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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet
Energiewende - Biogas: Eine Reduzierung von Treibhausgasen durch Methanproduktion
Fraktion
AfD
Ressort
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
Datum
10.09.2019
Aktualisiert
26.07.2022
BT19/1252621.08.2019
Energiewende - Biogas: Eine Reduzierung von Treibhausgasen durch Methanproduktion
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag Drucksache 19/12526
19. Wahlperiode 21.08.2019
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Karsten Hilse, Marc Bernhard, Andreas Bleck,
Verena Hartmann, Dr. Rainer Kraft, Wilhelm von Gottberg, Dr. Heiko Wildberg
und der Fraktion der AfD
Energiewende – Biogas: Eine Reduzierung von Treibhausgasen durch
Methanproduktion
Ein verbindliches EU-weites Ziel im Rahmen der neuen Richtlinie über
erneuerbare Energien (REDII vom 24. Dezember 2018) ist, die erneuerbaren
Energiequellen bis 2030 auf mindestens 32 Prozent zu erhöhen, um die
Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Insbesondere Biogas und andere Biokraftstoffe
sollten im Rahmen verbindlicher Ziele (1 Prozent im Jahr 2025 und 3,5 Prozent
im Jahr 2030) gefördert werden (EU-Ratsdokument 7577/19; www.parlament.gv.
at/PAKT/EU/XXVI/EU/05/81/EU_58187/imfname_10887773.pdf).
Biogas ist ein brennbares Gasgemisch, das durch Fermentation von Biomasse
(organisches Material) bei 30 bis 40 Grad Celsius unter Luftabschluss (anaerob)
erzeugt wird. Die Vergärung von Bio-Substraten zu Biogas für die
Energieerzeugung (oder Strom) erfolgt über eine Biogasanlage in luftdichten Gärbehältern
(www.biogas.org/edcom/webfvb.nsf/id/de-was-ist-eigentlich-biogas). Abhängig
von den Substraten werden unter anderem Methan (50 bis 75 Vol.-Prozent),
Kohlendioxid (20 bis 50 Vol.-Prozent), Wasser (2 bis 7 Vol.-Prozent), Stickstoff
(unter 2 Vol.-Prozent), Wasserstoff (unter 1 Vol.-Prozent), Sauerstoff (unter
1 Vol.-Prozent) und Schwefelwasserstoff (20 bis 20 000 ppm) produziert (www.
klaerbiswerk.info/Biogaserzeugung/Erneuerbare-Energie-aus-Biogasanlagen).
Ein höherer Anteil an Methan in der Produktion wird angestrebt, daher spielt die
Art der Biomasse eine wichtige Rolle (Lu, X., et al.: Effects of waste sources on
performance of anaerobic codigestion of complex organic wastes: taking food
waste as an example, 2017, 7: 15702, www.nature.com/articles/s41598-017-
16068-z). Je nach Art der verwendeten Biomasse kann Biogas durch den Einsatz
von landwirtschaftlichen (nachwachsende Rohstoffe) oder
nichtlandwirtschaftlichen Anlagen (Bioabfall und Kläranlagen) hergestellt werden.
Landwirtschaftliche Biogasanlagen gewinnen weltweit als erneuerbare Alternative zu fossilen
Brennstoffen (Erdöl, Kohle und Erdgas) zunehmend an Bedeutung. Die
Grundlage der für diese Anlagen verwendeten Biomasse kann Stallmist (z. B.
Rindergülle), organischer Rückstand (z. B. Lebensmittelabfälle) oder
Energiepflanzenmaterial (z. B. Mais) darstellen (www.klaerwerk.info/Biogaserzeugung/Erneuerbare-
Energie-aus-Biogasanlagen).
Das Fermentationsprodukt enthält neben dem Gas, ähnlich wie die
Ausgangssubstrate, auch die Nährstoffe Stickstoff, Phosphor, Kalium und anderen organischen
Kohlenstoff und ist damit ein Mineraldünger, der in der Landwirtschaft
wiederverwendet werden kann.
Biogas als erneuerbare Energiequelle verursacht keine Lastschwankungen, wie
dies bei Solar- und Windenergie der Fall ist (www.pv-magazine.de/2019/02/12/
mit-biogas-schwankungen-bei-photovoltaik-und-wind-ausgleichen/). In
Deutschland wird die Stromerzeugung aus Biogas durch das Erneuerbare-Energien-
Gesetz (EEG) gefördert und rund 5,4 Prozent des Stromverbrauchs in Deutschland
werden durch rund 9 000 Biogasanlagen gedeckt (www.umweltbundesamt.de/
themen/wirtschaft-konsum/industriebranchen/biogasanlagen#textpart-1).
