[Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Joana Cotar, Uwe Schulz,
Dr. Michael Espendiller und der Fraktion der AfD
– Drucksache 19/13104 –
Stärkung der Bereiche Mittelstand und Digitales im Bundesministerium für
Wirtschaft und Energie
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Laut Pressemitteilung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie
(BMWi) verstärkt das Bundeswirtschaftsministerium seine Mittelstands- und
Digitalpolitik (
www.bmwi .de /Redak t ion /DE/Pressemi t t e i lungen /
2019/20190731-staerkung-der-bereiche-mittelstand-und-digitales-im-
bmwi.html). Dazu werden vom BMWi eine Stabsstelle Mittelstandsstrategie
und eine Stabsstelle Künstliche Intelligenz eingerichtet. Ebenso wird ein
Beauftragter des Bundeswirtschaftsministeriums für die Digitale Wirtschaft und
Start-ups durch das BMWi ernannt. Nach Ansicht der Fragesteller werden hier
neue Digitalposten errichtet, die sich nahtlos in die schon bestehenden
digitalen Gremien, Referate, Kommissionen und Agenturen der Bundesregierung
einfügen. Bei einer solchen Vielfalt an digitalpolitischer Zuständigkeit kann
nach Ansicht der Fragesteller der Überblick leicht verloren gehen. Eine
konkrete Bündelung aller Querschnittsbereiche der Bundesregierung auf ein
koordinierendes Digitalministerium findet damit nicht statt. Nach Ansicht der
Fragesteller wird dadurch durch die Bundesregierung in Kauf genommen, dass
die digitalen Agenden durch die Zersplitterung der Verantwortungs- und
Zuständigkeitsverteilung auf 14 Bundesministerien den digitalen Fortschritt
Deutschlands behindert.
1. Aus welchen konkreten Gründen wurden im BMWi zwei neue
Stabsstellen eingerichtet?
Die zum 1. August 2019 neu eingerichtete Stabsstelle Mittelstandsstrategie ist
eine gezielte Verstärkung des Mittelstandsbereichs des Bundesministeriums für
Wirtschaft und Energie (BMWi). Die Stabsstelle soll das BMWi in
strategischen Fragen des Mittelstands in engem Austausch mit der Abteilung für
Mittelstandspolitik unterstützen und den Schwerpunkt ihrer Arbeit auf die
Erstellung, Konsultation und Umsetzung einer Mittelstandsstrategie legen.
Mit der Einrichtung der Stabsstelle Künstliche Intelligenz strebt das BMWi die
Stärkung der europäischen Datenverfügbarkeit und -souveränität durch eine eu-
Deutscher Bundestag Drucksache 19/13607
19. Wahlperiode 26.09.2019
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie vom
25. September 2019 übermittelt.
Die Drucksache enthält – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
ropäische Dateninfrastruktur sowie die Stärkung eines vitalen Ökosystems der
Künstlichen Intelligenz an. Die Strategie Künstliche Intelligenz als „lebendes
Dokument“ und die zielgenaue Verwendung der damit verbundenen
Haushaltsmittel erfordern eine alle Aspekte überblickende Befassung mit den Belangen
der Künstlichen Intelligenz.
2. Aus welchem konkreten Grund wurde ein Beauftragter für die Digitale
Wirtschaft und Start-ups im BMWi ernannt?
Die Digitale Wirtschaft ist mit einer Bruttowertschöpfung von 108 Mrd. Euro
im Jahr 2017 ein bedeutender Teil der deutschen Wirtschaft. Mit ihren digitalen
Innovationen, Produkten und Dienstleistungen ist sie ein direkter Treiber
wesentlicher ökonomischer und gesellschaftlicher Veränderungen. Insbesondere
digitale Start-ups tragen zur wirtschaftlichen Erneuerung bei. Mit Thomas
Jarzombek steht künftig ein ausgewiesener Digitalexperte als Ansprechpartner für
die Wirtschaft zur Verfügung.
3. Welche konkreten Ziele werden seitens des BMWi mit der Einrichtung
der beiden neuen Stabsstellen verfolgt, und welche konkreten Aufgaben
werden diese neuen Stabsstellen im BMWi übernehmen (bitte gesondert
nach Stabsstelle auflisten)?
