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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet
Förderung von Quantentechnologien
Fraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Ressort
Bundesministerium für Bildung und Forschung
Datum
11.12.2020
Aktualisiert
07.09.2023
BT19/2476226.11.2020
Förderung von Quantentechnologien
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Kleine Anfrage
der Abgeordneten Dr. Anna Christmann, Kai Gehring, Margit Stumpp, Beate
Walter-Rosenheimer, Dr. Janosch Dahmen, Erhard Grundl, Dr. Kirsten Kappert-
Gonther, Maria Klein-Schmeink, Ulle Schauws, Charlotte Schneidewind-
Hartnagel, Kordula Schulz-Asche, Dr. Danyal Bayaz, Dieter Janecek, Tabea
Rößner, Dr. Konstantin von Notz und der Fraktion BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN
Förderung von Quantentechnologien
Die zweite Quantenrevolution, einzelne quantenmechanische Zustände zu
kontrollieren, ist nicht mehr nur das abstrakte Versprechen einzelner Physiker wie
Richard P. Feynman. Vielmehr sind bereits heute mögliche erste Anwendungen
absehbar. So operieren hochgenaue Messtechniken auf Grundlage einzelner
Quantenzustände mit denen z. B. kleinste Änderungen im Erdschwerefeld aus
dem Weltall sichtbar gemacht werden könnten. Auch werden bereits erste
Prototypen vollständig abhörsicherer Quantennetzwerke aufgebaut und – wie im
letzten Jahr geschehen – die potentielle Überlegenheit des Quantencomputers
über den klassischen Computer experimentell bewiesen. Aus Letzterem
ergeben sich eine Vielzahl an Anwendungsmöglichkeiten in der Optimierung von
Prozessen, im Durchsuchen extrem großer Datenbanken oder in der Simulation
von komplexen Materialien, woraus sich enorme disruptive Veränderungen für
die Gesellschaft ergeben. All dies geht einher mit einem international stark
gestiegenen Interesse an Quantentechnologien, das sich in enormen
Investitionssummen in den USA und Chinas niederschlägt und welche sich in
Größenordnungen von Hunderten Millionen Euro pro Jahr bewegen.
Die Europäische Union hat im Jahr 2018 das Quantum Flagship gestartet, um
diverse Quantentechnologien mit einer Gesamtsumme von 1 Mrd. Euro zu
fördern. Die Bundesregierung veröffentlichte im gleichen Jahr das
Forschungsprogramm „Quantentechnologien – von den Grundlagen zum Markt“. Auf
Grundlage der Empfehlungen aus Wissenschaft (QUTEGA: „Quantentechnologien
Grundlagen und Anwendungen“, vgl. https://www.quantentechnologien.de/file
admin/public/Redaktion/Dokumente/PDF/Publikationen/Qutega-QT-Grundlage
n-und-Anwendungen-01-2017-C1.pdf ) und Wirtschaft („Förderung von
Quantentechnologien, Positionspapier der Deutschen Industrie“, vgl. https://www.ph
otonikforschung.de/media/quantentechnologien/pdf/Quantentechnologie_b
f.pdf) wurden unter Federführung des Bundesministeriums für Bildung und
Forschung (BMBF) Maßnahmen beschlossen, um (1) die Forschungslandschaft
zu stärken, (2) Forschungsnetzwerke für neue Anwendungen zu schaffen, (3)
Leuchtturmprojekte zu etablieren, (4) die Sicherheit und technologische
Souveränität zu gewährleisten, (5) die internationale Zusammenarbeit zu gestalten
und (6) die Menschen im Land mitzunehmen. Aufgeteilt auf die
Themenbereiche Quantenkommunikation, Quantencomputing, Quantenmetrologie und
Deutscher Bundestag Drucksache 19/24762
19. Wahlperiode 26.11.2020
Basistechnologien sollen so von 2018 bis 2022 insgesamt über 650 Mio. Euro
investiert werden.
