[Deutscher Bundestag Drucksache 17/1860
17. Wahlperiode 25. 05. 2010 Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Wolfgang Gehrcke, Christine Buchholz,
Werner Dreibus, Sabine Leidig und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 17/1621 –
Positionierung der Bundesregierung zum Ausbau des Munitionslagers Köppern
in Hessen
Vo r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Das Munitionslager Köppern in Hessen ist nach dem Munitionsdepot Wulfen
das größte der Bundeswehr und zählt zu den größten in Westeuropa. Es gehört
zum Logistikregiment 47 mit Sitz in Dornstadt bei Ulm. Die Bundeswehr
beabsichtigt, das Munitionslager Köppern in erheblichem Umfang auszubauen.
Nach Auflösung der Munitionslager in Kriegsfeld und Rheinböllen, beide
Rheinland-Pfalz, sollen deren Lagerbestände teilweise im Munitionslager
Köppern untergebracht werden. 20 Kilometer nördlich von Frankfurt am Main
gelegen, erstreckt sich das Gelände über eine Fläche von 254 Hektar, von
denen 154 Hektar zur Gemarkung der Gemeinde Wehrheim, Hochtaunus-Kreis,
und 100 Hektar zur Gemarkung der Gemeinde Rosbach, Wetterau-Kreis,
gehören. Durch das Gelände verläuft der historisch bedeutsame römische Limes.
Das Munitionslager Köppern umfasst 372 Munitionsbunker, von denen nach
Medienberichten derzeit 300 für die Lagerung von Munition genutzt werden.
Um das Munitionslager verläuft ein 9 Kilometer langer Zaun mit 14
Außentoren. Es ist im Innern durch 40 Kilometer Straßen erschlossen. Im
Munitionslager Köppern lagern 44 300 Tonnen Munition und Waffen, die maximale
Lagerkapazität beträgt 50 800 Tonnen. Als gelagerte Munition werden in
der Medienberichterstattung Gewehrmunition, Minen, Artilleriegranaten,
Bestückung für Raketenwerfer, Panzerabwehrrichtminen Typ DM 58 und
gelenkte Artillerieraketen genannt.
Bestände aus dem Munitionslager Köppern kamen auch beim Kriegseinsatz
der Bundeswehr in Afghanistan zum Einsatz: „Überwiegend versorgen die
50 Soldaten und zivilen Mitarbeiter die Truppe mit Übungsmunition, etwa für
den Truppenübungsplatz Baumholder. Mitunter wird aber auch Munition für
die Bundeswehr in Afghanistan geordert.“ (Frankfurter Rundschau vom
30. September 2009)
Von dem Munitionslager Köppern geht ein erhebliches Gefahrenpotenzial aus:
„Wer dort arbeitet, muss den Arbeitsplatz verlassen, wenn sich ein Gewitter
auf drei Kilometer nähert. So sind die Vorschriften,“ (Frankfurter Allgemeine
Zeitung vom 25. September 2009). „Vor den Betonhallen mit den großen hel- Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums der Verteidigung vom 20. Mai 2010
übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Drucksache 17/1860 – 2 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodelen Toren stehen Schilder in rot-orangener Farbe, beschriftet mit den Zahlen
1 bis 4. ‚Das ist für die Feuerwehr, falls es mal brennen sollte‘, erklärt der
Hauptmann M. L. Bei der ‚1‘ ist die Lage am gefährlichsten, zum Beispiel
können in dem Bunker Raketen gelagert sein.“ (Usinger Anzeiger vom
25. September 2009) „Orangerote Schilder zeigen die Brandklasse der im
Depot gelagerten Bestände an. Gewehrmunition fällt unter die harmlose
Klasse 4. Dagegen ist Klasse 1 die höchste, und wenn ein Feuerwehrmann das
Zeichen in Form eines Stoppschildes sieht, ist statt Löschen eher Flüchten
empfohlen. Derlei Munition könnte in einer einzigen großen Explosion
hochgehen.“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 25. September 2009) Die
Bewachung des Munitionslagers erfolgt durch eine Privatfirma: „Bei Alarm
rückt der private Wachdienst an, werden die Hunde von der Leine gelassen,
die nahe des Verwaltungsgebäudes in einem großen Zwinger leben.“
(Frankfurter Rundschau vom 30. September 2009)
Im April 1949 wurde das Gelände durch die USA beschlagnahmt und
zunächst für Manöver, ab 1956 als Waffenlager genutzt. Von 1957 bis 1967
fanden Gespräche zur Ordnung der Rechtsverhältnisse statt, die in
Gestattungsverträge zwischen der US-Armee und dem Bundesvermögensamt mündeten,
denen zufolge die Gemeinde Wehrheim fortan ein jährliches Entgelt von
15 000 DM erhielt.
