[Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und
nukleare Sicherheit vom 21. Juni 2019 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Deutscher Bundestag Drucksache 19/11077
19. Wahlperiode 25.06.2019
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Ulrich Oehme, Dietmar Friedhoff,
Markus Frohnmaier, Andreas Bleck und der Fraktion der AfD
– Drucksache 19/10538 –
Die globale Kunststoffrecyclingstrategie der Bundesregierung
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
In einer Reportage des Fernsehmagazins „Frontal21“ (
www.youtube.com/
watch?v=b0e4087RNxQ) wird von illegalen Mülldeponien in Malaysia
berichtet, auf denen sich auch europäischer und deutscher Müll befindet. Dies ist
darauf zurückzuführen, dass Malaysia neben Indonesien Hauptabnehmer für aus
Deutschland exportierten Müll in Nicht-EU-Länder ist, seitdem China im
letzten Jahr einen Importstopp für deutschen Müll erwirkt hat (
www.zeit.de/2018/52/
kunststoffabfaelle-plastikmuell-export-china-recycling). Ungeklärt ist dabei, wie
aus Deutschland exportierter, recycelbarer Müll auf den dortigen Deponien,
statt in einer Recyclinganlage landen konnte, für deren Aufbau sich Deutschland
seit der „Exportinitiative Umwelttechnologien“ 2016 einsetzt
(Bundestagsdrucksache 19/8173).
Daraus ergibt sich die grundsätzliche Frage, ob eine Zuführung von
recycelbarem Müll zu den eigenen Müllverarbeitungskapazitäten in ökonomischer und
ökologischer Hinsicht nicht zielführender ist als ein Export. Die
Bundesregierung steht damit aus Sicht der Fragesteller im Verdacht, die Kosten des
Spannungsverhältnisses zwischen Umwelt und Wirtschaft in den globalen Süden zu
verlagern.
Das Verhalten Chinas jedenfalls spricht aus Sicht der Fragesteller genau für
diese Auslagerung durch die Bundesregierung. Denn exportierter Müll gilt nach
Rechtslage einerseits als ungefährlich und die bloße Entsorgung in Drittländer
als verboten (
https://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/TXT/?uri=LEGISSUM:l11
022). Andererseits besteht dieser Müll jedoch zu großen Teilen aus Kunststoff
und ist damit schwer wiederaufzubereiten. Insbesondere Kunststoffgemische,
die oftmals als Verpackungen dienen, können aufgrund von deren
Materialvielfalt lediglich zu 12 Prozent stofflich verwertet werden (
www.sueddeutsche.
de/wirtschaft/muell-das-maerchen-vom-recycling-1.3500770). Im Gegensatz
dazu kann bei Glas beispielsweise eine Recyclingquote von über 85 Prozent
erreicht werden, auch Papier und Karton stellen mit ihren bis zu knapp 89 Prozent
keine Probleme dar, Kunststoff für sich genommen ist immerhin zu knapp
50 Prozent wiederzuverwerten (
www.umweltbundesamt.de/presse/presse
mitteilungen/verpackungsverbrauch-in-deutschland-weiterhin-sehr). Dabei
lohnt sich gerade hinsichtlich der als schwierig zu recycelnden Verpackungen
die Herstellung von leicht recycelbaren Aluminium- oder Glasverpackungen oft
nicht, weil die Herstellungskosten von Kunststoffverpackung mögliche
Alternativen weit unterbieten.
Die Kunststoffrecyclingquote, einschließlich der
Kunststoffverpackungsabfälle, wird damit durch den Export recycelbaren Mülls erreicht, denn dieser gilt
bereits durch den simplen Export als recycelt (
www.sueddeutsche.de/wissen/
muell-kreislauf-das-deutsche-recycling-maerchen-1.3491734). Durch den
Export in Drittländer entzieht sich die Bundesregierung, nach Ansicht der
Fragesteller, dieser Problematik. Dafür sprechen auch die Befunde der Gesellschaft
für Verpackungsmarktforschung. Demnach werden nur 50 Prozent der
Leichtverpackungen in Deutschland recycelt, der Rest wird entweder nicht im System
erfasst oder wie Restmüll behandelt (
www.kunststoffverpackungen.de/
show.php?ID=5739). Problematisch, wenn man bedenkt, dass
Plastikverpackungen in etwa zwei Drittel des gesamten, europäisch anfallenden Plastikmülls
ausmachen (
http://ec.europa.eu/environment/waste/studies/pdf/plastics.pdf;
S. 99 f.).
Eine weitere Art der Plastikentsorgung ist die Verbrennung, wobei hier
unterschieden werden muss zwischen einer energetischen Verwertung in
Recyclinganlagen und der Verbrennung für eigens dafür vorgesehene Anlagen. Im Jahr
2015 wurden von den 6,3 Millionen Tonnen produzierten Plastikmüll ca. 9
Prozent recycelt und 12 Prozent verbrannt, 79 Prozent landeten auf Deponien oder
in der Umwelt (
www.ciel.org/wp-content/uploads/2019/02/Plastic-and-Health-The-
Hidden-Costs-of-a-Plastic-Planet-February-2019.pdf; S. 7). Europaweit werden
39 Prozent der Kunststoffabfälle verbrannt, 31 Prozent deponiert und nur
ca. 30 Prozent zum Recyceln gesammelt (
www.europarl.europa.eu/news/de/
headlines/society/20181212STO21610/plastikmull-und-recycling-in-der-
euzahlen-und-fakten), wobei auch davon letztlich wieder ein Teil (44 Prozent)
verbrannt wird (
http://ec.europa.eu/environment/waste/studies/pdf/plastics.pdf;
S. 99 f.).
Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist zum einen, dass bei der
energetischen und thermischen Verwertung der behandelte Kunststoffabfall oft nur zu
55 Prozent in Energie oder Wärme umgewandelt wird und der Rest als giftige
Emissionen, Schlacken und Salze zurückbleibt (
www.nabu.de/umwelt-
undressourcen/abfall-und-recycling/verbrennung/21106.html) und sich die
verursachten erheblichen Emissionswerte (
www.ciel.org/wp-content/uploads/
2019/02/Plastic-and-Health-The-Hidden-Costs-of-a-Plastic-Planet-February-2019.pdf;
S. 44) kaum mit den Klimazielen der Bundesregierung vereinbaren lassen
(
www.bundesregierung.de/breg-de/themen/energiewende/co2-
kohlenstoffdioxidoder-kohlendioxid-emission-614692). Zum anderen benötigt und produziert
die Bundesrepublik Deutschland europaweit am meisten Kunststoffmüll
(
http://ec.europa.eu/environment/waste/studies/pdf/plastics.pdf; S 34 f.),
leistet sich gleichzeitigt eine intransparente Berechnung der Recyclingquote
(
www.fr.de/wirtschaft/trickserei-beim-recycling-10952501.html) und setzt sich
darüber hinaus für eine internationale Erhöhung eben dieser Quote ein (www.
bundesregierung.de/breg-de/suche/weniger-plastik-mehr-recycling-1554450;
94/62/EG). Zwar legte sich die Bundesregierung mit dem Fünf-Punkte-Plan
eine Strategie zurecht, um das Recycling von Plastik und umweltfreundlichere
Verpackungsmaterialien stärker zu fördern (
www.bundesregierung.de/breg-de/
aktuelles/weniger-plastik-mehr-recycling-1554450). Die bisherigen
Implikationen auf die Annahmeländer deutschen Mülls werden aber aus Sicht der
Fragesteller zu wenig berücksichtigt.
Um im Folgenden die Weiterverarbeitung und den Verbleib bestimmter
Müllarten zu erfragen, wird erbeten sich auf das Europäische Abfallverzeichnis
(EAV) zu beziehen, welches seit 2002 gemäß der Abfallverzeichnisverordnung
(AVV) die Grundlage der Abfallarten darstellt.
1. Unter welchen Voraussetzungen wird nach Kenntnis der Bundesregierung in
Deutschland Müll verbrannt?
a) Welche spezifischen Unterschiede in den Vorschriften der
Kunststoffverbrennung und der Verbrennung anderer Materialien bestehen nach
Kenntnis der Bundesregierung (bitte die der Verordnungen nennen)?
Die Fragen 1 und 1a werden gemeinsam beantwortet.
Die Verbrennung von Abfällen ist in Deutschland durch die 17. Verordnung zur
Durchführung des Bundesimmissionsschutzgesetzes (Verordnung zur
Verbrennung und Mitverbrennung von Abfällen – 17. BImSchV) geregelt; die
Anforderungen dieser Verordnung gelten grundsätzlich für alle Abfallarten. Spezielle
Anforderungen an die Verbrennung von Kunststoffabfällen existieren nicht.
b) Welche Eigenschaften des Stoffes, welche Gesetzeslage und welcher
Sachverhalt erschwert die Kunststoffverbrennung im Vergleich zu der
Verbrennung anderer Stoffe?
