Zurück zur Übersicht
Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet
Ungenutztes Potential von Künstlicher Intelligenz im Bankensektor
(insgesamt 13 Einzelfragen mit zahlreichen Unterfragen)
Fraktion
FDP
Ressort
Bundesministerium der Finanzen
Datum
17.09.2019
Aktualisiert
06.04.2023
BT19/1288330.08.2019
Ungenutztes Potential von Künstlicher Intelligenz im Bankensektor
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Kleine Anfrage
der Abgeordneten Dr. Florian Toncar, Christian Dürr, Frank Schäffler,
Bettina Stark-Watzinger, Markus Herbrand, Katja Hessel, Renata Alt,
Jens Beeck, Mario Brandenburg (Südpfalz), Britta Katharina Dassler,
Dr. Marcus Faber, Katrin Helling-Plahr, Manuel Höferlin, Reinhard Houben,
Ulla Ihnen, Dr. Christian Jung, Karsten Klein, Dr. Marcel Klinge,
Konstantin Kuhle, Michael Georg Link, Oliver Luksic, Alexander Müller,
Bernd Reuther, Dr. h. c. Thomas Sattelberger, Matthias Seestern-Pauly,
Katja Suding, Nicole Westig und der Fraktion der FDP
Ungenutztes Potential von Künstlicher Intelligenz im Bankensektor
Die „Börsen-Zeitung“ berichtete am 6. Juli 2019 (a. a. O., Seite 2), laut einer
Studie der Deutschen Bank Research „Künstliche Intelligenz im Bankensektor
– Ein bisher kaum genutzter Hebel für Rentabilität“ vom 4. Juli 2019 könne
künstliche Intelligenz (KI) die Produktivität bzw. Rentabilität der europäischen
Banken steigern und die Kosten senken. So könne KI einfache und
arbeitsaufwendige Tätigkeiten geringer qualifizierter Arbeitskräfte übernehmen. Ferner
ließen sich durch den Einsatz von KI die Erträge steigern, indem KI
passgenaue(re) Produkte und Dienstleistungen angeboten würden. Insgesamt sei beim
Einsatz von KI mit einer Rentabilitätssteigerung von rund 7 Prozent zu
rechnen. Deutsche Bank Research kommt weiter zu der Annahme, Banken in
Ländern, in denen mehr KI-Patente angemeldet werden, könnten rentabler sein.
Die Boston Consulting Group beziffert die möglichen Ertragssteigerungen der
weltweit zehn größten Banken auf bis zu 220 Mrd. US-Dollar.
PricewaterhouseCoopers (PwC) sieht ein KI-bedingtes Wirtschaftswachstum für
Deutschland bis 2030 in Höhe von 11,3 Prozent bzw. 430 Mrd. Euro. Laut der Studie
der Deutschen Bank seien in den vergangenen 20 Jahren insgesamt 434
Unternehmen aus dem KI-Sektor übernommen worden. 220 dieser Übernahmen
seien dabei seit dem Jahr 2016 erfolgt.
Die Studie der Deutschen Bank Research spricht ferner davon,
Datenschutzvorschriften würden den Einsatz von KI im Bankensektor möglicherweise
„bremsen“. Dies gelte insbesondere im Hinblick auf die Artikel 22 und 13 der
Datenschutzgrundverordnung (DSGVO).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Hat die Bundesregierung Erkenntnisse, die sich mit der Einschätzung von
Deutsche Bank Research decken, der Einsatz von KI im Bankensektor
könne zu einer Rentabilitätssteigerung führen?
Wenn ja, in welcher Höhe hält die Bundesregierung eine Steigerung der
Rentabilität für realistisch?
Deutscher Bundestag Drucksache 19/12883
19. Wahlperiode 30.08.2019
2. Wie viele in Deutschland ansässige KI-Unternehmen sind nach Kenntnis
der Bundesregierung seit dem Jahr 2016 von im Ausland ansässigen
Unternehmen übernommen worden?
a) Wie viele dieser KI-Unternehmen in Frage 2 lassen sich nach Kenntnis
oder Einschätzung der Bundesregierung (zumindest auch) dem
Finanzsektor zuordnen?
b) Wie viele dieser KI-Unternehmen in Frage 2 wurden nach Kenntnis der
Bundesregierung von ausländischen Investoren übernommen?
Wie viele dieser KI-Unternehmen in Frage 2 haben nach der Übernahme
ihren Firmensitz ins Ausland verlagert?
3. Ist der Bundesregierung der prozentuale Anteil der Vereinigten Staaten von
Amerika an den weltweiten KI-Patenten in den Jahren 2016, 2017 und
2018 bekannt, und wenn ja, wie hoch ist dieser?
