[Deutscher Bundestag Drucksache 16/12672
16. Wahlperiode 22. 04. 2009 Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Bärbel Höhn, Hans-Josef Fell, Sylvia
Kotting-Uhl, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
– Drucksache 16/12540 –
CO2-Abscheidung und -Lagerung
Vo r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Die Abscheidung und unterirdische Lagerung von CO2 (CCS) wird in der
Bundesrepublik Deutschland als zukünftige Maßnahme gegen den Klimawandel in
Betracht gezogen. Leider kann erst nach dem Abschluss einer langjährigen und
disziplinübergreifenden Forschungsarbeit festgestellt werden, ob die Technik
zur breiten Anwendung geeignet ist. Neben allen finanziellen Abwägungen
bestehen bei der Einlagerung erhebliche Unsicherheiten hinsichtlich der
geologischen Speicherfestigkeit und der möglichen Auswirkungen auf die
Bevölkerung im Umfeld der riesigen Lagerstätten.
Vo r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
Die Abscheidung und dauerhafte Speicherung von Kohlendioxid in tiefen
geologischen Gesteinsschichten (Carbon dioxide Capture and Storage, kurz CCS)
wird möglicherweise einen wichtigen Beitrag dazu leisten können, den durch die
Nutzung fossiler Energieträger bedingten Ausstoß von Kohlendioxid aus
Energieerzeugungsanlagen und anderen Industrieanlagen in die Atmosphäre zu
vermindern. Bei erfolgreichem Verlauf der derzeit in Planung befindlichen
Demonstrationsanlagen steht damit in ca. 10 Jahren möglicherweise eine Technologie zur
Verfügung, die erheblich zur Energieversorgungssicherheit und zum Schutz des
Klimas beitragen kann. Das Bundeskabinett hat am 1. April 2009 den Entwurf
eines Kohlendioxid-Speicherungsgesetzes beschlossen, das den Rechtsrahmen
für die Erprobung und Anwendung der neuen Technologie schaffen soll. Die
Bundesregierung strebt an, dass das Gesetz im Sommer dieses Jahres vom
Bundesrat und Deutschen Bundestag verabschiedet wird.
Wesentlicher Bestandteil des von der Bundesregierung vorgeschlagenen CCS-
Rechtsrahmens ist, dass der Schutz des Menschen und der Umwelt bei der
Anwendung der neuen CCS-Technologien auch langfristig gewährleistet ist. Erste
Erfahrungen liegen bereits vor: In verschiedenen Ländern, etwa in Norwegen,
Algerien, USA und Kanada, wird Kohlendioxid im geologischen Untergrund ge- Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Wirtschft und Technologie vom
21. April 2009 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Drucksache 16/12672 – 2 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiodespeichert. Darüber hinaus gibt es auch natürliche Kohlendioxid-Lagerstätten in
einer Tiefe von zwei bis 10 Kilometern. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass
Kohlendioxid dauerhaft und sicher zurückgehalten werden kann, wenn
entsprechend geeignete Gesteinsschichten im geologischen Untergrund genutzt werden.
Allerdings muss der bisherige Kenntnisstand in den nächsten Jahren auch durch
die Realisierung von Demonstrationsanlagen noch weiter vertieft werden.
Der in der Kleinen Anfrage mehrfach gezogene Vergleich zwischen den CCS-
Technologien und den Projekten der Endlagerung radioaktiver Abfälle ist aus
Sicht der Bundesregierung nicht sachgerecht. Anders als bei der radioaktiven
Entsorgung wird bei der Speicherung von Kohlendioxid der natürlich
vorhandene Porenraum in den Gesteinsschichten genutzt; es werden also keine
technischen Hohlräume im Untergrund geschaffen. Auch hinsichtlich der Toxizität und
der Explosivität ist das Gefährdungspotential der CCS-Technologien – etwa im
Vergleich zum Umgang mit gasförmigen Stoffen in der chemischen Industrie
oder zur untertägigen Speicherung von Erdgas – als vergleichsweise gering
einzustufen. Mit Blick auf die Akzeptanz der neuen Technologie in der Bevölkerung
wird es gleichwohl wichtig sein, bei den geplanten Demonstrationsprojekten ein
größtmögliches Maß an Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit zu
gewährleisten.
Ergänzende Hinweise
Sofern in der Kleinen Anfrage die Formulierung „Speicherung im Boden“
gewählt wurde, geht die Bundesregierung davon aus, dass „geologische Schichten
im tiefen Untergrund“ gemeint sind. Eine Speicherung von Kohlendioxid im
Boden ist nicht vorgesehen.
Die aktuell vorliegenden Zahlen zu Angaben der Kapazität von Kohlendioxid-
Speichern in salinaren Aquiferen weisen noch erhebliche Ungenauigkeiten auf.
Dies liegt insbesondere an der Bemessung des nutzbaren Porenvolumens. Zu
unterscheiden ist zwischen „theoretischer“, „realistischer“ und „nutzbarer“
Speicherkapazität. Von der theoretischen Kapazität wird nur ein Teil „realistisch“ und
davon nur ein Teil tatsächlich nutzbar sein. Für die entsprechende Einteilung in
diese Kategorien spielen insbesondere geologische, ökonomische, technische
und ökologische Betrachtungen eine Rolle. Präzise und belastbare Angaben zur
Speicherkapazität werden daher erst nach Abschluss der jetzt angelaufenen
entsprechenden Forschungs- und Entwicklungsarbeiten möglich sein. Die in den
folgenden Antworten genannten Zahlen sind dementsprechend zu bewerten.
1. Welche konkreten Speicherformationen für CO2 wurden bisher im Rahmen
des GESTCO-Projektes in der Bundesrepublik Deutschland identifiziert,
und wo liegen sie genau (bitte Einzelauflistung nach salinen Aquiferen, als
auch ehemalige Öl- und Gaslagerstätten, die infrage kommen)?
Im Rahmen des GESTCO-Projektes sind die potenziellen Speichergesteine (so
genannte salinare Aquifere) in Norddeutschland identifiziert worden. Dabei
handelt es sich um Gesteinsschichten, die folgenden Gesteinseinheiten zuzuordnen
sind
● Oberrotliegend-Sandsteine und Zechstein-Karbonate (Staßfurt-Folge) des
Perm,
● der so genannte Mittlere Buntsandstein der Trias,
● Sandsteine aus dem Mittelkeuper (sog. Schilfsandstein) und dem Oberkeuper
(Rhät),
● Sandsteine des Lias und Dogger aus der Jurazeit sowie
● Sandsteine der Unterkreide.
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 3 – Drucksache 16/12672Mit Ausnahme der zwei letztgenannten Gesteinseinheiten aus dem Dogger und
aus der Unterkreide sind die potenziellen Speichergesteine in Norddeutschland
weit verbreitet.
Zusätzlich zu den salinaren Aquiferen sind 66 ehemalige und in Betrieb
befindliche Erdgaslagerstätten (insbesondere in Perm- und Triasgesteinen) und 13
Erdöllagerstätten (überwiegend in Gesteinen der Jura- und Kreidezeit) als potenzielle
Kohlendioxidspeicher analysiert worden. Diese Kohlenwasserstofflagerstätten
befinden sich überwiegend in Niedersachsen sowie in Sachsen-Anhalt und
Schleswig-Holstein.
2. Zu welchen Ergebnissen kommt das Ende Dezember 2008 abgeschlossene
Forschungsprojekt GeoCapacity bezüglich der Lage der
Speichermöglichkeiten und ihrer potenziellen Kapazitäten für die CO2-Ablagerung in der
Bundesrepublik Deutschland und Europa?
