Zusammenhang von Luftschadstoffen und Allergien
der Abgeordneten Dr. Bettina Hoffmann, Dr. Kirsten Kappert-Gonther, Lisa Badum, Annalena Baerbock, Matthias Gastel, Sylvia Kotting-Uhl, Oliver Krischer, Christian Kühn (Tübingen), Steffi Lemke, Ingrid Nestle, Dr. Julia Verlinden und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Vorbemerkung
Allergieerkrankungen wie Asthma bronchiale, Heuschnupfen und Neurodermitis sind in der Bevölkerung in Deutschland seit den 1970er Jahren stark gestiegen. Es wird geschätzt, dass bis zu 30 Millionen Menschen in Deutschland von Allergien betroffen sind (Robert Koch Institut: „Gesundheit in Deutschland“, 2015). Allergische Erkrankungen können je nach individueller Ausprägung die Lebensqualität und Leistungsfähigkeit der Betroffenen stark beeinträchtigen und die Arbeitsfähigkeit Erwachsener deutlich mindern.
Alarmierend ist die Zunahme von Asthma bronchiale bei Kindern, die kontinuierlich um das Zwei- bis Dreifache über die letzten 30 Jahre zugenommen hat (Robert Koch Institut: „Gesundheit in Deutschland“, 2015). Asthma bronchiale ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Atemwege, bei der eine anfallsweise Verengung des Bronchialsystems Luftnot verursacht. Bei allergischem Asthma – der überwiegenden Asthmaform im Kindes- und Jugendalter – werden die Symptome durch Allergene, wie Pollen, ausgelöst.
Luftschadstoffe können die Morphologie der Pollen, die Pollenzellwand, den Proteingehalt der Pollen, den Proteinausstoß der Pollen und die Pollenproteine selbst verändern. Auch die Ummantelung der Pollen wird durch Luftschadstoffe beeinträchtigt (Frank und Ernst, 2016, zitiert in „Quantifizierung von umweltbedingten Krankheitslasten aufgrund der Stickstoffdioxid-Exposition in Deutschland“, Studie im Auftrag des Umweltbundesamts, 2018).
Darüber hinaus haben kontrollierte Expositionsstudien aus der Vergangenheit gezeigt, dass deutliche Unterschiede zwischen den Reaktionen auf Stickstoffdioxid von gesunden Erwachsenen und von Allergien betroffenen Personen bestehen („Quantifizierung von umweltbedingten Krankheitslasten aufgrund der Stickstoffdioxid-Exposition in Deutschland“, Studie im Auftrag des Umweltbundesamts, 2018).
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen20
Inwieweit liegen der Bundesregierung oder einer ihrer Bundesbehörden Hinweise darauf vor, dass sich die allergene Wirkung von Pollen durch Luftverschmutzungen wie Feinstaub und Stickoxide verstärkt? Falls ja, welche, und wie bewertet sie diese?
Inwieweit liegen der Bundesregierung oder einer ihrer Bundesbehörden Erkenntnisse vor, dass eine erhöhte Belastung der Luft mit Stickoxiden Allergiebeschwerden auslösen oder verschlimmern kann? Falls ja, welche, und wie bewertet sie diese?
Inwieweit liegen der Bundesregierung oder einer ihrer Bundesbehörden Erkenntnisse vor, dass eine erhöhte Belastung mit ultrafeinen Partikeln Allergiebeschwerden auslösen oder verschlimmern kann? Falls ja, welche, und wie bewertet sie diese?
Inwieweit liegen der Bundesregierung oder einer ihrer Bundesbehörden Erkenntnisse vor, dass eine erhöhte Belastung mit Ozon Allergiebeschwerden auslösen oder verschlimmern kann? Falls ja, welche, und wie bewertet sie diese?
Inwieweit liegen der Bundesregierung oder einer ihrer Bundesbehörden Erkenntnisse vor, dass eine erhöhte Belastung mit Kohlenmonoxid Allergiebeschwerden auslösen oder verschlimmern kann? Falls ja, welche, und wie bewertet sie diese?
Inwieweit liegen der Bundesregierung oder einer ihrer Bundesbehörden Erkenntnisse zur Erhöhung des Risikos für Asthma bronchiale bei Kindern vor, deren Mütter in der Schwangerschaft vermehrt Luftschadstoffen (Stickstoffdioxid, Kohlenmonoxid, Feinstaub) ausgesetzt waren (vgl. Deutsches Ärzteblatt vom 9. Februar 2016)?