Gleichzeitig werden seit 2012 über das BMBF-Programm „Photonik Forschung
Deutschland“ (vgl. https://www.photonikforschung.de/media/branche/pdf/BM
BF_Photonik_Forschung_Deutschland_final_1.pdf) aus der „Agenda Photonik
2020“ (vgl. https://www.photonikforschung.de/media/branche/pdf/2016_Agend
a_Photonik_2020_Update_bf_C1.pdf) lichtbasierte Grundlagenforschung und
Schlüsseltechnologien, die in enger Beziehung zu vielen der genannten
Quantentechnologien stehen, mit jährlich rund 100 Mio. Euro gefördert. Ziel ist es
hier die gute Ausgangslage Deutschlands in der Photonikforschung zu nutzen,
um Produkte und Lösungen für verschiedene Themenkomplexe wachsender
Märkte wie z. B. auch Komponenten von Quantennetzwerken zu entwickeln.
Hinsichtlich der bisher bewilligten und abgerufenen Mittel wurde seitens der
Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN auf Bundestagsdrucksache 19/21858 geantwortet, dass in den Jahren
von 2015 bis 2023 Quantentechnologien mit 345,3 Mio. Euro gefördert
werden.
Zusätzlich zu diesen Summen hat die Bundesministerin für Bildung und
Forschung Anja Karliczek am 31. Januar 2020 angekündigt, für
Quantencomputing weitere 300 Mio. Euro zur Verfügung stellen zu wollen (vgl. https://www.b
mbf.de/de/karliczek-wir-starten-strategische-initiative-zum-quantencomputing-
10748.html). Zudem hat der Koalitionsausschuss am 3. Juni 2020 beschlossen,
weitere 2 Mrd. Euro in Quantentechnologien zu investieren, um insbesondere
„ein industrielles Standbein in Hard- und Software aufzubauen“ und
„mindestens zwei Quantencomputer zu bauen“ (vgl. Nummer 44. in https://www.bunde
sfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Schlaglichter/Konj
unkturpaket/2020-06-03-eckpunktepapier.pdf?__blob=publicationFile).
Nach Ansicht der Fragestellenden handelt es sich bei diesen hohen Summen
um Zukunftsinvestitionen in eine wichtige Schlüsseltechnologie, da sowohl
sicherheitsrelevante Aspekte berührt werden als auch enorme positive
Potentiale durch die Anwendung von Quantentechnologien möglich sind. Die zur
Verfügung gestellten Mittel müssen allerdings strategisch sinnvoll und im
Sinne des Allgemeinwohls eingesetzt werden. Im Wettbewerb mit den USA und
China gilt es, in einer wichtigen Zukunftstechnologie den Anschluss nicht zu
verlieren. Dafür müssen die für Quantentechnologien vorgesehen Gelder zügig
in die Forschung und Entwicklung gelangen.
Angesichts der enormen Investitionssummen und der großen
innovationspolitischen Bedeutung bestehen viele Unklarheiten über die Förderstrategien der
Bundesregierung.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Hat die Bundesregierung die potentiellen Auswirkungen von
Quantentechnologien auf die Gesellschaft bewertet, und wenn ja, wie (bitte auf die
Bereiche Quantenkommunikation, Quantencomputing, Quantenmetrologie
und Basistechnologien für Quantentechnologien aufteilen), welche
zentralen Anwendungsfelder von Quantentechnologien sieht die
Bundesregierung als besonders erfolgsversprechend oder wichtig, und wie sieht die
Bundesregierung den künftig möglich werdenden Nutzen von
Quantentechnologien für die Umwelt und zum Erreichen der Klimaziele?
2. Wie sieht die Bundesregierung den Entwicklungsstand der
Quantentechnologien in Deutschland, insbesondere vor dem Hintergrund der nun
zehnjährigen Förderprogramme „Photonik Forschung Deutschland“ und
„Quantentechnologien – von den Grundlagen zum Markt“?
a) Wie sieht sie den Fortschritt im Bereich der Quantenkommunikation,
insbesondere in Bezug auf Übertragungslänge und Übertragungsraten
(Schlüsselraten) von Quantennetzwerken, wie ist der
Entwicklungsstand bei Quantenrepeatern, und wann rechnet die Bundesregierung mit
dem ersten praktisch einsetzbaren Quantennetzwerk in Deutschland?
b) Wie sieht sie den Fortschritt in der Entwicklung von
Quantencomputern, insbesondere die verschiedenen Ansätze für Qubit-Plattformen
des gatterbasierten Quantencomputers, das topologischen
Quantencomputing und das adiabatische Quantencomputing (bitte die
unterschiedlichen Ansätze bewerten)?
c) Wie sieht sie die Entwicklung von kompletten Systemarchitekturen
für Quantencomputer, wie sie beispielsweise am Forschungsinstitut
QuTech in Delft, Niederlande, entwickelt werden, und wie bewertet sie
den Entwicklungsstand von Algorithmen und Anwendungen für
Quantencomputer in Deutschland?
d) Wie sieht sie den Entwicklungsstand der Quantenmetrologie in
Deutschland?
e) Wie sieht sie den Entwicklungsstand der Basistechnologien für
Quantentechnologien in Deutschland?