Das Forschungsprojekt ist noch nicht abgeschlossen. Die Ergebnisse sind daher
auch noch nicht publiziert worden. Ein Entwurf des Endberichtes befindet sich
derzeit insbesondere bezüglich der Ergebnisse in anderen europäischen Staaten
noch in der Endabstimmung.
In Bezug auf den Standort Bundesrepublik Deutschland ist das GeoCapacity-
Projekt in erster Linie eine räumliche Erweiterung des in der Antwort zu Frage 1
dargestellten GESTCO-Bearbeitungsraumes um den deutschen Nordseesektor.
Das Kohlendioxid-Speicherpotenzial in der deutschen Nordsee, für das noch
keine publizierten Daten vorliegen, wird von der Bundesanstalt für
Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) unter Zugrundelegung eines konservativen
Ansatzes auf 2,9 Mrd. Tonnen geschätzt. Für das deutsche Festland sind im
Rahmen des GeoCapacity-Projektes keine neuen Untersuchungen zum
Speicherpotenzial in salinaren Aquiferen durchgeführt worden. Auf Basis aktueller
Erdgasproduktionszahlen wurde von der BGR die CO2-Speicherkapazität in
Erdgaslagerstätten neu berechnet. Demzufolge beträgt die Kapazität ca. 2,75 Mrd.
Tonnen. Diese Daten sind bereits publiziert worden (GERLING, J.P., 2008).
3. Wie hoch ist die zurzeit in der Bundesrepublik Deutschland bekannte
Kapazität hochwertiger Speicher, die für eine langzeitsichere CO2-Ablagerung
zuverlässig infrage kommt und bei der ein angemessenes Management
garantiert werden kann?
Der Bundesregierung liegen keine belastbaren Informationen darüber vor, wie
viel Kohlendioxid unter Berücksichtigung technischer, ökonomischer und
ökologischer Kriterien dauerhaft sicher im Untergrund gespeichert werden kann.
Die deutschen Erdöllagerstätten sind aufgrund ihrer geringen Größe für eine
kommerzielle dauerhafte Speicherung von Kohlendioxid nicht geeignet.
Erdgasfelder sind in der Bundesrepublik Deutschland hingegen eine geeignete
Option für die dauerhafte Speicherung von Kohlendioxid. Sie haben bereits über
viele Millionen Jahre nachgewiesen, in ihren Strukturen gasförmige
Kohlenwasserstoffe dauerhaft zurückhalten zu können. Ob dies auch auf die Rückhaltung
von Kohlendioxid zutrifft, ist Gegenstand von laufenden Forschungs- und
Entwicklungsarbeiten. Wie in der Antwort zu Frage 2 ausgeführt, wurde von der
BGR die Speicherkapazität aus den geförderten Erdgasmengen und den
verbleibenden Reserven mit 2,75 Mrd. Tonnen errechnet (GERLING, J.P., 2008).
Im Rahmen von Regionalstudien wurde in den letzten Jahren die Kohlendioxid-
Speicherkapazität in salinaren Aquiferen in der Bundesrepublik Deutschland
abgeschätzt. Diese Abschätzungen beziehen sich auf die volumetrischen Speicher-
Drucksache 16/12672 – 4 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiodekapazitäten der Aquifere basierend auf zum Teil regionalen Durchschnittswerten
bezüglich ihrer Mächtigkeit und Porosität. Ökonomische und ökologische
Kriterien wurden bei diesen Abschätzungen nicht berücksichtigt. Technisch nutzbar
ist daher nur ein Teil dieser Kapazität. Abhängig beispielsweise von der
Permeabilität der Aquifere sowie der gewählten Injektionsstrategie ergibt sich daraus ein
nutzbarer Anteil (Speichereffizienz bzw. Flutungseffizienz) der zwischen
wenigen Prozent und bis zu etwa 40 Prozent betragen kann. Die auf dieser Grundlage
abgeschätzte CO2-Speicherkapazität in salinaren Aquiferen in der
Bundesrepublik Deutschland wurde von der BGR im Jahr 2005 auf 12 bis 28 Mrd.
Tonnen geschätzt (MAY et al. 2005). Nach neueren, bisher nicht veröffentlichten
Abschätzungen dürften die Kapazitäten eher im unteren Bereich dieser
Bandbreite liegen. Bezüglich der mit derartigen Kapazitätsabschätzungen
verbundenen Unsicherheiten verweist die Bundesregierung im Übrigen auf den
entsprechenden Hinweis in der Vorbemerkung.
Zur Reduktion der Unsicherheiten dieser Abschätzungen ist im Jahr 2008 unter
der Federführung der BGR das Projekt „Speicherkataster Deutschland“
angelaufen. Dort wird in Zusammenarbeit mit den Staatlichen Geologischen Diensten
der Bundesländer eine umfangreiche und einheitliche Datengrundlage zur
volumetrischen Kapazitätsabschätzung von Speicherformationen in der
Bundesrepublik Deutschland erarbeitet.
Im Rahmen der Umsetzung der europäischen CCS-Richtlinie in nationales Recht
sieht der Gesetzentwurf der Bundesregierung eine umfassende Analyse und
Bewertung der Speicherpotenziale und eine entsprechende Zusammenarbeit mit
den Nachbarstaaten vor. Eine abschließende Aussage zur Eignung und Qualität
eines kommerziellen Speichers kann jedoch erst nach einer standortbezogenen
Exploration, die durch die Unternehmen durchzuführen sind, unter
Einbeziehung von Erfahrungen aus den geplanten Demonstrationsvorhaben festgestellt
werden.
Durch die im Kohlendioxid-Speicherungsgesetzentwurf vorgesehenen
Vorschriften wird sichergestellt, dass seitens der Betreiber ein problemadäquates,
angemessenes Management zur Anwendung kommt. Dies hat die
Erdgasspeicherindustrie in den vergangenen Jahrzehnten unter Beweis gestellt und kann
deshalb auch für die geologische CO2-Speicherung unterstellt werden.
4. Über welche waagerechte Ausdehnung erstrecken sich die einzelnen
Lagerstätten?
Die horizontale Ausdehnung von dauerhaften Kohlendioxidspeichern – diese
dürften hier mit dem Begriff „Lagerstätten“ gemeint sein – kann, projiziert auf die
Erdoberfläche, wenige Quadratkilometer bis zu etwa tausend Quadratkilometern
umfassen. Die Ausdehnung hängt insbesondere ab von der gespeicherten
Kohlendioxidmenge, den Speichereigenschaften und den gewählten Injektionsstrategien.
5. Wie stellt sich die Porosität, der nutzbare Porenraum, die Permeabilität als
auch die vertikale Mächtigkeit der einzelnen infrage kommenden salinen
Aquifere dar?
Die Kenntnisse über wichtige Gesteinsparameter wie Porosität, Permeabilität
und Mächtigkeit einzelner Aquifere stehen nicht flächendeckend zur Verfügung.
In dem bei der BGR in Arbeit befindlichen „Speicherkataster Deutschland“
werden derzeit Porositäten und Nettomächtigkeiten einzelner Speicherformationen
erfasst. Dabei wurden als Mindestanforderungen eine Nettomächtigkeit von über
10 m, eine Porosität von mindestens 10 Prozent und eine Permeabilität von
mindestens 10 Millidarcy (mD) definiert. Porositäts- und Permeabilitätswerte sowie
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 5 – Drucksache 16/12672Mächtigkeiten einzelner Aquifere von potenziellen Kohlendioxidspeichern
werden erst nach den standortbezogenen Explorationstätigkeiten vorliegen.
