[Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Andrej Hunko, Simone Barrientos,
Dr. André Hahn, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 19/26692 –
Situation der deutschen Sprache in Russland
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Im Bericht des Auswärtigen Amts „Deutsch als Fremdsprache weltweit.
Datenerhebung 2020“ wird festgestellt, dass 15,45 Millionen Menschen auf der
Welt aktuell Deutsch als Fremdsprache lernen. Die meisten Deutschlernenden
weltweit zählt Polen (1,95 Millionen), auch wenn die Gesamtzahl an
Deutschlernenden dort im Vergleich zu 2015 um 14 Prozent zurückgegangen ist. Der
Höchstwert der Deutschlernenden in Russland beträgt laut dem Bericht etwa
1,8 Millionen Menschen. Insofern ist der Negativtrend in der Russischen
Föderation gestoppt: „die in den Vorjahren rückläufige Anzahl der
Deutschlernenden [ist] um circa 20 Prozent gestiegen“.
Auch wenn der Gesamttrend in Russland aktuell als positiv gewertet werden
kann, beobachtet der Deutsche Akademische Austauschdienst e. V. (DAAD)
an den russischen Universitäten einen moderaten Rückgang der
Deutschlernenden um etwa 10 Prozent in den letzten fünf Jahren. 2015 wurde die
Situation der deutschen Sprache im universitären Bereich in Russland in der
Publikation des Auswärtigen Amts „Deutsch als Fremdsprache weltweit.
Datenerhebung 2015“ (S. 23) wie folgt charakterisiert: „im Zuge der Bildungsreform
[werden] zahlreiche Universitäten zusammengelegt oder geschlossen.
Gewinner sind dabei naturwissenschaftlich ausgerichtete Universitäten, klare
Verlierer die geisteswissenschaftlichen, schwach finanzierten Hochschulen. Das
führt aktuell zu einem drastischen Abbau der Philologien und
Deutschabteilungen und zu einem Rückgang der Studierenden mit Deutsch als Hauptfach.
Hinzu kommt die deutliche Reduzierung von staatlich finanzierten
Studienplätzen im Bereich Germanistik.“ Der Bericht aus dem Jahr 2020 bestätigt,
dass die im Jahr 2015 erwähnte Problematik in Russland weiterhin besteht:
„die Lehrstühle für Germanistik und Deutsch als Fremdsprache [sind]
teilweise abgeschafft bzw. mit anderen Lehrstühlen zusammengelegt worden. Gerade
für die Didaktik von DaF ist die Anzahl der Studienplätze begrenzt und geht
tendenziell zurück. Die Folge ist ein eklatanter Lehrkräftemangel, der
besonders ins Gewicht fällt, wenn es um die eingangs erwähnte Einführung der
zweiten Fremdsprache an Schulen geht.“
Zu dem Kontext der prekären Situation der deutschen Sprachen an russischen
Hochschulen und Universitäten gehören die im Folgenden genannten
Tatsachen: Im Jahr 2011 wurde das sogenannte Semesterstipendienprogramm (Ger-
Deutscher Bundestag Drucksache 19/27732
19. Wahlperiode 22.03.2021
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Auswärtigen Amts vom 22. März 2021 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
manistenstipendium – Ein-Semester-Stipendium für ausländische
Germanistikstudenten) des DAAD eingestellt. Dieses (inzwischen gestrichene)
Germanistenstipendium hat nach Kenntnis der Fragestellerinnen und Fragsteller die
Motivation der russischen Germanistikstudierenden erheblich beflügelt. 2017
wurde das DAAD-Lektorat am Staatlichen Moskauer Institut für
Internationale Beziehungen (MGIMO) geschlossen (siehe Antwort zu Frage 24 auf
Bundestagsdrucksache 18/13698). Zum Studienjahr 2018/2019 wurde der
Lektoratsstandort Omsk geschlossen (siehe Antwort zu Frage 37 auf
Bundestagsdrucksache 19/7308). Die Lektorate an den Universitäten Saratow,
Tscheljabinsk, Samara sowie an der Polytechnischen Universität St. Petersburg bleiben
zum Bedauern der Fragestellerinnen und Fragestellern seit Jahren nicht besetzt
(vgl.
https://www.daad.ru/ru/o-nas/lektory-daad/). Im Jahre 2017 wurde nach
Kenntnis der Fragestellerinnen und Fragesteller das Lektorenprogramm der
Robert Bosch Stiftung für Osteuropa auf die Staaten Asiens umorientiert. Im
Zuge dessen wurden auch Lektorate an russischen Hochschulen und
Universitäten eingestellt. Ebenfalls wurde das Programm der Robert Bosch Stiftung
„Kulturmanager in der Russischen Föderation“ beendet. Beide Programme
haben die Teilnahme deutscher Muttersprachlerinnen und Muttersprachler in
Russland vorgesehen.
