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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet
Wirtschaftliche Lage der Leibniz-Gemeinschaft
Diese Kleine Anfrage von DIE LINKE an Bundesministerium für Bildung und Forschung gehört zur 19. Wahlperiode und hat den Stand „Beantwortet“.
Fraktion
DIE LINKE
Ressort
Bundesministerium für Bildung und Forschung
Datum
04.09.2019
Antwortdauer
16 Tage
Aktualisiert
26.07.2022
ThemenWirtschaft & Finanzen
Offizielle Quellen und Volltext
Die verlinkten PDFs stammen direkt vom Dokumentenserver des Deutschen Bundestages.
BT19/1248019.08.2019
Wirtschaftliche Lage der Leibniz-Gemeinschaft
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag Drucksache 19/12480
19. Wahlperiode 19.08.2019
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Nicole Gohlke, Dr. Petra Sitte, Simone Barrientos,
Dr. Birke Bull-Bischoff, Ralph Lenkert, Amira Mohamed Ali, Sören Pellmann,
Victor Perli, Dr. Kirsten Tackmann, Andreas Wagner, Katrin Werner,
Hubertus Zdebel und der Fraktion DIE LINKE.
Wirtschaftliche Lage der Leibniz-Gemeinschaft
Die gemeinsam von Bund und Ländern geförderten außeruniversitären
Forschungseinrichtungen leisten international anerkannte Spitzenforschung in einem
weiten Feld unterschiedlicher Disziplinen. Anders als an Hochschulen spielen
Lehre und Wissensvermittlung im Tätigkeitsfeld der außeruniversitären
Forschungseinrichtungen nur eine marginale Rolle, und im Gegensatz zu den
Hochschulen können sie sich auf eine langfristig verlässliche und stetig ansteigende
Finanzierung aus öffentlichen Mitteln verlassen. Unterschiedliche Faktoren wie
beispielsweise forschungsimmanente Dynamiken, aber auch Fehlplanungen
können nach Ansicht der Fragesteller zu Divergenzen zwischen
Haushaltsaufstellungen und tatsächlichen Ausgaben führen.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Sind nach Kenntnis der Bundesregierung im Laufe der vergangenen zehn
Jahre einzelne Institute oder Forschungseinrichtungen der Leibniz-
Gemeinschaft in finanzielle Schwierigkeiten geraten oder waren von
Zahlungsunfähigkeit bedroht?
Wenn ja, welche waren dies, und in welchen Jahren?
2. Haben derartige Fälle nach Kenntnis der Bundesregierung zur Folge gehabt,
dass die Institute oder Forschungseinrichtungen intern umstrukturiert
wurden, indem z. B. Geschäftsführungen ausgewechselt oder andere personelle
Konsequenzen eingeleitet wurden?
Wenn ja, an welchen Zentren war dies in welchen Jahren der Fall?
3. Haben derartige Fälle nach Kenntnis der Bundesregierung zu personellen
Konsequenzen auf der Ebene des wissenschaftlichen oder technischen
Personals zur Folge gehabt?
Wenn ja, in welchen Fällen war dies in welchen Jahren der Fall?
4. Haben derartige Fälle nach Kenntnis der Bundesregierung zur Folge gehabt,
dass in einzelnen Instituten oder Forschungseinrichtungen der Leibniz-
Gemeinschaft insgesamt wirtschaftliche Aufsichts- oder Planungsvorgaben
verändert oder verschärft wurden?
Wenn ja, in welchen Fällen war dies in welchen Jahren der Fall?
5. Sind nach Kenntnis der Bundesregierung der Leibniz-Gemeinschaft oder
dem Bund direkt aufgrund derartiger Fälle zusätzliche Kosten entstanden,
oder sah sich der Bund genötigt, Einfluss auf die Lösung der finanziellen
Krisen zu nehmen?
Wenn ja, in welchen Fällen war dies in welchen Jahren der Fall?
