[Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Stephan Protschka, Berengar Elsner
von Gronow, Peter Felser, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 19/19997 –
Gesundheitsgefahren durch Palmöl in Lebensmitteln
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Palmöl ist weltweit das billigste und am häufigsten verwendete Pflanzenöl
(vgl.
https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/lebensmittelpro
duktion/palmoel-negative-folgen-fuer-gesundheit-und-umwelt-17343).
Aufgrund seiner wirtschaftlichen Rentabilität und technologisch erwünschten
Eigenschaften findet sich Palmöl in vielen Lebensmitteln wie Backwaren,
Fertiggerichten und Süßigkeiten wieder. Ein zunehmender Teil der Verbraucher
lehnt die Verwendung von Palmöl ab, weil der Anbau der Ölpalme zur
Erzeugung von Palmöl häufig mit der Rodung von Regenwald einhergeht (vgl.
https://www.mri.bund.de/de/themen/reformulierung/oleogele-optimieren-fetts
aeureprofil/). Neben den ökologischen Nachteilen wird Palmöl auch mit
gesundheitlich nachteiligen Effekten in Verbindung gebracht. Einerseits enthält
Palmöl einen relativen hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren, die das Risiko
von Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Andererseits hat Palmöl ein
großes Potenzial zur Bildung von gesundheitsschädlichen 3-
Monochlorpropandiol- (3-MCPD) und Glycidylfettsäureestern bei der Herstellung (vgl.
https://ww
w.mri.bund.de/de/themen/reformulierung/oleogele-optimieren-fettsaeurepro
fil/). In diesen prozessbedingten Kontaminanten, die u. a. in Säuglingsnahrung
enthalten sein können, sehen die Europäische Behörde für
Lebensmittelsicherheit (EFSA) und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ein
Gesundheitsrisiko vor allem für jüngere Bevölkerungsgruppen (vgl.
https://www.bfr.b
und.de/cm/343/3-mcpd-2-mcpd-glycidyl-fettsaeureester-in-lebensmitteln.pdf).
Die Bundesregierung hat sich im Rahmen des Koalitionsvertrages der 19.
Legislaturperiode zwischen CDU, CSU und SPD dazu verpflichtet, sich für
einen gesundheitlichen Verbraucherschutz einzusetzen und durch Ernährung
mitbedingte Krankheiten, die u. a. durch einen hohen Konsum an gesättigten
Fettsäuren ausgelöst werden können, zu bekämpfen (vgl.
https://www.bundesr
egierung.de/resource/blob/656734/847984/5b8bc23590d4cb2892b31c987ad67
2b7/2018-03-14-koalitionsvertrag-data.pdf?download=1). Aus Sicht der
Fragesteller kann zwar in vielen Industriezweigen nicht vollkommen auf Palmöl
verzichtet werden, eine Reduktion oder ein Ersetzen durch neu entwickelte
Alternativen zu Palmöl in Lebensmitteln ist jedoch durchaus erstrebenswert.
Deutscher Bundestag Drucksache 19/20471
19. Wahlperiode 29.06.2020
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft
vom 29. Juni 2020 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
1. Welche Informationen liegen der Bundesregierung zum Umfang und
Zweck des in die EU importierten Palmöls und Palmkernöls in
Deutschland und in den anderen Staaten der EU vor?
a) Wie hat sich die Menge des importierten Palmöls und Palmkernöls für
die Lebensmittelindustrie demnach innerhalb der EU in den letzten
fünf Jahren entwickelt?
Der Bundesregierung liegen keine Informationen über den Verwendungszweck
des in die EU importierten Palmöls bzw. Palmkernöls in den einzelnen
Mitgliedstaaten der EU vor. Zur Verwendung des Palmöls bzw. Palmkernöls in
Deutschland wird auf die Antwort zu Frage 2 verwiesen.
Der Umfang des aus Drittstaaten in die EU importierten Palmöls bzw.