3. Inwiefern erfolgt seitens der Bundesregierung ein kontinuierliches
Monitoring der technologischen Fortschritte der von ihnen im Förderprogramm
„Quantentechnologien – von den Grundlagen zum Markt“ definierten
Teilbereiche (Quantenkommunikation, Quantencomputing, Quantenmetrologie
und Basistechnologien für Quantentechnologien)?
a) Wenn ja, in welchen Zeitabschnitten erfolgt dieses, welche Parameter
werden für das Monitoring herangezogen, welche Personengruppen
sind im Evaluationsprozess involviert, und wo werden diese
Erkenntnisse veröffentlicht (bitte nach den vier Teilbereichen aufteilen)?
b) Wenn nein, warum nicht, und soll ein solches Monitoring zeitnah
durchgeführt werden?
4. Welche technischen Erwartungen hat die Bundesregierung bezüglich der
Entwicklung von Quantencomputern in den nächsten Jahren?
a) Strebt die Bundesregierung den Bau eines deutschen und
Unterstützung eines Baus eines europäischen Quantencomputers mit 100
funktionierenden physischen Qubits in den nächsten zwei Jahren an?
b) Welche technischen Erwartungen hat die Bundesregierung in der
Entwicklung von Quantencomputern der nächsten zehn Jahre in Bezug auf
Anzahl an zusammen funktionierenden Qubits und Fehlerraten dieser?
5. Welche Ziele möchte die Bundesregierung mit ihrer Förderung von
Quantentechnologien erreichen?
a) Welche weiteren messbaren Ziele setzt sich die Bundesregierung im
Bereich Quantentechnologien, insbesondere bei Quantencomputern, für
die Jahre 2022, 2025, 2030 und 2040?
b) Werden die ökologischen Chancen und Risiken des Einsatzes von
Quantencomputing und ein vertretbares Verhältnis zwischen
Energieaufwand und erbrachter Rechenleistung erforscht – gerade vor dem
Hintergrund, dass die beiden dominierenden Systeme (supraleitende
Quibts und Ionen-Qubits) teilweise nahe des absoluten Nullpunkts
(–273 °C) betrieben werden müssen und damit teilweise extrem
energieintensiv sind?
c) Bis wann sollte in Deutschland ein breites Quantennetzwerk zur
abhörsicheren Kommunikation aufgebaut werden?
d) Wie soll die IT-Sicherheit und Kryptografie weiterentwickelt werden
angesichts dessen, dass heutige Verschlüsselungsstandards (wie
asynchrone RSA-Verschlüsselung) mit Rechenleistungen von
Quantencomputern gebrochen werden können?
e) Ab wann soll in Deutschland sensible Kommunikation so verschlüsselt
werden, dass sie nicht mit Quantencomputern nachträglich
entschlüsselt werden kann?
6. Wie sieht die Bundesregierung den technischen Entwicklungsstand der
Quantentechnologien in Deutschland und in Europa im Vergleich zu
anderen Nationen und Regionen weltweit, insbesondere den USA, China,
Japan, Großbritannien, Kanada und Australien,
a) im Bereich der Quantenkommunikation,
b) im Bereich des Quantencomputings,
c) im Bereich der Quantenmetrologie,
d) im Bereich der Basistechnologien für Quantentechnologien?
7. Liegen der Bundesregierung Informationen zu den Investitionssummen,
den Investitionsprogrammen von Staat und Wirtschaft der USA, Chinas,
Japans, Großbritanniens, Kanadas, Australiens und weiterer EU-Nationen
im Bereich der Quantentechnologien vor, und wenn ja, wie lauten diese
Zahlen (bitte die Investitionssummen nach Nation, Jahr und
Investitionsbereich (Quantencomputing, Quantennetzwerke, Quantenmetrologie und
weitere unterstützende Technologien) auflisten)?