4. Ist der Bundesregierung der prozentuale Anteil der Volksrepublik China an
den weltweiten KI-Patenten in den Jahren 2016, 2017 und 2018 bekannt,
und wenn ja, wie hoch ist dieser?
5. Ist der Bundesregierung der prozentuale Anteil Japans an den weltweiten
KI-Patenten in den Jahren 2016, 2017 und 2018 bekannt, und wenn ja, wie
hoch ist dieser?
6. Ist der Bundesregierung der prozentuale Anteil Russlands an den
weltweiten KI-Patenten in den Jahren 2016, 2017 und 2018 bekannt, und wenn ja,
wie hoch ist dieser?
7. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der prozentuale Anteil
der Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU-28) an den weltweiten
KI-Patenten in den Jahren 2016, 2017 und 2018?
a) Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der prozentuale Anteil
Deutschlands an den weltweiten KI-Patenten in den Jahren 2016, 2017
und 2018?
b) Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der prozentuale Anteil
des Vereinigten Königreichs an den weltweiten KI-Patenten in den
Jahren 2016, 2017 und 2018?
c) Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der prozentuale Anteil
Frankreichs an den weltweiten KI-Patenten in den Jahren 2016, 2017
und 2018?
d) Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der prozentuale Anteil
Italiens an den weltweiten KI-Patenten in den Jahren 2016, 2017 und
2018?
e) Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der prozentuale Anteil
Spaniens an den weltweiten KI-Patenten in den Jahren 2016, 2017 und
2018?
f) Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der prozentuale Anteil
der Niederlande an den weltweiten KI-Patenten in den Jahren 2016,
2017 und 2018?
g) Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der prozentuale Anteil
Litauens an den weltweiten KI-Patenten in den Jahren 2016, 2017 und
2018?
h) Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der prozentuale Anteil
Estlands an den weltweiten KI-Patenten in den Jahren 2016, 2017 und
2018?
8. Wie viele deutsche Finanzinstitute (Finanzinstitute, deren
Muttergesellschaft in Deutschland ansässig ist sowie in Deutschland ansässige
Finanzinstitute, die der Aufsicht der Bundesanstalt für
Finanzdienstleistungsaufsicht – BaFin – unterliegen) setzen nach Kenntnis der Bundesregierung KI-
Algorithmen ein, um in Echtzeit zu prüfen, ob die von Kunden getätigten
Kreditkartentransaktionen plausibel sind?
9. Wie viele deutsche Finanzinstitute setzen nach Kenntnis der
Bundesregierung KI in KYC-Prozessen (KYC = Know Your Costumer) ein?
10. Wie viele deutsche Finanzinstitute setzen nach Kenntnis der
Bundesregierung sog. Chatbots ein?
11. Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung aus der Ansicht von
Deutsche Bank Research, bei einzelnen Datenschutzvorschriften bestehe
die Gefahr, diese könnten die Fortentwicklung und den Einsatz von KI im
Bankensektor „bremsen“?
Wenn sie dieser zustimmt, aus welchen Gründen und welche Maßnahmen
zur Abhilfe bzw. Abmilderung dieser Auswirkungen ergreift die
Bundesregierung, und wenn nein, aus welchen Gründen teilt die Bundesregierung
die Ansicht von Deutsche Bank Research nicht?
12. Wie beurteilt die Bundesregierung die Wirkung des Artikels 22 der
Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) im Hinblick auf den Einsatz von
KI im Bankensektor?
Welche unterstützenden Maßnahmen hat die BaFin ergriffen oder sind
seitens der BaFin denkbar, um den Einsatz von KI unter Einhaltung von
Artikel 22 der DSGVO zu fördern?
13. Wie beurteilt die Bundesregierung die Wirkung des Artikels 13 der
Datenschutz-Grundverordnung-DSGVO im Hinblick auf den Einsatz von
KI im Bankensektor?
Welche unterstützenden Maßnahmen hat die BaFin ergriffen oder sind
seitens der BaFin denkbar, um den Einsatz von KI unter Einhaltung von
Artikel 13 DSGVO zu fördern?
Berlin, den 31. Juli 2019
Christian Lindner und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]
Ähnliche Kleine Anfragen
Frühstück der Bundesministerinnen und Bundesminister der SPD zur Vorbereitung der Kabinettssitzung (Nachfrage zur Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage auf Bundestagsdrucksache 21/3322)
AfD29.01.2026
Nutzung von Liegenschaften des Bundes zur Unterbringung von Ausländern im Zusammenhang mit dem Asylwesen
AfD21.06.2023
Bundesförderung und Transparenz bei Nichtregierungsorganisation und anderen Rechtsträgern in Thüringen
AfD22.01.2026
Erfassung elektronischer Aufzeichnungssysteme mit Technischer Sicherheitseinrichtung (TSE) nach § 146a AO und Nutzung der Meldedaten
AfD06.01.2026