Biomethan, auch solches der sogenannten zweiten Generation, ist jedoch im
Sinne des Umweltschutzes nach Ansicht der Fragesteller überhaupt nicht
nachhaltig. Methan ist ein geruchloses und farbloses Gas. Es steht wie Kohlendioxid,
Lachgas und teilhalogenierte Fluorchlorkohlenwasserstoffe im Verdacht, als
langlebiges „Treibhausgas“ den Strahlungshaushalt der Atmosphäre, jedoch 25-
mal so stark wie Kohlendioxid, anzutreiben (Oehmichen, K., Thrän, D. Fostering
renewable energy provision from manure in Germany – Where to implement
GHG emission reduction incentives. Energy Policy, 2017 110, 471 – 477.
doi:10.1016/j.enpol.2017.08.014). Bei der Bekämpfung der schädlichen
Umweltwirkungen auch durch Luftverunreinigungen hat die Bundesregierung nach
Ansicht der Fragesteller eine wichtige Verantwortung, der durch das Bundes-
Immissionsschutzgesetz (BImSchG) Rechnung getragen wird, das auch Biokraftstoffe
betrifft und für die Sicherheitskontrolle von Biogasanlagen eingesetzt werden
kann.
Das Produkt aus Biogasanlagen, der Biogasschlamm (Gülle) oder Gärreste, ist
reich an organischen Stoffen und führt bei Verschmutzung in Flüssen und Bächen
zu Eutrophierung (Nährstoffanreicherung). Zusammen mit Ammoniak ist dies
tödlich für die dortige Fauna und verursacht Tonnen von toten Fischen in
nahegelegenen Gewässern (www.lfvbw.de/bezirke/nordwuerttemberg/1138-
biogasanlagen-tickende-zeitbomben-fuer-unsere-fische).
Darüberhinaus steigt mit der sich erhöhenden Nachfrage nach
Bioenergierohstoffen für Biogas und auch für Biokraftstoffe auch die Nachfrage nach Flächen für
den Anbau von Energiepflanzen. Die Umwandlung von erworbenen Naturflächen
ist nach Ansicht der Fragesteller der biologischen Vielfalt abträglich. Seit 2009
ist bekannt, dass ein Boom in der Biokraftstoffproduktion negative
Auswirkungen auf die Biodiversität haben wird, da die daraus resultierenden
Monokulturplantagen eine hohe Biodiversität von z. B. Motten, Ameisen und anderen
Insekten nicht unterstützen (The impacts of biofuel production on biodiversity: A
review of the current literature, 2009, www.cbd.int/agriculture/2011-121/UNEP-
WCMC3-sep11-en.pdf). Auch wenn eine Kulturart wie Raps aufgrund des hohen
Blütenertrags die Vielfalt an Bienen und Wespen erhöht, wirkt dies wie eine
Falle, denn bei der Ernte der Biomasse entsteht eine Trachtlücke, in der diese
Bestäuber plötzlich keine Nahrung mehr haben (Stellungnahme: Für einen
flächenwirksamen Insektenschutz – Sachverständigenrat für Umweltfragen, 2018,
www.umweltrat.de/SharedDocs/Downloads/DE/04_Stellungnahmen/2016_
2020/2018_10_AS_Insektenschutz.pdf?__blob=publicationFile&v=17). Das
Wachstum der bestäubenden bzw. der staatenbildende Arten wird durch die
kontinuierlichen Ressourcen unterstützt, die von halbnatürlichen Lebensräumen
neben blühenden Feldern bereitgestellt werden und durch den zunehmenden Anbau
von Energiepflanzen verloren gehen (Dietkötter, T., et al.: Mass-flowering crops
increase richness of cavity-nesting bees and wasps in modern agro-ecosystems,
GCB Bioenergy, 2014, 6, 219 – 226).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wird die Biogasproduktion in Deutschland aus landwirtschaftlich
erworbener und ökologisch gekennzeichneter Biomasse nach Kenntnis der
Bundesregierung anders bezeichnet bzw. zertifiziert als Biokraftstoffe, bei denen der
Rohstoff aus Abfall besteht?
2. Wie viele Biogasproduktionsanlagen gibt es nach Kenntnis der
Bundesregierung derzeit in der Bundesrepublik Deutschland (bitte nach Herstellung von
Biogas aus Rohstoffen aus landwirtschaftlicher Biomasse und aus
Rohstoffen, welche aus Abfall bestehen, aufschlüsseln)?
3. Wo sieht die Bundesregierung die maximale Ausbaukapazität bei Biogas,
und welchen Flächenbedarf an nachwachsenden Rohstoffen hätte dies zur
Folge?
4. Gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung Biogasanlagen, die nicht dem
Immissionsschutzgesetz unterliegen, und wenn ja, welche Gesamt-
Erzeugungskapazität haben diese?
