Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag
10. Wahlperiode
Drucksache 10/3638
10.07.85
Sachgebiet 754
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage des Abgeordneten Dr. Müller (Bremen) und der Fraktion
DIE GRÜNEN
- Drucksache 10/3566 -
Förderung der Windenergienutzung
hier: Projekte „Monopteros" und „Spadener See"
Der Bundesminister für Forschung und Technologie hat mit
Schreiben vom 10. Juli 1985 die Kleine Anfrage wie folgt
beantwortet:
Vorbemerkung
Die Kleine Anfrage bezieht sich auf zwei völlig getrennte
Vorhaben im Rahmen der Forschungs- und Entwicklungsförderung
zur Windenergienutzung. Die Antwort geht daher — geeignete
Fragen zusammenfassend — auf beide Vorhaben nacheinander
ein.
Die übergreifenden Fragen 6 und 8 werden am Ende beantwortet.
1. Aus welchen Gründen ist das Projekt „Monopteros" — die
Windenergieversuchsanlage stand nach ihrer Errichtung 1981 lange Zeit
still und ist bis heute noch keinem Dauertest unterzogen worden —
zeitlich verzögert worden?
3. Welche technischen Probleme sind bei den Projekten
„Monopteros" und „Spadener See" aufgetreten?
4. Welche Ursachen hat die Kostenexplosion beim „Monopteros"-
Projekt?
5. Mit welchen Beträgen hat die Bundesregierung die Projekte
„Monopteros" und „Spadener See" bisher gefördert, und wie
teilen sich diese Beträge auf?
I. Projekt Monopteros
Es wurden die folgenden Vorhaben bewi lligt:
Vorhaben 03 E — 4240 A (1. Ju li 1978 bis 31. Dezember 1982,
Gesamtkosten 28,35 Mio. DM bei 100 Prozent Förderquote) hatte
einen Konzeptentwurf für die Leistungsklasse 5 MW sowie den
Bau einer Modellanlage um 400 kW zum Ziel.
Vorhaben 03 E — 8154 A (1. Ju li 1982 bis 30. Juni 1985,
Gesamtkosten 10,0 Mio. DM bei 75 v. H. Förderquote) hatte die
Inbetriebnahme und den Versuchsbetrieb der Modellanlage zum Ziel.
In Bewilligung befindet sich das Anschlußvorhaben 03 E — 8154 B
(Gesamtkosten 352 000 DM bei einer Förderquote von 50 v. H.),
um den Versuchsbetrieb bis gegen Ende 1985 zu verlängern.
Zu Konzept und Ablauf des Projekts hat die Bundesregierung am
21. Januar 1985 in Beantwortung der Kleinen Anfrage „Nutzung
der • Windenergie" (Drucksache 10/2769) Stellung genommen.
Grundsätzliche technische Probleme sind bei der Durchführung
des Projekts nicht aufgetreten.
Die Durchführung des mit 03 E — 8154 A bewilligten
Testprogramms hat sich bisher auf etwa 500 Stunden beschränkt; dies
entsprach zwar den Bedürfnissen wissenschaftlich-technischen
Erkenntnisgewinns, nicht aber in vollem Umfang den
Vorstellungen von Zuwendungsgeber und . -nehmer.
Um im Interesse weiterer Erfahrungen nicht Zeit bis zu einer
befriedigenden Lösung dieser Situation zu verlieren und im
Hinblick auf die grundsätzliche Förderungswürdigkeit ist der
Bundesminister für Forschung und Technologie (BMFT) bereit, die
o. e. Anschlußbewilligung bei auf 50 v. H. verminderter
Förderquote auszusprechen.
Die Zeit- und Kostenentwicklung des Monopteros-Projekts
entspricht insgesamt der Erfahrung in vergleichbar innovativen
Wind-Vorhaben; insbesondere ist zu berücksichtigen, daß
Mehrkosten und Verzögerungen durch Konzeptänderungen bei
völligen Neuentwicklungen nicht a p riori kalkulierbar sind.
