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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet
Deutsche Arktispolitik
(insgesamt 95 Einzelfragen)
Fraktion
DIE LINKE
Ressort
Auswärtiges Amt
Datum
20.11.2019
Aktualisiert
26.07.2022
BT19/1319313.09.2019
Deutsche Arktispolitik
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Kleine Anfrage
der Abgeordneten Andrej Hunko, Hubertus Zdebel, Lorenz Gösta Beutin,
Christine Buchholz, Dr. Alexander S. Neu, Victor Perli, Helin Evrim Sommer,
Dr. Kirsten Tackmann, Kathrin Vogler und der Fraktion DIE LINKE.
Deutsche Arktispolitik
Der Arktis kommt im Zusammenhang mit der globalen Erwärmung eine
besondere Rolle zu. In der Klimaforschung wird davon ausgegangen, dass das
Schmelzen des arktischen Meereseises und des grönländischen Eisschildes ab
einem bestimmten Ausmaß im globalen Klimasystem irreversible Kipppunkte
darstellen. Der Erfolg oder Misserfolg des globalen Klimaschutzes wird sich
demnach auch an der künftigen Arktispolitik der Industriestaaten bemessen.
Ein zentraler Faktor im Kampf gegen den Klimawandel wird die Verhinderung
des weiteren Abschmelzens dieser Eismassen sein (www.umweltbundesamt.de/
sites/default/files/medien/publikation/long/3283.pdf).
Viele große Küstenstädte und sogar ganze Staaten wären von einem Anstieg
des Meeresspiegels und darauffolgenden gigantischen Überflutungen direkt
betroffen (vgl. w w w . b u n d e s t a g . d e / r e s o u r c e / b l o b / 5 7 2 2 5 4 /
b6c277110173d17aa1ef3e9e2de89061/wd-8-085-18-pdf-data.pdf). Vor allem
Regionen des globalen Südens würden unter einem noch viel massiveren
Mangel an Trinkwasser und an noch viel drastischeren Dürreperioden und
Ernteausfällen leiden. Aufgrund dessen würden diese Länder noch ärmer werden und
Millionen ihrer Bewohner von Hunger bedroht. Nach einer Studie der
Weltbank könnten zudem bis 2050 140 Millionen. Menschen aufgrund des
Klimawandels zur Flucht gezwungen werden (vgl. www.worldbank.org/en/news/
press-release/2018/03/19/climate-change-could-force-over-140-million-
tomigrate-within-countries-by-2050-world-bank-report). Auch Kriege zwischen
den Staaten des globalen Südens um Grundnahrungsmittel und
Wasserversorgung werden prognostiziert.
Zugleich ermöglicht das durch globale Erwärmung abschmelzende Meereseis
den Zugang zu Rohstoffen und die Entstehung neuer Schifffahrtswege in der
Arktis. Die Erderwärmung verläuft hier doppelt so schnell wie anderswo.
Studien von Klimaforschern gehen davon aus, dass Mitte dieses Jahrhunderts
sogar der Nordpol im Sommer eisfrei sein könnte, sodass viele Bodenschätze und
Zufahrtswege bereits in den nächsten Jahren freigeschmolzen sein werden (vgl.
www.ipcc.ch/working-group/wg2/?idp=605).
Die Bundesregierung zeigt seit längerer Zeit ein erkennbares Interesse an der
Arktis, welches sich unter anderem in den im Jahr 2013 verabschiedeten
Leitlinien deutscher Arktispolitik manifestiert, in denen sie angibt, die Arktis „zu
einem zentralen Gegenstand deutscher Politik“ machen zu wollen und konkrete
Schritte dafür darlegt (www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Landwirt
Deutscher Bundestag Drucksache 19/13193
19. Wahlperiode 13.09.2019
schaft/EU-Fischereipolitik-Meeresschutz/Leitlinien-Arktispolitik.pdf?
__blob=publicationFile).
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung war zuletzt Gastgeber der
„Zweiten Arktiswissenschaftsministerkonferenz“, welche im Oktober 2018 in
Berlin stattfand (vgl. w w w . b m b f . d e / d e / f o r s c h e n - f u e r - d a s - e w i g e -
eis-7193.html). Außerdem fördert das Bundesministerium für Bildung und
Forschung das Alfred-Wegener-Institut – Helmholtz-Zentrum für Polar- und
Meeresforschung – (AWI).