Der Bundesregierung liegen keine Informationen vor, dass die Verbrennung von
Kunststoffabfällen in Abfallverbrennungsanlagen zu technischen und
umweltseitigen Problemen führt. Etwaig im Kunststoff enthaltene Zusatzstoffe werden
entweder während des Behandlungsprozesses thermisch zerstört oder aber durch
aufwändige Abgasreinigungsanlagen abgeschieden und ausgeschleust bzw. fallen in
der Asche als inerte Stoffe an. Aus abfallrechtlicher Sicht ist in Anwendung der
Abfallhierarchie die energetische Verwertung von Kunststoffen dem Recycling
unter Beachtung der Anforderungen von § 6 Absatz 3 Satz 1 bis 3 des
Kreislaufwirtschaftsgesetzes (KrWG) nachrangig.
c) Wie entwickelte sich nach Kenntnis der Bundesregierung in den letzten
zehn Jahren die Abfallverbrennung und energetische Verwertung von
Kunststoffabfällen mengenanteilig im Vergleich zu anderen Abfällen in
Deutschland?
d) Wie groß ist nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil einerseits des
in Deutschland verbrannten Kunststoffmülls und andererseits des
energetisch verwerteten Kunststoffmülls an der Gesamtmenge pro Jahr (bitte für
die letzten zehn Jahre aufschlüsseln)?
Die Fragen 1c und 1d werden zusammen beantwortet.
Die Entwicklung der insgesamt in Deutschland energetisch verwerteten und
thermisch beseitigten Kunststoffabfallmengen kann Anlage 1 entnommen werden.
Dabei wird sichtbar, dass sich in den letzten zehn Jahren die thermische
Beseitigung von Kunststoffabfällen stetig verringert hat und im Jahr 2017 rd. 0,1 Prozent
(entspricht etwa 5 000 Tonnen) der insgesamt behandelten Kunststoffabfälle
(entspricht 7 811 400 Tonnen) ausmachte. Im gleichen Zeitraum hat sich die
energetisch verwertete Kunststoffabfallmenge von etwa 8,7 Prozent im Jahr 2008
(entspricht 543 000 Tonnen) auf bis zu 14,3 Prozent (1 113 500 Tonnen) im Jahr 2017
erhöht. Im Jahr 2017 wurden von den insgesamt 417 337 700 Tonnen Abfällen,
die in Deutschland in Abfallentsorgungsanlagen behandelt wurden, 11,9 Prozent
(49 644 400 Tonnen) energetisch verwertet und rd. 0,1 Prozent (3 448 700
Tonnen) thermisch beseitigt.
e) In Bezug auf die produzierte Energiemenge der energetischen
Verwertung unterstützt die Bundesregierung inwiefern die Aussage, dass sich die
energetische Verwertung von Kunststoffabfällen lohnt (bitte produzierte
Energiemenge einer energetischen Abfallverwertungsanlage empirisch
im Vergleich zu anderen Energiekraftwerken wie Wind- und
Atomenergie begründen)?
Der Bundesregierung liegen keine Informationen zu den produzierten
Energiemengen aus der energetischen Verwertung von Kunststoffabfällen vor, weshalb
ein Vergleich mit anderen Bereichen der Energiebereitstellung nicht möglich ist.
2. Wie definiert die Bundesregierung Leichtverpackungen und wie
Kunststoffverpackungen?
Der Begriff Verpackungen ist in § 3 Absatz 1 des Verpackungsgesetzes definiert
(
www.gesetze-im-internet.de/verpackg/__3.html). Die Begriffe
Leichtverpackungen und Kunststoffverpackungen sind nicht gesetzlich definiert. Als
Leichtverpackungen werden allgemein die Verpackungsabfälle bezeichnet, die von
dualen Systemen in der Regel in gelben Tonnen oder gelben Säcken getrennt erfasst
werden; dies sind im Wesentlichen Kunststoff-, Metall- und
Verbundverpackungen. Kunststoffverpackungen sind Verpackungen aus Kunststoff.
a) Warum wird nur ein geringerer Teil der Leichtverpackungen in
Deutschland recycelt (bitte begründen)?
Das trifft nicht zu. Der überwiegende Teil der Leichtverpackungen in
Deutschland wird recycelt.
b) Was passiert mit den laut der Gesellschaft für
Verpackungsmarktforschung mbH 34 Prozent der Leichtverpackungen (
www.presseportal.de/
pm/22521/1502276), die nicht im System erfasst werden (bitte begründen)?
Der Frage liegt offenbar ein Missverständnis zugrunde. Bei dem in Bezug
genommenen Medienbeitrag – in dem sich im Übrigen die in der Fragestellung genannte
Zahl nicht auffinden lässt – geht es nicht um Verpackungsabfälle, die von dualen
Systemen nicht erfasst werden. Es geht vielmehr um Verpackungen, die von
dualen Systemen erfasst und recycelt wurden, deren Hersteller jedoch nicht zur
Finanzierung der dualen Systeme beigetragen haben. Dem begegnet das
Verpackungsgesetz mit der Verbesserung der Überwachungsmöglichkeiten.
3. Was darf in Deutschland als „Recyceln von Kunststoff“ bezeichnet werden
(bitte die innerhalb der Verwendung der Begrifflichkeit „Recycling“
gebräuchlichen weiteren Verarbeitungsformen und den dazugehörigen
prozentualen Anteil am Gesamtrecycling in Deutschland, sowie die gesetzliche
Grundlage nennen)?
Um ein Recyceln von Kunststoffabfällen handelt es sich nur, wenn das jeweilige
Verfahren die geltende Recyclingdefinition erfüllt.
Nach § 3 Absatz 25 KrWG ist das Recycling im Sinne des
Kreislaufwirtschaftsgesetzes „jedes Verwertungsverfahren, durch das Abfälle zu Erzeugnissen,
Materialien oder Stoffen entweder für den ursprünglichen Zweck oder für andere
Zwecke aufbereitet werden; es schließt die Aufbereitung organischer Materialien
ein, nicht aber die energetische Verwertung und die Aufbereitung zu Materialien,
die für die Verwendung als Brennstoff oder zur Verfüllung bestimmt sind.“ Diese
Definition entspricht der EU-rechtlich verbindlichen Definition, die in Artikel 3
Nummer 17 der EU-Abfallrahmenrichtlinie festgelegt ist.
a) Welche Kunststoffabfallarten dürfen in Deutschland recycelt werden, und
zu welchem Anteil geschieht das (bitte die einzelnen Arten nach EAV-
Schlüssel und den dazugehörigen Anteil an der Gesamtmenge einerseits
des produzierten Stoffs innerhalb Deutschlands und andererseits der
Gesamtmenge des recycelten Kunststoffs innerhalb Deutschlands nennen)?
Das KrWG regelt den Umgang mit Abfällen, hierbei soll die Abfallhierarchie (§ 6
KrWG) zur Anwendung kommen. Unter den Verwertungsverfahren ist dem
Recycling der Vorrang vor der energetischen Verwertung zu geben. Die Beseitigung
ist die letzte Option, wenn keine der Verwertungsoptionen möglich ist. Gründe,
die gegen ein Recycling sprechen können, sind bestimmte
Gefährlichkeitsmerkmale bei Abfällen. Für gefährliche Abfälle existieren spezielle Entsorgungswege
und -verfahren. Diese gewährleisten eine sichere und umweltverträgliche
Zerstörung der darin enthaltenen Schadstoffe. Je nach Abfallart können unterschiedliche
Entsorgungsverfahren zum Einsatz kommen oder es sind besondere Regelungen
oder Rechtsvorschriften wie z. B. die EG-Verordnung Nr. 850/2004 über
persistente organische Schadstoffe zu beachten. In den Ländern, in denen eine
Andienungs- und Überlassungspflicht für gefährliche Abfälle besteht, muss der Abfall
erzeugende Betrieb seine Behörde über Art, Menge und Zusammensetzung des
Abfalls sowie über die vorgesehene Entsorgungsanlage informieren. Die Behörde
weist den Abfall dann einer geeigneten Anlage zu.
Eine detaillierte Aufschlüsselung der recycelten Kunststoffabfälle nach
Abfallschlüsselnummern liegt der Bundesregierung nicht vor.
b) Wie viel des in Deutschland entsorgten Abfalls wird nach Kenntnis der
Bundesregierung recycelt (bitte nach EAV-Schlüssel für die letzten zehn
Jahre aufschlüsseln)?
Eine detaillierte Aufschlüsselung der recycelten Kunststoffabfälle nach
Abfallschlüsselnummern liegt der Bundesregierung nicht vor. Tabelle 1 zeigt die auf
Basis einer Studienreihe* berechneten Recyclingraten der gesamten
Kunststoffabfälle zwischen den Jahren 2007 und 2017. Die Daten liegen zweijährlich vor.
Tabelle 1: Recyclingraten der gesamten Kunststoffabfälle zwischen 2007 und
2017
Recyclingrate
(in Prozent)
2007 44,7
2009 41,8
2011 43,1
2013 41,8
2015 46,2
2017 46,7
* Consultic Marketing & Industrieberatung GmbH, Alzenau (für 1994 – 2015); Conversio Market & Strategy GmbH, Mainaschaff (für
2017)
c) Welche Eigenschaften müssen laut Bundesregierung Kunststoffgranulat
und Rezyklat aufweisen, um dem Kreislauf wieder zugeführt werden zu
können (bitte alle Eigenschaften nennen)?
