„Gesicht Zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland e. V.“ – Förderung durch Bundesministerien
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Stephan Brandner, Roman Johannes Reusch, Jens Maier, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
Vorbemerkung der Fragesteller
Der Verein „Gesicht Zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland e. V.“ (nachfolgend: Verein) wurde nach eigener Aussage „im August 2000 gegründet, um für ein weltoffenes und tolerantes Deutschland einzutreten“ (www.gesichtzeigen.de/ueber-uns/). Unter den Förderern wird unter anderem auch das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz genannt.
Im Rahmen seines Internetauftritts kündigt der Verein mit Datum 9. August 2019 an, dass „drei Shuttlebusse“ von Berlin nach Dresden zur #unteilbar-Demo fahren sollten. Die Fahrt sei für die Interessenten kostenlos (vgl. www.gesichtzeigen.de/kommt-zur-unteilbar-demo-dresden/). Des Weiteren existiert auf dem Internetauftritt des Vereins unter der Überschrift „Brandenburg und Sachsen nicht den Rechten überlassen – Prominente zeigen Gesicht“ der Aufruf, bei den anstehenden Landtagswahlen „für Demokratie und für eine offene Gesellschaft“ (vgl. www.gesichtzeigen.de/angebote/kampagnen/prominenten-kampagne-landtagswahlen-2019/) das Kreuz zu machen. Unter der Überschrift „Gesicht Zeigen! – Plakatkampagne vor den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg“ heißt es: „1929 begann der Siegeszug der Nazis: mit einer Verdreifachung der Stimmen bei der Landtagswahl in Sachsen. 2019 liegen die neuen Rechten in Umfragen genau dort wieder vorn, bei rund 25 %. Geschichte darf sich nicht wiederholen! Darum starten wir jetzt einen Wahlkampf und plakatieren 25 Mal Weltoffenheit gegen 25 Prozent Rechtspopulismus“ (vgl. www.gesichtzeigen.de/angebote/kampagnen/meinwahl-kampf-gegen-rechts/). Erster Vorsitzender des Vereinsvorstandes ist Uwe-Karsten Heye, der von 1974 bis 1979 Pressereferent und Redenschreiber Willy Brandts, Staatssekretär und Regierungssprecher in Niedersachsen bei Ministerpräsident Gerhard Schröder sowie Staatssekretär und Leiter des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung und Regierungssprecher der Bundesregierung unter Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) war. Zweiter Vorsitzender ist Rafael Seligmann, der außenpolitische Berater der CDU-Bundesgeschäftsstelle in Bonn war.
Fragen und Antworten5
In welcher Höhe wird der Verein durch Bundesmittel seit dem Jahr 2000 direkt und indirekt gefördert (bitte nach Jahresscheiben und Haushaltstiteln auflisten)?
Die Fragen 1 und 2 werden aufgrund des Sachzusammenhangs gemeinsam beantwortet.
Da die in Frage 1 erfragten Daten erst ab dem Jahr 2011 vollständig in digitalisierter Form zur Verfügung stehen, erfolgen die Angaben im Sinne der Fristwahrung für den Zeitraum ab 2011. Für das Haushaltsjahr 2019 ist eine valide Angabe von aufgewandten Bundesmitteln erst nach Abschluss des Haushaltsjahres möglich. Die Förderung von „Gesicht Zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland e. V.“ durch Bundesministerien im Zeitraum 2011–2018 wird in der folgenden Tabelle dargestellt. Eine anders geartete Förderung ist nicht erfolgt.
- Jahr Haushaltstitel Fördersumme
- 2011 1702/684 14 14 191.775,00 €
- 1102/686 53 41.360,85 €
- 0710/685 01 28.500,00 €
- 0635/684 02 8.760,00 €
- 2012 1702/684 14 252.850,00 €
- 1102/686 53 12.723,34 €
- 0710/685 01 50.000,00 €
- 2013 1702/684 14 185.155,00 €
- 1102/686 53 24.000,00 €
- 0710/685 01 50.000,00 €
- 2014 1702/684 04 282.680,00 €
- 1106/686 13 24.000,00 €
- 0710/685 01 50.000,00 €
- 2015 1702/684 04 360.000,00 €0710/685 01 62.000,00 €
- 2016 1702/684 04 365.500,00 €0710/685 01 50.000,00 €
- 2017 1702/684 04 467.000,00 €
- 0710/685 01 283.711,00 €
- 0635/532 02 22.000,00 €
- 2018 1702/684 04 487.000,00 €
- 1702/684 01 560,00 €
- 0710/685 01 265.832,00 €
- 0635/532 02 22.000,00 €
In welcher anderen, nichtfiskalischen Art und Weise wird der Verein durch die Bundesregierung gefördert?
Inwieweit unterstützt die Bundesregierung die Inhalte, die durch den Verein verbreitet werden? Welche Inhalte, Veranstaltungen, Veröffentlichungen, Auffassungen unterstützt bzw. teilt die Bundesregierung, und welche nicht (bitte ab Vereinsgründung nach Jahren und Inhalten, Veranstaltungen, Veröffentlichungen, Auffassungen einzeln aufschlüsseln)?
Für inhaltliche Aussagen tragen die Träger die Verantwortung. Die Bundesregierung macht sich Inhalte Dritter nicht zu Eigen.
Inwieweit sieht die Bundesregierung einen Verstoß gegen das Neutralitätsgebot, wenn sie selbst als Förderer eines Vereins in Erscheinung tritt, der Wahlaufrufe gegen eine Partei, die ein Viertel der Wählerschaft hinter sich vereint, veröffentlicht?
Es wird auf die Antwort der Bundesregierung zu den Fragen 3 bis 5 der Kleinen Anfrage der Fraktion der AfD auf Bundestagsdrucksache 19/2039 verwiesen.
Thematisiert der Verein nach Kenntnis der Bundesregierung auch Probleme, die sich aus der mangelnden Toleranz von islamistischen oder linksextremen Gruppen ergeben, und wird so seinem Satzungszweck (§ 2 der Satzung) „Förderung (…) der Toleranz auf allen Gebieten“ gerecht?
Ja.