Im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie
befindet sich die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR),
welche sich ebenfalls aktiv mit der Arktis beschäftigt (www.bgr.bund.de/DE/The
men/Polarforschung/Arktis/arktis_node.html).
Auch der Bundesnachrichtendienst setzt sich aktiv mit der Arktis auseinander
und bezeichnet sie als „eines der interessantesten Themen der Zukunft“, auch in
Hinsicht auf ihre geostrategische und militärische Bedeutung (siehe „Das
Rennen um die Arktis“, www.bnd.bund.de, abgerufen am 17. August 2018).
Zudem hob Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel die Fragilität des arktischen
Ökosystems und die damit einhergehende Gefahr durch äußere Eingriffe im
Oktober 2014 hervor: „Umweltschäden wirken sich im sensiblen arktischen
Ökosystem langfristiger als anderswo aus. Folgen eines Umweltunfalls lassen
sich viel schwerer unter Kontrolle bringen. Umso wichtiger ist das
Vorsorgeprinzip als Richtschnur der Arktispolitik. Daher würde ich es begrüßen,
intensiver darüber nachzudenken, bestimmte Gebiete in der Arktis unter besonderen
Schutz zu stellen“ (siehe www.deutschlandfunk.de/run-auf-die-arktis-deutsche-
forschung-im-zwiespalt.724.de.html?dram:article_id=320795).
Die Anrainerstaaten widmen der militärischen Bedeutung der Region ebenfalls
hohe Aufmerksamkeit. NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg hat auf einer
gemeinsamen Pressekonferenz mit dem norwegischen Verteidigungsminister
Frank Bakke-Jensen im Oktober 2018 einen Präsenzausbau angekündigt und
die militärischen Ansprüche der NATO durch die Übung Trident Juncture 18
untermauert, welche in Norwegen stattfand und an der ca. 50.000 Soldaten
teilnahmen (vgl. www.nato.int/cps/en/natohq/opinions_159853.htm?selectedLoca
le=en und www.nato.int/cps/en/natohq/news_158620.htm).
Großbritannien plant gemeinsame Truppenübungen mit Norwegen im Rahmen
eines neuen Programms. Außerdem plane das Vereinigte Königreich laut
seinem Verteidigungsminister den Einsatz der neueren U-Boot-Jagdflugzeuge des
Typs P-8 „Poseidon“ über der Arktis (vgl. www.gov.uk/government/news/
defence-secretary-announces-new-defence-arctic-strategy).
Aus den anderen Anrainerstaaten sind ähnliche Signale zu vernehmen. So
möchte Kanada seine Militärausgaben laut Verteidigungsminister Harjit Sajjan
bis 2027 um 70 Prozent steigern, was ebenfalls vor allem der Erhöhung seiner
Präsenz in der Arktis dienen soll. Russland baut seine militärische Präsenz dort
ebenfalls massiv aus und hat seit 2014 mehr als 500 Objekte mit einer Fläche
von mehr als 710.000 Quadratmetern zur Nutzung übergeben (vgl. www.cana
da.ca/en/department-national-defence/news/2017/06/canada_unveils_newdefen
cepolicy.html und https://ria.ru/20181106/1532164714.html).
Laut einem Bericht des Thinktanks European Council on Foreign Relations ist
das Verhältnis zwischen Russland und der NATO in Bezug auf die Arktis
angespannt und wird sich infolge der Klimaerwärmung und der damit
einhergehenden Eröffnung des Zugangs zu großen Öl- und Gasvorkommen, die auch die
deutsche Bundeswehr in ihrer Studie als „Chance“ bezeichnet, noch
verschärfen (vgl. www.ecfr.eu/article/commentary_strategy_on_ice_has_russia_alrea
dy_won_the_scramble_for_the_arct).
Trotz erheblicher Gefahren für das arktische Ökosystem wird nach Ansicht der
Fragesteller aus den oben erwähnten Leitlinien deutscher Arktispolitik deutlich,
dass der Zugang zu Rohstoffen das eigentliche Hauptziel der von der
Bundesregierung verfolgten Arktispolitik ist. So werden in diesem Bericht deutlich die
sich bei der Erschließung von Rohstoffvorkommen „bietenden Perspektiven für
die deutsche und europäische Wirtschaft“ angesprochen und es wird sogar in
aller Klarheit festgestellt, dass „Deutschland und seine Wirtschaft ein Interesse
am Zugang zu den großen arktischen Vorkommen“ haben. Der Geologische
Dienst der USA schätzt in seinem Bericht, dass die Arktis 13 Prozent der
vermuteten Ölressourcen der Erde und 30 Prozent der förderbaren Gasvorkommen
der Welt birgt (vgl. https://pubs.er.usgs.gov/publication/70035000).
