[Deutscher Bundestag Drucksache 17/1323
17. Wahlperiode 08. 04. 2010 Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Dorothee Menzner, Dr. Barbara Höll,
Eva Bulling-Schröter, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 17/1067 –
Sicherheit bei Transport, Lagerung und Einsatz von MOX-Brennelementen
Vo r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Ein Transport von 16 MOX (Mischoxid)-Brennelementen auf Antrag der Firma
Nuclear Cargo + Service GmbH vom 29. Juni 2006, der mit Änderung vom
11. August 2009 auf acht MOX-Brennelemente reduziert wurde, musste laut
Antwort der Parlamentarischen Staatssekretärin Katherina Reiche in der
Fragestunde der 21. Sitzung der 17.Wahlperiode „aufgrund von Widerständen in den
Seehäfen Cuxhaven und Bremerhaven auf unbestimmte Zeit verschoben
werden.“
Da sich der Rat der Stadt Cuxhaven und der Bremer Senat im September 2009
gegen die Anlandung und den Transport von MOX-Brennelementen
aussprachen, ist davon auszugehen, dass Bedenken zur Sicherheit solcher Transporte
vorliegen.
1. Wie beurteilt die Bundesregierung die Sicherheit der plutoniumhaltigen
Transporte, angesichts der Tatsache, dass einige Millionstel Gramm
Plutonium, wenn sie eingeatmet werden, Krebs auslösen können und die acht
Transport-Brennelemente ca. 200 kg Plutonium enthalten?
Die Sicherheit der Transporte der Mischoxid-Brennelemente wird durch die
Einhaltung der gefahrgutrechtlichen und atomrechtlichen Vorschriften zur
Beförderung radioaktiver Stoffe gewährleistet. Die Transporte der Brennelemente
werden mit Behältern durchgeführt, die von der zuständigen Behörde des
Vereinigten Königreichs zugelassen wurden. Diese Zulassung wurde nach Prüfungen
durch die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung und dem
Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) vom BfS anerkannt, das heißt, sie sind damit auch
in Deutschland zugelassen. Die Behälter sind entsprechend den weltweit
angewandten Sicherheitsstandards der Internationalen Atomenergie-Organisation
zum Transport radioaktiver Stoffe so ausgelegt und geprüft, dass auch unter
Transportunfallbedingungen mit starken mechanischen Einwirkungen und
einem sich anschließenden intensiven Feuer der erforderliche Schutz der
Bevölkerung gewährleistet ist. Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und
Reaktorsicherheit vom 31. März 2010 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Drucksache 17/1323 – 2 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode2. Wie beurteilt die Bundesregierung die Gefahr des militärischen
Missbrauchs der MOX-Brennelemente angesichts der Tatsache, dass man aus
200 kg Plutonium 20 Atombomben bauen kann und dass Plutonium in den
MOX-Brennelementen erkaltet und dadurch vergleichsweise leicht
handhabbar ist?
Nur mit hohem technischen Aufwand und Kompetenz kann spaltbares Material
aus MOX-Brennelementen extrahiert werden. Zur Gefahr des militärischen
Missbrauchs von waffenfähigem Spaltmaterial wird auf die Antwort der
Bundesregierung zur Zukunft der nuklearen Abrüstung, Nichtverbreitung und
Rüstungskontrolle (Bundestagsdrucksache 16/7569, insbesondere Antwort zu Frage 3)
verwiesen.
3. Welchen Kriterien (Hitzebeständigkeit, Stabilität, Stoßfestigkeit,
Druckfestigkeit; jeweils bitte mit Nennung des Prüfverfahrens und den resultierenden
Kenngrößen) müssen Behälter entsprechen, die für den Transport von
MOX-Brennelementen vorgesehen sind, um bei eventuellen Havarien oder
Unfällen eine Kontamination der Umwelt auszuschließen?
