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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet
Importzölle auf Primäraluminium
(insgesamt 10 Einzelfragen mit zahlreichen Unterfragen)
Fraktion
FDP
Ressort
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
Datum
14.08.2019
Aktualisiert
26.07.2022
BT19/1197729.07.2019
Importzölle auf Primäraluminium
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag Drucksache 19/11977
19. Wahlperiode 29.07.2019
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Otto Fricke, Christian Dürr, Grigorios Aggelidis, Renata Alt,
Jens Beeck, Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Karlheinz Busen,
Dr. Marcus Faber, Katrin Helling-Plahr, Markus Herbrand, Katja Hessel,
Dr. Christoph Hoffmann, Reinhard Houben, Ulla Ihnen, Dr. Christian Jung,
Thomas L. Kemmerich, Konstantin Kuhle, Oliver Luksic, Alexander Müller,
Roman Müller-Böhm, Bernd Reuther, Frank Schäffler, Matthias Seestern-Pauly,
Frank Sitta, Bettina Stark-Watzinger, Michael Theurer, Gerald Ullrich,
Nicole Westig und der Fraktion der FDP
Importzölle auf Primäraluminium
Aluminium ist durch seine Beschaffenheit, sein immenses Vorkommen und seine
Recyclingfähigkeit einer der Werkstoffe der Zukunft. Neben der
Automobilproduktion wird es auch für die Produktion von Flugzeugen, Spiegelreflexkameras
oder Zahnpasta genutzt. Die Nachfrage von Aluminium steigt jährlich weltweit
(https://de.statista.com/statistik/daten/studie/156039/umfrage/weltweite-
aluminiumnachfrage-seit-2006/). Mit fast 40 Kilogramm Pro-Kopf-Verbrauch
hat Deutschland den höchsten Verbrauch je Einwohner (Stand: 2014, www.tages
schau.de/wirtschaft/aluminium102.html).
In Deutschland wird in rund 250 Betrieben Aluminium erzeugt oder verarbeitet.
Die teilweise weltweit tätigen Konzerne sowie die klein- und mittelständischen
Unternehmen schaffen damit die Lebensgrundlage für eine Vielzahl direkt und
indirekt mit dieser Branche verbundener Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.
In Deutschland beschäftigte die Aluminiumindustrie im Jahr 2018 unmittelbar
rund 66 000 Menschen und erwirtschaftete einen Umsatz von rund 22 Mrd. Euro
(www.aluinfo.de/beschaeftigung-und-umsatz.html). Damit nimmt die
Aluminiumindustrie eine entscheidende Position für die deutsche Wirtschaft ein. So ist sie
nicht nur für die Wirtschaftskraft der Bundesrepublik Deutschland entscheidend,
sondern auch als Teil der Wertschöpfungskette von hoher strategischer
Bedeutung. In der Aluminiumproduktion wird zwischen Primäraluminium, welches aus
Bauxit gewonnen wird, und Sekundäraluminium, welches wiederum aus
Aluminiumschrott recycelt wird, unterschieden (https://de.statista.com/themen/
2514/aluminium/). Neben einer volkswirtschaftlichen Dimension bietet das
Recycling von Aluminium auch ökologische und ökonomische Vorteile, da nur
5 Prozent der Energie aufgewendet werden muss, die zur Herstellung von
Primäraluminium benötigt wird. Darüber hinaus werden durch das Recycling
Emissionen reduziert, Ressourcen eingespart und Deponien entlastet (www.impol-
group.de/nachhaltige-entwicklung/recycling/vorteile-und-einsparungen-
beimaluminiumrecycling). In Deutschland wird inzwischen mehr Aluminium aus dem
Kreislauf gewonnen als über den primären Bereich. Dadurch wird die Ökobilanz
von Aluminiumprodukten, bezogen auf Energie- und Wasserverbrauch,
Abfallaufkommen, Emissionen, Rohstoffverbrauch und Entsorgung optimiert
(www.aluinfo.de/recycling.html).
Die Aluminiumindustrie wurde im vergangenen Jahr mit zahlreichen Risiken und
Herausforderungen konfrontiert. Zu nennen sind in erster Linie die
Rohstoffversorgung, die Importzölle der USA auf spezifische Aluminiumprodukte und
die hierdurch hervorgerufenen negativen Effekte der Handelsumlenkung (www.
euractiv.de/section/finanzen-und-wirtschaft/interview/der-europaeische-aluminium
markt-geraet-unter-druck/).
