[Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Ulla Jelpke, Petra Pau, Dr. André Hahn,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 19/26642 –
Antiziganistische Straftaten im Jahr 2020
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Sinti und Roma erfahren in Deutschland immer noch in allen Bereichen des
gesellschaftlichen Lebens Hass, Ausgrenzung, Diskriminierung und
Benachteiligung. Zu strukturellen und institutionellen Ausprägungen des
Antiziganismus kommen Straf- und Gewalttaten mit gezielt antiziganistischer Motivation
hinzu. Diese werden seit 2017 auch als eigenes Unterthema im
Kriminalpolizeilichen Meldedienst zur Politisch motivierten Kriminalität (PMK)
erfasst. Seit Beginn der Erfassung ist die statistisch ausgewiesene Zahl
antiziganistischer Straftaten kontinuierlich gestiegen (vgl. Bundestagsdrucksachen
19/19339 und 19/8343), für das Jahr 2019 wurde sie mit 78 angegeben.
Erstmals wurden im Jahr 2019 auch zwei (versuchte) Tötungsdelikte erfasst.
Nach Kenntnis der Fragestellerinnen und Fragesteller gehen zahlreiche
Selbstorganisationen von Sinti und Roma davon aus, dass die tatsächliche Zahl
solcher Straftaten weit höher liegt. Neben dem Umstand, dass die Erfassung an
sich ein relatives Novum darstellt, was gerade in der Anfangsphase eine
lückenhafte Erfassung mit sich bringen dürfte, ist hier auch die Frage der
Sensibilisierung von Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten anzusprechen. Die
Fragestellerinnen und Fragesteller sind der Ansicht, dass die diesbezüglichen
Maßnahmen etwa der Bundespolizei ungenügend sind. Sensibilisierungen für
Fragen von Rassismus oder Antiziganismus scheinen ihnen eher unter „ferner
liefen“ durchgeführt zu werden; ohnehin ist fraglich, inwiefern eine einmalige
Schulung tatsächlich zu einer Änderung in der Organisationskultur führen
kann – hier muss darauf verwiesen werden, dass die Polizei selbst eine lange
antiziganistische Tradition aufweist (die Fragestellerinnen und Fragesteller
verweisen hierzu beispielhaft auf die Arbeiten von Markus End).
Einen Beleg für die nach wie vor unzureichende Sensibilisierung im Bereich
der Bundespolizei sehen die Fragestellerinnen und Fragesteller unter anderem
in der Antwort der Bundesregierung zu Frage 10 auf Bundestagsdrucksache
19/19339. Hier beantwortet die Bundesregierung die Frage, welche
Anstrengungen die Sicherheitsbehörden in Bezug auf Antiziganismus unternehmen,
unter anderem damit, dass Polizeitrainer „regelmäßig im Einsatz- und
Situationstraining auf den Umgang mit Personen aus fremden Kulturkreisen“
eingingen. Sinti und Roma sind bereits vor über 600 Jahren nach Deutschland
gekommen. Wer sie als „Personen aus fremden Kulturkreisen“ bezeichnet und
Deutscher Bundestag Drucksache 19/26932
19. Wahlperiode 24.02.2021
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat
vom 24. Februar 2021 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
glaubt, damit das Phänomen Antiziganismus zu erfassen, dokumentiert damit
aus Sicht der Fragestellerinnen und Fragesteller lediglich den eigenen
Sensibilisierungsbedarf.
V o r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
Im Hinblick auf die in der vorliegenden Kleinen Anfrage thematisierten Zahlen
der antiziganistischen Straftaten des Jahres 2020 weist die Bundesregierung
darauf hin, dass die Jahresfallzahlen der politisch motivierten Kriminalität des
vergangenen Jahres derzeit im Rahmen der Qualitätssicherungsmaßnahmen
zwischen Bund und Ländern abgestimmt werden. Bei den in den Antworten
genannten Zahlen für das Jahr 2020 handelt es sich dementsprechend um
vorläufige Fallzahlen, die durch Nach- und Änderungsmeldungen noch deutlichen
Veränderungen unterliegen können.
Unter deutschem Vorsitz hat die Internationale Allianz für Holocaust-Gedenken
(International Holocaust Remembrance Alliance – IHRA) eine nicht
rechtsverbindliche Definition von Antiziganismus angenommen (
https://ihra2020.dipl
o.de/ihra-de/-/2403766).
Die Definition erleichtert die Arbeit z. B. der Strafverfolgungsbehörden beim
Erkennen von Antiziganismus und kann auch in der Bildungsarbeit verwendet
werden, um dafür zu sensibilisieren.
1. Welche Nachmeldungen hat es zu antiziganistischen Straftaten im Jahr
2019 gegeben (bitte die zugehörige Auflistung aus der Antwort auf
Bundestagsdrucksache 19/19339 entsprechend ergänzen und hierbei auch die
Ausführungen in der Spalte „Anzahl Tatverdächtige“ aktualisieren)?
Ein automatisierter Abgleich der Datenbestände der Jahresfallzahlen des Jahres
2019 mit einer heutigen Stichtagsabfrage ist in der Fallzahlenanwendung
Lagebild Auswertung politisch motivierte Straftaten (LAPOS) des
Bundeskriminalamtes (BKA) nicht möglich.
Die folgenden Tabellen zeigen den aktuellen Datenbestand (Stand: 12. Februar
2021) der antiziganistischen Straftaten des Jahres 2019. Auf die Vorbemerkung
der Bundesregierung im Hinblick auf die Vorläufigkeit der Zahlen für 2020
wird verwiesen.