Grundlage der deutschen (und weltweit angewandten) Vorschriften für den
Transport radioaktiver Stoffe sind die Empfehlungen der Internationalen
Atomenergie-Organisation. Diese sind durch die Bundesrepublik Deutschland in das
Gefahrgutrecht für alle Verkehrsträger umgesetzt worden. Sie beruhen auf dem
Konzept des „sicheren Versandstücks“. So gehören beispielsweise die für den
Transport von MOX-Brennelementen verwendeten Behälter zu den Typ B-
Versandstücken, den sogenannten „unfallsicheren Verpackungen“. Diese Behälter
müssen den Auswirkungen selbst schwerster Unfälle standhalten können und
dabei ihre Sicherheitsfunktion hinsichtlich
– des Einschlusses des radioaktiven Inhaltes (Dichtheit),
– der Abschirmung der radioaktiven Strahlung,
– der Ableitung der vom Inhalt ausgehenden Wärme und
– des Ausschlusses des Entstehens einer kritischen Anordnung
(Kritikalitätssicherheit)
beibehalten. Solche Typ B-Versandstücke zur Beförderung spaltbarer
radioaktiver Stoffe bedürfen der multilateralen Zulassung. Die Erfüllung der gesetzlich
geforderten Typ B-Eigenschaften der Behälter muss vor ihrer amtlichen
Zulassung nachgewiesen werden, wobei verschiedene Methoden, wie Originaltests,
Modelltests und theoretische Nachweise zur Anwendung kommen.
Die Typ B-Prüfbedingungen umfassen unter anderem:
– einen 9 Meter Fall auf ein unnachgiebiges Fundament,
– ein den Behälter allseitig umschließendes Feuer mit einer Dauer von einer
halben Stunde,
– einen Fall auf einen Dorn aus 1 Meter Höhe und
– Wassereintauchprüfungen.
Diese Prüfbedingungen/Kriterien sind so festgelegt, dass selbst die
Auswirkungen von realen schweren Unfällen mit starken mechanischen und thermischen
Belastungen abgedeckt sind.
4. Durch welche Maßnahmen und Transportmethoden (z. B.
Geschwindigkeitsbegrenzung zur Gewährleistung der Stabilitätskriterien bei einem
möglichen Aufprall) soll ausgeschlossen werden, dass beim Transport von
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 3 – Drucksache 17/1323MOX-Brennelementen Behälter zu irgendeinem Zeitpunkt aufgrund einer
Havarie oder eines Unfalls physikalisch über die in Frage 3 angefragten
Kriterien hinaus überbelastet werden?
Aufgrund der Anwendung des Konzeptes der „unfallsicheren Verpackungen“
sind besondere Maßnahmen nicht erforderlich (siehe Antwort zu Frage 3).
5. Wie beurteilt die Bundesregierung die Sicherheit des Transports von MOX-
Brennelementen angesichts der in Frage 3 angefragten Kriterien hinsichtlich
einer Versenkung eines solchen Behälters auf dem Seeweg von
Großbritannien zur deutschen Küste, auf dem der Meeresgrund in bis zu über 200 Meter
Tiefe liegt?
Die für den MOX-Transport verwendeten Behälter müssen entsprechend den
Prüfbedingungen der Internationalen Atomenergie-Organisation auch einer
gesteigerten Wassereintauchprüfung bei einer Wassertiefe von mindestens 200
Meter standhalten und dabei den Einschluss der MOX-Brennelemente
sicherstellen. Diese Prüfbedingung ist ausreichend, um den erforderlichen Schutz bei
Versenkung zu gewährleisten. Zusätzlich wird für Transporte dieser radioaktiven
Stoffe ein Doppelhüllenschiff entsprechend den Vorgaben der International
Maritime Organisation gefordert.
6. Wie beurteilt die Bundesregierung die Sicherheit des Transports von MOX-
Brennelementen angesichts der Möglichkeit eines Zusammenstoßes mit
einem Propangastransporter und der Tatsache, dass Propangas bei
Temperaturen von 2 000 Grad Celsius verbrennt und viele solcher Brände über
Stunden anhalten?
Auf die Antwort zu Frage 3 wird verwiesen. Darüber hinaus wurde durch
Realtests gezeigt, dass Typ B-Behälter auch den Auswirkungen der Explosion eines
mit Propan gefüllten Kesselwagens standhalten (siehe auch
www.tes.bam.de).
7. Wie beurteilt die Bundesregierung die geringe Wärmeleitfähigkeit der
MOX-Brennelemente angesichts einer möglichen Verstopfung von
Sumpfsieben am AKW (Atomkraftwerk) Grohnde?
