[Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat
vom 22. August 2018 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Deutscher Bundestag Drucksache 19/4017
19. Wahlperiode 28.08.2018
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Oliver Luksic, Stephan Thomae,
Nicola Beer, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der FDP
– Drucksache 19/3772 –
Bundespolizei im Saarland
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Die Bundespolizei klagt im Saarland schon seit längerem über einen
signifikanten Personalmangel (
www.saarbruecker-zeitung.de/saarland/saarland/
praesidentder-bundespolizei-koblenz-raeumt-personalnot-ein_aid-6649116), der sich durch
Krankenstände und Beamte, die nur innendienstfähig sind, noch weiter
vergrößert. Im August 2017 fehlten nach Einschätzung der Gewerkschaft der
Polizei (GdP) insgesamt 160 Beamte im Saarland (
www.sr.de/sr/home/nachrichten/
politik_wirtschaft/bundespolizei_personalmangel104.html). Gleichzeitig steigt die
Anzahl von Einwanderungen nach Deutschland über die französisch-
saarländische Grenze. Nach Aussage der Bundespolizei sei es dabei nach gegenwärtiger
Gesetzes- und Verordnungslage nicht möglich, Personen – auch im Falle eines
möglichen Einreise- und Aufenthaltsverbots – gegebenenfalls zurückzuweisen,
da es an der deutsch-französischen Grenze derzeit keine vorübergehend
wiedereingeführten Grenzkontrollen gebe. Zurückweisungen seien aber nur dort
möglich, wo die Bundespolizei die Befugnis zu Grenzkontrollen habe (www.
faz.net/aktuell/politik/inland/abgeschobene-asylsuchende-koennen-wieder-nach-
deutschland-einreisen-15694181.html?GEPC=s2).
1. Wie viele Stellen gibt es bei der Bundespolizei im Saarland aktuell, und wie
hoch ist aktuell der Auffüllungsgrad der auf dem Gebiet des Saarlandes
dislozierten Dienststellen der Bundespolizei (bitte auch nach Dienststellen
aufschlüsseln)?
Vorbemerkung zur Antwort zu Frage 1
Die im Stellenhaushalt der Bundespolizei ausgebrachten Planstellen und Stellen
werden mit dem Organisations- und Dienstpostenplan der Bundespolizei in die
konkrete Organisation umgesetzt, indem für die jeweiligen Dienststellen
Dienstposten für Beamtinnen und Beamte sowie für Tarifbeschäftigte eingerichtet
werden. Eine entsprechende Zuweisung der im Stellenhaushalt ausgebrachten
Planstellen und Stellen erfolgt hingegen nicht. Für die Beantwortung der Frage
werden daher die eingerichteten Dienstposten zugrunde gelegt.
Die Angaben zur Beantwortung der Frage lassen Rückschlüsse auf
polizeifachliche und einsatztaktische Bewertungen sowie auf Einsatzschwerpunkte zu. Eine
Veröffentlichung dieser Angaben kann daher die Aufgabenwahrnehmung der
Bundespolizei zukünftig nachhaltig negativ beeinflussen. Deswegen wird die
Antwort mit dem Geheimhaltungsgrad „VS – Nur für den Dienstgebrauch“
gemäß § 3 Nummer 4 der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift des
Bundesministeriums des Innern zum materiellen und organisatorischen Schutz von
Verschlusssachen eingestuft und als gesonderte Anlage übermittelt, die nicht zur
Veröffentlichung bestimmt ist.*
2. Wie viele unbesetzte Dienstposten bei der Bundespolizei im Saarland sollen
in den kommenden Jahren besetzt und welche sollen dauerhaft aus dem
Saarland verlagert werden?
Grundsätzlich ist eine Besetzung aller vakanten Dienstposten der im Saarland
gelegenen Dienststelle und Dienststellenteile der Bundespolizei vorgesehen. Dabei
ist beabsichtigt, im Jahr 2019 rund 32 der derzeit vakanten Dienstposten zu
besetzen.
Eine Verlagerung unbesetzter Dienstposten aus der im Saarland gelegenen
Dienststelle und den im Saarland gelegenen Dienststellenteilen der Bundespolizei
in eine in einem anderen Land gelegene Dienststelle oder in einen in einem
anderen Land gelegenen Dienststellenteil der Bundespolizei ist nicht vorgesehen.
3. Wie ist die konkrete Altersstruktur in den auf dem Gebiet des Saarlandes
dislozierten Dienststellen der Bundespolizei?
Die Angaben zur Beantwortung der Frage lassen Rückschlüsse auf
polizeifachliche und einsatztaktische Bewertungen sowie auf Einsatzschwerpunkte zu. Eine
Veröffentlichung dieser Angaben kann daher die Aufgabenwahrnehmung der
Bundespolizei zukünftig nachhaltig negativ beeinflussen. Deswegen wird die
Antwort mit dem Geheimhaltungsgrad „VS – Nur für den Dienstgebrauch“
gemäß § 3 Nummer 4 der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift des
Bundesministeriums des Innern zum materiellen und organisatorischen Schutz von
Verschlusssachen eingestuft und als gesonderte Anlage übermittelt, die nicht zur
Veröffentlichung bestimmt ist.*
4. Wie hoch ist das Überstundenaufkommen seit Januar 2017 in den auf dem
Gebiet des Saarlandes dislozierten Dienststellen der Bundespolizei?
