[Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Gesundheit vom 9. Mai 2018
übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Deutscher Bundestag Drucksache 19/2091
19. Wahlperiode 11.05.2018
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. Bettina Hoffmann,
Dr. Kirsten Kappert-Gonther, Lisa Badum, weiterer Abgeordneter und
der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
– Drucksache 19/1864 –
Zusammenhang von Luftschadstoffen und Allergien
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Allergieerkrankungen wie Asthma bronchiale, Heuschnupfen und
Neurodermitis sind in der Bevölkerung in Deutschland seit den 1970er Jahren stark
gestiegen. Es wird geschätzt, dass bis zu 30 Millionen Menschen in Deutschland von
Allergien betroffen sind (Robert Koch Institut: „Gesundheit in Deutschland“,
2015). Allergische Erkrankungen können je nach individueller Ausprägung die
Lebensqualität und Leistungsfähigkeit der Betroffenen stark beeinträchtigen
und die Arbeitsfähigkeit Erwachsener deutlich mindern.
Alarmierend ist die Zunahme von Asthma bronchiale bei Kindern, die
kontinuierlich um das Zwei- bis Dreifache über die letzten 30 Jahre zugenommen hat
(Robert Koch Institut: „Gesundheit in Deutschland“, 2015). Asthma bronchiale
ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Atemwege, bei der eine
anfallsweise Verengung des Bronchialsystems Luftnot verursacht. Bei allergischem
Asthma – der überwiegenden Asthmaform im Kindes- und Jugendalter –
werden die Symptome durch Allergene, wie Pollen, ausgelöst.
Luftschadstoffe können die Morphologie der Pollen, die Pollenzellwand, den
Proteininhalt der Pollen, den Proteinausstoß der Pollen und die Pollenproteine
selbst verändern. Auch die Ummantelung der Pollen wird durch Luftschadstoffe
beeinträchtigt (Frank und Ernst, 2016, zitiert in „Quantifizierung von
umweltbedingten Krankheitslasten aufgrund der Stickstoffdioxid-Exposition in
Deutschland“, Studie im Auftrag des Umweltbundesamts, 2018).
Darüber hinaus haben kontrollierte Expositionsstudien aus der Vergangenheit
gezeigt, dass deutliche Unterschiede zwischen den Reaktionen auf
Stickstoffdioxid von gesunden Erwachsenen und von Allergien betroffenen Personen
bestehen („Quantifizierung von umweltbedingten Krankheitslasten aufgrund der
Stickstoffdioxid-Exposition in Deutschland“, Studie im Auftrag des
Umweltbundesamts, 2018).
V o r b e me r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g :
Allergische Erkrankungen und deren Folgen sind von großer
bevölkerungsmedizinischer Relevanz. Laut Robert Koch-Institut (RKI) wurde bei 30 Prozent der
18- bis 79-jährigen Bevölkerung in Deutschland mindestens eine allergische
Erkrankung im Lebensverlauf ärztlich diagnostiziert. Dabei besteht eine große
Heterogenität der Krankheitsbilder. Die Bundesregierung nimmt das Problem
angesichts der hohen Fallzahlen dieser Volkskrankheit und der teilweise damit
einhergehenden deutlichen Einschränkungen der Lebensqualität sehr ernst.
Allergische Reaktionen sind fehlgeleitete Antworten des Immunsystems auf
körperfremde, eigentlich unschädliche Substanzen (Allergene aus z. B. Pollen,
Hausstaubmilben, Tierhaaren, Nahrungsbestandteilen). Neben genetischen
Veranlagungen sind auch Umwelteinflüsse von Bedeutung. Eine zufriedenstellende
wissenschaftliche Erklärung für die Zunahme von allergischen Erkrankungen in den
Industrieländern gibt es bislang nicht. Von der Fachwelt werden unterschiedliche
Risikofaktoren diskutiert, die die Krankheitsentstehung und -entwicklung
begünstigen können. Laut der Kommission Umweltmedizin am RKI ist dabei
derzeit die sogenannte Hygiene-Hypothese das überzeugendste Modell. Dabei wird
der Anstieg von Heuschnupfen und Asthma mit einer geringeren Exposition mit
Keimen, Parasiten sowie mikrobiellen Komponenten in früher Kindheit in
Verbindung gebracht.
Seitens der Bundesregierung wurde eine Vielzahl von krankheitsspezifischen
und krankheitsübergreifenden Maßnahmen sowohl für die Prävention als
auch für eine qualitativ hochwertige Versorgung von Patientinnen und
Patienten mit allergischen Erkrankungen auf den Weg gebracht. Verschiedene
Forschungsvorhaben zu unterschiedlichen Aspekten der Entstehung und des
Verlaufs der Erkrankungen werden gefördert.
1. Inwieweit liegen der Bundesregierung oder einer ihrer Bundesbehörden
Hinweise darauf vor, dass sich die allergene Wirkung von Pollen durch
Luftverschmutzungen wie Feinstaub und Stickoxide verstärkt?
Falls ja, welche, und wie bewertet sie diese?
2. Inwieweit liegen der Bundesregierung oder einer ihrer Bundesbehörden
Erkenntnisse vor, dass eine erhöhte Belastung der Luft mit Stickoxiden
Allergiebeschwerden auslösen oder verschlimmern kann?
Falls ja, welche, und wie bewertet sie diese?
Die Fragen 1 und 2 werden wegen des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Eine verstärkte Allergenität von Pollen durch bestimmte Luftschadstoffe wird
immer wieder diskutiert. Verschiedene wissenschaftliche Studien weisen auf eine
mögliche Zunahme der Allergenität von Pollen durch Stickstoffdioxid hin. Auch
deuten mehrere Studien auf einen statistischen Zusammenhang zwischen
steigender Stickstoffdioxid-Konzentration und der Zunahme allergischer Beschwerden
hin. Die Immissionsbelastung an Stickstoffdioxid und Feinstaub in Deutschland
ist rückläufig.
3. Inwieweit liegen der Bundesregierung oder einer ihrer Bundesbehörden
Erkenntnisse vor, dass eine erhöhte Belastung mit ultrafeinen Partikeln
Allergiebeschwerden auslösen oder verschlimmern kann?