Palmkernöls ist der Übersicht 1 zu entnehmen. Über die genaue Verwendung dieser
Mengen liegen der Bundesregierung keine genauen Informationen vor. Im
Rahmen der Außenhandelsstatistik werden jedoch die Palmöl- und
Palmkernölimporte teilweise nach ihrem Bestimmungszweck unterschieden. Die
entsprechende Unterteilung der Importe ist ebenfalls der Übersicht 1 zu entnehmen.
Dementsprechend liegt, wie beim Palmöl, auch beim Palmkernöl der Anteil für die
Verwendung in Lebensmitteln bei etwa der Hälfte der gesamten importierten
Menge. Die verbleibende Hälfte fließt in die technische Verwendung.
Übersicht 1: Entwicklung der Palm- sowie Palmkern- und Babassuölimporte
der EU-28
Produktgruppe 2015 2016 2017 2018 2019
(vorl)
Tsd. t
Palmöl insgesamt1) 6.935,3 6.717,2 7.217,4 7.079,1 7.349,2
– nur zu technischen/
industriellen Zwecken2)
3.766,0 3.403,4 3.451,5 3.263,8 3.408,7
– nur zu
Lebensmittelzwecken3)
2.618,2 2.766,6 3.105,7 3.130,8 3.296,9
– Verwendung nicht näher
bezeichnet4)
551,1 547,2 660,1 684,5 643,7
Palmkern- und Babassuöl
insgesamt1)
655,8 708,8 733,4 691,9 654,7
– nur zu technischen/
industriellen Zwecken5)
316,9 389,0 397,4 328,1 298,5
– nur zu
Lebensmittelzwecken6)
273,7 260,3 274,8 296,8 286,6
– Verwendung nicht näher
bezeichnet7)
65,2 59,6 61,2 67,0 69,6
1) Öl sowie deren Fraktionen. – 2) Warennummern 1511 10 10 und 1511 90 91 des
Warenverzeichnisses für die Außenhandelsstatistik (WA). – 3) Warennummern 1511 10 90 und 1511 90 99 des
WA. – 4) Warennummern 1511 90 11 und 1511 90 19 des WA. – 5) Warennummern 1513 21 10
und 1513 29 30 des WA. – 6) Warennummern 1513 21 30, 1513 21 90, 1513 29 50 und 1513 29 90
des WA. – 7) Warennummern 1513 29 11 und 1513 29 19 des WA.
Quelle: EUROSTAT
b) Welche Maßnahmen zur Reduzierung von Palmöl und Palmkernöl in
Lebensmitteln werden nach Kenntnis der Bundesregierung auf
europäischer Ebene vollzogen?
Die gute Flächenleistung der Ölpalme ist angesichts der steigenden
Weltbevölkerung und des wirtschaftlichen Wachstums der Verbraucherländer eine
wichtige Voraussetzung, um der steigenden Nachfrage nach Pflanzenölen begegnen
zu können.
Ziel der Bundesregierung ist es, bis 2020 eine Nutzung von 100 Prozent
nachhaltig zertifiziertem Palmöl auf dem deutschen Markt zu erreichen. Bereits
2017 waren etwa 55 Prozent des in Deutschland verbrauchten Palmöls im
nichtenergetischen Bereich nachhaltig zertifiziert.
Auf o. g. Ausführungen wird verwiesen.
2. Wie viel Palmöl und Palmkernöl wird nach Kenntnis der Bundesregierung
jährlich in Deutschland in Lebensmitteln verarbeitet?
Im Jahr 2017 wurden laut der Internetseite des Forums Nachhaltiges Palmöl
(
www.forumpalmoel.org/) in Deutschland im Bereich der
Lebensmittelindustrie etwa 246.500 Tonnen Palmöl und Palmkernöl verarbeitet.
Ergänzend wird auf die Antwort der Bundesregierung zu Frage 4 der Kleinen
Anfrage der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN „Regenwald im Tank –
Palmölimport nach Deutschland“ auf Bundestagsdrucksache 19/10967
verwiesen.
3. Hat die Bundesregierung im Zeitraum von 2013 bis 2019 die Erforschung
von Alternativen zu Palmöl und Palmkernöl in Lebensmitteln gefördert,
und wenn ja, mit welchen Beträgen (bitte nach Projekt, Projektträger,
Forschungsgebiet und Förderbetrag angeben)?