Tabelle 1: Antiziganistische Straftaten im Jahr 2019, Stand: 12. Februar 2021
Nr. Tatzeit Tatort Delikt Phänomen-bereich
Tatverdächtige
1 01.01.2019 Rastatt Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 1
2 02.01.2019 Berlin Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 0
3 02.01.2019 Neunkirchen Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 1
4 10.01.2019 Kleve Beleidigung § 185 StGB Rechts 1
5 21.01.2019 Berlin Verwenden von Kennzeichen verfassungs-widriger Organisationen § 86a StGB Rechts 0
6 27.01.2019 Düsseldorf Verwenden von Kennzeichen verfassungs-widriger Organisationen § 86a StGB Rechts 0
7 30.01.2019 Wesselburen Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 0
8 01.03.2019 Halle Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 0
9 01.03.2019 Karlsruhe Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 1
10 04.03.2019 Frankfurt Beleidigung § 185 StGB Rechts 1
11 05.03.2019 Thannhausen Beleidigung § 185 StGB Rechts 1
12 06.03.2019 Vaihingen Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 2
Nr. Tatzeit Tatort Delikt Phänomen-bereich
Tatverdächtige
13 13.03.2019 Bonn Beleidigung § 185 StGB Rechts 0
14 27.03.2019 Ronnenberg Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 0
15 30.03.2019 Berlin Totschlag § 212 StGB Rechts 1
16 03.04.2019 Leezen Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 0
17 08.04.2019 Hoppegarten Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 1
18 14.04.2019 Schwandorf Verwenden von Kennzeichen verfassungs-widriger Organisationen § 86a StGB Rechts 0
19 18.04.2019 Berlin Beleidigung § 185 StGB Rechts 0
20 18.04.2019 Worms Beleidigung § 185 StGB Rechts 0
21 20.04.2019 Vilshofen Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 1
22 22.04.2019 Königs Wus-terhausen Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 1
23 23.04.2019 Berlin Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 0
24 25.04.2019 Berlin Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 1
25 27.04.2019 Salzatal Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 1
26 04.05.2019 Fuldatal Beleidigung § 185 StGB Rechts 1
27 06.05.2019 Halle Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 1
28 10.05.2019 Berlin Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 1
29 17.05.2019 Ohmbach Verwenden von Kennzeichen verfassungs-widriger Organisationen § 86a StGB Rechts 0
30 24.05.2019 Siedenburg Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 0
31 24.05.2019 Erbach Mord § 211 StGB Rechts 8
32 27.05.2019 Dorsten Verwenden von Kennzeichen verfassungs-widriger Organisationen § 86a StGB Rechts 0
33 30.05.2019 Langelsheim Beleidigung § 185 StGB Rechts 1
34 04.06.2019 Leer Verwenden von Kennzeichen verfassungs-widriger Organisationen § 86a StGB Rechts 0
35 06.06.2019 Berlin Beleidigung § 185 StGB Rechts 1
36 06.06.2019 Blankenburg Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 1
37 12.06.2019 Stolberg Sachbeschädigung § 303 StGB Rechts 0
38 14.06.2019 Berlin Bedrohung § 241 StGB Ausländische Ideologie 1
39 14.06.2019 Berlin Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 0
40 16.06.2019 Cunewalde Beleidigung § 185 StGB Rechts 1
41 27.06.2019 Berlin Beleidigung § 185 StGB Rechts 0
42 28.06.2019 Hemsbach Beleidigung § 185 StGB Nichtzuzuordnen 1
43 29.06.2019 Kassel Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 0
44 01.07.2019 Oschatz Verleumdung § 187 StGB Rechts 1
45 02.07.2019 Luckau Beleidigung § 185 StGB Rechts 2
46 02.07.2019 Fürth Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 1
47 04.07.2019 Limburg Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 0
48 08.07.2019 Darmstadt Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 0
49 08.07.2019 Schwetzingen Verwenden von Kennzeichen verfassungs-widriger Organisationen § 86a StGB Rechts 0
50 09.07.2019 Berlin Beleidigung § 185 StGB Rechts 0
51 09.07.2019 Krefeld Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 1
52 13.07.2019 Berlin Gemeinschädliche Sachbeschädigung § 304 StGB Rechts 0
53 17.07.2019 Zeitz Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 1
54 18.07.2019 Düsseldorf Körperverletzung § 223 StGB Rechts 1
55 19.07.2019 Hagen Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 1
56 20.07.2019 Templin Körperverletzung § 223 StGB Rechts 1
Nr. Tatzeit Tatort Delikt Phänomen-bereich
Tatverdächtige
57 22.07.2019 Oschatz Beleidigung § 185 StGB Rechts 1
58 25.07.2019 Berlin Verunglimpfung des Andenkens Verstorbe-ner § 189 StGB Rechts 0
59 27.07.2019 Ludwigsha-fen Beleidigung § 185 StGB Rechts 1
60 28.07.2019 Berlin Verwenden von Kennzeichen verfassungs-widriger Organisationen § 86a StGB Rechts 1
61 29.07.2019 Schwalbach Körperverletzung § 223 StGB Rechts 1
62 02.08.2019 Berlin Erpressung § 253 StGB Rechts 0
63 02.08.2019 Berlin Verwenden von Kennzeichen verfassungs-widriger Organisationen § 86a StGB Rechts 0
64 08.08.2019 Hamburg Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 1
65 09.08.2019 Berlin Körperverletzung § 223 StGB Ausländische Ideologie 0
66 16.08.2019 Freyburg Verwenden von Kennzeichen verfassungs-widriger Organisationen § 86a StGB Rechts 1
67 23.08.2019 Merseburg Gemeinschädliche Sachbeschädigung § 304 StGB Rechts 1
68 26.08.2019 Amberg Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 1
69 05.09.2019 Erfurt Gemeinschädliche Sachbeschädigung § 304 StGB Rechts 0
70 06.09.2019 Hagen Beleidigung § 185 StGB Rechts 1
71 27.09.2019 Marl Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte § 113 StGB Rechts 1
72 03.10.2019 Berlin Beleidigung § 185 StGB Rechts 1
73 07.10.2019 Leiferde Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 1
74 14.10.2019 Berlin Körperverletzung § 223 StGB Rechts 1
75 14.10.2019 Memmingen Beleidigung § 185 StGB Rechts 1
76 15.10.2019 Berlin Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 1
77 22.11.2019 Berlin Beleidigung § 185 StGB Ausländische Ideologie 0
78 06.12.2019 Remscheid Körperverletzung § 223 StGB Nichtzuzuordnen 2
79 14.12.2019 Halle Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 0
80 30.12.2019 Saarbrücken Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 0
81 31.12.2019 Hannover Verwenden von Kennzeichen verfassungs-widriger Organisationen § 86a StGB Rechts 1
2. Wie viele und welche antiziganistischen Straftaten wurden in
Deutschland im Jahr 2020 bekannt, und wie gliedern sich diese nach PMK-
Phänomenbereichen auf (bitte vollständig angeben und von jedem Fall
kurz die Umstände der Tat, den Straftatbestand, den Tatort mit Ortschaft
und das Datum darstellen)?