8. Welche Standorte in Deutschland sind nach Kenntnis der Bundesregierung
– insbesondere vor dem Hintergrund der anstehenden Aufstockungen der
Haushaltsmittel für Quantentechnologien in Höhe von 400 Mio. Euro –
aktuell führend in der Erforschung und Nutzung von Quantentechnologien
(bitte pro nachfolgendem Indikator die jeweils zehn besten Standorte pro
Teilbereich (Quantenkommunikation, Quantencomputing,
Quantenmetrologie, Basistechnologien) nennen; Standorte können dabei sowohl
Hochschulen und Forschungseinrichtungen als auch Unternehmen und einzelne
Unternehmensstandorte sein):
a) Publikationen in wissenschaftlichen Peer-Review-Zeitschriften,
b) Patente,
c) Anzahl an Forschungspersonal (in Vollzeitäquivalenten),
d) Anzahl an Professuren mit Bezug zu Quantentechnologien in der
Denomination,
e) Anzahl Kooperationen national und international?
9. Mit welchen Förderprogrammen, Fördermaßnahmen und Projekten fördert
die Bundesregierung von 2015 bis 2023 die Erforschung und Entwicklung
von Quantentechnologien, und wie hängen diese verschiedenen
Förderprogrammen untereinander zusammen (bitte die Fördermaßnahmen pro
Förderprogramm, die Gesamtfördersumme pro Förderprogramm, die
Laufzeiten der Förderprogramme und deren Ressortzugehörigkeit sowie die
Gesamtfördersummen nach Ressorts und Haushaltsjahren auflisten)?
10. Wie verteilen sich die Fördersummen aller von der Bundesregierung
bewilligten Förderprojekte seit 2015 auf die Bereiche
Quantenkommunikation, Quantencomputer, Quantenmetrologie und Basistechnologien (bitte
die Gesamtfördersummen pro Bereich der Jahre 2015 bis 2023 sowie die
Gesamtfördersumme aller Förderprogramme nennen; wenn mit einzelnen
Förderprojekten mehrere Bereiche abgedeckt werden, diese bitte gesondert
ausweisen)?
11. Wie verteilen sich die Fördersummen der Bundesregierung für Forschung
und Entwicklung von Quantentechnologien auf Hochschulen,
außeruniversitäre Forschungseinrichtungen (pro Forschungseinrichtung und pro
Forschungsorganisation) und Unternehmen (bitte für alle Kategorien für 2015
bis 2020 angeben)?
12. Liegen der Bundesregierung Zahlen darüber vor, in welcher Höhe die
Forschungsgemeinschaften aus der durch den Bund bereitgestellten
Grundfinanzierung die Forschung und Entwicklung von Quantentechnologien
fördern, insbesondere vor dem Hintergrund teils eigener
Quantentechnologie-Strategien (vgl. https://www.helmholtz.de/fileadmin/user_upload/01_f
orschung/QT_in_the_Helmholtz_Association.pdf; bitte nach Max-Planck-
Gesellschaft, Fraunhofer-Gesellschaft, Helmholtz-Gemeinschaft, Leibniz-
Gemeinschaft, Physikalisch-Technische Bundesanstalt, Bundesamt für
Sicherheit in der Informationstechnik, Agentur für Innovation in der
Cybersicherheit und jeweils für die Jahre 2015 bis 2020 aufteilen)?
13. Mit welchen Projekten förderte bzw. fördert die Deutsche
Forschungsgesellschaft (DFG) die Forschung und Entwicklung von
Quantentechnologien in den Jahren 2015 bis 2020 (bitte nach Jahr und den Bereichen
Quantenkommunikation, Quantencomputer, Quantenmetrologie,
Basistechnologien für Quantentechnologien aufschlüsseln)?
Mit welchen Projekten förderte bzw. fördert, nach Kenntnis der
Bundesregierung, die Europäische Union über das EU-Quantum-Flagship oder
andere Programme die Forschung und Entwicklung von
Quantentechnologien in Deutschland in den Jahren 2015 bis 2020 (bitte alle Projekte mit
Angaben zum Projekttitel, Mittelempfänger, Budget und Laufzeit
auflisten)?