Dieses große Interesse an Rohstoffvorkommen teilen auch andere große
Industrienationen, mit welchen die Bundesregierung somit konkurriert –
Anrainerstaaten wie die USA, Kanada und Russland, aber auch die Volksrepublik China,
die im Januar 2018 ihre Arktisstrategie im „Weißbuch zur arktischen Politik“
vorstellte. Der zentrale Begriff dieser Strategie ist die „polare Seidenstraße“,
womit China aufzeigt, dass es für sich neue Seerouten erschließen und seine
bisherigen Handelswege nach Europa um fast 4.000 Kilometer abkürzen will
(vgl. http://german.china.org.cn/txt/2018-01/28/content_50333339.htm).
Somit kann nach Auffassung der Fragesteller festgestellt werden, dass global
agierende Energiekonzerne (ExxonMobil, Shell, BP, Chevron u.a.) sowie große
Industrienationen, welche auch die Hauptverantwortung für den weltweiten
CO2-Ausstoß und für die daraus resultierende Klimakatastrophe tragen, von
dieser gleichzeitig profitieren, da sie ihnen in der Arktis neue, extrem profitable
Handelswege und Rohstoffzugänge eröffnet. Durch die Erschließung,
Verarbeitung und Nutzung der dort vorhandenen Rohstoffvorkommen, würde nach
Ansicht der Fragesteller der globale CO2-Ausstoß mutmaßlich steigen, statt zu
dessen globaler Reduktion beizutragen, wie im Übereinkommen von Paris und
den verpflichtenden nationalen Klimaschutzzielen vereinbart. Auch die
Bundesrepublik Deutschland trägt selbstverständlich als wichtiger Industriestandort
zum Klimawandel bei, während Unionspolitiker in diesem auch eine „Chance“
in Bezug auf die Arktis sehen (vgl. http://berliner-kreis.info/klima-und-energie
politik). Für den globalen Süden hätte die Klimaerwärmung aus Sicht der
Fragesteller hingegen nur negative Konsequenzen. Dies würde letztendlich zu
einem noch stärkeren Wohlstandsgefälle zwischen den entwickelten
Industrienationen und den Ländern des globalen Südens führen und die weltweite
Ungleichheit drastisch verschärfen.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche Bedeutung kommt der Arktis nach Einschätzung der
Bundesregierung im Rahmen der globalen Erwärmung zu?
2. Mit welchem Anstieg der durchschnittlichen Lufttemperatur in der Arktis
ist nach Kenntnis der Bundesregierung von 2030 bis 2100 zu rechnen (bitte
in Grad Celsius und in Zehn-Jahres-Schritten angeben)?
3. Wie wird sich die Erderwärmung nach Kenntnis der Bundesregierung bis
2030, 2050, 2070, 2100 auf die polare Eiskappe am Nordpol und die
Gletscher in der arktischen Region auswirken?
4. Welche Auswirkungen wird die erwartete Freisetzung von Methan im Zuge
des Rückgangs der Permafrostböden in der Arktis nach Einschätzung der
Bundesregierung auf das globale Klima haben?
5. Mit welchem Anstieg des Meeresspiegels ist nach Kenntnis der
Bundesregierung bis 2030, 2050, 2070, 2100 im Zuge des Schmelzens der
Polkappen und der Gletscher in der Arktis zu rechnen (bitte in Zentimetern
angeben)?
6. Welche Weltregionen und Länder werden nach Einschätzung der
Bundesregierung von diesem Meeresspiegelanstieg am meisten betroffen sein?
7. Inwiefern wird sich nach Kenntnis der Bundesregierung der erhöhte
Seetransport in der Arktis, die damit einhergehende verstärkte
Luftverschmutzung durch Rußpartikel und deren Ablagerung auf dem Gletschereis auf
die Wärmereflexion und die Eisschmelze auswirken?
