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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet
Situation in der Weidetierhaltung
(insgesamt 27 Einzelfragen mit zahlreichen Unterfragen)
Fraktion
DIE LINKE
Ressort
Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft
Datum
28.08.2019
Aktualisiert
26.07.2022
BT19/1180622.07.2019
Situation in der Weidetierhaltung
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag Drucksache 19/11806
19. Wahlperiode 22.07.2019
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Dr. Kirsten Tackmann, Dr. Gesine Lötzsch,
Lorenz Gösta Beutin, Heidrun Bluhm-Förster, Jörg Cezanne,
Anke Domscheit-Berg, Kerstin Kassner, Katja Kipping, Caren Lay, Sabine Leidig,
Ralph Lenkert, Michael Leutert, Amira Mohamed Ali, Norbert Müller (Potsdam),
Victor Perli, Ingrid Remmers, Kersten Steinke, Andreas Wagner, Hubertus Zdebel
und der Fraktion DIE LINKE.
Situation in der Weidetierhaltung
Betriebe mit Weidetierhaltung erbringen in hohem Maße Leistungen für die
Gesellschaft. „Sie erzeugen besonders hochwertige Lebensmittel und Rohstoffe,
gestalten Landschaften und ein reiches Landschaftsbild. Extensive Weiden gehören
zu den artenreichsten Lebensräumen Europas. Weidebetriebe sorgen für
Erosionsschutz auf Deichen und an Berghängen, und sie fördern Wasser- und
Klimaschutz“ (vgl. „Weidetierhaltung benötigt gezielte Förderung“, Deutscher
Verband für Landschaftspflege – DVL – und Bundesverband Berufsschäfer, 23.
August 2013). Weidetierhalterinnen und Weidetierhalter sind aber auch auf ein
„angemessenes Familieneinkommen“ angewiesen, um ihre Existenz sichern zu
können. Verschiedene Maßnahmen müssen dafür aus Sicht der Fragestellenden
dringend umgesetzt werden, z. B. die Einführung einer Weidetierprämie, die
Errichtung eines Herdenschutzkompetenzzentrums beim Bundesministerium für
Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), bundeseinheitliche und eindeutige
Regelungen für Herdenschutzmaßnahmen (vgl. Bundestagsdrucksachen 19/581 und
19/1691 – Anträge der Fraktion DIE LINKE.) und die Erstattung von
Arbeitskosten für die Wartung von Schutzzäunen und die Kostenübernahme für den
Unterhalt von Schutzhunden (Schreiben der EU-Kommissare Karmenu Vella und Phil
Hogan an die EU-Ministerinnen und EU-Minister für Umwelt und
Landwirtschaft, 11. Februar 2019). Eine „Beratungsstelle zum Herdenschutz“, die
Novellierung der Tierschutz-Hundeverordnung, „um den notwendigen Einsatz von
Herdenschutz- und Hütehunden zu erleichtern und zu vereinfachen“, „ein
generelles Fütterungsverbot von Wölfen“ und „eine Harmonisierung von effektiven
Schutzmaßnahmen für alle Weidetier- und Gatterwildhalter“ sind bereits im
Juni 2018 von den Koalitionsfraktionen der CDU/CSU und der SPD beantragt
und beschlossen, aber noch immer nicht realisiert worden (vgl.
Bundestagsdrucksache 19/2981, Antrag CDU/CSU und SPD). Die Fragestellenden möchten mit
dieser Anfrage den Stand der Umsetzung abfragen.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wann wird die Bundesregierung die vom Deutschen Bundestag bereits 2018
beschlossene Beratungsstelle für Weidetierhalterinnen und Weidetierhalter,
Landwirtinnen und Landwirte und Jägerinnen und Jäger einrichten?
In welchem Umfang (Kosten, Personalstellen und Laufzeit) wird diese
Beratungsstelle gefördert, welche konkreten Aufgaben werden ihr übertragen,
und wo wird sie angesiedelt sein?
2. Wird die Finanzierung der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes
zum Thema Wolf (DBBW) verlängert?
Wenn ja, wie lange, und in welchem finanziellen Rahmen?
Wenn nein, warum nicht?
Wann wird dem Deutschen Bundestag eine Evaluation der Ergebnisse der
Arbeit dieser Einrichtung vorgelegt?
3. Welche Projekte zu den Themen Herdenschutz, Weidetierhaltung und
Großprädatoren sind in den vergangenen zehn Jahren nach Kenntnis der
Bundesregierung in der Agrarressortforschung bearbeitet worden oder werden
aktuell bearbeitet (einschließlich Finanzierungsquelle, finanzieller, zeitlicher und
personeller Umfang), und welche Schlussfolgerungen zieht die
Bundesregierung aus den Ergebnissen dieser Projekte?
