In der Frauenmilch werden dieselben Rückstände von pharmakologisch wirksamen Substanzen, von Umweltchemikalien, Pflanzenschutzmitteln, Bakterientoxinen, Schwermetallen u. a. gefunden, die auch bei anderen Lebensmitteln eine Rolle spielen. Die größte Bedeutung haben chlorierte Kohlenwasserstoffe, die in der zurückliegenden Zeit in der Bundesrepublik Deutschland in größerem Umfang als Weichmacher in der Kunststoffproduktion, als Flammschutzmittel in Textilien, als Desinfektionsmittel und als Pflanzenschutzmittel eingesetzt wurden.
Sie unterliegen zwar nunmehr strengen Regelungen, die von Anwendungsbeschränkungen bis zum völligen Verbot der Anwendung und der Produktion reichen, sind aber wegen ihres langsamen Abbaus auch jetzt noch in der Umwelt vorhanden. Sie gelangen hauptsächlich durch Spuren in der Nahrung in den menschlichen Körper und werden dort im Fettgewebe abgelagert.
Das Rückstandsdepot im Fettgewebe baut sich seit frühester Kindheit auf. Aus diesem Depot werden die chlorierten Kohlenwasserstoffe bei der Frau über ihre Milch ausgeschieden. Eine Minderung der Rückstandsbelastung der Frauenmilch mit diesen Stoffen kann daher nur über eine Reduktion der Schadstoffe in der Umwelt im nationalen und internationalen Rahmen und nur in langen Zeiträumen erreicht werden.
Zur Bewertung der Situation sind vom Bundesgesundheitsamt die Ergebnisse mehrerer Frauenmilchuntersuchungen in den Jahren 1969 bis 1981 zusammengestellt worden, darunter auch die Ergebnisse aus dem von der Bundesregierung geförderten Forschungsvorhaben „Untersuchungen zur Kontamination von Frauenmilch mit Rückständen chlorierter Kohlenwasserstoffe unter besonderer Berücksichtigung der Kontaminationskinetik" der Professoren Grüttner, Acker und Heeschen (Februar 1982) sowie die Ergebnisse aus dem „Bericht über Humanmilchuntersuchungen 1981" der Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Chemischen Untersuchungsanstalten Baden-Württemberg. In der Zusammenstellung sind auch Untersuchungsergebnisse der Milch von Ausländerinnen und von deutschen Frauen, die längere Zeit im Ausland lebten, enthalten.
Die Rückstandskonzentrationen in den untersuchten Frauenmilchproben sind sehr unterschiedlich. Um eine Übersicht zu erhalten, die eine Bewertung der Situation zuläßt, sind die Konzentrationen für die einzelnen Rückstände von chlorierten Kohlenwasserstoffen angegeben, unterhalb derer 50 v. H. der untersuchten Proben (50 v. H.-Wert) und 98 v. H. der untersuchten Proben (98 v. H.-Wert) lagen, sowie die jeweils gefundenen maximalen Konzentrationen. Die Rückstandswerte für chlorierte Kohlenwasserstoffe in Milligramm sind auf Kilogramm Milchfett der Frauenmilch bezogen, weil sie nur im Fett vorkommen.
Frauenmilch hat einen Fettgehalt von 1 bis 8 v. H.
- 50 v. H.-Wert (alle in mg/kg Milchfett)
- 98 v. H.-Wert (alle in mg/kg Milchfett)
- Maximal-Wert (alle in mg/kg Milchfett)
- Hexachlorbenzol (HCB) = 1,1 3,3 6,5
- Alpha-Hexachlorcyclohexan (α-HCH) = 0,02 0,06 2,1
- Beta-Hexachlorcyclohexan (β-HCH) = 0,16 0,6 9,1
- Gamma-Hexachlorcyclohexan (γ -HCH) = 0,02 0,2 1,4
- Heptachlorepoxid = nn*) 0,05 0,6
- Dieldrin = nn*) 0,2 1,2
- DDT, DDD und DDE insgesamt = 1,4 7,7 12,8
- PCB = 2,3 6,9 14,7
*) nn = nicht nachweisbar
Auch die Einzelwerte, die im Bereich zwischen dem 50 v. H.- und dem 98 v. H.-Wert liegen, übersteigen den 50 v. H.-Wert nur ganz geringfügig. Der 50 v. H.-Wert ist daher von besonderer Bedeutung. Er spiegelt in etwa die durchschnittliche Belastung der Frauenmilch wieder.
Lediglich die restlichen 2 v. H. der Ergebnisse zeigen zwischen dem 98 v. H.-Wert und dem Maximalwert relativ hohe Gehalte an persistenten chlorierten Kohlenwasserstoffen. Diese hohen Werte wurden insbesondere bei Frauen aus solchen Ländern beobachtet, in denen die in der Aufstellung aufgeführten Stoffe als Pflanzenschutzmittel oder sonstige Chemikalien über lange Zeit produziert und ohne Beschränkung angewendet worden sind.
Die aufgeführten Rückstandswerte können — vor allem für Gesamt-DDT und für polychlorierte Biphenyle (PCB) — als zuverlässige Orientierungsdaten für das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland angesehen werden, obwohl verschiedene Unsicherheiten, insbesondere bei der Probenahme, der Rückstandsanalytik und der Aufbereitung der Ergebnisse angenommen werden müssen.
Im Gegensatz zu den Rückständen von chlorierten Kohlenwasserstoffen werden die Schwermetallrückstände in der Frauenmilch nicht auf das Milchfett, sondern entsprechend ihrem Vorkommen auf die Gesamtmilch bezogen.
Der Rückstand an Bleiverbindungen in der Frauenmilch wird mit durchschnittlich 0,017 mg/kg Milch angegeben und ist etwa gleich hoch wie in der Trinkmilch. Für Cadmium werden durchschnittlich Konzentrationen von 0,003 mg/kg angegeben.
Bei den Bleiverbindungen in der Frauenmilch beträgt der Streubereich 0,001 bis 0,26 mg/kg Milch und bei Cadmium 0,0001 bis 0,085 mg/kg Milch. Bei der Angabe der Rückstandsmengen sind die Schwermetallverbindungen als Metall berechnet worden.
Die in der Frauenmilch festgestellten Rückstände an Blei- und Cadmiumverbindungen sind so gering, daß sie an der Grenze der analytischen Bestimmungsmöglichkeiten liegen.
Über Rückstände von Quecksilberverbindungen in der Frauenmilch liegen der Bundesregierung für das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland keine Untersuchungsergebnisse vor. Es ist allerdings bekannt, daß in Ländern, in denen der Eiweißbedarf überwiegend durch Fisch gedeckt wird (z. B. Japan), Quecksilberrückstände gemessen werden, die in der Größenordnung von 0,004 bis 0,01 mg/kg Milch liegen. Unter Berüchsichtigung des wesentlich geringeren Fischverzehrs in der Bundesrepublik Deutschland können hier niedrigere Gehalte an Quecksilber erwartet werden.
Weitere Untersuchungen, die über diese Fragen Aufschluß geben sollen, sind vorgesehen.