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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet
Geplante Reduzierung der Versicherungsteuer für Dürreversicherungen
Fraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Ressort
Bundesministerium der Finanzen
Datum
18.09.2019
Aktualisiert
16.06.2025
BT19/1248319.08.2019
Geplante Reduzierung der Versicherungsteuer für Dürreversicherungen
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag Drucksache 19/12483
19. Wahlperiode 19.08.2019
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Stefan Schmidt, Friedrich Ostendorff, Dr. Danyal Bayaz,
Lisa Paus, Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn, Claudia Müller,
Beate Müller-Gemmeke, Annalena Baerbock, Harald Ebner, Matthias Gastel,
Stefan Gelbhaar, Dr. Bettina Hoffmann, Sylvia Kotting-Uhl, Oliver Krischer,
Christian Kühn (Tübingen), Stephan Kühn (Dresden), Steffi Lemke,
Markus Tressel, Dr. Julia Verlinden, Daniela Wagner und
der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Geplante Reduzierung der Versicherungsteuer für Dürreversicherungen
Die Folgen der Klimakrise sind in Deutschland immer deutlicher zu spüren: Der
Sommer 2018 war so heiß, so lang und so trocken wie nie zuvor. Deutschland hat
2018 die größte Dürre seit Beginn der Wetteraufzeichnung erlebt. Ausgetrocknete
Flüsse, verdorrte Felder sowie Wald- und Flächenbrände waren die Folgen (vgl.
www.welt.de/wissenschaft/article181616914/Duerre-in-Deutschland-Was-der-
trockene-Sommer-bewirkt-hat.html).
Von den Wetterextremen waren insbesondere die Landwirtinnen und Landwirte
betroffen: Durch Ernteausfälle und Notschlachtungen erlitten sie
milliardenschwere Schäden (vgl. www.tagesspiegel.de/politik/hitzesommer-2018-
duerreschaeden-bei-bauern-weniger-stimmung-mehr-fakten/22937174.
html). Bund und Länder unterstützten die Betroffenen mit insgesamt 340 Mio.
Euro (vgl. www.sueddeutsche.de/wirtschaft/eil-bauern-bekommen-
duerrehilfen-vom-staat-1.4100251). Die staatlichen Hilfen waren notwendig
geworden, weil nur die wenigsten Landwirtinnen und Landwirte gegen Dürreschäden
versichert sind. Bisher sind sowohl die Versicherungsbeiträge als auch der
Selbstbehalt sehr hoch. Dies liegt u. a. daran, dass Dürreschäden einen großen Teil der
versicherten Bäuerinnen und Bauern gleichzeitig treffen würde (vgl. www.sued
deutsche.de/politik/landwirtschaft-duerre-versicherung-1.4425269).
Um Dürreversicherungen attraktiver zu machen, plant der Bundesminister der
Finanzen Olaf Scholz nach Medienberichten noch in diesem Jahr einen
Gesetzentwurf, um den Steuersatz der Versicherungsteuer für Dürreversicherungen von
derzeit 19 auf 0,03 Prozent zu reduzieren (vgl. www.augsburger-allgemeine.de/
wirtschaft/Bauernverband-Extremes-Wetter-mit-neuem-Ausmass-bedroht-
Produktion-id54584231.html). Damit würde für Dürreversicherungen der gleiche
Steuersatz erhoben, wie er bereits für Versicherungen von Schäden durch
Hagelschlag, Sturm, Starkfrost, Starkregen und Überschwemmungen gilt (vgl. § 6
Absatz 2 Nummer 4 des Versicherungsteuergesetzes – VersStG). Fraglich bleibt
allerdings, welche Effekte die Reduzierung der Versicherungsteuer auf die
Beitragshöhe und damit die Attraktivität von Dürreversicherungen hätte.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie hat sich das Aufkommen aus der Versicherungsteuer in den letzten
zehn Jahren entwickelt (bitte nach Jahren aufschlüsseln)?
2. Wie hat sich das Aufkommen aus der Versicherungsteuer aus sogenannten
Mehrgefahren-Versicherungen nach § 6 Absatz 1 Nummer 4 VersStG in den
letzten zehn Jahren nach Kenntnis der Bundesregierung entwickelt (bitte
nach Jahren aufschlüsseln und falls möglich bitte nach einzelnen oder
mehreren Wetterphänomenen aufschlüsseln)?
3. Wie hat sich das Aufkommen aus der Versicherungsteuer aus
Versicherungen von Schäden durch Dürre in den letzten zehn Jahren nach Kenntnis der
Bundesregierung entwickelt (bitte nach Jahren aufschlüsseln)?
