Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag
8. Wahlperiode
Drucksache 8/4398
10.07.80
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Jäger (Wangen), Baron von Wrangel,
Graf Huyn, Sauer (Salzgitter), Lintner, Böhm (Melsungen), Dr. Czaja, Dr. Abelein,
Dr. Kunz (Weiden), Dr. Hupka, Dr. Becher (Pullach), Schmöle und der Fraktion
der CDU/CSU
- Drucksache 8/4179 -
Würdigung des 25. Jahrestages des Deutschlandvertrages
Der Staatssekretär des Auswärtigen Amts — 011 — 300.14 — hat
mit Schreiben vom 10. Juli 1980 die Kleine Anfrage im Einvers
nehmen mit dem Herrn Bundesminister für innerdeutsche
Beziehungen und dem Herrn Bundesminister der Verteidigung
namens der Bundesregierung wie folgt beantwortet:
1. Was ist seitens der Bundesregierung, der zuständigen
Ministerien und der nachgeordneten Bundesbehörden im einzelnen
geschehen, um den 25. Jahrestag des Inkrafttretens des
Deutschlandvertrages und seine Bedeutung für die
Wiedervereinigungspolitik sichtbar zu machen und zu würdigen?
2. Was hat die Bundesregierung — abgesehen von dem Schreiben
des Bundesministers des Auswärtigen an die drei Außenminister
der Westmächte — unternommen, um die Weltöffentlichkeit, die
Öffentlichkeit bei den Verbündeten sowie die Regierungen und
Parlamente vor allem in diesen Ländern auf die Bedeutung des
Deutschlandvertrages für die Überwindung der Teilung
Deutschlands und für die Verantwortung der Drei Mächte hierfür
hinzuweisen?
Die Bedeutung des Deutschlandvertrages steht für die
Bundesregierung außer jedem Zweifel. Die Bundesregierung hat
deshalb dem 25. Jahrestag des Inkrafttretens dieses Vertrages und
dem gleichzeitigen Jahrestag der Zugehörigkeit der
Bundesrepublik Deutschland zum Atlantischen Bündnis in folgender
Weise Rechnung getragen:
a) Am 4. Mai 1980 hat der Bundesminister des Auswärtigen in
seiner Ansprache anläßlich der Eröffnung der deutsch-
amerikanischen Freundschaftswoche in Karlsruhe den
Deutschlandvertrag als eines der bedeutendsten Dokumente der
Nachkriegsgeschichte eingehend gewürdigt und dabei
insbesondere die Unterstützung unserer deutschlandpolitischen
Zielsetzung durch die Drei Mächte hervorgehoben. Diese
Ansprache ist im vollen Wortlaut im Bulletin des BPA vom
6. Mai 1980 abgedruckt und damit der Öffentlichkeit zur
Kenntnis gebracht worden.
b) Am 5. Mai 1980, dem 25. Jahrestag der Wiederkehr des
Inkrafttretens des Deutschlandvertrages, hat der
Bundesminister des Auswärtigen eine Grußbotschaft an die
Außenminister Frankreichs, Großbritanniens und der Vereinigten
Staaten gerichtet und den Drei Mächten für die
Unterstützung des essentiellen politischen Ziels der Bundesrepublik
Deutschland, auf einen Zustand des Friedens in Europa
hinzuwirken, in dem das deutsche Volk in freier
Selbstbestimmung seine Einheit wiedererlangt, gedankt. Die drei
Außenminister haben ihrerseits in Grußbotschaften gegenüber dem
Bundesminister des Auswärtigen die Überzeugung der Drei
Mächte zum Ausdruck gebracht, daß die politische
Zielvorstellung des Deutschlandvertrages nach wie vor gültig ist.
Der deutsch-alliierte Briefwechsel ist im Bulletin vom 7. Mai
1980 veröffentlicht worden; dies hat ein entsprechendes Echo
in der Presse gefunden. In den beteiligten Hauptstädten ist
der Briefwechsel ebenfalls veröffentlicht worden.
c) Am 26. Juni 1980 ist in Ankara das Kommuniqué der
Ministertagung des Nordatlantikrates verabschiedet worden, in
dem sich alle Bündnispartner in folgender Weise geäußert
haben: „Im Zusammenhang mit dem 25. Jahrestag des
Inkrafttretens der Verträge von Bonn und Paris erinnerten die
Minister daran, daß diese Verträge der Bundesrepublik
Deutschland die gleichberechtigte Mitgliedschaft im
Nordatlantischen Bündnis ermöglichten, die Grundlagen für ihre
enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Partnern
in der Allianz gelegt und dadurch zur Stärkung der Allianz
und zur Erhaltung von Frieden und Sicherheit in Europa
beigetragen haben. Sie benutzten diese Gelegenheit, zugleich
an die Bedeutung der Verträge der Bundesrepublik
Deutschland mit der Sowjetunion, Polen und der CSSR sowie der
DDR für die Verbesserung der Lage in Europa zu erinnern.
