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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet
Afrika als Plattform für den Ausbau Chinas neuer Seidenstraßeninitiative - Wirtschaftliche Kooperationspotentiale für deutsche Unternehmen nutzen
(insgesamt 17 Einzelfragen)
Fraktion
AfD
Ressort
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Datum
06.08.2019
Aktualisiert
26.07.2022
BT19/1174718.07.2019
Afrika als Plattform für den Ausbau Chinas neuer Seidenstraßeninitiative - Wirtschaftliche Kooperationspotentiale für deutsche Unternehmen nutzen
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag Drucksache 19/11747
19. Wahlperiode 18.07.2019
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Dietmar Friedhoff, Markus Frohnmaier, Ulrich Oehme,
Thomas Seitz, Stephan Protschka, Jens Kestner, Enrico Komning, Stefan Keuter,
Tobias Matthias Peterka, Dr. Götz Frömming, Dr. Harald Weyel, Martin Sichert,
Dr. Rainer Kraft, Jörn König, Armin-Paulus Hampel, Hansjörg Müller,
Dr. Roland Hartwig, Martin Hess, Dr. Michael Espendiller und
der Fraktion der AfD
Afrika als Plattform für den Ausbau Chinas neuer Seidenstraßeninitiative –
Wirtschaftliche Kooperationspotentiale für deutsche Unternehmen nutzen
Chinas Engagement in Afrika bildet nicht nur die Grundlage für eine bilaterale
Strategie zwischen China und Afrika. Überdies und vielmehr wird der
afrikanische Kontinent eingebunden in die 2013 von Staatspräsident Xi Jingping in
Kasachstan ausgerufene neue Seidenstraßeninitiative oder auch „Belt and Road
Initiative“ (BRI). Diese umfasst 70 Staaten in Asien, Afrika und Europa. Grundlage
dafür sind zwei Transportrouten: Die Wiederbelebung der traditionellen
Seidenstraße über Land bis nach Europa sowie die Schaffung einer maritimen
Seidenstraße des 21. Jahrhunderts über Südostasien, Indien, Sri Lanka und vorbei an
Ostafrika ebenfalls nach Europa (www.zdf.de/nachrichten/heute/chinas-neue-
seidenstrasse-100.html).
Es ist nach Ansicht der Fragesteller bedeutend, darauf zu verweisen, dass
unmittelbar nach den Afrikareisen von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel und
Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Dr. Gerd
Müller im August 2018 (www.spiegel.de/politik/ausland/was-angela-merkel-
auf-ihrer-afrika-reise-erreichen-will-a-1224352.html) das China-Afrika Forum –
ein „Mammut-Gipfel“ in Peking – stattfand mit den Staats- und Regierungschefs
fast aller afrikanischen Länder. Das angebotene 60-Milliarden-US-Dollar-
Entwicklungspaket für einen Drei-Jahres-Aktionsplan übertrifft das Niveau anderer
Investoren für Afrika. Chinas Staatspräsident Xi Jingping bezeichnete Afrika als
eine Plattform für den Ausbau der neuen Seidenstraße und ihrer riesigen
Wirtschaftskorridore (www.welt.de/politik/ausland/article181408002/Neue-Seidenstrasse-
Chinas-grosser-Sprung-nach-Afrika.html).
Im September 2018 bekräftigte Staatspräsident Xi Jinping in Peking das Ziel
einer „umfassenden strategischen und kooperativen Partnerschaft“ mit Afrika. In
diesem Zusammenhang sollten die sogenannten Zehn Großen Kooperationspläne
umgesetzt werden, die alle wesentlichen Aspekte der Zusammenarbeit umfassen:
Industrialisierung, Modernisierung der Landwirtschaft, Infrastrukturentwicklung,
finanzielle Kooperation, Grüne Entwicklung, Unterstützung von Handel und
Investment, Armutsbekämpfung, öffentliche Gesundheit, kultureller und
personeller Austausch (people-to-people) sowie eine Zusammenarbeit für Frieden und
Sicherheit (www.chinatoday.com.cn/german/2018/zt/2018zfhz/201809/t20180905_
800140664.html).
