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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet

Insektensterben und Maßnahmen zum Erhalt der Biodiversität

(insgesamt 18 Einzelfragen)

Fraktion

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Ressort

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit

Datum

30.04.2019

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 19/910305.04.2019

Insektensterben und Maßnahmen zum Erhalt der Biodiversität

der Abgeordneten Steffi Lemke, Harald Ebner, Lisa Badum, Annalena Baerbock, Dr. Bettina Hoffmann, Matthias Gastel, Sylvia Kotting-Uhl, Oliver Krischer, Christian Kühn (Tübingen), Dr. Ingrid Nestle, Dr. Julia Verlinden, Gerhard Zickenheiner und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Vorbemerkung

Mit der Krefelder Studie von 2017 (http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0185809) rückte das Insektensterben endgültig in den Fokus der Öffentlichkeit. Die dramatischen Zahlen von einem Biomasseverlust zwischen 1989 und 2014 bei Insekten von über 75 Prozent sind nur eine der alarmierenden Meldungen im Bereich Biodiversität. Ende Januar 2019 wurde dieser Trend global in einer Studie (https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0006320718313636) noch einmal bestätigt. Wenn der aktuelle Rückgang den Insektenbiomasse von 2,5 Prozent der Insekten jährlich weiter anhält, könnten Insekten in 100 Jahren ausgestorben sein. Auch in anderen Taxa sehen wir erhebliche Verluste: 35 Prozent aller Feldlerchen, 80 Prozent aller Kiebitze und 84 Prozent aller Rebhühner in Deutschland sind allein im Zeitraum 1990 bis 2013 verschwunden. Drei von vier heimischen Vogelarten gelten mittlerweile als gefährdet. 35 Prozent der Ackerwildkräuter und 39 Wildbienenarten sind ausgestorben. Zwei Drittel der deutschen Biotoptypen sind gefährdet. Dabei kann unsere Natur nur als intaktes System mit all seinen Bestandteilen funktionieren. Verlieren wir Insekten, leiden Bestäubung und die Bodenfruchtbarkeit, viele Vögel finden keine Nahrung mehr. Doch auch der Mensch ist auf eine gesunde und intakte Natur angewiesen.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen18

1

Wie ist laut Kenntnis der Bundesregierung der allgemeine langfristige Trend für alle bislang in den Roten Listen erfassten Insekten? Wie viele Arten haben langfristig einen rückläufigen Trend (bitte in Prozent und nach Artenzahl angeben)?

2

Wie ist laut Kenntnis der Bundesregierung der allgemeine kurzfristige Trend für alle bislang in den Roten Listen erfassten Insekten? Wie viele Arten haben kurzfristig einen rückläufigen Trend (bitte in Prozent und nach Artenzahl angeben)?

3

Welche überdurchschnittlichen Trends (lang- und kurzfristig) mit Blick auf ihre Rückläufigkeit bei einzelnen Arten sind der Bundesregierung bekannt (bitte Art und Trend aufführen)? Welche Insektenarten sind von extremen negativen Bestandstrends besonders betroffen? In welchen Lebensräumen sind Insektengruppen besonders betroffen (bitte nach Lebensraum aufschlüsseln)?

4

Welche positiven Entwicklungstrends der Population sind der Bundesregierung bei Insektenarten und -beständen bekannt, und wie hoch beziffert sie diese?

5

Welche Kenntnisse liegen der Bundesregierung über den Rückgang der Bestäuberinsekten, insbesondere der Wildbienen und Hummeln vor (bitte in absoluten Zahlen und Prozenten der Arten in den Kategorien der Roten Liste angeben), und wie bewertet sie die Auswirkungen?

6

Wie ordnet die Bundesregierung den Rückgang von Insektenarten und -beständen in Deutschland im europäischen und internationalen Vergleich ein?