Vor dem Tor des Munitionslagers Köppern fanden häufig Proteste und
Mahnwachen der Friedensbewegung statt. Die Sorge der Friedensbewegung galt
insbesondere der Lagerung von Atomwaffen auf dem Gelände: „Ob dort
Nuklearwaffen deponiert waren, ist nie verlässlich geklärt worden.“
(Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 5. Juni 2001)
1997 wurde das Munitionslager Köppern durch die Bundeswehr
übernommen. Nach heftigem Widerstand der Stadt Wehrheim verzichtete die
Bundeswehr 1998 auf den geplanten Ausbau für 28 Mio. DM mit einer neuen Zufahrt
und Toranlage sowie Hundezwingern und einem Wachgebäude.
2001 verfolgte die Bundeswehr Pläne, den Betrieb des Munitionsdepots an ein
Privatunternehmen zu übertragen, gab dieses Vorhaben jedoch wieder auf.
Zum 1. Januar 2001 schlossen der Bund und die Stadt Wehrheim einen
Vertrag über einen Grundstückstausch: Die Gemeinde Wehrheim übereignete der
Bundesrepublik Deutschland ihren Anteil am Munitionsdepot von 154 Hektar
und erhielt dafür 90 Hektar bundeseigenen Wald im Bereich des ehemaligen
Truppenübungsplatzes „Friedberg“ der US-Armee in der Gemarkung der
Gemeinde Rosbach im Wetteraukreis. Die Gemeinde Rosbach, der ein Anteil von
100 Hektar der Fläche des Munitionslagers gehört, war an dem
Grundstücksgeschäft nicht beteiligt.
Am 24. September 2009 besuchte der damalige Bundesminister der
Verteidigung, Dr. Franz Josef Jung, begleitet von Protesten, das Munitionslager und
erläuterte den geplanten Ausbau.
Medienberichten war zu entnehmen, dass der Neubau eines Verwaltungs- und
Sozialgebäudes für 3,3 Mio. Euro bis 2012 beabsichtigt ist. Außerdem ist
erstmals der Bau einer Feuerwache für geschätzte 2,3 Mio. Euro vorgesehen. Der
Bau der Feuerwache befindet sich noch im Stadium der Bedarfsplanung.
Weitere geplante Baumaßnahmen sind die Errichtung eines neuen Zaunes, die
Erneuerung der Heizungsanlage und die Sanierung der Regenabwassergräben.
Außerdem sollen 15 ältere Lagerhäuser für die Lagerung von Munition
instandgesetzt werden, die bislang nur für Material verwendet werden. Als
Gesamtsumme für die Baumaßnahmen werden in den Medien 6 Mio. Euro
genannt.
Für das Jahr 2010 ist die Aufstockung des Personalbestands von bisher 55,
davon 10 Soldaten, auf 100 Soldaten und Zivilbeschäftigte geplant.
Der geplante Ausbau des Munitionslagers ist in der Bevölkerung der Region
höchst umstritten: So forderte die DGB-Regionsdelegiertenversammlung
(DGB – Deutscher Gewerkschaftsbund) Frankfurt-Rhein-Main im Oktober
2009 die Schließung des Munitionslagers Köppern, anstatt es weiter auszu-
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 3 – Drucksache 17/1860bauen. Das Gelände solle, so die einstimmig beschlossene Resolution, „an die
Natur und die Menschen aus dem Rhein-Main-Ballungsgebiet, die in diesem
Wald Erholung suchen“, zurückgegeben werden.
Vo r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
Die Aussage, zum 1. Januar 2001 habe der Bund mit der Stadt Wehrheim einen
Vertrag über einen Grundstückstausch geschlossen, ist unzutreffend. Richtig
ist, dass die Gemeinde Wehrheim seit 2003 initiativ einen Tausch angestrebt
hatte. Dieser konnte erst nach Räumung des Standortübungsplatzes Friedberg
durch die US-Streitkräfte erfolgen. Zwischen der Bundesanstalt für
Immobilienaufgaben – Geschäftsbereich Bundesforst – und der Gemeinde Wehrheim
wurde am 15./18. Dezember 2009 eine öffentlich-rechtliche Vereinbarung über
den Flächentausch geschlossen und dann die vorzeitige Besitzübertragung mit
Wirkung vom 1. Januar 2010 vereinbart. Mit der Gemeinde Rosbach besteht
weiterhin ein Pachtvertrag. Nach Auskunft der Bundesanstalt für
Immobilienaufgaben hat die Gemeinde Rosbach bisher kein Interesse an einem Tausch
erkennen lassen.