Das Umweltministerium des Landes Niedersachsen hat dem Bundesministerium
für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit dazu mitgeteilt, dass der Einsatz
von MOX-Brennelementen im Kernkraftwerk Grohnde atomrechtlich
genehmigt sei. Im Rahmen dieses Genehmigungsverfahrens sei auch die sichere
Beherrschung des Kühlmittelverluststörfalls nachgewiesen worden. Die
Nachweisführung sei aufgrund der Erkenntnisse bezüglich einer möglichen
Freisetzung von Isoliermaterial und Verstopfung der Sumpfsiebe erweitert worden
und gelte auch für den Einsatz von MOX-Brennelementen.
8. Welche Menge Plutonium wird jährlich in Deutschland erzeugt, und wie
groß ist der Anteil an spaltbarem Plutonium?
Die jährlich in Deutschland erzeugte Menge Plutonium hängt von der Menge an
bestrahlten Brennelementen ab. Bei einer mittleren jährlichen Entlademenge für
bestrahlte Brennelemente von 350 Tonnen Schwermetall in Form von
bestrahlten Brennelementen ist im Mittel von etwa 3,5 Tonnen erzeugtem Plutonium pro
Jahr auszugehen. Davon entfallen wiederum etwa 60 Prozent auf den Anteil der
thermisch spaltbaren Plutonium-Isotope Pu-239 und Pu-241; dies sind etwa
2,1 Tonnen.
Drucksache 17/1323 – 4 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode9. Wie viel Plutonium wurde in deutschen Reaktoren bis heute erzeugt?
Bis zum 31. Dezember 2008 wurden in deutschen Leistungsreaktoren insgesamt
rund 14 500 Tonnen Schwermetall als Brennelemente eingesetzt. Bei einem
Plutoniumgehalt von durchschnittlich 1 Prozent bedeutet dies, dass bis Ende
2008 etwa 145 Tonnen Plutonium in den deutschen Leistungsreaktoren erzeugt
wurden.
10. Wie viel des in Frage 9 genannten Plutoniums wurde bis heute durch
Wiederaufarbeitung separiert?
Aus der Wiederaufarbeitung bestrahlter Brennelemente im In- und Ausland sind
insgesamt etwa 62,4 Tonnen Plutonium zu erwarten. Der weitaus größte Teil
davon (ca. 60 Tonnen) wurde bereits separiert. Rund 2,5 Tonnen befinden sich in
bestrahlten Brennelementen, die noch nicht wiederaufgearbeitet wurden.
11. Wie viel des in Frage 10 genannten Plutoniums wurde bis heute in MOX-
Brennelemente verarbeitet?
Bis zum 31. Dezember 2008 sind 838 Tonnen als MOX-Brennelemente
entsprechend 50,8 Tonnen Plutonium in deutsche Reaktoren zurückgeführt worden. In
den Reaktoren lagerten unbestrahlte MOX-Brennelemente, die für den Einsatz
vorgesehen sind, mit etwa 2,1 Tonnen Plutonium. Demnach wurden bisher also
rund 53 Tonnen Plutonium verarbeitet und nach Deutschland geliefert. Der
Bestand an bereits verarbeitetem, aber noch in den Brennelement-
Fertigungsanlagen im Ausland lagerndem Plutonium ist nicht bekannt.
12. Wie viel des in Frage 11 genannten Plutoniums wurde bis heute in
Reaktoren eingesetzt?
Siehe Antwort zu Frage 11.
13. Was soll zukünftig mit dem Plutonium geschehen, das nicht für die direkte
Endlagerung vorgesehen ist, und wie viel wird das sein?
Es ist kein separiertes Plutonium für die Endlagerung vorgesehen.
14. Wird das aus deutschen Kernkraftwerken wiederaufgearbeitete
Reaktorplutonium vollständig in deutschen Kernkraftwerken verbraucht werden
oder muss mit Ver- und Zukäufen gerechnet werden?
Nach bisheriger Planung der Energieversorgungsunternehmen wird alles
Plutonium aus der Wiederaufarbeitung in Form von MOX-Brennelementen in die
deutschen Reaktoren zurückgeführt. Ver- und Zukäufe sind nicht vorgesehen.