Die Bundesregierung hat keine Vorgaben an die Qualität von Kunststoffgranulat
oder von Rezyklat erlassen.
d) Welcher Anteil des recycelten Plastiks wird nach Kenntnis der
Bundesregierung dem Kreislauf in Form von Granulat wieder zugeführt (bitte für
die letzten zehn Jahre nach Inputquote in Recyclingstationen für
Plastikmüll, Outputquote aus den Recyclinganlagen und dem Kreislauf wieder
zugeführten Anteil der Outputquote in von der Industrie wieder gekauften
Granulat o. a. Formen wieder in Umlauf gebrachten Stoffs unterschieden
nach der jeweiligen Art und Menge aufschlüsseln)?
Angaben zu aus Kunststoffabfällen zurückgewonnenen und in der
Kunststoffverarbeitung wieder eingesetzten Rezyklatmengen liegen der Bundesregierung
erstmalig für das Jahr 2017 vor. Eine Unterscheidung in einzelne Kunststoffsorten
oder Abfallschlüssel erfolgt dabei nicht.
Von den ca. 1,9 Millionen Tonnen Kunststoffrezyklaten, die im Jahr 2017 im
Zuge des werkstofflichen Recyclings in Deutschland hergestellt worden sind (aus
2,23 Millionen Tonnen Inputmenge an Kunststoffabfällen), verblieben nach
Bereinigung um Im- und Exportmengen ca. 1,76 Millionen Tonnen
Kunststoffrezyklate in Deutschland und wurden hier in der Kunststoffverarbeitung
eingesetzt. Der Rezyklatanteil an der insgesamt in Deutschland verarbeiteten
Kunststoffmenge beträgt somit 12,3 Prozent; der Anteil von Rezyklaten aus
Endverbraucherabfällen liegt bei 5,6 Prozent.
e) Unter welchen konkreten Voraussetzungen gilt Kunststoffabfall in
Deutschland als recycelt (bitte alle Eigenschaften und die
Verarbeitungsmethodik nennen, die der entsprechende Müll aufweisen bzw.
durchlaufen haben muss)?
Kunststoffabfälle gelten dann als recycelt, wenn im Rahmen des entsprechenden
Verfahrens die Definition des § 3 Absatz 25 KrWG erfüllt ist (siehe Antwort zu
Frage 3). Die wichtigsten Eigenschaften liegen in der Identifizier-, Sortier- und
Recyclingfähigkeit des jeweiligen Kunststoffes. Beim Recycling stellen
Schmelzverfahren, insbesondere Extrusionsverfahren, die wichtigsten Verfahren
dar. Hierbei werden die Kunststoffpolymere in ihrer Struktur beibehalten und aus
der jeweiligen Schmelze neue Produkte geformt. Diverse Verfahren des
chemischen Recyclings, welche die Polymerstruktur verändern und z. B.
thermochemisch oder lösungsmittelbasiert erfolgen können, befinden sich zurzeit in der
Entwicklung. Ein rohstoffliches Recycling („rohstoffliche Verwertung“) von
Kunststoffabfällen findet als Koksersatz im Hochofenprozess statt.
4. Zu welchem Anteil ist der von Deutschland in Nicht-EU-Länder exportierte
Müll recycelbar?
a) Richtet sich die Recycelbarkeit des Mülls nach den Maßstäben des
Empfängerlandes, nach den Maßstäben der Bundesregierung oder nach
anderen Richtlinien?
Wenn ja, welchen?
Die Fragen 4 und 4a werden gemeinsam beantwortet.
Die Recycelbarkeit ist nicht definiert. Rein technisch sind die meisten Abfallarten
recycelbar. Es hängt jedoch von den jeweiligen rechtlichen Vorgaben und den
technischen und wirtschaftlichen Bedingungen ab, ob und mit welcher Effizienz
ein Abfall recycelt wird. Angaben zur Recycelbarkeit von exportierten Abfällen
lassen sich daher statistisch nicht erfassen.
b) Aus welchen Gründen wird der exportierte Müll nicht in Deutschland
recycelt (bitte begründen)?
Exporte von Abfällen sind erlaubt, wenn diese nach europäischem Recht
(insbesondere Verordnung (EG) Nr. 1013/2006 über die Verbringung von Abfällen)
und nationalem Recht (Abfallverbringungsgesetz) zulässig sind. Die Gründe für
Exporte sind vielfältig und können u. a. darin bestehen, dass die Kapazitäten für
das Recycling im Inland nicht ausreichen, keine Absatzmöglichkeiten für die
erzeugten Rezyklate existieren oder wirtschaftliche Gründe vorliegen, z. B. wenn
für ungefährliche Abfälle, die als Sekundärrohstoffe auf Märkten gehandelt
werden, im Ausland höhere Preise gezahlt werden.
5. Wie groß ist bzw. war nach Kenntnis der Bundesregierung die in der EU
produzierte Menge der existierenden 20 Abfallarten nach der „Verordnung
über das Europäische Abfallverzeichnis“ (bitte nach EAV-Schlüssel, Jahr
und Menge für die letzten zehn Jahre aufschlüsseln)?
Die in der EU bzw. in Deutschland erzeugten Mengen an Abfällen in den Jahren
2010 bis 2016 sind in den Anlagen 2 und 3 dargestellt; Daten für das Jahr 2018
liegen noch nicht vor. Die Daten sind nur zweijährlich und in den 35 Kategorien
der Ebene 2 der europäischen Abfallstatistikverordnung verfügbar.
6. Welche der existierenden 20 Abfallarten aus der EU werden nach Kenntnis
der Bundesregierung bevorzugt in Deutschland entsorgt (bitte die letzten
zehn Jahre nach EAV-Abfallschlüssel, Bundesland und Gesamtmenge und
Begründung zur jeweiligen Abfallart aufschlüsseln)?
Importe nach und Exporte aus Deutschland von Abfällen im Jahr 2016 sind in
Tabelle 2 dargestellt.
Tabelle 2: Nach Deutschland importierte und aus Deutschland exportierte Abfälle
im Jahr 2016 (in Tonnen)
Import Export
Nicht notifizierungspflichtige Abfälle 15.602.000 21.420.000
Notifizierungspflichtige Abfälle 6.488.000 2.883.000
Summe 22.090.000 24.303.000
Quelle: Umweltbundesamt
Unter Bezugnahme auf die Angaben in Anlage 3 wurden im Jahr 2016 ca. 6,1
Prozent der in Deutschland erzeugten Abfallmenge exportiert und ca. 5,5 Prozent der
in Deutschland erzeugten Abfallmenge importiert. Detailliertere Darstellungen
sind aufgrund schlechter Vergleichbarkeit kompliziert und aufwändig, weshalb
hier darauf verzichtet wird. Angaben zu den importierten und exportierten
Mengen an Abfällen sind verfügbar auf der Webseite des Umweltbundesamtes (siehe
www.umweltbundesamt.de/themen/abfall-ressourcen/grenzueberschreitende-abfall
verbringung/grenzueberschreitende-abfallstatistik).
7. Aus welchen Müllarten nach EAV-Abfallschlüssel setzte sich nach Kenntnis
der Bundesregierung in den letzten zehn Jahren der von Deutschland aus
exportierte Müll zusammen?
Informationen über Mengen von aus Deutschland exportierten Abfällen können
den Zeitreihen nach Abfallarten zu notifizierungspflichtigen Abfällen und nicht
notifizierungspflichtigen Abfällen auf der Webseite des Umweltbundeamtes
(siehe
www.umweltbundesamt.de/themen/abfall-ressourcen/
grenzueberschreitendeabfallverbringung/grenzueberschreitende-abfallstatistik) entnommen werden.
a) Zu welchen Anteilen handelte es sich bei dem exportierten Müll der
letzten zehn Jahre um Kunststoffmüll und um Restmüll?
Informationen zum Export von Abfällen aus Deutschland in den Jahren 2008 bis
2017 und den jeweiligen Anteilen von Kunststoffabfällen und von Restmüll
können der Anlage 4 entnommen werden.
b) Zu welchem Anteil, gemessen an der in Deutschland verbrauchten
Menge, wurde Verpackungsmüll in den letzten zehn Jahren von Deutschland
in Nicht-EU-Länder exportiert?
Wenn Verpackungsabfälle soweit behandelt wurden (z. B. durch Sortierung),
dass sie einem Eintrag nach Anhang III der Verordnung (EG) Nr. 1013/2006 über
die Verbringung von Abfällen entsprechen (z. B. Kunststoff (B3010), Glas
(B2020), Metall (B1010)), dürfen sie frei gehandelt werden, soweit keine
Beschränkungen in der Verordnung (EG) Nr. 1418/2007 für das jeweilige Land
festgelegt sind. Diese Abfälle sind dann als Verpackungen in der Statistik nicht mehr
erkennbar, weshalb hier keine näheren Angaben gemacht werden können.
