[Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Verkehr und digitale
Infrastruktur vom 24. September 2018 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Deutscher Bundestag Drucksache 19/4501
19. Wahlperiode 25.09.2018
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Matthias Gastel, Annalena Baerbock,
Stefan Gelbhaar, weiterer Abgeordneter und der Fraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
– Drucksache 19/4258 –
Fernverkehrsbahnhöfe und Fernverkehrshalte an deutschen Verkehrsflughäfen
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Die deutschen Verkehrsflughäfen werden zunehmend durch den
Schienenpersonenverkehr erschlossen. So sind beispielsweise seit dem Jahr 2000 die
Flughäfen Hamburg und Dresden mit S-Bahn-Stationen an das
Schienenverkehrsnetz angebunden worden. Zugleich sind auch mehrere deutsche Flughäfen an
den Schienenpersonenfernverkehr angebunden worden. Die vorliegende Kleine
Anfrage thematisiert die Entwicklung des Angebots und der Nachfrage nach
Leistungen des Schienenpersonenfernverkehrs an deutschen
Verkehrsflughäfen.
1. Wie hoch war an den nachfolgend genannten Flughäfen die
durchschnittliche Anzahl der werktäglichen Fernverkehrshalte bzw. -verbindungen im
ersten Jahr nach der Inbetriebnahme des zugehörigen Flughafenbahnhofs mit
Fernverkehrshalt (bitte zusätzlich das jeweilige Jahr der Inbetriebnahme
angeben), und wie viele Fernverkehrshalte bzw. -verbindungen gibt es an den
nachfolgend genannten Flughafenbahnhöfen aktuell pro Tag (bitte getrennt
nach ICE, InterCity und EuroCity angeben):
a) Frankfurt am Main Flughafen Fernbahnhof
b) Düsseldorf Flughafen
c) Leipzig/Halle Flughafen
d) Köln/Bonn Flughafen?
Nach Auskunft der Deutsche Bahn AG (DB AG) haben sich die werktäglichen
Fernverkehrshalte bzw. -verbindungen wie folgt entwickelt:
a) Frankfurt am Main Flughafen Fernbahnhof
1999: 28 ICE, 28 IC, 24 EC = insgesamt 80 Abfahrten/Werktag
2018: 161 ICE, 16 IC = insgesamt 177 Abfahrten/Werktag
b) Düsseldorf Flughafen
2000: 20 ICE, 23 IC, 8 EC = insgesamt 51 Abfahrten/Werktag
2018: 32 ICE, 5 IC = insgesamt 37 Abfahrten/Werktag
c) Leipzig/Halle Flughafen
2002: 34 IC-Abfahrten/Werktag
2018: 16 IC-Abfahrten/Werktag
d) Köln/Bonn Flughafen
2004: 16 ICE-Abfahrten/Werktag
2018: 13 ICE-Abfahrten/Werktag
2. An welchen Flughafenbahnhöfen gab es früher Fernverkehrshalte der
Deutschen Bahn, die heute nicht mehr angeboten werden (bitte die Anzahl der
damaligen Fernverkehrshalte pro Tag angeben)?
Nach Auskunft der DB AG gab es früher am folgenden Flughafenbahnhof
Fernverkehrshalte, die heute nicht mehr angeboten werden: In Berlin-Schönefeld hatte
die EC-Linie 27 Berlin-Dresden-Prag bis zur Eröffnung des neuen Nord-Süd-
Fernbahntunnels am 28. Mai 2006 insgesamt 16 Halte pro Tag.
3. Gibt es Planungen der Deutschen Bahn AG, Verkehrsflughäfen neu an den
Schienenpersonenfernverkehr anzubinden?
Nach Auskunft der DB AG gibt Planungen folgende Verkehrsflughäfen neu an
den Schienenpersonenfernverkehr anzubinden:
Der Flughafen Berlin (BER) wird nach Eröffnung des Flughafens im Rahmen
der geplanten neuen zweistündlichen IC-Linie 17 Warnemünde/Rostock-
Berlin-Dresden neu angebunden.
Der Flughafen Stuttgart wird im Rahmen von Stuttgart 21/Wendlingen-Ulm
neu an das Fernverkehrsnetz angebunden.
4. Wie erklärt die Bundesregierung die Entwicklung der Fernverkehrshalte an
deutschen Flughäfen?
5. Wie erklärt die Deutsche Bahn AG die Entwicklung der Fernverkehrshalte
an deutschen Flughäfen?
Die Fragen 4 und 5 werden wegen des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Die in den Antworten zu den Fragen 1 bis 3 dargestellte Entwicklung der
Fernverkehrshalte an deutschen Flughäfen zeigt differenzierte Ausprägungen.