5. Welche Mindestanforderungen an Nachhaltigkeitsaspekten für
Biogasanlagen, die ökologisch zu erfüllen sind, werden durch die Regelungen der
Biomassestrom-Nachhaltigkeitsverordnung § 26 Ausstellung von Zertifikaten
(BioSt-NachV) zur Zertifizierung abgedeckt?
6. Wie viel Störfälle (gemäß der Bundesimmissionsschutzverordnung von
2010) hat es nach Kenntnis der Bundesregierung bei Biogasanlagen seit 2010
gegeben, und welcher Art (Abwasser, Gasausbruch usw.) waren diese?
In wie vielen Störfällen davon gab es nach Kenntnis der Bundesregierung
Tote (bitte auch Anzahl der Toten angeben)?
7. Wie hoch sind nach Kenntnis der Bundesregierung die jährlichen
Gesamtemissionen der Luftschadstoffe (Methan, Schwefelwasserstoff, Ammoniak,
SO2, NOx, CO, CO2, NMVC, Formaldehyd sowie Feinstäube) aller
Biogasanlagen?
Welche elektrische Arbeit wurde von diesen Anlagen insgesamt erzeugt?
8. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der
Gesamtflächenverbrauch durch die Energieerzeugung aus Biomasse (bitte für Biogas und
Biokraftstoffen getrennt angeben) aktuell und in Zukunft?
9. Wie hoch sind nach Kenntnis der Bundesregierung die Emissionen der
Luftschadstoffe (z. B. CO, SO2, NOx, CH2O und andere flüchtige organische
Verbindungen ohne Methan) im Vergleich zu den herkömmlichen
Energieträgern Braunkohle, Kohle und Erdgas usw. bezogen auf die gleiche Menge
erzeugter Kilowattstunden?
10. Welche Immissionen sind nach Kenntnis der Bundesregierung durch
Formaldehyd und Feinstäube in der Nachbarschaft von Biogasanlagen zu
erwarten?
a) Welche chemische Beschaffenheit (z. B. Ammoniak-Feinstaub-
Gemische, die karzinogene polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe –
PAK usw. – bilden) haben diese Feinstäube?
b) Welche gesundheitlichen Schutzmaßnahmen sind für die anliegende
Bevölkerung zur Verhinderung von Krebserkrankungen,
Erbguterkrankungen usw. durch Formaldehyd- und Feinstaubemissionen seitens der
Bundesregierung angedacht?
11. Halten die Immissionen des krebserregenden Formaldehyds, das bei
Biogasanlagen emittiert und bei der Biogasverbrennung freigesetzt wird, nach
Kenntnis der Bundesregierung die Grenzwerte gemäß
Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG) bzw. BImSchV ein, und wenn nein, warum nicht
(bitte den Grenzwert angeben; https://mobil.bfr.bund.de/de/presse/
presseinformationen/2006/14/krebserregende_wirkung_von_eingeatmetem_
formaldehyd_hinreichend_belegt-7858.html)?
12. Verursacht nach Kenntnis der Bundesregierung die erneuerbare
Energiequelle Biogas einen Anstieg der Lebensmittelpreise sowie der Preise für
Energiepflanzen zur Herstellung von Bioethanol und eventuell Biodiesel?
a) Wie bewertet die Bundesregierung in Bezug darauf und im Lichte der
Flächenkonkurrenz mit der Biokraftstoffherstellung und Biogasproduktion
die Lebensmittelpreisentwicklung?
b) Ist damit zusammenhängend ein erhöhter Importanteil für Biorohstoffe zu
erwarten?
13. Warum setzt sich die Bundesregierung für die Landwirtschaft mit
Energiepflanzen zur Biokraftstoffproduktion und für die Energieproduktion aus
Biogas ein, wenn die Lebensmittelpreise dadurch potentiell erhöhend
beeinflusst werden bzw. einen höheren Rohstoffimport aus Ländern außerhalb
Europas zur Folge haben können, in denen die Arbeitsbedingungen der
Produzenten nicht den EU-Standards entsprechen und Biomasse mit
möglicherweise mangelnder Umweltverträglichkeit angebaut wird (siehe auch
Goeser, H.: Land Grabbing: Ursachen, Wirkungen, Handlungsbedarf, www.
bundestag.de/resource/blob/192332/e135367c9c5de7bbfdf987adda71c606/
land_grabbing-data.pdf Seite 9 f.)?
Berlin, den 30. Juli 2019
Dr. Alice Weidel, Dr. Alexander Gauland und Fraktion
Satz: Satzweiss.com Print, Web, Software GmbH, Mainzer Straße 116, 66121 Saarbrücken, www.satzweiss.com
Druck: Printsystem GmbH, Schafwäsche 1-3, 71296 Heimsheim, www.printsystem.de
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ISSN 0722-8333]
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