Die in der Kleinen Anfrage aufgeführten Darstellungen zur
munitionstechnischen Sicherheit beruhen auf Einzelbeobachtungen, die nicht geeignet sind, ein
sachgerechtes Bild der Sicherheits- und Schutzmaßnahmen zu erzeugen. Für
die Einrichtung und den Betrieb von Munitionslagern der Bundeswehr gelten
Bestimmungen, die unter Berücksichtigung von NATO-, EU- und UN-
Standards/-Empfehlungen höchstem sicherheitstechnischen Niveau entsprechen.
Die munitionstechnische Sicherheit in der Bundeswehr hat zum Ziel, durch
technische und bauliche Schutzmaßnahmen sowie durch Beschaffung von
Munition mit dem höchsten Sicherheitsstandard eine ungewollte Wirkung der
Munition (z. B. Explosion) zu verhindern. Zentrale Dienstvorschriften der
Bundeswehr regeln hierzu die wichtigsten Grundsätze für den sicheren
Umgang mit Munition in den Streitkräften, setzen das Sprengstoffgesetz für den
Geschäftsbereich des Bundesministeriums der Verteidigung (BMVg) um und
legen verbindliche Schutz- und Sicherheitsbestimmungen fest. So werden darin
spezielle Regelungen bei gefährlichen Umweltbedingungen (z. B. Gewitter)
und zum Brandschutz getroffen, die auch im Munitionslager Köppern
angewendet werden. Dies wird durch regelmäßige Fachaufsichten im Auftrag des
BMVg überprüft.
1. a) Wie viele Tonnen Waffen und Munition werden derzeit im
Munitionslager Köppern gelagert?
Im Munitionslager Köppern wird ausschließlich Munition gelagert, keine
Waffen. Mit Stand 4. Mai 2010 ist dort ein Bestand von insgesamt rd. 42 870
Tonnen Munition eingelagert. Davon sind rd. 17 660 Tonnen für die Entsorgung
vorgesehen.
b) Welche Gattungen und Typen von Munition und Waffen werden dort
gelagert?
Im Munitionslager Köppern lagern nachfolgend aufgeführte Munitionsarten:
– Übungs-, Exerzier- und Gefechtsminen für den Minenlegepanzer,
– Bordkanonenmunition,
– Startrohrbündel und Raketen für Artilleriesysteme,
– Artillerie-, Mörser- und Panzermunition älterer Fertigung,
Drucksache 17/1860 – 4 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode– Querschnittlich genutzte Munition für Handwaffen, Handgranaten,
Panzerfaustmunition,
– Pyrotechnische Munition wie Licht-, Schall- und Leuchtmunition,
– Spreng- und Zündmittel,
– Panzerabwehrlenkflugkörper.
c) Welche Mengen der einzelnen Gattungen und Typen von Munition und
Waffen werden dort jeweils gelagert?
Die Munitionsbestände im Munitionslager Köppern sind in einer gesonderten
Anlage als Tabelle mit weiterführenden Hinweisen aufgeführt. Entsprechend
der gängigen Praxis sind Aussagen zu Munitionsbeständen für Einsatzzwecke
„VS-VERTRAULICH – amtlich geheim gehalten“ eingestuft und können
daher nur auf dem VS-Weg weitergeleitet werden. Diese Vorgehensweise deckt
sich auch mit der anderer NATO- und EU-Mitgliedstaaten, die ebenfalls
Einsatzmunitionsbestände nicht öffentlich darlegen, zumal wenn es sich um Daten
in aggregierter Form handelt, die in der Gesamtschau operative Bewertungen
ermöglichen. Aus diesem Grunde ist die Bestandsübersicht Munitionslager
Köppern als Verschlusssache eingestuft und wird über die Geheimschutzstelle
des Deutschen Bundestages verfügbar gemacht.*
d) Wie viele Tonnen Waffen und Munition sollen nach dem Ausbau des
Munitionslagers Köppern dort gelagert werden?