Indem sie daran erinnerten, daß diese Verträge die Rechte
und Verantwortlichkeiten der Vier Mächte in bezug auf
Berlin und Deutschland als Ganzes nicht berühren, bekräftigten
sie erneut ihre Unterstützung für das politische Ziel der
Bundesrepublik Deutschland, auf einen Zustand des Friedens in
Europa hinzuwirken, in dem das deutsche Volk in freier
Selbstbestimmung seine Einheit wiedererlangt." Das
Kommuniqué ist im Bulletin vom 1. Juli 1980 veröffentlicht
worden, es ist ebenfalls in allen Mitgliedstaaten der NATO
veröffentlicht worden. Dieses Kommuniqué hat bei uns und im
internationalen Bereich ein vielfaches, der Bedeutung des
Ereignisses angemessenes publizistisches Interesse gefunden.
3. Weshalb hat der Bundeskanzler in seiner Erklärung zum
25. Jahrestag der Mitgliedschaft der Bundesrepublik Deutschland
in der Atlantischen Allianz (Bulletin vom 6. Mai 1980) mit
keinem Wort den Deutschlandvertrag, das grundlegende politische
Ziel der Wiedervereinigung Deutschlands in Freiheit und die
Stütze, die diese Politik im Deutschlandvertrag findet, erwähnt?
Glaubt der Bundeskanzler, mit dieser Erklärung dem
gesamtdeutschen Verfassungsauftrag gerecht geworden zu sein?
4. Mit welchen öffentlichen Erklärungen hat der Bundeskanzler
überhaupt die Bedeutung des 5. Mai 1980 als des 25. Jahrestages
des Inkrafttretens des Deutschlandvertrages gewürdigt?
Die Bundesregierung hat für die deutsche und internationale
Öffentlichkeit alle Aspekte des Jahrestages des 5. Mai 1955
deutlich herausgestellt. In dem veröffentlichten Briefwechsel
mit den Außenministern der Drei Mächte ist durch den
Bundesminister des Auswärtigen für die Bundesregierung an den
Deutschlandvertrag erinnert worden; in seiner Erklärung „25
Jahre Mitgliedschaft in der Atlantischen Allianz" hat der
Bundeskanzler sich auf die 25jährige Zugehörigkeit der
Bundesrepublik Deutschland zum Nordatlantikvertrag konzentriert. Die
Bundesregierung ist auf alle Aspekte des Jahrestages
eingegangen. Alle Äußerungen entsprechen der klaren und
beständigen Politik der Bundesregierung, mit der sie dem Auftrag des
Grundgesetzes gerecht wird.
5. Welche öffentlichen Erklärungen aus Anlaß dieses Jahrestages
hat der Bundesminister für innerdeutsche Beziehungen abge
-
geben, und in welcher Weise hat er dabei den
Verfassungsauftrag zur Wiedervereinigung Deutschlands in Freiheit erfüllt?
8. Was hat das dem Bundesminister für innerdeutsche
Beziehungen nachgeordnete Gesamtdeutsche Institut getan, um die
Bedeutung des 25. Jahrestages des Inkrafttretens des
Deutschlandvertrages für die Wiedervereinigung Deutschlands in Freiheit
der deutschen Öffentlichkeit und insbesondere der jungen
Generation verständlich zu machen?
Die Bedeutung des Deutschlandvertrages im Hinblick auf das
Ziel der deutschen Einheit liegt darin, daß dieses für die
Deutschen selbst seit 1949 mit Verfassungsrang gesetzte Ziel die
Unterstützung der Drei Mächte als Vertragspartner gefunden
hat. Es handelt sich dabei um einen internationalen Vorgang,
dessen Würdigung in der Bundesregierung in erster Linie beim
Bundesminister des Auswärtigen liegt.
Hinsichtlich dieses Ziels ist im übrigen zu sagen, daß der
Bundesminister für innerdeutsche Beziehungen die Aufgabe hat, der
Einheit der Nation zu dienen, den Zusammenhalt des deutschen
Volkes zu stärken und die Beziehungen zwischen beiden
deutschen Staaten zu fördern. Seine gesamte Tätigkeit ist ständig
auf diesen im Grundgesetz verankerten Auftrag ausgerichtet.