6. Wie viel CO2 in Millionen Tonnen wird man voraussichtlich in den
einzelnen Lagerstätten speichern können?
Die bisher ermittelten Kohlendioxid-Speicherkapazitäten für Einzelstrukturen
liegen im Bereich zwischen ca. 5 Mio. und 600 Mio. Tonnen. Diese
Abschätzungen basieren größtenteils auf Durchschnittswerten zu Porosität, Permeabilität
und Nettomächtigkeit, sowie Schätzungen der Speicher- bzw. Flutungseffizienz.
Im Übrigen wird auf die Vorbemerkung verwiesen.
7. Welche der hier aufgeführten Lagerstätten eignen sich aufgrund ihrer
Beschaffenheit besonders für die Lagerung von CO2?
Eine geeignete Option für die Kohlendioxid-Speicherung ist in der
Bundesrepublik Deutschland die Nutzung ehemaliger oder nahezu leergeförderter
Erdgasfelder, weil sie durch ihre Existenz bereits über viele Millionen Jahre die
Langzeitsicherheit nachgewiesen haben (vgl. Antwort zu Frage 3). Für die
Eignung der salinaren Aquifere sind detaillierte standortbezogene Untersuchungen
notwendig, jedoch bisher nicht durchgeführt worden. Daher ist es derzeit noch
nicht möglich, die besondere Eignung einzelner potenzieller Speicherstandorte
festzustellen oder vergleichend zu bewerten.
8. Wie sieht ein durchschnittliches salines Speicheraquifer für CO2 – vor dem
Hintergrund der vorhandenen Daten über die einzelnen Aquifere –
hinsichtlich Porosität, des nutzbaren Porenraums, der Permeabilität als auch
der vertikalen Mächtigkeit aus?
Die Porositäten, Permeabilitäten und Nettomächtigkeiten sind im unterirdischen
Raum häufig heterogen, insbesondere die Permeabilität. Daher ist die Angabe
von Durchschnittswerten nicht möglich. Nähere Einzelheiten enthalten auch die
Antwort zu den Fragen 3 und 5.
9. Wie wird die Speicherkapazität für CO2 in der Bundesrepublik
Deutschland eingeschätzt?
Die Bundesregierung verweist auf die Antwort zu den Fragen 2 und 3 sowie auf
die Vorbemerkung.
10. Inwieweit ändert sich die Ablagerkapazität für CO2 in der Bundesrepublik
Deutschland bei unterschiedlichen Anforderungen an die
Langzeitsicherheit und Zuverlässigkeit der Modellvorhersagen (Leckagerate 0,1 Prozent,
0,01 Prozent bzw. 0,001 Prozent pro Jahr, bitte unter Angabe des
Unsicherheitsbereichs der Modellvorhersagen)?
Hierzu liegen der Bundesregierung keine Informationen vor.
11. Wie stellt sich die Boden-Speichersituation in Großbritannien, Polen,
Russland und Italien dar?
Der Bundesregierung liegen folgende Informationen und
Untersuchungsergebnisse vor, zu deren Belastbarkeit sie allerdings keine Aussage zu treffen vermag.
Drucksache 16/12672 – 6 – Deutscher Bundestag – 16. WahlperiodeZu Großbritannien: Eine Untersuchung des Geologischen Dienstes von
Großbritannien (HOLLOWAY et al. 2006: Industrial Carbon Dioxide Emissions and
Carbon Dioxide Storage Potential in the UK) ergab eine gesamte Kohlendioxid-
Speicherkapazität von 10 Mrd. Tonnen in Öl- und Gasfeldern und bis zu 12 Mrd.
Tonnen salinen Aquiferen. Kumulativ beträgt die theoretische Kapazität damit
bis zu ca. 22 Mrd. Tonnen. Die Speicher befinden sich im Wesentlichen im
Offshore-Bereich. Experten der „North Sea Basin Task Force“ weisen in dem im
Jahr 2003 erschienenen Ergebnisbericht des Projektes GESTCO darauf hin, dass
ein Großteil der Erdöl- und Erdgasfelder nicht vor dem Jahr 2037 für eine
Kohlendioxid-Speicherung zur Verfügung stehe und über ihre praktische Nutzbarkeit
noch keine Erkenntnisse vorlägen.
Das theoretische Kohlendioxid-Speicherpotenzial in Polen wird nach Angaben
polnischer Wissenschaftler für 48 ausgesuchte Speicherstrukturen auf 22,3 Mrd.
Tonnen geschätzt (TARKOWSKI, R. 2008: CO2 storage capacity of geological
structures located within Polish Lowlands’ Mesozoic formations).
Der Bundesregierung sind bisher keine Projekte oder Untersuchungsergebnisse
zum Kohlendioxid-Speicherpotenzial in Russland bekannt. Die großen
bekannten Erdgas- und Erdölfelder dürften erhebliche Speicherpotenziale bergen, wenn
diese nahezu leer gefördert sind.
Erste Abschätzungen zum Speicherpotenzial in Italien sind im Rahmen des
Projektes Joule II veröffentlicht worden. Die gesamte Speicherkapazität in salinaren
Aquiferen sowie in Erdöl- und Erdgaslagerstätten Italiens wurde auf der 9.
International Conference on Greenhouse Gas Technologies im November 2008 in
Washington DC mit ca. 4,6 Mrd. Tonnen angegeben.
12. Haben China und Indien ausreichende Speicherkapazitäten für CO2?
Der Bundesregierung liegen folgende Informationen und
Untersuchungsergebnisse vor, zu deren Belastbarkeit sie allerdings keine Aussage zu treffen vermag.
Zu China: Der Bericht der Asia Pacific Economic Cooperation „Assessment of
Geological Storage Potential of Carbon Dioxide in the APEC Region – Phase 1,
CO2 Storage Prospectivity of Selected Sedimentary Basins in the Region of
China and South East Asia“ der APEC Energy Working Group (EWG Project
06/2003, Juni 2005) führt aus, dass in China die Reichweite der Erdöl- und
Erdgaslagerstätten für ein Jahr reichen würde, jedoch in salinaren Aquiferen
möglicherweise Potenziale bestehen. Auf der 9. International Conference on
Greenhouse Gas Technologies im November 2008 in Washington DC wurden erste
Abschätzungen zu Speicherkapazitäten in China veröffentlicht (LI et al.: „CO2
Point Emission and Geological Storage Capacity in China“). In dieser
Publikation wird das gesamte theoretische CO2-Speicherpotenzial Chinas mit über 3 088
Mrd. Tonnen beziffert. Davon entfallen angeblich 3 066 Mrd. Tonnen auf
salinare Aquifere.
Zu Indien: Einzelheiten zu den Speicherkapazitäten in Indien enthält der Bericht
der Internationalen Energieagentur IEA Greenhouse Gas R&D Programme (IEA
GHG), „A Regional Assessment of the Potential for CO2 Storage in the Indian
Subcontinent“ vom Mai 2008, sowie die Veröffentlichung einer
indischbritischen Wissenschaftlergruppe von HOLLOWAY, S., GARG, A., KAPSHE,
M., DESHPANDE, A., PRACHA, A.S., KHAN, S.R., MAHMOOD, M.A.,
SINGH, T.N., KIRK, K.L. & GALE, J. (2008): „An assessment of the CO2
storage potential of the Indian subcontinent“. Quantitative Abschätzungen zum
Kohlendioxid-Speicherpotenzial wurden bisher nur für Erdöl- und
Erdgaslagerstätten sowie für Kohlelagerstätten veröffentlicht. Nach der oben genannten
Veröffentlichung beträgt die diesbezügliche Kapazität zwischen 3,4 und 4,6 Mrd.