Das Überstundenaufkommen seit Januar 2017 stellt sich wie folgt dar:
31. Dezember 2016: 28 115 Stunden;
31. Dezember 2017: 26 659 Stunden;
31. Juli 2018: 20 334 Stunden.
* Das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat hat die Antwort als „VS – Nur für den Dienstgebrauch“ eingestuft.
Die Antwort ist im Parlamentssekretariat des Deutschen Bundestages hinterlegt und kann dort von Berechtigten eingesehen werden.
5. Aus welchem Grund war das Bundespolizeirevier Perl in der Vergangenheit
nicht durchgängig besetzt (vgl. Bundestagsdrucksache 18/13555)?
Auch wenn alle Bundespolizeireviere grundsätzlich an allen Tagen der Woche
rund um die Uhr besetzt sind, kann die aktuelle Lageentwicklung eine temporäre
Verschiebung von Kräften erfordern. Eine temporäre Nichtbesetzung eines
Bundespolizeireviers bedeutet jedoch nicht, dass die Bundespolizei in der
entsprechenden Region nicht präsent ist; auch im örtlichen Zuständigkeitsbereich des
Bundespolizeireviers Perl hat die Bundespolizei die Wahrnehmung ihrer
gesetzlichen Aufgaben jederzeit gewähreistet.
6. Inwieweit wurden und werden derzeit an der saarländischen Grenze
Grenzkontrollen mittels Hubschrauber durchgeführt, und was waren nach Kenntnis
der Bundesregierung die Erfahrungen von derartigen
Hubschraubereinsätzen?
Im Rahmen der Binnengrenzfahndung unterhalb der Schwelle von
vorübergehend wiedereingeführten Binnengrenzkontrollen führte die Bundespolizei am
18. Oktober 2017 und am 11. März 2018 entlang der deutsch-französischen
Landgrenze Schwerpunktfahndungsmaßnahmen, insbesondere zur Verhinderung der
unerlaubten Einreise, durch. In diesem Rahmen kamen auch Polizeihubschrauber
zum Einsatz. Aus polizeilicher Sicht haben sich diese Einsatzmaßnahmen
bewährt.
7. Wie viele unberechtigte Einreisen nach Deutschland konnten durch den
Einsatz von Hubschraubergrenzkontrollen bisher festgestellt werden?
Statistiken, die eine Zuordnung der polizeilichen Feststellungen zu
polizeitaktischen Maßnahmen oder verwendeten Einsatzmitteln ermöglichen, werden nicht
geführt.
8. Inwieweit erwartet die Bundesregierung nach dem Plan von CDU und CSU,
die Grenze zwischen Bayern und Österreich stärker zu kontrollieren, eine
Verlagerung möglicher Einreisen über andere deutsche Außengrenzen, wie
beispielsweise die saarländische Grenze?
Die vorübergehenden Binnengrenzkontrollen an der deutsch-österreichischen
Grenze erfolgen seit dem 13. September 2015. Die für den Grenzschutz
zuständige Bundespolizei beobachtet die Migrationslage fortlaufend und passt ihre
Einsatzmaßnahmen und den Kräfteansatz bedarfsorientiert an die Lageentwicklung
an.
9. Inwieweit wurde und wird Bundespolizei im Zuge des Kompromisses
zwischen CDU und CSU und der damit einhergehenden vorübergehenden
Wiedereinführung von Grenzkontrollen vom Saarland nach Bayern verlagert?
Die vorübergehenden Grenzkontrollen an der deutsch-österreichischen Grenze
erfolgen seit dem 13. September 2015. Die Bundesregierung hat Kenntnis von
einer Vereinbarung der CDU und CSU, die sich thematisch darauf bezieht, aber
keine Auswirkung auf das Kräftemanagement der Bundespolizei entfaltet.
10. Wie viele Personen sind über saarländische Grenzen 2017 und 2018 ohne
Berechtigung nach Deutschland eingereist?
Die vorhandenen statistischen Daten lassen keine Differenzierung darüber zu, wie
viele unerlaubte Einreisen über die deutsch-französische Grenze im Saarland
erfolgten. Durch die für das Saarland örtlich zuständige Bundespolizeiinspektion
Bexbach wurden im Jahr 2017 insgesamt 921 und im ersten Halbjahr 2018
insgesamt 382 unerlaubte Einreisen festgestellt.
11. Wie viele ausgewiesene Asylbewerber, die nach dem Aufenthaltsgesetz in
Deutschland keine Einreise- und Aufenthaltserlaubnis besitzen, sind über
saarländische Grenzen wieder nach Deutschland eingereist?
Statistische Daten im Sinne der Fragestellung werden nicht erhoben.
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