Deutsch ist die Sprache der deutschen Minderheit in Russland. Die
Bundesregierung betrachtet die Stärkung der deutschen Minderheiten im Ausland,
unter anderem auch in der Russischen Föderation, „in ihrem Selbstverständnis
und ihrer kulturellen Identität und dem Erhalt ihrer Sprache“ als ein wichtiges
Anliegen (siehe
https://www.bmi.bund.de/DE/ministerium/beauftragte/beauftr
agter-aussiedlerfragen/beauftragter-aussiedlerfragen-artikel.html). Zur
Erhaltung und Pflege der angestammten Sprache der deutschen Minderheit in
Russland gehören nach Ansicht der Fragestellerinnen und Fragesteller sowohl der
Zugang zu deutschsprachigen Medien als auch die Möglichkeit, in ihrem
Heimatland eine deutschsprachige Medienlandschaft selbst zu gestalten. In
Russland existiert eine ganze Reihe deutschsprachiger Zeitungen und Zeitschriften
wie beispielsweise die „Moskauer Deutsche Zeitung“, der „Königsberger
Express“ oder die Zeitschrift „vitamin de“. Die Sprache dieser Medien ist für die
Germanistik von wissenschaftlichem Interesse. So stehen beispielsweise auch
in Deutschland unter anderem die sprachlichen Besonderheiten der „Moskauer
Deutschen Zeitung“ im Fokus des Projekts „Deutsche Mediensprache im
Ausland – am Beispiel der deutschen Minderheitenpresse in Mittel- und
Osteuropa“ unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. Csaba Földes (siehe dazu
https://www.
pressesprache.de/).
Aus Sicht der Fragestellerinnen und Fragesteller benötigt die deutsche
Sprache in Russland Pflege und Stärkung genauso wie die russische Sprache in
Deutschland (siehe dazu Bundestagsdrucksache 19/16386). Die
Fragestellerinnen und Fragesteller betrachten den Fremdsprachenerwerb grundsätzlich als
nachhaltiges außenpolitisches Instrument zugunsten des Friedens, der
Völkerverständigung und der internationalen Kooperation. Insbesondere im
Zusammenhang mit den bereits seit einigen Jahren andauernden Irritationen in den
deutsch-russischen Beziehungen wollen die Fragestellerinnen und Fragesteller
die Relevanz des Erlernens der gegenseitigen Muttersprache betonen. Von
August 2020 bis Juli 2021 findet in Russland ein Deutschlandjahr statt. Zur
Themenpalette des Jahres gehört neben den Themen Ökologie, Nachhaltigkeit,
Digitalisierung, Innovation und Zukunft der Arbeit, Forschung, Wissenschaft
und Bildung auch die deutsche Sprache.
1. Welche Entwicklung sieht die Bundesregierung in der Nachfrage nach
Deutschlehrerinnen und Deutschlehrern an russischen Schulen?
An russischen Schulen besteht ein Mangel an Deutschlehrkräften. Ursache
hierfür sind eine überalterte Lehrerschaft und Nachwuchsprobleme. An den
Universitäten wurden Studiengänge „Deutsch als Fremdsprache“ abgebaut, zudem
ist eine Tätigkeit als Deutschlehrkraft weder finanziell noch als Karriereoption
attraktiv, weshalb sich viele junge Germanistinnen und Germanisten dagegen
entscheiden.
2. Wie viele Spezialschulen mit erweitertem Deutschunterricht existieren
nach Kenntnis der Bundesregierung aktuell in Russland?
Welche Entwicklung sieht die Bundesregierung in diesem Bereich?
Das System der Spezialschulen in Russland, einschließlich der Schulen mit
erweitertem Deutschunterricht, wurde in den 90er Jahren zugunsten eines
Systems allgemeinbildender Schulen abgeschafft. Verstärkter Deutschunterricht
findet allenfalls im Rahmen von Schwerpunktsetzungen auf Deutsch ab der
Oberstufe (10. Schuljahr) oder im Rahmen von – oft in Eigeninitiative durch
die Schulen organisiertem – Zusatzunterricht oder in Arbeitsgemeinschaften
statt. Der Bundesregierung liegen daher keine Zahlen im Sinne der
Fragestellung vor. Mit Unterstützung der Bundesregierung wird an 82 Schulen in
Russland das Deutsche Sprachdiplom (DSD) angeboten, Deutsch wird an diesen
DSD-Schulen auf qualitativ vergleichsweise hohem Niveau unterrichtet.
3. Wie viele Schülerinnen und Schüler haben seit 2010 in Russland an den
Prüfungen zum Deutschen Sprachdiplom (DSD) teilgenommen, und wie
viele davon haben diese Prüfungen bestanden (bitte nach Art der
Prüfung, Jahren und Regionen aufschlüsseln)?
Auf die als Anlage 1 beigefügte Übersicht zu Frage 3 wird verwiesen.
4. An welchen Schulen in Russland wird Deutsch nicht als Fremdsprache,
sondern als Muttersprache unterrichtet?
Deutsch wird an der Deutschen Schule Moskau (DSM) und der
Deutschprofilschule (DPS) in St. Petersburg als Muttersprache unterrichtet.
5. Mit welchen Mitteln hat die Bundesregierung bzw. haben die durch die
Bundesregierung finanzierten Organisationen die Schulen im Deutschen
Nationalkreis in der Region Altai unterstützt (bitte nach Schulen und
Jahren aufschlüsseln)?
