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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet
Kostensteigerungen und Bauverzögerungen beim Bau der Beschleunigeranlage FAIR
Fraktion
FDP
Ressort
Bundesministerium für Bildung und Forschung
Datum
12.09.2019
Aktualisiert
04.08.2023
BT19/1272627.08.2019
Kostensteigerungen und Bauverzögerungen beim Bau der Beschleunigeranlage FAIR
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Kleine Anfrage
der Abgeordneten Dr. h. c. Thomas Sattelberger, Katja Suding,
Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Mario Brandenburg (Südpfalz),
Britta Katharina Dassler, Matthias Seestern-Pauly, Renata Alt,
Dr. Marco Buschmann, Christian Dürr, Dr. Marcus Faber, Daniel Föst,
Otto Fricke, Peter Heidt, Katrin Helling-Plahr, Katja Hessel,
Dr. Christoph Hoffmann, Reinhard Houben, Ulla Ihnen, Dr. Christian Jung,
Karsten Klein, Pascal Kober, Oliver Luksic, Alexander Müller,
Dr. Stefan Ruppert, Frank Sitta, Dr. Hermann Otto Solms, Bettina Stark-Watzinger,
Michael Theurer, Gerald Ullrich, Nicole Westig und der Fraktion der FDP
Kostensteigerungen und Bauverzögerungen beim Bau der
Beschleunigeranlage FAIR
Das GSI Helmholtz-Zentrum für Schwerionenforschung (GSI) in Darmstadt
betreibt eine der weltweit führenden Teilchenbeschleunigeranlagen für die
Forschung. Die GSI wurde 1969 als GmbH gegründet. Gesellschafter sind die
Bundesrepublik Deutschland zu 90 Prozent, das Land Hessen zu acht Prozent,
das Land Rheinland-Pfalz zu 1 Prozent und der Freistaat Thüringen zu 1
Prozent. Die GSI ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher
Forschungszentren (HGF) mit einem jährlichen Budget von 113 Mio. Euro und
rund 1400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern (www.gsi.de/ueber_uns.htm).
Bei der GSI wird das neue internationale Beschleunigerzentrum FAIR, Facility
for Antiproton and Ion Research, erbaut. Baubeginn war 2017, die
Inbetriebnahme ist für 2025 vorgesehen. Das Investitionsvolumen liegt bei 1,262 Mrd.
Euro, veranschlagt 2015 auf dem Preisniveau von 2005.
Für den Bau von FAIR wurde die FAIR GmbH gegründet, deren Gesellschafter
u. a. aus Deutschland, Finnland, Frankreich, Indien, Polen, Rumänien,
Russland, Schweden und Slowenien kommen. Die GSI GmbH ist hierbei deutscher
Gesellschafter der FAIR GmbH. Die Gesellschafter der FAIR GmbH hatten im
Jahr 2015 die erneute Begutachtung des Projekts für das Frühjahr 2019
beschlossen. Das internationale Expertengremium hat im April 2019 den
Gesellschaftern der FAIR GmbH seinen Abschlussbericht vorgestellt. Inhalt des
Berichtes sind u. a. Aussagen zu Mehrkosten, die auf Ausarbeitungen der
Geschäftsführung basieren. Hiernach liegen die Kostenschätzungen um insgesamt
rund 850 Mio. Euro (entspricht 530 Mio. Euro auf Basis des Preisniveaus von
2005) über der Planung von 2015, falls das Projekt in vollem Umfang realisiert
werden soll. Mit 550 Mio. Euro entfällt ein großer Teil der Mehrkosten auf den
Bau, wobei die Gutachter in der aktuell guten Baukonjunktur einen der
Kostentreiber sehen. Für die Beschleunigerkomponenten hat eine Arbeitsgruppe des
FAIR Council einen Mehrbedarf von 215 Mio. Euro identifiziert. Bis zum Jahr
2025 werden darüber hinaus weitere 85 Mio. Euro für Personal- und
Deutscher Bundestag Drucksache 19/12726
19. Wahlperiode 27.08.2019
Verwaltungskosten der FAIR GmbH benötigt (www.gsi.de/fileadmin/
oeffentlichkeitsarbeit/fair/RevBoardReport_190429_Public.pdf).