Zur Stabsstelle Mittelstandsstrategie:
Die Stabsstelle Mittelstandsstrategie wendet sich an die kleinen und mittleren
Unternehmen und Betriebe in Deutschland. Mit einer Mittelstandsstrategie
sollen diese dabei unterstützt werden, die anstehenden Herausforderungen zu
meistern, um auch in den nächsten Jahren eine starke Stellung im nationalen
und internationalen Wettbewerb einzunehmen. Die Strategie enthält
Maßnahmen, die kurzfristig greifen, aber auch solche, die langfristig für einen
wettbewerbsfähigen und konjunkturfesten Mittelstand sorgen sollen.
Mittelstandspolitik ist eine Querschnittsaufgabe, die den konzertierten Einsatz
der gesamten Bundesregierung erfordert und insbesondere auch innerhalb des
BMWi einer abteilungsübergreifenden strategischen Gesamtausrichtung der
einzelnen Handlungsfelder bedarf. Insofern ist es mit Blick auf die Erarbeitung
und Umsetzung der Mittelstandsstrategie zentrale Aufgabe der Stabsstelle, in
engem Austausch mit der Abteilung für Mittelstandspolitik hausintern die
breite mittelstandsrelevante Expertise zu bündeln und mit anderen Ressorts
frühzeitig Handlungsoptionen auszuloten. Zugleich hat das BMWi mit der neuen
Stabsstelle einen zusätzlichen Ansprechpartner für Mittelstandspolitik auf
Ministerebene geschaffen und unterstreicht damit, welch hohen Stellenwert
Anliegen des Mittelstands im BMWi haben.
Zur Stabsstelle Künstliche Intelligenz:
Die Zusammenlegung der Kompetenzen im Bereich Künstliche Intelligenz des
BMWi schafft klare Zuständigkeiten nach innen und nach außen, einen
hausintern klar zuständigen und öffentlich sichtbaren Ansprechpartner auf Fachebene
und erlaubt der Hausleitung eine konzertierte Befassung und die strategische
Ausrichtung des Themas in seinen Teilaspekten. Zu den Aufgaben der
Stabsstelle gehört es, die Expertise im Bereich der Künstlichen Intelligenz auch
abteilungsübergreifend zu bündeln und zu nutzen. Sie arbeitet zur Erfüllung ihrer
Aufgaben eng mit allen Arbeitseinheiten des Hauses, die mit Themen der
Künstlichen Intelligenz befasst sind, zusammen.
4. Welche konkreten Aufgaben wird der neu ernannte Beauftragte des
Bundeswirtschaftsministeriums für die Digitale Wirtschaft und Start-ups
übernehmen, und welche konkreten Ziele werden seitens des BMWi mit
der Ernennung des Beauftragten des Bundeswirtschaftsministeriums für
die Digitale Wirtschaft und Start-ups verfolgt?
Schwerpunkte seiner Aufgabe sind der Dialog mit den Akteuren der
Digitalwirtschaft, der Austausch mit Start-ups sowie zu Fragen der Digitalen
Gesellschaft.
5. Mit welchen konkreten Kosten rechnet das BMWi für die beiden neuen
Stabsstellen (bitte nach Personalkosten und sonstigen Kosten
aufschlüsseln)?
Die Einrichtung der beiden neuen Stabsstellen erfolgt im Rahmen des
vorhandenen Budgets des BMWi. Sie ist Teil einer umfassenderen Umstrukturierung,
die den Einsatz der vorhandenen Personalressourcen entsprechend der aktuellen
Prioritäten optimiert.
6. Wo werden die beiden neu errichteten Stabsstellen ihren Sitz haben?
Beide Stabsstellen haben ihren Sitz in der Liegenschaft Scharnhorststr. 34 bis
37, 10115 Berlin, des BMWi.