Die Bundesregierung hat keine Schulen im Deutschen Nationalkreis in der
Region Altai gefördert.
6. Mit welchen Mitteln unterstützt die Bundesregierung die
Deutscholympiaden für Schülerinnen und Schüler in Russland seit 2010 (bitte nach
Jahren und Orten der Durchführung aufschlüsseln)?
Das Goethe-Institut unterstützt die im Jahr 2000 vom Bildungsministerium der
Russischen Föderation initiierte, jährlich durchgeführte Deutscholympiade seit
2004 mit Expertise und Jurymitarbeit. Außerdem erhalten über das Goethe-
Institut jährlich zwei besonders talentierte Teilnehmende, die noch nie in
Deutschland waren, Sprachkursstipendien in Deutschland.
7. Welche Möglichkeiten gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung für
russische Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer, eine berufliche
Fortbildung in Deutschland zu absolvieren (bitte konkrete Programme nennen)?
Für an Schulen und Hochschulen in Russland tätige Deutschlehrkräfte besteht
die Möglichkeit, alle vier Jahre mit einem Stipendium des Goethe-Instituts an
einer Fortbildung in Deutschland teilzunehmen. Themenschwerpunkte sind
dabei Methodik-Didaktik, Medien-Didaktik, Landeskunde, Deutsch für
Lehrkräfte und Train-the-Trainer.
Die Zentralstelle für das Auslandschulwesen (ZfA) ermöglicht
Deutschlehrkräften im DSD-Programm die Teilnahme an zweimal jährlich stattfindenden
dreiwöchigen Landeskundeseminaren in Deutschland.
Der Pädagogische Austauschdienst (PAD) des Sekretariats der
Kultusministerkonferenz bietet für russische Ortslehrkräfte außerdem zwei- bis dreiwöchige
Fortbildungskurse, dreiwöchige Hospitationen und ein einjähriges
Weiterbildungsprogramm an.
Darüber hinaus vergibt die Deutsche Auslandsgesellschaft (DAG) ebenfalls
Stipendien für ein- bis zweiwöchige Fortbildungsaufenthalte in Deutschland für
Lehrkräfte für Deutsch als Fremdsprache (DaF) aus Nord- und Nordosteuropa,
inklusive Russland, und organisiert für angehende DaF-Lehrkräfte
Kurzzeitreferendariate in Kombination mit Intensivsprachkursen.
Diese Angebote werden durch in Russland stattfindende Fort- und
Weiterbildungen des Goethe-Instituts für Deutschlehrkräfte ergänzt. So wird das Aus-
und Fortbildungsprogramm „Deutsch Lehren Lernen“ an über 20 Hochschulen
in Russland in Kooperation mit dem Goethe-Institut angeboten. Im Rahmen des
Programms besteht auch ein entsprechender Studiengang an der Friedrich-
Schiller-Universität Jena, der von der Zentrale des Goethe-Instituts in München
begleitet wird. Des Weiteren werden durch über 80 vom Goethe-Institut
geschulte Multiplikatorinnen und Multiplikatoren flächendeckend
Kurzzeitfortbildungen zum Unterrichten von Deutsch als Fremdsprache veranstaltet.
8. Welche Auswirkungen hatte nach Kenntnis der Bundesregierung die
Einführung des Staatlichen Einheitsexamens in Russland als
Zugangsprüfung für die Hochschulausbildung auf die Situation der deutschen
Sprache in Russland?
Durch die Einführung des Staatlichen Einheitsexamens in Russland wurde ein
landesweit einheitlicher Rahmen für die Hochschulzulassung geschaffen. Es
gibt keine Hinweise darauf, dass dadurch die Situation der deutschen Sprache
in Russland insgesamt unmittelbar betroffen wäre.
9. Welche Auswirkungen hatten die Bologna-Reformen in Russland auf die
Situation der deutschen Sprache an russischen Hochschulen und
Universitäten?
Russland ist 2003 dem Bologna-Prozess beigetreten. Die Umsetzung des
Bologna-Prozesses in Russland setzte eine umfassende Reform des
traditionellen russischen Hochschulsystems mit dem bisherigen Abschluss als Spezialist
voraus. Das übergeordnete Ziel ist die Herausbildung eines einheitlichen
Wissenschaftsmodells, das den akademischen Austausch mit deutschen und
europäischen Hochschulen fördern soll. Damit wirkt sich die Bologna-Reform
positiv auf das Interesse russischer Studierender und Absolventen sowohl an einem
postgradualen Studium an deutschen Hochschulen als auch am Erlernen der
deutschen Sprache aus. Die hohe Zahl der Hochschulkooperationen zwischen
Deutschland und Russland (ca. 1.000 laut der Statistik der
Hochschulrektorenkonferenz) ist ein Indiz dafür, dass der Bologna-Prozess sich auf die
akademische Mobilität und somit auch auf die Rolle der deutschen Sprache im
Hochschulbereich positiv ausgewirkt hat.
10. An wie vielen russischen Hochschulen und Universitäten wird nach
Kenntnis der Bundesregierung Deutsch als Hauptfach angeboten?