4. Wie hat sich die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe in den letzten zehn
Jahren nach Kenntnis der Bundesregierung entwickelt, die gegen einzelne
oder mehrere Wetterphänomene gemäß § 6 Absatz 1 Nummer 4 VersStG
(„Mehrgefahren-Versicherungen“) versichert sind (bitte nach Jahren,
Betriebsarten, Bundesländern und falls möglich bitte nach Versicherungen
aufschlüsseln und zusätzlich bitte in Relation zur Gesamtzahl
landwirtschaftlicher Betriebe in Deutschland angeben)?
5. Wie hat sich die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe in den letzten
zehn Jahren nach Kenntnis der Bundesregierung entwickelt, die gegen
Dürreschäden versichert sind (bitte nach Jahren, Betriebsarten und
Bundesländern aufschlüsseln und zusätzlich bitte in Relation zur Gesamtzahl
landwirtschaftlicher Betriebe in Deutschland angeben)?
6. Wie viele Versicherungsunternehmen in Deutschland bieten nach Kenntnis
der Bundesregierung derzeit sogenannte Mehrgefahren-Versicherungen und
Versicherungen von Schäden durch Wetterextreme für landwirtschaftliche
Betriebe an, auf die der reduzierte Steuersatz gemäß § 6 Absatz 1 Nummer 4
VersStG angewendet wird?
7. Wie viele Versicherungsunternehmen in Deutschland bieten nach Kenntnis
der Bundesregierung derzeit Versicherungen von Schäden durch Dürre an?
8. Wie hoch waren die durchschnittlichen Versicherungsbeiträge und der
Selbstbehalt für sogenannte Mehrgefahren-Versicherungen und
Versicherungen von Schäden durch Wetterextreme für landwirtschaftliche Betriebe,
auf die der reduzierte Steuersatz gemäß § 6 Absatz 1 Nummer 4 VersStG
angewendet wird, nach Kenntnis der Bundesregierung in den letzten zehn
Jahren (bitte nach Jahren aufschlüsseln)?
9. Wie hoch waren die durchschnittlichen Versicherungsbeiträge und der
Selbstbehalt für Versicherungen von Schäden durch Dürre nach Kenntnis der
Bundesregierung in den letzten zehn Jahren (bitte nach Jahren
aufschlüsseln)?
10. Wie hoch waren das Beitragsvolumen und die Schadenssummen für
sogenannten Mehrgefahren-Versicherungen und Versicherungen von Schäden
durch Wetterextreme für landwirtschaftliche Betriebe, auf die der reduzierte
Steuersatz gemäß § 6 Absatz 1 Nummer 4 VersStG angewendet wird, nach
Kenntnis der Bundesregierung in den letzten zehn Jahren (bitte nach Jahren
aufschlüsseln)?
11. Wie hoch waren das Beitragsvolumen und die Schadenssummen für
Versicherungen von Schäden durch Dürre nach Kenntnis der Bundesregierung in
den letzten zehn Jahren (bitte nach Jahren aufschlüsseln)?
12. Aus welchen Gründen werden bisher Versicherungen von Schäden durch
Dürre mit dem regulären Steuersatz von 19 Prozent, nicht aber mit dem
reduzierten Steuersatz von 0,03 Prozent der Versicherungssumme besteuert,
wie er seit 1. Januar 2013 auch für Versicherungen von Schäden gegen
Hagelschlag, Sturm, Starkfrost, Starkregen oder Überschwemmungen
entsprechend § 6 Absatz 2 Satz 4 VersStG gilt?
13. Aus welchen Gründen plant die Bundesregierung, die Versicherungsteuer für
Versicherungen von Schäden durch Dürre von derzeit 19 auf 0,03 Prozent zu
senken?
14. Ist die Senkung der Versicherungsteuer für Versicherungen von Schäden
durch Dürre von 19 auf 0,03 Prozent nach Einschätzung der
Bundesregierung eine geeignete Maßnahme, um den Abschluss dieser Versicherungen
für landwirtschaftliche Betriebe attraktiver zu gestalten?
Wenn ja, warum?
15. Wie viele zusätzliche Versicherungen von Schäden gegen Dürre werden
nach Einschätzung der Bundesregierung neu abgeschlossen werden, wenn
die Versicherungsteuer von derzeit 19 auf 0,03 Prozent gesenkt wird?
16. Wie werden sich die durchschnittlichen Beiträge und der Selbstbehalt für
Versicherungen von Schäden durch Dürre nach Einschätzung der
Bundesregierung verändern, wenn die Versicherungsteuer für diese Versicherungen
von derzeit 19 auf 0,03 Prozent gesenkt würde?
