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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet
Genaue Bezugstemperatur des Pariser Zwei-Grad-Ziels und Rolle des CO2 (Nachfrage zur Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage auf Bundestagsdrucksache 19/6019)
Fraktion
AfD
Ressort
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit
Datum
09.10.2019
Aktualisiert
26.07.2022
BT19/1353425.09.2019
Genaue Bezugstemperatur des Pariser Zwei-Grad-Ziels und Rolle des CO2 (Nachfrage zur Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage auf Bundestagsdrucksache 19/6019)
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Kleine Anfrage
der Abgeordneten Karsten Hilse, Dr. Heiko Wildberg, Marc Bernhard,
Dr. Rainer Kraft, Andreas Bleck und der Fraktion der AfD
Genaue Bezugstemperatur des Pariser Zwei-Grad-Ziels und Rolle des CO2
(Nachfrage zur Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage auf
Bundestagsdrucksache 19/6019)
Diese Kleine Anfrage wurde der Bundesregierung bereits einmal auf
Bundestagsdrucksache 19/6019 mit Datum vom 26. November 2018 gestellt. Sie
wurde auch von der Bundesregierung auf Bundestagsdrucksache 19/6899 vom
3. Januar 2019 beantwortet. Nach Ansicht der Fragesteller waren die darin
enthaltenen erläuternden Bemerkungen ebenso wie die Antworten jedoch in
weiten Teilen ausweichend und die Ausführungen, der wissenschaftlich gestützten
Meinung der Fragesteller nach, häufig sogar falsch und deswegen irreführend.
Beispielsweise wird in der Vorbemerkung der Antwort zur Frage nach der
„vorindustriellen (Referenz-)Zeit, die maßgeblich für die Bestimmung der
Referenztemperatur ist“, auf mehrere (Referenz-)Zeiten verwiesen. Dies war den
Fragestellern bekannt und war deswegen nicht Inhalt ihrer Frage.
Oder in der Antwort wird festgestellt, Zitat: „Die großräumige und
systematische Erfassung von Lufttemperaturen im Sinne meteorologischer Messreihen
begann erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.“
Das ist jedoch unzutreffend. Denn sie war in dieser Zeit weder großräumig
noch systematisch, wie im Folgenden belegt wird. Die verwendeten
Aufzeichnungsmethoden ebenso wie Ausstattung der wenigen Stationen – wie z. B. die
lokale Art und Anordnung der Thermometer – waren deutlich unterschiedlich
und damit kaum vergleichbar. Nach Peterson, 1997, S. 2842: „An Overview of
the Global Historical Climatology Network Temperature Database. Bulletin of
the American Meteorological Society“ konnten 1850 nur 90 (von 2592) 5°×5°-
Planquadrate der Erde mit ca. 120 Messstationen Messdaten – oft auch noch
zweifelhafter Art – liefern und um 1880 waren es dann knapp 200 (von 2592)
5°×5°-Planquadrate mit nur ca. 500 Messstationen. Diese Planquadrate lagen
zudem in ihrer übergroßen Mehrheit nur in den USA und in Europa.
Außerdem wurden manche Antworten auf nicht gestellte Fragen gegeben. Die
Fragesteller stellen deshalb diese Fragen noch einmal und bitten um präzise
Antworten, so genau es der Bundesregierung sachlich möglich ist. Falls
Unklarheiten darüber bestehen sollten, welche Anmerkungen und Antworten dies
im Einzelnen betrifft, so sind die Fragesteller gern zur weiteren Klärung bereit.
Auf der 21. Konferenz der Vertragsstaaten der UN-Klimarahmenkonvention in
Paris im Dezember 2015 wurde eine neue Klima-Vereinbarung verabschiedet,
das Übereinkommen von Paris (https://unfccc.int/sites/default/files/english_pa
ris_agreement.pdf). Einer der Hauptpunkte dieses Übereinkommens ist die
Deutscher Bundestag Drucksache 19/13534
19. Wahlperiode 25.09.2019
Festlegung eines konkreten Klimaziels zur Begrenzung der Erderwärmung. So
wollen die Staaten, die diese Vereinbarung unterstützen, den Anstieg der
globalen Durchschnittstemperatur auf deutlich unter zwei Grad Celsius gegenüber
einem unbekannten vorindustriellen Niveau begrenzen (Artikel 2 der
Vereinbarung auf S. 3 im verlinkten Dokument). Die Vereinbarung selbst enthält aber
keinerlei konkrete Angaben darüber, worauf sich dieses Ziel bezieht (https://
unfccc.int/sites/default/files/english_paris_agreement.pdf). Es findet sich dort
nur der Bezug auf „vorindustrielle Werte“ (ebd.). Die sind jedoch völlig
unbestimmt. Ebenso wenig wurde bisher von einer Stelle – ob Regierung oder
Parlament – eine Angabe zu dieser grundlegenden Größe gemacht. Diese ist jedoch
für die Begründung aller Klimaschutzmaßnahmen von entscheidender
Bedeutung.