Ausweislich des Monitoring-Berichts der HGF von 2019 zum Pakt für
Forschung und Innovation (PFI) werden für die „Sicherstellung von Aufbau
und Betrieb großer Forschungseinrichtungen“ für das FAIR-Projekt
weitere 250 Mio. Euro bereitgestellt (www.helmholtz.de/fileadmin/hermann/
Helmholtz_Pakt-Monitoring-Bericht_2019_WEB.pdf).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie hoch sind nach Kenntnis der Bundesregierung die prognostizierten
Gesamtkosten (Vollkostenrechnung) des Projektes FAIR inkl. der Beiträge,
die über die GSI geleistet werden?
Welche Beiträge bzw. Beträge leisten hierbei die einzelnen Gesellschafter
bzw. Länder?
2. Wie hoch war die ursprüngliche Vollkostenschätzung?
3. Aus welchem Grund wurden die Gesamtkosten auf Basis eines
Preisniveaus von vor zehn Jahren (Kostenkalkulation in 2015 auf Preisniveau
2005) veranschlagt?
Warum gerade das Jahr 2005?
4. Wie verteilen sich die Projektkosten auf die internationalen Partner?
Welche Beiträge sind dabei von der HGF und welche von der GSI selbst zu
leisten?
5. Welche In-Kind-Leistungen mit welchem finanziellen Volumen sind
aktuell den jeweiligen Projektpartnern zugewiesen?
6. Wie bewertet die Bundesregierung den Vorschlag, die Bauleistung
vollständig als deutsche In-Kind-Leistung zu definieren, und welche Effekte
hätte eine solche Entscheidung auf die Titelansätze im Bundeshaushalt für
HGF und GSI?
7. Wie hoch ist der Eurobetrag der eigentlich als Gemeinschaftsmittel
vorgesehenen Summe, die die HGF bisher für die GSI aufgebraucht hat?
8. Wie viel Prozent des PFI-Aufwuchses für die HGF gingen und gehen an
die GSI?
Wie lautet die forschungspolitische Begründung für diese
Schwerpunktsetzung?
9. Welche Anteile des PFI-Aufwuchses für die HGF gehen an die GSI zur
Finanzierung von FAIR (bitte genaue Angabe absolut und in Prozent sowie
gesamt und jährlich)?
Wie hoch ist der jährliche Aufwuchs nach Abzug der FAIR-Beiträge von
der HGF (in Prozent)?
10. Wie begründet die Bundesregierung die Verwendung von Paktmitteln für
die GSI und im besonderen für FAIR?
11. Schränken die Verpflichtungen, die sich aus der Finanzierung von FAIR
ergeben, nach Kenntnis der Bundesregierung die Potenziale der HGF für den
Ausbau der programmorientierten Forschung ein?
Wenn ja, in welcher Höhe genau?
Wenn nein, warum nicht?
12. Wie hoch sind die aktuell projizierten Betriebskosten für FAIR?
Welcher Anteil davon soll auf die Bundesrepublik Deutschland bzw. auf
die GSI entfallen?
13. Ist die GSI in der Lage, den Betrieb von FAIR aus ihrem aktuellen Budget
zu bestreiten?
Wo soll zur Deckung der Betriebskosten gespart werden?
14. Wie werden diese zusätzlich anfallenden Kosten in den Budgettiteln
sowohl des Bundesministeriums für Bildung und Forschung wie auch der
HGF genannt?
Wird durch die Bezeichnung die Zweckverwendung ersichtlich?
Berlin, den 14. August 2019
Christian Lindner und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]
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