6. Drohen nach Kenntnis der Bundesregierung aktuell oder in naher Zukunft
einem oder mehreren Instituten oder Forschungseinrichtungen der Leibniz-
Gemeinschaft finanzielle Schwierigkeiten bzw. erhebliche negative
Etatabweichungen?
Wenn ja, um welche Einrichtungen handelt es sich?
7. Welche Rechtsformen haben die Institute und Forschungseinrichtungen der
Leibniz-Gemeinschaft (bitte einzeln aufschlüsseln)?
8. Inwieweit und in welcher Form sind gewählte Vertreterinnen und Vertreter
des wissenschaftlichen Personals in die Aufsichts- und Kotrollgremien der
Leibniz-Institute eingebunden (bitte einzeln aufschlüsseln)?
9. Sieht die Bundesregierung die Rechtsform eingetragener Verein als adäquat
und ausreichend transparent für Körperschaften wie die Institute und
Forschungseinrichtungen der Leibniz-Gemeinschaft an, die im vergangenen
Jahr im statistischen Mittel Etats von jeweils über 21 Mio. Euro verwalteten
(vgl. www.leibniz-gemeinschaft.de/ueber-uns/organisation/leibniz-in-
zahlen.html)?
10. Ist der Bundesregierung bekannt, ob in den letzten zwei Jahren, eventuell auf
Basis von Evaluierungen, strategische Neuausrichtungen einzelner Institute
der Leibniz-Gemeinschaft vorgenommen wurden, insbesondere bezüglich
der Forschungsschwerpunkte und daraus resultierender personeller
Entscheidungen?
Wenn ja, welche Evaluierungen und welche Neuausrichtungen waren dies?
Berlin, den 5. August 2019
Dr. Sahra Wagenknecht, Dr. Dietmar Bartsch und Fraktion
Satz: Satzweiss.com Print, Web, Software GmbH, Mainzer Straße 116, 66121 Saarbrücken, www.satzweiss.com
Druck: Printsystem GmbH, Schafwäsche 1-3, 71296 Heimsheim, www.printsystem.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]
BT19/1298804.09.2019
auf die Kleine Anfrage - Drucksache 19/12480 - Wirtschaftliche Lage der Leibniz-Gemeinschaft
AntwortAntwort
Volltext (unformatiert)
[Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Nicole Gohlke, Dr. Petra Sitte,
Simone Barrientos, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 19/12480 –
Wirtschaftliche Lage der Leibniz-Gemeinschaft
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Die gemeinsam von Bund und Ländern geförderten außeruniversitären
Forschungseinrichtungen leisten international anerkannte Spitzenforschung in
einem weiten Feld unterschiedlicher Disziplinen. Anders als an Hochschulen
spielen Lehre und Wissensvermittlung im Tätigkeitsfeld der
außeruniversitären Forschungseinrichtungen nur eine marginale Rolle, und im Gegensatz zu
den Hochschulen können sie sich auf eine langfristig verlässliche und stetig
ansteigende Finanzierung aus öffentlichen Mitteln verlassen. Unterschiedliche
Faktoren wie beispielsweise forschungsimmanente Dynamiken, aber auch
Fehlplanungen können nach Ansicht der Fragesteller zu Divergenzen
zwischen Haushaltsaufstellungen und tatsächlichen Ausgaben führen.
1. Sind nach Kenntnis der Bundesregierung im Laufe der vergangenen zehn
Jahre einzelne Institute oder Forschungseinrichtungen der Leibniz-
Gemeinschaft in finanzielle Schwierigkeiten geraten oder waren von
Zahlungsunfähigkeit bedroht?
Wenn ja, welche waren dies, und in welchen Jahren?
In den letzten zehn Jahren sind nach Kenntnis der Bundesregierung folgende
Einrichtungen der Leibniz-Gemeinschaft in finanzielle Schwierigkeiten geraten
bzw. waren von Zahlungsunfähigkeit bedroht: Das Fachinformationszentrum
Chemie GmbH (FIZ Chemie) im Jahr 2011, die Senckenberg
Forschungsinstitute und Naturmuseen (SFN) im Jahr 2011 und die Deutsche Forschungsanstalt
für Lebensmittelchemie (heute: Leibniz-Institut für Lebensmittel-
Systembiologie an der Technischen Universität München, LSB@TUM) im Jahr 2016.