Tonnen in Öl- und Gasfeldern. Da Indien jährlich ca. 650 Mio. Tonnen Kohlen-
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 7 – Drucksache 16/12672dioxid emittiert, entspräche dies einer Aufnahmekapazität von fünf bis acht
Jahren. Das Kohlendioxid-Speicherpotenzial in salinaren Aquiferen ist
demgegenüber bisher noch nicht quantifiziert worden.
13. Wie viel installierte Kraftwerksleistung in MW sind bei Stein- und
Braunkohlekraftwerken seit dem Jahr 2000 in der Bundesrepublik Deutschland
ans Netz gegangen?
Nach Angaben des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft
(BDEW) sind in der Bundesrepublik Deutschland durch Neubau bzw.
Erweiterung seit dem Jahr 2000 Stein- und Braunkohlekraftwerke mit einer
Kraftwerksleistung von insgesamt 2 185 Megawatt ans Netz gegangen.
14. Wie viel CO2 wird nach der Leitstudie des Bundesministeriums für
Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) in den Jahren 2020 bis
2050 in der Bundesrepublik Deutschland aus Kohlekraftwerken emittiert?
Die Kohlendioxid-Emissionsmengen aus Kohlekraftwerken zwischen den
Jahren 2020 und 2050 werden vom künftigen Energiemix in der Bundesrepublik
Deutschland abhängen. Insofern sind der Bundesregierung keine belastbaren
Angaben möglich. Auch die BMU-Leitstudie weist keine kumulierten CO2-
Emissionen aus Kohlekraftwerken über den Zeitraum zwischen 2020 und 2050
aus, sondern lediglich bestimmte Emissionen pro Jahr zu einem bestimmten
Zeitpunkt x.
15. Wo sieht die Bundesregierung Forschungsbedarf bei der Einlagerung von
CO2 im Boden?
An Forschungsarbeiten über die Kohlendioxid-Speicherung im tiefen
geologischen Untergrund arbeiten in der Bundesrepublik Deutschland derzeit zahlreiche
Forschungsverbünde, die gezielten Fragestellungen im Labormaßstab sowie in
Pilotprojekten nachgehen. Dabei werden insbesondere Fragen zur dauerhaft
sicheren Speicherung, zum langfristigen Monitoring, zur Risikoabschätzung und
zur Abschätzung des vorhandenen Speicherpotenzials bearbeitet und neue
Technologien für die Demonstrationsvorhaben vorbereitet. Eine Vertiefung der
Forschung ist aus heutiger Sicht vor allem für folgende Themen erforderlich:
● Ermittlung der Speicherkapazität,
● Verdrängung der fluiden Phasen in den Speichergesteinen und ihrer
Umweltauswirkungen,
● Vorhersagende Simulation der Kohlendioxid-Ausbreitung und
Leckagevermeidung,
● Speichersicherheit.
16. Wann rechnet die Bundesregierung mit ersten Forschungsergebnissen zur
Einsatzfähigkeit von CCS, insbesondere bei der Speicherung?
Erste Forschungsergebnisse über die Kohlendioxid-Speicherung liegen bereits
vor. Diese wurden in der Bundesrepublik Deutschland im Wesentlichen im
Rahmen des EU-Projektes CO2SINK veröffentlicht (
www.co2sink.org).
Andere Verbundprojekte, die von der EU-Kommission oder im Rahmen des
GEOTECHNOLOGIEN-Programms des Bundesministerium für Bildung und
Forschung (BMBF) gefördert werden (z. B. COSMOS, CSEGR, CO2Trap,
Drucksache 16/12672 – 8 – Deutscher Bundestag – 16. WahlperiodeRECOPOL, NASCENT, GESTCO u. a.), haben ebenfalls wichtige Ergebnisse
geliefert. Ein Statusreport über die bisher erzielten Ergebnisse wird derzeit
vorbereitet.
In den kommenden Jahren ist aus dem Betrieb von Pilot- und
Demonstrationsanlagen kontinuierlich mit neuen Forschungs- und Entwicklungsergebnissen zur
Einsatzfähigkeit von CCS zu rechnen. Die Bundesregierung hat bereits in ihren
Antworten
● auf die Große Anfrage der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
„Klimaschutz durch den Einsatz von CO2-Abscheidung und Lagerung“,
Bundestagsdrucksache 16/7264 vom 23. November 2007,
● auf die Kleine Anfrage der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN „CO2-
Abscheidung und Lagerung“, Bundestagsdrucksache 16/4968 vom 20. April
2007 und
● auf die Kleine Anfrage der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN „Zukunft
der Kohleverstromung“, Bundestagsdrucksache 16/9032 vom 5. Mai 2008
zum Ausdruck gebracht, dass sie bei positivem Ergebnis der geplanten
Demonstrationsprojekte mit der kommerziellen Einsatzfähigkeit von CCS-Technologien
ab etwa dem Jahr 2020 rechnet.
17. Gibt es Forschungsergebnisse zu der Frage, inwieweit die dauerhafte
Meeresüberflutung eines salinen CO2-Speicheraquifers oder
entsprechender CO2-Speicher in ehemaligen Öl/Gaslagerstätten zu einer
Speicherbeeinträchtigung hinsichtlich einer möglichen Leckage führen könnte, vor
dem Hintergrund einer nicht unwahrscheinlichen Überflutung von
entsprechenden Speichern in der Norddeutschen Tiefebene im Zusammenhang
mit dem Anstieg des Meeresspiegels verursacht durch den Klimawandel?
18. Wie schätzt die Bundesregierung diese Gefahr ein?
Derartige Forschungsergebnisse sind der Bundesregierung nicht bekannt. Sie
kann allerdings nicht ausschließen, dass sich einzelne Wissenschaftler oder
Forschergruppen mit dieser Fragestellung beschäftigt haben.
Die Ergebnisse des Demonstrationsstandortes vor Norwegen (Sleipner) zeigen,
dass die Speicherung von Kohlendioxid in geologischen Gesteinsschichten auch
unterhalb des Meeresbodens möglich ist. Die Anhebung des Meeresspiegels
dürfte nach den derzeitigen Berechnungen nach der Kohlendioxid-Speicherung
maximal zwei Meter betragen, was einem zusätzlichen hydrostatischen Druck
von 0,2 bar entspricht. Dadurch wird der Druck in einem tiefliegenden salinaren
Aquifer nicht wesentlich verändert. Besondere Auswirkungen sind daher nicht
zu befürchten. Die Gefahr einer durch eine hypothetische Meeresüberflutung
ausgelösten Leckage eines Kohlendioxid-Speichers ist vor diesem Hintergrund
sehr unwahrscheinlich.
Mit Blick auf die vorgesehenen Vorschriften des dem Deutschen Bundestag und
Bundesrat vorliegenden Entwurfes der Bundesregierung für ein Kohlendioxid-
Speicherungsgesetz ist davon auszugehen, dass auch diese Fragen im Rahmen
der vorsorgenden Gefahrenabwehr und der Langzeitsicherheit von dauerhaften
Kohlendioxid-Speichern Gegenstand der Genehmigungs- bzw. der
Planfeststellungsverfahren sein werden.
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 9 – Drucksache 16/1267219. Geht die Bundesregierung davon aus, dass ggf. auch ältere Kraftwerke mit
CCS nachgerüstet werden?