Entfällt, da die geplanten Baumaßnahmen im Munitionslager Köppern zu
keiner Vergrößerung der Lagerkapazität dieser Einrichtung führen (vgl. Antwort
zu Frage 11a).
e) Sollen künftig weitere Gattungen und Typen von Munition und Waffen
dort gelagert werden, die in der Antwort zu Frage 1b nicht genannt sind?
Wenn ja, welche?
Nein, Änderungen sind derzeit nicht beabsichtigt.
2. a) Kamen Waffen und Munition aus dem Munitionslager Köppern bei
internationalen Einsätzen der Bundeswehr zum Einsatz?
Wenn ja, welche Einsätze der Bundeswehr waren das?
Wenn nein, kann die Bundesregierung ausschließen, dass dies zukünftig
geschehen wird?
Ja, für die Einsatzkontingente der Bundeswehr bei KFOR und ISAF wurde
Munition auch aus dem Munitionslager Köppern bereitgestellt.
b) Wurden in der Vergangenheit Munition und Waffen, die im
Munitionslager Köppern gelagert worden waren, nach Afghanistan transportiert?
Ja
* Die Antwort ist in der Geheimschutzstelle des Deutschen Bundestages hinterlegt und kann dort nach Maßgabe der Geheimschutzordnung
eingesehen werden.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 5 – Drucksache 17/18603. a) Welche Gründe haben die Bundesregierung bewogen, eines der größten
Munitionslager der Bundeswehr im Ballungsraum Frankfurt-Rhein-
Main und nur 20 Kilometer von der Großstadt Frankfurt am Main
entfernt zu betreiben?
Nach Räumung durch die US-Streitkräfte wurde das Munitionslager Köppern
1997 auf Grund seiner vergleichsweise guten Infrastruktur und
Verkehrsanbindung von der Bundeswehr übernommen.
b) Welche Gründe haben die Bundesregierung angesichts dieser
geographischen Lage dazu bewogen, das Munitionslager Köppern noch zu
vergrößern?
Entfällt, da die Baumaßnahmen zu keiner Vergrößerung der Lagerkapazität im
Munitionslager führen. Siehe dazu Anlage 1 (Baumaßnahmen im
Munitionslager Köppern).
c) Welche Gemeinden wären von der größtmöglich denkbaren Explosion
im Munitionslager Köppern betroffen?
Durch Einhaltung der geltenden Schutz- und Sicherheitsbestimmungen für
oberirdische Anlagen für den Umgang mit Munition (insbesondere
Schutzabstände zwischen den Lagerorten, Gebäudetypen und daraus resultierenden
maximalen Explosivstoffmengen je Lagerort) wird eine „größtmögliche
denkbare Explosion“ im Sinne einer Ausbreitung eines Schadensereignisses von
einem auf mehrere Lagerorte (Kettenreaktion) verhindert und damit eine
direkte Gefährdung der angrenzenden Gemeinden Wehrheim und Rosbach
ausgeschlossen.
d) Erhöht sich durch die Vergrößerung des Munitionslagers Köppern das
Gefahrenpotenzial, das von diesem ausgeht?
Auf die Antwort zu Frage 11a wird verwiesen.
e) Welche Gemeinden wären nach dem Ausbau des Munitionslagers
Köppern von der größtmöglich denkbaren Explosion betroffen?
Auf die Antwort zu Frage 11a wird verwiesen.
f) Welche Gefahren gehen von Munitions- und Waffentransporten vom
beziehungsweise zum Munitionslager Köppern aus?
Auf Grund der verkehrstechnisch günstigen Lage des Munitionslagers Köppern
ist das Durchfahren von Ortschaften mit entsprechenden Transporten nicht
erforderlich. Die Entfernung zwischen der Autobahnausfahrt „Friedberg/
Friedrichsdorf“ und der Zufahrtstraße zum Munitionslager Köppern beträgt nur
1 300 Meter. Die Zufahrtstraße ist eine reine Anliegerstraße des Bundes und für
den öffentlichen Straßenverkehr gesperrt. Munition wird nur dann transportiert,
wenn sie sich in definiertem, transportsicherem Zustand befindet und in
speziellen, vom Bundesamt für Materialforschung baumustergeprüften
Gefahrgutverpackungen verpackt ist. Munitionstransporte werden gemäß den geltenden
Bestimmungen des Gefahrgutrechts durchgeführt und stellen somit kein
größeres Gefährdungspotential als jeder normale Gefahrguttransport dar.