Chinas Vorhaben für Afrika zielt nach Ansicht der Fragesteller auf
außerordentliche Visionen, für die bisher von China in einer Reihe afrikanischer Länder große
Projekte errichtet wurden. Dass China beispielsweise die Bahnstrecke zwischen
der kenianischen Hafenstadt Mombasa und Nairobi baut oder dass es 340
Kilometer nördlich von Mombasa Kenias zweiten internationalen Seehafen errichtet,
ist in diesem Zusammenhang zu sehen (www.zeit.de/2018/02/china-
afrikaeinwanderung-unternehmer-investoren-senegal/seite-3). Afrika sucht nach
Ansicht der Fragesteller in diesem Kontext eine konstruktive Zusammenarbeit mit
China.
China hat sein Engagement in Afrika in den letzten Jahren massiv ausgeweitet
(siehe oben verlinkte Quellen). Investitionen in die Infrastruktur, in die
Telekommunikation bestimmen das Bild. Der Zugang zu Rohstoffen spielt eine wichtige
Rolle, aber auch die wachsenden Konsumgütermärkte des Kontinents. Darüber
hinaus bieten sich einige Länder zunehmend als Produktionsstandorte für die
Industrie an.
Mit der Einbindung Afrikas und insbesondere Ostafrikas in sein Seidenstraße-
Projekt schafft China nach Ansicht der Fragesteller dort die Grundlage für die
Schaffung von Infrastrukturprojekten und die Industrialisierung der wesentlichen
wirtschaftlichen Sektoren. Nach Ansicht der Fragesteller gibt es im Rahmen der
Umsetzung Chinas „Neuer Seidenstraße“ auf dem afrikanischen Kontinent
Möglichkeiten für die deutschen Unternehmen mitzuwirken. Leider ist es den
Fragestellern bis heute aber nicht erfahrbar, welche wirtschaftlichen und
entwicklungspolitischen Interessen von deutscher Seite bekundet wurden und inwiefern die
Bundesregierung sich aktiv um die Vermittlung von Projekten an deutsche
Unternehmen und um eine technologische Kooperation mit chinesischen
Unternehmen in Afrika bemüht.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche entwicklungs- und wirtschaftspolitischen Auswirkungen der neuen
Seidenstraßeninitiative ergeben sich nach Ansicht der Bundesregierung für
Afrika, und wie beurteilt die Bundesregierung diese Auswirkungen?
2. Sieht die Bundesregierung angesichts der Dimensionen und zu erwartenden
Auswirkungen die Notwendigkeit zur Überarbeitung der Strategien und
Wirkweisen der eigenen Entwicklungshilfepolitik für Afrika?
3. Versteht die Bundesregierung die Volksrepublik China im Kontext dieser
neuen Dynamik in Afrika als Konkurrenten, Wegweiser oder
Kooperationspartner?
4. Welche neuen Strategien lenken nun das entwicklungspolitische Vorgehen
der Bundesregierung in Afrika angesichts dieser neuen China-Dynamik auf
dem Kontinent?
5. Welche Konsequenzen für ihr eigenes Handeln zieht die Bundesregierung
aus den steigenden chinesischen entwicklungspolitischen
Infrastrukturausgaben im Rahmen der Umsetzung von Chinas Seidenstraßeninitiative in
Afrika?
6. Inwiefern thematisiert die Bundesregierung das chinesische Engagement
bezüglich der Seidenstraßeninitiative in Afrika mit Regierungsvertretern der
Volksrepublik China, und wann und wo wurde dies konkret zuletzt mit
diesen Regierungsvertretern thematisiert?
7. Inwiefern thematisiert die Bundesregierung das chinesische Engagement
bezüglich der Seidenstraßeninitiative in Afrika mit afrikanischen
Regierungsvertretern, und wann und wo wurde dies konkret mit diesen
Regierungsvertretern thematisiert?