15. Wie viel MOX-Brennstoff soll zukünftig in deutschen Kernkraftwerken
benutzt werden?
Die Planungen der Energieversorgungsunternehmen sehen im Zeitraum von
2009 bis 2016 den Einsatz von etwa 11,6 Tonnen Plutonium vor.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 5 – Drucksache 17/132316. Welche Fertigungsverträge wurden zu diesem Zweck mit welchem
Anbieter bereits abgeschlossen, und in welchen Anlagen und zu welchem
Zeitpunkt sollen die MOX-Brennstoffe hergestellt und ausgeliefert werden?
Die Energieversorgungsunternehmen haben mit den britischen und
französischen Anbietern Verträge zur Herstellung von MOX-Brennelementen
abgeschlossen. Demnach sollen etwa 170 Tonnen Schwermetall (dies entspricht etwa
648 MOX-Brennelemente) bis zum Jahr 2016 gefertigt und in den Reaktoren
eingesetzt werden. Das genaue Lieferdatum ist nicht bekannt.
17. Welche Anlagen, mit welchen Kapazitäten (Jahresdurchsatz) zur MOX-
Brennelemente-Fertigung existieren in den Mitgliedsländern des EURA-
TOM-Vertrages (EURATOM – Europäische Atomgemeinschaft)?
Anlagen zur Fertigung von MOX-Brennelementen für Leichtwasserreaktoren
befinden sich in Belgien, Frankreich und Großbritannien. Die von AREVA NP
betriebene MOX-Brennelementefabrik MELOX in Marcoule (Frankreich) ist
seit 1995 in Betrieb und hatte seit September 2003 eine Kapazität von 145
Tonnen Schwermetall pro Jahr. Am 26. April 2007 wurde eine Genehmigung zur
Erhöhung der Jahresproduktion auf 195 Tonnen Schwermetall pro Jahr erteilt.
Der über die Betriebsjahre 2004 bis 2008 gemittelte Jahresdurchsatz liegt bei
132 Tonnen Schwermetall. In Dessel (Belgien) betreibt die FBFC International
(Société Franco-Belge de Fabrication de Combustibles), eine Tochterfirma der
AREVA NP, seit 1997 eine Anlage zur Assemblierung von MOX-
Brennelementen, deren Kapazität mit 100 Tonnen Schwermetall pro Jahr angegeben wird. Die
im Jahr 2002 in Betrieb genommene Sellafield MOX Plant (Betreiber: Sellafield
Limited) war ursprünglich für eine Kapazität von 120 Tonnen Schwermetall pro
Jahr ausgelegt; dieser Wert wurde jedoch später auf 72 Tonnen Schwermetall pro
Jahr revidiert. Die bis Ende des Jahres 2009 insgesamt gefertigte Menge an
MOX-Brennstoff beträgt neun Tonnen Schwermetall (entspricht 24 MOX-
Brennelementen).
18. Wie viel MOX-Brennstoff darf in deutschen Reaktoren eingesetzt werden
(bitte um Übersicht nach Anlage, Betreibern, absoluter und relativer
MOX-Kapazität bezogen auf den Anteil am Reaktorkern, maximaler
erlaubter Plutoniumgehalt der Brennelemente und Umsatzmenge pro Jahr)?
Die folgenden Kernkraftwerke verfügen über Einsatzgenehmigungen für MOX-
Brennelemente (MOX-BE):
* im Umfang der Eigenerzeugung
Betreiber Standort Max. Anzahl
MOX-BE pro
Nachladung
Max. Anzahl
MOX-BE im
Kern
Max. Anteil
MOX-BE
im Kern in
Prozent
E.ON KK Brokdorf 16* 64 33
E.ON KK Unterweser 16 64 33
E.ON KK Grohnde 16 64 33
RWE Emsland 16 48 25
EnBW Philippsburg 2 20 96 37
EnBW Neckarwestheim 1 16 16 9
EnBW Neckarwestheim 2 16 72 37
RWE Gundremmingen B 68 300 38
RWE Gundremmingen C 68 300 38
E.ON KK Isar 2 24 96 50
E.ON KK Grafenrheinfeld 16 64 33
Drucksache 17/1323 – 6 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode19. Wie viel MOX-Brennstoff wird zurzeit tatsächlich eingesetzt (bitte um
Übersicht nach Anlage, Betreiber, Be- und Entladung pro Jahr in den
Jahren 2000 bis 2009)?