7. Aus welchem konkreten Grund errichtet das BMWi eine Stabsstelle
Mittelstandstrategie, die den Bundesminister und das
Bundeswirtschaftsministerium in strategischen Fragen des Mittelstandes in engem Austausch
mit der Abteilung für Mittelstandspolitik unterstützen und einen
Schwerpunkt auf die Erarbeitung und spätere Umsetzung der geplanten
Mittelstandsstrategie legen soll, obwohl im BMWi eine eigene Abteilung
Mittelstandspolitik angesiedelt ist (
www.bmwi.de/Redaktion/DE/Pressemit
teilungen/2019/20190731-staerkung-der-bereiche-mittelstand-und-
digitales-im-bmwi.html)?
8. Welche konkreten Projekte und Pläne verfolgt die Stabsstelle
Mittelstandsstrategie im BMWi, und welche konkreten Konzepte werden durch
die Stabsstelle Mittelstandsstrategie erstellt und koordiniert (bitte die
konkreten Projekte, Pläne und Konzepte bis zum Ende der
Gesetzgebungsperiode auflisten)?
Die Fragen 7 und 8 werden gemeinsam beantwortet.
Wie in der Antwort zu den Fragen 1 und 3 ausgeführt, soll die Stabsstelle
Mittelstandsstrategie das BMWi in strategischen Fragen des Mittelstands in engem
Austausch mit der Abteilung für Mittelstandspolitik unterstützen und ihren
Schwerpunkt auf die Erarbeitung, Konsultation und Umsetzung einer
Mittelstandsstrategie legen. Die Stabsstelle soll sämtliche Aktivitäten des BMWi mit
Mittelstandsbezug koordinieren und auf die strategischen Ziele der
Bundesregierung ausrichten. Aufgabe der Stabsstelle ist insbesondere auch, bei allen
Maßnahmen der Mittelstandsstrategie in der Zuständigkeit anderer Ressorts
frühzeitig Handlungsoptionen auszuloten.
Bereits Ende August 2019 wurden Eckpunkte für eine Mittelstandsstrategie
vorgelegt (
https://www.champions-von-hier.de/CHAMPS/Redaktion/DE/Publi-
kationen/eckpunktepapier.pdf), die derzeit mit den wesentlichen Akteuren
diskutiert werden. Die finale Strategie soll am 30. September 2019 vorgestellt
werden und die Maßnahmen der Eckpunkte weiter konkretisieren sowie
Umsetzungsschritte aufzeigen, die zügig angegangen werden sollen.
Im Zentrum der Mittelstandsstrategie stehen Verbesserungen der
wirtschaftlichen Rahmenbedingungen:
• Entlastung von Steuern und Abgaben;
• konsequenter Bürokratieabbau;
• flexiblere arbeitsrechtliche Regelungen;
• zuverlässige, leistungsfähige Infrastrukturen;
• wettbewerbsfähige, mittelstandsfreundliche Energiepreise;
• gute Finanzierungsmöglichkeiten.
Darüber hinaus enthalten die Eckpunkte zahlreiche Maßnahmen, um den
Mittelstand bei besonderen aktuellen Herausforderungen zu unterstützen:
• Fachkräftegewinnung, -ausbildung und -qualifizierung;
• Digitalisierung und Innovationen;
• Wirtschaften in den Regionen, gleichwertige Lebensverhältnisse;
• Erschließung neuer Märkte im In- und Ausland.
9. Welche konkreten Projekte und Pläne verfolgt die Stabsstelle Künstliche
Intelligenz im BMWi, und welche konkreten Konzepte werden durch die
Stabsstelle Künstliche Intelligenz im BMWi begleitet und koordiniert
(bitte die konkreten Projekte, Pläne und Konzepte bis zum Ende der
Gesetzgebungsperiode auflisten)?
10. Wie, und mit welchen konkreten Maßnahmen und Projekten kann die neu
errichtete Stabsstelle Künstliche Intelligenz dieses operativ stärken und
Projekte durchführen bzw. betreuen (um eine konkrete Auflistung der
Schwerpunktthemen Künstliche Intelligenz und des operativen Nutzens
der Stabsstelle wird gebeten)?
Die Fragen 9 und 10 werden gemeinsam beantwortet.
Die in die Stabsstelle Künstliche Intelligenz verlagerten Referate KI 1 und KI 2
bündeln ihre Geschäfte. Hierzu zählt insbesondere die Umsetzung und
Fortentwicklung der Strategie Künstliche Intelligenz der Bundesregierung.