7. Welche Fehler hat das Bundesministerium für Forschung und
Technologie bei der Gestaltung der Verträge mit dem Monopteros-
Hersteller Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB) gemacht?
Fehler bei der Gestaltung der Bewilligungen sind bisher nicht
zutage getreten.
9. Welche Konzepte hat die Bundesregierung für die Zukunft der
Projekte „Monopteros" und „Spadener See"?
10. Wie beurteilt die Bundesregierung die Wirtschaftlichkeit und die
Marktchancen der Typen „Monopteros" und „Aeromau" , der für
den Spadener See vorgesehen ist?
11. Warum unterstützt die Bundesregierung den Plan des Monopteros-
Herstellers MBB, in Nordenham-Einswarden eine zweite Anlage
vom Typ „Monopteros" als Demonstrationsprojekt zu bauen,
obwohl für diesen Zweck das für die Lebensdauer von zwanzig
Jahren ausgelegte Windkraftwerk in Bremerhaven-Weddewarden
zur Verfügung steht?
12. Welche Rolle spielt bei dem in Frage 11 genannten Vorhaben ein
mit 220 Mio. DM ausgestattetes Förderungsprogramm der EG?
Der bei der Monopteros-Linie erreichte technische Stand ist gut -
insbesondere im Hinblick auf die Tatsache, daß diese Linie nicht
vom Erfahrungsaustausch mit Parallelentwicklungen im Ausland
profitieren kann.
Wirtschaftlichkeit und Marktchancen des Monopteros können vor
der Realisierung eines wirklich energiewirtschaftlichen
Demonstrationsprojekts im 1 MW-Bereich nicht beurteilt werden. Eine
solche Anlage zielt insbesondere auf Anwendungen in Ländern
und Regionen, die günstige Windverhältnisse und eine
ungünstige Energieversorgungssituation aufweisen. Daß grundsätzlich
auch in der Bundesrepublik Deutschland
Anwendungsmöglichkeiten für solche Anlagen bestehen, geht aus einer Abschätzung
des Potentials erneuerbarer Energiequellen hervor, die kürzlich
im Auftrag des Bundesministeriums für Wi rtschaft erstellt worden
ist.
Da jedoch Technik und Marktakzeptanz weiterhin hohe Risiken
darstellen, ist der BMFT grundsätzlich bereit, die
Weiterentwicklung unter auszuhandelnden Bedingungen zu unterstützen. Dabei
berücksichtigt der BMFT die Absicht der Firma MBB, die
Monopteros-Technik in eine Serienproduktion einzubringen.
Zur Finanzierung einer ersten 1 MW-Anlage auf gegenüber der
Bremerhavener Modellanlage verbessertem technischen Niveau
bietet sich ein Antrag im EG-Demonstrationsprogramm an, an
dem Beamte der Bundesregierung und Experten aus dem
Projektträgerbereich beratend und zur Vertraulichkeit verpflichtet
mitwirken. Die nächste Entscheidungsrunde über Windprojekte wird
bis Ende 1985 abgeschlossen sein.
2. Aus welchen Gründen ist das Projekt „Spadener See" — der erste
Abschnitt war bereits 1983 abgeschlossen — zeitlich verzögert
worden?
3. Welche technischen Probleme sind bei den Projekten
„Monopteros" und „Spadener See" aufgetreten?
5. Mit welchen Beträgen hat die Bundesregierung die Projekte
„Monopteros" und „Spadener See" bisher gefördert, und wie
teilen sich diese Beträge auf?
II. Projekte Spadener See
Es wurden folgende Vorhaben bewilligt:
Das Vorhaben 03 E - 5269 B des Zweckverbands
Erholungsgebiet Spadener See (1. Juli 1980 bis 1. Juli 1986, Gesamtkosten
3,325 Mio. DM bei 93,8 v. H. Förderquote) hat zum Ziel, eine
kombinierte Wind-Wärmepumpenanlage zu errichten und zu
erproben.
Das Vorhaben 03 E - 8084 A der Firma SMA-Regelsysteme GmbH
(1. Juli 1982 bis 31. Dezember 1984, Gesamtkosten 386460 DM
bei 100 Prozent Förderquote) hatte begleitende Windmessungen
und Auslegungsabschätzungen zum Ziel.