2. Haben derartige Fälle nach Kenntnis der Bundesregierung zur Folge
gehabt, dass die Institute oder Forschungseinrichtungen intern
umstrukturiert wurden, indem z. B. Geschäftsführungen ausgewechselt oder andere
personelle Konsequenzen eingeleitet wurden?
Wenn ja, an welchen Zentren war dies in welchen Jahren der Fall?
Deutscher Bundestag Drucksache 19/12988
19. Wahlperiode 04.09.2019
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Bildung und Forschung vom
2. September 2019 übermittelt.
Die Drucksache enthält – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Die SFN waren hiervon im Zeitraum 2011 bis 2016 betroffen. Beim
LSB@TUM war dies in den Jahren 2016/2017 der Fall. Die FIZ Chemie
GmbH wurde nach negativer Evaluierung zum 31. Dezember 2012 aufgelöst.
3. Haben derartige Fälle nach Kenntnis der Bundesregierung zu personellen
Konsequenzen auf der Ebene des wissenschaftlichen oder technischen
Personals zur Folge gehabt?
Wenn ja, in welchen Fällen war dies in welchen Jahren der Fall?
Die genannten Fälle waren unterschiedlich gelagert, daher sind auch die
personellen Konsequenzen differenziert zu gewichten. Beim LSB@TUM erfolgte
2016/2017 die Neubesetzung der Verwaltungsleitung und eine Neuberufung
des wissenschaftlichen Direktors als gemeinsame Berufung mit der TU
München. Zum FIZ Chemie wird auf die Antwort zu Frage 2 verwiesen.
4. Haben derartige Fälle nach Kenntnis der Bundesregierung zur Folge
gehabt, dass in einzelnen Instituten oder Forschungseinrichtungen der
Leibniz-Gemeinschaft insgesamt wirtschaftliche Aufsichts- oder
Planungsvorgaben verändert oder verschärft wurden?
Wenn ja, in welchen Fällen war dies in welchen Jahren der Fall?
Ja, dies erfolgte beim FIZ Chemie im Jahr 2011, bei den SFN im Zeitraum
2011 bis 2016 und beim LSB@TUM in den Jahren 2016/2017.
5. Sind nach Kenntnis der Bundesregierung der Leibniz-Gemeinschaft oder
dem Bund direkt aufgrund derartiger Fälle zusätzliche Kosten entstanden,
oder sah sich der Bund genötigt, Einfluss auf die Lösung der finanziellen
Krisen zu nehmen?
Wenn ja, in welchen Fällen war dies in welchen Jahren der Fall?
Der Bund hat in seiner Eigenschaft als Vertreter in Aufsichtsorganen bzw. als
Gesellschafter Einfluss auf die Lösung der finanziellen Schwierigkeiten
genommen und als Zuwendungsgeber z. T. vorübergehende Liquiditätshilfen
gewährt. Dies betraf im Jahr 2011 das FIZ Chemie und die SFN.
6. Drohen nach Kenntnis der Bundesregierung aktuell oder in naher Zukunft
einem oder mehreren Instituten oder Forschungseinrichtungen der
Leibniz-Gemeinschaft finanzielle Schwierigkeiten bzw. erhebliche
negative Etatabweichungen?
Wenn ja, um welche Einrichtungen handelt es sich?
Nach Kenntnis der Bundesregierung besteht aufgrund einer geänderten
rechtlichen Bewertung der Umsatzsteuerpflicht auf Bereederungen von
Forschungsschiffen durch die örtlich zuständige Finanzverwaltung gegebenenfalls beim
Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde die Möglichkeit finanzieller
Schwierigkeiten bzw. negativer Etatabweichungen.
