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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet

Förderung von Forschung und Lehre im Tourismus an den öffentlichen Hochschulen in Deutschland

(insgesamt 16 Einzelfragen)

Fraktion

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Ressort

Bundesministerium für Bildung und Forschung

Datum

14.10.2019

Aktualisiert

26.07.2022

BT19/1359926.09.2019

Förderung von Forschung und Lehre im Tourismus an den öffentlichen Hochschulen in Deutschland

Kleine Anfrage

Volltext (unformatiert)

[Kleine Anfrage der Abgeordneten Markus Tressel, Kai Gehring, Stefan Schmidt, Annalena Baerbock, Matthias Gastel, Stefan Gelbhaar, Dr. Bettina Hoffmann, Oliver Krischer, Christian Kühn (Tübingen), Steffi Lemke, Friedrich Ostendorff, Margit Stumpp, Dr. Daniela Wagner, Beate Walter-Rosenheimer und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Förderung von Forschung und Lehre im Tourismus an den öffentlichen Hochschulen in Deutschland Der Tourismus ist nicht nur in Deutschland, sondern weltweit eine Wachstumsbranche. Allein der Deutschlandtourismus ist auf jährlich fast 500 Millionen Übernachtungen, rund 3 Millionen Beschäftigte und eine direkte Bruttowertschöpfung von über 100 Mrd. Euro angewachsen (vgl. u. a.: www.btw.de/touris mus-in-zahlen/das-tourismusjahr-2018-ein-ueberblick.html). Damit nimmt der Tourismus einen Spitzenplatz im Vergleich mit anderen Wirtschaftsbranchen ein. Gleichzeitig stößt der Tourismus gerade aufgrund seiner schnellen Wachstumsrate an unterschiedliche Grenzen. Da wären nach Ansicht der Fragesteller nur beispielhaft die drängendsten Probleme für die Tourismusbranche, wie die Digitalisierung, der Arbeits- und Fachkräftemangel oder die Ausbildungs- und Beschäftigungssituationen zu nennen. Immer drängender für die Touristik insgesamt wird aus Sicht der Fragesteller die Frage des Umweltschutzes und der Nachhaltigkeit in der immer größer werdenden Klimakrise. Sie betrifft nicht nur den Umgang der verschiedenen Destinationen mit veränderten klimatischen Bedingungen, wie zum Beispiel die Alpen oder unterschiedliche Gewässer. Es geht vielmehr um die Frage, wie die gesamte Tourismusbranche sich umweltverträglich ausrichten kann. Das gilt auf der einen Seite für die touristische Mobilität, auf der anderen Seite geht es um die Umweltverträglichkeit der Destinationen selbst. Neben dem nachhaltigen Aspekt muss die Touristik ökonomisch profitabel sein. So steht die internationale Touristik vor vielfältigen Herausforderungen. Diesen Herausforderungen stellt sich die internationale Tourismusforschung. Aber in Deutschland schließen an immer mehr öffentlichen Universitäten die Lehrstühle für Tourismuswissenschaften (vgl. www.fvw.de/veranstalter/karrie re/verlust-von-lehrstuehlen-verbaende-kritisieren-sterben-der-tourismuswissen schaft-192946?crefresh=1). Die Hochschulen für angewandte Wissenschaften können diese immer gravierenderen Forschungslücken trotz ausgezeichneter Lehr-Expertise nicht mehr füllen. Der Anteil der Projekte „mit Tourismusbezug“ an allen derzeit von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Forschungsprojekten beträgt 0,09 Prozent. Für die Zukunftsfragen des Tourismus braucht es aber eine leistungsfähige Forschung und Lehre an den öf- Deutscher Bundestag Drucksache 19/13599 19. Wahlperiode 26.09.2019 fentlichen Hochschulen, um wissenschaftlich fundierte Grundlagen und Lösungsansätze für die Bewältigung der Probleme und Herausforderungen zu liefern. Forschung kann – insbesondere dann, wenn sie partizipativ gestaltet ist – innovative Ansätze, neue Ideen und zukunftsfähige Strategien für die Lösung der Herausforderungen und Probleme im Tourismus hervorbringen. Darüber hinaus muss für hochqualifizierten wissenschaftlichen Nachwuchs gesorgt werden, um die Innovationskraft, die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit des Tourismus als einen der wichtigsten ökonomischen Sektoren in Deutschland zu sichern. Die Bundesregierung erarbeitet zurzeit eine nationale Tourismusstrategie, um den Tourismus in Deutschland zu fördern (www.bmwi.de/Redaktion/DE/Down loads/E/eckpunkte-tourismusstrategie.pdf?__blob=publicationFile&v=6 sowie Bundestagsdrucksache 19/11088). Im Zuge dessen ist es wichtig, die aktuelle Situation in den Tourismuswissenschaften zu kennen. Wir fragen die Bundesregierung:  1. Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Institute für Tourismusforschung an den deutschen Universitäten und Fachhochschulen in den vergangenen zehn Jahren entwickelt (bitte die Entwicklung anhand der Anzahl der Studierenden, der Anzahl der Wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, der Anzahl der Lehrstühle, der Anzahl der Professorinnen und Professoren aufzeigen)?  