Nach Kenntnis der Bundesregierung wird derzeit an etwa 600 russischen
Hochschulen und Universitäten Deutsch als Fremdsprache angeboten. Zahlen zum
Angebot von Deutsch als Hauptfach liegen der Bundesregierung nicht vor.
11. An welchen russischen Hochschulen und Universitäten werden nach
Kenntnis der Bundesregierung bzw. nach Kenntnis der durch die
Bundesregierung geförderten Organisationen, wie z. B. DAAD,
Dolmetscherinnen und Dolmetscher sowie Übersetzerinnen und Übersetzer für Deutsch
ausgebildet?
Der Bundesregierung liegen keine Angaben im Sinne der Fragestellung vor.
12. Wie viele deutsch-russische Hochschulpartnerschaften bestehen nach
Kenntnis der Bundesregierung aktuell?
Laut Information der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), die auf Basis der
von den deutschen Hochschulen fortlaufend online aktualisierten Daten
bestehende internationale Partnerschaften listet (
www.internationale-hochschulkoop
erationen.de/staaten.html), bestehen derzeit 990 deutsch-russische
Hochschulpartnerschaften.
13. Mit welchen Mitteln unterstützt die Bundesregierung folgende
Organisationen in Russland seit 2010: Germanistenverband (
http://www.germanis
t e n v e r b a n d .ru/), Germanisten- und Deutschlehrerverband Russland
(
https://www.linguanet.ru/agpnya/), Interregionale Vereinigung der
Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer (
http://dlv-rus.ru/) (bitte nach
Jahren aufschlüsseln)?
Der Germanistenverband wurde seit 2010 aus Mitteln der Bundesregierung
über den Deutschen Akademischen Austauschdienst wie folgt unterstützt:
Jahr Projekt Summe in Euro
2010 Jahrbuch 2010 Russischer Germanistenverband
Förderung Russischer Germanistenverband Internetseiten, Sekretariat
Jahrestagung Russischer Germanistenverband
12.000,00
2011 Jahrbuch 2011 Russischer Germanistenverband 4.000,00
2012 X. Russischer Germanistentag, Werkvertrag Internetseiten, Jahrbuch 12.000,00
2013 XI. Jahrestagung russischer Germanistenverband
Förderung Russischer Germanistenverband Internetseiten, Sekretariat
7.200,00
2014 XII. Jahrestagung Russischer Germanistenverband
Jahrbuch „Russische Germanistik“
Förderung Russischer Germanistenverband Internetseiten, Sekretariat
12.000,00
2015 XIII. Jahrestagung Russischer Germanistenverband und Jahrbuch 10.174,97
2016 XIV. Russischer Germanistentag 6.700,00
2017 XV. Russischer Germanistentag 6.700,00
Jahr Projekt Summe in Euro
2018 XVI. Russischer Germanistentag
Förderung Jahrbuch Russischer Germanistenverband
11.800,00
2019 XVII. Russische Jahrestagung
Russische Doktorandenschule (im Rahmen der Jahrestagung)
6.278,79
2020 XVIII. Russischer Germanistentag in Twer (Online-Tagung) 1.220,00
Die Deutsche Botschaft Moskau unterstützt die Interregionale Vereinigung der
Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer durch einen regelmäßigen Austausch
über Programme und Fortbildungsmöglichkeiten sowie die Einbeziehung in die
Aktivitäten des Lokalen Netzwerks Deutsch. 2020 ermöglichte die Deutsche
Botschaft Moskau in Kooperation mit dem Deutschlehrerverband vier
Lehrerinnen aus den russischen Regionen mit einem Reisekostenzuschuss die
Teilnahme an einer Fortbildung in Moskau.
Finanziell wird die Interregionale Vereinigung der Deutschlehrerinnen und
Deutschlehrer v. a. durch das Goethe-Institut mit folgenden Maßnahmen
unterstützt:
– Unterstützung der jährlichen Koordinationstreffen des Netzwerkes der
Vereinigung der Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer (DLV) und seit
Gründung der Interregionalen Vereinigung von deren Präsidiumstreffen
(Reisekosten, Verpflegung, Tagungsort),
– Durchführung gemeinsamer Projekte, z. B. Deutschlehrertage und
Deutschlehrerpreise: Beiträge in Form von Finanzen, Logistik und Informationen,
– generelle Unterstützung der Öffentlichkeitsarbeit: Finanzierung des
Aufbaus und der Pflege der Webseite, Informationsverbreitung über die Kanäle
der Goethe-Institute in Russland,
– Einladung bei Messeauftritten etc.