Drucksache 17/1860 – 6 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodeg) Gibt es einen Katastrophenschutzplan für das Munitionslager in
Köppern?
Im Einvernehmen mit dem zuständigen Hochtaunuskreis (Brandschutz/
Rettungsdienst und Katastrophenschutz) ist die Aufstellung eines
Katastrophenschutzplans für das Munitionslager Köppern nicht erforderlich. Bereits im
November 1998 wurde jedoch ein Alarmplan für die Feuerwehreinsatzkräfte
und den Katastrophenschutz unter Beteiligung von Gemeinden des
Hochtaunuskreises und des Wetteraukreises sowie des Regierungspräsidiums Darmstadt
erstellt. Der Wetterau- und der Hochtaunuskreis stellen bis dato den Brandschutz
sicher. Eine Beteiligung der Stadt Frankfurt am Main ist aus Sicht der
zuständigen Behörden nicht erforderlich. Im Februar 2010 fand eine turnusmäßige
Besprechung mit dem Arbeitskreis Sicherheit Hochtaunuskreis statt. Ziel ist die
optimale Koordinierung der verschiedenen Einsatzkräfte im Gefahrenfall.
Teilnehmer waren Vertreter der Bundeswehr, die zuständigen Polizeidirektionen
sowie Vertreter der Rettungs-, Brandschutz- und Katastrophenschutzbehörden.
h) Wenn ja, ist dieser Katastrophenschutzplan mit den umliegenden
Gemeinden und der Stadt Frankfurt am Main abgestimmt?
Auf die Antwort zu Frage 3g wird verwiesen.
i) Wurden die umliegenden Gemeinden und die Stadt Frankfurt am Main
über die Vergrößerung des Munitionslagers Köppern und über die sich
daraus ergebende Gefahrenlage informiert?
Auf die Antwort zu Frage 11a wird verwiesen.
j) Wann wurden die umliegenden Gemeinden und die Stadt Frankfurt
informiert?
Auf die Antwort zu Frage 11a wird verwiesen.
k) In welcher Form und wann wurden die Bürgerinnen und Bürger der
umliegenden Gemeinden und der Stadt Frankfurt am Main über die
Vergrößerung des Munitionslagers Köppern und über die sich daraus
ergebende Gefahrenlage informiert?
Auf die Antwort zu Frage 11a wird verwiesen.
4. a) Ist das Munitionslager Köppern gegen die Folgen eines
Flugzeugabsturzes gesichert?
Ein absoluter Schutz eines Munitionslagerhauses gegen einen direkten Treffer
durch ein abstürzendes Flugzeug kann durch bauliche Maßnahmen nicht
sichergestellt werden. Dennoch sind die Munitionslagerhäuser durch ihre
Formgebung, ihre Stahlbetonkonstruktion und ihre Erdeindeckung gegen
Splitter, Wurf- und Trümmerstücke, Druckwellen sowie Feuer weitestgehend
geschützt. Zudem verhindert die Begrenzung der Explosivstoffmasse in den
Munitionslagerhäusern in Verbindung mit den Schutzabständen zwischen den
einzelnen Munitionslagerhäusern, dass bei einer potenziellen Detonation in
einem Lagerhaus eine Kettenreaktion ausgelöst wird.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 7 – Drucksache 17/1860b) Ist das Munitionslager Köppern gegen die Folgen eines Angriffs mit
Raketen geschützt?
Ein absoluter Schutz eines Munitionslagerhauses gegen einen direkten Treffer
durch eine Rakete kann durch bauliche Maßnahmen nicht sichergestellt
werden. Auf die Ausführungen zu Frage 4a wird verwiesen.
c) Kann ein terroristischer Anschlag auf das Munitionslager
ausgeschlossen werden?
Ein terroristischer Anschlag auf eine Liegenschaft der Bundeswehr – und damit
auch auf das Munitionslager Köppern – kann nie völlig ausgeschlossen werden.
d) Welche Sicherheitsmaßnahmen wurden für den Fall eines terroristischen
Anschlags getroffen?
