Klimakrise und Biodiversität in Gewässern
der Abgeordneten Steffi Lemke, Lisa Badum, Dr. Bettina Hoffmann, Sylvia Kotting-Uhl, Oliver Krischer, Ingrid Nestle, Dr. Julia Verlinden, Gerhard Zickenheiner, Matthias Gastel und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Vorbemerkung
Gewässer sind Hotspots der Biodiversität. In den weltweiten Stand- und Fließgewässern leben 12 Prozent der bekannten Arten – doch sie sind großen Bedrohungen ausgesetzt (www.ufz.de/index.php?de=36055). Denn es sind bereits 40 Prozent aller Feuchtgebiete weltweit zerstört und der 6. Globale Umweltbericht geht von einem 81-prozentigem Verlust an Süßwasserarten aus (www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/1410/publikationen/texte_24-2019_geo-6_hintergrund_final.pdf). Hierbei spielt auch die Klimakrise eine Rolle, denn der Verlust von Biodiversität und Klimaveränderungen hängen eng zusammen, wie auch der Weltbiodiversitätsrat mit seinem Global Assessment aus dem Jahr 2019 betont. Die Klimakrise ist einer der Treiber des weltweiten Verlustes an Biodiversität. Die Geschwindigkeit der menschgemachten Klimaerhitzung stellt eine kaum zu bewältigende Herausforderung für die Anpassungsfähigkeit der Natur dar.
Deutschland hat sich auf internationaler, europäischer und nationaler Ebene verpflichtet, die Artenvielfalt zu schützen und die Artenvernichtung zu stoppen. Die Extremwetterlagen nehmen zu, so waren „Sommer und Herbst 2018 […] trockener als in allen vorherigen verfügbaren Jahren im Dürremonitor seit 1951“ (www.ufz.de/index.php?de=44429). Diese Ereignisse beeinflussen auch die Biodiversität in Gewässern. Dabei können „Naturnahe Ökosysteme […] in vielen Situationen die Auswirkungen von Klimaextremen auf den Menschen abpuffern. Insbesondere im Bereich des Hochwasser- und Küstenschutzes, aber auch bei der Sicherung der Wasserversorgung in Trockenzeiten“ (www.bfn.de/fileadmin/MDB/documents/themen/biologischevielfalt/BfN_skript_148.pdf, S. 15). Die Klimakrise ist ein Multiplikator für das globale Artensterben. Umgekehrt führen jedoch weitere Veränderungen und der Verlust von Biodiversität auch zu negativen Rückkopplungseffekten für das Klima.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen10
Welche Kenntnisse liegen der Bundesregierung über die potentiellen Auswirkungen der Klimakrise bei einer globalen Erwärmung von 2 Grad auf die Gewässer-Ökosysteme in Deutschland und Europa vor?
Welche Kenntnisse liegen der Bundesregierung über die potentiellen Auswirkungen der Klimakrise bei einer globalen Erwärmung von 4 Grad auf die Gewässer-Ökosysteme in Deutschland und Europa vor?
Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung vor, wie Klimakrise und zunehmende Extremwetterereignisse die Gewässer und ihre Biodiversität (aquatisch und wasserabhängig) in Deutschland beeinflussen (werden) (bitte auch exemplarisch anhand einiger Arten(-gruppen) ausführen)?
Sieht die Bundesregierung saisonale oder regionale Probleme mit der Verfügbarkeit von Süßwasser, insbesondere in Bezug auf das Trockenfallen von Feuchtgebiets- und Auenbiotopen, in Deutschland, und wenn ja, in welchem Ausmaß, und worin liegt dies begründet?
Welche Erkenntnisse zu den Auswirkungen für die aquatische und wasserabhängige Biodiversität durch anhaltende Trockenheit wie beispielsweise im Sommer 2018 liegen der Bundesregierung vor?
Welche Auswirkungen erwartet sie in Zukunft?
Von welchen Auswirkungen geht die Bundesregierung auf Amphibien-FFH-Arten (FFH = Fauna-Flora-Habitat) durch das Trockenjahr 2018 aus?
Welche gezielten Schutzmaßnahmen oder Artenhilfsprogramme für Amphibien implementiert oder plant die Bundesregierung?
Welche Auswirkungen sieht die Bundesregierung für die aquatische und wasserabhängige Biodiversität durch steigende Wassertemperaturen, insbesondere auch im Grundwasser?
Welche Auswirkungen erwartet sie in Zukunft?
Welche Kenntnisse zur Wirkung von interagierenden Stressoren zusätzlich zur Klimakrise auf die aquatische und wasserabhängige Biodiversität liegen der Bundesregierung vor?
Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, ob die Wirkung multipler Stressoren zusätzlich zur Klimakrise auf die aquatische Biodiversität zunimmt?
Wie bewertet die Bundesregierung die Fähigkeit von biodiversitätsreichen Auenökosystemen, die in Deutschland stark bedroht sind, für Klimaschutz und Klimaanpassung, insbesondere mit Blick auf zukünftige Entwicklungen und ihre Vernichtung?