14. Wurden und werden internationale Gutachterinnen und Gutachtern in
Vergabeverfahren der Fördergelder der Programme des Bundes zur Förderung
von Quantentechnologien, insbesondere „Quantentechnologien – von den
Grundlagen zum Markt“, „Photonik Forschung Deutschland“ und
„Selbstbestimmt und sicher in der digitalen Welt 2015–2020“, einbezogen?
a) Wenn ja, in welchem Maße (bitte Vergabeverfahren mit internationalen
Gutachterinnen und Gutachtern benennen und den Anteil der
internationalen Gutachterinnen und Gutachter an allen Vergabeverfahren
angeben)?
b) Wenn nein, warum nicht?
15. In welcher Höhe wurden die in den Programmen „Quantentechnologien –
von den Grundlagen zum Markt“, „Photonik Forschung Deutschland“ und
„Selbstbestimmt und sicher in der digitalen Welt 2015–2020“
ausgeschriebenen Fördersummen in den Jahren 2015 bis Oktober 2020 abgerufen
(bitte nach Programm und Jahr differenziert angeben), und, sofern
Fördermittel unvollständig abgerufen wurden, was sind aus Sicht der
Bundesregierung die Gründe dafür, und auf welche Höhe beliefen sich die nicht
abgerufenen Fördermittel pro Programm und Jahr?
16. Wie verteilen sich die Gesamtfördersummen der verschiedenen
Förderprogramme aus den Jahren 2015 bis 2023 zur Förderung des
Quantencomputings auf die verschiedenen Hardwareplattformen (supraleitende Qubits,
Halbleiter-Qubits, ionische Qubits und photonische Qubits (für
atterbasiertes Quantencomputing) sowie topologische Systeme, adiabatisches
Quantencomputing und weitere Ansätze; bitte die jeweiligen Gesamtsummen
pro Plattform nennen)?
17. Hat die Bundesregierung eine Fokussierung der
Quantencomputerentwicklung auf eine oder mehrere wenige Hardwareplattformen bewertet, und
wenn ja, wie (Qubit-Arten) – vor dem Hintergrund, dass die derzeit in der
Entwicklung am weitest fortgeschrittenen US-amerikanischen Konzerne
Google und IBM auf die gleiche Plattform setzen, jedoch gleichzeitig
andere Unternehmen wie Microsoft, aber auch viele deutsche Institute an
anderen vielversprechenden Ansätzen, wie z. B. ionischen Systemen,
forschen –, beabsichtigt die Bundesregierung die besondere Förderung einer,
einiger weniger oder vieler verschiedener Hardware-Plattformen, und
wenn ja, welcher (bitte sowohl gatterbasierte als auch topologische und
adiabatische Ansätze einbeziehen)?
18. Inwiefern wurden und werden seitens der Bundesregierung die
Entwicklung von Quantenalgorithmen und Softwareanwendungen für
Quantencomputer und Quantensimulatoren gefördert (bitte die Förderprojekte aus
den Jahren 2015 bis 2023 inklusive Fördersumme, Laufzeit und
Kurzbeschreibung auflisten)?
19. Wann, und wofür plant die Bundesregierung, die im Konjunkturpakt unter
Nummer 44 angekündigten 2 Mrd. Euro zur Förderung von
Quantentechnologien in den nächsten Jahren zu investieren, insbesondere vor dem
Hintergrund, dass davon bisher lediglich 400 Mio. Euro im Haushalt 2021 als
„Verstärkung von Maßnahmen zur Förderung von Quantentechnologien“
(Bundestagsdrucksache 19/22600, S. 3146) budgetiert sind?
20. Bis wann plant die Bundesregierung, ein zwischen den Ressorts
abgestimmtes Gesamtkonzept für die zusätzlichen 400 Mio. Euro als
„Verstärkung von Maßnahmen zur Förderung von Quantentechnologien“
(Bundestagsdrucksache 19/22600, S. 3146) vorzulegen, um die im Entwurf zum
Bundeshaushalt 2021 gesperrten Mittel freizugeben?
a) Welche förderpolitischen Ziele möchte die Bundesregierung mit den
zusätzlichen 400 Mio. Euro erreichen?
b) In welche konkreten Maßnahmen sollen die zusätzlichen 400 Mio.