Die im Munitionslager Köppern identifizierten Schutzobjekte werden durch
komplexe Absicherungstechnik nach Maßgabe eines standortbezogenen
Absicherungskonzepts überwacht. Zusätzlich werden die Forderungen der Weisung
„Maßnahmen zur Erhöhung der Militärischen Sicherheit gegen Bedrohung und
Sabotage“ für die einzelnen Gefährdungsstufen ALPHA, BRAVO, CHARLIE
und DELTA umgesetzt.
e) Hat es in der Vergangenheit Hinweise auf Planungen oder
Vorbereitungen für einen terroristischen Anschlag auf das Munitionslager gegeben?
Es wurden bisher keine Hinweise bekannt, die auf Planungen oder
Vorbereitung eines terroristischen Anschlages hingedeutet hätten.
f) Aus welchem Jahr stammen die Planungen für die
Sicherheitsmaßnahmen gegen einen terroristischen Anschlag auf das Munitionslager?
Das Absicherungskonzept für das Munitionslager Köppern wurde am 19.
Februar 1998 durch die erweiterte Beratungskommission Wachdienst beschlossen
und umgesetzt. Für die Erhöhung der Militärischen Sicherheit gegen
Bedrohung und Sabotage gilt die unter Frage 4d genannte Weisung i. V. m. der
5. Änderung vom 5. August 2008. Das Absicherungskonzept, die eingesetzte
Absicherungstechnik sowie die Leistungsfähigkeit des Wachpersonals werden
jährlich im Rahmen einer Leistungskontrolle überprüft.
g) Sind diese Planungen nach Meinung der Bundesregierung auch heute
noch ausreichend?
Ja
h) Ist es zutreffend, dass eine Privatfirma mit der Bewachung des
Munitionslagers Köppern beauftragt ist?
Ja
Das Munitionslager Köppern wird seit dem 22. Mai 2000 in Form eines
sogenannten Betreibermodells Absicherung abgesichert und bewacht. Dabei handelt
es sich um eine Kombination von hochwertigen technischen
Absicherungsmaßnahmen mit Kameras, Sensoren etc. sowie einer personellen Bewachung. Als
Vertragspartner arbeiten hier leistungsstarke Unternehmen, welche über
entsprechendes Know-how und eine über zehnjährige Erfahrung auf diesem
Gebiet verfügen. Zur Durchführung der personellen Bewachung bedienen sich
diese Unternehmen eines Subunternehmens aus dem Sicherheitsgewerbe. Um
die Aufgabe Bewachung und Absicherung für einen öffentlichen Auftraggeber
Drucksache 17/1860 – 8 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodeübernehmen zu können, werden solche Unternehmen umfangreicher
Sicherheitsüberprüfungen durch das Bundesministerium für Wirtschaft und
Technologie (Schutz von Verschlusssachen) sowie den Militärischen Abschirmdienst
(Sabotageschutz) unterzogen.
i) Wenn ja, um welche Firma handelt es sich dabei, und wie viele
Mitarbeiter dieser Firma sind insgesamt und pro Schicht für die Bewachung
des Munitionslagers Köppern eingesetzt?
Als Betreiberfirma im Munitionslager Köppern ist die Firma Bosch
Sicherheitssysteme GmbH als eines der führenden Unternehmen in der
Sicherheitstechnik tätig. Als Subunternehmen für die personelle Bewachung bedient sich
die Firma Bosch der Firma WISAG Sicherheitsdienste Hessen GmbH & Co
KG. Die Bewachung der Liegenschaft erfolgt im 24h-Dienst mit jeweils 5
Eingreifkräften und Diensthunden. Insgesamt sind derzeit 16 Wachpersonen der
Firma in der Liegenschaft für die Bundeswehr tätig.
5. a) Wie weit ist die Planung für die Feuerwache im Munitionslager Köppern
fortgeschritten?
Die militärische Bedarfsforderung der Feuerwache des Munitionslagers Köppern
wurde ministeriell anerkannt. Die militärische Infrastrukturforderung befindet
sich in der Erarbeitung, die Baumaßnahme ist in die Bauplanung
aufgenommen. Ein Baubeginn ist noch nicht festgelegt. Der Personalaufwuchs der
Feuerwehr hat bereits begonnen. Von den ausgeplanten 12 Dienstposten sind bislang
zwei besetzt. Zur Materialaufstellung der Bundeswehrfeuerwehr in Köppern
wird das Material von aufgelösten Bundeswehrfeuerwehren genutzt. Der
Materialaufwuchs ist parallel zum Personalaufwuchs geplant.
b) Was hat die Bundesregierung bewogen, im Munitionslager Köppern
künftig eine Feuerwache zu errichten?