Die antiziganistischen Straftaten zum Stichtag 12. Februar 2021 finden sich in
der folgenden Tabelle. Eine automatisierte Darstellung der Umstände der Tat
bzw. eine skizzenhafte Beschreibung des Tathergangs sind nicht möglich. In
Bezug auf die Vorläufigkeit der Fallzahlen wird auf die Vorbemerkung der
Bundesregierung verwiesen.
Tabelle 2: Antiziganistische Straftaten im Jahr 2020, Stand: 12. Februar 2021
Nr. Tatzeit Tatort Delikt Phänomen-bereich Tatverdächtige
1 02.01.2020 Berlin Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 0
2 08.01.2020 Leutkirch Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 0
3 29.01.2020 Langenwetzen-dorf Beleidigung § 185 StGB Rechts 1
4 31.01.2020 Annweiler Beleidigung § 185 StGB Rechts 1
5 02.02.2020 Schwalbach Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 1
6 03.02.2020 Gerolstein Beleidigung § 185 StGB Rechts 1
7 06.02.2020 Uslar Beleidigung § 185 StGB Rechts 1
8 06.02.2020 Straußfurt Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 1
9 07.02.2020 Blumberg Beleidigung § 185 StGB Rechts 1
10 19.02.2020 Berlin Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 1
11 26.02.2020 Mönchenglad-bach Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 1
12 29.02.2020 Bremen Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 0
13 29.02.2020 Nidda Beleidigung § 185 StGB Rechts 0
14 29.02.2020 Hochdorf Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 1
15 17.03.2020 Soltau
Verwenden von Kennzeichen
verfassungswidriger
Organisationen § 86a StGB
Rechts 1
16 19.03.2020 Ichenhausen Beleidigung § 185 StGB Rechts 1
17 28.03.2020 Merseburg Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 1
18 04.04.2020 Berlin Beleidigung § 185 StGB Rechts 1
19 06.04.2020 Herne Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 0
20 08.04.2020 Finsterwalde Anleitung zu Straftaten § 130a StGB Rechts 1
21 09.04.2020 Berlin Gefährliche Körperverlet-zung § 224 StGB Rechts 0
22 13.04.2020 Berlin Gefährliche Körperverlet-zung § 224 StGB Rechts 0
23 14.04.2020 Berlin Beleidigung § 185 StGB Rechts 1
24 22.04.2020 Altenkirchen Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 1
25 24.04.2020 Berlin Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 1
26 25.04.2020 Stuttgart Beleidigung § 185 StGB Rechts 1
27 06.05.2020 Emden Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 1
28 07.05.2020 Kaiserslautern Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 1
29 08.05.2020 Grünstadt Beleidigung § 185 StGB Rechts 1
30 10.05.2020 Ludwigshafen Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 1
31 10.05.2020 Ellzee Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 0
32 13.05.2020 Wuppertal Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 0
33 14.05.2020 Leutkirch Körperverletzung § 223 StGB Rechts 0
34 20.05.2020 Elmshorn Beleidigung § 185 StGB Rechts 2
35 21.05.2020 Borna Beleidigung § 185 StGB Rechts 1
36 28.05.2020 Saarlouis Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 1
37 28.05.2020 Karlsruhe Gefährliche Körperverlet-zung § 224 StGB Rechts 1
38 07.06.2020 Neuendettelsau Volksverhetzung § 130 StGB Nichtzuzuordnen 1
39 08.06.2020 Salzgitter
Verwenden von Kennzeichen
verfassungswidriger
Organisationen § 86a StGB
Rechts 1
Nr. Tatzeit Tatort Delikt Phänomen-bereich Tatverdächtige
40 09.06.2020 Esens Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 2
41 13.06.2020 Leer Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 1
42 13.06.2020 Mannheim Beleidigung § 185 StGB Rechts 1
43 17.06.2020 Velbert Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 0
44 17.06.2020 Grünstadt Beleidigung § 185 StGB Rechts 1
45 19.06.2020 Gifhorn Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 1
46 22.06.2020 Cottbus Beleidigung § 185 StGB Rechts 1
47 22.06.2020 Hildesheim Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 0
48 22.06.2020 Reutlingen Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 0
49 23.06.2020 Erftstadt Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 1
50 26.06.2020 München Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 0
51 01.07.2020 Bremen Beleidigung § 185 StGB Rechts 0
52 02.07.2020 Gelsenkirchen Volksverhetzung § 130 StGB Nichtzuzuordnen 1
53 03.07.2020 Schmalkalden Gefährliche Eingriffe in den Straßenverkehr § 315b StGB Rechts 1
54 04.07.2020 Oberhausen Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 1
55 06.07.2020 Mülheim Volksverhetzung § 130 StGB Ausländische Ideologie 1
56 08.07.2020 Schmalkalden Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 1
57 13.07.2020 Sassnitz Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 1
58 13.07.2020 Empfingen Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 0
59 14.07.2020 Düsseldorf Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 1
60 15.07.2020 Mainz Bedrohung § 241 StGB Rechts 1
61 16.07.2020 Delmenhorst
Verwenden von Kennzeichen
verfassungswidriger
Organisationen § 86a StGB
Rechts 0