Aus Sicht der Bundesregierung ist nicht auszuschließen, dass auch ältere
Kraftwerke mit CCS-Technologien nachgerüstet werden, sofern diese Technologien
großtechnisch verfügbar sind. Allerdings dürfte die Nachrüstung älterer
Kraftwerke wegen des geringeren Wirkungsgrades und der erforderlichen
Zusatzkosten für die Nachrüstung teurer als der Bau neuer Kraftwerke mit integrierter
Kohlendioxid-Abscheidung sein. Letztlich obliegt es den Unternehmen der
Energiewirtschaft zu entscheiden, ob eine Nachrüstung technisch und ökonomisch
für ihre jeweiligen Anlagen infrage kommt.
20. Wie hoch schätzt die Bundesregierung die neu installierte
Kraftwerkleistung in MW an fossilen Kraftwerken ab dem Jahr 2020 ein?
Gibt es dann vor dem Hintergrund der bereits angekündigten Bauvorhaben
überhaupt noch Bedarf?
Die Bundesregierung nimmt keine derartigen Abschätzungen vor. Ihr liegen
auch seitens der Energiewirtschaft noch keine Informationen über den Umfang
neuer Kraftwerkskapazitäten nach 2020 vor. Der Bau neuer Kraftwerke ist
Angelegenheit der am Markt tätigen Unternehmen.
21. Beabsichtigt die Bundesregierung, die CCS-Infrastruktur – insbesondere
Pipelines – finanziell oder auf andere Art und Weise zu unterstützen?
Falls ja, auf welche Art und Weise, und in welcher Höhe?
Nein, die Bundesregierung verfolgt derzeit keine derartigen Absichten.
22. Beabsichtigt die Bundesregierung, den Bau von CCS-Kohlekraftwerken
finanziell oder auf andere Art und Weise zu unterstützen?
Falls ja,
a) auf welche Art und Weise,
b) in welcher Höhe je Kraftwerk,
c) aus welchem Haushaltstitel und
d) ab wann soll Förderung stattfinden?
Die Bundesregierung unterstützt die Bestrebungen der EU-Kommission zur
Realisierung eines europäischen CCS-Demonstrationsprogramms. Dabei soll
ein Teil der CCS-bedingten Zusatzkosten von CCS-Demonstrationskraftwerken
über Emissionszertifikate aus der Neuanlagenreserve des Europäischen
Emissionshandelssystems gefördert werden (s. Artikel 10a Absatz 8 der
Emissionshandelsrichtlinie). Hierfür stehen bis zum 31. Dezember 2015 bis zu 300 Millionen
Emissionszertifikate zur Verfügung. Die Bundesregierung geht davon aus, dass
die drei in der Planung bereits weit fortgeschritten Demonstrationsprojekte in der
Bundesrepublik Deutschland Teil des europäischen Demonstrationsprogramms
sein werden.
Die Bundesregierung plant derzeit nicht, sich darüber hinaus an der Finanzierung
von CCS-Kohlekraftwerken zu beteiligen.
Drucksache 16/12672 – 10 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode23. Ist die Zahl der Kohlekraftwerke, die in der Bundesrepublik Deutschland
finanzielle Unterstützung seitens des Bundes finanziert werden soll,
begrenzt, und falls ja, in welcher Zahl oder Gesamtkapazität liegt die
Begrenzung?
Auf die Antwort zu Frage 22 wird verwiesen.
24. Beabsichtigt die Bundesregierung, die Endlagerung von Kohlendioxid
finanziell oder auf andere Art und Weise zu unterstützen?
Falls ja,
a) welche Art und Weise,
b) in welcher Höhe,
c) aus welchem Haushaltstitel und
d) ab wann soll Förderung stattfinden?
Auf die Antwort zu Frage 22 wird verwiesen. Diese Antwort bezieht sich auch
auf die dauerhafte Speicherung von Kohlendioxid.
25. Wie hoch ist die derzeitige Forschungsförderung der Bundesregierung für
a) CCS-Abscheidung von Kohlekraftwerken,
b) Transport von CO2,
c) Endlagergeologie?
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) hat im Rahmen
seiner COORETEC-Initiative im Jahr 2008 Forschung und Entwicklung
moderner Kraftwerkstechnologien und CCS mit ca. 30 Mio. Euro gefördert.
Technologien im Zusammenhang mit der CO2-Speicherung wurden durch das BMBF
im Rahmen seines GEOTECHNOLOGIEN-Programms in Höhe von 5,4 Mio.
Euro im Jahr 2008 gefördert. Durch die Ausrichtung der Forschungsarbeiten auf
die gesamte CCS-Technologielinie ist eine eindeutige Zuordnung der Mittel zu
den in der Frage genannten Feldern nicht möglich.
26. Welche Forschungsanstrengungen in welcher Höhe sind entsprechenden
auf europäischer Ebene zu verzeichnen?
Im 7. Forschungsrahmenprogramm der EU wurden für die Jahre 2007 und 2008
insgesamt 45 Mio. Euro für die Themen CO2-Abtrennung und -Speicherung
sowie „Clean-Coal-Technologien“ für Projektförderung zur Verfügung gestellt.
27. Liegen der Bundesregierung Untersuchungen vor, die die
Wahrscheinlichkeit des Risikos eines Austritts von CO2 aus CO2-Endlagerstätten
abschätzen können, und falls ja, welche Studien sind dies, und zu welchem
Ergebnis kommen diese Studien?
Der Bundesregierung sind verschiedene Studien bekannt, deren Ergebnisse auf
numerische Simulationen zurückgehen oder die mit analytischen oder
semianalytischen Methoden erzielt wurden:
● Eine Untersuchung von DOUGHTY (2007) kommt zu dem Ergebnis, dass
selbst bei dem unmöglichen Fall, dass das Deckgestein oberhalb eines
Speichers spontan verschwinden würde, kein Kohlendioxid aus 1000 m Tiefe
innerhalb von 1000 Jahren die Erdoberfläche erreichen würde. Das Kohlen-
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 11 – Drucksache 16/12672dioxid wäre hier zu 80 Prozent kapillar gebunden und 20 Prozent im
Porenraum der Gesteine gelöst.
● LINDEBERG (1997) hat in einer Studie erarbeitet, dass aus einem geologisch
ungünstigen Reservoir in über 3000 Jahren nur ein Drittel des
eingespeicherten Kohlendioxids wieder austreten könnte.
● NORDBOTTEN et al. (2004) zeigen mit semianalytischen Lösungsansätzen,
dass die Leckagerate mit jedem Aquifer oberhalb des Kohlendioxid-
Speichers um eine Größenordnung sinkt. Dies bedeutet: Etwa 10 Prozent des
eingespeicherten Kohlendioxids können oberhalb des Speichers erwartet
werden. Davon werden wiederum im nächst höheren Aquifer auch wieder nur
10 Prozent erwartet, bzw. dann umgerechnet 1 Prozent der ursprünglich in
den Kohlendioxidspeicher injizierten Kohlendioxidmenge. Mit jedem
zusätzlichen Aquifer sinkt also die Menge des Kohlendioxids, welche die
Erdoberfläche erreichen könnte, um eine Größenordnung ab.
