Plutoniumbelastung der Unterelbe
der Abgeordneten Dorothea Steiner, Sylvia Kotting-Uhl, Katja Keul, Dr. Valerie Wilms, Brigitte Pothmer und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Vorbemerkung
Seit einigen Jahren weisen die umfangreichen Jahresberichte des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) zu „Umweltradioaktivität und Strahlenbelastung“ eine Belastung der Elbe mit Transuranen aus, insbesondere Plutonium und Americium. Das Plutonium kann nach Expertenaussagen nicht aus dem weltweiten Fallout von Atombesuchen stammen. Die vorliegenden Berichte des BMU sprechen von zurzeit nicht zu erklärenden erhöhten Messwerten. Weitere Untersuchungen zur Klärung dieser Befunde seien notwendig. Bisher liegen die Ergebnisse jedoch nicht öffentlich vor. Die Herkunft des Plutoniums ist nicht eindeutig geklärt, auch wenn Experten davon sprechen, dass die Werte charakteristisch für Ableitungen der Wiederaufbereitungsanlagen in La Hague und Sellafield sind.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen10
An welchen Messstellen der Elbe und ihrer Nebenflüsse zwischen Stromkilometer 569 – Lauenburg und Deutsche Bucht/Helgoland wurden jeweils für die Jahre 2001 bis 2009 Oberflächenwasser, Schwebstoffe und Sedimente wie oft und mit welchen Ergebnissen für welche Elemente der Transuranreihe beprobt?
Für die Messung von Transuranen im Jahr 2004 wird im Jahresbericht auf die Notwendigkeit weiterer Untersuchungen verwiesen. Welche weiteren Untersuchungen wurden veranlasst, und welches Ergebnis hatten sie?
Der Jahresbericht weist für das Jahr 2005 für Transurane Werte auf, die nicht mit den Werten der übrigen Nordsee korrelieren. Welche weiteren Untersuchungen wurden veranlasst, um diese Nichtkorrelation zu analysieren, und mit welchem Ergebnis?
In den Jahresberichten 2007 und 2008 wird jeweils ausgeführt, dass weitere Untersuchungen zur Herkunft der Transurane in der Elbe laufen. Welche Untersuchungen wurden durchgeführt, und wie lauten die Ergebnisse?
Wann und mit welcher Begründung wurde die Schlussfolgerung gezogen, dass die Ursache der Belastung nicht im weltweiten Fallout zu suchen ist?
Sieht die Bundesregierung Ableitungen der Wiederaufbereitungsanlagen La Hague und Sellafield als Ursache für die Belastungen? Wenn ja, warum?
Sollten Ableitungen der Wiederaufbereitungsanlagen in La Hague und Sellafield die Ursachen für die Belastungen sein, wie wird die Verbreitung bis in die Unterelbe erklärt? Sind ähnliche Belastungen in anderen Flüssen zu erwarten, und wurden diese bereits daraufhin untersucht?
Welche Ursachen, neben Ableitungen durch die Wiederaufbereitungsanlagen La Hague und Sellafield, kommen für die Belastungen in Frage? Welche wurden davon untersucht?
Wie schätzt die Bundesregierung die Gefährdungen für Mensch und Umwelt durch die erhöhte Transuranbelastung der Unterelbe ein? Welche Maßnahmen wurden ergriffen, um einer Gefährdung für Mensch und Umwelt vorzubeugen?
Wurden die im Rahmen der Ausbaggerungsmaßnahmen an der Elbe entnommenen und verbreiteten Elbsedimente auf ihre radioaktive Belastung untersucht? Welche Maßnahmen wurden im Falle einer Belastung ergriffen, um einer weiträumigen Verbreitung dieser Sedimente vorzubeugen?