62 17.07.2020 Wesselburen Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 0
63 20.07.2020 Hannover
Störung des öffentlichen
Friedens durch Androhung
von Straftaten § 126 StGB
Rechts 1
64 22.07.2020 Markdorf Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 1
65 26.07.2020 Mülheim Gefährliche Körperverlet-zung § 224 StGB Rechts 1
66 28.07.2020 Neuss Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 0
67 28.07.2020 Konstanz Beleidigung § 185 StGB Rechts 1
68 30.07.2020 Rödermark Beleidigung § 185 StGB Nichtzuzuordnen 1
69 02.08.2020 Ludwigshafen Beleidigung § 185 StGB Rechts 1
70 04.08.2020 Straubing
Verwenden von Kennzeichen
verfassungswidriger
Organisationen § 86a StGB
Rechts 1
71 08.08.2020 Haßloch Beleidigung § 185 StGB Rechts 1
72 10.08.2020 Halle Körperverletzung § 223 StGB Rechts 1
73 11.08.2020 Nackenheim Beleidigung § 185 StGB Rechts 1
74 11.08.2020 Dachau Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 0
75 15.08.2020 Wadern Bedrohung § 241 StGB Rechts 3
76 16.08.2020 Neustadt Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 1
77 26.08.2020 Halle Beleidigung § 185 StGB Rechts 1
78 26.08.2020 Frankfurt Beleidigung § 185 StGB Rechts 1
79 28.08.2020 Durmersheim Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 1
Nr. Tatzeit Tatort Delikt Phänomen-bereich Tatverdächtige
80 29.08.2020 München Volksverhetzung § 130 StGB Ausländische Ideologie 1
81 02.09.2020 Altenkirchen Bedrohung § 241 StGB Rechts 2
82 15.09.2020 Hamburg Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 0
83 20.09.2020 Waltrop Bedrohung § 241 StGB Rechts 0
84 21.09.2020 Kieve Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 1
85 22.09.2020 Berlin Beleidigung § 185 StGB Rechts 1
86 22.09.2020 Oldenburg Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 1
87 27.09.2020 Espelkamp Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 1
88 04.10.2020 Stutensee Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 1
89 07.10.2020 Berlin Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 0
90 07.10.2020 Berlin Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 0
91 10.10.2020 Plettenberg Beleidigung § 185 StGB Nichtzuzuordnen 1
92 14.10.2020 Krugsdorf Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 0
93 14.10.2020 Dorsten
Verwenden von Kennzeichen
verfassungswidriger
Organisationen § 86a StGB
Rechts 0
94 17.10.2020 Eckernförde Sachbeschädigung § 303 StGB Rechts 0
95 17.10.2020 Daun Beleidigung § 185 StGB Rechts 0
96 19.10.2020 Berlin Gefährliche Körperverlet-zung § 224 StGB Rechts 1
97 19.10.2020 Neunkirchen
Störung des öffentlichen
Friedens durch Androhung
von Straftaten § 126 StGB
Rechts 1
98 20.10.2020 Schönau
Störung des öffentlichen
Friedens durch Androhung
von Straftaten § 126 StGB
Nicht
zuzuordnen 1
99 22.10.2020 Mainz Gefährliche Körperverlet-zung § 224 StGB
Ausländische
Ideologie 3
100 24.10.2020 Frankfurt Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 1
101 26.10.2020 München Beleidigung § 185 StGB Nichtzuzuordnen 1
102 01.11.2020 Berlin Beleidigung § 185 StGB Rechts 1
103 01.11.2020 Daun Beleidigung § 185 StGB Rechts 0
104 02.11.2020 Berlin Beleidigung § 185 StGB Rechts 0
105 05.11.2020 Berlin Beleidigung § 185 StGB Rechts 0
106 05.11.2020 Wolfenbüttel Üble Nachrede § 186 StGB Nichtzuzuordnen 1
107 05.11.2020 Frankfurt Beleidigung § 185 StGB Rechts 0
108 06.11.2020 Berlin Beleidigung § 185 StGB Rechts 1
109 11.11.2020 Celle Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 1
110 12.11.2020 Wesel Beleidigung § 185 StGB Rechts 1
111 12.11.2020 Siegen Beleidigung § 185 StGB Rechts 0
112 19.11.2020 Kiel Beleidigung § 185 StGB Rechts 1
113 23.11.2020 Düsseldorf Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 1
114 24.11.2020 Berlin Beleidigung § 185 StGB Rechts 0
115 26.11.2020 Berlin Beleidigung § 185 StGB Rechts 1
116 29.11.2020 Großbeeren Beleidigung § 185 StGB Religiöse Ideo-logie 1
117 02.12.2020 Hamm Gemeinschädliche Sachbe-schädigung § 304 StGB Rechts 0
Nr. Tatzeit Tatort Delikt Phänomen-bereich Tatverdächtige
118 03.12.2020 Sundhagen Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 0
119 04.12.2020 Berlin Beleidigung § 185 StGB Rechts 1
120 04.12.2020 Lüdenscheid Gefährliche Körperverlet-zung § 224 StGB Rechts 0
121 11.12.2020 Erfurt Sachbeschädigung § 303 StGB Rechts 0
122 12.12.2020 Salzkotten Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 0
123 12.12.2020 Hagen Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 1
124 14.12.2020 Aschaffenburg Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 0
125 16.12.2020 Rüsselsheim Volksverhetzung § 130 StGB Rechts 1
126 19.12.2020 Berlin Beleidigung § 185 StGB Rechts 0
127 20.12.2020 Berlin Beleidigung § 185 StGB Rechts 1
128 26.12.2020 Steinwenden Bedrohung § 241 StGB Rechts 1
a) Welche dieser Straftaten waren Gewaltdelikte (diese bitte ebenfalls
nach PMK-Phänomenbereichen aufgliedern und konkretes Delikt
nennen; soweit möglich bitte nach versuchten und vollendeten Delikten
unterscheiden)?