Der finanzielle Umfang der geleisteten Unterstützung kann der folgenden
Tabelle entnommen werden:
Jahr Maßnahme Summe in Euro
2010 Unterstützung von mehreren kleinen regionalen Verbänden 14.157,72
2011
Unterstützung eines konstituierten DLV-Netzwerkes bestehend aus
12 Verbänden
16.149,01
2012 Unterstützung des DLV-Netzwerkes bestehend aus 12 Verbänden 22.080,68
2013 Unterstützung des DLV-Netzwerkes bestehend aus 12 Verbänden 23.075,12
2014
Unterstützung bei der Konstituierung des DLV-Netzwerkes zur
Interregionalen Vereinigung der Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer
(
http://dlv-rus.ru/)
79.869,90
2015
Unterstützung der Interregionalen Vereinigung der Deutschlehrerinnen und
Deutschlehrer
13.778,58
2016
Unterstützung der Interregionalen Vereinigung der Deutschlehrerinnen und
Deutschlehrer
12.093,35
2017
Unterstützung der Interregionalen Vereinigung der Deutschlehrerinnen und
Deutschlehrer
13.248,76
2018
Unterstützung der Interregionalen Vereinigung der Deutschlehrerinnen und
Deutschlehrer
13.309,62
2019
Unterstützung der Interregionalen Vereinigung der Deutschlehrerinnen und
Deutschlehrer
14.572,41
2020
Unterstützung der Interregionalen Vereinigung der Deutschlehrerinnen und
Deutschlehrer, pandemiebedingt fanden weniger Veranstaltungen statt
8.101,32
14. Wie evaluiert die Bundesregierung die 18. Tagung des
Germanistenverbands im November 2020 in Twer (siehe
http://germanistenverband.ru/de
jatelnost/meropriyatiya/germanistentage/8-syezd)?
Der russischen Germanistenverband konnte 2020 unter Pandemiebedingungen
mit Hilfe digitaler Instrumente seine 18. Tagung zum Thema „Literatur,
Identität und Geschichte im deutschsprachigen Raum“ vom 19. bis 21. November in
Twer in einer Weise realisieren, die hinsichtlich fachlicher Breite und aktiver
Veranstaltungsteilnahme weitgehend den Vorgängerveranstaltungen entsprach,
aber durch virtuelle Formate einen breiteren Teilnehmerkreis verzeichnen
konnte. Wie in den Vorjahren hat der Leiter des Kulturreferats der Deutschen
Botschaft Moskau den Germanisten-Tag durch ein Grußwort eröffnet. Durch
die Tagung konnte auch unter Pandemiebedingungen die landesweite
interdisziplinäre Vernetzung der russischen Germanistik fortgesetzt und ihrem Beitrag
zur Vermittlung eines wissenschaftlich fundierten Bildes von Deutschland,
seiner Sprache, Literatur und Kultur im europäischen und internationalen Kontext
mehr Sichtbarkeit verliehen werden. Dem kam gerade im Rahmen des
Deutschlandjahres in Russland 2020/21 besondere Bedeutung zu.
15. Mit welchen Mitteln hat die Bundesregierung das Erscheinen
germanistischer Fachliteratur (z. B. Fachzeitschriften, Sammelbände usw.) in
Russland seit 2010 gefördert (bitte nach Jahren aufschlüsseln)?
Der DAAD förderte im Zeitraum von 2010 bis 2019 mit insgesamt 23.500 Euro
die Publikation des germanistischen Jahresbandes „Das Wort“ mit Beiträgen
von russischen Germanisten und DAAD-Lektorinnen und -Lektoren in
Russland. Ab 2019 wurde die Förderung der germanistischen Jahrbücher in ganz
Ost- und Mittelosteuropa auf ein internationales, regional vernetztes und
digitales Format umgestellt, das auch den russischen Germanisten für Publikationen
und ihre fachliche Bewertung offensteht. Die jährlichen Förderbeträge sind in
der nachstehenden Tabelle aufgeführt:
Jahr Summe in Euro
2012 3.500,00
2014 4.900,00
2015 4.372,97
2016 4.035,00
2017 3.455,40
2018 3.073,60
2019 160,12 (nur Versandkosten)
16. Welche Impulse, Initiativen, Schritte oder Aktivitäten deutscher
Unternehmen bzw. der deutschen Wirtschaft sind der Bundesregierung in
Russland zur Erhaltung des Interesses für die deutsche Sprache (unter
anderem als Berufssprache und Berufsgrundlage) bei Deutschlernenden
bekannt?
In Russland sind aktuell etwa 4.000 Unternehmen mit deutscher
Kapitalbeteiligung aktiv und beschäftigen insgesamt etwa 140.000 Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter. In vielen dieser Unternehmen sind Deutschkenntnisse der
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nützlich und erwünscht; Berufsperspektiven in diesen
Unternehmen unterstützen die Attraktivität von Deutsch als Fremdsprache.
Zahlreiche deutsche Unternehmen in Russland ermutigen ihre Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter dazu, Deutschkenntnisse zu erwerben oder zu vertiefen bzw.
unterstützen sie dabei. Auch im Rahmen von Sponsoring oder
Stipendienfinanzierung engagieren sich einzelne Unternehmen im Bereich der
Deutschförderung. Statistiken zum Umfang dieser Bemühungen sind der Bundesregierung
nicht bekannt.
17. Welche deutschsprachigen Medien (Zeitungen, Zeitschriften, TV- und
Radiosender sowie YouTube-Sender usw.) sind der Bundesregierung in
Russland bekannt?