17. Welche Auswirkungen auf das Steueraufkommen hätte die Senkung der
Versicherungsteuer für Versicherungen von Schäden durch Dürre von derzeit 19
auf 0,03 Prozent?
18. a) Nach welchen Kriterien bewerten die Versicherungsunternehmen nach
Kenntnis der Bundesregierung, ob es sich bei landwirtschaftlichen
Schäden, z. B. Ernteausfällen, um dürrebedingte Schäden handelt?
b) Gab oder gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung Streitfälle zwischen
Versicherungsunternehmen einerseits und Versicherungsnehmerinnen
und Versicherungsnehmern andererseits um die Auslegung der Kriterien?
Falls ja, inwiefern plant die Bundesregierung konkrete Maßstäbe
vorzugeben, unter denen eine Versicherung Leistungen erbringen muss?
19. Wie viele dürrebedingte Versicherungsfälle traten in den letzten zehn Jahren
nach Kenntnis der Bundesregierung ein, und wie hoch war nach Kenntnis der
Bundesregierung die durchschnittliche Schadenssumme je
landwirtschaftlichem Betrieb durch die Versicherungsunternehmen?
20. Wie viele landwirtschaftliche Betriebe haben in den letzten zehn Jahren nach
Kenntnis der Bundesregierung Dürreschäden erlitten, waren aber nicht
dagegen versichert (bitte nach Jahren und nach Betriebsarten aufschlüsseln)?
21. Wie hoch sind die bisherigen volkswirtschaftlichen Schäden der Klimakrise
nach Einschätzung der Bundesregierung (falls möglich bitte für die letzten
zehn Jahre aufschlüsseln)?
22. Wie hoch sind die bisherigen volkswirtschaftlichen Schäden der Klimakrise
durch Extremwetterereignisse nach Einschätzung der Bundesregierung (falls
möglich bitte für die letzten zehn Jahre aufschlüsseln und falls möglich bitte
nach Schäden durch Hagel, Sturm, Starkregen, Starkfrost,
Überschwemmungen und Dürre aufschlüsseln)?
23. In welcher Höhe wurden in den letzten zehn Jahren Hilfen durch den Bund
aufgrund von Extremwetterereignissen an landwirtschaftliche Betriebe
gezahlt (bitte nach Jahren und falls möglich bitte nach Art des
Wetterereignisses aufschlüsseln)?
24. In welcher Höhe wurden in den letzten zehn Jahren Hilfen durch die Länder
oder Kommunen aufgrund von Extremwetterereignissen an
landwirtschaftliche Betriebe nach Kenntnis der Bundesregierung gezahlt (bitte nach Jahren
und falls möglich bitte nach Art des Wetterereignisses aufschlüsseln)?
25. Wie ist der konkrete Zeitplan für den Gesetzentwurf der Bundesregierung
zur Reduzierung der Versicherungsteuer für Versicherungen von Schäden
gegen Dürre?
26. Welche Vereinbarungen gibt es innerhalb der Bundesregierung, angesichts
der Förderung von Dürreversicherungen durch einen reduzierten
Versicherungssteuersatz zukünftig auf Dürrehilfen wie im Jahr 2018 zu verzichten
bzw. diese anders zu konditionieren?
27. Schließt die Bundesregierung Dürrehilfen wie im Jahr 2018 für das laufende
Jahr aus (bitte begründen)?
28. Wie steht die Bundesregierung zur Forderung nach einer steuerlich
begünstigten Risikoausgleichsrücklage in der Landwirtschaft?
29. Welche Position vertritt die Bundesregierung zu den einzelnen Forderungen
der Länder Bayern und Baden-Württemberg im Bundesrats-
Entschließungsantrag vom 4. Juni 2019 (Bundesratsdrucksache 272/19), in der gefordert
wird, die Risikostrategie für landwirtschaftliche Unternehmen gegen
witterungsbedingte Risiken zu stärken?
30. Welche Vorkehrungen hat die Bundesregierung zur Reaktion auf erneute
Trockenereignisse in der Landwirtschaft und im Forstbereich getroffen?
Berlin, den 25. Juli 2019
Katrin Göring-Eckardt, Dr. Anton Hofreiter und Fraktion
Satz: Satzweiss.com Print, Web, Software GmbH, Mainzer Straße 116, 66121 Saarbrücken, www.satzweiss.com
Druck: Printsystem GmbH, Schafwäsche 1-3, 71296 Heimsheim, www.printsystem.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]
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