Situation auf dem Ausbildungsstellenmarkt 2006
der Abgeordneten Priska Hinz (Herborn), Grietje Bettin, Ekin Deligöz, Kai Boris Gehring, Katrin Göring-Eckardt, Britta Haßelmann, Krista Sager und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Vorbemerkung
Ende Mai 2006 legte die Bundesagentur für Arbeit neue Zahlen für den Ausbildungsstellenmarkt vor. Demnach liegt die rechnerische Differenz zwischen unbesetzten Ausbildungsstellen und nicht vermittelten Bewerbern derzeit bei 220 100, dies sind 35 100 mehr als vor einem Jahr. Die auf den derzeit vorliegenden Zahlen beruhende Vorausschätzung für September geht davon aus, dass die Lehrstellenlücke 2006 deutlich über der von 2005 (28 300) liegen wird. Rechnet man die 30 000 jungen Menschen dazu, die momentan in Einstiegsqualifizierungen (EQJ = Einstiegsqualifizierung Jugendlicher) sind und ebenfalls auf einen Ausbildungsplatz warten, wird sich die Lücke im Herbst voraussichtlich auf mindestens 50 000 belaufen. Es ist also dringend nötig, hier gegenzusteuern.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen18
Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung zur Verbesserung des jeweiligen Angebots an betrieblichen, überbetrieblichen bzw. außerbetrieblichen Ausbildungsplätzen, die kurzfristig noch für das Ausbildungsjahr 2006 greifen sollen?
Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung, um die großen deutschen Unternehmen einschließlich der DAX-Unternehmen, die deutlich unterhalb der notwendigen Quote ausbilden, zu einem höheren Ausbildungsangebot zu verpflichten?
Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung, um das Ausbildungsangebot in Unternehmen, die mehrheitlich in Bundesbesitz sind, zu verbessern?
Wie hoch liegt das Angebot an Ausbildungsplätzen in der Bundesverwaltung für das Ausbildungsjahr 2006? Welche Veränderung bedeutet das gegenüber den vergangenen drei Jahren?
Welche Ergebnisse des „Tages der Ausbildung“ am 29. Mai 2006 sind der Bundesregierung bekannt? Wie viele Ausbildungsplätze konnten an diesem Tag hinzugewonnen werden? Wie viele davon durch die Bundesagentur für Arbeit, wie viele durch andere Akteure? Welche Akteure waren dies?
Welche Kosten sind für die Aktionen an diesem Tag auf der Ebene der Bundesregierung angefallen, und wofür wurden die Mittel aufgewendet?
Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über die aktuelle Situation von Jugendlichen mit Migrationshintergrund auf dem Ausbildungsmarkt und bei der Lehrstellensuche, und welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung für das Ausbildungsjahr 2006 daraus?
Liegen der Bundesregierung Zahlen vor, ob, und wenn ja, welche Effekte die befristete Aussetzung der Ausbilder-Eignungsverordnung (AEVO) zum 1. August 2003 bisher auf das Ausbildungsverhalten von Betrieben hatte? Können diese Effekte regional oder branchenspezifisch aufgeschlüsselt werden?
Welche Ausbildungsberufe sollen zum Sommer 2006 umbenannt werden, und mit welchem Ziel?
Welche zweijährigen Ausbildungen sollen zum Sommer 2006 neu eingeführt werden?
Welche Ausbildungen sollen zum Sommer 2006 wie modernisiert werden, und in welcher Form?
Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung, dass die Einstiegsqualifizierung Jugendlicher (EQJ) vor allem von Jugendlichen mit guten Schulabschlüssen belegt wird und nicht vorrangig den Jugendlichen zugute kommt, die tatsächlich eine Qualifizierung benötigen? Falls diese Zielgruppe nicht erreicht wird, wie will die Bundesregierung dies ändern?
Welche Kenntnis hat die Bundesregierung davon, dass die EQJ in der Regel nicht auf die Ausbildungszeit angerechnet wird? Durch welche Maßnahmen will die Bundesregierung die Anrechnungsmöglichkeiten verbessern?
Ist der Ausbildungspakt, wie in verschiedenen Medien gemeldet wurde, schon verlängert worden? Falls nicht, wann beabsichtigt die Bundesregierung dies zu tun? Welche Veränderungen sind dabei geplant?
Worin bestanden die von der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Dr. Annette Schavan, im Vorfeld der Kabinettssitzung vom 31. Mai 2006 angekündigten Sofortmaßnahmen für mehr Ausbildungsplätze, die dann letztlich nicht zum Tragen kamen?
Wer hat innerhalb der Bundesregierung die Federführung für den Ausbildungspakt?
Welche Bedeutung misst die Bundesregierung der Tatsache bei, dass der Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, Michael Glos, seine Teilnahme an der ursprünglich für Juni 2006 geplanten Sitzung des Lenkungsausschusses des Ausbildungspaktes abgesagt hat?
Warum wurde die ursprünglich für den 15. Juni 2006 angesetzte Sitzung des Lenkungsausschusses auf Juli 2006 vertagt?