[Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. Christian Jung, Frank Sitta,
Torsten Herbst, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der FDP
– Drucksache 19/26153 –
Zukunft der Rangierbahnhöfe
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Die Transportkapazität des deutschen Güterverkehrs wächst seit Jahren
kontinuierlich (Statistisches Bundesamt, „Güterverkehr – Beförderungsmenge und
Beförderungsleistung nach Verkehrsträgern“, vom 19. November 2019;
abrufbar unter:
https://www.destatis.de/DE/Themen/Branchen-Unternehmen/Trans
port-Verkehr/Gueterverkehr/Tabellen/gueterbefoerderung-lr.html). Von der
Gesamtmenge transportierter Güter schultert der Schienenverkehr gegenwärtig
gut ein Fünftel, doch die Bundesregierung strebt an, diesen Anteil in den
kommenden zehn Jahren deutlich zu erhöhen (Bundesministerium für Verkehr
und digitale Infrastruktur, „Verlagerungspotenziale auf den
Schienengüterverkehr in Deutschland“; abrufbar unter:
https://www.bmvi.de/SharedDocs/DE/A
rtikel/G/MKS/verkehrsverlagerungspotential-schienengueterverkehr.html).
Um diesem Ziel gerecht zu werden, bedarf es neben personellen Kapazitäten
einer robusten Infrastruktur.
Im bundesweiten Schienennetz bilden die Rangierbahnhöfe einen
Flaschenhals: Sie sind für die Zugbildung sowie Zugauflösung zuständig und spielen
für den effizienten Einzelwagenverkehr eine entscheidende Rolle. Nur mit
leistungsfähigen Rangierbahnhöfen ist die Verlagerung des Modal Split hin
zum Schienenverkehr zu bewältigen. Den Fragestellern erscheint es allerdings
fraglich, dass die Infrastruktur diesen Herausforderungen gewachsen ist.
1. Wie bewertet die Bundesregierung den Zustand der Rangierloks unter
Berücksichtigung der Antworten auf die folgenden Fragen?
a) Wie alt sind im Durchschnitt die Rangierloks nach Kenntnis der
Bundesregierung?
b) Wie alt ist die älteste noch in Betrieb stehende Rangierlok in
Deutschland nach Kenntnis der Bundesregierung (bitte nach Rangierbahnhof
aufschlüsseln)?
c) Wie viele neue Rangierloks wurden nach Kenntnis der
Bundesregierung in den letzten zehn Jahren angeschafft (bitte nach
Rangierbahnhof und Jahren aufschlüsseln)?
Deutscher Bundestag Drucksache 19/26856
19. Wahlperiode 23.02.2021
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Verkehr und digitale
Infrastruktur vom 22. Februar 2021 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
d) Wie viel Prozent der Rangierloks können nach Kenntnis der
Bundesregierung durch den Rangiercomputer funkferngesteuert bedient
werden (bitte nach Rangierbahnhof aufschlüsseln)?
e) Wie viel Prozent der Rangierloks mussten nach Kenntnis der
Bundesregierung in den vergangenen zwölf Monaten mindestens einmal
repariert werden?
f) Wie viel Prozent der Rangierloks werden nach Kenntnis der
Bundesregierung mit alternativen Antrieben betrieben (bitte nach Art des
alternativen Antriebs aufschlüsseln)?
g) Wie hoch ist der jährliche CO2-Ausstoß nach Kenntnis der
Bundesregierung der Rangierloks, die ohne alternative Antriebe in Betrieb
sind?
h) Wie viel Prozent der Rangierloks ohne alternative Antriebe verfügen
nach Kenntnis der Bundesregierung über Abgasreinigungsanlagen,
und mit welcher Technologie werden diese Anlagen betrieben?
Die Fragen 1 bis 1h werden gemeinsam beantwortet.
Nach Auskunft der Deutschen Bahn AG (DB AG) liegt das Durchschnittsalter
der Rangierloks bei 43 Jahren. Die Lokomotiven wie auch das übrige
Rollmaterial werden in regelmäßigen Vollrevisionen und Überholungen erneuert und
sind immer in aktuellem technischen und sicheren Betriebszustand. Die DB
Cargo AG wird zur Dekarbonisierung ihrer Flotte in den kommenden Jahren
moderne Rangierloks mit alternativen Antriebskonzepten beschaffen.
