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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet

Hecken in der Agrarlandschaft

(insgesamt 12 Einzelfragen)

Fraktion

AfD

Ressort

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

Datum

30.03.2020

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 19/1797917.03.2020

Hecken in der Agrarlandschaft

der Abgeordneten Franziska Gminder, Stephan Protschka, Wilhelm von Gottberg, Peter Felser und der Fraktion der AfD

Vorbemerkung

Hecken – allgemein bekannt definiert als linienförmige, mit Bäumen und Sträuchern bewachsene Strukturen – sind neben anderen Strukturelementen wie Feldrainen oder Brachen von besonders großer landschaftsökologischer Bedeutung. Meist sind Hecken historisch als Folgestrukturen der Landbewirtschaftung entstanden, so zum Beispiel die Wallhecken in Nordwestdeutschland (vgl. beispielsweise https://wallhecke.de/).

Mit Beginn der Intensivierung der Landwirtschaft im 20. Jahrhundert wurden Hecken und andere Saumbiotope häufig zum Hindernis (Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung BLE 1619/2018). Die Mechanisierung verlangte nach größeren Feldschlägen. Insbesondere die späteren Flurbereinigungsmaßnahmen führten zu einem großflächigen Verschwinden von Heckennetzen (Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung 1619/2018).

Vor dem Hintergrund des Klimawandels wird den Hecken in letzter Zeit wieder mehr Bedeutung zugemessen (https://www.umweltbundesamt.de/themen/anpassungsstrategien-fuer-die-deutsche). So können Hecken durch die Reduktion der Windgeschwindigkeit dazu beitragen, den Boden vor Austrocknung zu schützen. Durch die Durchwurzelung tieferer Bodenschichten wirken sich Hecken außerdem positiv auf den Aufbau von Humus aus und wirken als „Nährstoffpumpe“ (https://www.oekolandbau.de/landwirtschaft/pflanze/grundlagen-pflanzenbau/regenerative-landwirtschaft/agroforstsysteme/).

Darüber hinaus kann durch die Neuanlagen von Hecken (v. a. durch Einbeziehung von intensiv blühenden Sträucher wie z. B. Weißdorn, Schlehe und Sanddorn) dem Rückgang der Biodiversität entgegengewirkt werden: Hecken sind wichtige Rückzugsräume und Vernetzungsräume für viele Tierarten und Pflanzenarten. (https://www.landwirtschaft-bw.info/pb/,Lru/3650826_3651464_2304248_2311955).

Durch die streifenförmige Anpflanzung bzw. Einbeziehung von Wertholzbäumen kann die traditionelle mitteleuropäische Heckenwirtschaft nicht zuletzt auch unter ökonomischen Gesichtspunkten erheblich weiterentwickelt werden. Moderne Agroforstsystemen können neue Perspektiven für eine nachhaltige Landnutzung aufzeigen (Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) „forschungsfelder“ 02/2019)

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen12

1

Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über die Entwicklung der Heckenstrukturen in Deutschland in den letzten Jahren und Jahrzehnten?

2

Gibt es in Deutschland nach Kenntnis der Bundesregierung Monitoring-Systeme, mit denen Heckenstrukturen bundesweit erfasst werden können, um auf diese Weise Veränderungen in der Agrarlandschaft zu erfassen und zu dokumentieren?

3

War die Pflege und/oder die Neuanlage von Hecken bzw. Agroforstsystemen nach Kenntnis der Bundesregierung in Deutschland in den letzten Jahren Gegenstand von

a) Bund-Länder-Projekten im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes (GAK), und wenn ja, in welchem finanziellen Umfang?

b) Maßnahmen im Rahmen des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER), und wenn ja, welche finanziellen Mittel wurden in den vergangenen Jahren zur Verfügung gestellt (bitte ggf. nach Bundesländern aufschlüsseln)?

4

Setzt sich die Bundesregierung dafür ein, im Rahmen der Neustrukturierung der GAP-Regelungen (Gemeinsame Agrarpolitik) verstärkt Anreizsysteme zur Schaffung von neuen Hecken bzw. Agroforstsystemen im Rahmen der ELER-Maßnahmen zu schaffen (wenn ja, bitte konkrete Initiativen benennen)?

5

Welche Rolle spielen Hecken im Rahmen der „Ackerbaustrategie 2035“ des BMEL (https://www.bmel.de/DE/Landwirtschaft/Pflanzenbau/Ackerbau/_Texte/ackerbaustrategie.html;nn=374460)?

6

Wie beurteilt die Bundesregierung vor dem Hintergrund des Klimawandels die Wirkung von Hecken gegen Austrocknung und Bodenerosion (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?

7

Spielen Hecken im Rahmen des Klimaschutzpaketes der Bundesregierung eine Rolle, und wenn ja, inwiefern?

8

Wird die agrarökonomische Bedeutung von Hecken bzw. Agroforstsystemen aktuell auf Bundesebene erforscht (wenn ja, bitte die konkreten Projekte benennen)?

9

Inwiefern verändert sich durch die Digitalisierung der Landwirtschaft („Precision farming“; https://ihingerhof.uni-hohenheim.de/precision-farming) und die damit einhergehende Möglichkeit, auch kleinteilige naturräumliche Gegebenheiten stärker zu berücksichtigen, die agroökonomische Bewertung von Hecken nach Kenntnis der Bundesregierung?

10

Wie beurteilt die Bundesregierung vor dem Hintergrund abnehmender Biodiversität in den letzten Jahren (https://www.tum.de/nc/die-tum/aktuelles/pressemitteilungen/details/35768/) die Bedeutung von Hecken für Insekten sowie für die Avifauna, speziell für gefährdete Arten wie z. B. den Neuntöter (Lanius collurio) und den Raubwürger (Lanius excubitor)?

11

Wie beurteilt die Bundesregierung hinsichtlich der Auswirkung auf die Biodiversität (vgl. vorige Frage) die Anlage von Blühstreifen in Kombination mit Hecken im Vergleich zur Anlage von Blühstreifen ohne Hecken?

12

Welche Rolle spielen Hecken als Pufferstreifen im Rahmen des Gewässerschutzes bzw. Grundwasserschutzes (https://repository.publisso.de/resource/frl:5806790-1/data) insbesondere vor dem Hintergrund der Problematik regional erhöhter Stickstoffeinträge?

Berlin, den 11. März 2020

Dr. Alice Weidel, Dr. Alexander Gauland und Fraktion

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