Folgende Projekte werden bzw. wurden gefördert:
– Projekt „Verbesserung der Ernährungsqualität und der Stabilität von Palmöl
aus der Produktion von afrikanischen Kleinbauern zur Erfüllung der
Nachfrage afrikanischer Verbraucher“
Projektträger: Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)
Forschungsgebiet: Internationale Forschungskooperationen
Förderbetrag: 325.446,61 Euro
– Projekt „Oleogel-Frittierprojekt“
Forschungsgebiet: Nachhaltige Prozess- und Produktqualität
Finanzierung: 42709-Stelle, Wissenschaftler*in mit 4.8 Personen-Monaten
Laufzeit: 01/2019 bis 12/2020
Im Anschluss an dieses Projekt ist ein Projekt namens „Einsatz von
Oleogelen auf Rapsölbasis zur Verbesserung des Fettsäureprofils von frittierten
Lebensmitteln (Oleofry)“ geplant, das im Rahmen der BLE-Ausschreibung zur
Reduktion von Zucker, Fetten und Salz in verarbeiteten Lebensmitteln im
April beantragt wurde.
– Projekt „Verwendung von Oleogelen zur Herstellung von fettreichen und
trockenen Backwaren zur Reduzierung und Vermeidung von gesättigten und
trans-Fettsäuren (Oleogelbackwaren)“
Projektträger: BLE
Forschungsgebiet: Produktsicherheit und -hygiene / Reformulierung von
Lebensmitteln
Förderbetrag: 278.779,81 Euro
Laufzeit: 10/2016 bis 12/2018
– Projekt „Verbesserte Fettsäureprofile von Lebensmitteln durch
nichttriglyzeridbasierte Strukturierung von Rapsöl (Oleoboost)“
Projektträger: AiF /BMWi / FEI
Forschungsgebiet: Produkt- und Prozessqualität
Förderbetrag: 249.470 Euro
Laufzeit: 09/2018 bis 02/2021
– Daueraufgabe am Max Rubner-Institut (MRI) „Untersuchung und
Bewertung der Veränderung von Speisefetten und -ölen durch thermische
Belastung beim Kochen, Braten, Backen und Frittieren“
Forschungsgebiet: Produktsicherheit und -hygiene
Finanzierung: Grundhaushalt, Wissenschaftler*innen mit 108 Personen-
Monaten bislang
Laufzeit: seit 01/2001 bis dato
4. Wie bewertet die Bundesregierung die Aussage des Projektes zum Einsatz
von Oleogelen in feinen Backwaren des Max Rubner-Instituts, dass
Oleogele, die aus verfestigten pflanzlichen Ölen (z. B. heimisches Rapsöl,
Sonnenblumenöl) bestehen, gut für die Herstellung von Mürbeteig und
Muffins geeignet sind, und welche Schlussfolgerung für ihr eigenes Handeln
zieht die Bundesregierung aus dieser Aussage (vgl.
https://www.mri.bun
d.de/de/themen/reformulierung/oleogele-optimieren-fettsaeureprofil/)?
Das angesprochene Projekt wurde am MRI im Rahmen des Programms zur
Innovationsförderung durch das Bundesministerium für Ernährung und
Landwirtschaft (BMEL) gefördert. In dieser ersten Machbarkeitsstudie wurden
vielversprechende Ergebnisse hinsichtlich des Einsatzes von Oleogelen auf der Basis
von Rapsöl erzielt, um herkömmliche, feste Fette bei der Herstellung von
Feinen Backwaren zu ersetzen. Die Untersuchungen zeigen aber auch, dass noch
Optimierungsbedarf rund um die Anwendung von Oleogelen im Bereich der
Feinen Backwaren besteht, bevor eine industrielle Produktion von
oleogelbasierten Feinen Backwaren möglich ist.