Angaben zu exportierten Mengen sind lediglich verfügbar für unaufbereitete
Verpackungsabfälle, da diese beim Export notifizierungspflichtig sind. Diese Abfälle
wurden in den letzten zehn Jahren nur in einen Nicht-EU-Staaten exportiert, und
zwar in die Schweiz mit insgesamt ca. 15 000 Tonnen.
8. Welche der existierenden 20 Abfallarten werden nach Kenntnis der
Bundesregierung bevorzugt außerhalb Deutschlands entsorgt (bitte die letzten zehn
Jahre nach EAV-Abfallschlüssel, innerhalb der EU bzw. außerhalb der EU,
Land und Gesamtmenge und Begründung zur jeweiligen Abfallart
aufschlüsseln)?
Es wird auf die Antwort zu Frage 6 verwiesen.
a) Existiert nach Kenntnis der Bundesregierung in Empfängerländern
deutschen Mülls unter den genannten Nicht-EU-Ländern ein analoges System
zum EAV-Abfallschlüssel?
Für die Vertragsstaaten des Basler Übereinkommens gilt die
Abfallklassifizierung nach dem Basler Übereinkommen. Inwieweit dieses oder ein anderes
System national zur Anwendung kommt, ist der Bundesregierung nicht bekannt.
Inwieweit das Europäische Abfallverzeichnis in Nicht-EU-Staaten zur Anwendung
kommt, ist der Bundesregierung ebenfalls nicht bekannt.
b) Wenn ja, inwiefern stimmt die Menge des von Deutschland exportierten
Mülls mit der dort erfassten und weiterverarbeiteten Menge Müll überein
(bitte nach der deutschen Evaluation von Müll nach Art und Menge und
der Neuevaluation dieses Mülls in den jeweiligen Ländern nach Art und
Menge aufschlüsseln)?
Hierzu liegen der Bundesregierung keine Angaben vor.
c) Wie wird nach Kenntnis der Bundesregierung der im jeweiligen
Empfängerland neu evaluierte Müll entsprechend weiterverarbeitet (bitte nach
jeweiliger Müllart, gereiht nach Weiterverarbeitungsart, für die letzten zehn
Jahre, nach Land und Menge aufschlüsseln)?
Zu den Abfällen, die gemäß Basler Übereinkommen frei gehandelt werden
können, liefert die Außenhandelsstatistik keine entsprechenden Angaben. Die Menge
der Abfälle, die mit behördlicher Zustimmung in Nicht-OECD-Staaten
ausgeführt wurde, ist vernachlässigbar; detaillierte Angaben dazu können in der zur
Verfügung stehenden Zeit nicht zusammengestellt werden.
d) Wie unterstützt die Bundesregierung die Nicht-EU-Ländern bei der
Entsorgung oder dem Recyceln des importierten Mülls bzw. des eigenen
Abfalls, wenn dort keine Recyclingstrategien bestehen (bitte begründen)?
Die Bundesregierung fördert Maßnahmen der Entwicklungszusammenarbeit, die
die Entwicklung von Politiken, Strategien und rechtlichen Grundlagen für
integrierte Abfall- und Kreislaufwirtschaft auf nationaler und lokaler Ebene
unterstützen. Daneben unterstützt sie die Entwicklung organisatorischer und
personeller Kapazitäten zum Beispiel von Abfallbehörden in Gemeinden und
Regionalverwaltungen, damit diese die Abfallsammlung, -entsorgung und -verwertung
verbessern können. Auch die Recyclingindustrie wird bei der Verbesserung ihrer
Aktivitäten unterstützt. Die Bundesregierung legt dabei Wert auf die
Einbeziehung von Arbeiterinnen und Arbeitern des informellen Sektors. Der Umgang mit
im Land anfallenden Abfällen steht dabei im Vordergrund.
e) Existiert nach Kenntnis der Bundesregierung eine Infrastruktur in den
genannten Ländern, die sich mit der Entsorgung, Weiterverarbeitung und
Wiederverwertung des Abfalls befassen (bitte für die letzten zehn Jahre,
Land, Unternehmen, öffentlicher oder privater Träger und Gesamtmenge
des aus Deutschland exportierten Abfalls aufschlüsseln)?
Die bestehende Infrastruktur für Sammlung, Sortierung, Recycling, energetische
Verwertung, Schadstoffeliminierung und Deponierung unterscheidet sich stark
zwischen den Ländern sowie auch innerhalb der Länder nach Regionen sowie
städtischen und ländlichen Gebieten. Ziel der deutschen
Entwicklungszusammenarbeit ist es, den Ausbau entsprechender Infrastruktur zu unterstützen. Gemäß der
Weltbank-Publikation „What a waste“ von 2018 werden in Ländern mit
mittlerem-höherem BIP 6 Prozent der Abfälle in Recycling- oder
Kompostierungsanlagen verwertet, 10 Prozent in Verbrennungsanlagen behandelt, 54 Prozent auf
geordneten Deponien entsorgt und 30 Prozent ungeordnet entsorgt. In Ländern
mit mittlerem bis niedrigem Einkommen werden 16 Prozent der Abfälle
kompostiert oder recycelt. Nur minimale Anteile werden verbrannt, dafür werden 18
Prozent auf geordneten Deponien und 66 Prozent ungeordnet entsorgt. In
Niedrigeinkommensländern werden dagegen 93 Prozent ungeordnet entsorgt, 3 Prozent
geordnet und nur 4 Prozent kompostiert oder recycelt.
f) Welche anderen Staaten exportieren nach Kenntnis der Bundesregierung
ihren Abfall in die genannten Nicht-EU-Länder?
Darüber führt die Bundesregierung keine Aufzeichnungen. Für frei handelbare
Abfälle können Daten z. B. aus der Europäischen Außenhandelsstatistik
entnommen werden. Für notifizierungspflichtige Abfälle können Daten den dreijährigen
Berichten der Kommission nach Artikel 51 der Vollzugshilfe zur Verordnung
(EG) Nr. 1013/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 14. Juni
2006 über die Verbringung von Abfällen (VVA) (siehe
http://ec.europa.eu/
environment/waste/shipments/reports.htm) sowie den Berichten der Staaten
nach Artikel 13 des Basler Übereinkommens (siehe
www.basel.int/Countries/
NationalReporting/NationalReports/BC2017Reports/tabid/7749/Default.aspx)
entnommen werden. Die hier angesprochenen Daten sind dort in den Tabellen 4
und 5 enthalten.
g) Wie wirkt sich nach Kenntnis der Bundesregierung der Export von Müll
aus Deutschland finanziell auf Deutschland aus (bitte die Exportpreise seit
2015 für die jeweiligen Länder für den gesamten aus Deutschland
exportierten Müll, unterteilt nach Müllart, nennen)?
Der Bundesregierung liegen keine Kenntnisse zu den finanziellen Auswirkungen
auf Deutschland von Exporten von Abfällen aus Deutschland vor.
h) Wie entwickelte sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Gesundheit
der im Umkreis von Abfalldeponien lebenden Bevölkerung der
genannten Nicht-EU-Länder in den letzten zehn Jahren (bitte die
Dioxinkonzentration im Blut der ansässigen Bevölkerung über die letzten
zehn Jahre nennen)?
i) Wie entwickelte sich nach Kenntnis der Bundesregierung der Zustand des
Grundwassers der genannten Nicht-EU-Länder in den letzten zehn Jahren
(bitte nach der Menge des aus der EU importierten Mülls, dem Zielland,
sowie der Deponieregion und der dortigen Grundwasserqualität
aufschlüsseln)?
Die Fragen 8h und 8i werden gemeinsam beantwortet.
Offene Abfallverbrennung und Abfallablagerungen sowie unsachgemäße
Deponierung tragen zur Verschmutzung von Luft, Böden und Gewässern bei. Sie
gefährden damit auch die menschliche Gesundheit. Die spezifischen Auswirkungen
hängen vom jeweiligen Kontext ab, welcher sich zwischen den Ländern und auch
innerhalb der Länder stark unterscheidet. Aufgrund der Vielzahl an bestehenden
Deponien, oft nicht vorhandener Monitoring-Systeme für das Grundwasser in
deren Umgebung und fehlender Daten zu eventueller Deponierung importierten
Abfalls kann eine detaillierte Zuordnung zu Deponien und Mengen importierten
Abfalls nicht erfolgen.
j) Existieren nach Kenntnis der Bundesregierung Umweltschäden, die aus
dem Müllimport in die genannten Nicht-EU-Länder resultieren (bitte nach
Zeitraum oder Datum, Art des Schadens, Hauptfaktor für diesen
Umweltschaden und Kosten in Euro aufschlüsseln)?
k) Hat die Bundesregierung Kenntnis über weitere durch Abfallexporte aus
der EU entstandene Schäden in den genannten Nicht-EU-Ländern (bitte
nennen)?
Die Fragen 8j und 8k werden gemeinsam beantwortet.