Auf der Grundlage des in § 9a des Atomgesetzes (AtG) geforderten
Verwertungsnachweises für das bei der Wiederaufarbeitung abgetrennte Plutonium
werden von den Betreibern der Kernkraftwerke jährlich Angaben unter anderen zum
Einsatz von MOX-Brennelementen im zurückliegenden Kalenderjahr gemacht.
Angaben über die aktuelle Gesamtbeladung des Kerns mit MOX-
Brennelementen sind dabei nicht gefordert. Insofern beschränken sich die nachfolgenden
Angaben auf die jährlichen MOX-Nachlademengen. Für den Zeitraum ab 2000
wurden, aufgeschlüsselt nach Kernkraftwerken und
Energieversorgungsunternehmen, folgende Mengen an MOX-Brennstoff in den jeweiligen Reaktorkern
geladen:
Die Verweilzeit der Brennelemente im Reaktorkern beträgt in der Regel vier
Jahre. Unter dieser Annahme befanden sich Ende 2008 rund 170 Tonnen MOX-
Brennelemente in den Kernkraftwerken Emsland, Brokdorf, Unterweser,
Philippsburg-2, Gundremmingen, Isar-2 und Grafenrheinfeld.
20. Liegen in Deutschland Anträge zur Genehmigung des Einsatzes von
MOX-Brennstoff vor?
Wenn ja, für welche Anlage, und wann ist mit der öffentlichen Auslegung
der Unterlagen zu rechnen?
Nach Kenntnisstand des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und
Reaktorsicherheit liegt lediglich der atomrechtlichen Genehmigungs- und
Aufsichtsbehörde in Schleswig-Holstein ein Genehmigungsantrag für den Einsatz
von MOX-Brennelementen vor. Dieser ist nach Auskunft der Schleswig-
Holsteinischen Landesbehörde im August 2002 für das Kernkraftwerk Krümmel gestellt
worden. Der Erörterungstermin zu diesem Antrag habe im Sommer 2003 in
Reinbek stattgefunden. Das Verfahren ruhe faktisch derzeit, weil der
Antragsteller noch Unterlagen vorzulegen hätte. Ein Abschluss des Verfahrens sei daher
zurzeit nicht abzusehen.
21. Wie groß ist die Menge an Plutonium, die bei der Bestrahlung von
Brennelementen in deutschen Reaktoren erzeugt wurde und durch
Wiederaufarbeitung aus dem abgebrannten Brennstoff abgetrennt wurde und außerhalb
Deutschlands gelagert wird?
Bei der Wiederaufarbeitung bestrahlter Brennelemente im In- und Ausland
wurden bis Ende des Jahres 2008 etwa 60 Tonnen Plutonium separiert. Davon
wurden ca. 51 Tonnen bereits in deutschen Leichtwasserreaktoren rezykliert.
Kernkraftwerk Betreiber MOX-Beladung in Tonnen Schwermetall
2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008
Emsland RWE 6,5 6,5 6,5 6,5 6,5
Brokdorf E.ON KK 8,5 8,5 8,5 8,5 4,2 8,5 8,5 8,5
Unterweser E.ON KK 8,5 8,5 8,5 2,1 12,7 2,1 6,4
Grohnde E.ON KK 6,4 8,5 8,5 8,5 8,5
Philippsburg 2 EnBW 8,5 10,6 8,5 10,6 8,5
Neckarwestheim 2 EnBW 8,6 4,3 4,3 6,4
Gundremmingen RWE 11,8 14,6 19,2 19,5 16,7 18,1 16,7 10,4
Isar 2 E.ON KK 17,1 17,1 8,6 6,4 6,4 6,4 6,4
Grafenrheinfeld E.ON KK 8,5 8,5 8,5 8,5 8,5 6,4 6,4
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 7 – Drucksache 17/1323Rund zwei Tonnen befanden sich in Form von frischen MOX-Brennelementen in
den Kernkraftwerken. Der Rest (rund 7 Tonnen) wurden zu diesem Stichtag
entweder als abgetrenntes Plutoniumoxid oder bereits in Form von frischen MOX-
Brennelementen in Frankreich und Großbritannien aufbewahrt.