Euro fließen?
c) Inwiefern ist ein Ausbau der personellen Kapazitäten in den Ressorts
und den Projektträgern vorgesehen, damit die erhöhte Förderung für
Quantentechnologien auch abfließen kann, und wie viele Personen sind
zur Vergabe in den Ministerien vorgesehen?
d) Welches Ressort hat die Federführung bei der Entwicklung und
Umsetzung des neuen Konzepts zur Förderung von Quantentechnologien
inne?
21. Bis wann wird die Bundesregierung den von Bundesforschungsministerin
Anja Karliczek am 6. Juli 2020 für „diesen Sommer“ angekündigten
(https://de.reuters.com/article/deutschland-quantentechnologie-karliczek-i
dDEKBN2470JL) Auftrag an Konsortien zum Bau der zwei im
Konjunkturpaket genannten Quantencomputer vergeben?
a) Ist eine erste Auswahl für Konsortien bereits getroffen, und wenn ja, an
welche wird der Auftrag zum Bau eines Quantencomputers gehen
(bitte die beteiligten Institute und deren Standorte nennen)?
b) Nach welchen Kriterien und in welchem Verfahren werden die
Standorte der beiden angekündigten Quantencomputer ermittelt (bitte die
Verfahrensschritte und alle daran beteiligten Personen inkl. Institution
benennen)?
c) Welche technischen Erwartungen hat die Bundesregierung an die
Quantencomputer in Bezug auf Anzahl und Art an verwendeten Qubits
und deren Fehlerraten?
d) Nach welchen Kriterien wurde bzw. wird die Hardwareplattform der
zwei Quantencomputerbauten ausgewählt, und welche Personen von
welchen Institutionen waren bzw. sind an der Auswahl beteiligt?
e) Ausgaben in welcher Höhe plant die Bundesregierung für den Bau der
zwei Quantencomputer?
22. Durch welche konkreten Maßnahmen möchte die Bundesregierung die im
Konjunkturpaket unter Nummer 44 definierten Ziele erreichen, und welche
Finanzmittel werden jeweils zusätzlich in den Jahren 2020 und 2021
bereitgestellt für die Ziele
a) „ein neues industrielles Standbein sowohl hinsichtlich Hard- als auch
Software aufbauen“,
b) „eine substantielle Förderung von Unternehmens- und Start-up-
Gründungen“,
c) „gemeinsame neue Spitzencluster aus Wissenschaft und Industrie“?
23. Inwiefern folgt die Bundesregierung seit 2018 der „nachdrückliche[n]
Forderung der Max-Planck-Gesellschaft“ und der gesamten QUTEGA (vgl.
Programm „Quantentechnologien – von den Grundlagen zum Markt“),
Zentren zur Entwicklung von Quantentechnologien zu fördern (bitte die
Zentren, deren Förderungsmittel, Förderlaufzeiten und die
schwerpunktmäßig geförderten Quantentechnologiebereiche nennen)?
Wo plant die Bundesregierung die bis zu drei Kompetenzcluster für
Quantencomputing in Deutschland aufzubauen (vgl. Forschungsprogramm
„Quantentechnologien – von den Grundlagen zum Markt“)?
a) Aus welchen Gründen wird die Anzahl an aufzubauenden
Kompetenzclustern für Quantentechnologien auf bis zu drei gesetzt, und wurde
diese Zahl seit 2018 genauer definiert?
b) Auf welchen Hardwareplattformen sollen die bis zu drei
Kompetenzcluster zur Entwicklung eines Quantencomputers beruhen?
c) Nach welchen Kriterien wurden beziehungsweise werden die
Kompetenzcluster ausgewählt?
d) Entsprechen diese Kompetenzcluster den im Konjunkturpaket unter
Nummer 44 aufgeführten Spitzencluster aus „Wissenschaft und
Industrie“?
24. Fördert oder plant die Bundesregierung die Förderung von Konsortien für
die Entwicklung der Quantenkommunikation, der Quantenmetrologie oder
für Basistechnologien?
a) Wenn ja, wo sollen diese Konsortien lokalisiert sein, wer ist beteiligt,
welche Fördersummen sind veranschlagt, und nach welchen
Vergaberichtlinien wurden diese Wahlen getroffen (bitte nach den drei
genannten Quantentechnologiebereichen aufteilen)?
b) Wenn nein, warum nicht, und welche Unterschiede bestehen zur
Förderung von Konsortien zur Quantencomputerentwicklung?