Die älteste noch in Betrieb stehende Rangierlok hat ein Alter von 64 Jahren. Es
sind alle systemtechnischen Teile mehrfach erneuert und die Lok als Ganzes
mehrfach revisioniert worden. Betrieblich erfolgt keine konkrete Zuteilung
einzelner Loks zu bestimmten Rangierbahnhöfen.
Folgende Anzahl Rangierloks wurde in den vergangenen zehn Jahren beschafft.
Jahre 2010 2011 2012 2013 2014 2015-2020
Anzahl
Loks 13 46 29 37 5 0
Quelle: DB AG
42 Loks sind mit einer Funkfernsteuerung für den Abdrückbetrieb in
Rangierbahnhöfen ausgestattet.
Binnen zwölf Monaten gehen alle Loks in Wartung, Prüfung oder Revision;
auch anfallende Reparaturen werden dabei erledigt.
DB Cargo AG ist eng in die Entwicklung von alternativen Antriebskonzepten
mit Herstellern eingebunden, da es bisher keine Konzepte gibt, die eine
ausreichende Leistung für den Güterverkehr aufweisen.
Im Schienengüterverkehr (SGV) der DB AG sind auf Basis von
Leistungstonnenkilometern ca. 97 Prozent der Traktionsleistung elektrisch. Wenn mangels
alternativer Technik für die Rangierlokomotiven Dieselkraftstoff verwendet
wird, enthält er eine Biokomponente von durchschnittlich 7 Prozent.
Rund 20 Prozent der Diesellokomotiven von DB Cargo AG sind mit
Partikelfiltern ausgerüstet. Die weitere Flotte wird im Zuge der anstehenden
Neuauslieferungen modernisiert.
2. Wie bewertet die Bundesregierung den Zustand der Zugbildungstechnik
unter Berücksichtigung der Antworten auf die folgenden Fragen?
a) Wie alt sind nach Kenntnis der Bundesregierung im Durchschnitt die
Talbremsen, Richtungsgleisbremsen und Förderanlagen an den
Rangierbahnhöfen?
b) Wie viel Prozent der im vergangenen Jahr überprüften Talbremsen
wiesen nach Kenntnis der Bundesregierung mindestens einen Defekt
auf?
c) Wie viel Prozent der im vergangenen Jahr überprüften
Richtungsgleisbremsen wiesen nach Kenntnis der Bundesregierung mindestens einen
Defekt auf?
d) Wie viel Prozent der im vergangenen Jahr überprüften
Wagenförderanlagen wiesen nach Kenntnis der Bundesregierung mindestens einen
Defekt auf?
Die Fragen 2 bis 2d werden gemeinsam beantwortet.
Nach Auskunft der DB AG werden Anlagen des Einzelwagenverkehrs nach
ihrer betrieblichen Bedeutung in Rangierbahnhöfe (Zugbildung im Fernbereich),
Knotenbahnhöfe (Zugbildung im Nahbereich) und Satelliten (Gleisanschlüsse,
Ladestraßen, Laderampen) unterschieden.
Nach Auskunft der DB AG sind neun Rangierbahnhöfe mit 13
Zugbildungsanlagen (Ablaufbergen) vorhanden. Die Rangierbahnhöfe Maschen, Gremberg,
Seelze und Mannheim besitzen jeweils zwei Zugbildungsanlagen für die
gegensätzlichen Verkehrsrichtungen.
In den Rangierbahnhöfen sind 72 Berg- und Talbremsen, 499
Richtungsgleisbremsen und 359 Förderanlagen im Einsatz. Diese werden als
rangiertechnische Einrichtungen bezeichnet.
Das durchschnittliche Alter betrug Ende des Jahres 2020:
– Berg- und Talbremsen: 12 Jahre
– Richtungsgleisbremsen: 14 Jahre
– Förderanlagen: 13 Jahre
Rangiertechnische Einrichtungen werden regelmäßig überprüft und gewartet.
Neben dieser planbaren Instandsetzung können im laufenden Betrieb Störungen
auftreten, die einer unmittelbaren Entstörung bedürfen. Im Jahre 2020 trat
mindestens eine Störung an 54 Prozent aller Berg-/Talbremsen, 17 Prozent aller
Richtungsgleisbremsen und 54 Prozent aller Förderanlagen auf.