Im Zuge der Neuorganisation der Munitionsversorgung der Bundeswehr,
insbesondere der Schließung von 24 der ehemals 40 Munitionslagereinrichtungen
(Stand: Ende 2004), erfolgte eine Konzentration der Aufgaben in den
verbleibenden Einrichtungen. Dazu wurde eine ganzheitliche Bewertung des
Gefährdungspotenzials aller verbleibenden Munitionslagereinrichtungen in
Verbindung mit der neuen Grundsatzweisung für den Brandschutz der Bundeswehr
vom 17. September 2009 durchgeführt. Als Ergebnis erhalten Köppern, aber
auch andere Munitionslagereinrichtungen, wie z. B. Wulfen, Rheinbach und
Eft-Hellendorf, eine Feuerwehr im Tagesdienst.
c) Aus welchen Gründen war eine Feuerwache auf dem Gebiet des
Munitionslagers Köppern bislang entbehrlich?
Wie unter Antwort 5b ausgeführt, war und ist auf Grundlage der Konzept- und
Vorschriftenlage allein durch die Lagerung von Munition in dafür
vorgesehenen Lagerhäusern kein spezielles militärisches Gefahrenpotenzial gegeben.
Somit war bei der alten Auftragslage eine präsente Feuerwehr im Munitionslager
Köppern nicht erforderlich.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 9 – Drucksache 17/18606. Welche Folgen hat der langjährige Betrieb des Munitionslagers auf die
Umwelt und auf welche Gutachten stützt die Bundesregierung diese
Einschätzung?
Der langjährige Betrieb des Munitionslagers Köppern hatte nach hiesiger
Kenntnis keine nachteiligen Auswirkungen auf die Umwelt. Schädliche
Bodenveränderungen gemäß Bundes-Bodenschutzgesetz (sog. Altlasten) sind nicht
bekannt. Bei Durchführung von Infrastrukturmaßnahmen wird – wie bei allen
Bauvorhaben der Bundeswehr vorgeschrieben – eine
Umweltverträglichkeitsuntersuchung durchgeführt, um nachteilige Auswirkungen auf die Umwelt
auszuschließen oder zu minimieren.
7. a) Wie ist die Haltung der Bundesregierung zu der Forderung der DGB-
Regionsdelegiertenversammlung Frankfurt-Rhein-Main, das Gelände des
Munitionslagers Köppern „an die Natur und die Menschen aus dem
Rhein-Main-Ballungsgebiet, die in diesem Wald Erholung suchen“,
zurückzugeben?
Die Bedeutung einer zugänglichen Natur für die Erholung und
Freizeitgestaltung der Bevölkerung wird nicht verkannt. Gleichwohl ist das Munitionslager
Köppern bis auf Weiteres nicht entbehrlich.
b) Wie bewertet die Bundesregierung die historische Bedeutung des
römischen Limes?
Die Bundesregierung ist sich der Verpflichtungen aus dem UNESCO-
Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt im Hinblick auf den
römischen Limes bewusst. So wurde der Obergermanisch-Raetische Limes als
Teil des UNESCO-Weltkulturerbes beispielsweise im Jahr 2009 mit 4,3 Mio.
Euro gefördert.
c) Lässt es die historische Bedeutung des römischen Limes sinnvoll
erscheinen, diesen der Bevölkerung zugänglich zu machen?
Da die gesamte Lagerfläche des Munitionslagers Köppern zur Deckung des
Lagerbedarfs der Streitkräfte zwingend erforderlich ist, ist eine Aufgabe des
Lagers oder eines Teilbereichs bis auf Weiteres nicht möglich. Der Limes
verläuft durch den gefährdeten Betriebsbereich, der für die Öffentlichkeit nicht
zugänglich gemacht werden darf.
d) Wenn ja, warum hält die Bundesregierung am Betrieb eines
Munitionslagers auf einem Gelände fest, durch das der römische Limes verläuft?
Auf die Antwort zu Frage 7c wird verwiesen.
8. a) Wie viele Beschäftigte arbeiten derzeit auf dem Gelände des
Munitionslagers Köppern, wie viele von diesen sind Zivilpersonen, und wie viele
Soldaten?
Im Munitionslager Köppern sind derzeit 10 Soldaten und 84 Zivilpersonen
beschäftigt.