Falls ja, welche, und wie bewertet sie diese?
4. Inwieweit liegen der Bundesregierung oder einer ihrer Bundesbehörden
Erkenntnisse vor, dass eine erhöhte Belastung mit Ozon Allergiebeschwerden
auslösen oder verschlimmern kann?
Falls ja, welche, und wie bewertet sie diese?
Die Fragen 3 und 4 werden aufgrund des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Abschließende belastbare Aussagen im Hinblick auf Allergiebeschwerden
können nach Kenntnisstand der Bundesregierung aufgrund der unzureichenden
Datenlage und methodischen Schwierigkeiten nicht getroffen werden. In Bezug auf
Feinstaub ergeben sich hinsichtlich der Beurteilung einer Exposition durch die
sehr variable Anzahl ultrafeiner Partikel noch deutliche methodische
Schwierigkeiten.
Es gibt Hinweise, dass Hitze, Ozon und Feinstaub (particulate matter, PM) die
Morbidität für Lungen- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen können,
wobei zwischen diesen Faktoren starke Wechselwirkungen bestehen. Weiterhin
kann eine erhöhte Exposition gegenüber lungengängigen PM (< 10 μm
Durchmesser) mit einer Verschlimmerung von Asthma assoziiert sein. Ozon kann in
höheren Konzentrationen entzündlich wirken und das Lungenepithel im Sinne
einer verringerten mukoziliären Clearance (Selbstreinigung der Bronchien)
schädigen; außerdem schwächt Ozon die Lungenfunktion durch Veränderungen von
Lungenvolumen und Durchflussrate sowie Verengung der Atemwege.
5. Inwieweit liegen der Bundesregierung oder einer ihrer Bundesbehörden
Erkenntnisse vor, dass eine erhöhte Belastung mit Kohlenmonoxid
Allergiebeschwerden auslösen oder verschlimmern kann?
Falls ja, welche, und wie bewertet sie diese?
Wissenschaftliche Studien enthalten Hinweise auf einen Zusammenhang
zwischen Kohlenmonoxid und Allergien. Dabei wird jedoch häufig Kohlenmonoxid
als einer von mehreren Luftschadstoffen behandelt, was die Aussagekraft
schmälert. Kohlenmonoxid hat als Luftschadstoff in der Außenluft in den letzten
Jahrzehnten eine sehr stark abnehmende Bedeutung.
6. Inwieweit liegen der Bundesregierung oder einer ihrer Bundesbehörden
Erkenntnisse zur Erhöhung des Risikos für Asthma bronchiale bei Kindern vor,
deren Mütter in der Schwangerschaft vermehrt Luftschadstoffen
(Stickstoffdioxid, Kohlenmonoxid, Feinstaub) ausgesetzt waren (vgl. Deutsches
Ärzteblatt vom 9. Februar 2016)?
Bei der im „Deutschen Ärzteblatt“ genannten Studie handelt es sich um eine
kanadische Kohortenstudie, die zeigte, dass Kinder von Müttern, die während der
Schwangerschaft erhöhten Luftschadstoffen ausgesetzt sind, häufiger während
der Vorschulzeit an Asthma erkrankten. In dem Artikel selbst wird aufgrund der
vielfältigen Einflussfaktoren bei Fall-Kontroll-Studien darauf verwiesen, dass
Assoziationen nicht beweisend sind.
In diesem Zusammenhang wird auch auf die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft
für Allergologie und klinische Immunologie und der Deutschen Gesellschaft für
Kinder- und Jugendmedizin (S3-Leitlinie Allergieprävention – Update 2014 (S3-
Leitlinie 061/016: Allergieprävention)) hingewiesen. Dort heißt es, dass die
Exposition gegenüber Stickoxiden und kleinen Partikeln (PM2,5) mit einem
erhöhten Risiko, besonders für Asthma, verbunden ist.
7. Hat die Bundesregierung oder einer ihrer Bundesbehörden Erkenntnisse
dazu, inwieweit aufgrund des Klimawandels neu eingewanderte Tier- und
Pflanzenarten allergene Wirkung entfalten?
Wenn ja, um welche Tiere, Pflanzen bzw. Pollen und welche
Wirkmechanismen handelt es sich?
Einwanderung und Ausbreitung sowohl von Tier- als auch Pflanzenarten sind in
der Regel multifaktoriell bedingt. Klimawandel kann dabei ein wichtiger Faktor
sein, um derartige Prozesse zu begünstigen und zu beschleunigen. Ausschließlich
auf Klimawandel begründete Fälle sind in Deutschland jedoch nicht bekannt.
Anhand von Modellierungsergebnissen einer im Auftrag des Bundesamtes für
Naturschutz (BfN) durchgeführten Studie konnte gezeigt werden, dass viele
gebietsfremde Pflanzenarten von steigenden Temperaturen profitieren und sich weiter
ausbreiten werden. Ein Beispiel hierfür ist die aus Nordamerika stammende
Beifußblättrige Ambrosie, die aufgrund ihrer allergenen Pollen ein Gesundheitsrisiko
für den Menschen darstellen kann. Ambrosia-Pollen gelten als stark
sensibilisierend. Allergische Folgen umfassen meist eine Heuschnupfen-Symptomatik,
können aber auch Asthma bronchiale auslösen. Zudem kann bei Berührung von
Pflanzenteilen eine Kontaktdermatitis auftreten. Die gebietsfremde Ambrosia-
Pflanze ist heute in allen Bundesländern vorhanden. Oftmals handelt es sich dabei
noch um kleine, unbeständige Bestände, die sich jedoch sehr wahrscheinlich
vergrößern werden. Hingegen wird der Klimawandel bei dem in Deutschland schon
weitverbreiteten gebietsfremden Riesenbärenklau, der beim Menschen
Phytophotodermatitis auslösen kann, sehr wahrscheinlich zu keinen positiven
Bestandsentwicklungen führen.
Zu aufgrund des Klimawandels neu eingewanderten Tierarten und deren
möglichen allergenen Potentialen liegen der Bundesregierung keine Erkenntnisse vor.