Die der Bundesregierung bekannten derzeit in Russland registrierten
deutschsprachigen Medien sowie die Liste der in den letzten Jahren aufgelösten
deutschsprachigen Medien in Russland können der nachstehenden Tabelle
entnommen werden.
Medium Website Redaktionssitz
Sputnik
https://snanews.de Moskau
Moskauer Deutsche Zeitung
https://mdz-moskau.eu Moskau
Was und wo in Moskau MDZ-Beilage (als eigenständiges Medium
registriert)
Moskau
Schrumdirum
https://schrumdirum.rusdeutsch.ru/ Moskau
WarumDarum WarumDarum (mawi-publish.ru) Moskau
Deutsch Kreativ Deutsch Kreativ (mawi-publish.ru) Moskau
Business in Russland Business in Russland (mawi-publish.ru)
Russland aktuell
http://russland.aktuell.ru/,
https://russland-aktuell.net/
Moskau
Deutsch für Kinder Moskau
BIZ-Bote
https://bibliothek.rusdeutsch.ru/catalog/1064 Moskau
Die Kultur von Russland
(Культура России)
Moskau/
Kultusministerium
RusDeutsch
https://rusdeutsch.ru Moskau
Impuls
https://russland.ahk.de/ru/mediacentr/publikacii/
zhurnal-impuls
AHK Moskau
BMW-Magazin Moskau
Sankt Petersburger Herold
https://www.spzeitung.ru Sankt Petersburg
Der Bote
https://www.elkras.ru/arhiv/derbote/derbotevestnik
2020.jdx
Sankt Petersburg
Königsberger Express
https://koenigsberger-express.com Kaliningrad
Sibirische Zeitung plus
http://nornd.ru/gazeta-sibirishe-zeitung-plus-2 Nowosibirsk
Ihre Zeitung
https://ihrezeitung.ru Omsk-Gebiet
Vitamin.de
https://www.vitaminde.de Omsk
Zeitung für Dich
(Beilage zu Altajskaja Prawda)
https://www.ap22.ru/zeitung-fur-dich Barnaul
Altaier Weiten
http://altairn.ru/direction/altaier-weiten Radio, Barnaul
Neue Zeit
http://nzd22.ru Galbstadt, Altaj
Eingestellt
Neues Leben Moskau
Rundschau Uljanowsk
Lustiger Gnom Uljanowsk
Verbandsnachrichten Moskau
Widerschein
St-Petersburger Zeitung St. Petersburg
Wolga Kurier Samara Samara
Novokult Nowosibirsk
Nachrichten Engels
Medium Website Redaktionssitz
Orenburger Zeitung Orenburg
Orenburger Allgemeine Orenburg
ORNIS-PRESS.RU Tomsk
Tagilzeitung N.Tagil
Heimat Wolgograd Wolgograd
Kleine Deutsche Zeitung Barnaul
Jugendzeitung Tomsk
Deutschsprachewelt Мир
Немецкого
Uljanowsk
Deutsche Astrachaner
Rundschau
Astrachan
Deutsch weltweit. Internationale
Sammlung
Blagoweschtschensk/
Amur-Gebiet
18. Welche deutschsprachigen Medien in Russland wurden aus den Mitteln
der Bundesregierung bzw. durch von der Bundesregierung geförderte
Organisationen seit 2010 unterstützt (bitte nach Jahren und Medien
aufschlüsseln)?
Im Rahmen ihrer Minderheitenförderung unterstützt die Bundesregierung
deutsch- bzw. zweisprachige Medien in Russland durch das Entsendeprogramm
des Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa). Mit dem Programm werden je eine
Redakteurin oder ein Redakteur zu den deutsch- bzw. zweisprachigen
Minderheitenmedien Moskauer Deutsche Zeitung (MDZ) in Moskau und Journal für
junge Deutschlerner – vitamin.de in Omsk entsandt. Sie erfüllen vor Ort
redaktionelle Aufgaben, verbessern die sprachliche Qualität des Mediums und
erweitern die Redaktionsnetzwerke der Gastinstitutionen. Im Rahmen des
Entsendeprogramms sind Personalkosten der beiden Entsendestellen sowie Visa- und
Reisekosten in nachstehender Höhe angefallen.
Jahr Kosten Entsendeprogramm ifa (in Euro)
2016 59.140,17
2017 62.496,02
2018 61.096,04
2019 63.649,51
2020 66.442,37
19. Welche wissenschaftlichen Projekte zur Untersuchung deutschsprachiger
Medien in Russland neben dem Projekt „Deutsche Mediensprache im
Ausland – am Beispiel der deutschen Minderheitenpresse in Mittel- und
Osteuropa“ wurden aus den Mitteln der Bundesregierung seit 2010
gefördert?
Die Bundesregierung hat im genannten Zeitraum keine solchen Projekte
gefördert.
20. Inwiefern ist nach Kenntnis der Bundesregierung die deutsche
Minderheit in Russland in der Föderalversammlung der Russischen Föderation
sowie in der russischen föderalen Regierung aktuell vertreten?
Der Bundesregierung liegen keine Statistiken im Sinne der Fragestellung vor.