8. Inwiefern kommt dem Schmelzen des Eises in der Arktis nach
Einschätzung der Bundesregierung die Bedeutung eines Kipppunktes im globalen
Klimasystem zu und bedarf daher besonderer Anstrengungen zur
Verhinderung dieser Entwicklung?
9. Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung aus den jüngsten
Forschungsergebnissen des Alfred-Wegener-Instituts, wonach „die
Veränderungen im Jetstream zumindest teilweise vom Rückgang des arktischen
Meereises verursacht werden“, womit auch ein Zusammenhang mit den
jüngsten Hitzesommern in Deutschland nahegelegt wäre (www.focus.de/
wissen/natur/neue-studie-erwaermung-der-arktis-fuehrt-zu-wetterextre
men-in-deutschland_id_10768071.html)?
10. Welche Bedeutung misst die Bundesregierung der Einschätzung des
Berliner Kreises in der Union bei, wonach „die mit dem Schmelzen des polaren
Meereises verbundenen Chancen (eisfreie Nordpassage, neue
Fischfangmöglichkeiten, Rohstoffabbau) vermutlich sogar größer als mögliche
negative ökologische Effekte“ seien (vgl. das Positionspapier Klima und
Energie: http://berliner-kreis.info/klima-und-energiepolitik)?
11. Inwiefern ist der Kampf gegen den Klimawandel und die damit
einhergehende Reduktion der CO2-Emissionen seitens der Bundesregierung mit
dem Interesse am Zugang zu den arktischen Rohstoffvorkommen und der
Erschließung von Handelswegen vereinbar (siehe „Leitlinien deutscher
Arktispolitik“, S. 7), und welches der beiden Ziele betrachtet die
Bundesregierung als primär?
12. An welchen Standorten werden nach Kenntnis der Bundesregierung bereits
Projekte zur Erschließung von Rohstoffen durchgeführt, und an welchen
Standorten sind zukünftige Projekte geplant (bitte nach Jahr, Standort,
beteiligten Unternehmen und Zweck der Projekte angeben)?
13. Befinden sich nach Kenntnis der Bundesregierung die ausgewählten
Standorte in ausgewiesenen Territorien indigener Völker?
14. Inwiefern werden nach Kenntnis der Bundesregierung die Rechte bzw. die
Lebensgrundlagen der indigenen Völker, die durch ihre Lebensweise auf
eine intakte Umwelt angewiesen sind, durch die Erschließung von
Rohstoffvorkommen verletzt?
15. Welche Schutzmaßnahmen sind nach Kenntnis der Bundesregierung
geplant, um die Lebensräume der indigenen Völker zu bewahren?
16. Welche ministeriellen Ressorts und Fachabteilungen bzw. nachgeordneten
Bundesbehörden befassen sich mit dem Thema Arktis?
17. Wie ist die deutsche interministerielle Arktiskoordination organisiert bzw.
strukturiert?
18. Plant die Bundesregierung, ihre Arktisstrategie (siehe „Leitlinien deutscher
Arktispolitik“, 2013) zu aktualisieren?
Wenn ja, wann, und mit welcher Begründung?
19. Verfolgt die Bundesregierung im Rahmen ihrer Arktispolitik eine
spezifische Klimaschutzstrategie für die Arktis, und steht sie darüber mit anderen
Staaten im Austausch?
20. Welche spezifische Klimaschutzstrategie verfolgt die Bundesregierung für
die Arktis?
21. Wie bewertet die Bundesregierung die Auswirkungen für marine
Säugetiere durch Abfälle, Abwasser und verursachten Lärm durch die zunehmende
Schifffahrt in der Arktis?
22. Verfolgt die Bundesregierung, anhand des von der Bundeskanzlerin
Dr. Angela Merkel geforderten „Vorsorgeprinzips“, die Strategie,
bestimmte Gebiete in der Arktis unter Schutz stellen zu wollen, um das „sensible“
arktische Ökosystem zu bewahren?
23. Über welche Informationen verfügt die Bundesregierung über den
aktuellen Stand oder die Planung, bestimmte Gebiete in der Arktis unter Schutz
zu stellen?
24. Welche infrastrukturellen Konzepte der Rettungs- und
Säuberungsmaßnahmen gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung im Falle von Unfällen,
Havarien und Ölkatastrophen in der Arktis?