8. Um wie viele Tage hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung oder einer
ihrer Bundesbehörden die jährliche Pollenflugzeit allergener Pflanzenarten
aufgrund der Klimaerwärmung über die letzten Jahrzehnte erhöht, und
welche Schätzungen liegen der Bundesregierung oder einer ihrer
Bundesbehörden für die künftige Entwicklung vor (bitte nach einzelnen Pflanzenarten
aufschlüsseln)?
Für Deutschland zeigt der Vergleich der Zeiträume 1961 bis 1990 zu 1991 bis
2005 im Durchschnitt eine Verlängerung der Vegetationsperiode um 15 Tage.
Auch liegen Kenntnisse für einzelne Regionen vor. So wurde für Berlin eine
Vorverlegung des Birkenpollenfluges zwischen 1984 und 2008 um 11 Tage
festgestellt. Gleichzeitig trat das Ende der Blüte 3 Tage früher ein, wodurch sich die
Birkenblühphase netto um 8 Tage verlängerte.
Durch die Zunahme spätsommerlich blühender Pflanzen kann sich die
Gesamtpollenflugzeit zudem um bis zu zwei Monate verlängern. Neuere Auswertungen der
Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst zeigen, dass sich auch die Haselblüte
über die vergangenen Jahre vorverlagert hat und statt im Januar bereits im
Dezember beginnt. Dadurch ist in Deutschland das verbleibende Zeitfenster ohne
Pollenflug geschlossen. Pollenflug wird über das gesamte Kalenderjahr gemessen.
9. In welchem Umfang hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung oder einer
ihrer Bundesbehörden die jährliche Menge an Pollen allergener
Pflanzenarten aufgrund der Klimaerwärmung über die letzten Jahrzehnten erhöht, und
welche Schätzungen liegen der Bundesregierung oder einer ihrer
Bundesbehörden für die künftige Entwicklung vor (bitte nach einzelnen Pflanzenarten
aufschlüsseln)?
Der Bundesregierung sind nur einzelne Studien und Prognosen bekannt, die sich
mit der jährlichen Menge an Pollen allergener Pflanzenarten aufgrund der
Klimaerwärmung befassen. So wurde beispielsweise für die Stadt Innsbruck festgestellt,
dass zwischen 1980 und 2001 bei einem Temperaturanstieg von 1,5 Grad Celsius
die Pollenzahl um das 1,2-fache bei der Birke und das 5,6-fache bei der Esche
zunahm.
Ergebnisse einer internationalen Studie prognostizieren, dass zukünftig (2041 bis
2060 im Vergleich zu 1985 bis 2005) die monatlichen Pollenmengen in Teilen
Süddeutschlands bereits in der Vorsaison klinisch relevante Konzentrationen erreichen
werden, die Pollenkonzentrationen im gesamten Bundesgebiet zur Hauptblüte
mindestens doppelt so hoch liegen werden wie im Vergleichszeitraum und auch in der
Nachsaison noch in klinisch relevanter Größenordnung nachweisbar sein werden.
Deutschlandweite Messungen der Pollenkonzentration werden durchgeführt von
der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst (PID).
10. Wie viele Menschen leiden in Deutschland nach Kenntnis der
Bundesregierung oder einer ihrer Bundesbehörden unter Allergien, die durch die in den
Fragen 8 und 9 genannten Pflanzen ausgelöst werden (bitte nach einzelnen
Pflanzenarten aufschlüsseln)?
Prävalenzen von Einzelsensibilisierungen der in den Antworten zu den Fragen 8
und 9 genannten Pflanzenarten betragen für Birke 17,4 Prozent, für Hasel
16,2 Prozent und für Esche 9,4 Prozent. Anhand von Ambrosia testete das RKI
exemplarisch für eine in Deutschland neu beheimatete Pflanze (Neophyt) mit
Hilfe der in der von 2008 bis 2011 durchgeführten Studie zur Gesundheit
Erwachsener in Deutschland (DEGS1) die Sensibilisierung gegen das Hauptallergen.
Hier lag die Prävalenz im o. g. Zeitraum nur bei 0,4 Prozent. Die berichteten
Beschwerden vieler Allergiker waren in diesem Fall auf eine primäre
Sensibilisierung gegen Beifuß (9 Prozent) mit vorliegender Kreuzreaktion gegen Ambrosia
zurückzuführen.
11. Inwieweit gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung oder einer ihrer
Bundesbehörden in Deutschland Unterschiede in der Allergieprävalenz zwischen
Geschlecht, Alter und Sozialstatus (bitte getrennt für Kinder und Erwachsene
aufschlüsseln)?
Prävalenz häufiger allergischer Erkrankungen bei Erwachsenen in Deutschland
Aus der von 2008 bis 2011 durchgeführten Studie zur Gesundheit Erwachsener
in Deutschland (DEGS1) liegen aktuelle bevölkerungsbezogene Daten der 18- bis
79-Jährigen in Deutschland vor. Dabei wird mittels ärztlichen Interviews die
ärztlich diagnostizierte allergische Erkrankung jemals im Leben
(Lebenszeitprävalenz) und innerhalb der letzten 12 Monate (12-Monats-Prävalenzen) für
folgende allergische Erkrankungen erhoben: Asthma bronchiale, Heuschnupfen,
Neurodermitis, Kontaktekzem, Nahrungsmittelallergie, Urtikaria und
Insektengiftallergie. Nachfolgend wird die 12-Monats-Prävalenz dargestellt.
Frauen und Männer waren in den letzten 12 Monaten vor der Erhebung bzw.
„aktuell“ am häufigsten von Heuschnupfen (12,7 Prozent), Asthma bronchiale
(5,1 Prozent) und Kontaktekzem (3 Prozent) betroffen. Die auf die letzten 12
Monate vor der Befragung bezogenen Prävalenzen liegen in Übereinstimmung mit
der internationalen Literatur deutlich unter den Lebenszeitprävalenzen, da
allergische Erkrankungen häufig auch mit längeren beschwerdefreien Intervallen
einhergehen können (z. B. Asthma bronchiale) oder sich mit zunehmendem Alter
zurückbilden (insbesondere Neurodermitis). Bezogen auf die
Bevölkerungsstruktur von 2010 stehen die genannten Prozentzahlen für ca. 7,7 Millionen
Erwachsene, die aktuell von Heuschnupfen betroffen sind, bzw. ca. 3,2 Millionen
Erwachsene, die aktuell von Asthma bronchiale betroffen sind. Für Heuschnupfen
und Neurodermitis sind leicht abnehmende Prävalenzen in höherem Alter zu
beobachten. Bei Frauen ist die Krankheitslast durch die hier dargestellten
allergischen Erkrankungen mit Ausnahme von Neurodermitis und Insektengiftallergie
insgesamt deutlich größer als bei Männern. Am größten ist der
Geschlechtsunterschied beim Kontaktekzem; 3-mal so viele Frauen wie Männer gaben an,
„aktuell“ davon betroffen zu sein (siehe auch nachfolgende Tabelle).