Im Rahmen der „Bekanntmachung über die Förderung von Innovationen zur
Reduktion von Zucker, Fetten und Salz in verarbeiteten Lebensmitteln sowie
für Mahlzeiten in der Außer-Haus- und Gemeinschaftsverpflegung im Rahmen
des Programms zur Innovationsförderung“ vom 8. Februar 2019 plant das
BMEL die Förderung eines weiteren Projektes des MRI, das sich mit dem
Einsatz von Oleogelen auf Rapsölbasis beschäftigen soll. So sollen die
wissenschaftlichen Grundlagen für Reformulierungen geschaffen werden, die
Voraussetzung für die Verwendung in der Praxis sind.
5. Ist der Bundesregierung die vom WWF (World Wide Fund For Nature)
veröffentlichte Studie „Auf der Ölspur“ aus dem Jahre 2016 bekannt, und
welche Schlussfolgerungen für ihr eigenes Handeln in Bezug auf die
Förderung des heimischen Raps- und Sonnenblumenanbaus zieht die
Bundesregierung aus dieser Studie (
http://mobil.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publik
ationen-PDF/WWF-Studie_Auf_der_OElspur.pdf)?
Die Studie des WWF „Auf der Ölspur“ ist der Bundesregierung bekannt.
Deutschland und die anderen EU-Mitgliedstaaten wenden sich nicht
grundsätzlich gegen eine Nutzung bzw. den Import von Palmöl. Ziel ist eine nachhaltige
Palmölproduktion möglichst ohne negative Umwelt- und Klimawirkungen
unter Achtung der Rechte der lokalen Bevölkerung und mit positiven Effekten
bezüglich der Erreichung der Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable
Development Goals (SDGs)) der Vereinten Nationen.
Das BMEL und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit
und Entwicklung (BMZ) haben sich im Jahr 2015 mit der Unterzeichnung der
Amsterdam-Erklärung zur Förderung der nachhaltigen Palmölproduktion
bekannt. Ziel der Amsterdam- Erklärung ist unter anderem, dass in Deutschland
bis zum Jahr 2020 Palmöl zu 100 Prozent aus nachhaltiger Produktion bezogen
wird.
Zur Erfüllung dieses Ziels setzt die Bundesregierung auf Selbstverpflichtungen
der Unternehmen, eine differenzierte Öffentlichkeitsarbeit, die nachhaltige
Ausrichtung der öffentlichen Beschaffung sowie auf Initiativen wie das Forum
Nachhaltiges Palmöl (FONAP).
Eine Studie von Meo Carbon Solutions zum Palmölverbrauch in Deutschland
im Jahr 2017 zeigt, dass zwischen 2015 und 2017 alle Branchen und viele
Unternehmen in Deutschland die Nutzung von zertifiziertem Palmöl gesteigert
haben. Spitzenreiter bei der Verwendung von nachhaltigem Palmöl ist der
Lebensmittelsektor, wo 85 Prozent nachhaltig zertifiziertes Palmöl eingesetzt
wird. In der Futtermittelbranche liegt der Anteil bei 26 Prozent.
6. Gedenkt die Bundesregierung, den Einsatz von Alternativen zu Palmöl,
wie Oleogele in feinen Backwaren, in der Lebensmittelindustrie zu
fördern, und wenn ja, mit welchen Maßnahmen möchte die Bundesregierung
dies tun?
Die Bundesregierung unterstützt den Einsatz von Alternativen zu Palmöl unter
der Berücksichtigung ernährungsphysiologischer Aspekte und der
technologischen Machbarkeit. Auch in der Nationalen Reduktions- und
Innovationsstrategie für Zucker, Fette und Salz in Fertigprodukten spricht sich die
Bundesregierung dafür aus, bestimmte Fette in Fertigprodukten zu reduzieren und im Wege
von Reformulierungen zu ersetzen.
7. In welchen weiteren Lebensmitteln können aus Sicht der Bundesregierung
durch den aktuellen Stand der Forschung Palmöl und Palmkernöl durch
Alternativen zu Palmöl bzw. Palmkernöl ersetzt werden (bitte nach Art des
Lebensmittels und möglicher Alternative zu Palmöl aufschlüsseln)?
