Drei Pilotprojekte wurden. bzw. werden gefördert:
a) Die von der Zuckerfabrik Franken GmbH in Ochsenfurt
errichtete Anlage ist im Januar 1983 in Betrieb genommen worden.
Hinsichtlich der Planung und des Baus der Anlage stand es der
Zuckerfabrik Franken im Rahmen des beantragten Projektes
frei, in marktüblicher Weise die Aufträge nach besten
Angeboten zu vergeben. Über die Absicht zur Errichtung weiterer
Ausbaustufen ist dem BML nichts bekannt.
b) Der Ausbau der von der Deutschen
Agraralkoholversuchsanlagen GmbH in 2724 Ahausen-Eversen bei Rotenburg an der
Wümme betriebenen Brennerei zu einem Pilotprojekt, das sich
von der Erzeugung der landwirtschaftlichen Rohstoffe bis zur
Herstellung des Alkohols erstreckt, ist durch die
Förderungsbewilligungen des BML und des Landes Niedersachsen
eingeleitet worden. Hinsichtlich Planung und Bau der Anlage, die in
engem Kontakt mit wissenschaftlichen Betreuern des Projektes
erfolgt, gilt grundsätzlich dasselbe wie für das Projekt bei der
Zuckerfabrik Franken GmbH. Teile des Gesamtprojektes
befinden sich zur Zeit in der Ausschreibung, an der sich
mehrere einschlägige am deutschen Markt tätige Firmen durch
Angebote beteiligen. Die erforderlichen Genehmigungen
wurden bei den zuständigen Behörden beantragt. Ein über den
Projektumfang hinausgehender Ausbau ist nicht geplant.
c) Von der Firma Pfeifer & Langen in Dormagen wurde in
Zusammenarbeit mit dem Institut für Biotechnologie der KFA-Jülich
eine Anlage zur großtechnischen Gewinnung von Bioalkohol
im Juli • 1983 in Betrieb genommen. Der Alkohol wird aus
Abfallstoffen der Zuckerproduktion hergestellt. Die für die
Destillation erforderliche Energie wird in einer Biogasanlage
aus dem Abwasser gewonnen.
Hauptzweck dieser Projekte ist es, Versuche durchzuführen und
hinsichtlich Technik und Wirtschaftlichkeit der Erzeugung von
Bioäthanol Erkenntnisse zu gewinnen.
Zur Verarbeitung von Lignocellulosen bestehen bei folgenden
Firmen Pilotanlagen als halbtechnische Versuchsanlagen:
— Ingenieurbüro Hans Knauth, Meersburg,
— Fritz Werner Industrie-Ausrüstungen GmbH, Geisenheim.
Eine Pilotanlage der Firma Zellplan, München, wurde zusammen
mit zwei anderen Firmen in Wien-Stadlau betrieben.
10. Sind bereits für die Versorgung der Pilotanlagen mit mehr
Biomasse Anbauverträgè mit Landwirten abgeschlossen worden, und
wenn ja, in welchem Umfang?
Hinsichtlich der Pilotanlage der Zuckerfabrik Franken in
Ochsenfurt und der Firma Pfeifer & Langen in Dormagen stellt sich diese
Frage nicht, da diese Projekte auf die Nutzung von Rest- und
Abfallstoffen aus der Zuckerfabrikation ausgerichtet sind.
Zum Betrieb der Pilotanlage in Ahausen-Eversen, die in
ganzjährigem Betrieb Bioalkohol aus Agrarprodukten erzeugen so ll, sind
Anbauverträge mit Landwirten erforderlich. Die Verhandlungen
zum Abschluß dieser Verträge laufen zur Zeit.
11. Auf Grund welcher rechtlichen Grundlagen (Verordnungen,
Beschlüsse, Entschließungen usw.) wurde das Programm zur
Nutzung von Nachwachsenden Rohstoffen zur Äthanolherstellung
begonnen bzw. weitergeführt (Länder und Bund)?
Das Recht des Bundes, Forschungs- und Entwicklungsprogramme
zu beschließen und durchzuführen, ergibt sich aus den
Verwaltungs- und Finanzierungszuständigkeiten, die aufgrund der
Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts entwickelt
wurden. So schließt die Kompetenz des Bundes, auf bestimmten
Gebieten Gesetze zu erlassen oder administrativ tätig zu werden,
auch das Recht ein, Maßnahmen zu deren Vorbereitung und
Durchführung zu treffen (sog. Annex-Kompetenz). Solche
Kompetenzen haben z. B. der BMFT aus Artikel 74 Nr. 13 GG
(Forschungsförderung) und BML aus Artikel 74 Nr. 17 GG (Förderung
der land- und forstwirtschaftlichen Erzeugung). Aus dieser
Annex-Kompetenz heraus kann der Bund Forschungsprogramme
initiieren und finanzieren, soweit dies zur Erfüllung seiner
Aufgaben notwendig ist. Rechtsgrundlage für die Finanzierung bildet
darüber hinaus das jährlich verabschiedete Haushaltsgesetz mit
dem Haushaltsplan des Bundes.