4. Wann wird die Bundesregierung die in den vergangenen Jahren mehrfach
angekündigte Novelle der Tierschutz-Hundeverordnung vorlegen, und wie
werden im Besonderen §§ 4 und 6 Absatz 4 der Verordnung für einen
umfassenden und rechtsicheren Einsatz von Herdenschutzhunden geändert?
Wenn nein, warum nicht?
5. Welche Fördermaßnahmen plant die Bundesregierung in welchem Rahmen
(Kosten, Förderprogramm, Laufzeit) für die Unterstützung von
Weidetierhalterinnen und Weidetierhalter, und wann trat sie zu welchen Maßnahmen
und mit welchem Ergebnis mit den Bundesländern seit 2014 zusammen?
Wenn keine Fördermaßnahmen geplant sind, warum nicht?
6. Wann, von wem, in welchem finanziellen Umfang und welcher
Gebietskulisse sind die Vorschläge der EU-Kommissare Hogan und Vella für eine
Erstattung der Kosten für die Wartung von Herdenschutzanlagen und den
Unterhalt von Schutzhunden nach Kenntnis der Bundesregierung umgesetzt
(bitte nach Mitgliedstaaten der EU und Bundesländern getrennt nach
Maßnahmen auflisten)?
Wenn nein, warum nicht?
Wann ist eine Umsetzung geplant?
7. Inwieweit plant die Bundesregierung, die Weidetierhaltung zu fördern?
Zielt sie dabei auf eine flächen- oder eine tierbezogene Förderung ab?
Mit welcher Begründung?
8. Wie und seit wann setzt sich die Bundesregierung für bundeseinheitliche und
eindeutige Regelungen zur Umsetzung und Finanzierung von Herdenschutz-
und Schadensausgleichsmaßnahmen ein?
Welche Gespräche wurden und werden dazu mit wem und mit welchem
Ergebnis geführt (bitte für den Zeitraum von 2014 bis heute angeben)?
9. Wie und seit wann setzt sich die Bundesregierung für eine schnelle und
unbürokratische Finanzierung von Präventions- und Ausgleichsmaßnahmen
ein?
Welche Gespräche wurden und werden dazu mit wem und mit welchem
Ergebnis geführt (bitte für den Zeitraum von 2014 bis heute angeben)?
10. Wie und seit wann setzt sich die Bundesregierung für einen bundesweit
gültigen Managementplan für den Wolf ein?
Welche Gespräche wurden und werden dazu mit wem und mit welchem
Ergebnis geführt (bitte für den Zeitraum von 2014 bis heute angeben)?
11. In welchen Abständen wird nach Kenntnis der Bundesregierung der
Erhaltungszustand des Wolfes in Mitteleuropa von wem und auf welcher
Grundlage in den einzelnen Mitgliedstaaten mit welchem Ergebnis festgestellt
(bitte nach Mitgliedstaaten getrennt auflisten)?
12. Welche Maßnahmen oder Projekte hat die Bundesregierung initiiert, um
die Entwicklung der Weidetierhaltung, die Auswirkungen von
Umzäunungen von Weideflächen für wandernde Tierarten und die Entwicklung der
Wolfspopulation zu untersuchen, und welche Schlussfolgerungen wurden
daraus gezogen (bitte seit 2014 umgesetzte, sich in Umsetzung befindliche
und geplante Programme bzw. Projekte mit Laufzeit, Kosten und
Projektträgerin bzw. Projektträger unterteilt in Nutztierklassen bei der
Weidetierhaltung auflisten)?
13. Unter welchen konkreten Bedingungen und wann wird die Bundesregierung
dem Deutschen Bundestag eine Weidetierprämie aus der ersten Säule der
Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) vorschlagen?
Wenn nein, warum nicht?
14. Plant die Bundesregierung, die bisherige Statistik der Dokumentations- und
Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) um folgende Daten
erweitern zu lassen:
a) Wolfsschäden aufgeteilt in die Anzahl getöteter, verletzter und vermisster
Nutztiere,
b) weitere Weidetierarten wie Freilandgeflügel, Pferde, Alpakas und Lamas,
c) einzelne Bundesländer und Regionen und
d) Zuordnung nicht nur in Jahren, sondern auch in Monaten?
Wenn nein, warum nicht?
15. Wie viele Wolfrisse wurden bei Nutztieren trotz welcher konkreter
Herdenschutzmaßnahmen dokumentiert (bitte nach Bundesländern getrennt seit
2014 auflisten und zusätzlich die in der betroffenen Region vom jeweiligen
Bundesland vorgeschriebenen Herdenschutzmaßnahmen angeben), und
welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung daraus?
16. Wie viele Förderanträge wurden nach Kenntnis der Bundesregierung bisher
zum Bundesprogramm Wolf (Einzelplan 10 1005 686 14 -523 (77 – neu))
gestellt, welche befürwortet (bitte Anträge nach Bundesländern und
geförderter Höhe auflisten), und aus welchen Gründen wurden wie viele Anträge
abgelehnt?
Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung aus diesem Ergebnis?
17. Unterliegt die Förderung über das Bundesprogramm Wolf den De-minimis-
Bestimmungen?
Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung daraus?
18. Wie hat sich der Wolfbestand regional in Deutschland entwickelt, und
welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung daraus bezüglich des
aktuellen Erhaltungszustands des Wolfes in der Bundesrepublik Deutschland
(bitte Anzahl der Wölfe in Deutschland getrennt nach Gebieten, die schon
länger wieder besiedelt sind bzw. erst kürzlich wieder besiedelt wurden von
Januar 2010 bis heute auflisten)?
19. Hält die Bundesregierung verpflichtende DNA-Tests bei allen Nutztierrissen
für notwendig, und in welchen Bundesländern gibt es eine solche
Verpflichtung bzw. wurden bei welchem Anteil der Nutztierrisse jeweils DNA-Tests
mit welchem Ergebnis durchgeführt?
20. Wie soll nach Kenntnis der Bundesregierung die Umsetzung von
wolfsabweisenden Zäunen an Küsten- und Flussdeichen umgesetzt werden?
Welche Förderprogramme und Forschungsaufträge wurden dazu wann an
wen vergeben (bitte nach Bundesländern aufgeschlüsselt mit Projektträgerin
bzw. Projektträger, Summe, Laufzeit und Bund- oder Länderförderung
auflisten)?
Welche Regelungen gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung in anderen
EU-Mitgliedstaaten für diese spezielle Situation (bitte Förderprogramme und
Forschungsaufträge nach Mitgliedstaat getrennt auflisten), und welche
Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung daraus?
21. Wie wird der Herdenschutz nach Kenntnis der Bundesregierung in
Gebirgslagen in Deutschland durchgeführt (bitte nach Bundesländern, Vorgaben zu
Herdenschutzzäunen und -tieren auflisten)?
Welche Regelungen gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung in anderen
EU-Mitgliedstaaten für diese spezielle Situation (bitte Regelungen nach
Mitgliedstaat getrennt auflisten), und welche Schlussfolgerungen zieht die
Bundesregierung daraus?
22. Gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung unterschiedliche Regelungen
zum Schutz von Rindern und Pferden?
Wenn ja, welche (bitte nach Bundesländern konkrete Regelungen auflisten),
und mit welcher Begründung?
Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung aus den Ergebnissen
solcher Regelungen?
23. Sollte aus Sicht der Bundesregierung der empfohlene Schutz bei
Schutzzäunen bundesweit bei 1,20 Meter liegen (gemäß Bundesamt für Naturschutz –
BfN –)?
Welche Regelungen existieren dazu in den Bundesländern nach Kenntnis der
Bundesregierung (bitte Regelungen getrennt nach Bundesländern
aufführen)?
Wenn nein, welche Höhe von Schutzzäunen hält die Bundesregierung
bundesweit für angemessen, und warum?
24. Welche Präventiv- und Ausgleichsmaßnahmen in Bezug auf den Wolf
unterliegen nach Kenntnis der Bundesregierung der De-minimis-Regelung (bitte
nach Bundesländern und Einzelmaßnahmen getrennt auflisten), und welche
Maßnahmen haben die Bundesländer ergriffen oder können sie ergreifen, um
das zu vermeiden?
25. Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung, um der Konkurrenz mit
anderen De-minimis-betroffenen Förderungen (beispielsweise Dürre-
Beihilfe) aus dem Weg zu gehen und so eine angemessene Förderung der
Weidetierhaltung zu erreichen?
26. Wie sieht nach Kenntnis der Bundesregierung die Grünlanddefinition (z. B.
100 Bäume-Regel, Teilflächenbewuchs mit Büschen älter als zwei Jahre
etc.) in den einzelnen Bundesländern aus (bitte nach Bundesländern
aufgeschlüsselt einzelne Grünlanddefinition für den Erhalt von Beihilfen
auflisten), und welche Schlussfolgerungen zieht sie daraus?
27. In welchem Rahmen setzt sich die Bundesregierung im Laufe der
Verhandlungen zur GAP für eine Grünlanddefinition ein, die es Weidetierhalterinnen
und Weidetierhaltern ermöglicht, von Naturschutzmaßnahmen und
Landschaftspflege leben zu können?
Welche Gespräche wurden dazu wann, mit wem und zu welchen Regelungen
seit 2014 geführt?
Berlin, den 8. Juli 2019
Dr. Sahra Wagenknecht, Dr. Dietmar Bartsch und Fraktion
Satz: Satzweiss.com Print, Web, Software GmbH, Mainzer Straße 116, 66121 Saarbrücken, www.satzweiss.com
Druck: Printsystem GmbH, Schafwäsche 1-3, 71296 Heimsheim, www.printsystem.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]
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