Wie in der Antwort zu den Fragen 1 und 3 ausgeführt, dient die
Zusammenlegung der Kompetenzen im Bereich Künstliche Intelligenz des BMWi der
Schaffung klarer Zuständigkeiten und eines öffentlich sichtbaren
Ansprechpartners nach innen und nach außen, erlaubt sie der Hausleitung eine konzertierte
Befassung und die strategische Ausrichtung des Themas in seinen Teilaspekten
und zielt auf eine Bündelung und Nutzung der Expertise im Bereich der
Künstlichen Intelligenz.
Die Stabsstelle soll dem Charakter der Künstlichen Intelligenz als
Querschnittstechnologie entsprechend sämtliche Aktivitäten des BMWi mit Bezug zur
Künstlichen Intelligenz koordinieren und auf die strategischen Ziele der
Bundesregierung ausrichten. Über nationale Aktivitäten laufen in der
Stabsstelle auch die Begleitung und Unterstützung der Aktivitäten auf europäischer
Ebene sowie bi- und multilateral im internationalen Kontext zusammen.
Konkrete Vorhaben sind unter anderem:
• Stärkung der europäischen Datenverfügbarkeit und -souveränität durch eine
europäische Dateninfrastruktur;
• Stärkung eines vitalen Ökosystems der Künstlichen Intelligenz durch einen
einheitlichen, sichtbaren Ansprechpartner für Unternehmen jeder Größe und
Organisationen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft;
• Begleitung und Beförderung des Themas Künstliche Intelligenz, inklusive
Fragen der Datenethik im Rahmen der Ratspräsidentschaft 2020;
• Stärkung der Aspekte der digitalen Souveränität im Bereich der Künstlichen
Intelligenz durch konkrete Projekte sowie als Ansprechpartner für
Unternehmen und externe Akteure;
• Durchführung eines runden Tischs „Künstliche Intelligenz und Datenschutz
in der unternehmerischen Anwendung“;
• Einrichtung eines deutsch-französischen Forschungs- und
Innovationsnetzwerks („virtuelles Zentrum“) für Künstliche Intelligenz auf Basis der
bestehenden Strukturen beider Länder in gemeinsamer Federführung mit dem
Bundesministerium für Bildung und Forschung;
• Erarbeitung der Blockchain-Strategie der Bundesregierung in gemeinsamer
Federführung mit dem Bundesministerium der Finanzen;
• Grundsätze der Plattformökonomie sowie Stärkung europäischer
Plattformmodelle;
• Umsetzung der Richtlinie (EU) 2019/1024 über offene Daten und die
Weiterverwendung von Informationen des öffentlichen Sektors (PSI-Richtlinie)
in Bundesrecht;
• Koordinierung des Vollzugs der Verordnung (EU) 2018/1807 über einen
Rahmen für den freien Verkehr nichtpersonenbezogener Daten in der
Europäischen Union in gemeinsamer Federführung mit dem Bundesministerium
des Innern, für Bau und Heimat.
11. Welche konkreten Projekte und Pläne werden durch den Beauftragten des
Bundeswirtschaftsministeriums für die Digitale Wirtschaft und Start-ups
begleitet und koordiniert (bitte die konkreten Projekte, Pläne und
Konzepte bis zum Ende der Gesetzgebungsperiode auflisten)?
Ein Vorhaben ist die Verabschiedung der Blockchain-Strategie der
Bundesregierung. Ein anderer wichtiger Schwerpunkt ist das Themenfeld „Digitale
Plattformen“, das auch Gegenstand des diesjährigen Digital-Gipfel in
Dortmund ist. In seiner Funktion setzt sich der Beauftragte dafür ein, den digitalen
Markt für Start-ups und den Mittelstand noch stärker zu öffnen. Um auch
international deutlich stärker zu werden, wird er sich dafür engagieren, die
Rahmenbedingungen bei Finanzierung, Regulierung und der Rolle des Staates als
Technologieeinkäufer weiter zu verbessern.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
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ISSN 0722-8333]