Darin liegt politisch und verfassungsmäßig der Maßstab seiner
Wahrnehmung deutschlandpolitischer Verantwortung durch
tatsächliches Handeln. Es bedarf deshalb im engeren
Zusammenhang umso weniger fortwährender Erklärungen als die
Bundesregierung im größeren Zusammenhang des Jahrestages
erklärtermaßen gedachte.
Die deutschlandpolitische Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit
des Bundesministers für innerdeutsche Beziehungen und des
ihm nachgeordneten gesamtdeutschen Instituts ist nicht an
besondere Anlässe oder Gedenkfeiern gebunden oder auf sie
beschränkt. Es ist vielmehr ständige Aufgabe dieser
deutschlandpolitischen Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit, das
Bedürfnis der Bevölkerung nach Information über die Geschichte
Drucksache 8/4398 Deutscher Bundestag - 8 Wahlperiode
Deutschlands nach 1945, den Stand der Beziehungen zwischen
beiden deutschen Staaten und die aktuelle Deutschlandpolitik
zu unterstützen und so dem Auftrag, das Bewußtsein für die
Einheit der Nation wachzuhalten, zu dienen. Bei der
Information über die zeitgeschichtliche Entwicklung nimmt die
Darstellung der politischen Bedeutung des Deutschlandvertrages einen
besonderen Raum ein. Wie die Bundesregierung in ihrer
Antwort auf die Große Anfrage der CDU/CSU-Fraktion zum Beitrag
der Bundesregierung zur Stärkung des Bewußtseins von der
Einheit der deutschen Nation in Unterricht und Bildung
(Drucksache 8/4159 vom 11. Juni 1980) deutlich gemacht hat, dient die
Unterstützung vielfältiger bildungspolitischer Maßnahmen
insbesondere dazu, die Geschichte der Deutschen und die aktuellen
Probleme ihrer gegenwärtigen Situation der Jugend bewußt
zu machen.
6. In welcher Weise hat der Bundesminister der Verteidigung die
Soldaten der Bundeswehr auf die Bedeutung auch des
Deutschlandvertrages für eine gewaltfreie Politik zur
Wiedervereinigung Deutschlands in Freiheit aus Anlaß des 25. Jahrestages
seines Inkrafttretens hingewiesen?
Für den Bundesminister der Verteidigung war die 25jährige
Mitgliedschaft der Bundesrepublik Deutschland in der NATO
im Mai 1980 der Schwerpunkt der Information. Dabei ist auch
auf den Deutschlandvertrag eingegangen worden, so in einem
Aufsatz von Prof. Dr. Michael Salewski, unter dem Titel „Die
Aufnahme der Bundesrepublik Deutschland in die NATO", der
in Heft 4/80 der „Informationen für die Truppe" erschienen ist.
Die deutsche Frage ist ein ständiges Thema der Information
und politischen Bildung in der Bundeswehr.
7. In welcher Weise, insbesondere durch welche
Informationsschriften, hat das Presse- und Informationsamt der
Bundesregierung, das über einen erheblichen Etat zur
Öffentlichkeitsarbeit verfügt, die Bedeutung des Deutschlandvertrages für die
Wiedervereinigung Deutschlands gewürdigt?
Das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung hat
sämtliche, in der Beantwortung der Fragen 1 und 2 genannten
Schritte der Bundesregierung zur Würdigung des 25.
Jahrestages des Deutschlandvertrages im Bulletin veröffentlicht.
Zum 10. Jahrestag des Deutschlandvertrages am 5. Mai 1965
ist im Bulletin des Presse- und Informationsamts der
Bundesregierung eine kurze Erklärung veröffentlicht worden.
Zu der Behauptung in dem Vorspruch zur Kleinen Anfrage, der
5. Jahrestag der Ostverträge sei von der Bundesregierung
eingehend und mit erheblichem Aufwand gewurdigt worden,
wird darauf hingewiesen, daß dem 5. Jahrestag der
Unterzeichnung der Verträge mit der Sowjetunion, Polen und der
CSSR in einem Austausch von Grußbotschaften Rechnung
getragen wurde. Einen gemeinsamen Jahrestag, -der Grundlage
einer Würdigung hätte sein können, gibt es nicht. Die
ausgetauschten Grußbotschaften sind jeweils im Bulletin des Presse-
und Informationsamtes der Bundesregierung veröffentlicht
worden.]