25. Wie ist der Entwicklungsstand des seitens der Wissenschaft (QUTEGA)
und Industrie geforderten und seitens der Bundesregierung im Programm
„Quantentechnologien – von den Grundlagen zum Markt“ angekündigten
Quantentechnologie-Kompetenzzentrums an der Physikalisch-Technischen
Bundesanstalt (QTZ) (bitte den Termin der geplanten Fertigstellung und
der vollständigen Betriebsaufnahme, die bisherigen Investitionssummen,
die geplante Anzahl an Mitarbeitern und die geplanten Arbeitsaufgaben
nennen)?
26. Wie soll sichergestellt werden, dass das Quantentechnologie-
Kompetenzzentrum an der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) die
Koordinierung aller vier Bereiche der Quantentechnologien bewerkstelligen
kann, insbesondere auch den Austausch mit der Industrie und die
Unterstützung von Gründern (bitte für alle vier Teilbereiche der
Quantentechnologien begründen), oder plant die Bundesregierung eine oder mehrere
weitere Koordinierungsstellen für Quantentechnologien (wenn ja, welche
Standorte zusätzlich zur PTB sollen in welcher Höhe gefördert werden)?
27. Welche Unternehmen in Deutschland entwickeln nach Kenntnis der
Bundesregierung in einem der vier Teilgebiete der Quantentechnologien
(Quantenkommunikation, Quantencomputer, Quantenmetrologie,
Basistechnologien für Quantentechnologien) Produkte oder Anwendungen (bitte
nach Unternehmensname, Standort, Technologiebereiche der Entwicklung,
Jahresumsatz auflisten)?
28. Welche Ziele verfolgt die Bundesregierung bei der Förderung einer
Unternehmenslandschaft zum Thema Quantentechnologien in Deutschland?
a) In welcher Unternehmensform soll ein deutsches Quantennetzwerk
aufgebaut und betrieben werden (öffentlich, privatwirtschaftlich o. Ä.),
und wie viele Anbieter für Quantenkommunikation soll es in
Deutschland bis 2025 sowie 2030 geben?
b) Wie viele deutsche Anbieter von Quantencomputern soll es bis 2025
und wie viele bis 2030 geben, und wie soll der öffentliche Zugang zu
diesen organisiert sein (öffentlich zugänglich, durch
privatwirtschaftliche Modelle oder weitere)?
c) Wie will die Bundesregierung sicherstellen, dass die Forschung und
Entwicklung durch die Offenheit der Programmiersprachen, der
Schnittstellen und Systeme nachhaltig gestaltet wird und alle
Marktakteure Zugang haben?
29. Inwiefern wurden und werden seit 2015 die Ausgründung von
Quantentechnologien seitens der Bundesregierung unterstützt (bitte die jährlichen
Fördersummen inklusive Ressortzuständigkeit und die erfolgreichen
Ausgründungen inklusive Unternehmensname auflisten)?
30. In welcher Höhe wurde und wird die industrielle Forschung von
Quantentechnologien in Deutschland seitens der Bundesregierung in den Jahren
2015 bis Oktober 2020 unterstützt (bitte die jährlichen Fördersummen und
die geförderten Unternehmen auflisten)?
a) Hat die Bundesregierung ihren Erfolg bei der industriellen Forschung
von Quantentechnologien bewertet, und wenn ja, wie?
b) Welche Überlegungen bestehen seitens der Bundesregierung, die
Fördermodalitäten für Unternehmen attraktiver zu gestalten?
31. In welcher Höhe wurden die Fördergelder der Programme „EXIST“,
„High-Tech Gründerfonds“ und „INVEST – Zuschuss für Wagniskapital“
für die Förderung von Quantentechnologien abgerufen, die im Programm
„Quantentechnologien – von den Grundlagen zum Markt“ genannt werden
(bitte die jährlichen Fördersumme mit Bezug zu Quantentechnologien für
die jeweiligen genannten Programme seit 2015 auflisten)?