3. An welchen Rangierbahnhöfen erfolgt das Bremsen auf Richtungsgleisen
noch durch Auflegen eines Hemmschuhes?
Gibt es bereits automatisierte Alternativen zum Auflegen eines
Hemmschuhes?
Wenn ja, welche, und wie lautet der aktuelle Stand?
Nach Auskunft der DB AG werden in den Zugbildungsanlagen der
Rangierbahnhöfe die Güterwagen im Ablaufbetrieb automatisiert durch Gleisbremsen
abgebremst. In den Knotenbahnhöfen und Satelliten erfolgt, sofern
Ablaufbetrieb stattfindet, das Abbremsen der Güterwagen durch das Auflegen eines
Hemmschuhs. Nur in den Knotenbahnhöfen Rostock-Seehafen, Seddin Süd
und Senftenberg erfolgt das Abbremsen ausschließlich durch Gleisbremsen.
Aktuell gibt es bei der DB AG keine Anlagen zum automatisierten Auflegen
des Hemmschuhs. Die Automatisierung des Hemmschuhauflegens hat sich
nach Auskunft der DB AG als nicht zielführend erwiesen. Gleisbremsen, deren
Bremswirkung elektrisch oder mechanisch stufenlos und auch noch während
des Bremsvorgangs geregelt werden können, haben sich als Stand der Technik
durchgesetzt.
4. Wie hoch ist die prozentuale Auslastung der Richtungsgleise in
Deutschland nach Kenntnis der Bundesregierung (bitte nach Rangierbahnhof
aufschlüsseln)?
Die Aufstellung der DB AG zeigt die Auslastung der Rangierbahnhöfe mit
Ablauftechnik und Richtungsgleisen. Ist ein Gleis ganzjährig durch ein
Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) angemietet, beträgt die Auslastung 100 Prozent.
Die tatsächliche Auslastung, also die Intensität der Gleisnutzung durch das
EVU, wird durch DB Netz AG nicht erfasst.
Rangier-/Knotenbahnhof Anzahl Richtungsgleise Belegung
Richtungsgleise der
Netzfahrplanperiode 2020/2021
in Prozent
Gremberg 111 100,00
Hagen-Vorhalle 64 98,44
Halle Nord 43 100,00
Heilbronn Gbf 22 100,00
Ingolstadt Hbf 28 99,96
Kassel Rbf 18 100,00
Kassel-Bettenhausen 9 77,87
Koblenz-Lützel 12 98,11
Köln-Kalk Nord 58 95,61
Kornwestheim Rbf 85 100,00
Kreuztal 24 86,52
Limburg (Lahn) 14 98,16
Mainz-Bischofsheim 26 99,29
Mannheim Rbf 134 95,77
Maschen Rbf 105 100,00
Mühldorf (Oberbay) 16 100,00
München Nord Rbf 62 100,00
Nürnberg Rbf 104 100,00
Oberhausen West 19 99,98
Oberhausen-Osterfeld Süd 65 86,29
Osnabrück Hbf 31 100,00
Rostock Seehafen 51 65,95
Schwerte (Ruhr) 19 100,00
Seddin 40 100,00
Seddin Süd 20 95,00
Seelze Rbf 54 100,00
Senftenberg 18 94,44
Wanne-Eickel Hbf 38 100,00
Gesamtergebnis 1290 96,64
Quelle: DB AG
5. Welche Maßnahmen zur Digitalisierung von Rangierbahnhöfen werden
bis 2025 ergriffen?
a) Wie lautet der aktuelle Stand zur automatisierten Prüfung der
Wagenreihung?
Sind bereits erste Probeläufe unternommen worden?
Wenn ja, welche Erkenntnisse liegen vor?
Wenn nein, warum nicht?
b) Wie lautet der aktuelle Stand zur automatisierten Bremsprobe?
Wie viel Prozent der Rangiergleise verfügen über eine automatisierte
Bremsprobe (bitte nach Rangierbahnhof aufschlüsseln)?
c) Wie lautet der aktuelle Stand zum automatischen Rangieren und
vollautomatischen Rangierloks?
d) Bis wann soll die Auswertung des „Testfelds Zugbildungsanlage der
Zukunft“ in München-Nord zur Erprobung von automatisierten und
digitalisierten Rangier- und Bremsvorgänge vorliegen, und mit
welcher Begründung wurde der Standort in München als Testfeld
ausgewählt?
e) Bis wann ist der flächendeckende Einsatz von automatisierten und
digitalisierten Rangier- und Bremsvorgängen zu erwarten?
f) Wie lautet der aktuelle Stand zum Einsatz von Entkupplungsrobotern?
g) Wie lautet der aktuelle Stand zur automatisierten Wagenuntersuchung
mittels Video Analytics?