Grundsätzlich können Palmöl und Palmkernfett in Lebensmitteln ausgetauscht
werden, bei denen diese festen Fette bei der Herstellung zugesetzt werden, um
bestimmte technologische Eigenschaften der Lebensmittel zu erreichen. Ein
Ersatz von Palmöl und Palmkernfett ist dabei durch 1. flüssige Pflanzenöle, 2.
modifizierte Pflanzenöle, 3. andere tropische Pflanzenfette oder 4. Oleogele
möglich:
zu 1: Flüssige Öle lassen sich nur dort als Ersatz verwenden, wo zwar die
thermische Stabilität von Palmöl und Palmkernfett notwendig ist, aber nicht deren
technologische Eigenschaften. Dies ist z. B. beim Frittieren oder Ausbacken
von Siedegebäcken der Fall.
zu 2: Durch Hydrierung oder Umesterung können flüssige Pflanzenöle so
modifiziert werden, dass sie in ihren Eigenschaften dem Palmöl bzw. Palmkernfett
sehr nahekommen und diese ersetzen können. Durch die Bildung von trans-
Fettsäuren bei der teilweisen Hydrierung werden solche modifizierten Fette
heute in der Industrie so gut wie nicht mehr verwendet.
zu 3: Die Verfügbarkeit anderer tropischer Fette ist in der Regel sehr begrenzt,
so dass diese nur selten in Lebensmitteln eingesetzt werden.
zu 4: Oleogele haben den Vorteil, dass flüssige Pflanzenöle mit hohen Gehalten
an einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren so strukturiert werden
können, dass sie weitestgehend die Eigenschaften von festem Palmöl oder
Palmkernfett erhalten. Die dazu durchgeführten Untersuchungen sind allerdings
noch im Laborstadium.
8. Sind aus Sicht der Bundesregierung Kinder potentiell gefährdet, zu viel 3-
MCPD täglich zu sich zu nehmen, und wenn ja, welche Maßnahmen
möchte die Bundesregierung vorschlagen, um dieses Risiko zu senken?
3-MCPD (3-Monochlorpropan-1,2-diol) ist eine thermisch induzierte
Prozesskontaminante, die sowohl in freier Form, als auch mit Fettsäuren verestert als
„gebundenes MCPD“ in einer Vielzahl von Lebensmitteln vorkommen kann. 3-
MCPD hat in mehreren in vivo-Studien sowohl in freier als auch in gebundener
Form eine karzinogene Wirkung gezeigt, wobei die gebundenen Ester im
Verdauungstrakt so gut wie vollständig in die freien Verbindungen gespalten
werden. 3-MCPD- Ester können in allen raffinierten Speisefetten und -ölen sowie
daraus hergestellten Lebensmitteln wie insbesondere Säuglingsnahrung
enthalten sein. Palmöl zeichnet sich durch vergleichsweise hohe Gehalte an 3-
MCPD-Estern aus.
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat in ihrem
Gutachten vom 3. März 2016 die bisherige tolerierbare tägliche Aufnahmemenge
(Tolerable Daily Intake – TDI) für 3-MCPD von 2 µg/kg Körpergewicht (KG)
auf 0,8 µg/kg KG abgesenkt. Bei Säuglingen, Kleinkindern und anderen
Kindern liegt die mittlere Exposition oberhalb dieses TDI. Die Toxizität der Ester
wurde dabei mit derjenigen der Mutterverbindung gleichgesetzt. Vor diesem
Hintergrund hat die Kommission die Festlegung von Höchstgehalten für 3-
MCPD und 3-MCPD-Fettsäureester in Säuglingsanfangsnahrung,
Folgenahrung und Lebensmitteln für besondere medizinische Zwecke für Säuglinge und
Kleinkinder auf den Weg gebracht. Dazu wurden auch von Deutschland
eingereichte Daten aus einem speziellen Forschungsvorhaben berücksichtigt. Für
pulverförmige Erzeugnisse soll zukünftig ein Höchstgehalt von 125 µg/kg
gelten, für flüssige ein Höchstgehalt von 15 µg/kg.
Die Verordnung wird von der Bundesregierung vollumfänglich unterstützt. Sie
wird aller Voraussicht nach noch in diesem Jahr in Kraft treten.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
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ISSN 0722-8333]