In der Wissenschaft ist seit Langem bekannt, dass alle Prozesse, bei denen
Energie gewandelt wird, von deren absoluter Temperatur abhängen, also auch
sämtliche Wetter- wie auch die daraus abgeleiteten Klimaprozesse (z. B. durch
den 1. Hauptsatz der Thermodynamik und darauf aufbauend das in der
Klimatheorie vielfach verwendete Stefan-Boltzmann Gesetz vom
Strahlungsgleichgewicht für schwarze Körper). Daher ist es unerlässlich, diese Temperatur für die
fragliche Zeit so präzise wie möglich zu bestimmen, auch um den erwarteten
Einfluss der getroffenen Maßnahmen auf diese Temperatur messen zu können,
vor allem aber, um abschätzen zu können, welche Auswirkungen auch
geringste Temperaturänderungen auf das Klima und damit auf die Menschen haben.
Allein die genaue Kenntnis dieser Temperatur kann daher unter Bezug auf den
Stand der Wissenschaft wie auch nach Ansicht der Fragesteller zur
Erfolgskontrolle für ein objektives Vorher-Nachher- Bild verwendet werden.
In der Wissenschaft selbst ist die Notwendigkeit der Benennung einer
Bezugstemperatur wegen der oben geschilderten Abhängigkeit völlig anerkannt und
daher auch selbstverständlich. So vergleicht der bekannte Klimafolgenforscher
Prof. Dr. Hans Joachim Schellnhuber im Presseraum des Vatikans das Erdklima
mit der recht konstanten Körpertemperatur (dieser Vergleich wird von ihm
häufig bemüht, so auch im NDR „DAS!“ am 16. November 2015; ABC-NEWS
(australisches Fernsehen), Youtube, 12. Juli 2011; ARD, DAS ERSTE, „Film
und Serie – Warmzeit“, 14. Mai 2013; 3SAT, „Scobel“, 29. November 2009).
„Wenn da zwei Grad dazukommen, haben Sie Fieber! Bei fünf Grad sind Sie
tot!“
Diese Aussage ist nach Auffassung der Fragesteller vollkommen richtig, jedoch
unterlässt es Prof. Schellnhuber bei diesen und anderen Gelegenheiten, die
aktuelle und die vorindustrielle globale Mitteltemperatur zu benennen.
Die aktuelle globale Mitteltemperatur des Jahres 2016 wurde z. B. im
öffentlich- rechtlichen Fernsehen in der Sendung „Morgenmagazin“ am 19.
Januar 2017 aufgrund von Informationen der Weltorganisation für Meteorologie
in Genf (WMO), mit 14,83 °C benannt (https://public.wmo.int/en/media/press-
release/wmo-confirms-2016-hottest-year-record-about-11%C2%B0c-
abovepre-in).
Dies sei das angeblich wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen, so das
Zitat nach der WMO.
Von der Klimawissenschaft wurde von Anbeginn an eine Mitteltemperatur von
15 °C als Folge des sog. Treibhauseffektes festgelegt. Die Quellen dazu sind
Legion, wie im Folgenden zusätzlich belegt wird (z. B. www.giss.nasa.gov/
research/briefs/ma_01/). Beispielsweise steht das so noch 2016 im Lehrbuch
von Hans-Christian Schönwiese „Klima“. Dem folgend sendete 3Sat am 4.
April 2011 eine Erklärung in einem Lehrfilm, der in dem Ausspruch gipfelt „Nun
ist die Erde (Atmosphäre) perfekt“ und auch damit „exakt 15 °C“ (hier
abrufbar: www.youtube.com/watch?v=XMgyokq1jYA), und das gelte ohne weiteres
Zutun des zusätzlichen sog. anthropogenen Treibhauseffekts.
Die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages stellte aber schon 1990
(siehe Grafik auf S. 29 auf Bundestagsdrucksache 11/8030 vom 24. Mai 1990)
und auch 1996 eine Temperatur von bereits 15,4 °C bzw. 15,3 °C
(Bundestagsdrucksache 13/5146 vom 28. Juni 1996) fest. Der bekannte Klimaforscher
Mojib Latif berichtet in seinem Buch „Herausforderung Klima“ von 2007 von
15,6 °C. Im Ravensburger Schulbuch „Klimawandel“ von 2008 wird eine Zahl
von 15,9 °C genannt. Daraus muss gefolgert werden, dass gegenüber dem
Anfang 2017 veröffentlichten Wert von nur 14,84 °C, die globale Mitteltemperatur
offensichtlich stark gesunken ist. Da es sich beim letztgenannten Jahr um „das
wärmste Jahr seit Aufzeichnung“ handeln soll, liegt der Trend nochmals
darunter.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung die genaue absolute
globale Mitteltemperatur in Grad Kelvin und Grad Celsius in vorindustrieller Zeit
(bitte auf zwei Gradstellen hinter dem Komma angeben)?