Hat die Bundesregierung oder einer ihrer Bundesbehörden Erkenntnisse dazu, inwieweit aufgrund des Klimawandels neu eingewanderte Tier- und Pflanzenarten allergene Wirkung entfalten? Wenn ja, um welche Tiere, Pflanzen bzw. Pollen und welche Wirkmechanismen handelt es sich?
Um wie viele Tage hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung oder einer ihrer Bundesbehörden die jährliche Pollenflugzeit allergener Pflanzenarten aufgrund der Klimaerwärmung über die letzten Jahrzehnte erhöht, und welche Schätzungen liegen der Bundesregierung oder einer ihrer Bundesbehörden für die künftige Entwicklung vor (bitte nach einzelnen Pflanzenarten aufschlüsseln)?
In welchem Umfang hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung oder einer ihrer Bundesbehörden die jährliche Menge an Pollen allergener Pflanzenarten aufgrund der Klimaerwärmung über die letzten Jahrzehnten erhöht, und welche Schätzungen liegen der Bundesregierung oder einer ihrer Bundesbehörden für die künftige Entwicklung vor (bitte nach einzelnen Pflanzenarten aufschlüsseln)?
Wie viele Menschen leiden in Deutschland nach Kenntnis der Bundesregierung oder einer ihrer Bundesbehörden unter Allergien, die durch die in den Fragen 8 und 9 genannten Pflanzen ausgelöst werden (bitte nach einzelnen Pflanzenarten aufschlüsseln)?
Inwieweit gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung oder einer ihrer Bundesbehörden in Deutschland Unterschiede in der Allergieprävalenz zwischen Geschlecht, Alter und Sozialstatus (bitte getrennt für Kinder und Erwachsene aufschlüsseln)?
Welche Allergene sind nach Kenntnis der Bundesregierung oder einer ihrer Bundesbehörden hauptverantwortlich für allergische Erkrankungen von Kindern und Erwachsenen in Deutschland, und wie hat sich der Anteil der einzelnen Allergene in den letzten 30 Jahren entwickelt?
Wie hat sich der Einsatz von Medikamenten zur Linderung von Allergiebeschwerden nach Kenntnis der Bundesregierung oder einer ihrer Bundesbehörden über die letzten 30 Jahre entwickelt (bitte wenn möglich nach Wirkstoffen und Einsatzzweck aufschlüsseln)?
Wie viele Tage an Arbeitsausfällen werden nach Kenntnis der Bundesregierung jährlich in Deutschland durch allergiebedingte Erkrankungen verursacht (bitte wenn möglich nach Art der Allergie aufschlüsseln)?
Von welchen jährlichen volkswirtschaftlichen Schäden durch allergiebedingte Erkrankungen geht die Bundesregierung aus?
Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung oder einer ihrer Bundesbehörden zu Unterschieden in der Häufigkeit von Allergien beim Wohnumfeld in der Stadt bzw. auf dem Land (bitte nach Alter, Geschlecht und Sozialstatus aufschlüsseln)?
Wie hoch schätzt die Bundesregierung die Krankheitskosten aufgrund von Asthma bronchiale (bitte nach unmittelbar durch medizinische Heilbehandlungen entstandenen Kosten sowie durch Präventions- oder Reha-Maßnahmen entstandenen Kosten aufschlüsseln)?
Welche Schritte hat die Bundesregierung konkret unternommen beim im Weißbuch „Allergie in Deutschland“ als Forschungsaufgabe benannten Erstellen präziser Schätzungen der Kosten, die durch allergische Erkrankungen verursacht werden, bzw. welche Schritte plant die Bundesregierung?
Welche Informationen für Eltern, Betroffene und Fachleute geben die Bundesregierung oder Bundesbehörden heraus, um über allergische Erkrankungen und deren Auslöser, insbesondere auch zu Schadstoffen aus der Umwelt, zu informieren?
Welche Forschungsvorhaben zur Prävention, Diagnose und Therapie von allergischen Erkrankungen haben die Bundesregierung und Bundesbehörden derzeit in Auftrag gegeben, bzw. welche Forschungsvorhaben sind geplant? Falls ja, wann ist mit Ergebnissen zu rechnen?