[Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Verkehr und digitale
Infrastruktur vom 27. August 2019 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Deutscher Bundestag Drucksache 19/12779
19. Wahlperiode 28.08.2019
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. Götz Frömming, Dr. Dirk Spaniel,
Wolfgang Wiehle, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 19/12161 –
Beeinträchtigung des Bahnverkehrs durch Ausfall der Klimaanlagen in Zügen des
DB-Fernverkehrs
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Schlecht funktionierende Klimaanlagen in den Zügen des DB-Fernverkehrs
(ICE und IC) sind nach Ansicht der Fragesteller nach wie vor ein großes
Problem, wie zahlreiche nachfolgend verlinkte Berichte aufzeigen. Am Wochenende
des 29./30. Juni 2019 musste die DB Fernverkehr AG „wegen der Hitze“ Züge
stoppen (
www.tagesspiegel.de/berlin/trotz-besserer-klimaanlagen-
zugausfaellebei-der-bahn-am-hitzewochenende/24513208.html).
Im vergangenen Jahr kam es ebenfalls immer wieder zu Ausfällen der
Klimaanlage in den ICEs: So mussten zum Beispiel Anfang August 2018 zwei
komplette Wagen des ICE 1004 von Berlin nach München gesperrt werden. Dabei
wurden Reisende, die in den betroffenen Waggons einen Sitzplatz gebucht
hatten, dazu aufgefordert, den Zug zu verlassen, andernfalls werde die Fahrt nicht
fortgesetzt. Als Entschädigung erhielten die Fahrgäste 20 Euro dafür (www.
morgenpost.de/berlin/article215040837/Klimaanlage-in-ICE-kaputt-Fahrgaeste-
muessen-aussteigen.html).
Aber auch schon in den vorangegangenen Jahren kam es bei großer Hitze zu
Schwierigkeiten mit den Klimaanlagen. Negativer Höhepunkt war eine
Pannenserie im Sommer 2010. Dabei stiegen durch einen technischen Defekt die
Temperaturen in einem ICE auf dem Weg von Berlin nach Köln und Düsseldorf auf
mehr als 50 Grad Celsius an, so dass einige Fahrgäste kollabierten – neun
Jugendliche mussten daraufhin in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Seinerzeit
sahen sich Zugpersonal sowie die Deutsche Bahn AG der Kritik ausgesetzt,
nicht angemessen auf diese Ausfälle reagiert zu haben (
www.faz.net/aktuell/
wirtschaft/reisen-ohne-klimaanlage-im-schwitzkasten-der-bahn-11007703.html).
Als Ursache für die Ausfälle wurde in der Vergangenheit die mangelnde
technische Reife der Klimaanlagen genannt (
www.faz.net/aktuell/gesellschaft/
klimaanlagen-stoeranfaellige-komponente-der-ice-zuege-11007824.html). So
würden Hersteller, bedingt durch die verhältnismäßig geringen Stückzahlen
gefertigter Hochgeschwindigkeitszüge, an entsprechenden Langzeitversuchen
sparen, da diese sich nicht rentieren würden – mit der Konsequenz, dass sich
störanfälligere Klimaanlagen in den Waggons befänden. Auch die
„ambitionierteren Entwicklungszeiten“ brächten es mit sich, dass die Hersteller der ICEs
unausgereifte Modelle an Kunden ausliefern würden (
www.faz.net/aktuell/
gesellschaft/klimaanlagen-stoeranfaellige-komponente-der-ice-zuege-11007824.
html).
Da davon auszugehen ist, dass die Temperaturen auch bei uns in den
Warmwetterperioden immer öfter auf Extremwerte ansteigen werden, stellen nicht
funktionierende Klimaanlagen in den ICEs nach Ansicht der Fragesteller eine Gefahr
für Gesundheit, Sicherheit und Wohlergehen der Fahrgäste dar. Sie
beeinträchtigen den Bahnverkehr, können Schäden nach sich ziehen und, mit Blick auf
Entschädigungszahlungen für Fahrgäste, auch überflüssige Kosten verursachen
(siehe weiter vorn verlinkte Berichte).
1. Wie oft kam es nach Kenntnis der Bundesregierung seit dem Jahr 2010 zu
Ausfällen der Klimaanlagen in Fernverkehrszügen der Deutsche Bahn AG
(bitte nach Jahren aufschlüsseln)?
3. Wie häufig waren nach Kenntnis der Bundesregierung seit dem Jahr 2010
Züge der Baureihen BR 401 (ICE 1), BR 402/805-7 (ICE 2), BR 403/
406/407 (ICE 3), BR 411/415 (ICE T), BR 412/812 (ICE 4) und des IC 2
betroffen?