● Die Studie des IEA Greenhouse Gas R&D Programme „Study of potential
impacts of leaks from onshore CO2 projects on terrestrial ecosystems“
(Technical Study, 3/2007) bezeichnet es als wahrscheinlich, dass Kohlendioxid-
Austritte an der Oberfläche in geringen Raten über lange Zeiträume (hunderte bis
tausende von Jahren) auftreten werden. Durch sorgsame Auswahl und
sorgfältiges Management können diese Leckagen verringert oder verhindert
werden, jedoch müssen nach Auffassung der Autoren die Umweltauswirkungen
dieser zu erwartenden Leckagen verstanden und beurteilt werden. Deswegen
seien auftretende Auswirkungen auf die Umwelt entlang der gesamten
Nahrungsmittelkette und die Auswirkungen auf die Veränderung der Biodiversität
zu untersuchen.
● MEYER, HOUDU, POUPARD und LE GOUEVEC (2008) haben in ihrer
Studie „Quantitative risk evaluation related to long term CO2 gas leakage
along wells“ anhand der Modellierung von 243 denkbarer Leckageszenarien
an Bohrungen festgestellt, dass Leckagen an Bohrungen über einen Zeitraum
von wenigen Dekaden bis Jahrhunderten sehr wahrscheinlich sind.
28. In welchen Tiefen ist die CO2-Ablagerung geplant?
Kann durch die Wahl tieferer geologischer Strukturen die
Wahrscheinlichkeit eines möglichen CO2-Austritts minimiert werden?
Die aktuellen Planungen der Demonstrationsanlagen beziehen sich auf
dauerhafte Kohlendioxid-Speicher in einer Tiefe von 800 bis 4 000 Metern. Dies liegt
an der vergleichsweise hohen Dichte, die Kohlendioxid in diesen Tiefen
annimmt. Dadurch kann der Porenraum der Gesteinsschichten besonders effizient
genutzt werden. Sollten aber flachere Speichermöglichkeiten erkundet werden,
die herausragende Speichereigenschaften einschließlich der Langzeitsicherheit
aufweisen, wäre grundsätzlich auch die Speicherung in weniger tief liegenden
Gesteinsschichten möglich.
Allgemein gilt, dass mit der Tiefe die Wahrscheinlichkeit des Austritts von
Kohlendioxid an der Erdoberfläche durch die wachsende Anzahl zusätzlicher
Aquifere im Multibarrierensystem sinkt (vgl. Antwort zu Frage 27). Auch die
mit der Tiefe zunehmende Anzahl von Deckschichten mit geringen
Durchlässigkeitskoeffizienten erhöht tendenziell die Langfristigkeit und Sicherheit der
Speicherung.
Drucksache 16/12672 – 12 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode29. Liegen der Bundesregierung Studien vor, die langfristig mögliche Kosten
der Endlagerung berechnen
a) hinsichtlich möglicher Schäden, die beim Austritt von CO2 entstehen
sowie
b) hinsichtlich des ansetzbaren Negativen Werts des CO2, für das im
Emissionshandel aufgrund der Abscheidung und Endlagerung keine
Zertifikate gekauft werden mussten, das aber dennoch an die
Atmosphäre gelangt?
30. Falls ja, welche Studien sind dies, und zu welchem Ergebnis kommen diese
Studien?
Zu der genannten Fragestellung liegen der Bundesregierung unter anderem
folgende Studien vor:
● Internationale Energie Agentur (IEA): Energy Technology Perspectives 2008.
Fossil fuel-fired power plants and CCS.
● Wuppertal-Institut: Geologische CO2-Speicherung als Klimapolitische
Handlungsoption.
● CO2 capture and storage – a technological pathway for combating climate
change. – Geoscience Issues.
● The future of coal – an interdisciplinary MIT study. Massachusetts 2007.
● Wuppertal-Institut, DLR, ZSW und PIK: Strukturell-ökonomisch-
ökologischer Vergleich regenerativer Energietechnologien (RE) mit Carbon
Capture and Storage (CCS). Februar 2007.
● Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag: CO2-
Abscheidung und -Lagerung bei Kraftwerken (November 2007).
Eine Darstellung der jeweiligen Ergebnisse der Studien ist der Bundesregierung
im Rahmen der für die Beantwortung einer Kleinen Anfrage des Deutschen
Bundestages zur Verfügung stehenden Frist nicht möglich.
Zur Teilfrage 29b ist darauf hinzuweisen, dass ab dem Jahr 2013 die gesamte
CCS-Kette in den Emissionshandel aufgenommen sein wird.
31. Hat die Bundesregierung Sicherungsmaßnahmen erarbeitet für den Fall,
dass CO2 austritt, wie umfassende Messstationen, Evakuierungspläne etc.?
Falls ja, in welchem Umfang beteiligen sich die einlagernden
Unternehmen an diesen Kosten?
Nein
32. Beabsichtigt die Bundesregierung, dass dem eingelagerten CO2 Duftstoffe
beigefügt werden müssen, vergleichbar zum Erdgas, damit das CO2 im
Falle des Austretens gerochen werden kann?
Der von der Bundesregierung vorgelegte Entwurf eines Kohlendioxid-
Speicherungsgesetzes sieht ein umfangreiches Überwachungssystem für dauerhafte
Kohlendioxid-Speicher vor. Für das Monitoring können Zusatzstoffe wie z. B.
Duftstoffe beigefügt werden. Zusätzlich ist es möglich, durch die Messung der
Isotopenzusammensetzung des aus dem Untergrund emittierten Kohlendioxids
CO2 aus Verbrennungsprozessen von CO2 aus Prozessen des organischen
Abbaus im Boden oder von anderen natürlichen Prozessen zu unterscheiden. Auch
hierzu werden Forschungsarbeiten durchgeführt, die weitere Ergebnisse liefern
werden.
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 13 – Drucksache 16/1267233. Wer soll die Kosten für den Fall tragen, dass sich eine Endlagerstätte
während des Einleitungsvorgangs bzw. nach abgeschlossener Endlagerung
als nicht geeignet erscheint, und das CO2 wieder aus dem ungeeigneten
Endlager entfernt werden muss?
Die Bundesregierung ist der Auffassung, dass in einem solchen Fall nach dem
Verursacherprinzip der Betreiber eines Kohlendioxid-Speichers die
entsprechenden Kosten zu tragen hat.
34. Wie gedenkt die Bundesregierung den Zugang zu möglichen CCS-
Lagerstätten zu gestalten?
Hätten auch europäische Nachbarn Zugriff darauf?
Im Entwurf eines Kohlendioxid-Speicherungsgesetzes, der vom Bundeskabinett
am 1. April 2009 beschlossen wurde, hat die Bundesregierung dem Gesetzgeber
einen Vorschlag zur Umsetzung der entsprechenden EU-Richtlinie unterbreitet.
Der Zugang zu möglichen Kohlendioxid-Speichern steht Unternehmen aus der
Europäischen Union unter den im Gesetzentwurf genannten Voraussetzungen
und im Rahmen des Gemeinschaftsrechtes offen.
35. Befürwortet die Bundesregierung eine solche Lösung?
Auf die Antwort zu Frage 34 wird verwiesen.
36. Kann die Bundesregierung den Begriff „erhebliche Leckagen“ von CO2
aus CO2-Endlagern quantifizieren, d. h. welche Mengen in welcher Zeit?
Bei einer Leckage handelt es sich um den Austritt von Kohlendioxid oder von
anderen Bestandteilen des Kohlendioxid-Stroms aus dem Speicherkomplex. Eine
quantitative Unterscheidung zwischen den Begriffen „Leckage“ und „erhebliche
Leckage“ wird von der Bundesregierung nicht vorgenommen.