Bei den antiziganistischen Gewaltdelikten aus dem Jahr 2020 handelt es sich
um die Nummern 21, 22, 33, 37, 53, 65, 72, 96, 99, 120 in der Tabelle 2. Auf
die Vorbemerkung der Bundesregierung im Hinblick auf die Vorläufigkeit der
Zahlen für 2020 wird verwiesen.
b) Wie viele Straftaten richteten sich gegen Personen, und wie viele
gegen welche anderen Angriffsziele?
Angriffsziel einer politisch motivierten Straftat ist das Objekt (Ort, Sache,
Institution, Veranstaltung oder Person), welches aufgrund einer festgestellten oder
sich aus Phänomenbereich und ggf. Themenfeld ergebenden Motivation heraus
direkt und/oder inhaltlich gezielt angegriffen wird.
Nicht bei allen politisch motivierten Straftaten ist ein Angriffsziel erkennbar. In
diesen Fällen unterbleibt eine Nennung. Sofern eine Spezifizierung mittels
Unterangriffsziel nicht zutreffend ist (z. B. „Asylbewerber/Flüchtling“), erfolgt die
Nennung des Oberbegriffs (z. B. „Person“). Mehrfachnennungen sind möglich.
Daher ist ein Aufsummieren der Fälle nicht zielführend.
Die folgende Tabelle zeigt die Angriffsziele von antiziganistischen Straftaten
im Jahr 2020. Auf die Vorbemerkung der Bundesregierung im Hinblick auf die
Vorläufigkeit der Zahlen für 2020 wird verwiesen.
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c) Wie viele Personen wurden bei den Gewaltdelikten verletzt oder
getötet (hier bitte auch skizzenhafte Beschreibungen des Tathergangs
bzw. der Tatumstände anführen)?
Es wurden im Jahr 2020 sieben Personen bei den in der Antwort zu Frage 2a
genannten Gewaltdelikten verletzt. Todesopfer wurden nicht verzeichnet. Im
Hinblick auf die Darstellung der Sachverhalte wird auf die Antwort zu Frage 2
verwiesen. Gleiches gilt für die Vorbemerkung der Bundesregierung im
Hinblick auf die laufende Abstimmung zwischen Bund und Ländern.
d) Wie viele Propagandadelikte wurden begangen?
Es wurden fünf Propagandadelikte registriert. Auf die Vorbemerkung der
Bundesregierung im Hinblick auf die Vorläufigkeit der Zahlen für 2020 wird
verwiesen.
e) Bei welchen dieser Straftaten handelt es sich um sogenannte
Internetstraftaten?
Bei den antiziganistischen Internetstraftaten aus dem Jahr 2020 handelt es sich
um die Nummern 1, 3, 10, 13, 14, 38, 50, 52, 74, 77, 83, 89, 90, 97, 98, 106,
107, 124, 125 in der Tabelle 2. Auf die Vorbemerkung der Bundesregierung im
Hinblick auf die Vorläufigkeit der Zahlen für 2020 wird verwiesen.
3. Wie viele Tatverdächtige wurden für das Jahr 2020 ermittelt (bitte
möglichst den jeweiligen Straftaten zuordnen)?
Insgesamt wurden im Jahr 2020 94 Tatverdächtige bei antiziganistischen
Straftaten registriert. Die Zuordnung zu konkreten Straftaten ist der Tabelle 2 zu
entnehmen. Auf die Vorbemerkung der Bundesregierung im Hinblick auf die
Vorläufigkeit der Zahlen für 2020 wird verwiesen.
4. Welche Angaben kann die Bundesregierung dazu machen, wie viele
Ermittlungsverfahren eingestellt wurden, und wie viele Täter zu welchen
Strafen verurteilt wurden (bezogen auf die Jahre 2019 und 2020, soweit
möglich bitte den Antworten zu den Fragen 1 und 2 zuordnen)?
Der Bundesregierung liegen keine entsprechenden Informationen vor.