12-Monats-Prävalenz (in Prozent) allergischer Erkrankungen (berichtete
Arztdiagnosen) bei Erwachsenen in Deutschland. Ergebnisse der DEGS1-Studie 2008–
2011 (aktualisierte Berechnung) (RKI)
Erkrankung Alter
18-29
Jahre
30-39
Jahre
40-49
Jahre
50-59
Jahre
60-69
Jahre
70-79
Jahre Gesamt
Asthma
Männer 4,0 4,7 3,4 3,1 4,5 2,3 3,7
Frauen 6,8 6,6 6,8 4,6 8,5 5,3 6,4
Gesamt 5,4 5,6 5,1 3,9 6,5 4,0 5,1
Heuschnupfen
Männer 12,9 16,9 13,8 10,2 6,4 3,4 11,2
Frauen 17,6 19,9 16,5 11,0 11,1 7,0 14,1
Gesamt 15,2 18,4 15,1 10,6 8,8 5,4 12,7
Neurodermitis
Männer 3,8 1,1 2,6 1,1 1,0 0,5 1,9
Frauen 5,1 4,4 1,5 3,3 1,4 1,1 2,8
Gesamt 4,4 2,7 2,0 2,2 1,2 0,8 2,4
Urtikaria
Männer 0,7 0,6 0,9 1,2 0,9 0,3 0,8
Frauen 0,3 3,3 1,7 2,5 2,2 0,7 1,8
Gesamt 0,5 1,9 1,3 1,8 1,6 0,5 1,3
Kontaktekzem
Männer 1,0 1,8 2,1 1,4 2,1 0,4 1,5
Frauen 3,7 6,4 5,5 4,8 4,1 1,8 4,5
Gesamt 2,3 4,1 3,8 3,1 3,1 1,2 3,0
Nahrungsmittelallergie
Männer 1,9 1,6 2,6 1,4 0,5 - 1,5
Frauen 4,7 4,9 4,7 3,6 3,7 0,7 3,8
Gesamt 3,3 3,2 3,7 2,5 2,1 0,4 2,7
Insektengiftallergie
Männer 0,3 0,3 0,6 0,3 - 0,1 0,3
Frauen 0,7 1,2 1,0 0,8 0,4 0,1 0,7
Gesamt 0,5 0,8 0,8 0,5 0,2 0,1 0,5
Statistisch signifikante Geschlechtsunterschiede auf Basis nicht überlappender 95 Prozent-Konfidenzintervalle sind fett gedruckt.
Unterschiede nach Sozialstatus waren lediglich für Heuschnupfen bei beiden
Geschlechtern und für Neurodermitis bei Frauen zu beobachten. Heuschnupfen trat
mit steigendem Sozialstatus (von einem niedrigen über einen mittleren zu einem
hohen Status) jeweils signifikant häufiger auf. Von Neurodermitis waren am
häufigsten Frauen mit mittlerem oder hohem Sozialstatus aktuell betroffen.
Prävalenz häufiger allergischer Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen in
Deutschland
Aus der von 2014 bis 2017 durchgeführten Studie zur Gesundheit von Kindern
und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS Welle 2) liegen aktuelle
bevölkerungsbezogene Daten der 0- bis 17-Jährigen in Deutschland vor. Aus den mittels
ärztlichen Interviews erhobenen Angaben zu ärztlich diagnostizierten allergischen
Erkrankungen sind bis dato Lebenszeit- und 12-Monats-Prävalenzen folgender
allergischer Erkrankungen ableitbar: Asthma bronchiale, Heuschnupfen und
Neurodermitis.
Die 12-Monats-Prävalenzen für 0- bis 17-Jährige betragen für Neurodermitis,
Heuschnupfen und Asthma 7 Prozent, 8,8 Prozent bzw. 3,5 Prozent. Tendenziell
nehmen sie mit zunehmender Altersgruppe zu, insbesondere bei Heuschnupfen.
Jungen sind aktuell häufiger von Heuschnupfen und Asthma betroffen als
Mädchen (siehe auch nachfolgende Tabelle). Die Geschlechterumkehr im
Erwachsenenalter ist auch aus internationalen Studien bekannt. In absoluten Zahlen
ausgedrückt sind bezogen auf die Bevölkerungsstruktur von 2015 gegenwärtig ca. eine
halbe Million Kinder und Jugendliche von Asthma und mehr als 1 Million von
Heuschnupfen betroffen.
12-Monats-Prävalenz (in Prozent) allergischer Erkrankungen (berichtete
Arztdiagnosen) bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Ergebnisse von KiGGS
Welle 2 2014–2017 (RKI)
Erkrankung Alter
0-2
Jahre
3-6
Jahre
7-10
Jahre
11-13
Jahre
14-17
Jahre Gesamt
Asthma
Jungen 1,4 3,0 5,7 7,1 4,6 4,4
Mädchen 0,9 2,2 2,8 3,0 3,7 2,6
Gesamt 1,1 2,6 4,3 5,1 4,2 3,5
Heuschnupfen
Jungen 2,4 4,6 11,3 14,2 17,2 10,4
Mädchen 3,2 2,0 6,0 10,4 13,3 7,2
Gesamt 2,8 3,3 8,7 12,4 15,3 8,8
Neurodermitis
Jungen 11,0 7,8 5,8 5,2 4,2 6,6
Mädchen 8,8 8,2 8,3 5,7 6,0 7,4
Gesamt 10,0 8,0 7,0 5,5 5,1 7,0
Statistisch signifikante Geschlechtsunterschiede auf Basis nicht überlappender 95 Prozent-Konfidenzintervalle sind fett gedruckt.
