[Deutscher Bundestag Drucksache 19/12480
19. Wahlperiode 19.08.2019
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Nicole Gohlke, Dr. Petra Sitte, Simone Barrientos,
Dr. Birke Bull-Bischoff, Ralph Lenkert, Amira Mohamed Ali, Sören Pellmann,
Victor Perli, Dr. Kirsten Tackmann, Andreas Wagner, Katrin Werner,
Hubertus Zdebel und der Fraktion DIE LINKE.
Wirtschaftliche Lage der Leibniz-Gemeinschaft
Die gemeinsam von Bund und Ländern geförderten außeruniversitären
Forschungseinrichtungen leisten international anerkannte Spitzenforschung in einem
weiten Feld unterschiedlicher Disziplinen. Anders als an Hochschulen spielen
Lehre und Wissensvermittlung im Tätigkeitsfeld der außeruniversitären
Forschungseinrichtungen nur eine marginale Rolle, und im Gegensatz zu den
Hochschulen können sie sich auf eine langfristig verlässliche und stetig ansteigende
Finanzierung aus öffentlichen Mitteln verlassen. Unterschiedliche Faktoren wie
beispielsweise forschungsimmanente Dynamiken, aber auch Fehlplanungen
können nach Ansicht der Fragesteller zu Divergenzen zwischen
Haushaltsaufstellungen und tatsächlichen Ausgaben führen.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Sind nach Kenntnis der Bundesregierung im Laufe der vergangenen zehn
Jahre einzelne Institute oder Forschungseinrichtungen der Leibniz-
Gemeinschaft in finanzielle Schwierigkeiten geraten oder waren von
Zahlungsunfähigkeit bedroht?
Wenn ja, welche waren dies, und in welchen Jahren?
2. Haben derartige Fälle nach Kenntnis der Bundesregierung zur Folge gehabt,
dass die Institute oder Forschungseinrichtungen intern umstrukturiert
wurden, indem z. B. Geschäftsführungen ausgewechselt oder andere personelle
Konsequenzen eingeleitet wurden?
Wenn ja, an welchen Zentren war dies in welchen Jahren der Fall?
3. Haben derartige Fälle nach Kenntnis der Bundesregierung zu personellen
Konsequenzen auf der Ebene des wissenschaftlichen oder technischen
Personals zur Folge gehabt?
Wenn ja, in welchen Fällen war dies in welchen Jahren der Fall?
4. Haben derartige Fälle nach Kenntnis der Bundesregierung zur Folge gehabt,
dass in einzelnen Instituten oder Forschungseinrichtungen der Leibniz-
Gemeinschaft insgesamt wirtschaftliche Aufsichts- oder Planungsvorgaben
verändert oder verschärft wurden?
Wenn ja, in welchen Fällen war dies in welchen Jahren der Fall?
5. Sind nach Kenntnis der Bundesregierung der Leibniz-Gemeinschaft oder
dem Bund direkt aufgrund derartiger Fälle zusätzliche Kosten entstanden,
oder sah sich der Bund genötigt, Einfluss auf die Lösung der finanziellen
Krisen zu nehmen?
Wenn ja, in welchen Fällen war dies in welchen Jahren der Fall?
6. Drohen nach Kenntnis der Bundesregierung aktuell oder in naher Zukunft
einem oder mehreren Instituten oder Forschungseinrichtungen der Leibniz-
Gemeinschaft finanzielle Schwierigkeiten bzw. erhebliche negative
Etatabweichungen?
Wenn ja, um welche Einrichtungen handelt es sich?
7. Welche Rechtsformen haben die Institute und Forschungseinrichtungen der
Leibniz-Gemeinschaft (bitte einzeln aufschlüsseln)?
8. Inwieweit und in welcher Form sind gewählte Vertreterinnen und Vertreter
des wissenschaftlichen Personals in die Aufsichts- und Kotrollgremien der
Leibniz-Institute eingebunden (bitte einzeln aufschlüsseln)?
9. Sieht die Bundesregierung die Rechtsform eingetragener Verein als adäquat
und ausreichend transparent für Körperschaften wie die Institute und
Forschungseinrichtungen der Leibniz-Gemeinschaft an, die im vergangenen
Jahr im statistischen Mittel Etats von jeweils über 21 Mio. Euro verwalteten
(vgl.
www.leibniz-gemeinschaft.de/ueber-uns/organisation/leibniz-in-
zahlen.html)?
10. Ist der Bundesregierung bekannt, ob in den letzten zwei Jahren, eventuell auf
Basis von Evaluierungen, strategische Neuausrichtungen einzelner Institute
der Leibniz-Gemeinschaft vorgenommen wurden, insbesondere bezüglich
der Forschungsschwerpunkte und daraus resultierender personeller
Entscheidungen?
Wenn ja, welche Evaluierungen und welche Neuausrichtungen waren dies?
Berlin, den 5. August 2019
Dr. Sahra Wagenknecht, Dr. Dietmar Bartsch und Fraktion
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