21. Mit welchen Mitteln unterstützt die Bundesregierung Deutsch als
Muttersprache der deutschen Minderheit in Russland seit 2010 (bitte nach
Jahren, Empfängern und Regionen aufschlüsseln)?
Die Bundesregierung fördert eine Vielzahl zielgerichteter Sprachprogramme
für die deutsche Minderheit in Russland. Die Programme werden bei den
jährlichen gemeinsamen Regierungskommissionssitzungen zwischen der deutschen
und russischen Seite abgestimmt. Die Förderung ist im Bereich „Deutsch als
Minderheitensprache“ anzusiedeln. Mangels Statistik ist die Zahl der deutschen
Muttersprachler unter der in Russland lebenden deutschen Minderheit unklar.
Gerade die jüngere Generation erlernt Deutsch oft nicht muttersprachlich,
sondern als eine Fremdsprache in Schule und Universität.
Über die Goethe-Institute vor Ort unterstützt die Bundesregierung
sprachfördernde Maßnahmen für die deutsche Minderheit in Russland; die Beträge
können der nachstehenden Tabelle entnommen werden (Zahlen vor 2016 konnten
innerhalb der gesetzten Frist nicht ermittelt werden).
Jahr GI Moskau(in Euro)
GI St. Petersburg
(in Euro)
GI Nowosibirsk
(in Euro)
Russland
insgesamt (in Euro)
2016 27.600 -- -- 27.600
2017 26.750 -- -- 26.750
2018 25000 -- -- 25.000
2019 17.000 -- -- 17.000
2020 39.700 10.500 4.500 54.700
Neben diversen Deutschlernangeboten tragen weitere Maßnahmen des Goethe-
Instituts wie Fortbildungsveranstaltungen für Deutschlehrkräfte, das deutsche
Sprachassistentenprogramm, das Jugendaustausch-Programm sowie das
Netzwerk der sogenannten Minderheitenschulen zur kulturellen und sprachlichen
Förderung der deutschen Minderheit in Russland bei. Diese Förderung beläuft
sich jährlich auf ca. 370.000 bis 380.000 Euro, davon ca. 220.000 Euro für das
Sprachassistentenprogramm und ca. 110.000 Euro für den Jugendaustausch.
Die Maßnahmen konzentrieren sich auf die Regionen mit einem starken Anteil
der russlanddeutschen Bevölkerung: die Wolga-Region, die Region Ural, die
Altai-Region, das Omsker Gebiet, Westsibirien, den Nord-Westen Russlands
und das Kaliningrader Gebiet.
Zudem fördert die Bundesregierung die Spracharbeit über die Strukturen der
deutschen Minderheit in Russland. Die Förderung geht an den Dachverband
„Internationalen Verband der deutschen Kultur“ (IVDK). Es wurden jährlich
folgende Beträge ausgezahlt:
Jahr Betrag in Euro Jahr Betrag in Euro
2010 1,5 Mio. 2016 2,1 Mio.
2011 1,7 Mio. 2017 2,1 Mio.
2012 1,6 Mio. 2018 2,1 Mio.
2013 1,8 Mio. 2019 2,1 Mio.
2014 1,8 Mio. 2020 1,7 Mio.
2015 2,0 Mio. 2021 1,9 Mio.
22. Wann wurde die Situation der deutschen Sprache in Russland zwischen
den Regierungen Deutschlands und Russlands zuletzt thematisiert, und
mit welchen Ergebnissen (bitte das Datum und die Umstände nennen)?
Die Bundesregierung erörtert die Situation der deutschen Sprache in Russland
regelmäßig mit der russischen Regierung mit dem Ziel, das Erlernen der
deutschen Sprache in Russland zu erleichtern und bessere Arbeitsbedingungen für
die in Russland tätigen deutschen Kulturmittler-Organisationen zu erreichen.
Zuletzt wurde die zentrale Rolle der deutschen Sprache für die bilateralen
Wissenschaftsbeziehungen und die Bedeutung der Germanistik- und Deutsch als
Fremdsprache-Lehrstühle in Russland in einem Gespräch zwischen dem
deutschen Botschafter in Moskau und dem russischen Wissenschaftsminister Valery
Falkow am 19. August 2020 thematisiert.
Zudem wird die Situation der deutschen Sprache regelmäßig bei
Konsultationen zwischen der Deutschen Botschaft Moskau und dem Russischen
Außenministerium zu Visums- und Statusfragen der Kulturmittler sowie zum laufenden
Deutschlandjahr in Russland 2020/2021 angesprochen.
Die Rolle der deutschen Sprache ist regelmäßig auch Gegenstand der Sitzungen
der Deutsch-Russischen Regierungskommission für die Angelegenheiten der
Russlanddeutschen. Die letzte Sitzung fand am 27./28. Mai 2019 in München
statt. Der Bereich „Deutsch als Minderheitensprache“ wurde beim letzten
Treffen des deutschen Botschafters mit dem Leiter der Föderalen Agentur für
Nationalitätenangelegenheiten (FADN), Igor Barinow, am 12. März 2020
thematisiert. Die Bedeutung, dass die verbliebenen Russlanddeutschen ihre Sprache,
Bräuche und Kultur ungehindert beibehalten können, wurde hervorgehoben.