Die Fragen 5 bis 5g werden gemeinsam beantwortet.
Nach Auskunft der DB AG ist die automatisierte Prüfung der Wagenreihung
mittels radiofrequency identification (RFID) eine erprobte und reife
Technologie. Bei der DB Cargo AG sind 60 680 Wagen (Stand 31. Januar 2021)
ausgestattet, das entspricht 94 Prozent der geplanten Ausrüstungen.
Bei der Automatisierung der Bremsprobe werden nicht Gleise ausgerüstet,
sondern Güterwagen. Mittels Sensorik am Güterwagen werden Zustände erfasst,
die eine Auskunft über die Funktionsfähigkeit der Bremse ermöglichen. Es gibt
in Europa vier Anbieter, mit denen aktuell die Durchführung von
Pilotversuchen in diesem Jahr vorbereitet wird.
Technologien für vollautomatisierte Rangierloks stehen seitens der Industrie
nicht marktreif zur Verfügung. Die DB Cargo AG treibt den
Entwicklungsprozess gemeinsam mit Herstellern voran. Unter Federführung von DB Cargo AG
wurde ein Projekt zur Entwicklung und Erprobung des automatisierten
Rangierens im Rangierbahnhof München Nord gestartet. Das Projekt wird vom
Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) im Rahmen
des Programms „Zukunft Schienengüterverkehr“ gefördert. Bis Ende des Jahres
2024 soll eine einsatzreife Abdrücklokomotive mit Vorbereitung aller nötigen
Zulassungen erprobt sein.
Die auf dem Testfeld „Zugbildungsanlage der Zukunft“ zu erprobenden
Projekte haben unterschiedliche Ziele und Zeithorizonte. Sobald Ergebnisse verfügbar
sind, werden diese zeitnah in Abstimmung mit den Projektpartnern und dem
Förderträger veröffentlicht. Der Standort München wurde für das digitale
Testfeld „Zugbildungsanlage der Zukunft“ ausgewählt, da er sich aufgrund der
Betriebsgröße, Lage und Nähe zu Herstellern und Universitäten, einer einfachen
Topologie, einem modernen Ablauf und einem modernen elektronischen
Stellwerk am besten eignet.
Automatisierte Bremsvorgänge in Ablaufanlagen sind in allen großen
Rangierbahnhöfen eingeführt. Diese werden Schritt für Schritt mit modernsten
Technologien durch die DB Netz AG erneuert. Um die weiteren Rangierprozesse zu
automatisieren, sind Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen erforderlich,
die auch mit Fördermitteln des BMVI angestoßen werden. Die Entwicklung
und Zulassung der Technologien vorausgesetzt, könnte ab 2024 mit dem
Ausrollen begonnen werden. Das zentrale Element für automatisiertes Rangieren ist
die Digitale Automatische Kupplung (DAK). Bis 2030 soll hier eine
europaweite Migration abgeschlossen sein. Die Schraubenkupplung soll durch die
DAK ersetzt werden.
Güterwagen durchfahren sog. Kameratore, in denen sie von den Seiten
fotografiert werden. Auf Basis dieser Bilder werden Wagenbefundungen und
Instandhaltungsbeauftragungen digital durchgeführt. Zukünftig werden mit dem
Projekt Automatisierte Schaderkennung an Güterwagen (ASaG) Algorithmen zur
Zustands-/Schadenerkennung unter Einbindung künstlicher Intelligenz
entwickelt und validiert. Das Förderprojekt ASaG, welches mit Projektpartnern aus
der Industrie und der Wissenschaft durchgeführt wird, läuft bereits im Rahmen
des Bundesprogramms „Zukunft Schienengüterverkehr“ des BMVI.
6. Wie lautet der aktuelle Stand zur Einführung der digitalen automatischen
Kupplung (kurz: DAK)?
a) Wurden bereits Testdurchläufe mit dem Wagenmaterial der DB Cargo
AG unternommen?