22. In welchen ausländischen Anlagen lagert wie viel Reaktorplutonium aus
deutschen Reaktoren?
Insgesamt lagerten am 31. Dezember 2008 etwa 7 Tonnen aus der
Wiederaufarbeitung stammendes Reaktorplutonium in Frankreich und Großbritannien. Die
Verteilung auf einzelne Anlagen ist nicht bekannt. Rund 2,5 Tonnen Plutonium
befanden sich in den abgebrannten Brennelementen, die in Großbritannien bisher
noch nicht wiederaufgearbeitet wurden. Weitere rund 1,2 Tonnen befanden sich
in den bestrahlten MOX-Brennelementen, die dauerhaft zum schwedischen
Zwischenlager CLAB gebracht wurden.
23. Wie groß ist die in Deutschland lagernde Gesamtmenge an separiertem
Plutonium, und welche Anteile dieser Mengen finden sich in unbestrahlten
MOX-Brennelementen, unbestrahlten und unverarbeiteten Chargen und in
unbestrahlten Umgangsmengen in Verarbeitungsanlagen?
In Deutschland befindet sich kein separiertes Plutonium. Rund 2 Tonnen
Plutonium befanden sich zum Stichtag 31. Dezember 2008 in unbestrahlten MOX-
Brennelementen in deutschen Kernkraftwerken.
24. Wie viel Plutonium wird in Deutschland zusätzlich staatlich verwahrt?
Die Staatliche Verwahrung ist in der Bundesrepublik Deutschland nur für den
Fall vorgesehen, dass ein zum Besitz von Kernbrennstoffen berechtigter nicht
feststellbar oder nicht heranziehbar ist (§ 5 Absatz 4 AtG). Zurzeit wird eine
Plutonium-Beryllium-Neutronenquelle staatlich verwahrt. Sie wurde
vereinigungsbedingt aus den Beständen der ehemaligen DDR übernommen.
25. Wie ist die Isotopenzusammensetzung dieser staatlich verwahrten Menge?
Es handelt sich um eine Plutonium (Pu)-Beryllium (Be)-Legierung mit einem
Massenverhältnis Pu/Be von ca. 2:1.
26. Wie viel Landes- und Bundesmittel sind in Deutschland bis heute in die
Entwicklung der Wiederaufarbeitungstechnik und in die Fertigung von
MOX-Brennelementen gesteckt worden?
Die Bundesregierung kann lediglich Auskunft über die verausgabten
Bundesmittel geben. Diesbezüglich lag der Schwerpunkt der Fördertätigkeit zur
Entwicklung der Wiederaufarbeitungstechnik auf der Wiederaufarbeitungsanlage
Karlsruhe. Für die Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe wurden folgenden
Bundesmittel verausgabt (Stand: 31. Dezember 2009):
Bau 30,0 Mio. Euro
Betrieb (1971 bis 1990) 164,5 Mio. Euro
Rückbau (1991 bis 2009) 650,4 Mio. Euro
Summe 844,9 Mio. Euro.
Drucksache 17/1323 – 8 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeDarüber hinaus ist es nicht auszuschließen, dass die Entwicklung der
Wiederaufarbeitungstechnik im Rahmen kleinerer Projektfördermaßnahmen durch
Bundesmittel unterstützt wurde. Eine detaillierte Auflistung solcher Maßnahmen
würde ein eingehendes Studium aller relevanten Akten des Bundesministeriums
für Bildung und Forschung erfordern. Dies wäre nur durch die Beauftragung
einer externen Firma darstellbar und daher mit erheblichen Kosten verbunden.
Darüber hinaus ist aufgrund des Ablaufs der zwingenden Aufbewahrungsfrist für
Altakten auch dann nicht sichergestellt, dass dies eine vollständige Auflistung
der verausgabten Bundesmittel ermöglicht.
Der Bundesregierung liegen keine Informationen über eine Unterstützung der
MOX-Brennelementefertigung durch Bundesmittel vor.
27. Welche aktuellen Preise für MOX-Brennelemente zum Einsatz in
Leichtwasserreaktoren sind der Bundesregierung bekannt, und wo liegt im
Vergleich dazu der Preis für ein Brennelement aus angereichertem Uran?