32. Mit welchen Programmen und in welcher Höhe wird der seitens der
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von QUTEGA geforderte (https://w
ww.quantentechnologien.de/fileadmin/public/Redaktion/Dokumente/PDF/
Publikationen/Qutega-QT-Grundlagen-und-Anwendungen-01-2017-C
1.pdf, S. 34) Austausch von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in
die Industrie und zurück gefördert (bitte die Programmtitel, die Laufzeit
und die bewilligten jährlichen Förderungssummen seit 2015 nennen)?
33. In welcher Form erfolgt seitens der Bundesregierung eine Abstimmung der
deutschen Förderprogramme für Quantentechnologien mit den aus dem
Quanten-Flaggschiff der EU unterstützten Projekten?
a) Wie konkret sind die deutschen Förderprogramme mit dem Quanten-
Flaggschiff der EU verzahnt?
a) Welche Ideen und Konzepte der Bundesregierung sind in das Design
des Quanten-Flaggschiffs der EU eingeflossen, und welche blieben
unberücksichtigt?
34. Inwieweit hat die Bundesregierung ihre derzeitige EU-Ratspräsidentschaft
genutzt oder will sie noch nutzen, um das Thema Quantencomputing „im
künftigen EU-Forschungsrahmen zu verankern“, wie
Bundesforschungsministerin Anja Karliczek am 6. Juli 2020 angekündigt hat (https://de.reute
rs.com/article/deutschland-quantentechnologie-karliczek-idDEKBN24
70JL)?
35. Plant die Bundesregierung bilaterale Kooperationen im Bereich der
Forschung und Entwicklung von Quantentechnologien?
a) Wenn ja, um welche Länder und Projekte handelt es sich hierbei, und
in welchem Stadium befinden sich die jeweiligen Projekte (bitte für
jedes Projekt einzeln benennen)?
b) Unterstützt die Bundesregierung diesbezüglich eine Kooperation mit
Großbritannien, und wie konkret setzt sich die Bundesregierung – auch
über den nahenden Brexit hinaus – für eine vertiefte Kooperation mit
Großbritannien beim Thema Quantentechnologien ein?
c) Wenn nein, warum nicht?
36. Wann wird nach Kenntnis der Bundesregierung der Quantencomputer am
Standort Jülich einsatzbereit sein, und nach welchen Schlüssen verteilen
sich die Kosten für Bau und Betrieb auf EU, Bund und Helmholtz-
Gemeinschaft, und wie wird in Zukunft sichergestellt, dass andere Forscher
und Forscherinnen in Deutschland und der EU Zugang zu dem in Jülich
entwickelten Quantencomputer haben werden?
37. Wie viele Absolventinnen und Absolventen im Bereich
Quantentechnologien erreichen nach Kenntnis der Bundesregierung zwischen 2015 und
2019 die verschiedenen Bildungsabschlüsse Master-, Diplom- oder
vergleichbarer Abschluss, Promotion und Berufung auf eine Professur (bitte
nach Art der Professur differenzieren), und welche Hochschulen in
Deutschland bieten nach Kenntnis der Bundesregierung den Studiengang
Quanteningenieurwesen, Quanteninformationstechnologie oder einen
vergleichbaren auf Quantentechnologien fokussierten Nicht-Physik-
Studiengang an, und wie viele Studierende sind hierzu eingeschrieben (bitte für
die Jahre 2015 bis 2020 angeben)?
38. In welcher Höhe fördert die Bundesregierung Hochschulbildung von
Quantentechnologien, wie sie im Programm „Quantentechnologien – von
den Grundlagen zum Markt“ angekündigt wurde (bitte die jährlichen
Förderungssummen der von 2015 bis 2023 bewilligten Mittel sowie die
spezifischen durch den Bund geförderten Projekte nennen)?
Wie viele Professuren wurden im Bereich Quantentechnologien seit 2015
durch vom Bund (co-)finanzierte Programme geschaffen, und wie viele
sollten nach Ansicht der Bundesregierung in den nächsten fünf Jahren von
durch den Bund finanzierte Programme neu entstehen (bitte die seit 2015
neu geschaffenen Professuren und deren jeweilige thematische
Schwerpunkte jährlich aufgeschlüsselt nennen)?
Berlin, den 17. November 2020
Katrin Göring-Eckardt, Dr. Anton Hofreiter und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]
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