25. Über welche Kenntnisse verfügt die Bundesregierung zu geplanten
Konzepten zur Finanzierung bei Folgeschäden der Luft-, Boden- und
Wasserverschmutzung in der Arktis?
26. Welche deutschen Organisationen und bundesministeriellen Ressorts bzw.
Fachabteilungen haben nach Kenntnis der Bundesregierung am 5.
Internationalen Arktis-Forum in Sankt Petersburg vom 8. bis 10. April 2019
teilgenommen bzw. das Arktis-Forum besucht?
27. Welche deutschen Organisationen und bundesministeriellen Ressorts bzw.
Fachabteilungen haben nach Kenntnis der Bundesregierung das 11.
Ministertreffen des Arktischen Rates in Finnland (Rovaniemi) vom 6. bis 7. Mai
2019 besucht?
28. Welche Mitgliedstaaten des Arktischen Rates haben sich nach Kenntnis der
Bundesregierung geweigert, bei dem Ministertreffen des Arktischen Rates
in Rovaniemi vom 6. bis 7. Mai 2019 in der gemeinsamen
Abschlusserklärung bzw. in dem Abschlussdokument Bezug auf den Klimawandel (sowie
das Pariser Klimaschutzabkommen) zu nehmen, und mit welcher
Begründung?
29. Wie evaluiert die Bundesregierung die 12. Sitzung des Arktisdialogs am
21. November 2018 im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und
nukleare Sicherheit?
Welche Bundestagsabgeordneten wurden zur Veranstaltung eingeladen?
30. Welche Bundestagsabgeordneten wurden nach Kenntnis der
Bundesregierung zur 13. Sitzung des Arktisdialogs „Wissenschaftskooperationen in der
Arktis“ am 5. Juni 2019 eingeladen?
Wenn keine, warum nicht?
31. Welche Forschungsziele verfolgt die Wissenschaftspolitik der
Bundesregierung in der Arktis?
32. Mit welchen finanziellen Mitteln wurde das Alfred-Wegener-Institut seit
2000 durch die Bundesregierung gefördert (bitte nach Jahren
aufschlüsseln)?
33. Welche Forschungsstationen in der Arktis werden von deutschen
Forscherinnen und Forschern aktuell genutzt?
34. Plant die Bundesregierung die Errichtung eigener permanenter
Forschungsstationen in der Arktis?
Wenn ja, wo, wann, und zu welchem Zweck?
35. Was ist der aktuelle Stand bezüglich des Forschungseisbrechers „Polarstern
II“, dessen Bau das Bundesministerium für Bildung und Forschung Ende
2014 ausgeschrieben hatte?
36. Welche weiteren deutschen Forschungsschiffe für die Arktis sind in
Planung?
37. Wie viele Eisbrecher waren nach Kenntnis der Bundesregierung 2018 in
der Arktisregion im Einsatz (bitte nach Staaten und Antriebssystemen
auflisten)?
38. Welche Staaten arbeiten nach Kenntnis der Bundesregierung aktuell am
Bau sowie an der Entwicklung neuer Eisbrecher für die Arktisregion?
39. Welche bilateralen Arktisforschungsprojekte mit den Mitgliedstaaten des
Arktischen Rates fördert die Bundesregierung seit 2000 (bitte nach
einzelnen Staaten, Jahren und Umfang der Förderung aufschlüsseln)?
40. Welche Auswirkungen hatten nach Kenntnis der Bundesregierung die EU-
Sanktionen gegenüber der Russischen Föderation auf die deutsch-russische
Zusammenarbeit in der Arktis?
41. Wurde im Rahmen des Russlandbesuchs vom Bundesminister für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Gerd Müller im April 2019
die deutsch-russische Zusammenarbeit in der Arktisregion thematisiert,
undwenn ja, in welchem Zusammenhang?
42. Welche bilateralen Arktisforschungsprojekte mit den Beobachterstaaten
des Arktischen Rates fördert die Bundesregierung seit 2000 (bitte nach
einzelnen Staaten, Jahren und Umfang der Förderung aufschlüsseln)?
43. Welche Folgen ergeben sich aktuell konkret aus den am Festlandsockel
vorgenommenen Untersuchungen, und welche Schlüsse zieht die
Bundesregierung daraus?