Aktuelle Preise für MOX-Brennelemente sind der Bundesregierung nicht
bekannt. Nach Angaben aus der Wirtschaft sind MOX-Brennelemente um ca.
20 Prozent teurer als Uran-Brennelemente.
28. Ist nach Auffassung der Bundesregierung bei einer zukünftigen
Massenfertigung von MOX-Brennelementen mit einer Reduzierung der Kosten zu
rechnen?
Dies ist theoretisch zutreffend (sogenannter Skaleneffekt). Allerdings wird
wegen der Beendigung der Wiederaufarbeitung des bestrahlten Kernbrennstoffs
aus deutschen Kernkraftwerken der Bedarf an MOX-Brennelementen sehr stark
sinken.
29. Mit welchen weiteren Kosten (neben den höheren Herstellungskosten) ist
nach Auffassung der Bundesregierung durch den Einsatz von MOX-
Brennelementen zu rechnen (beispielsweise durch die Notwendigkeit
längerer Zwischenlagerungszeiten von bestrahlten MOX-Brennelementen
oder den Bedarf nach größerer Endlagerkapazität aufgrund höherer
Wärmeleistung von abgebrannten MOX-Brennelementen)?
Hierzu liegen der Bundesregierung keine belastbaren Erkenntnisse vor, da
MOX-Brennelemente nicht separat, sondern gemischt mit einer größeren Anzahl
von abgebrannten Uran-Brennelementen zwischengelagert bzw. entsorgt
werden.
30. Welche Planungen zu dem noch nicht durch das Bundesamt für
Strahlenschutz genehmigten Antrag der Firma Nuclear Cargo + Service GmbH
vom 29. Juni 2006 auf Transport von 16 MOX-Brennelementen, mit
Änderung vom 11. August 2009 auf acht reduziert, sind der Bundesregierung
bezüglich Transportart, Transportroute und Transportzeitraum bekannt?
Die Planung der Durchführung der Transporte von MOX-Brennelementen (zum
Beispiel Transportart, -route und -zeitraum) erfolgt, wie auch bei allen anderen
Transporten, durch die am Transport beteiligten Firmen (zum Beispiel
Speditionen, Reedereien usw.). Entsprechend diesen Planungen wurde beim Bundesamt
für Strahlenschutz ein Antrag auf Beförderungsgenehmigung nach § 4 AtG
gestellt. Konkrete Daten zu den Planungen der Transportdurchführung können
zur Gewährleistung des erforderlichen Schutzes von Kernbrennstofftransporten
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 9 – Drucksache 17/1323gegen Störmaßnahmen und sonstige Einwirkungen Dritter nicht vorab bekannt
gegeben werden.
31. Welche Vorbereitungen für den in Frage 30 genannten beantragten
Transport sind seitens der Bundesregierung und seitens des Bundesamtes für
Strahlenschutz bisher erfolgt?
Siehe Antwort zu Frage 30.
32. Wann und unter welchen noch zu klärenden Einzelheiten rechnet die
Bundesregierung mit der Genehmigung durch das Bundesamt für
Strahlenschutz für den in Frage 30 genannten beantragten Transport?
Eine Beförderungsgenehmigung wird erteilt, wenn hierfür durch den
Antragsteller die Erfüllung aller Voraussetzungen gemäß § 4 AtG nachgewiesen
wurden. Das Genehmigungsverfahren für den Transport von MOX-Brennelementen
ist noch nicht abgeschlossen.
33. Inwieweit beeinflussen öffentliche Widerstände gegen die Anlandung für
den in Frage 30 genannten beantragten Transport in die Seehäfen
Cuxhaven und Bremerhaven die Entscheidungsfindung zur Genehmigung und
Planung zukünftiger Transporte von MOX-Brennelementen?
Maßgebend für die Erteilung einer Beförderungsgenehmigung ist der Nachweis
der Erfüllung der Genehmigungsvoraussetzungen gemäß § 4 des AtG durch den
Antragsteller. Dabei werden in das Genehmigungsverfahren auch die
Innenbehörden der vom Transport betroffenen Bundesländer mit einbezogen.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co., Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlagsgesellschaft mbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
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ISSN 0722-8333]