5. Lassen sich aus Sicht der Bundesregierung über den Aspekt, dass
antiziganistische Straftaten schwerpunktmäßig in Städten bzw. Großstädten
begangen werden, hinaus (vgl. Antwort zu Frage 6 auf
Bundestagsdrucksache 19/19339), Schwerpunkte hinsichtlich Anlass, Datum oder Tatort
feststellen (bitte ggf. ausführen)?
Für das Jahr 2019 wurden 22, für das Jahr 2020 vorläufig 20 Fälle für die Stadt
Berlin gemeldet. Weitere Schwerpunkte in Bezug auf Anlass, Datum oder
Tatort sind nicht ersichtlich.
6. Wie bewertet die Bundesregierung die Anzahl bzw. Entwicklung der
antiziganistischen Straftaten, welche Erklärung hat sie für möglicherweise
signifikante Abweichungen vom Vorjahr, und welche
Schlussfolgerungen zieht sie daraus?
Für das Jahr 2019 wurden dem BKA insgesamt 81 Fälle mit dem Unterthema
„antiziganistisch“ gemeldet. Im Jahr 2020 waren es nach der vorläufigen
Erhebung 128 Fälle. Die Straftaten wurden bundesweit und über das ganze Jahr
verteilt begangen. Die geringe Anzahl an Datensätzen lässt keine belastbaren
Rückschlüsse auf eine statistische Entwicklung bzw. aussagekräftige
Erklärungsansätze zu.
Wie bei allen Ausprägungen der Hasskriminalität ist auch von einem
Dunkelfeld auszugehen, da Straftaten von Betroffenen nicht angezeigt werden.
7. Wird in der Polizeiausbildung neben der bundesweit einheitlichen
Definition des Begriffs „antiziganistische Straftaten“ (vgl. Antwort zu Frage
7 auf Bundestagsdrucksache 19/19339) auch der Begriff
„Antiziganismus“ selbst definiert, und wenn ja, wie lautet die Definition, und
inwieweit wird hierbei die mittlerweile auch von der IHRA übernommene
Arbeitsdefinition (
https://www.auswaertiges-amt.de/blob/2403712/047b136
ae362d582eac5ff3a249b7430/201007--stm-r-ihra-arbeitsdefinition-antizi
ganismus-deutsch-data.pdf) zugrunde gelegt und den Beamtinnen und
Beamten erklärt?
Am Fachbereich Kriminalpolizei der Hochschule des Bundes für öffentliche
Verwaltung findet die IHRA-Definition „Antiziganismus“ (siehe
Vorbemerkung der Bundesregierung) im Rahmen der Workshopveranstaltung mit dem
Bildungszentrum des Zentralrats der Sinti und Roma Anwendung. Darüber
hinaus wird sie im Rahmen des Bachelor-Studiums zur
Kriminalkommissarin/zum Kriminalkommissar beim BKA im Lehrveranstaltungsblock Hass- und
Vorurteilskriminalität angewandt.
In der Polizeiausbildung der Bundespolizei wird der Begriff „antiziganistische
Straftaten“ gemäß bundeseinheitlicher Definition (vgl. Antwort zu Frage 7 auf
Bundestagsdrucksache 19/19339) gelehrt und verwendet. Die IHRA-
Arbeitsdefinition wird im Themengebiet politische Bildung zu Erklärung des Begriffes
„Antiziganismus“ herangezogen.
8. Wie viele Polizistinnen und Polizisten haben nach Kenntnis der
Bundesregierung die Angebote der Bundeszentrale für politische Bildung im
Bereich Antiziganismus seit 2017 wahrgenommen, und inwiefern plant die
Bundesregierung eine Ausweitung des Angebots?
Angesichts der Vielzahl verschiedener Formate zum Thema Antiziganismus
kann nicht beziffert werden, wie viele Polizistinnen und Polizisten damit
bislang erreicht worden sind. Die Bundeszentrale für politische Bildung (BpB)
konzipiert darüber hinaus einige Formate, die sich speziell an Polizistinnen und
Polizisten richten, wie das von der BpB geförderte Modellprojekt der
Deutschen Hochschule der Polizei und der Fachhochschule für öffentliche
Verwaltung des Landes Nordrhein-Westfalen, „Politische Bildung und Polizei 2“. Es
ist darauf ausgerichtet, geeignete Dialogformate für den inhaltlich-fachlichen
sowie methodisch-didaktischen Austausch zwischen polizeilichen und
zivilgesellschaftlichen Akteuren der politischen Bildung zu legen. Die zu
behandelnden Themenfelder umfassen Menschenrechtsbildung, historisch-politische
Bildung, politischen Extremismus als auch Gruppenbezogene
Menschenfeindlichkeit.
9. Hat die Bundespolizei im vergangenen Jahr ihre Anstrengungen zur
Sensibilisierung der Beamtinnen und Beamten hinsichtlich des Themenfelds
Antiziganismus im Vergleich zu den Vorjahren intensiviert, und falls ja,
wie lässt sich dies qualitativ und quantitativ ausdrücken?
a) Inwiefern wurde die Absicht, im Jahr 2020 „flächendeckende
Sensibilisierungsveranstaltungen“ durchzuführen (Antwort zu Frage 10
auf Bundestagsdrucksache 19/19339), umgesetzt (bitte möglichst
konkret mit Ausführungen zu Referenten, Schulungsmaterialien,
Fragestellungen, zur Zahl der Teilnehmer, Länge der Veranstaltungen
usw. angeben)?
b) Welche diesbezüglichen Maßnahmen sind für die Zukunft geplant,
und wie soll dabei das Thema des Erkennens und Bekämpfens
antiziganistischer Straftaten erörtert werden (bitte möglichst konkret
benennen)?