Im Vorhaben 03 E — 5269 B konnte zunächst die Phase
„Erprobung des Energieversorgungssystems mit einer elektrisch bet
riebenen Wärmepumpe" plangerecht durchgeführt werden. Die
Windenergie-Versorgung der Wärmepumpe sollte zunächst mit
einer in Entwicklung befindlichen deutschen Anlage von etwa
250 kW-Leistung dargestellt werden; im Zeitablauf wurde jedoch
zunehmend deutlich, daß das ursprüngliche Windkonzept
überprüft und geändert werden mußte; in diesem Zusammenhang
wurde das begleitende Vorhaben 03 E — 8084 A notwendig und
bewilligt.
Im Jahr 1984 wurde beschlossen, als Windenergiequelle zwei
Anlagen vom Typ Aeroman zu installieren, um das
Gesamtkonzept demonstrieren zu können. Die entsprechende Aufstockung
des Vorhabens 03 E — 5269 B wurde im Dezember 1984 bewilligt;
seitdem wurden die notwendigen Aufträge ausgearbeitet und
vergeben. Die Windanlagen werden voraussichtlich im Oktober
1985 installiert sein.
9. Welche Konzepte hat die Bundesregierung für die Zukunft der
Projekte „Monopteros" und „Spadener See"?
Das Konzept des Demonstrationsprojekts Spadener See ist, eine
neuartige Anwendung zu erproben und die technischen und
wirtschaftlichen Ergebnisse zu publizieren. Es hängt dann
insbesondere von den Ergebnissen ab, ob der Markt die demonst rierte
Lösung aufgreift und verbreitet.
10. Wie beurteilt die Bundesregierung die Wirtschaftlichkeit und die
Marktchancen der Typen „Monopteros" und „Aerouran", der für
den Spadener See vorgesehen ist?
Der Aeroman hat zur Zeit beachtliche Verkaufserfolge
vorzuweisen; dies zeigt seine technisch-wirtschaftliche
Wettbewerbsfähigkeit mit anderen Windenergieanlagen derselben Klasse. Die
Wirtschaftlichkeit wird und muß sich mit größeren Stückzahlen und
verbesserter Fertigungstechnik weiter erhöhen.
6. Wie überwacht die Bundesregierung die ordnungsgemäße
Verwendung dieser Mittel?
III. Übergreifende Fragen
Die Verfahren unterscheiden sich nicht von den bei der übrigen
BMFT-Projektförderung üblichen.
8. Warum hat die Bundesregierung in den Jahren 1975 bis 1983
überproportional die Großprojekte „Growian" und „Monopteros",
die in dem genannten Zeitraum fünf Sechstel der für die
Erforschung der Windenergie bereitgestellten Gelder verschlungen
haben, gefördert?
Proportionalität ist eine Frage des Maßstabs; da der BMFT in
seiner Forschungs-/Entwicklungs- und Demonstrationsförderung
nur zwei Typen großer Windanlagen, dagegen sehr viele
verschiedene Ansätze bei kleinen Windanlagen unterstützt hat, lag
keine Unproportionalität vor.
Der BMFT hat in den 70er Jahren zudem genügend Mittel für alle
lohnend erscheinenden Entwicklungen aufgewandt; die
Entscheidungen für die beiden Linien großer Windanlagen haben
daher den Förderspielraum für kleine Windanlagen nicht
spezifisch beeinflußt. Diese Entscheidungen wurden vielmehr
unabhängig von der Einschätzung kleiner Windanlagen aus folgenden
Gründen gefällt: Zum einen wurden pro kWh erzeugten Stroms
niedrigere Kosten erwartet (Größendegression von Bau- und
Wartungskosten plus höhere Windgeschwindigkeiten in größerer
Höhe); zum anderen schien eine Windenergienutzung durch
Elektrizitätsversorgungsunternehmen nur bei Entwicklungserfolg
in der MW-Klasse denkbar.]