Gebietsfremde Schadorganismen in deutschen Wäldern
der Abgeordneten Stephan Protschka, Berengar Elsner von Gronow, Peter Felser, Franziska Gminder, Wilhelm von Gottberg, Thomas Ehrhorn, Johannes Huber, Enrico Komning und der Fraktion der AfD
Vorbemerkung
Die zunehmende Trockenheit sowie der Befall von sekundären Schädlingen wie dem Borkenkäfer haben den Wald in den letzten Jahren in einen bedrohlichen Zustand versetzt (https://www.forstwirtschaft-in-deutschland.de/wald-im-klimastress/klimawandel/borkenkaefer/#:~:text=Borkenk%C3%A4fer%20und Co.&text=Die%20Trockenheit%20hat%20zu%20einer,B%C3%A4ume%20sind%20vor%20allem%20Fichten). Dieser labile Zustand des Waldes könnte die Verbreitung von gebietsfremden Schadorganismen begünstigen, die zusätzlichen Schaden verursachen könnten (https://www.wissenschaft.de/umwelt-natur/versteckte-gefahr-in-baumsamen/).
Das potentielle Ausmaß der Verbreitung der gebietsfremden Schadorganismen wird anhand der drei häufigsten gebietsfremden Arten Impatiens parviflora, Impatiens glandulifera und Prunus serotina ersichtlich: Sie bedecken fast 10 Prozent der gesamten Waldfläche von Deutschland (https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschüren/Waldbericht2017.pdf?__blob=publicationFile &v=3, S. 9). Eines der größten Probleme von gebietsfremden Schadorganismen ist, dass diese sich durch u. a. fehlende Konkurrenz relativ rasant ausbreiten können. So ist beispielsweise ein großer Teil der Wälder in Portugal sowie Madeira von der Kiefernholznematode (Bursaphelenchus xylophilus) befallen (https://www.julius-kuehn.de/media/Veroeffentlichungen/Flyer/Kiefernholznematode_.pdf). Bursaphelenchus xylophilus gilt europaweit als Quarantäneschädling und kann sich durch fehlende Abwehrmechanismen bei der heimischen Kiefer Pinus sylvestris massenhaft ausbreiten (ebd.). Ziel muss es deshalb sein, die Etablierung dieser gefährlichen Schadorganismen zu verhindern (ebd.).
Mehrere Staaten, u. a. auch Deutschland, haben sich mit dem Ziel, die Etablierung dieser gefährlichen Schadorganismen zu verhindern, über das Netzwerk Euphresco zusammengeschlossen (https://www.euphresco.net/about/members). Über dieses Netzwerk wurden bereits mehrere Forschungsprojekte zu forstrelevanten gebietsfremden Schadorganismen finanziert.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen17
Hat die Bundesregierung Kenntnisse darüber, welche gebietsfremden Schadorganismen derzeit akuten Schaden in der Forstwirtschaft verursachen?
Wenn ja, um welche gebietsfremden Schadorganismen handelt es sich?
Wenn ja, wie viele sind gebietsfremde Arten von unionsweiter Bedeutung?
Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über die Infektionspfade für gebietsfremde Schadorganismen, die in der Forstwirtschaft bedeutsam sind?
Welche Baumarten der deutschen Wälder sind durch welche gebietsfremden Schadorganismen besonders gefährdet?
Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, welche Wälder in welchen Bundesländern besonders durch gebietsfremde Schadorganismen aufgrund von regionalen Schwerpunkten wie Höhenlage, Kleinklima, Niederschlagsmenge oder Wildverbiss stärker gefährdet sind?
Wenn ja, welche Wälder sind dies (bitte Fläche in ha angeben)?
Wenn ja, gibt es nach Kenntnis der Bundesregierun noch weitere Faktoren, durch die bestimmte Wälder durch gebietsfremde Schadorganismen stärker gefährdet sind?
Hat die Bundesregierung Kenntnisse darüber, inwieweit das forstliche Vermehrungsgut, das von Baumschulen für die Aufforstung der Wälder zur Verfügung gestellt wird, von gebietsfremden Schadorganismen betroffen ist (wenn ja, bitte ausführen)?
Ist der Bundesregierung die Studie „Are traded forest tree seeds a potential source of nonnative pests?“ (https://esajournals.onlinelibrary.wiley.com/doi/ full/10.1002/eap.1971) bekannt, wenn ja, welche Schlussfolgerungen für ihr eigenes Handeln zieht sie daraus?
Gab es bis jetzt ähnliche Studien (vgl. Frage 6), die die Bundesregierung in Auftrag gegeben hat?
Wenn ja, sind diese Studien der Öffentlichkeit zugänglich (bitte nach Titel, Autoren, Erscheinungsjahr, evtl. Verlinkung ausführen)?
Wenn nein, erwägt die Bundesregierung, solch eine Studie selbst in Auftrag zu geben, um die potenziellen Gefahren durch gebietsfremde Schadorganismen im forstlichen Vermehrungsgut durch die Ergebnisse der Studie zu eliminieren?
Hat sich nach Auffassung der Bundesregierung die Gefahr durch gebietsfremde Schadorganismen im Rahmen der allgemeinen Schwächung vieler Bestände grundsätzlich erhöht?
Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung zum biologischen Pflanzenschutz mit Nützlingen in Wäldern?
Gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung einen biologischen Pflanzenschutz mit Nützlingen in deutschen Wäldern, wie beispielsweise eine Einbringung von Waldameisen (Formica rufa und Formica polyctena), und wenn ja, für wie erfolgreich schätzt die Bundesregierung den biologischen Pflanzenschutz mit Nützlingen ein (http://www.alf-la.bayern.de/forstwirtschaft/wald/115113/index.php)?
Gibt es Forschungsprojekte zum biologischen Pflanzenschutz mit Nützlingen in Wäldern, die von der Bundesregierung finanziell gefördert werden (https://www.fnr.de/index.php?id=11150&fkz=2220NR080D), und wenn nein, aus welchem Grund ist dies nicht der Fall?