Für Asthma sind die niedrigsten Prävalenzen bei Kindern und Jugendlichen aus
Familien mit dem höchsten Sozialstatus zu verzeichnen. Die 12-Monats-
Prävalenzen für Heuschnupfen und Neurodermitis unterscheiden sich nicht nach
Sozialstatus.
12. Welche Allergene sind nach Kenntnis der Bundesregierung oder einer ihrer
Bundesbehörden hauptverantwortlich für allergische Erkrankungen von
Kindern und Erwachsenen in Deutschland, und wie hat sich der Anteil der
einzelnen Allergene in den letzten 30 Jahren entwickelt?
Allergische Sensibilisierung bei Erwachsenen
In der DEGS 1 wurden spezifische IgE-Antikörper gegen 50 vorab ausgewählte
Einzelallergene und zwei Mischungen im Blut bestimmt. Die Sensibilisierung am
Tag der Testung gegen mindestens eines der getesteten Allergene betrug
48,6 Prozent. Ein Drittel (33,6 Prozent) der Erwachsenen wies eine
Sensibilisierung gegen eine Allergenmischung aus den acht wichtigen Inhalationsallergenen
von Birke, Roggen, Lieschgras, Beifuß, Hausstaubmilbe, Katzen- und
Hundeschuppen und dem Schimmelpilz Cladosporium herbarum auf, ein Viertel
(25,5 Prozent) gegen Nahrungsmittelallergene (wobei lediglich 1,7 Prozent
ausschließlich gegen Nahrungsmittelallergene sensibilisiert waren), 22,6 Prozent
gegen Insektengifte und jeweils ein Fünftel gegen Gräser- und Baumpollen
(19,4 Prozent bzw. 19,0 Prozent). Gegen Hausstaubmilben, Kräuterpollen und
Tierepithelien lag bei 15,9 Prozent, 11,2 Prozent bzw. 10 Prozent eine
Sensibilisierung vor. Eine Sensibilisierung gegen Schimmelpilze und Latex war mit
4,6 Prozent bzw. 4,4 Prozent weniger prävalent. Männer waren häufiger als
Frauen und jüngere Personen häufiger als ältere gegen mindestens eines der
getesteten Allergene sensibilisiert. Die Spannbreite der durch das RKI getesteten
Sensibilisierung lag zwischen 18,1 Prozent für Lieschgras und 0,4 Prozent für das
Hauptallergen der Ambrosie.
Der Nachweis einer Sensibilisierung allein hat keinen Krankheitswert, die
Sensibilisierung ist aber eine notwendige Voraussetzung für die klinische
Manifestation einer allergischen Reaktion, auch wenn nicht bei allen Sensibilisierten
allergische Symptome auftreten. Im Vergleich zum Bundes-Gesundheitssurvey 1998
hat die Prävalenz einer Sensibilisierung gegen Inhalationsallergene insgesamt
von 29,8 Prozent auf 33,6 Prozent zugenommen, wobei nur bei Frauen ein
statistisch signifikanter Anstieg zu verzeichnen war. Zu beiden
Untersuchungszeitpunkten waren die jüngeren Erwachsenen häufiger sensibilisiert als die älteren.
Allergische Sensibilisierung bei Kindern und Jugendlichen
In der KiGGS-Basiserhebung wurde bei den 3- bis 17-jährigen Teilnehmenden
eine Blutprobe auf spezifische IgE-Antikörper gegen 20 verschiedene
Einzelallergene und eine Mischung aus häufigen Inhalationsallergenen untersucht.
Insgesamt waren über 40 Prozent gegen mindestens eines der getesteten Allergene
sensibilisiert; bei Jugendlichen sogar knapp 50 Prozent. Bei 3- bis 17-Jährigen traten
zu 14 bis 23 Prozent Sensibilisierungen gegen Lieschgras- und Roggenpollen,
Hausstaubmilben und Birkenpollen auf, zu 5 bis 11 Prozent Sensibilisierungen
gegen die meisten der getesteten Tier- und Nahrungsmittelallergene. Jungen
waren häufiger als Mädchen allergisch sensibilisiert.
Ein umfassendes Allergie- und Sensibilisierungsmonitoring für Kinder und
Jugendliche wurde mit der KiGGS-Basiserhebung (2003–2006) etabliert. Die
Auswertungsergebnisse aus der KiGGS Welle 2 liegen noch nicht vor. Sie werden
jedoch die Trends in den Sensibilisierungsprävalenzen über die letzten gut zehn
Jahre aufzeigen können. Für Erwachsene begann ein umfassendes Allergie- und
Sensibilisierungsmonitoring im Rahmen der DEGS1-Studie von 2008-2011.
13. Wie hat sich der Einsatz von Medikamenten zur Linderung von
Allergiebeschwerden nach Kenntnis der Bundesregierung oder einer ihrer
Bundesbehörden über die letzten 30 Jahre entwickelt (bitte wenn möglich nach
Wirkstoffen und Einsatzzweck aufschlüsseln)?
In den letzten 30 Jahren wurden in der medikamentösen Therapie zur Behandlung
allergischer Beschwerden wie Heuschnupfen, Nesselsucht (Urtikaria),
Hautrötung, Juckreiz, saisonaler und ganzjähriger Schnupfen (Rhinitis) sowie
Bindehautentzündung des Auges (Konjunktivitis) im Wesentlichen durch den Einsatz
von Corticoiden (z. B. Beclometason) oder Antihistaminika (s. u.) die Symptome
gelindert bzw. durch den Einsatz von mastzellstabilisierenden Wirkstoffen (wie
Cromoglicinsäure) ein Ausschütten von Histamin unterdrückt. Die wichtigste
Gruppe bilden hierbei die oralen Antihistaminika.