2. An welchem Zeitpunkt wurde sie bestimmt?
Hilfsweise – wenn ein Referenzzeitraum gemeint sein sollte –
a) Wann begann diese Zeit?
b) Wann endete diese Zeit?
3. Ist der Bundesregierung bekannt, dass – wie oben umfassend belegt – die
aktuelle globale Mitteltemperatur dramatisch unter der der Jahre 1990 bis
2008 liegt?
a) Falls ja, welche Schlussfolgerungen für ihr eigenes Handeln zieht die
Bundesregierung daraus, um diesem bereits langanhaltenden Tatbestand
Rechnung zu tragen?
b) Falls nein, welche Schlussfolgerungen für ihr eigenes Handeln zieht die
Bundesregierung daraus, um diesem bereits langanhaltenden Tatbestand
Rechnung zu tragen?
4. Ist der Bundesregierung bekannt, dass die aktuelle globale Mitteltemperatur
auch unter der als ideal empfundenen Mitteltemperatur (www.bundesregie
rung.de/breg-de/aktuelles/klimaschutz-hat-prioritaet-371878 und auch siehe
oben) von exakt 15 °C liegt?
a) Falls ja, welche Schlussfolgerungen für ihr eigenes Handeln zieht die
Bundesregierung daraus, um diesem bereits langanhaltenden Tatbestand
Rechnung zu tragen?
b) Falls nein, welche Schlussfolgerungen für ihr eigenes Handeln zieht die
Bundesregierung daraus, um diesem bereits langanhaltenden Tatbestand
Rechnung zu tragen?
5. Welche Gründe sind der Bundesregierung für die Tatsache bekannt, dass die
globale Mitteltemperatur seither so kräftig, d. h. von 15,9 °C 2008 auf
14,84 °C im Jahr 2017 (Quellen zu beiden Werten siehe in den
Vorbemerkungen) um fast die gesamte Erwärmung des Zeitraumes von 1850 bis 2008,
abgenommen hat?
6. Kann nach Auffassung der Bundesregierung das CO2, da in derselben Zeit
die weltweiten CO2-Emissionen ebenso wie die CO2-Konzentration
zugenommen haben, die globale Mitteltemperatur aber nicht stieg, für eine
Erderwärmung verantwortlich gemacht werden?
a) Welche Erklärung führt die Bundesregierung für diesen offensichtlichen
Widerspruch an?
b) Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung, um diesen Widerspruch
aufzuklären und ggf. aus der Welt zu schaffen?
7. Liegen der Bundesregierung ggf. Belege dafür vor, dass die vorgenannten
höheren Werte eventuell falsch sind?
Wenn ja, welche Belege sind das (bitte einzeln und mit Quellen benennen)?
8. Ist die Bundesregierung ggf. der Ansicht ist, dass die bisher von der
Klimawissenschaft gewissenhaft ermittelten Mitteltemperaturen bis 2008 falsch
gewesen sein sollten?
a) Falls ja, woher bezieht die Bundesregierung ggf. die Gewissheit oder
auch nur die sehr wahrscheinliche Annahme, dass die Klimawissenschaft
mit den eventuell viel niedrigeren Werten der Mitteltemperatur diesmal
richtig liegt (bitte mit genauer Begründung, bei Berufung auf
wissenschaftliche Quellen oder sonstige Zitate bitte mit genauen
Quellenangaben zu den Begründungen)?
b) Falls nein, welche Maßnahmen plant die Bundesregierung zu ergreifen,
um der Tatsache Rechnung zu tragen, dass die bisherigen
Klimaschutzbemühungen offensichtlich sehr erfolgreich waren?
c) Teilt die Bundesregierung die Ansicht der Fragesteller, dass die
Klimaschutzmaßnahmen daher für die Zukunft schnellstmöglich
zurückgefahren, ggf. in ihr Gegenteil umgewandelt werden sollten (bitte mit grober
Übersicht, bei Berufung auf wissenschaftliche Quellen oder sonstige
Zitate bitte mit genauen Quellenangaben zu den Begründungen)
Berlin, den 26. August 2019
Dr. Alice Weidel, Dr. Alexander Gauland und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]
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