Das Forschungsprogramm „Nachwachsende Rohstoffe" des BML
wurde Ende 1981 verabschiedet, mit seiner Durchführung wurde
1982 begonnen. Es dient nicht — wie in der Frage unterstellt – der
Äthanolherstellung, sondern erfaßt die gesamte Bandbreite der
Nutzung von Naturstoffen agrarischen und forstlichen Ursprungs
für Nichtnahrungszwecke (u. a. als Grundstoffe für die chemische
und pharmazeutische Industrie und als Energieträger).
12. Liegen bereits Zwischenergebnisse/-berichte von Anbauversuchen
vom Betrieb der Pilotanlagen und von Fahrversuchen mit Äthanol
vor?
13. Welche Ergebnisse liegen bereits vom BML-Fahrversuch mit
Äthanoltreibstoff vor? Welche Unternehmen der Auto- und
Schlepperindustrie sind an Fahrversuchen beteiligt, und wie hoch ist der Anteil
der öffentlichen Mittel, die diese Unternehmen erhalten?
Wenn auch erste Einzelergebnisse bereits bekannt sind, können
abgesicherte und aussagefähige Zwischenergebnisse noch nicht
vorliegen.
Die Pilotanlage in Ochsenfurt ist nach der Inbetriebnahme und
nach der Überwindung von Anlaufschwierigkeiten, die durch das
kontinuierliche Produktionsverfahren bedingt waren, nunmehr in
der ersten Phase der Versuchsdurchführung. Das gleiche gilt für
die Anlage in Dormagen. Das sich von der Herstellung der
Agrarprodukte bis zum Bioäthanol erstreckende Pilotprojekt in
Ahausen-Eversen befindet sich, wie schon zu den Fragen 6 bis 9
ausgeführt, in der Aufbauphase.
Für die vom BML eingeleiteten Fahrversuche mit Bioäthanol
enthaltenden Kraftstoffen steht eine wissenschaftliche Beurteilung
und Bewertung noch aus. Aufbauend auf einem ersten
Orientierungsversuch, für den keine nennenswerten öffentlichen Mittel
aufgewendet werden mußten, sollen im Jahr 1984
wissenschaftliche Untersuchungen veröffentlichungsreife Ergebnisse
erbringen. Das Programm für die Untersuchungen wird zur Zeit
entwikkelt. Die Anzahl, Fabrikate und Typen der in das Programm
aufzunehmenden Kraftfahrzeuge steht noch nicht fest. Eine
Förderung der Kraftfahrzeughersteller aus öffentlichen Mitteln ist im
Rahmen des beabsichtigten Programms nicht vorgesehen.
14. Welche Studien und Untersuchungen liegen zur
Wirtschaftlichkeitsberechnung der Äthanolherstellung vor?
15. Welche Ergebnisse liegen zur Wettbewerbsfähigkeit des
Äthanoltreibstoffs vor?
Wirtschaftlichkeit der Äthanolherstellung und
Wettbewerbsfähigkeit des Äthanols als Kraftstoffkomponente sind inhaltlich eng
miteinander verbunden. Zudem sind die allgemeinen
Wirtschaftstendenzen und die zu prognostizierenden Preistendenzen der hier
relevanten Produkte zu berücksichtigen. Die komplexen
Zusammenhänge haben zu zahlreichen, zum Teil auch kontroversen
Analysen und Studien angeregt, von denen hier insbesondere
folgende genannt sein sollen:
1. Zwei Studien im Auftrag des BMFT im Jahre 1980
— Dornier-System GmbH: Gärungsalkohol aus
Agrarprodukten als Biokraftstoff,
— Uhde GmbH, Hoechst AG: Vorplanung einer Pilotanlage zur
Erzeugung von Bioethanol auf Basis Zuckerrüben und
stärkehaltiger Rohstoffe.
2. Meinhold, K., Hollmann, P., Kögel, H., Betriebs- und
gesamtwirtschaftliche Aspekte der Ethanolerzeugung - Information
zum Verständnis unterschiedlicher Wertungen der
Wettbewerbsfähigkeit des Anbaus Nachwachsender Rohstoffe,
Institut für Betriebswirtschaft der FAL Braunschweig-
Völkenrode, Januar 1982, S. 1 bis 36.
3. Meinhold, K. und Kögl, H., Erzeugung und Verwendung von
Biomasse für Energie und Nahrung in Europa, Vortrag 2. EG-
Konferenz Berlin „Energy from Biomass", September 1982.