Im Rahmen der Berichterstattung der Vertragsparteien des Basler
Übereinkommens werden Informationen zu Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit
und die Umwelt abgefragt. Angaben der Vertragsparteien dazu sind verfügbar auf
der Webseite des Basler Übereinkommens (siehe
www.basel.int/Countries/
NationalReporting/NationalReports/BC2017Reports/tabid/7749/Default.aspx).
Zudem ist der Bundesregierung bekannt, dass illegale Verbringungen von
Abfällen mit einer damit verbundenen nicht umweltgerechten Entsorgung zu Schäden
der menschlichen Gesundheit und der Umwelt führen können; entsprechende
Informationen finden sich in der Fachliteratur und in den Medien.
l) Welche Strategien zur Eindämmung und Behebung der sich aus dem
Müllexport aus der EU ergebenden Folgen in den betreffenden Nicht-EU-
Ländern hat die Bundesregierung?
Die Bundesregierung setzt bezüglich der Eindämmung und Behebung von evtl.
Folgen wie z. B. Schäden der menschlichen Gesundheit und der Umwelt auf die
Umsetzung des geltenden Rechts. Bezüglich der Eindämmung von evtl. Folgen
gelten insbesondere die Regelungen des Abfallverbringungsrechts, die u. a.
verpflichtende Kontrollen vorsehen. Bezüglich der Behebung von evtl. Folgen
können haftungsrechtliche Ansprüche bestehen.
Darüber hinaus unterstützt die Bundesregierung Partnerländer beim Auf- und
Ausbau von Systemen einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft. Dabei wird nicht
zwischen der Bewirtschaftung der im jeweiligen Land anfallenden Abfälle und
importierten Abfällen unterschieden. Neben der Finanzierung von Entsorgungs-
und Verwertungsanlagen stehen auch die Beratung zu rechtlichen,
organisatorischen und finanziellen Fragen im Fokus, beispielsweise zur Deckung operativer
Kosten von Anlagen und Dienstleistungen. Entsprechende Maßnahmen sehen
dabei insbesondere auch die Einbindung von Arbeiterinnen und Arbeitern sowie
Kleinunternehmen der informellen Abfallwirtschaft vor, um die Verbesserung
der dortigen oft mangelhaften Umwelt- und Arbeitsstandards zu fördern.
m) Wie viele Hektar urbares Land sind nach Kenntnisstand der
Bundesregierung bereits jetzt und für die nächsten zehn Jahre durch Mülldeponien
jeweils unbrauchbar geworden, und welchem prozentualen Anteil
entspricht das an der Gesamtfläche des jeweiligen Landes?
n) Welche finanziellen Mittel sind nach Kenntnis der Bundesregierung
nötig, um genannte, zukünftig durch Müll unbrauchbar gemachte
landwirtschaftliche Fläche wiederaufzubereiten (bitte nach Staat und benötigten
Geldmitteln aufschlüsseln)?
Die Fragen 8m und 8n werden gemeinsam beantwortet.
Hierzu liegen der Bundesregierung keine Informationen vor.
9. Wie wird die offizielle Recyclingquote berechnet, die die Bundesregierung
für die Evaluation der Durchsetzung des EU-Verpackungsgesetztes
verwendet?
Es gibt kein „EU-Verpackungsgesetz“. Nach der europäischen
Verpackungsrichtlinie berechnen die Mitgliedstaaten das Gewicht der in einem bestimmten
Kalenderjahr angefallenen und recycelten Verpackungsabfälle. Konkrete Einzelheiten
zum Verfahren enthalten die Verpackungsrichtlinie und ein hierzu ergangener
Durchführungsbeschluss (EU) 2019/665 der Kommission vom 17. April 2019.
Damit werden einheitliche Regelungen für die Mitgliedstaaten festgelegt.
a) Welche Quellen werden für die Erfassung der Quote herangezogen, und
welche Behörde oder Institution ist für die Berechnung zuständig?
Die europäische Verpackungsrichtlinie fordert von den Mitgliedstaaten
Mindestrecyclingquoten für Verpackungsabfälle. Die Quoten für Deutschland wurden
bisher regelmäßig im Auftrag des Umweltbundesamtes von der Gesellschaft für
Verpackungsmarktforschung (GVM) ermittelt. Die GVM nutzt eine Vielzahl von
Quellen, insbesondere amtliche Erhebungen der statistischen Ämter sowie
Marktdaten.
b) Hat die Bundesregierung Kenntnis von der Berechnung der
Recyclingquote in anderen EU-Ländern (wenn ja, bitte die Unterschiede in der
Berechnung zur in Deutschland verwendeten Quote benennen)?
Es wird auf die Ausführungen in der Antwort zu Frage 9 verwiesen. Die
Bundesregierung hat keine näheren Informationen darüber, wie die europarechtlichen
Vorgaben in anderen EU-Mitgliedstaaten umgesetzt werden.
c) Hat die Bundesregierung Kenntnis von der Berechnung der
Recyclingquote in anderen Nicht-EU-Ländern (wenn ja, bitte die Unterschiede in
der Berechnung zur in Deutschland verwendeten Quote benennen)?
Nein.
10. Gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung Fälle in den letzten zehn Jahren,
in denen Abfall von Deutschland aus illegal in Nicht-EU-Länder exportiert
wurde (wenn ja, bitte nach Jahr, Land, Art des Abfalls nach EAV-
Abfallschlüssel und Menge des illegal exportierten Abfalls aufschlüsseln)?
Informationen über aufgedeckte illegale Verbringungen können der Webseite des
Umweltbundesamtes entnommen werden (siehe
www.umweltbundesamt.de/
themen/abfall-ressourcen/grenzueberschreitende-abfallverbringung/
verfolgungder-illegalen-abfallverbringung).
a) Welche Standards, Normen und Bestimmungen existieren für den Export
von Abfall außerhalb der EU, und unter welchen Kriterien ist der
Müllexport rechtswidrig?
Für den Export von Abfällen gelten insbesondere die europäische Verordnung
(EG) Nr. 1013/2006 über die Verbringung von Abfällen und das
Abfallverbringungsgesetz. Die Verordnung (EG) Nr. 1013/2006 enthält u. a. auch Regelungen
zu illegalen Verbringungen (siehe Artikel 2 Nummer 35 und die Artikel 24 und
25).
b) Gab es in der Vergangenheit Fälle und gibt es laufende Verfahren gegen
Firmen, die des illegalen Müllexports angeklagt wurden (bitte nach
Datum, Verstoß und ggf. Abfallart nach EAV-Abfallschlüssel und Menge
des illegal exportierten Abfalls, Unternehmen, Gerichtsurteil bzw.
rechtlicher Konsequenz und Motivation der Unternehmen für die Tat
aufschlüsseln)?
Informationen zu Gerichtsurteilen wegen illegaler Abfallverbringung sind auf der
Webseite des Umweltbundesamtes verfügbar (siehe
www.umweltbundesamt.de/
themen/abfall-ressourcen/grenzueberschreitende-abfallverbringung/
verfolgungder-illegalen-abfallverbringung).
Die dabei nachgewiesenen illegal verbrachten Mengen an Abfall sind im
Vergleich zum Abfallaufkommen sehr gering. Im Jahr 2017 wurden 23 Geldstrafen
bis maximal 5 000 Euro verhängt sowie eine Haftstrafe unter sechs Monaten. Die
Daten zu den Vorjahren bewegen sich in der gleichen Größenordnung. Ein
herausragendes Urteil ist in den veröffentlichten Statistiken noch nicht enthalten, da
es erst im Jahr 2018 nach Abschluss der Revision rechtskräftig wurde; es wurden
zwei Personen zu Haftstrafen von drei bis vier Jahren verurteilt wegen der
gemeinsamen illegalen Ausfuhr von mindestens 400 Tonnen Quecksilberabfall in
Tateinheit mit illegalem Bewirtschaften von Abfällen und anderer Delikte.
11. Gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung Institutionen oder
Organisationen, die sicherstellen, dass der aus Deutschland importierte Müll fachgerecht
entsorgt oder recycelt wird?
Ja.
a) Wenn ja, welche sind diese Institutionen oder Organisationen, und wie
werden diese überwacht sowie durch welche staatlichen Mittel in den
letzten zehn Jahren finanziert (bitte nach Jahr, Institution oder Organisation,
Summe und Haushaltstitel aufschlüsseln)?
b) Wenn nein, warum sah bzw. sieht die Bundesregierung hier keinen Bedarf
für solche Institutionen oder Organisationen (bitte begründen)?
Die Überwachung der Einhaltung des bestehenden Abfallverbringungsrechts ist
Aufgabe der zuständigen Behörden der jeweils beteiligten Staaten. Für
Kontrollen zur Ermittlung von illegalen Verbringungen sind in Deutschland die
Bundesländer und ihre jeweiligen Behörden zuständig. Die Zollbehörden und das
Bundesamt für Güterverkehr – dies sind Bundesbehörden – wirken an Kontrollen in
Deutschland mit. Bei Verpackungsabfällen ist die Kontrolle von sogenannten
Mengenstromnachweisen, mit denen belegt wird, dass Verpackungsabfälle
tatsächlich recycelt werden, Aufgabe der neuen Zentralen Stelle
Verpackungsregister.