H1-Antihistaminika, die die Effekte der körpereigenen Substanz Histamin am
Histamin-Rezeptor 1 abschwächen, werden seit ca. 30 Jahren therapeutisch
angewendet. Im Körper hemmen H1-Antihistaminika die über die Histaminrezeptoren
vermittelten Histaminwirkungen. In Deutschland sind H1-Antihistaminika
sowohl apotheken- als auch verschreibungspflichtig in verschiedenen
Darreichungsformen zugelassen. H1-Antihistaminika werden in Arzneimittel der ersten
und zweiten Generation unterteilt und unterscheiden sich in ihrer Wirkung im
Wesentlichen durch die unterschiedlich ausgeprägte Fähigkeit, die Blut-Hirn-
Schranke zu passieren.
Da H1-Antihistaminika der zweiten Generation (z. B. Ceterizin, seit 1990
zugelassen; Desloratadin, seit 2012 zugelassen) die Blut-Hirn-Schranke nicht oder fast
nicht passieren und entsprechend weniger unerwünschte Arzneimittelwirkungen
(z. B. Müdigkeit, Schläfrigkeit, Schwindel) auftreten, besitzen H1-
Antihistaminika der ersten Generation (z. B. Hydroxyzin, Erstzulassung 1985) nach
Einschätzung der zuständigen Bundesoberbehörde eine vergleichsweise geringere
Bedeutung als orale Antiallergika.
14. Wie viele Tage an Arbeitsausfällen werden nach Kenntnis der
Bundesregierung jährlich in Deutschland durch allergiebedingte Erkrankungen
verursacht (bitte wenn möglich nach Art der Allergie aufschlüsseln)?
Der Bunderegierung liegen hierzu keine Erkenntnisse vor.
15. Von welchen jährlichen volkswirtschaftlichen Schäden durch
allergiebedingte Erkrankungen geht die Bundesregierung aus?
Der Bunderegierung liegen hierzu keine aktuellen Erkenntnisse vor.
16. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung oder einer ihrer
Bundesbehörden zu Unterschieden in der Häufigkeit von Allergien beim Wohnumfeld in
der Stadt bzw. auf dem Land (bitte nach Alter, Geschlecht und Sozialstatus
aufschlüsseln)?
Erkenntnisse zu dieser Frage liegen in Deutschland für Erwachsene aus der
DEGS1-Studie vor. Die Häufigkeit allergischer Erkrankungen in Bezug auf
Stadt/Land-Unterschiede (ländlich (< 5 000 Einw.), kleinstädtisch (5 000 –
< 20 000 Einw.), mittelstädtisch (20 000 – < 100 000 Einw.) und großstädtisch
(100 000 Einw. und mehr)) differiert nur bei Frauen hinsichtlich Asthma und
Kontaktekzem mit jeweils höheren Prävalenzen im großstädtischen Raum. Bei
Asthma sind diese höheren Prävalenzen in der jüngsten Altersgruppe (18-29
Jahre) zu beobachten, und beim Kontaktekzem weisen ab 50-Jährige höhere
Prävalenzen in der Großstadt auf als Jüngere. Die in der Antwort zu Frage 11
beschriebenen Unterschiede in der Häufigkeit allergischer Erkrankungen nach
Sozialstatus sind unabhängig von der Wohnregion (Stadt/Land).
Bei Kindern und Jugendlichen zeigten detaillierte Auswertungen der KiGGS-
Basiserhebung einen von anderen Einflüssen, z. B. Geschlecht und Alter,
unabhängigen Stadt/Land-Unterschied (städtisch versus ländlich) nur für die Prävalenz
von Asthma, mit ebenfalls höheren Prävalenzen im städtischem Wohnumfeld.
17. Wie hoch schätzt die Bundesregierung die Krankheitskosten aufgrund von
Asthma bronchiale (bitte nach unmittelbar durch medizinische
Heilbehandlungen entstandenen Kosten sowie durch Präventions- oder Reha-
Maßnahmen entstandenen Kosten aufschlüsseln)?
In der Krankheitskostenstatistik des Statistischen Bundesamtes werden die
Krankheitskosten von Asthma (ICD-10 „J 45 – J 46“) für das Jahr 2015 mit 1,9 Mrd.
Euro angegeben. Eine Aufschlüsselung nach den Komponenten unmittelbare
medizinische Heilbehandlung, Präventions- bzw. Reha-Maßnahmen ist nicht
möglich.
18. Welche Schritte hat die Bundesregierung konkret unternommen beim im
Weißbuch „Allergie in Deutschland“ als Forschungsaufgabe benannten
Erstellen präziser Schätzungen der Kosten, die durch allergische Erkrankungen
verursacht werden, bzw. welche Schritte plant die Bundesregierung?
Das seit dem Jahr 2000 erstellte „Weißbuch Allergie in Deutschland“ wird von
Fachgesellschaften wie der Deutschen Akademie für Allergologie und
Umweltmedizin, der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische
Immunologie, der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin und dem
Ärzteverband Deutscher Allergologen herausgegeben. Das Weißbuch geht
insbesondere auf epidemiologische Grundlagen der Allergie, auslösende Faktoren, das
Krankheitsbild und die Versorgung allergiekranker Menschen ein und spricht
zahlreiche Empfehlungen aus. Die sozioökonomische Bedeutung allergischer
Erkrankungen wird ebenfalls in den Blick genommen.
Die Bundesregierung nimmt wissenschaftliche Veröffentlichungen von
Verbänden, Fachgesellschaften und Organisationen zur Kenntnis und berücksichtigt
diese bei ihren Aktivitäten. Die Maßnahmen der Bundesregierung zum Thema
Allergien sind in den Antworten zu den Fragen 19 und 20 dargestellt.
19. Welche Informationen für Eltern, Betroffene und Fachleute geben die
Bundesregierung oder Bundesbehörden heraus, um über allergische
Erkrankungen und deren Auslöser, insbesondere auch zu Schadstoffen aus der Umwelt,
zu informieren?
Der Bundesregierung ist es ein wichtiges Anliegen, alle Beteiligten über die
vielschichtigen Aspekte von allergischen Erkrankungen einschließlich deren
Ursachen und Behandlungen aufzuklären. Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf
die Bereitstellung von qualitativ-hochwertiger und neutraler Information gelegt.