4. Wolffram, R. und Hantelmann, H., Die Rentabilität der
Äthanolerzeugung aus Zuckerrüben, in: AGRA-EUROPE 40/81 vom
5. Oktober 1981, Dokumentation S. 1 bis 24.
5. Schriftenreihe des Bundesministers für Ernährung,
Landwirtschaft und Forsten, Reihe A: Angewandte Wissenschaft,
Sonderheft: Gesamtkonzeption Nachwachsende Rohstoffe des
Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und
Forsten, Ergebnis einer ministeriellen Arbeitsgruppe unter
Federführung der Abteilung 2 - Referat „Energie und Rohstoffe,
Langfristanalysen", 1983, Landwirtschaftsverlag GmbH,
4400 Münster-Hiltrup, insbesondere Anlage 6.
6. Kernforschungsanlage Jülich GmbH, Projektleitung
Rohstoffforschung (Hrsg.): Herstellung und Verwendung niederer
Alkohole in der Bundesrepublik - Möglichkeiten und
Grenzen -, Jülich 1982.
7. Verbindungsstelle Landwirtschaft-Industrie e. V.: Zum
Kraftstoffmarkt in der Bundesrepublik, seiner möglichen
Entwicklung und der Bedeutung sauerstoffhaltiger Komponenten im
Zusammenhang mit der Herstellung bleifreien Benzins, Essen
1983.
Eine Beimischung von Äthanol ist nach Auffassung der
Bundesregierung vorerst nicht realisierbar. Zum einen können in den
nächsten Jahren die erforderlichen Äthanolmengen nicht
bereitgestellt werden; zum anderen ist Äthanol derzeit gegenüber den
auf Mineralölen basierenden Kraftstoffen nicht wettbewerbsfähig.
Andererseits müssen im Sinne einer Vorsorgepolitik die
Bemühungen fortgesetzt werden, durch spezielle Forschungs- und
Pilotprojekte die technischen und ökonomischen
Voraussetzungen für die Nutzung des Äthanols als Treibstoffkomponente zu
schaffen.
Abschließende Antworten zu den gestellten Fragen werden von
den in Durchführung begriffenen Pilotprojekten erwartet.
16. Welche Ergebnisse liegen zur Energiebilanzrechnung der
Äthanolherstellung vor?
Zur Energiebilanz der Bioäthanolherstellung liegen mehrere
neuere Analysen von Wissenschaftlern vor. Sie kommen fast
ausnahmslos zu dem Ergebnis, daß die Energiebilanz positiv ist.
Hierbei sind zugrunde gelegt moderne energietechnisch
optimierte Produktionsverfahren. Darüber hinaus kann die
Energiebilanz durchschlagend verbessert werden, wenn bei der
Bioäthanolherstellung eine Ganz-Pflanzenverwertung möglich wird,
indem die Reststoffe als Viehfutter oder zur Biogaserzeugung
genutzt werden. Beispielhaft seien hier die Ergebnisse einer von
der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL)
erarbeiteten Analyse zitiert:
Energiebilanz der Herstellung von Äthanol aus Kartoffeln und
Zuckerrüben (in MJ/ ha)
Kartoffeln: 400 dt/ ha mit 16,5 % Stärke
(Durchschnittsertrag 1981: 309 dt/ha)
Gesamtenergiebilanz „Kartoffeln"
a) Äthanol ohne Nebenprodukte
Input : Output = 61 477 : 81 627 = 1 : 1,33
b) Äthanol + Schlempeverfütterung
Input : Output = 614e : 95 745 = 1 : 1,56
c) Äthanol + Biogas aus Schlempe
Input : Output = 39 638 1 ) : 81 627 = 1 : 2,06
Zuckerrübe: 550 dt/ ha mit 16 % Zucker
(Durchschnittsertrag 1981: 548 dt/ ha)
Gesamtenergiebilanz „Zuckerrübe"
a) Nur Äthanol
Input : Output = 77 928 : 105 336 = 1 : 1,35
b) Äthanol + Futterwert der Nebenprodukte
Input : Output = 77 928 : 157 744 = 1 : 2,02
c) Äthanol + Futterwert des Blattes + Biogas aus Schlempe
Input : Output = 46 853 1 }, : 140 592 = 1 : 3,00
1) Nach Abzug der Energie aus Biogas vom Energieinput Konversion
Eine Teilaufgabe bei den vom BML geförderten Pilotprojekten zur
Herstellung von Bioäthanol besteht darin, die Energiebilanz zu
optimieren und im einzelnen zu quantifizieren.
17. Welche Ergebnisse liegen zur Rückstands-/Abfallbeseitigung der
Äthanolherstellung aus Biomasse vor?
Fast ausnahmslos werden die Reststoffe, die in heutigen
deutschen Brennereien anfallen, als Viehfutter genutzt. Diese
Verwertungsmöglichkeit ist bei modernen Großanlagen, die für eine
kostengünstigere Bioalkoholproduktion Voraussetzung sind,
wegen der zunehmenden Transportkostenbelastung der
Reststoffe nur zum Teil möglich. Grundsätzlich besteht die Absicht,
die organischen Reststoffe wieder in den biologischen Kreislauf
zurückzuführen. So wird neben der Herstellung von Futterstoffen
und der Biogasgewinnung auch die Verwertung als organischer
Dünger angestrebt.]