12. Wie setzt sich die Bundesregierung für eine bessere Müllverarbeitung im
Ausland ein (bitte Institution und jeweilig bereitgestellte Mittel nennen und
begründen)?
a) Welche konkreten, entwicklungsfördernden Maßnahmen unterstützte die
Bundesregierung aufgelistet nach Projekt, zuständiger Institution und
Höhe der Zuwendung in den letzten zehn Jahren?
Die Fragen 12 und 12a werden gemeinsam beantwortet.
Die Bundesregierung unterstützt durch staatliche bilaterale Maßnahmen
verschiedene Partnerländer im Bereich Abfall- und Kreislaufwirtschaft. Die staatliche
finanzielle Zusammenarbeit über die KfW Entwicklungsbank umfasst zwischen
den Jahren 2009 und 2019 Vorhaben in Albanien, Ägypten, Aserbaidschan,
Kosovo, Georgien, China, Chile, Indien, Indonesien, Vietnam, El Salvador, Ghana,
Uganda, Palästinensische Gebiete und Tunesien, die von der Bundesregierung mit
173,7 Mio. Euro gefördert wurden (siehe Anlage 5). Die staatliche technische
Zusammenarbeit umfasst zwischen den Jahren 2009 und 2019 Vorhaben mit für
Abfall- und Kreislaufwirtschaft anrechenbaren, von der Bundesregierung zur
Verfügung gestellten Mitteln in Höhe von rund 154 Mio. Euro. Partnerländer sind
dabei z. B. Algerien, Ägypten, Jordanien, Marokko, Tunesien, Ghana, China,
Thailand, Indonesien, Philippinen, Indien, Albanien, Kosovo, Moldau, Serbien,
Russland, Brasilien, Dominikanische Republik und Mexiko (siehe Anlage 6). Die
Projektlaufzeiten betragen dabei jeweils mehrere Jahre.
Die Bundesregierung setzt sich zudem durch multilaterale Zusammenarbeit, etwa
im Rahmen des Basler Übereinkommens, dafür ein, dass internationale
Regelungen und Leitlinien geschaffen oder weiterentwickelt werden, die zu einer
umweltgerechten Behandlung von Abfällen beitragen.
b) In welchem finanziellen Verhältnis steht dabei die außenpolitische
Entwicklungszusammenarbeit zum Thema Müll (bitte nach Bundesländern
und nach anderen Staaten, zur Verfügung gestellten Geldmitteln für die
letzten zehn Jahre nach Land, Geldmittel und Förderpunkt sowie
zukünftige noch geplanten Förderzeitraum aufschlüsseln)?
Die Bundesregierung misst dem Thema Abfall- und Kreislaufwirtschaft in der
Entwicklungszusammenarbeit eine steigende Bedeutung zu, unter anderem auch
angesichts globaler Herausforderungen wie Ressourceneffizienz, Klimaschutz,
Meeresmüllvermeidung und nachhaltiger Stadtentwicklung. Dies schlägt sich
auch in der Beauftragung einschlägiger Vorhaben nieder. Informationen nach
Bundesländern und anderen Ländern liegen der Bundesregierung nicht vor.
c) Inwiefern beteiligt sich die Bundesregierung im Ausland an Projekten,
welche die Ressource Müll zur Diversifizierung der Wirtschaft und
Schaffung von Arbeitsplätzen nutzen (bitte nach Verfahren, geförderten
Projekten, Laufzeit und Höhe der Förderung aufschlüsseln)?
Aus- und Fortbildung sowie Beschäftigungsförderung im Bereich der Abfall- und
Kreislaufwirtschaft sind Bestandteil verschiedener Vorhaben insbesondere der
technischen Zusammenarbeit. Ein Beispiel hierfür ist eine „Cash for Work“-
Maßnahme in Jordanien, welche Menschen in flüchtlingsaufnehmenden Gemeinden
und Flüchtlingscamps kurzfristige Beschäftigungsmöglichkeiten eröffnet und
auch strukturell die Sammlung, Sortierung und das Recycling von Wertstoffen
unterstützt. In anderen Projekten wie zum Beispiel in Algerien ist die Förderung
von Abfall-Wertschöpfungsketten inklusive der Schaffung von Jobs sowie die
beschäftigungsintensive Verbesserung der Abfallsammlung ein Fokus. Auch bei
Projekten in Ägypten, Marokko und Ghana liegt ein Fokus darauf.
13. Sind der Bundesrepublik Deutschland Informationen zur Förderung von
Recycling und Abfallverwertung von anderen Ländern im Ausland bekannt?
Wenn ja, von welchen Ländern?
a) Wie fördern diese Länder außenpolitisch die bessere Weiterverarbeitung
des Mülls, und in welchen Ländern (bitte die konkreten Projekte und
Länder nennen, in denen diese Projekte angesetzt sind)?
Die Fragen 13 und 13a werden gemeinsam beantwortet.
Verschiedene OECD-Länder unterstützen in ihrer Entwicklungszusammenarbeit
auch Maßnahmen im Bereich der Abfall- und Kreislaufwirtschaft. Nach Kenntnis
der Bundesregierung zählen dazu unter anderem Belgien, Dänemark, Frankreich,
Großbritannien, die Niederlande, Norwegen, Kanada, Schweden, die Schweiz,
Japan und die USA. Darüber hinaus sind auch die EU, internationale
Finanzinstitutionen wie die Weltbank sowie UN-Organisationen wie das Umweltprogramm
der Vereinten Nationen im Bereich Abfall- und Kreislaufwirtschaft tätig.
Aktuelle Daten zu den weltweit laufenden Projekten anderer Geber liegen der
Bundesregierung nicht vor.
b) Welchen finanziellen Betrag investieren diese Länder, nach Kenntnis der
Bundesregierung, in außenpolitische Projekte zur Förderung der
Umweltverschmutzung im Vergleich zu Deutschland (bitte nach Land,
Bruttoinlandsprodukt (BIP), exportierter Müllmenge und dem in die internationale
Förderung von Recycling investierten Anteil am jeweiligen BIP
auflisten)?
Hierzu liegen der Bundesregierung keine Informationen vor.
c) Sind der Bundesrepublik Deutschland konkrete Zielstellungen der Nicht-
EU-Länder bekannt, die bei der Förderung der Abfallverwertung und des
Recyclings im Ausland verfolgt werden?
Wenn ja, decken sie sich mit denen der Bundesregierung (bitte nach
Zielen und Vorsätzen der Bundesregierung und des jeweiligen anderen
aktiven Landes aufschlüsseln)?
Die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung dient als globaler Rahmen für die
internationale Entwicklungszusammenarbeit verschiedener Länder. Bezüglich
Abfall- und Kreislaufwirtschaft sind hierbei unter anderem die Ziele 11 zu
nachhaltiger Stadtentwicklung, 12 zu nachhaltigem Konsum und Produktion sowie 14
zu Meeresschutz direkt mit relevanten Indikatoren betroffen. Darüber hinaus
bestehen internationale Vorgaben und Leitlinien nach dem Basler Übereinkommen
sowie internationale Beschlüsse wie Aktionspläne zu Meeresmüll und Dialoge zu
Ressourceneffizienz im Rahmen der G7 und G20, Resolutionen zu
Abfallwirtschaft, Meeresmüll und Einwegkunststoffen der UN-Umweltversammlung, die
gemeinsame Ziele vorgeben.
14. Welche Schlüsse zieht die Bundesregierung aus dem Importstopp Chinas als
einem wirtschaftlich aufstrebenden Land für deutschen Müll Anfang 2018,
und sieht sie darin einen Indikator für Mängel im deutschen Müllsystem?
a) Welche Gründe lagen nach Kenntnis der Bundesregierung vor, dass China
den Müllimport seit 2017 von Deutschland aus stark einschränkte?
Die Fragen 14 und 14a werden gemeinsam beantwortet.
Nach Kenntnis der Bundesregierung hat China Importrestriktionen für Importe
aus allen Staaten (und nicht nur aus Deutschland) erlassen, um bessere nationale
Strukturen zur Sammlung und Entsorgung von in China anfallenden Abfällen zu
schaffen sowie um Importe von Abfällen zu verhindern, die in China nicht
umweltgerecht entsorgt werden. Die Bundesregierung sieht in den chinesischen
Importrestriktionen keinen Indikator für Mängel, sondern eine Chance, die
Recyclingkapazitäten in Deutschland und der EU auszubauen.
b) Wie begründet die Bundesregierung den Export von schwer recycelbarem
Abfall nach China bis in das Jahr 2018 (
www.spiegel.de/wissenschaft/
mensch/plastik-muell-china-leitet-weltweite-abfallstroeme-um-
a-1214074.html) im Hinblick auf die globalen Nachhaltigkeitsziele?