Im Folgenden einige Beispiele:
Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
hat u. a. die gesetzliche Aufgabe, für alle Bürgerinnen und Bürger verständliche
Informationen zu Diagnostik und Therapie von Krankheiten mit erheblicher
epidemiologischer Bedeutung zur Verfügung zu stellen. Im Internetangebot
(
www.gesundheitsinformation.de) finden sich zu einzelnen allergiebezogenen
Themen entsprechende evidenzbasierte Informationen. Dabei werden auch
Fragen zu Ursachen und Risikofaktoren bei allergischen Erkrankungen
berücksichtigt.
Aktuelle, wissenschaftlich geprüfte Information aus allen Bereichen der
Allergieforschung und Allergologie in verständlich aufbereiteter Form für Betroffene,
Angehörige sowie die interessierte Öffentlichkeit bietet der
Allergieinformationsdienst. Das Angebot wird durch das Helmholtz Zentrum München mit
Unterstützung des Bundesministeriums für Gesundheit im Rahmen eines dreijährigen
Forschungsvorhabens aufgebaut und evaluiert und ging in einer ersten Version im
April 2017 online (
www.allergieinformationsdienst.de). Seitdem wird es stetig
erweitert. Neben oben genannten Informationen finden sich zudem hilfreiche
Service-Angebote wie die Pollenfluginformation, Auflistungen von
Patientenorganisationen und Schulungsangeboten, ein Veranstaltungskalender sowie eine
Plattform für klinische Studien. Darüber hinaus lädt der Allergieinformationsdienst zu
Patiententagen ein, bei denen sich Betroffene und Angehörige über den aktuellen
Stand des Wissens informieren und ihre individuellen Fragen an die Expertinnen
und Experten richten können. Zusätzlich erscheint seit 2017 ein monatlicher
Newsletter, der viele wertvolle und aktuelle Beiträge und Links enthält. Bei der
Erarbeitung der Inhalte des Allergieinformationsdienstes sind alle relevanten
Ressorts und Bundesbehörden beteiligt.
Das Netzwerk Gesund ins Leben veröffentlicht seit 2010
Handlungsempfehlungen für Eltern zu den Themen Ernährung, Bewegung und Allergieprävention in
Schwangerschaft, Säuglings- und Kleinkindalter. Das Netzwerk wurde vom
Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft als eine Maßnahme des
Nationalen Aktionsplans „IN FORM – Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung
und mehr Bewegung“ ins Leben gerufen und ist heute organisatorisch Teil des
neuen Bundeszentrums für Ernährung.
Informationen zum Thema Allergie bei Kindern finden sich auf der Webseite der
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (
www.kindergesundheit-info.
de). Dieses Internetportal richtet sich vorzugsweise an Eltern von Kindern im
Alter von 0 bis 6 Jahren sowie an Fachkräfte, die Kinder in diesem Alter betreuen.
Wesentliche Basisinformationen zu kindlichen Allergien, z. B. zu Häufigkeit, zu
typischen allergischen Symptomen und deren Ausprägungen im Kindesalter
sowie zu Möglichkeiten der Prävention (u. a. über Stillen, durch Vermeidung von
Schimmelpilzbelastung, Schadstoffbelastung in Innenräumen und
Passivrauchen) sind enthalten.
Im Rahmen der Gesundheitsberichterstattung des Bundes veröffentlicht das RKI
insbesondere für die Fachöffentlichkeit Informationen zur Prävalenz von
allergischen Erkrankungen, z. B. unter
www.rki.de, im Bundesgesundheitsblatt oder im
Journal of Health Monitoring.
Auch die Kommission Umweltmedizin am RKI befasst sich immer wieder mit
dem Thema Allergien.
Das Umweltbundesamt (UBA) hat zahlreiche Studien und Informationsangebote
zum Thema Allergien und Umwelt für Betroffene und Fachleute erstellt, z. B. zu
den Themen Allergien im Garten, regionale Verteilung luftgetragener allergener
Pollen oder die UBA-Ratgeber Duftstoffe und den Schimmelpilzleitfaden
(
www.umweltbundesamt.de).
Der durch das Bundesamt für Strahlenschutz, das Bundesinstitut für
Risikobewertung, das RKI und das UBA herausgegebene Informationsdienst „Umwelt
und Mensch“ ist ein weiteres Beispiel für gelungene Zusammenarbeit
verschiedener Bundesbehörden. Allergien werden dabei immer wieder thematisiert.
Ausführungen zu sensibilisierenden Stoffen für die Atemwege insbesondere am
Arbeitsplatz enthalten die Technischen Regeln für biologische Arbeitsstoffe und
für Gefahrstoffe (
www.baua.de). Diese geben den Stand der Technik,
Arbeitsmedizin und Arbeitshygiene sowie sonstige gesicherte wissenschaftliche
Erkenntnisse für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen und biologischen Arbeitsstoffen,
einschließlich deren Einstufung und Kennzeichnung, wieder.
Für Fachleute liegen verschiedene Leitlinien der wissenschaftlichen
medizinischen Fachgesellschaften zu unterschiedlichen Aspekten von allergischen
Erkrankungen vor (
www.awmf.de), z. B. eine S3-Leitlinie zur Allergieprävention.
Mit Patienteninformationen werden diese Leitlinien entsprechend aufbereitet und
verständlich vorgestellt.
Der im Auftrag von Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) gemeinsam
von RKI und UBA im Jahr 2013 erarbeitete Bericht „Klimawandel und
Gesundheit. Allgemeiner Rahmen zu Handlungsempfehlungen für Behörden und weitere
Akteure in Deutschland“ richtet sich ebenfalls an Fachleute und beschreibt im
Handlungsfeld „Allergien und Atemwegerkrankungen“ die Herausforderungen
und Handlungserfordernisse z. B. hinsichtlich der beruflichen Weiter- und
Fortbildung.
Der Deutsche Wetterdienst erstellt in Kooperation mit dem PID Vorhersagen der
Pollenbelastung („Pollenflug-Gefahrenindex“) für die acht allergologisch
wichtigsten Blütenpollen: Hasel, Erle, Esche, Birke, Süßgräser, Roggen, Beifuß und
Ambrosia. Diese Leistung ist via Internet, Newsletter und App abrufbar (www.
dwd.de/pollenflug).