44. Was waren die Ergebnisse der nach Angaben des Bundesministeriums für
Wirtschaft und Energie erfolgreichen Testphase des „Systems zum
dynamischen Positionieren im Eis“, welches von der Hamburgischen Schiffbau-
Versuchsanstalt (HSVA) entwickelt und vom Bundesministerium für
Wirtschaft und Energie im Rahmen des Forschungsprogramms „Maritime
Technologien der nächsten Generation“ mit insgesamt 784.000 Euro im
Zeitraum August 2008 bis Dezember 2012 gefördert wurde?
45. Wo wurde bzw. wird das in Frage 44 genannte System nach der
Markteinführung 2013 bisher verwendet, und mit welchen Ergebnissen?
46. Wurden Schiffe der deutschen Flotte mit diesem System ausgerüstet, und
wenn ja, welche, und wie viele?
47. Wurde das System ins Ausland verkauft, und wenn ja, an welche Staaten
und Unternehmen, und in welcher Menge?
48. Inwiefern ist es der Bundesrepublik Deutschland seit 2013 gelungen, seine
Ad-hoc-Teilnahme an den Arbeitsgruppen des Arktischen Rates
auszubauen (siehe „Leitlinien deutscher Arktispolitik“, S. 14)?
49. Zur Lösung welcher Probleme konnte die Bundesrepublik Deutschland im
Rahmen des Arktischen Rates nach Ansicht der Bundesregierung seit 2013
substanziell beitragen?
50. Welche konkreten Schritte plant die Bundesregierung zur Stärkung der
deutschen Beobachterrolle im Arktischen Rat (siehe „Leitlinien deutscher
Arktispolitik“, S. 2)?
51. Welche Projekte mit Bezug auf die Arktis mit den Organisationen mit
Beobachterstatus im Arktischen Rat fördert die Bundesregierung seit 2000
(bitte nach einzelnen Organisationen, Jahren und Umfang der Förderung
aufschlüsseln und Projekttitel angeben)?
52. In welchen weiteren Foren bzw. Gremien mit Bezug auf die Arktis neben
dem Arktischen Rat engagiert sich die Bundesregierung?
53. Über welche Informationen zum aktuellen Stand der Bewerbung der
Europäischen Union um den Beobachterstatus im Arktischen Rat verfügt die
Bundesregierung?
54. Welche Mitgliedstaaten im Arktischen Rat sind bzw. waren nach Kenntnis
der Bundesregierung bisher zurückhaltend bzw. ablehnend gegenüber dem
Antrag der Europäischen Union (EU) auf ihre Aufnahme als ständiger
Beobachter?
55. Inwiefern hat sich nach Ansicht der Bundesregierung die Ukrainekrise auf
die Aufnahme der EU als ständiger Beobachter in den Arktischen Rat
ausgewirkt?
56. Welche Möglichkeiten bieten sich nach Kenntnis der Bundesregierung für
die EU, wenn ihr der Status zuerkannt würde?
57. Inwiefern teilt die Bundesregierung die Meinung der EU-Botschafterin für
die Arktisregion Marie-Anne Coninsx über die Annahme einer neuen oder
überarbeiteten EU-Arktispolitik in relativ naher Zukunft (vgl. www.eurac
tiv.de/section/eu-aussenpolitik/interview/konflikte-in-der-arktis-unwahr
scheinlich-aber-nicht-ausgeschlossen/)?
Hält die Bundesregierung es für zielführend, die bestehende EU-
Arktisstrategie zu aktualisieren?
58. Wie beurteilt die Bundesregierung den aktuellen Stand der Umsetzung der
EU-Arktispolitik?
59. Welche konkreten vertrauensbildenden Maßnahmen für die Arktisregion
hat die Europäische Union seit 2013 nach Kenntnis der Bundesregierung
ergriffen?
60. Mit welchen finanziellen Mitteln fördert die EU nach Kenntnis der
Bundesregierung den Arctic Economic Council (bitte nach Jahren
aufschlüsseln)?
61. Inwiefern kooperiert die EU mit den Mitgliedstaaten des Arktischen Rates,
die nicht als EU-Mitgliedstaaten gelten?
62. In welchen weiteren Foren bzw. Gremien mit Bezug auf die Arktis neben
dem Arktischen Rat engagiert sich nach Kenntnis der Bundesregierung die
Europäische Union?
63. Welche Staaten sowie Bündnisse, an denen die Bundesrepublik
Deutschland beteiligt ist, verfügen nach Kenntnis der Bundesregierung über
Strategiepapiere für die Arktis (bitte die Staaten, Bündnisse sowie die Namen der
Strategiepapiere auflisten)?