Wenn ja, wie sind diese verlaufen?
Wenn nein, warum nicht?
b) Besteht ein Zeitrahmen für die bundesweite Einführung, und wenn ja,
wie lautet der Zeitplan?
c) Mit welcher Übergangszeit und welchen Herausforderungen während
dieser Übergangszeit bis zur vollständigen Umrüstung auf DAKs
rechnet die Deutsche Bahn AG bzw. die Bundesregierung?
d) Bestehen nach Kenntnis der Bundesregierung Absprachen auf EU-
Ebene für eine EU-weite Einführung von DAKs, und wenn ja, wie
lauten diese Absprachen?
e) Welches Investitionsvolumen ist geplant, um das Wagenmaterial der
DB Cargo AG mit der DAK auszustatten?
f) Welche finanziellen Anreize werden für private
Eisenbahnverkehrsunternehmen gesetzt, auf die DAK nach Kenntnis der Bundesregierung
umzustellen?
g) Welche zeitlichen Einsparungen ergeben sich pro abgefertigten
Güterwagen durch die DAK gegenüber der Abfertigung durch den Kuppler?
h) Wie viele Kuppler werden in den nächsten zehn Jahren nach Kenntnis
der Bundesregierung in den altersbedingten Ruhestand eintreten (bitte
nach Jahren aufschlüsseln)?
i) Wie viele Arbeitsplätze für Kuppler können nach Kenntnis der
Bundesregierung durch die Einführung der DAK bei 10 Prozent, 20
Prozent und 30 Prozent des Wagenmaterials rationalisiert werden?
Die Fragen 6 bis 6i werden gemeinsam beantwortet.
Zur Erprobung verschiedener möglicher Kupplungstypen einer DAK wurde
vom BMVI das Projekt „DAK-Demonstrator“ beauftragt, in dem die DB AG
und die DB Cargo AG mit den Partnern SBB Cargo AG, Rail Cargo Austria
AG, VTG Rail Europe GmbH, GATX Rail Germany GmbH, Ermewa SA im
gemeinsamen Konsortium „DAC4EU“ bis Ende 2022 ein vereinbartes
Testprogramm absolvieren.
Aktuell werden durch umfangreiche Testprogramme in Görlitz und Minden
vier verschiedene Kupplungstypen geprüft, wobei eine technisch begründete
Auswahl an Güterwagentypen zum Einsatz kommt. Es wird auf die im Internet
veröffentlichten Informationen verwiesen (abrufbar unter
www.dac4.eu/). Die
Tests der einzelnen Kupplungen sollen zum Sommer 2021 abgeschlossen
werden. Nach Bewertung der Tests und Auswahl eines Kupplungstyps durch das
European DAC Delivery Programme (EDDP) ist im Projekt der Aufbau eines
Demonstratorzugs geplant, mit dem ein weiteres umfassendes und
grenzüberschreitendes Testprogramm vorgesehen ist.
Die Einführung der DAK muss wegen des vielfach grenzüberschreitenden
Verkehrs europaweit einheitlich erfolgen. Ein Migrationsplan kann nur europäisch
entwickelt werden. Dazu hat die Europäische Kommission, Generaldirektion
Verkehr und Mobilität, das Programm EDDP aufgesetzt. Es wird auf die im
Internet veröffentlichten Informationen verwiesen (abrufbar unter
https://shift2rai
l.org/european-dac-delivery-programme/). Unter breiter Beteiligung des
Sektors wird in dem Programm die Migration zur DAK hinsichtlich technischer
und wirtschaftlicher Aspekte vorbereitet. Das EDDP hat sich die Einführung
der DAK bis 2030 zum Ziel gesetzt.
Die Einführung der DAK erfordert eine mehrjährige Übergangsphase, in der
die herkömmliche Schraubenkupplung und die DAK parallel betrieben werden
müssen. Wie lange diese Übergangsphase dauert, wird wesentlich von
realisierbaren Finanzierungsmodellen und Produktions-/Umrüstkapazitäten abhängen.
Dafür werden im Rahmen des EDDP in Arbeitspaketen verschiedene Szenarien
mit breiter internationaler Beteiligung diskutiert. Die Entwicklung und
Entscheidung zugunsten eines Einführungsszenarios dauert an.
