Erinnerungspolitische Initiativen vor und während der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland
der Abgeordneten Jan Korte, Dr. André Hahn, Ulla Jelpke, Petra Pau, Sören Pellmann und der Fraktion DIE LINKE.
Vorbemerkung
Mitten während der diesjährigen Fußball-Weltmeisterschaft (WM) in Russland jährt sich am 22. Juni 2018 der Überfall der deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion zum 76. Mal. Am Ende dieses mörderischen Vernichtungskrieges hatte Nazideutschland 27 Millionen sowjetische Männer, Frauen und Kinder auf dem Gewissen – teils im Kampf gefallen, zu Hunderttausenden in der Gefangenschaft ermordet, als Zivilisten vergast, willkürlich erschossen, gehenkt, in ihren Häuser verbrannt, zu Millionen und mit Vorsatz dem Hunger- und Kältetod preisgegeben. Wie schon bei früheren sportlichen Großereignissen, z. B. der Fußball-Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine, sollte aus Sicht der Fragesteller auch die WM 2018 in Russland Anlass für erinnerungspolitische Initiativen und Begleitprojekte sein.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen8
Welche Bedeutung misst die Bundesregierung entsprechenden erinnerungspolitischen Begleitprojekten im Vorfeld sowie während der WM bei?
Gibt es seitens der Bundesregierung eine Planung begleitender erinnerungspolitischer, sozialer und humanitärer Initiativen und Projekte?
Wenn ja, was ist wann, von wem in welcher Form und unter wessen Beteiligung geplant (bitte entsprechend auflisten), und mit welchen Kosten rechnet die Bundesregierung dafür jeweils?
Wenn nein, warum nicht?
Inwieweit plant die Bundesregierung symbolische Gesten z. B. an Orten des Vernichtungskrieges, und welche spezifischen Themen (Zwangsarbeit, Massaker, Blockade ...) will sie mit Projekten, Gedenktafeln, Ausstellungen etc. in welcher Form und an welchen Orten ansprechen?
Sind seitens der Bundesregierung Begegnungen mit noch lebenden Opfern des NS-Vernichtungskrieges und/oder Einladungen zu den Spielen der deutschen Mannschaft an den entsprechenden Spielorten geplant, und wenn nein, warum nicht?
Gibt es Kontakte seitens der Bundesregierung zum Deutschen Fußball-Bund e. V., in deren Rahmen mögliche erinnerungspolitische Gesten der Nationalmannschaft bzw. der deutschen Delegation geplant werden, bzw. wird es hierzu noch Absprachen geben?
Hat die Bundesregierung Kenntnis über entsprechende Planungen und Aktivitäten des Deutschen Fußball-Bundes oder anderer deutscher Stellen, Institutionen und Organisationen, und wenn ja, wie sehen diese aus?
Gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung Fanprojekte und Fanbetreuungen, in denen die besondere historische Sensibilität der deutsch-sowjetischen bzw. deutsch-russischen Vergangenheit thematisiert wird, um auch so einem möglichen unangemessenen Verhalten einzelner deutscher Fangruppen bzw. Fans vorzubeugen?
Wenn ja, welche Projekte sind der Bundesregierung in diesem Zusammenhang bekannt?
Wird die Bundesregierung erinnerungspolitische Begleitprojekte Dritter unterstützen, und wenn ja, in welcher Form?