Situation auf dem Ausbildungsstellenmarkt und Ausbildungspakt
der Abgeordneten Cornelia Hirsch, Dr. Petra Sitte, Dr. Gregor Gysi, Oskar Lafontaine und der Fraktion DIE LINKE.
Vorbemerkung
Bei der Veröffentlichung der diesjährigen Ausbildungsbilanz am 12. Oktober 2005 war die Bewertung der vorgelegten Zahlen sehr unterschiedlich: Während vor allem Arbeitgeber und Bundesregierung von einem Erfolg des „Nationalen Pakts für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs in Deutschland“ (Ausbildungspakt) sprachen, kritisierten die Gewerkschaften den Pakt als „erfolglos“. Sie forderten die Bundesregierung dazu auf, ihn zu beenden und eine Umlagefinanzierung einzuführen. Auch das „Jugendbündnis für Ausbildung in Berlin-Brandenburg“, in dem acht politische Jugendorganisationen zusammengeschlossen sind, spricht von einer „Ausbildungsmisere“. Weitere Jugendbündnisse sind in Gründung, da sich die Betroffenen mit dem Lehrstellenmangel nicht mehr abfinden wollen.
Wir fragen die Bundesregierung:
I. Aktuelle Situation auf dem Ausbildungsmarkt:
Fragen12
Wie viele jugendliche Ausbildungsplatzbewerberinnen und -bewerber (aufgeschlüsselt nach Männern und Frauen sowie nach Bundesländern) konnten im Ausbildungsjahr 2004/2005 in den von ihnen gewählten Ausbildungsberuf vermittelt werden?
a) Wie viele jugendliche Ausbildungsplatzbewerberinnen und -bewerber (wiederum nach obigen Kriterien) sind im Oktober 2005 immer noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz?
b) Wie viele davon sind „Altnachfragerinnen und -nachfrager“?
a) Wie viele Jugendliche wurden von der Bundesagentur für Arbeit bzw. den Kammern als „nicht ausbildungsreif “ eingestuft?
b) Auf welcher Grundlage erfolgte diese Einstufung?
c) Welche alternativen Ausbildungsangebote (in Schulen, Sonderprogrammen, Ausbildungsgängen im Auftrag der Bundesagentur für Arbeit) wurden ihnen gemacht?
Wie viele Jugendliche wurden in „Ersatzmaßnahmen“ unterhalb der Berufsausbildung („Warteschleifen“) vermittelt und halten dennoch ihren Vermittlungswunsch aufrecht?
Welche Gründe sind der Bundesregierung dafür bekannt, dass die Anzahl derjenigen Ausbildungsplatzbewerberinnen und -bewerber, die direkt in Arbeit vermittelt wurden, deutlich angewachsen ist?
Drucksache 16/67 – 2 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode
II. Bewertung des bisherigen Ausbildungspakts
a) Wie viele der im Rahmen des „Ausbildungspakts“ vom Juni 2004 vereinbarten neuen 30 000 Ausbildungsplätze wurden im vergangenen bzw. in diesem Jahr eingerichtet?
b) Wie viele Ausbildungsplätze wurden in diesen Zeiträumen jeweils abgebaut?
c) Wie sehen die entsprechenden Zahlen für 2002 und 2003 aus?
d) Wie erklärt sich die Bundesregierung diese Zahlen?
a) Welche Auswirkungen hatten die so genannten Einstiegsqualifizierungen Jugendlicher (EQJ) auf das Angebot von regulären Ausbildungsplätzen?
b) Wie hoch ist der Anteil der Jugendlichen, die im Anschluss an die Einstiegsqualifizierung von ihrem Praktikumsbetrieb in eine reguläre Ausbildung übernommen werden?
c) Wo verblieben die nicht übernommenen Einstiegsqualifikanten?
d) In welchen Branchen wurden im Ausbildungsjahr 2004/2005 EQJ angeboten?
Wie sieht das Ergebnis bei der Vermittlung von Altnachfragerinnen und -nachfragern aus, um die sich der Ausbildungspakt besonders bemühen wollte?
Wie schätzt die Bundesregierung die Veränderung des Ausbildungsverhaltens der Betriebe ein, und welche Schlussfolgerungen zieht sie daraus?
Inwieweit ist es in den letzten beiden Jahren gelungen, regionale Disparitäten in der Ausbildungssituation zu verringern, geschlechtstypische Unterschiede aufzuheben und die Chancen für Jugendliche mit Migrationshintergrund sowie mit chronischer Krankheit oder Behinderung zu verbessern?