Derzeit gibt es je nach Herkunftsland starke Gefälle hinsichtlich der
Einfuhrkosten von Primäraluminium in die Europäische Union. Die Europäische Union ist
jedoch zur Deckung des Aluminiumbedarfs seiner Industrie zu einem hohen
Prozentsatz von Importen abhängig. Aus diesem Grund sollte sie nach Ansicht der
Fragesteller keine Importbarrieren für Rohstoffe aufbauen, die hier nicht
ausreichend produziert werden.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche Kenntnisse liegen der Bundesregierung über den prozentualen Anteil
von importierten Primäraluminium am gesamt verarbeiteten
Primäraluminium in der Europäischen Union vor?
2. Welche Kenntnisse liegen der Bundesregierung zur Höhe der Importzölle für
Primäraluminium in die Europäische Union vor (bitte nach Hersteller- bzw.
Ursprungsland aufschlüsseln)?
3. Liegen der Bundesregierung Kenntnisse vor, nach denen Primäraluminium
über Drittländer zu günstigeren Konditionen als in Frage 2 beschrieben in die
Europäische Union eingeführt werden kann?
a) Wenn ja, um welche Länder handelt es sich dabei?
b) Wenn ja, worin begründen sich diese Vergünstigungen (bitte nach
Ursprungsland aufschlüsseln)?
4. Setzt die Bundesregierung sich auf europäischer Ebene für eine
Harmonisierung der Zölle auf Primäraluminium aus unterschiedlichen Ursprungsländern
ein?
a) Wenn ja, wie ist der aktuelle Sachstand?
b) Wenn nein, wieso nicht?
5. Liegen der Bundesregierung Kenntnisse über Ausnahmeregelungen für in
Deutschland produzierende Aluminiumhersteller gegenüber anderen
Branchen hinsichtlich der Besteuerung, der EEG-Umlage (EEG = Erneuerbare-
Energien-Gesetz) und weiterer regulärer Kosten vor, und wenn ja, warum,
und in welcher Höhe?
6. Positioniert sich die Bundesregierung zu einer Senkung der Importzölle für
Primäraluminium vor dem Hintergrund zunehmender Handelskonflikte und
der anhaltenden Diskussion um die Versorgung mit Rohstoffen für die
deutsche Industrie und der damit einhergehenden Planungs- und
Investitionsunsicherheit für das produzierende Gewerbe in Deutschland, und wenn ja, wie?
7. Gibt es Bestrebungen der Bundesregierung, vor allem vor dem Hintergrund
der sich abschwächenden Konjunktur, Handelshemmnisse (wie Zölle)
abzubauen, um Rohstoffe für die deutsche Industrie, speziell für den Mittelstand,
preisgünstiger zu machen?
8. Wie betrachtet die Bundesregierung die Entwicklung der Aluminiumbranche
in Deutschland, vor allem der weiterverarbeitenden Industrie, in Hinsicht auf
ihre europäische und internationale Wettbewerbsfähigkeit?
9. Bewertet die Bundesregierung den Einfluss folgender Faktoren
Strompreise
sonstige Energiepreise
Kosten aus Klimaschutzmaßnahmen
Vorgaben zum Umweltschutz
Vorgaben zum Arbeitsschutz
auf die relative Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Aluminiumindustrie
gegenüber internationalen Wettbewerbern, und wenn ja, wie?
10. Wie haben sich der Import von Primäraluminium und die sich daraus
ergebenden Zoll- und Steuereinnahmen nach Kenntnis der Bundesregierung in
den letzten zehn Jahren entwickelt (bitte nach Importmenge, Höhe der
jeweiligen Steuer- und Zolleinnahmen und Jahr aufschlüsseln)?
Berlin, den 17. Juli 2019
Christian Lindner und Fraktion
Satz: Satzweiss.com Print, Web, Software GmbH, Mainzer Straße 116, 66121 Saarbrücken, www.satzweiss.com
Druck: Printsystem GmbH, Schafwäsche 1-3, 71296 Heimsheim, www.printsystem.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]
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