8. Welche besondere Rolle spielt das 2016 gegründete Deutsch-Chinesische
Zentrum für Nachhaltige Entwicklung (ZNE) bezüglich einer deutsch-
chinesischen Kooperation im Rahmen der „Neuen Seidenstraße“ in Afrika (https://
sg-csd.org/de/vorstellung-des-zne/)?
9. Welche konkreten gemeinsamen entwicklungspolitischen Projekte wurden
nach Kenntnis der Bundesregierung im Rahmen der Arbeit des ZNE bisher
in Afrika durchgeführt?
10. Gibt es weitere entwicklungspolitische Kooperationsformen zwischen der
Bundesrepublik Deutschland und der Volksrepublik China im Kontext der
Koordination des entwicklungspolitischen Engagements der beiden Länder
in Afrika?
11. Wie beurteilt die Bundesregierung die Umsetzungspläne der „Neuen
Seidenstraße“ in Afrika im Hinblick auf die Zielsetzungen der Agenda 2030 (www.
bmz.de/de/ministerium/ziele/ 2030_agenda/index.html)?
12. In welcher konkreten Form unterstützt die Bundesregierung eine
entwicklungspolitische Strategie-Kohärenz und eine Kooperation zwischen der
Bundesrepublik Deutschland und der Volksrepublik China in Afrika?
13. Welche deutschen Unternehmen wurden nach Kenntnis der Bundesregierung
in den letzten fünf Jahren im Rahmen des chinesischen Engagements in
Afrika bei der Vermittlung von Aufträgen und Dienstleistungen durch die
Bundesregierung bzw. die deutsche Politik in den Bereichen
a) Infrastruktur,
b) Landwirtschaft,
c) Telekommunikation und
d) Energieerzeugung und -management
spezifisch flankiert und begleitet?
14. Wie viele Kooperationsabkommen wurden nach Kenntnis der
Bundesregierung in den letzten fünf Jahren zwischen führenden chinesischen und
deutschen Unternehmen im Rahmen der Umsetzung chinesischer
Afrikainvestitionen unterzeichnet, damit Know-how und Technik aus Deutschland und
China sich ergänzen und gemeinsam mit afrikanischen Partnern für eine
nachhaltige Entwicklung in Afrika sorgen?
15. Inwiefern unterstützt die Bundesregierung im Zusammenhang mit dem
chinesischen Engagement im Energiesektor in Afrika, wo der chinesische
Energieriese China National Nuclear Corp (CNNC) Atomkraftwerke z. B. im
Sudan (www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/china-baut-atomkraftwerk-im-sudan-
a-1093761.html) und in Kenia (www.taz.de/Atomkraft-in-Afrika/!5304451/)
baut, die Vermittlung von Know-how und Reaktortechnik aus Deutschland?
16. Gibt es bezüglich erneuerbarer Energien – China trug im Jahr 2017 mehr als
45 Prozent zu den weltweiten Investitionen in erneuerbare Energien bei
(www.handelsblatt.com/unternehmen/energie/handelsblatt-energie-
gipfelchina-will-mit-erneuerbaren-energien-zur-gruenen-supermacht-werden/
23898680.html) – nach Kenntnis der Bundesregierung eine Kooperation
zwischen chinesischen und deutschen Unternehmen?
17. Sieht die Vereinbarung zwischen dem Europäischen Investitionsfonds (EIF)
und dem chinesischen „Silk Road Fund“ (SRF), Investitionen und
gemeinsame Projekte der Initiative „Neue Seidenstraße“ zu unterstützen (http://
europa.eu/rapid/press-release_IP-17-1524_de.htm), nach Kenntnis der
Bundesregierung auch Projekte in Afrika oder nur solche in Europa vor?
Gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung bereits begonnene oder geplante
Projekte europäischer Länder im Rahmen dieser Vereinbarung in Afrika?
Berlin, den 3. Juli 2019
Dr. Alice Weidel, Dr. Alexander Gauland und Fraktion
Satz: Satzweiss.com Print, Web, Software GmbH, Mainzer Straße 116, 66121 Saarbrücken, www.satzweiss.com
Druck: Printsystem GmbH, Schafwäsche 1-3, 71296 Heimsheim, www.printsystem.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]
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