6. Lagen bzw. liegen der Bundesregierung Erkenntnisse über die Ursachen der
Störanfälligkeit der Klimaanlagen vor?
a) Falls ja, hat die Bundesregierung diese Erkenntnisse beim bundeseigenen
Unternehmen Deutsche Bahn AG zur Sprache gebracht?
b) Falls nein, warum nicht?
Die Fragen 1, 3 und 6a bis 6b werden gemeinam beantwortet.
Zahlen zu Ausfällen von Klimaanlagen vor 2015 liegen der Deutsche Bahn AG
(DB AG) nicht vor. Nachfolgend ist die technische Verfügbarkeit für die Jahre
2015 bis 2019 aufgeführt:
techn. Verfügbarkeit Klimaanlage
2015 2016 2017 2018
Jan-Dez Jan-Dez Jan-Dez Jan-Dez
FV
ICE 99 % 98 % 98 % 97 %
IC 95 % 95 % 95 % 95 %
Für das Jahr 2019 geht die DB AG insgesamt von einer stabilen Verfügbarkeit
der Klimaanlagen aus. Defekte Klimaanlagen konnten in der Regel kurzfristig
repariert werden.
Wie im vergangenen Jahr haben sich die neuen Baureihen wie der ICE 4,
Intercity 2 und ICE 3 Baureihe 407 zuverlässig bewährt (technische Verfügbarkeit der
Anlagen bei ~ 99 Prozent). Auch an den besonders heißen Tagen blieben die
Klimaanlagen bei diesen Fahrzeugen voll leistungsfähig. Dies ist auf die seit den
2000er Jahren gültige Beschaffungsstrategie mit der Auslegung der
Klimaanlagen auf höhere Temperaturen zurückzuführen. Bei Temperaturen von 40 Grad
Celsius und höher können Anlagen der älteren Baureihen in Einzelfällen keine
ausreichende Leistung bringen. Grund hierfür ist die Auslegung dieser Anlagen
nach dem damaligen Stand der Technik und den damaligen
Temperaturanforderungen.
2. Wie oft und auf welchen Strecken führten diese Ausfälle nach Kenntnis der
Bundesregierung dazu, dass Züge nicht weiterfahren konnten (bitte nach
Jahren aufschlüsseln)?
Nach Angaben der DB AG lag die Quote hitzebedingter Zugausfälle in den
Sommermonaten 2018 und 2019 bei unter 0,6 pro Tag. Berücksichtigt werden
alle kundenrelevanten Zugfahrten im Fernverkehr der DB AG im In- und
Ausland, die auf dem gesamten Laufweg aufgrund zu hoher Temperatur im Zug
ausgefallen sind und für die keine Ersatzfahrt gestellt wurde.
Die Daten sind in der gewünschten Aggregierung erst ab 2018 verfügbar.
4. In wie vielen Fällen kam es nach Kenntnis der Bundesregierung dabei zu
Entschädigungszahlungen?
5. Wie hoch waren nach Kenntnis der Bundesregierung die Summen der
Entschädigungsleistungen pro Jahr (2010 bis 2018)?
Bei Zugausfällen oder Verspätungen haben Reisende Anspruch auf
Entschädigungen im Rahmen der gesetzlichen Fahrgastrechte. Die Ursachen, die zu
Zugausfällen bzw. Verspätungen führen, werden von der DB AG in diesem
Zusammenhang nicht erfasst.
7. Hat die Bundesregierung ferner auf das bundeseigene Unternehmen
Deutsche Bahn AG eingewirkt, die Ausfälle der Klimaanlagen zu stoppen?
a) Falls ja, in welcher Form ist das geschehen?
b) Falls nein, warum nicht?
Die Fragen 7a und 7b werden gemeinsam beantwortet.
Die DB AG legt höchste Priorität auf eine zuverlässige Verfügbarkeit der
Klimaanlagen. Diese werden präventiv instandgehalten, um Ausfälle im Betrieb
möglichst zu vermeiden. Außerdem erfolgt ein detailliertes Monitoring zu eventuellen
Auffälligkeiten, um Muster oder entstehende Störschwerpunkte frühzeitig zu
erkennen und rechtzeitig Gegenmaßnahmen einleiten zu können.
8. Sieht sich die Bundesregierung angesichts der jüngsten Vorkommnisse dazu
veranlasst, auf das bundeseigene Unternehmen Deutsche Bahn AG
einzuwirken, die Ausfälle von Klimaanlagen in den Zügen des DB Fernverkehrs
zu stoppen?
Nein.
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