37. Welche wissenschaftliche Grundlage hat die Zeitraumbeschränkung von
20 Jahren in denen die einlagernden Unternehmen die Haftung tragen?
Keine. Der in der Vorbemerkung angesprochene, dem Deutschen Bundestag
vorliegende Entwurf der Bundesregierung für ein Kohlendioxid-
Speicherungsgesetz enthält einen Mindestzeitraum von 30 Jahren nach Stilllegung des
Kohlendioxid-Speichers für die Übertragung der Verantwortung.
38. Aus welchen Gründen befristet die Bundesregierung die Haftung
entsorgender Unternehmen für CO2-Endlager auf 20 Jahre?
Auf die Antwort zu Frage 38 sowie auf die Begründung der Bundesregierung
zum Entwurf eines Kohlendioxid-Speicherungsgesetzes wird verwiesen.
39. Ergibt sich aus Sicht der Bundesregierung durch die staatliche
Haftungsübernahme nach 20 Jahren für CO2-Endlager ein Wettbewerbsnachteil für
konkurrierende Unternehmen, die keine CCS-Kraftwerke betreiben?
Nein
Drucksache 16/12672 – 14 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode40. Welche Studien liegen der Bundesregierung vor, die mögliche Risiken
sowohl von der Wahrscheinlichkeit der Freisetzung von CO2 als auch von
den Kosten im Falle der Freisetzung von CO2 evaluieren?
Der Bundesregierung liegen hierzu keine hinreichend belastbaren Studien vor.
41. Welche Einschätzung hat die Bundesregierung bezüglich der
Wahrscheinlichkeit und der Kosten von CO2-Freisetzung aus CO2-Endlagern?
Der Bundesregierung liegen hierzu keine hinreichend belastbaren Studien vor.
Sie schätzt allerdings die Wahrscheinlichkeit von Kohlendioxid-Freisetzungen
aus dauerhaften Kohlendioxid-Speichern mit Blick auf die im Entwurf des
Kohlendioxid-Speicherungsgesetzes vorgesehenen hohen Anforderungen in den
Planfeststellungsverfahren für die Errichtung und den Betrieb von dauerhaften
Kohlendioxid-Speichern als äußerst gering ein.
42. Wie ist die Haftung von Genehmigungsbehörden sowie sonstiger
Institutionen geregelt, die ein Endlager als geeignet einstufen, das sich im
Nachhinein als nicht geeignet heraus stellt, für den Fall, dass es zu
gesundheitlichen Schäden kommt?
Die Haftung richtet sich nach den allgemeinen Grundsätzen des
Staatshaftungsrechtes.
43. Wie will die Bundesregierung sicherstellen, dass Rückstellungen für CO2-
Lagerung nicht in der Zwischenzeit seitens der Unternehmen auf eine Art
und Weise eingesetzt werden, die ihnen im Wettbewerb gegenüber anderen
Unternehmen Vorteile bieten?
Nach Auffassung der Bundesregierung gehören betriebliche Rückstellungen
nicht zu den im Rahmen der Deckungsvorsorge zu leistenden Sicherheiten.
44. Auf welche Studien gründen sich die Annahmen der Bundesregierung über
Kostenreduktionspotenziale der CCS-Technologie, bzw. wann werden die
Punkte erreicht?
Gibt es in diesen Studien Abschätzungen, ab wie vielen CCS-Kraftwerken
die Technologie wettbewerbsfähig sein wird, und falls ja, welche Studien
sind dies und ab wie vielen Kraftwerken?
Sinn und Zweck der geplanten Demonstrationsanlagen ist es, die kommerzielle
Marktreife der CCS-Technologien zu erproben und die Umwelt- und
Sicherheitsauswirkungen zu überprüfen. Kostenreduktionspotenziale dürften sich
daher erst auf der Grundlage der entsprechenden Errichtungs- und
Betriebserfahrungen der Demonstrationsprojekte konkretisieren.
Das Beratungsunternehmen McKinsey geht in seinem Bericht „Carbon Capture
and Storage: Assessing the Economics“ davon aus, dass bis 2030 ca. 80 bis 120
Kraftwerke mit CCS-Technologien gebaut werden müssen, um danach den
Zielkorridor von 30 bis 45 pro Tonne vermiedenen Kohlendioxids zu erreichen. Durch
einen massiven globalen Ausbau von 500 bis 550 CCS-Projekten bis zum Jahr
2030 könnten nach dieser Studie die Vermeidungskosten um weitere 5 Euro pro
Tonne Kohlendioxid gesenkt werden. Bezüglich der Erreichung der
Wettbewerbsfähigkeit der CCS-Technologien wird auf die Antwort zu Frage 16 verwiesen.
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 15 – Drucksache 16/1267245. Wie belastbar sind die Aussagen der der Bundesregierung vorliegenden
Studien über gesicherte Speicherkapazitäten und damit die Annahme, dass
CCS in der Bundesrepublik Deutschland auch nur theoretisch eine Rolle
spielen kann?
Die bisherigen Untersuchungen haben ergeben, dass nutzbare Kapazitäten in der
Bundesrepublik Deutschland vorhanden sind. Im Übrigen wird auf die Antwort
zu den Fragen 2 und 3 verwiesen.
46. Wie verhält sich die Kostenrelation von CCS im Vergleich zu
Effizienzmaßnahmen im Stromsektor sowie erneuerbaren Energien im Stromsektor
zum Zeitpunkt einer aus Sicht der Bundesregierung kommerziellen
Nutzungszeitraums von CCS?
Die Bundesregierung führt selbst keine derartigen Vergleichsrechnungen durch.
Die Kostenrelation hängt von den Annahmen über die zukünftig zu erwartenden
CO2-Vermeidungskosten der jeweiligen Technologie ab. Hinsichtlich der CO2-
Vermeidungskosten der CCS-Technologie wird auf die Antwort zu Frage 44
verwiesen.
47. Welche Erfahrungen gibt es zum einen in realisierten und zum anderen in
geplanten norwegischen CCS-Projekten bezüglich der Kosten je
abgeschiedener und endgelagerter Tonne CO2?
Der Bundesregierung liegen hierzu keine belastbaren Informationen vor. In der
für die Beantwortung von Kleinen Anfragen vorgesehenen Frist ist es auch nicht
möglich, entsprechendes Datenmaterial von norwegischen Unternehmen oder
Dienststellen zu beschaffen.
Im Übrigen wären Kostenangaben der norwegischen Projekte nicht mit Kosten
der in der Bundesrepublik Deutschland geplanten CCS-Kraftwerksprojekte
vergleichbar: Im norwegischen Sleipner-Projekt wird Kohlendioxid im Bereich der
Erdgasförderanlagen abgetrennt, in der Bundesrepublik Deutschland soll
hingegen Kohlendioxid aus Energieerzeugungsanlagen, insbesondere
Kohlekraftwerken, abgeschieden werden.
48. Liegen der Bundesregierung Erkenntnisse über die CO2-Einspeisung in
das norwegische Sleipner-Gasfeld dahingehend vor, ob das eingespeiste
CO2 sich an den Stellen befindet, wo dies vor der Einspeisung
angenommen wurde, und gibt es Untersuchungen, die Anlass zu der Vermutung
geben, dass sich das CO2 entgegen der Erwartungen nach oben bewegt?