64. Welche Arktisanrainerstaaten haben das Seerechtsübereinkommen der
Vereinten Nationen (UNCLOS) bisher nicht ratifiziert?
65. Mit den Regierungen welcher Mitgliedstaaten des Arktischen Rates hat die
Bundesregierung seit 2014 ihre Arktispolitik besprochen (bitte Datum und
Umstände der Gespräche nennen)?
66. Welches Konfliktpotenzial sieht die Bundesregierung nach ihrer Kenntnis
aktuell zwischen den Arktisanrainerstaaten (Kanada, USA, Russland,
Norwegen, Dänemark, Island, Finnland und Schweden)?
67. Teilt die Bundesregierung die Meinung von Experten aus dem
Bundesministerium in der Verteidigung, dass die bislang vorherrschende
Kooperationsbereitschaft einzelner Akteure in der Arktisregion geschwunden ist
(siehe www.bmvg.de/de/aktuelles/strategische-vorausschau-der-arktisdia
log-25808)?
Wenn ja, um welche konkreten Akteure, und um welche Bereiche handelt
es sich?
68. Inwiefern begrüßt die Bundesregierung den Vorschlag des russischen
Außenministers Sergej Lawrow auf dem 5. Internationalen Arktis-Forum in
Sankt Petersburg am 9. April 2019, die seit 2014 ausgesetzten jährlichen
Treffen der Generalstabschefs der Mitgliedstaaten des Arktischen Rates
zwecks der Aufrechterhaltung der regionalen Stabilität wieder
aufzunehmen und Kontakte auf der Ebene von Militärexperten der Arktisstaaten
herzustellen (siehe www.mid.ru/ru/press_service/minister_speeches/-/
asset_publisher/7OvQR5KJWVmR/content/id/3608543)?
69. Inwiefern sieht es die Bundesregierung als aktuell geeignet an, im Rahmen
des Nato-Russland-Rates über die Sicherheitsfragen in der Arktisregion zu
beraten?
70. Welche Schlüsse zieht die Bundesregierung aus der 11. Sitzung des
Arktisdialogs am 26. Juni 2018 im Bundesverteidigungsministerium?
Welche konkreten Anregungen seitens der Teilnehmerinnen und
Teilnehmer der Sitzung wurden von den Vertreterinnen und Vertretern der
Bundesregierung aufgenommen?
71. Über welche Informationen zur Organisationsstruktur von „Arctic Security
Forces Roundtable“ verfügt die Bundesregierung?
72. Hält die Bundesregierung Bundeswehreinsätze jenseits des nördlichen
Polarkreises grundsätzlich für möglich?
73. Inwiefern arbeitet die Bundesregierung an dem Aufbau von speziellen
Fähigkeiten für eventuelle militärische Einsätze in der Arktis sowie
gemeinsamen Manövern mit Bündnispartnern in der Region?
74. Welche Bedeutung wird nach Kenntnis der Bundesregierung im Rahmen
der Ständigen Strukturierten Zusammenarbeit (PESCO) der Region Arktis
beigemessen?
An welchen konkreten militärischen Projekten mit Bezug auf die Arktis
wird nach Kenntnis der Bundesregierung im Rahmen von PESCO aktuell
gearbeitet?
75. Verfügt die Bundesregierung über eigene Konzepte einer arktischen
Sicherheitsarchitektur?
Wenn ja, über welche?
Wenn nein, wird an diesen aktuell gearbeitet?
76. An welchen Militärübungen jenseits des nördlichen Polarkreises hat die
Bundeswehr seit 1990 teilgenommen (bitte nach Jahren auflisten)?
77. Warum wurde nach Kenntnis der Bundesregierung Norwegen als
Übungsplatz für das Manöver Trident Juncture gewählt?
78. Wie bewertet die Bundesregierung die Tauglichkeit der Bundeswehr für
Einsätze jenseits des nördlichen Polarkreises?
79. Inwiefern werden existierende Waffensysteme sowie existierende
Kampfbekleidung der Bundeswehr unter arktisch-winterlichen Bedingungen
erprobt (bitte die Waffensysteme nennen)?