7. Welche Rechtsformen haben die Institute und Forschungseinrichtungen
der Leibniz-Gemeinschaft (bitte einzeln aufschlüsseln)?
Unter den 95 Einrichtungen der Leibniz-Gemeinschaft (LG) sind folgende
Rechtsformen vertreten:
• 44 Leibniz-Einrichtungen (LE) haben die Rechtsform eines Vereins oder
werden von einem Verein getragen.
• 33 LE haben die Rechtsform einer Stiftung oder werden von einer Stiftung
getragen. Davon:
– sind 20 LE Stiftungen öffentlichen Rechts,
– sind 12 LE Stiftungen bürgerlichen Rechts,
– wird 1 LE von einer Stiftung bürgerlichen Rechts getragen.
• 13 LE haben die Rechtsform einer GmbH, gGmbH oder werden von einer
GmbH getragen. Davon:
– sind 6 LE Gesellschaften mit beschränkter Haftung,
– sind 6 LE gemeinnützige Gesellschaften mit beschränkter Haftung,
– wird 1 LE von einer GmbH getragen.
• 5 LE sind Anstalten des öffentlichen Rechts.
8. Inwieweit und in welcher Form sind gewählte Vertreterinnen und
Vertreter des wissenschaftlichen Personals in die Aufsichts- und Kotrollgremien
der Leibniz-Institute eingebunden (bitte einzeln aufschlüsseln)?
Die folgenden Informationen sind im Rahmen einer Ad-hoc-Umfrage erhoben
worden, an der sich 74 Leibniz-Einrichtungen beteiligten. Davon meldeten
insgesamt 47 Einrichtungen eine Einbindung von Vertreterinnen und Vertretern
ihres wissenschaftlichen Personals im Aufsichts- oder Kontrollgremium. An neun
Einrichtungen sind diese Vertreter stimmberechtigt, an 37 sind sie nicht
stimmberechtigte Mitglieder, davon 21 dauerhafte Gäste. Ein Institut machte keine
Angaben zur Form der Beteiligung.
9. Sieht die Bundesregierung die Rechtsform eingetragener Verein als
adäquat und ausreichend transparent für Körperschaften wie die Institute und
Forschungseinrichtungen der Leibniz-Gemeinschaft an, die im
vergangenen Jahr im statistischen Mittel Etats von jeweils über 21 Mio. Euro
verwalteten (vgl. www.leibniz-gemeinschaft.de/ueber-uns/organisation/
leibniz-in-zahlen.html)?
Aus der Rechtsform lassen sich aus Sicht der Bundesregierung keine
Rückschlüsse auf eine ordnungsgemäße und transparente Mittelverwaltung ziehen.
Die Einrichtungen der Leibniz-Gemeinschaft erfüllen umfassende Nachweis-
und Berichtspflichten aufgrund der gemeinsamen institutionellen Förderung
durch Bund und Länder bzw. in der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz.
10. Ist der Bundesregierung bekannt, ob in den letzten zwei Jahren, eventuell
auf Basis von Evaluierungen, strategische Neuausrichtungen einzelner
Institute der Leibniz-Gemeinschaft vorgenommen wurden, insbesondere
bezüglich der Forschungsschwerpunkte und daraus resultierender
personeller Entscheidungen?
Wenn ja, welche Evaluierungen und welche Neuausrichtungen waren
dies?
Die Forschungsinstitute der außeruniversitären Forschungsorganisationen
durchlaufen regelmäßig Entwicklungsprozesse in ihren wissenschaftlichen und
strategischen Schwerpunktsetzungen. Bei einer Vielzahl von Instituten der
Leibniz-Gemeinschaft wurden aufgrund von Empfehlungen des Senats der
Leibniz-Gemeinschaft strategische Entscheidungen getroffen. Die Umsetzung
dieser Empfehlungen in den Einrichtungen führte zur Weiterentwicklung des
Institutsprofils, ohne dass es zu einer Neuausrichtung kam.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]
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