Drucksache 17/1860 – 10 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodeb) Mit welchen Aufgaben sind die Beschäftigten jeweils betraut?
Die Aufgaben des Personals im Munitionslager Köppern stellen sich im
Wesentlichen wie folgt dar:
– Personal des Munitionslagers:
● Ein- und Auslagern von Munition,
● Durchführen von Instandsetzungs-/Pflege-/Wartungs-/Änderungs- und
Umrüstarbeiten an Munition,
– Bundeswehrfeuerwehr:
● Stellen von Sicherheitswachen bei gefährlichen Arbeiten,
● Bekämpfen von Schadensfeuern und Erste Hilfe bei Unfällen aller Art.
c) Wie viele Beschäftigte werden nach dem Ausbau des Munitionslagers
auf dessen Gelände arbeiten, wie viele davon werden Zivilpersonen
und wie viele Soldaten sein?
Im Munitionslager Köppern werden künftig 8 Soldaten und 117 Zivilpersonen
beschäftigt. Wesentlich für den Personalaufwachs ist die Einrichtung der
Feuerwehr (siehe Antwort zu Frage 5a) und die Einrichtung einer Sammel- und
Sichtungsstelle von zurückgelieferter Munition im Rahmen der
Regionalversorgung. Die Verhandlungen zur endgültigen Festlegung der Personalausstattung
sind zum Jahresende 2010 geplant.
9. Welche Entschädigung erhält die Gemeinde Rosbach für die Nutzung
ihres Geländes durch das Munitionslager Köppern?
Die Gemeinde Rosbach erhält pro Jahr eine Nutzungsentschädigung in Höhe
von 7 359,04 Euro.
10. a) Lagerten während der Nutzung des Munitionslagers Köppern durch
die US-Streitkräfte auf dessen Gebiet Atomwaffen?
Bei Fragen nach Anzahl, dem Umgang mit und den vermuteten Lagerorten von
Nuklearwaffen ist die Bundesregierung an die bündnisgemeinsam festgelegte,
verpflichtende Geheimhaltungsregelung gebunden. Daher können, in
Übereinstimmung mit der Praxis aller bisherigen Bundesregierungen, Aussagen und
Behauptungen hierzu weder bestätigt noch dementiert werden.
b) Wenn ja, welche und wie viele?
Auf die Antwort zu Frage 10a wird verwiesen.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 11 – Drucksache 17/186011. a) Welche Baumaßnahmen sind auf dem Gelände des Munitionslagers
Köppern geplant?
Siehe Anlage 1.
Die Baumaßnahmen führen zu keiner „Vergrößerung“ im Sinne einer Erhöhung
der Munitionslagerkapazität.
b) Welche Kosten werden für die einzelnen Baumaßnahmen jeweils
entstehen?
Siehe Anlage 1.
c) Bis wann sollen die einzelnen Baumaßnahmen jeweils abgeschlossen
sein?
Siehe Anlage 1.
Drucksache 17/1860 – 12 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeAnlage 1
zu Parl Sts beim Bundesminister der Verteidigung, Kossendey
1780018-V25 vom 20. Mai 2010
Baumaßnahmen im Munitionslager Köppern
Baumaßnahmenbezeichnung Baubeginn Bauende Gesamtkosten
[in Tsd Euro]
Sanierung Kanalnetz Verwaltungsbereich Mai 2007 Apr 2010 198
Sanierung Kanalnetz LagBer Hochtaunus März 2012 Apr 2013 450
Neubau Kombigeb. DpPers, Vw, Betreuung Aug 2011 Okt 2013 2 748
Einbau einer Lackierkabine Apr 2011 Jul 2012 200
Umbau Patriot-Lagerhaus zum Lager/Bürogebäude Okt 2007 Jul 2010 894
Anpassung Heizanlage Okt 2011 Dez 2012 1 180
Sanierung Kanalnetz LagBer Wetterau Mrz 2012 Apr 2013 450
Instandsetzung ältere MLH Okt 2012 Dez 2013 580
Umbau Munitionsarbeitshaus Jun 2010 Jun 2011 98
Neubau eines Munitionsabstellhauses Apr 2012 Mai 2013 350
Erneuerung der Heizanlage Jun 2010 Okt 2010 69
Neubau Feuerwache noch nicht konkret ausgeplant 2 300
Neubau Zaun Mai 2012 Sep 2012 122
Gesamt 9 639
Im Bau befindlichGesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co., Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
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ISSN 0722-8333]