2. Wie hat sich die Zahl der Bachelorabschlüsse, Masterabschlüsse, Promotionen und Habilitationen in Themenbereichen der Tourismuswissenschaften an deutschen Universitäten und Fachhochschulen in den letzten zehn Jahren nach Kenntnis der Bundesregierung entwickelt?  3. Verfolgt die Bundesregierung ein Konzept zur Verbesserung der strukturellen und personellen Situation im Bereich der Tourismuswissenschaft? Wenn ja, welche? Wenn nein, warum nicht?  4. Inwieweit evaluiert bzw. fördert die Bundesregierung bzw. das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) die tourismuswissenschaftliche Forschung des Kompetenzzentrums für Tourismus des Bundes?  5. Hat die Bundesregierung vor, Sonderprogramme zur Einrichtung von Forschungsschwerpunkten, zur Finanzierung von Lehrstühlen bzw. Lehrprofessuren sowie von Promotionskollegs oder Promotionsstudiengängen für die Tourismuswissenschaften einzusetzen bzw. entsprechende Mittel zur Verfügung zu stellen? Wenn nein, warum nicht? Wenn ja, wie gedenkt sie, in dieser Angelegenheit mit den für Hochschulpolitik zuständigen Ländern zusammenzuarbeiten?  6. Wie hat sich das für Tourismusforschung seitens der Bundesregierung aufgewendete Haushaltsvolumen seit 2010 entwickelt (bitte aufgeschlüsselt nach den jährlichen Ist- und Soll-Zahlen und relativ zu den Forschungsausgaben insgesamt angeben), und welche Forschungsvorhaben hat die Bundesregierung seit 2010 in diesem Bereich gefördert (bitte jeweils mit Angaben des Titels, des federführenden Ressorts, der Förderhöhe, des Zuwendungsempfängers und der Laufzeit)?  7. Inwiefern sieht die Bundesregierung Ansatzpunkte zur Verbesserung der Forschungsförderung im Tourismus (bitte getrennt darstellen a) für die Hochschulen und Fachhochschulen Deutschlands sowie b) für außeruniversitäre Forschungseinrichtungen)?  8. Verfügt die Bundesregierung über Monitoring- bzw. Screening- Instrumente, die ihr kontinuierlich und systematisch die personelle Situation von Forschung, Lehre und Kooperationen im Bereich Tourismuswissenschaft sowohl an den Fachhochschulen als auch an den Universitäten aufzeigen, wenn ja, welche, wenn nein, warum nicht?  9. Verfügt die Bundesregierung über Monitoring- bzw. Screening- Instrumente, die ihr kontinuierlich und systematisch Umfang und Zielrichtungen der Forschungsförderung für Tourismus sowohl an den Hochschulen Deutschlands als auch im Ausland aufzeigen, und wenn ja, welche sind das, wie funktionieren sie, und welche Ergebnisse erzielten sie in den vergangenen zehn Jahren? 10. Wie bewertet die Bundesregierung die Entwicklung der Forschungsförderung für Tourismus sowohl an den Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Deutschland als auch im internationalen Vergleich seit 2010, und sind in der laufenden Legislaturperiode Förderschwerpunkte im Bereich Forschung und Entwicklung im Tourismus seitens der Bundesregierung in der laufenden Legislaturperiode geplant, und wenn ja, welche, und wenn nein, warum nicht? 11. Inwiefern engagiert sich die Bundesregierung beispielsweise durch Ausschreibung einschlägiger tourismuswissenschaftlicher Forschungsprojekte der Bundesministerien oder Aufträge an Expertengremien, um Vorschläge für eine nachhaltige und international wettbewerbsfähige Tourismusforschungsinfrastruktur zu entwickeln, die den Tourismus in Deutschland als Wirtschaftsbranche, Destination und gesamtgesellschaftliches Phänomen abbildet und weiterentwickelt? 12. Inwiefern hat die Bundesregierung Kenntnis über Kooperationen deutscher Hochschulen und Forschungseinrichtungen mit ausländischen Wissenschaftseinrichtungen hinsichtlich tourismuswissenschaftlicher Forschungskooperationen? 13. In welchem Umfang, und mit welchen thematischen Schwerpunkten sind in den letzten zehn Jahren öffentliche Ausschreibungen dezidiert für den Bereich Forschung und Entwicklung im Tourismus ausgegeben worden? 14. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung hinsichtlich der Abwanderung von Tourismuswissenschaftlerinnen und Tourismuswissenschaftlern ins Ausland (bitte Angaben für die letzten zehn Jahre für die Zahl der im Ausland Studierenden und Lehrenden unter Angabe der Destination)? 15. Welchen Stellenwert nimmt die Stärkung von Forschung und Lehre in den Bereichen Tourismusforschung und Tourismuswissenschaft an den Hochschulen Deutschlands bei der anstehenden Erarbeitung der Aktionspläne im Rahmen der zweiten Stufe der Nationalen Tourismusstrategie ein? 16. Welchen inhaltlichen Stellenwert werden die Tourismusforschung und die Tourismuswissenschaft in der Nationalen Tourismusstrategie einnehmen? Berlin, den 1. September 2019 Katrin Göring-Eckardt, Dr. Anton Hofreiter und Fraktion Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de ISSN 0722-8333]

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