Das Angebot am Flughafen Frankfurt am Main Fernbahnhof ist ausgeweitet
worden. Dies lässt sich auf die starke Nachfrage zurückführen. Nach Auskunft der
DB AG reisen bspw. Lufthansakunden ab Frankfurt mit ihrem Flugticket per
Bahn statt mit dem Flugzeug von/zu über 10 deutschen Bahnhöfen. Dieses
Angebot wird kontinuierlich weiter ausgebaut. Bis Sommer 2019 soll das Angebot auf
20 deutsche Bahnhöfe ausgeweitet werden. Zudem ist der Fernbahnhof am
Frankfurter Flughafen wichtiger Umsteigebahnhof innerhalb des
Schienenpersonenfernverkehrs.
Reduzierungen und Stilllegungen von Fernverkehrshalten an deutschen
Flughäfen sind insbesondere auf schwache Nachfrage, Konflikte in der Trassierung der
Züge und die Umsetzung neuer Verkehrskonzepte zurückzuführen.
6. Sind Fernverkehrshalte der Schiene an Flughäfen nach Einschätzung der
Bundesregierung und der Deutschen Bahn AG geeignet, die Anzahl von
Inlands- bzw. Zubringerflügen zu reduzieren (bitte möglichst mit Zahlen
begründen)?
Die Frage, ob Fernverkehrshalte der Bahn an Flughäfen die Anzahl von
Inlandsbzw. Zubringerflügen reduzieren kann, kann aufgrund differenzierter
Gegebenheiten der Flughafenanbindung, der nationalen und internationalen
Luftverkehrsangebote und der Lage des Flughafens zum Innenstadtgebiet nicht pauschal
beantwortet werden.
Bei der Entscheidung über das Reisemittel achten Reisende neben dem Preis vor
allem auf die Reisezeit. Innerdeutsch Reisende bevorzugen schnelle
Verbindungen zwischen Innenstädten und nutzen die Fernverkehrsbahnhöfe, da sie in diesen
Städten leben oder sehr gute Nahverkehrsverbindungen dorthin haben.
Zusätzliche Zwischenhalte an Flughäfen abseits der aufkommensstarken Innenstädte
würden dagegen nur von wenigen Reisenden genutzt werden und die Fahrzeit für die
Mehrheit der Reisenden zwischen den Innenstädten verschlechtern. Durch die
längere Reisezeit würde die Wettbewerbssituation zulasten der Bahn
verschlechtert werden.
Beispiel: Schnellfahrstrecke Berlin–München: Die DB AG geht davon aus, dass
sie zwischen Berlin und München in diesem Jahr ihren Marktanteil mit den
schnellen ICE von Innenstadt zu Innenstadt im ersten Jahr der Beschleunigung
der Verbindungen von 20 Prozent auf 40 Prozent verdoppeln wird. Im
kommenden Jahr will die DB AG mit der Ausweitung der Sprinterverkehre und einem
höheren Platzangebot den Marktanteil auf über 50 Prozent erhöhen.
Beispiel: Köln/Frankfurt (Main): Auf der Strecke zwischen Köln und
Frankfurt/Main ist die Bahn das schnellere Reisemittel. Daher gibt es keine direkten
Flüge auf dieser Strecke.
7. Wie sehen die Zusagen der Deutschen Bahn AG für die Anbindung des
Flughafens Stuttgart an das Netz des Schienenpersonenfernverkehrs genau aus
(vgl. Antwort der Bundesregierung auf die Mündliche Frage 31 des
Abgeordneten Matthias Gastel in der Fragestunde vom 17. Januar 2018,
Plenarprotokoll 19/6, S. 500 (B); bitte die genaue Anzahl der zugesagten
Fernverkehrshalte auf der Relation Stuttgart–München nennen)?
Nach Auskunft der DB AG hat der Vorstand in der Sitzung des DB-internen S21-
Lenkungskreises am 15. Januar 2018 den Auftrag erteilt, alle Möglichkeiten der
Fernverkehrsanbindung des Flughafenbahnhofs zu prüfen, um ein bestmögliches
Angebot zu gewährleisten. Detaillierte Aussagen zur konkreten Ausgestaltung
des Zugangebots können erfahrungsgemäß frühestens zwei Jahre vor der
Inbetriebnahme getroffen werden.
8. Von welchen Investitionskosten für die beiden geplanten Bahnhöfe am
Flughafen Stuttgart wird aktuell ausgegangen (bitte Kosten für die beiden
Bahnhöfe getrennt ausweisen)?
Im Hinblick auf noch nicht abgeschlossene Vergabeverfahren in den
Planfeststellungsabschnitten 1.3a und 1.3b können dazu nach derzeit keine Angaben gemacht
werden.
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