Nach Kenntnis der Bundesregierung können Exporte von schwer recycelbaren
Kunststoffabfällen nach China u. a. darin begründet gewesen sein, dass es in
Deutschland bzw. der EU keine ausreichenden Sortier- oder
Recyclingkapazitäten gab bzw. eine Verbrennung mit hohen Kosten verbunden gewesen wäre. Ob
diese Exporte dem geltenden Recht entsprachen oder illegal waren, wäre im
Einzelfall aufzuklären. Im Hinblick auf die globalen Nachhaltigkeitsziele hält die
Bundesregierung den Export von Kunststoffabfällen in Staaten, in denen keine
angemessene Infrastruktur für ein umweltgerechtes Recycling bestehen, für
bedenklich.
c) Inwiefern ist es für die außerhalb der EU liegenden Importländer
deutschen Mülls entwicklungsförderlich, deutsche Abfälle zu importieren
(bitte begründen)?
Ziel der deutschen Entwicklungszusammenarbeit ist die Unterstützung von
Partnerländern bei der Verbesserung ihrer Abfall- und Kreislaufwirtschaft. Dabei
steht der umwelt- und sozialverträgliche sowie wirtschaftliche Umgang mit im
Land anfallenden Abfällen im Vordergrund. Es bestehen keine Maßnahmen
seitens der Bundesregierung, die auf den Export von Abfall aus Deutschland in
andere Länder abzielen. Dabei gilt zu berücksichtigen, dass Abfälle nach
entsprechender Sortierung und Aufbereitung zu Sekundärrohstoffen werden, die
international gehandelt und für die Herstellung von Produkten eingesetzt werden
können. Unternehmen in einigen Schwellen- und Entwicklungsländern haben sich in
diesem Feld des Recyclings und der Produktion von Produkten mit
Sekundärrohstoffen ein profitables und Arbeitsplätze schaffendes Geschäftsfeld aufgebaut.
d) Gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung weitere Länder, die den
Import von deutschem Müll in den vergangenen Jahren, ähnlich wie China,
stark eingeschränkt oder gestoppt haben?
Wenn ja, mit welcher Begründung?
Nach Kenntnis der Bundesregierung haben, wie Presseberichten zu entnehmen
war, einige Staaten Importrestriktionen bezüglich Kunststoffabfällen erlassen
oder wollen dies tun, u. a. Indien, Malaysia und Thailand.
15. Welche Strategie hat die Bundesregierung zur Effizienzsteigerung des
Recyclings von Kunststoff im eigenen Land (bitte Ziele und Gründe erläutern)?
Die Bundesregierung fördert das Recycling mit dem Ziel, Stoffkreisläufe zu
schließen und somit ein hohes Maß an Ressourcen- und Energieeffizienz zu
erreichen. Hierzu wird eine Vielzahl von Instrumenten eingesetzt, insbesondere
rechtliche Regelungen wie das Kreislaufwirtschaftsgesetz, die
Gewerbeabfallverordnung und das Verpackungsgesetz. Weitere Maßnahmen hat das
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) am 26.
November 2018 in einem 5-Punkte-Plan für weniger Plastik und mehr Recycling
(
www.bmu.de/fileadmin/Daten_BMU/Download_PDF/Abfallwirtschaft/5_
punkte_plan_plastik_181123_bf.pdf) vorgestellt.
a) Wie erleichterte die Bundesregierung den Händlern, der Industrie und
dem Endverbraucher die Umsetzung des EU-Verpackungsgesetzes und
das Erreichen der besseren Recyclingquote für das Jahr 2019 von
58,5 Prozent und zukünftig 63 Prozent (
https://verpackungsgesetz-
info.de/#neuepflichten) bis zum Jahr 2022 bzw. plant dies zu erleichtern
(bitte einzelne Maßnahmen mit jeweils zuständiger Behörde oder
Institution erläutern und begründen)?
Hier ist offenbar das deutsche Verpackungsgesetz gemeint, das die genannten
Recyclingquoten enthält. Diese Recyclingquoten müssen seit 1. Januar 2019 bzw.
ab 1. Januar 2022 von den dualen Systemen bei der werkstofflichen Verwertung
von Kunststoffverpackungen erreicht werden. Die rechtliche Vorgabe zu
erreichen ist eine Pflicht. Die Umsetzung obliegt den Unternehmen. Staatliche „Pläne“
oder „Erleichterungen“ sind dabei weder notwendig noch vorgesehen.
b) Welche Initiativen und Geldmittel zur Förderung nachhaltigerer
Verpackungen werden in diesem Zusammenhang von der Bundesregierung
bereitgestellt bzw. unterstützt (bitte begründen)?
Auf den bereits in der Antwort zu Frage 15 in Bezug genommenen 5-Punkte-Plan
wird verwiesen.
c) Gibt es bereits Strategien, Maßnahmen etc. der Bundesregierung für die
Erhöhung des Wertstoffanteils in Verpackungsabfällen oder
entsprechende Auflagen an die Industrie (bitte einzeln nennen und begründen)?
Ziel der Bundesregierung ist es nicht, den Wertstoffanteil in Verpackungsabfällen
zu erhöhen, sondern das Aufkommen an Verpackungsabfällen zu vermindern und
die enthaltenen Materialien zu einem möglichst hohen Anteil zurückzugewinnen.
Dem dient insbesondere das Verpackungsgesetz. Im Übrigen wird auf den bereits
in der Antwort zu den Fragen 15 und 15b in Bezug genommenen 5-Punkte-Plan
verwiesen.
d) Welche Forschungsprojekte, Maßnahmen und Verfahren zur
Verarbeitung und Rückführung in den Wertstoffkreislauf von Plastikmüll fördert
die Bundesregierung bzw. sind von ihr geplant (bitte nach Verfahren,
geförderten Projekten, Laufzeit und Höhe der Förderung aufschlüsseln)?
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert mit
verschiedenen Maßnahmen des Rahmenprogramms „Forschung für Nachhaltige
Entwicklung – FONA“ Verbundforschungsprojekte mit Partnern aus Wirtschaft
und Wissenschaft zur Entwicklung von Technologien zur Sortierung,
Aufbereitung und zum Recycling (mechanische und chemische Verfahren) von
Kunststoffabfällen. Die Auswahl der geförderten Projekte erfolgte im Wettbewerb
gemäß der in den Förderbekanntmachungen beschriebenen Verfahren, als aktuelle
Beispiele seien genannt:
„Plastik in der Umwelt – Quellen, Senken, Lösungsansätze“. Bundesanzeiger
vom 10. Juni 2016:
www.bmbf.de/foerderungen/bekanntmachung-1195.html
„r+Impuls – Impulse für industrielle Ressourceneffizienz“. Bundesanzeiger
vom 15. Mai 2017:
www.bmbf.de/foerderungen/bekanntmachung-1356.html
„KMU-innovativ: Ressourceneffizienz und Klimaschutz“. Bundesanzeiger
vom 9. Dezember 2015:
www.bmbf.de/foerderungen/bekanntmachung-1112.html.
Näheres zu den laufenden Forschungsvorhaben zu Verarbeitung und Recycling
von Kunststoffabfällen ist in Anlage 7 enthalten.
Darüber hinaus plant das BMBF im vierten Quartal 2019 eine
Förderbekanntmachung zu Kunststoffen in der Kreislaufwirtschaft im Rahmen des
Forschungskonzeptes „Ressourceneffiziente Kreislaufwirtschaft“ (
www.fona.de/mediathek/pdf/
Ressourceneffiziente_Kreislaufwirtschaft.pdf), u. a. mit den
Themenschwerpunkten werkstoffliche und rohstoffliche/chemische Recyclingverfahren.
Weiterhin wird die Kreislaufführung von Kunststoffen durch
Forschungsvorhaben im Rahmen des Ressortforschungsplans (Refoplan) des BMU gefördert. Im
Refoplan 2019 sind die beiden folgenden Vorhaben mit dem Ziel der besseren
Kreislaufführung und der Steigerung des Rezyklateinsatzes geplant (aktuell läuft
die öffentliche Ausschreibung):
„Prüfung konkreter Maßnahmen zur Steigerung der Nachfrage nach
Kunststoffrezyklaten und rezyklathaltigen Kunststoffprodukten“ (
www.evergabe-
online.de/tenderdetails.html?1&id=258316)
„Förderung einer hochwertigen Verwertung von Kunststoffen aus
Abbruchabfällen sowie die Stärkung des Rezyklateinsatzes in Bauprodukten im Sinne der
europäischen Kunststoffstrategie“ (
www.evergabe-online.de/tenderdetails.html?
id=256738).