23. Inwiefern hält die Bundesregierung das Beherrschen der deutschen
Sprache durch russländische Staatsangehörige für den politischen,
wirtschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Dialog zwischen Deutschland und
Russland für fördernd?
Die Förderung von Deutsch als Fremdsprache ist weltweit ein Grundpfeiler der
von der Bundesregierung umgesetzten offenen, vernetzten, reaktionsfähigen
und vorausschauenden Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik. Über die
Sprachförderung gepaart mit Vernetzungsaktivitäten für Deutschlernende und
Alumni verschiedener Programme unterstützt die Bundesregierung die
Entstehung von Bildungsbiografien mit Deutschlandbezug und damit langfristige
Bindungen an Deutschland. Hierüber kann bei zukünftigen
Entscheidungsträgern aber auch in der Breite eine positive Einstellung zum Dialog und zur
Kooperation mit Deutschland erzeugt, aber auch Zugang zu unseren politischen
Grundüberzeugungen (Demokratie, Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit)
eröffnet und für diese geworben werden. Kenntnisse der Partnersprache tragen so
wesentlich dazu bei, einen effektiven und breiten Austausch zwischen Russland
und dem Wirtschafts-, Wissenschafts- und Innovationsstandort Deutschland
aufrechtzuerhalten und weiter auszubauen.
24. Welchen Stellenwert misst die Bundesregierung den Deutschkenntnissen
von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern öffentlicher bzw. staatlicher
Stellen der Russischen Föderation im Rahmen der deutsch-russischen
Beziehungen bei?
Auf die Antwort zu Frage 23 wird verwiesen.
25. Welche Relevanz sieht die Bundesregierung im Erlernen der deutschen
Sprache in Russland?
Russland ist außerhalb der Europäischen Union das Land mit der höchsten Zahl
Deutschlernender (fast 1,8 Millionen). Zahlreiche Deutschlernende in Russland
erlernen die deutsche Sprache mit dem Ziel, ein Studium in Deutschland zu
absolvieren oder in Deutschland oder bei deutschen Unternehmen in Russland
eine Arbeit aufzunehmen. Die Bundesregierung fördert dieses Interesse und
den Spracherwerb, um auch über so entstandene Deutschlandbindungen und
Austausch zur Stärkung des Hochschul- und Wissenschaftsstandorts
Deutschland sowie zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft
beizutragen.
26. Welche Auswirkungen sieht die Bundesregierung in der COVID-19-
Pandemie auf die Situation der deutschen Sprache in Russland?
Die Bundesregierung geht nicht von einer längerfristigen negativen
Auswirkung der COVID-19-Pandemie auf die Situation der deutschen Sprache in
Russland aus.
Zwar konnten aufgrund von Reise- und Kontaktbeschränkungen zahlreiche
Präsenzveranstaltungen und Austauschprojekte nicht stattfinden, jedoch konnten in
vielen Fällen Veranstaltungen auf digitale Formate umgestellt werden. Dies
betraf zum Beispiel fast alle Veranstaltungen der Goethe-Institute in Russland.
Dabei zeigte es sich, dass auch die Begegnungen im digitalen Raum, z. B. bei
Jugendsprachkursen im Rahmen der Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“
(PASCH) – ohne Präsenzveranstaltungen und Aufenthalte in Deutschland voll
zu ersetzen – durchaus zur Verständigung beitragen können. Zum Teil konnte
über digital durchgeführte Konferenzen und Fortbildungen eine größere
regionale Reichweite erzielt und ein breiterer Teilnehmerkreis erreicht werden.
Dies hat sich insbesondere im Beitrag der Sprache zum Deutschlandjahr
gezeigt: „Mit Deutsch durch ganz Russland“ war eine digitale moderierte
neunstündige Live-Veranstaltung mit Schnupperstunden und landeskundlichen
Informationen, die in Chabarowsk startete und in Kaliningrad endete. Um je
17 Uhr lokaler Zeit übernahm ein Sprachlernzentrum, eine Schule oder ein
Goethe-Institut eine Schnupperstunde Deutsch, die insgesamt über 10.000
Teilnehmenden konnten per Livestream via youtube folgen und kommentieren.
Ebenso hat pandemiebedingt die erste digitale Bildungskonferenz für
Deutschlehrkräfte stattgefunden: An zwei Tagen wurden mit über 60 Veranstaltungen
über 1.300 Teilnehmende erreicht.
Eine Herausforderung stellten und stellen Reisebeschränkungen für das
entsandte Personal der Kulturmittler-Organisationen dar, das zum Teil (z. B.
entsandte Lehrkräfte, Sprachassistentinnen und -assistenten, kulturweit-
Freiwilllige) nicht nach Russland einreisen kann. Auch hier wird soweit möglich die
fehlende Präsenz vor Ort durch digitale, von Deutschland aus angebotene
Ausbildungsformate kompensiert.
Deutscher Bundestag – 19. Wahlperiode – 13 – Drucksache 19/27732
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ISSN 0722-8333]