Die Fragen 9 bis 9b werden aufgrund des Sachzusammenhanges gemeinsam
beantwortet.
Die Bundespolizeiakademie hat eine umfassende Schulung des in der
Bundespolizei tätigen Lehrpersonals und sämtlicher Führungskräfte bis zur Ebene der
Dienstgruppenleiter vorbereitet und terminiert. Die Schulungen sind als
Großveranstaltungen in den verschiedenen Bundespolizeibehörden in Seminarform
projektiert. Zusätzlich zum Antiziganismus sind weitere extremistische
Tendenzen wie Antisemitismus, Rechts- und Linksextremismus oder
Ausländerfeindlichkeit Gegenstand der Seminare. Je Dienststelle sind hierbei zwei
Veranstaltungen von je drei Zeitstunden geplant.
Die vorgesehenen Seminare haben das Ziel, Führungskräfte und Lehrpersonal
hinsichtlich der Diskriminierungsgefahren erneut zu sensibilisieren, die
Früherkennung extremistischer Tendenzen zu ermöglichen und dem Entstehen
vorzubeugen.
Aufgrund der Einschränkungen durch die COVID-19-Pandemie konnten die
Seminare seit März 2020 leider nicht wie geplant umgesetzt werden. Sobald
das Infektionsgeschehen es zulässt, werden die Veranstaltungen neu terminiert.
Unabhängig davon wurde mit der Vorbereitung und Konzeptionierung eines
entsprechenden Seminares als E-Learning-Schulung begonnen.
Im Hinblick auf das Erkennen und die Bekämpfung von antiziganistischen
Straftaten wird auf die allgemeinen Inhalte der Ausbildung für den mittleren
und gehobenen Dienst der Bundespolizei verwiesen. Straftatbestände werden
während der Laufbahnausbildung als auch in der Fortbildung im Rahmen von
Lehr- und Unterrichtsgesprächen erörtert. Ergänzend wird auf die Antwort der
Bundesregierung zu den Fragen 10 bis 10d der Kleinen Anfrage der Fraktion
DIE LINKE. auf Bundestagsdrucksache 19/19339 verwiesen.
10. Welche Struktur und welche Inhalte weist der
„Informationssammelpunkt zum Themenfeld“ auf, der nach Angaben der Bundesregierung
(Antwort zu Frage 10 auf Bundestagsdrucksache 19/19339) im Intranet
der Bundespolizei eingerichtet wurde, wie wird dieser genutzt, und wie
wird er betreut, bzw. welche Qualifikation haben die für die Betreuung
zuständigen Personen?
Der benannte „Informationssammelpunkt zum Themenfeld“ ist ein unmittelbar
über die Startseite des Intranets der Bundespolizei von allen Mitarbeitenden
abrufbares Informationsportal zu den Themen Radikalisierung und Extremismus.
So werden allen Mitarbeitenden weiterführende Informationen verfügbar
gemacht. Das Informationsportal ist im Sinne eines Sammelpunktes zentraler Ort
für die unkomplizierte Erreichbarkeit von themenbezogenen internen
Dokumenten. Zudem enthält es, redaktionell aufbereitet, weiterführende
Informationen und Verlinkungen zu anderen mit der Thematik befassten Behörden und
deren Produkten (zum Beispiel das Bundesamt für Verfassungsschutz, das
Bundeskriminalamt, die Beratungsstelle des Bundesamtes für Migration und
Flüchtlinge oder auch die Bundeszentrale für politische Bildung). Das
Informationsportal stellt dabei ein Angebot an die Mitarbeitenden dar und ergänzt die
Aus- und Fortbildung innerhalb der Bundespolizei.
Die Inhalte des Informationsportals werden vom Bundespolizeipräsidium
gepflegt und regelmäßig aktualisiert.
11. Inwiefern beabsichtigt die Bundesregierung, die Kapazitäten bzw.
Ressourcen zivilgesellschaftlicher Akteure zur Sensibilisierung der Polizei
zu stärken (bitte möglichst konkret beantworten)?
Bei den Studien- und Ausbildungsgängen sowie themenbezogenen
Sonderveranstaltungen des Fachbereichs Kriminalpolizei der Hochschule des Bundes
beim Bundeskriminalamt wird die regelmäßig erfolgende Einbindung
zivilgesellschaftlicher Akteure (NGOn, Forschungsinstitute, Hochschulen) im
Themenfeld Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (so auch Antiziganismus)
ausdrücklich unterstützt, entsprechende Haushaltsmittel werden zur Verfügung
gestellt.
Bei der Bundespolizei werden zur Vermittlung der Themen und Inhalte in den
Bereichen Polizei und Fremde, Interkulturelle Kompetenz (einschließlich
Antiziganismus), Wertewandel, in Seminaren der Politischen Bildung für
Führungskräfte, Werteorientierte Führung, Extremismus/Rechtsextremismus (inklusive
Antiziganistisches Straftatenspektrum), Radikalisierung und Extremismus für
Führungskräfte (RADEX) interne und externe Experten eingesetzt. Dabei
handelt es sich um Polizeifachlehrer und Lehrkräfte, Sozialwissenschaftler der
Bundespolizei, Polizeipsychologen, Polizeiseelsorger sowie externe Referenten
von anderen Behörden, Organisationen, Vereinen und Nicht-
Regierungsorganisationen und Betroffene.