20. Welche Forschungsvorhaben zur Prävention, Diagnose und Therapie von
allergischen Erkrankungen haben die Bundesregierung und Bundesbehörden
derzeit in Auftrag gegeben, bzw. welche Forschungsvorhaben sind geplant?
Falls ja, wann ist mit Ergebnissen zu rechnen?
Eine Reihe von Forschungsvorhaben zu allergischen Erkrankungen wird derzeit
durch die Bundesregierung und Bundesbehörden gefördert (siehe nachfolgende
Tabelle). Mit den Ergebnissen ist jeweils nach Ende der gelisteten Förderzeiträume zu
rechnen.
Projekttitel Zuwendungsempfänger Projektbeginn Projektende
Verbundprojekt: Züchtung allergenarmer Äpfel
über Mal d 1-ELISA-Selektion als multidisziplinäres
Entwicklungsvorhaben -
Teilprojekt 1 Hochschule Osnabrück 01.08.2016 31.07.2019
Verbundprojekt: Züchtung allergenarmer Äpfel über
Mal d 1-ELISA-Selektion als multidisziplinäres
Entwicklungsvorhaben -
Teilprojekt 2
Technische Universität
München 01.08.2016 31.07.2019
Drying, Juices and Jams of Organic Fruit and
Vegetables: what happens to Desired and
Non-Desired compounds?
Technische Universität
München 30.03.2015 31.12.2018
Verbundprojekt: Innovative und zuverlässige
Nachweismethoden für Lebensmittelallergene
(AllergenAffinity) - Teilvorhaben 1 Universität Stuttgart 01.01.2018 31.12.2020
Verbundprojekt: Innovative und zuverlässige
Nachweismethoden für Lebensmittelallergene
(AllergenAffinity) - Teilprojekt 2
Axel Semrau GmbH &
Co. KG 01.01.2018 31.12.2020
ModESPKlim - Modellgestützte
Gefährdungsabschätzung des Eichenprozessionsspinners im
Klimawandel
Forstliche Versuchs-
und Forschungsanstalt
Baden-Württemberg 01.03.2016 30.04.2019
ModESPKlim - Modellgestützte
Gefährdungsabschätzung des Eichenprozessionsspinners im
Klimawandel
Nordwestdeutsche
Forstliche
Versuchsanstalt 01.03.2016 30.04.2019
ModESPKlim - Modellgestützte
Gefährdungsabschätzung des Eichenprozessionsspinners im
Klimawandel
Julius Kühn-Institut
Bundesforschungsinstitut für
Kulturpflanzen (JKI) 01.03.2016 30.04.2019
Zusatzerhebung im Rahmen der KiGGS Welle 2 zu
familiären und versorgungsspezifischen Einflussfaktoren
auf die Entstehung, den Verlauf und die Auswirkungen
von psychischen Auffälligkeiten (insbesondere
ADHS), Adipositas und allergischen Erkrankungen
(insbesondere Asthma) bei Kindern und Jugendlichen RKI 1.1.2015 31.12.2018
Patientenkompetenz bei allergischen Erkrankungen
des atopischen Formenkreises (PAKO-ATOP) – eine
randomisierte kontrollierte Studie zur Wirksamkeit
eines neu entwickelten webbasierten Angebots für
leicht bis mittelschwer betroffene Menschen
Pädagogischen
Hochschule Freiburg 1.4.2017 31.3.2020
Allergieinformationsdienst - Aufbau und Evaluation
Helmholtz Zentrum
München 1.11.2016 31.12.2019
Zusätzlich fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung die
Forschung zu allergischen Erkrankungen durch institutionelle und Projektförderung.
Insbesondere die institutionell geförderten Einrichtungen Helmholtz Zentrum
München, Helmholtz Zentrum für Umweltforschung, das Deutsche Zentrum für
Lungenforschung und das Leibniz-Institut für umweltmedizinische Forschung
befassen sich mit umweltmedizinischer Forschung im weiteren Sinne, die auch
die bevölkerungsmedizinische Sicht beinhaltet.
Ein Forschungsschwerpunkt des Helmholtz Zentrums München ist das
Krankheitsfeld Allergie und Asthma. Neben der genetischen Veranlagung sind auch
hier Umwelteinflüsse von großer Bedeutung. Vor allem Allergene, wie z. B. in
Pflanzenpollen oder Lebensmitteln und die Exposition gegenüber Viren,
Bakterien und Pilzen lösen die Erkrankung aus bzw. beeinflussen ihre Ausprägung. Das
Helmholtz Zentrum München schlägt hier eine Brücke zwischen
Asthmaforschung, Allergieforschung, Pflanzenforschung und Erforschung der mikrobiellen
Umwelt.
Am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung wird im Rahmen von
epidemiologischen Studien (eigene Kinderkohorte und Mutter-Kind-Kohorte) und
experimentellen Krankheitsmodellen untersucht, inwieweit Umwelteinflüsse zur
wachsenden Verbreitung allergischer Erkrankungen beitragen. Der Fokus liegt dabei
auf der frühkindlichen, aber auch auf der mütterlichen Belastung durch
Umweltchemikalien (beispielsweise Weichmacher, Konservierungsmittel, Pestizide)
während der Schwangerschaft und deren Wirkung auf die Entstehung allergischer
Erkrankungen bei den Kindern. Zukünftig sollen Effekte von
Umweltchemikalien auch auf die Darmflora analysiert sowie deren Wechselwirkung mit dem
Immunsystem und der Entstehung von Allergien untersucht werden.
Bei der Erforschung allergischer Erkrankungen im Rahmen von BMBF-
geförderten Studien im Deutschen Zentrum für Lungenforschung liegt der Schwerpunkt
auf den allergischen Lungenkrankheiten, sprich dem Asthma. Der Schwerpunkt
der Untersuchungen erfolgt zur Pathogenese, also zu den Mechanismen der
Krankheitsentstehung, die es ermöglichen sollen, in Zukunft eine bessere,
individuelle Therapie für Patientinnen und Patienten anzubieten.
Die Forschungsaktivität des Leibniz-Instituts für umweltmedizinische Forschung
konzentriert sich auf die molekulare präventivmedizinische Erforschung
umweltbedingter Erkrankungen, einschließlich der Entstehung von Allergien.
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ISSN 0722-8333]