7

Wie bewertet die Bundesregierung die im Januar bekannt gewordene Studie zum weltweiten Insektenrückgang von F. Sanchez-Bayo und K. Wyckhuys „Worldwide decline of the entomofauna: A review of its drivers“ in Biological Conservation (2019 Vol. 232 Seite 8 – 27), und welche Konsequenzen zieht sie daraus?

8

Wie bewertet die Bundesregierung das mit 1,8 Millionen Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern erfolgreichste Volksbegehren der bayerischen Geschichte, „Rettet die Biene“, und welche Konsequenzen zieht sie daraus?

a) Welche Konsequenzen zieht die Bundesregierung aus dem großen Zuspruch für das Volksbegehren?

b) Hält die Bundesregierung die im Volksbegehren gelisteten Maßnahmen für geeignet um das Insektensterben einzudämmen (z. B. die deutliche Erhöhung des Anteils ökologischen Landbaus, die Vermeidung der Umwandlung von Dauergrünlandflächen, die gartenbauliche Nutzung von Gewässerrandstreifen, die Setzung der biologischen Vielfalt als vorrangiges Ziel des Staatswaldes)? Falls ja, welche dieser Maßnahmen will die Bundesregierung in dieser Legislaturperiode in welcher Form von Bundesebene aus angehen und fördern? Falls nein, warum nicht?

9

Wie hoch beurteilt die Bundesregierung die ökonomischen Risiken, die durch eine Abnahme der Bestäuberleistungen von Insekten folgen würde? Welche Daten liegen der Bundesregierung hierzu vor?

10

Welche zentralen Ursachen gibt es laut Bundesregierung für den Insektenrückgang (bitte nach Relevanz für den Insektenschwund auflisten und gewichten)?

11

Welche wissenschaftlichen Erkenntnisse sind der Bundesregierung bekannt hinsichtlich der Bedeutung von Wildbestäubern für den Erhalt der biologischen Vielfalt?

12

Welche Planungen bestehen von der Bundesregierung zum bundesweiten Insektenmonitoring (Zeitplan, finanzielle Unterlegung im Bundeshaushalt, konkrete Umsetzung, erste Ergebnisse, Einbindung der Länder und bestehender Monitoringprojekte)?

13

Welche Forschungs- und Umsetzungsprojekte zum Insektenrückgang und welche Forschungs- und Umsetzungsprojekte zum Erhalt von Insektenlebensräumen fördern das Ministerium für Umweltschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) und das Bundesamt für Naturschutz (BfN)?

14

Wie plant die Bundesregierung das „Aktionsprogramm Insektenschutz der Bundesregierung“ mit der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt zu verknüpfen? Welche Verbindungen bestehen?

15

Wie ist der Zeitplan der Bundesregierung von den Maßnahmenvorschlägen zum „Aktionsprogramm Insektenschutz der Bundesregierung“ mit konkreten Schritten zur Umsetzung, untersetzt mit quantitativen und qualitativen Zielen und Zeithorizonten zu kommen (bitte insgesamt und nach den im Eckpunktepapier genannten Handlungsbereichen aufschlüsseln)?

16

Bis wann geht die Bundesregierung davon aus, dass die im Eckpunktepapier formulierten Ziele erreicht werden (bitte insgesamt und nach den im Eckpunktepapier genannten Handlungsbereichen aufschlüsseln)?

17

Plant die Bundesregierung, die in der nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt festgeschriebenen Ziele in Bezug auf Insekten bis 2020 zu erreichen? Wenn nein, bei welchen Zielen geht die Bundesregierung davon aus, dass sie nicht erreicht werden, und warum nicht?

18

Welche konkreten Ergebnisse hat der Runde Tisch zum Insektenschutz von der Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft Julia Kl��ckner mit Umweltverbänden am 14. Januar 2019 erbracht, und welche neuen Maßnahmen zum Insektenschutz hat die Bundesministerin im Rahmen dieses Treffens vorgeschlagen?

Berlin, den 19. März 2019

Katrin Göring-Eckardt, Dr. Anton Hofreiter und Fraktion

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