80. Hat die Bundesregierung seit 2000 geplant, für extreme
Minustemperaturen bzw. für arktische Klimabedingungen taugliche Waffensysteme bzw.
entsprechende Kampfbekleidung zu entwickeln?
Wenn ja, welche, und wann?
81. Verfügt die Bundeswehr bereits über Handlungserfahrungen in der Arktis?
Wenn ja, über welche?
82. Über welche für die Arktis geeigneten Waffensysteme verfügt aktuell die
Bundeswehr (bitte alle Waffensysteme und ihre Herkunft auflisten)?
83. Wann hat die Bundesregierung den Bundesnachrichtendienst beauftragt, in
der Arktis „die dortigen geostrategischen Trends“ zu verfolgen und „die
politischen Entscheidungsträger über relevante Entwicklungen in der
Arktis“ zu informieren (siehe www.bnd.bund.de/DE/Die_Themen/hidden_con
tent1/Arktis/arktis_node.html)?
84. Welche deutschen Unternehmen sind nach Kenntnis der Bundesregierung
aktuell in der Arktis tätig (bitte Standorte auflisten und ihre Standorte in
der Arktis angeben)?
85. In welchen Formaten werden zwischen der Bundesregierung und den
deutschen Unternehmen die Pläne der deutschen Wirtschaft für die
Arktisregion thematisiert bzw. besprochen?
86. Wie konkret bewertet die Bundesregierung das wirtschaftliche Potenzial
der Arktis, vor allem in Bezug auf die dort vorhandenen Bodenschätze?
87. Welche Konzepte zur Erschließung der Arktis verfolgt die
Bundesregierung, und mit welchen Staaten sowie Unternehmen arbeitet sie
diesbezüglich zusammen?
88. Welche zusätzlichen Erträge für Unternehmen einerseits und Schäden für
die natürliche Umwelt andererseits werden nach Kenntnis der
Bundesregierung infolge der abschmelzenden Arktis durch mehr Schiffsverkehr sowie
leichter zugänglicher Rohstoffe erwartet?
An welchen konkreten Einschätzungen und Analysen orientiert sich die
Bundesregierung in dieser Frage?
89. Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, wie hoch der Anteil von Gas
ist, das von der russischen Halbinsel Jamal über die Pipeline North Stream
II in die Bundesrepublik Deutschland transportiert wird oder werden soll,
und welchen Beitrag zur CO2-Einsparung in der Bundesrepublik
Deutschland leisten diese Gaslieferungen zum Erreichen der deutschen
Klimaschutzziele?
90. Welche Änderungen für die wirtschaftliche Nutzung (etwa Forst- und
Landwirtschaft, Fischerei) sind nach Auffassung der Bundesregierung in
der heute existierenden Permafrostzone angesichts der Klimaerwärmung zu
erwarten?
91. Welche Schäden an der bestehenden Infrastruktur sind nach Auffassung der
Bundesregierung in der heute existierenden Permafrostzone angesichts der
Klimaerwärmung zu erwarten?
92. Werden in den Gesprächen zwischen den Vertreterinnen und Vertretern der
Bundesregierung und den Vertreterinnen und Vertretern der chinesischen
Regierung Perspektiven der sogenannten Polaren Neuen Seidenstraße
thematisiert?
Wenn ja, wann, und in welchem Zusammenhang, und mit welchem
Ergebnis?
93. Inwiefern beteiligen sich nach Kenntnis der Bundesregierung deutsche
Firmen an dem Ausbau der Infrastruktur der Nordostpassage?
94. Inwiefern hält die Bundesregierung die Pläne der russischen Regierung für
realistisch, den jährlichen Warenverkehr über die Nordostpassage bis zum
Jahr 2024 auf 80 Mio. Tonnen anzuheben?
95. Inwiefern ist die Bundesregierung mit den von Russland erarbeiteten
Auflagen für die Durchfahrt von ausländischen Militärschiffen der
Nordostpassage (https://iz.ru/852943/aleksei-kozachenko-bogdan-stepovoi-elnar-
bainazarov/kholodnaia-volna-inostrantcam-sozdali-pravila-
prokhodasevmorputi) einverstanden, nach denen Russland darüber 45 Tage im
Voraus informiert werden muss und die ausländischen Militärschiffe russische
Lotsen an Bord nehmen müssen?
Berlin, den 16. August 2019
Dr. Sahra Wagenknecht, Dr. Dietmar Bartsch und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]
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