So wurden in 2019 und 2020 beispielsweise eine Vertreterin (Frau Shanon
Bobinger) und ein Vertreter (Herr Abdou-Rahime Diallo, beide Diaspora Policy
Institute) in Kooperation mit NGOs, die sich für die Gleichbehandlung von
Menschen einsetzen, in zwei Anpassungsfortbildungen für Polizeitrainer/-innen
als Dozenten sowie einer Multiplikatoren-Fortbildung THINK (Trainer für
Interkulturelle Kompetenz) zum Thema „Diskriminierungsfreie Anwendung der
Befragungs- und Kontrollbefugnisse“ eingesetzt. Ferner ist im nächsten Schritt
deren regelmäßige Einbindung in die Qualifikation von Multiplikatorinnen und
Multiplikatoren für Interkulturelle Kompetenz vorgesehen.
12. Inwiefern findet bei Sensibilisierungs- bzw. Schulungsmaßnahmen im
Bereich Antiziganismus eine externe Evaluation statt, und welche
Ergebnisse bzw. Probleme wurden ggf. in der jüngsten Evaluation verzeichnet?
Welche Kenntnis hat die Bundesregierung über solche Evaluationen auf
Länderebene?
Die Sensibilisierungsmaßnahmen zum Thema „Antiziganismus“ am
Fachbereich Kriminalpolizei der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung
werden seit dem Jahr 2020 gemeinsam mit dem Bildungszentrum des
Zentralrats der Sinti und Roma durchgeführt.
Die Bundespolizei hat im Auftrag des Unterausschusses Führung, Einsatz und
Kriminalitätsbekämpfung (UA FEK) des Arbeitskreises II „Innere Sicherheit“
der Innenministerkonferenz (IMK) an einem Strategiepapier für Bund und
Länder für eine Handlungsstrategie gegen Radikalisierung und zur Stärkung der
demokratischen Resilienz mitgewirkt und prüft aktuell mögliche Umsetzungen.
13. Bis wann will die Bundesregierung ihre Beschlüsse, die sie im
Maßnahmenkatalog zur Bekämpfung von Rechtsextremismus und Rassismus
(
https://www.bundesregierung.de/resource/blob/997532/1819984/4f1f96
83cf3faddf90e27f09c692abed/2020-11-25-massnahmen-rechtsextremi-d
ata.pdf) festgehalten hat, und die sich auf Antiziganismus beziehen,
umsetzen, insbesondere
a) unabhängiges Monitoring und Informationsstelle für rassistische,
insbesondere antiziganistische Übergriffe (Nummer 2 des Beschlusses);
wie soll dieses ausgestattet sein, und inwiefern werden
zivilgesellschaftliche Organisationen in die Planung und Umsetzung
eingebunden,
b) weitere Maßnahmen im Bereich der politischen Bildung (Nummer
20) in Bezug auf Antiziganismus, und wie viele und welche
Maßnahmen sind hierbei beabsichtigt,
c) Weiterentwicklung der bestehenden Kompetenzzentren und
Kompetenznetzwerke in Bezug auf Antiziganismus (Nummer 65), und was
konkret ist hier geplant,
d) Stärkung der Forschung im Bereich Antiziganismus (Nummer 67),
und was ist hier konkret geplant, und
e) andere in den Nummern 2, 20, 65 und 67 genannte Maßnahmen?
Die Bundesregierung hat die notwendige konzeptionelle Vorarbeit zur
Umsetzung der in den Ziffern 2, 20, 65 und 67 erwähnten Maßnahmen aufgenommen.
Dies umfasst auch die Klärung inhaltlicher Schnittmengen der Einzelinitiativen
untereinander, die Abgrenzung des inhaltlichen Auftrags und der Ausstattung.
14. Welche methodischen, technischen oder praktischen Probleme gibt es
nach Kenntnis der Bundesregierung bei der polizeilichen Erfassung
sowie justiziellen Verfolgung antiziganistischer Straftaten, und welche
Schlussfolgerungen zieht sie daraus?
Entsprechende Herausforderungen bei der polizeilichen Erfassung
antiziganistischer Straftaten werden aktuell nicht gesehen. Im Hinblick auf die justiziellen
Aspekte liegen der Bundesregierung keine Informationen vor.
15. Ist das in der Antwort zu Frage 9 auf Bundestagsdrucksache 19/8343
genannte Forschungsprojekt (
https://www.dhpol.de/departements/departem
ent_III/FG_III.1/projekte/precept.php) wie vorgesehen zum 31.
Dezember 2019 abgeschlossen worden, und wenn nein, bis wann ist der
Abschluss geplant, wenn ja,
a) welche Angaben kann die Bundesregierung zu Zwischenergebnissen
machen, und bis wann soll der Abschlussbericht vorliegen,
b) inwiefern kann die Bundesregierung bereits zu Schlussfolgerungen
daraus Stellung nehmen?
Die Regionalkonferenzen haben im Oktober 2019 und November 2019 in den
Städten Braunschweig, Weimar, Schwerin und Mannheim stattgefunden. Der
Abschlussbericht liegt dem Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat
vor. Die Ergebnisse der Studie sind bereits in die Arbeit des
Kabinettsausschusses zur Bekämpfung von Rechtsextremismus und Rassismus eingeflossen. Es
ist beabsichtigt, die Studie zeitnah zu veröffentlichen. Aufbauend auf die
Untersuchung wird bereits eine Folgestudie konzipiert.
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ISSN 0722-8333]