Darüber hinaus werden Projekte im Rahmen des Umweltinnovationsprogramms
des BMU gefördert (siehe Liste der geförderten Projekte unter
www.umweltin-
novationsprogramm.de/projekte). Aktuelle Vorhaben zur Kreislaufführung von
Kunststoffen sind z. B. die folgenden:
Fördernehmer: Beilharz GmbH & Co. KG: Ressourcenschonung durch
Hohlkörperblasanlage zur Herstellung von Leitpfosten mit Rezyklatanteil;
Projektskizze: Kurzbeschreibung Beilharz GmbH & Co. KG PDF
Fördernehmer: MEILO Gesellschaft zur Rückgewinnung sortierter Werkstoffe
mbH & Co. KG: Ressourcenschonung durch Steigerung der Sortiereffizienz
bei der Aufbereitung von Verpackungsabfallgemischen; Projektskizze: www.
umweltinnovationsprogramm.de/sites/default/files/benutzer/36/dokumente/2018-
01-19_internetbeitrag_meilo.pdf
Fördernehmer: Graf Polymers GmbH: Recycling von Abfall-Polyolefinen;
Projektskizze:
www.umweltinnovationsprogramm.de/sites/default/files/benutzer/
784/dokumente/internetbeitrag_graf_polymers.pdf
Fördernehmer: Dyneon GmbH: Bau einer Demonstrationsanlage zur
Rückgewinnung fluorierter Monomere aus Fluorpolymerabfällen; Projektskizze:
www.umweltinnovationsprogramm.de/sites/default/files/benutzer/36/dokumente/
kurzbeschreibung_dyneon.pdf.
e) Existiert eine Strategie zum Recycling von Restmüll, und welche
Initiativen dazu plant die Bundesregierung bzw. unterstützt sie bereits (bitte
begründen)?
Bei Restmüll handelt es sich um den nach Getrennterfassung von Wertstoffen,
wie Glas, Papier, Verpackungen oder Bioabfällen bzw. einer Aussortierung von
Wertstoffen, gemäß den abfallrechtlichen Vorgaben, verbleibenden Rest von
Hausmüll oder Siedlungsabfall, der einem Recycling nicht mehr zugänglich ist.
Dieser muss energetisch verwertet oder beseitigt werden. Die Strategie der
Bundesregierung ist, durch entsprechende Vorgaben zu Recyclingquoten oder zur
Getrennterfassung im Kreislaufwirtschaftsgesetz oder darauf fußenden
abfallrechtlichen Verordnungen, eine weitere Verbesserung der Getrennterfassung von
Wertstoffen zu erreichen, um diese zusätzlich generierten Wertstoffe gezielt
einem Recycling zuzuführen.
f) Wie stellt sich die Bundesregierung die Zukunft der Mülltrennung in
Bezug auf die Digitalisierung und neue Technologien vor, und welche
Neuerungen kommen auf die Bürger innerhalb Deutschlands zu?
Die Sortiertechnologie entwickelt sich – getrieben von strengen rechtlichen
Rahmenbedingungen und der Innovationskraft der Wirtschaft – ständig weiter. Dabei
hat auch bereits in der Vergangenheit die Digitalisierung eine wichtige Rolle
gespielt. Eine Prognose zu zukünftigen Entwicklungen ist weder möglich noch
Aufgabe der Bundesregierung.
g) Inwiefern ist eine händische Mülltrennung durch die Verbraucher auf dem
heutigen Stand der Technik noch erforderlich und trägt zur
Effizienzsteigerung des Abfalltrennsystems bei (bitte begründen)?
Eine getrennte Erfassung ist wesentliche Voraussetzung für eine hochwertige
Verwertung von Haushaltsabfällen. Die nachträgliche Sortierung von gemischt
gesammelten Haushaltsabfällen ermöglicht keine vergleichbaren
Recyclingergebnisse. Dies liegt im Wesentlichen daran, dass verschiedene Abfallbestandteile
sich gegenseitig kontaminieren und in den folgenden Sortier- und
Reinigungsschritten nicht in ausreichendem Maße trennen lassen. Beispiele hierfür sind
Kunststoffe im Bioabfall oder Glas im Altpapier.
Andererseits ist die getrennte Sammlung z. B. von Altbatterien und
Elektroaltgeräten notwendig, um deren Beseitigung als unsortierte Siedlungsabfälle zu
verhindern. Sowohl Altbatterien als auch Elektroaltgeräte können unterschiedliche
Schadstoffe wie Quecksilber oder Cadmium enthalten. Zudem enthalten sie zum
Teil hohe Wertstoffgehalte an relevanten Ressourcen wie Edel- und
Sondermetallen, die zu einem sehr hohen Grad werkstofflich recycelt werden können. Eine
wirksame und effiziente Schadstoffentfrachtung und Nutzung der bestehenden
Recyclingpotenziale kann nur bei einer getrennten Erfassung im Rahmen der
spezifizierten Erfassungswege erreicht werden, die bei der Vielzahl von Bürgerinnen
und Bürgern bekannt sind und von diesen auch genutzt werden.
h) Welche Informationskampagnen zur richtigen Trennung von Müll
werden dazu unterstützt, und wie bewertet die Bundesregierung deren Erfolg
(bitte begründen und darstellen, welche Bevölkerungsgruppen besonders
große Schwierigkeiten beim Trennen von Müll haben und in welcher
Region diese leben)?
Entscheidende Faktoren für die Steigerung der Sammelquoten sind das
Bewusstsein, die Akzeptanz und die Handlungsweise der Verbraucher. Die Aufklärung
der Bürgerinnen und Bürger zur Mülltrennung erfolgt vor allem durch die
kommunale Abfallberatung, denn unterschiedliche örtliche Bedingungen (Innenstadt,
Peripherie, ländlicher Raum, bestehende Entsorgungsinfrastruktur etc.)
bestimmen die jeweiligen Müllsammelsysteme und Trennerfordernisse.
Darüber hinaus bestehen im Rahmen der Produktverantwortung Pflichten zur
Beratung und Aufklärung; z. B. verpflichtet das Verpackungsgesetz die dualen
Systeme ausdrücklich dazu, die Bevölkerung mittels Aufklärungskampagnen zu
informieren.
Auch die stiftung elektro-altgeräte register hat gemeinsam mit der Stiftung
Gemeinsames Rücknahmesystem Batterien bereits im Jahr 2014 das G2-Projekt
initiiert, mit dem Ziel, die Sammelquoten von Elektro-Altgeräten und
Altbatterien durch Steuerungs- und Kommunikationsmaßnahmen nachhaltig zu steigern.
In enger Zusammenarbeit mit den kommunalen Spitzenverbänden (Deutscher
Städtetag, Deutscher Landkreistag) und dem Verband kommunaler Unternehmen
e. V. (VKU) wurden verschiedene Projekte (G2-Informationsplattform, G2-
Schulkoffer u. a.) durchgeführt. Im Herbst 2018 wurde zudem ein neues,
einheitliches Sammelstellenlogo eingeführt, damit Verbraucherinnen und Verbrauchern
die Rücknahmestellen im Handel und in den Kommunen leichter erkennen
können. Handel und Kommunen unterstützen das Projekt, welches auch umfassende
Verbraucherinformationsmaterialien beinhaltet, und empfehlen ihren
Mitgliedern, sich an der Sammelstellenkennzeichnung zu beteiligen.
i) Wie werden die Bürger hinsichtlich der Mülltrennung entlastet, und
welche Strategien existieren zur Effizienzsteigerung (bitte begründen)?
Das Trennen von Abfällen wird nach Kenntnis der Bundesregierung von der
Mehrzahl der Bürgerinnen und Bürger nicht als Belastung wahrgenommen,
sondern als wichtiger Beitrag zum Umweltschutz. Neben den Kommunen spielen
hierbei die Akteure der Produktverantwortungssysteme eine wichtige Rolle. So
geht die Steigerung der Effizienz der Sammlung von Verpackungsabfällen
insbesondere vom neuen Verpackungsgesetz aus, das zum einen auf verstärkten
Wettbewerb setzt und zum anderen den Einfluss der Kommunen bei der Gestaltung
der Sammlung vor Ort stärkt.
Mit Blick auf Altbatterien und Elektro-Altgeräten steht den Verbraucherinnen
und Verbrauchern durch die Einbindung der Kommunen und des Handels in die
Erfassungsstruktur bereits ein dichtes und verbrauchernahes Sammelnetz zur
Verfügung, bei dem kostenlos Altbatterien und Elektro-Altgeräte abgegeben
werden können. Die Bundesregierung prüft darüber hinaus aber auch, wie zukünftig
die Rückgabe für die Verbraucherinnen und Verbraucher weiter erleichtert
werden kann.
j) Mit welchen internationalen Partnern arbeitet die Bundesregierung
zusammen, um das deutsche Recyclingsystem zu reformieren (bitte die
Partner und deren jeweiligen Einfluss auf einen spezifischen
Schwerpunktbereich nennen)?
Die Bundesregierung entwickelt die Kreislaufwirtschaft sowohl auf nationaler als
auch – gemeinsam mit den anderen Mitgliedstaaten, dem Europäischen Parlament
und der Europäischen Kommission – auf der europäischen Ebene weiter. Eine
Reform des deutschen Recycling-Systems ist weder notwendig noch vorgesehen.
Allerdings arbeitet die Bundesregierung sowohl bilateral als auch multilateral mit
vielen Partnerstaaten beim Aufbau ihrer Strukturen zusammen, da die deutsche
Kreislaufwirtschaft international vielfach als beispielhaft wahrgenommen wird.
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ISSN 0722-8333]