Das im Sleipner-Gasfeld enthaltene Kohlendioxid wird bei der Aufbereitung des
geförderten Erdgases abgeschieden und in einen salinaren Aquifer oberhalb der
Gaslagerstätte reinjiziert. Bislang ist kein ungewöhnliches Verhalten des
Kohlendioxids bekannt geworden. Durch seismische Beobachtungsverfahren ist
erkennbar, dass das Kohlendioxid innerhalb des Aquifers nach oben gestiegen
und sich nun unterhalb der Hauptbarriere aus Tonstein befindet. Die
diesbezüglichen begleitenden Forschungs- und Entwicklungsarbeiten sind noch nicht
abgeschlossen.
49. Wie will die Bundesregierung messen, ob sämtliches CO2 in den
Endlagerstätten verblieben ist?
Die Bundesregierung führt keine derartigen Messungen durch. Dies ist vielmehr
Aufgabe der beteiligten Unternehmen oder gegebenenfalls von der zuständigen
Drucksache 16/12672 – 16 – Deutscher Bundestag – 16. WahlperiodeGenehmigungsbehörde beauftragten Dritten. Die dabei anzuwendenden
Messverfahren befinden sich teilweise noch in der Entwicklungsphase. Eine
Kombination aus geophysikalischen und geochemischen Messmethoden wird
notwendig sein, um den Verbleib des Kohlendioxids im dauerhaften Kohlendioxid-
Speicher mit hinreichender Genauigkeit quantifizieren zu können. Zusätzlich
wird der Verbleib des Kohlendioxids in den Gesteinsschichten des
Kohlendioxid-Speichers kontrolliert
● durch Veränderungen des Drucks, der bei einer Leckage absinken würde,
● durch Sonden, welche die Kohlendioxid-Konzentration und die Temperatur
im Kohlendioxids-Speicher und in den darüber liegenden Aquiferen messen,
und
● mit Hilfe von übertägigen Messeinrichtungen, die Kohlendioxid an der
Erdoberfläche über dem dauerhaften Kohlendioxid-Speicher unter
Berücksichtigung der geologischen Randbedingungen erfassen und analysieren.
50. Mit welchen Maßnahmen lassen sich aus Sicht der Bundesregierung
Leckagen sicher verschließen, und welche Maßnahmen sind für den Fall zu
ergreifen, dass aus einem CO2-Endlager CO2 austritt?
Wer soll aus Sicht der Bundesregierung für die Abdichtmaßnahmen
zuständig sein, und wer soll die Kosten tragen?
Im IPCC-Sonderbericht „Carbon Capture and Storage“ wird vorgeschlagen,
bei nicht reparablen Leckagen eine Umspeicherung in andere Kohlendioxid-
Speicher vorzusehen. Eine andere Möglichkeit ist das Verschließen von
möglichen Leckagen im Bereich der Kohlendioxid-Infrastruktureinrichtungen durch
so genannte Schleierinjektionen mit kohlendioxidresistenten
Abdichtungsmitteln. Diese Technologie ist u. a. im Staudammbau zur Abdichtung gegen das
Eindringen von Wasser erfolgreich erprobt und angewendet worden. Auch die
Instandsetzung von Bohrlochkomplettierungen mit Hilfe von
Injektionsmaßnahmen (dies sind erprobte Technologien aus der Erdgasspeicherung in
geologischen Untergrundspeichern) oder der Verschluss von Bohrungen können als
geeignete Maßnahmen in Betracht kommen.
Im unwahrscheinlichen Fall eines Kohlendioxid-Austritts aus einem
Kohlendioxid-Speicher in die Atmosphäre müssen zunächst messtechnische
Überwachungsmaßnahmen im betroffenen Gebiet vorgenommen und unverzüglich
technische Maßnahmen zum Verschluss der Leckagen ergriffen werden.
Die Kosten für diese Maßnahmen muss nach Auffassung der Bundesregierung
der jeweilige Betreiber tragen. Er hat hierfür nach dem von der Bundesregierung
vorgelegten Entwurf eines Kohlendioxid-Speicherungsgesetzes entsprechende
finanzielle Vorsorge zu treffen.
51. Welcher der Begriffe „Speicherung“ oder „Endlagerung“ oder
„Ablagerung“ trifft aus Sicht der Bundesregierung am Besten zu, wenn es darum
geht, CO2 zeitlich unbefristet in tiefe Bodenschichten einzubringen und
dort zu belassen, und welche Schlussfolgerungen zieht die
Bundesregierung aus der zutreffenden Bezeichnung des Vorgangs sowohl in rechtlicher
Hinsicht als auch hinsichtlich der Gesetzesbezeichnung?
Aus Sicht der Bundesregierung trifft für den genannten Sachverhalt der Begriff
der dauerhaften Speicherung am besten zu. Eine Legaldefinition enthält der
Entwurf der Bundesregierung für ein Kohlendioxid-Speicherungsgesetz, der dem
Deutschen Bundestag vorliegt. Bezüglich der Einzelheiten wird auf die
Begründung zum Gesetzentwurf verwiesen.
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 17 – Drucksache 16/1267252. Gibt es Lehren, die die Bundesregierung aus den Erfahrungen um die
Atommüllendlager Asse und Morsleben für die Endlagerung von CO2
ableitet?
Falls ja, worin bestehen diese Lehren bezüglich
a) der Abschätzung der Langzeitsicherheit,
b) der Sicherung der Langzeitsicherheit,
c) der Beteiligung an den Erschließungskosten sowie
d) an der Haftung und ggfs. Sanierungskosten,
e) an den Langzeitkosten?
Nein. Die Bundesregierung verweist auf die Vorbemerkung.
53. In welchem Umfang lassen sich die Erkenntnisse, die in aktuellen
Forschungsprojekten bei CO2-Einlagerung gewonnen werden auf andere
geologische Formationen an anderen Orten übertragen, und für welche
geologischen Formationen in welchen Bundesländern geht die
Bundesregierung davon aus, dass sich Untersuchungsergebnisse aus einem
möglichen Einlagerungsfeld ohne umfassende Untersuchungen auf andere
mögliche Einlagerungsfelder übertragen lassen?
Umfassende Untersuchungen der geologischen Randbedingungen sind für jeden
einzelnen geplanten dauerhaften Kohlendioxid-Speicher erforderlich. Dabei gibt
es Analogien und Vergleichsmaßstäbe insbesondere aus Ergebnissen der
Erkundung von Erdgasspeichern. Aktuelle Ergebnisse der Grundlagenforschung
können unter bestimmten Voraussetzungen Analogieschlüsse auf die im
Kohlendioxid-Speicher stattfindenden Prozesse zulassen, wie z. B. die Wechselwirkung
von Kohlendioxid mit den Gesteinen der umgebenden Speicherformationen und
den Deckgesteinsschichten sowie mit den salinaren Formationswässern. Hierfür
ist jedoch eine einzelfallbezogene, speicherspezifische Verifikation erforderlich.
Salinare Aquifere, die für die dauerhafte Speicherung von Kohlendioxid
geeignet sein können, befinden sich vor allem in Beckenstrukturen, wie z. B. im
Norddeutschen Becken. Eine Übertragung von Untersuchungsergebnissen auf andere
potenzielle Speicher in ähnlichen geologischer Positionen ist möglich.
54. Inwiefern hat sich die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe
(BGR) mit ihren Einschätzungen bei den bisherigen Atomendlagern
hervor getan, um sich als zuständige Behörde für die Einschätzung von CO2-
Endlagern zu qualifizieren?
Die Bundesregierung hat keinerlei Zweifel an der hohen wissenschaftlichen
Fachkompetenz der BGR.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co., Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlagsgesellschaft mbH, Amsterdamer Str. 192, 50735 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Telefax (02 21) 97 66 83 44
ISSN 0722-8333]