Gemäß der im September 2020 in Berlin unterzeichneten Erklärung im
Rahmen der Deutschen Ratspräsidentschaft zur Zukunft des SGV in Europa zählt
die DAK für die Vertreter der EU-Mitgliedstaaten zu den Hauptprioritäten. Es
ist beabsichtigt, sich „bis 2022 auf eine gesamteuropäische Strategie zu
einigen, die gemeinsame Normen sowie die Aufteilung etwaiger Lasten vorsieht.“
Die Europäische Kommission hat sich mit der im Dezember 2020
veröffentlichten Strategie für nachhaltige und intelligente Mobilität zur Förderung des
SGV bekannt.
Im Rahmen des European DAC Delivery Programme wird die Migration zur
DAK im Sektor vorbereitet. Dort fließen auch die Ergebnisse aus nationalen
Untersuchungen wie die durch das BMVI geförderte DAK-Migrationsstudie
und das BMVI-Projekt DAC4EU ein.
Die DB Cargo AG geht von einem erforderlichen Investitionsvolumen von ca.
1,5 Mrd. Euro für die gesamte europäische Flotte von DB Cargo AG aus. Die
Bundesregierung setzt sich innerhalb der Europäischen Union für ein
europäisches Förderprogramm ein, das die finanziellen Aktivitäten des SGV-Sektors
bei der europaweiten Migration der DAK unterstützen soll.
Untersuchungen zeigen, dass bei der Abfertigung eines durchschnittlichen
Zuges im Einzelwagenverkehr durch die Einführung der DAK bis zu 100 Minuten
gespart werden können.
Es werden keine Mitarbeiter beschäftigt die ausschließlich Kupplungen
vornehmen. Es wurden Rangierer und Rangierbegleiter, die den überwiegenden Teil
dieser Arbeiten erledigen, angesetzt. Es wurde ein Renteneintrittsalter von
65 Jahren unterstellt.
Jahr 2021 2022 2023 2024 2025 2026 2027 2028 2029 2030 Summe
Renteneintritte 30 44 44 39 52 44 37 35 52 0 377
Quelle: DB AG
Die DAK zielt mit ihren Strom- und Datenleitungen vor allem auf eine deutlich
über die mechanische Verbindung hinausgehende Digitalisierung und
Automatisierung des Schienengüterverkehrs, nicht jedoch auf einen Stellenabbau.
7. Wird das Vorprojekt für das Rail Freight Data Hub wie geplant Ende 2020
abgeschlossen sein, und wenn nicht, wann wird mit dem Abschluss des
Vorprojekts gerechnet?
a) Liegen bereits erste Ergebnisse und Erkenntnisse des Vorprojekts vor,
und wie lauten diese?
b) Wann soll mit dem Kernprojekt gestartet werden, und wie lautet der
weitere Zeitplan für dieses Projekt?
c) Mit welchen Kosten wird für das Kernprojekt gerechnet, und wie
setzen sich die Nutzungsgebühren zusammen, mit denen die weitere
Finanzierung gesichert werden soll?
d) Wie soll sichergestellt werden, dass das Rail Freight Data Hub allen
Unternehmen der Branche offensteht?
Die Fragen 7 bis 7d werden gemeinsam beantwortet.
Das Projekt „Rail Freight Data Hub (RFDH)“ ist ein Vorhaben des Verbands
Deutscher Verkehrsunternehmen. Die Bundesregierung hat im Rahmen des
mFUND eine Vorstudie für den RFDH anteilig gefördert. Die geförderten
Arbeiten zum Projekt RFDH wurden Ende 2020 fristgerecht abgeschlossen. Der
Entwurf des Abschlussberichts liegt zur zuwendungsrechtlichen Prüfung im
BMVI vor. Berichte aller formal abgeschlossenen mFUND-Förderprojekte
werden auf der Webseite der TIB veröffentlicht (abrufbar unter:
www.tib.eu/de/).
Die Entscheidung über die Bereitstellung fachlicher Vorabinformationen liegt
beim Fördernehmer INFRA Dialog Deutschland GmbH. Es wird auf die im
Internet veröffentlichten Informationen auf der Webseite des BMVI verwiesen
(abrufbar unter:
www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Artikel/DG/mfund-projekte/rfd
h.html).
Dem BMVI liegt kein Antrag für ein mögliches Folgeprojekt vor.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]