Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag
10. Wahlperiode
Drucksache 10/6095
01. 10.86
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage des Abgeordneten Schulte (Menden) und der Fraktion
DIE GRÜNEN
- Drucksache 10/6014 -
Förderung einer Autodemontageanlage
Der Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und
Reaktorsicherheit — U III 6 — 98/2 — hat mit Schreiben vom 30. September 1986
die Kleine Anfrage namens der Bundesregierung wie folgt
beantwortet:
1. Ist der Bundesregierung bekannt, daß die Firma ALBA beim
Umweltbundesamt einen Antrag auf Förderung zum Bau und
Betrieb einer Autodemontageanlage gestellt hat?
Der Bundesregierung ist bekannt, daß die Firma Lepkojus, eine
Tochterfirma von ALBA, beim Umweltbundesamt einen Antrag
auf Förderung des Baus und des Bet riebs einer
Altautodemontageanlage gestellt hat.
2. Auf welche Investitionssumme beläuft sich dieser Antrag, und
welchen Anteil übernimmt die Antragstellerin als Eigenanteil?
Eine Förderentscheidung über den Antrag ist noch nicht gefallen.
Da noch nicht beschiedene Anträge vertraulich behandelt
werden, kann die Bundesregierung zu den beantragten Fördermitteln
und -quoten keine Auskunft geben.
3. Wie wird dies begründet, und wie beurteilt die Bundesregierung
diesen Sachverhalt?
Durch die projektierte Anlage zur Demontage von Altautos soll
einerseits eine getrennte Erfassung schadstoffhaltiger
Flüssigkeiten und Komponenten zur umweltgerechten Entsorgung,
andererseits eine Altteileverwertung sowie die Gewinnung möglichst
sortenreiner und schadstofffreier Fraktionen für das nachfolgende
Shreddern oder andere Arten der Verwertung erreicht werden.
Die Bundesregierung begrüßt diesen Initiativvorschlag der
privaten Wirtschaft als wichtigen Beitrag zur Wiederverwendung und
Verwertung sowie zur umweltverträglichen Beseitigung von
Altautos. Sie prüft dieses Projekt auch daraufhin, ob damit sowohl
Probleme des Umweltschutzes wie der Schrottwirtschaft gelöst
werden können, die sich aus der zunehmenden Verwendung von
Nichteisen-Werkstoffen im Automobilbau ergeben.
Vor diesem Hintergrund prüft der Bundesminister für Umwelt,
Naturschutz und Reaktorsicherheit auch die Frage nach einer
möglichen finanziellen Beteiligung des Bundes mit dem Ziel, ob
hier an einem geeigneten Demonstrationsobjekt im
großtechnischen Maßstab ein fortschrittliches Verfahren zur Vermeidung
und Verwertung von Abfällen mit einer entsprechenden
Signalwirkung dargestellt werden kann.
Diese Prüfung ist noch nicht abgeschlossen.
4. Beabsichtigt die Bundesregierung, dieses Projekt zu fördern, obwohl
bereits eine andere Firma schon eine solche Anlage betreibt?
Der Bundesregierung ist nicht bekannt, daß eine vergleichbare
Anlage bereits an anderer Stelle bet rieben würde.
5. Wie wird der Antrag von der Firma ALBA begründet?
Die Firma Lepkojus begründet den Antrag sowohl mit der
angestrebten Verbesserung des Umweltschutzes bei der
Autowrackverwertung als auch mit der Steigerung des Anteils derjenigen
Autowracks, der in den Rohstoff- bzw. Altteilekreislauf zurückge
-
führt wird.
6. Ist es richtig, daß durch den Bau und Be trieb einer solchen Anlage
bei der Firma ALBA mehrere Arbeitsplätze bei Schrotthändlern in
Berlin (West) vernichtet würden, die sowieso Schrottautos
demontieren?
Nach Auskunft des Senators für Wirtschaft und Arbeit fallen in
Berlin jährlich ca. 80 000 Altautos an. Vor dem Shreddern oder
Pressen werden ca. 35 000 Altautos durch Schrotthändler, jedoch
nicht so umfassend wie im geplanten Projekt, ausgeschlachtet.
Mit Hilfe der geplanten Modellanlage sollen ca. 7 500 bis 8 000
Altautos pro Jahr demontiert werden. Da bisher ca. 45 000
Altautos vom Schrotthandel überhaupt nicht behandelt werden,
würde mit der Inbetriebnahme dieser neuen Anlage keine
Arbeitsplatzvernichtung im Schrotthandel verbunden sein. Durch
die im geplanten Projekt vorgesehene umfassende Demontage
und anschließende Entsorgung der Problemstoffe würden
vielmehr ca. 30 neue Arbeitsplätze geschaffen. Zusätzlich werden
indirekte Beschäftigungseffekte durch Vorleistungen z. B. im
.Maschinenbau erzielt.
Der Berliner Senator für Wirtschaft und Arbeit würde folglich eine
Förderung des Projektes durch den Bund begrüßen, da hiermit die
Möglichkeit gesehen wird, durch ein umfassendes Recycling und
eine umweltschonende Entsorgung dem Umweltschutz zu dienen
und gleichzeitig neue Arbeitsplätze zu schaffen.]