[Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Thomas Hacker, Katja Suding,
Grigorios Aggelidis, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der FDP
– Drucksache 19/29052 –
Senioren in der Corona-Falle: Medien- und Digitalkompetenz im Alter
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Die Corona-Pandemie hat nach Ansicht der Fragesteller deutlich gezeigt, dass
in Krisenzeiten Fake News besonders schnell entstehen und Verbreitung
finden. Der Lockdown und die eingeschränkten Kontaktmöglichkeiten befördern
dies umso mehr, denn der persönliche Austausch mit anderen auf dem Weg
zur Arbeit, bei der Arbeit, in Clubs, Bars, Restaurants oder in
Kultureinrichtungen bleibt aus. Virtuelle Blasen, sogenannte Filterblasen und
Echokammern, treffen seit nunmehr einem Jahr auf reale Blasen in Form von häuslicher
Isolation. Besonders betroffen sind diejenigen, die den Austausch und die
Kommunikation auf digitalem Wege noch nicht verinnerlicht haben. Der
Kreislauf der Isolation nimmt zu und der unbedarfte Blick ins offene Netz
findet häufig unreflektiert statt. Oft entstehen auch dadurch aus Falschmeldungen
hartnäckige Verschwörungsmythen. Menschen im Alter „65 plus“ dürfen in
ihrer Isolation nicht allein gelassen werden. Jede Person für die das Internet
Neuland ist und die sich aufgrund neuer inhaltlicher und technischer
Herausforderungen unsicher oder unbehaglich fühlt, braucht Unterstützung und
verdient Unterstützung. Wir müssen daher alle Menschen – unabhängig vom
Alter – dazu befähigen, die aktuell und in Zukunft dringend benötigte Medien-
und Digitalkompetenz zu erwerben, um Fake News, Fake Shops, Spam,
Phishing sowie sonstige virtuelle Angriffe auf die eigene Person oder die eigenen
Daten besser erkennen und einordnen sowie sich bewusster davor schützen zu
können. Doch nicht nur das – Medien- und Digitalkompetenz für Senioren
bedeutet Wissen, Austausch und digitale Souveränität –, erst Recht in der
Pandemie (so auch
https://www.br.de/nachrichten/wissen/medienkompetenz-im-alte
r-senioren-in-der-corona-falle,SMwW2Mv).
Diese Unsicherheit aufgrund fehlender Internetkompetenz spiegelt sich nach
Ansicht der Fragesteller auch in Zahlen wider. Auf die Frage hin, wie gut sie
Fake News erkennen, gibt im Durchschnitt in Deutschland nur jeder zehnte
Befragte an, sich bei der Identifikation von Fake News sicher zu sein
(Stichprobengröße 2 000, Grundgesamtheit: deutsche Bevölkerung ab 16 Jahren,
siehe: Bundestagsdrucksache 19/20908, S. 7, Frage 9a). Die über 50-Jährigen
geben an, Desinformation noch schlechter zu erkennen.
Deutscher Bundestag Drucksache 19/29606
19. Wahlperiode 12.05.2021
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und
Jugend vom 11. Mai 2021 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Die Fragesteller beziehen sich hauptsächlich auf die Ergebnisse der Antwort
der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage „Medienkompetenz“ der Fraktion
der FDP auf Bundestagsdrucksache 19/3649.
1. Welche Aktivitäten hat die Bundesregierung unternommen, um
insbesondere die Medien- und Digitalkompetenz älterer Menschen – jenseits des
65. Lebensjahres – in der Corona-Pandemie zu stärken (bitte nach
Bundesministerien, Staatsministerien und untergeordneten Behörden
aufschlüsseln)?
Das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (BPA) versteht sich als
Anbieter offizieller Informationen aus erster Hand. Dieses Informationsangebot
setzt einen Gegenpol zu den vielen ungeprüften und teilweise absichtlich
unzutreffenden Informationen, die im Internet verbreitet werden. Als Anlaufpunkt
für Informationen der Bundesregierung mit eindeutiger Quellen-
Kennzeichnung und ihrer hohen Wiedererkennbarkeit ist
www.bundesregierung.de ein
wichtiger Beitrag zur Informationsvermittlung und setzt Standards, wie man
glaubwürdige Quellen erkennen kann. Das erleichtert es unerfahrenen
Internetnutzern, sich nicht aus unseriösen Quellen informieren zu müssen.
Am 22. März 2021 haben das Bundesministerium des Innern, für Bau und
Heimat und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik eine
bundesweite Informations- und Sensibilisierungskampagne zur IT-Sicherheit #
einfachaBSIchern für Verbraucherinnen und Verbraucher gestartet. Diese ist auf
zwei Jahre angelegt und soll Problembewusstsein erzeugen, die Fähigkeit zur
Erkennung und Beurteilung von Problemen herstellen und die
Lösungskompetenz stärken. Eine Hauptkampagne spricht die Verbraucherinnen und
Verbraucher mit verschiedenen Motiven in ihrem digitalen Alltag an, später folgen
Themenkampagnen zu speziellen IT-Sicherheitsthemen. Die Kampagne läuft
unter anderem über Plakate, Anzeigen und Spots in Presse, Funk und Social
Media, PR-Maßnahmen und Aktionen sowie über
www.einfachaBSIchern.de.
Diese Kampagne richtet sich nicht speziell an ältere Menschen, sondern an alle
Verbraucherinnen und Verbraucher.
Im Übrigen wird auf die Übersicht im Anhang verwiesen.
2. Hat die Bundesregierung die Aktivitäten der „AG Bildung im und für das
Alter“ (AG Bildung) des vom Bundesministerium für Familie, Senioren,
Frauen und Jugend (BMFSFJ) in der 18. Wahlperiode (WP) gegründeten
„Runden Tisches Aktives Altern – Übergänge gestalten“ („RTTA“) in
der 19. Legislaturperiode fortgeführt, um Handlungsempfehlungen für
die Bereiche Bildung und Digitalisierung in Bezug auf Menschen ab dem
65. Lebensjahr zu geben?
a) Wenn ja, wie?
b) Welche Ergebnisse wurden erzielt, und wie wurden diese nach
Kenntnis der Bundesregierung in die Tat umgesetzt?
c) Wenn nein, warum nicht?
Die Fragen 2 bis 2c werden gemeinsam beantwortet.
Die Empfehlung des „Runden Tisches Aktives Altern – Übergänge gestalten“
(„RTAA“), einen Beirat beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen
und Jugend (BMFSFJ) einzurichten, wurde mit der Konstitution des
Fachbeirats „Digitalisierung und Bildung für ältere Menschen“ im Juni 2018
umgesetzt. Darüber hinaus wurde die Einrichtung einer Koordinierungsstelle im
Handlungsfeld (Bildung im und für das Alter und Digitalisierung) empfohlen,
die als Netzwerkknoten fungieren kann und als bundesweite
Informationsplattform dient. Mit der Einrichtung der Servicestelle „Digitalisierung und Bildung
für ältere Menschen“ (
https://www.digitalisierung-und-bildung-fuer-aeltere-me
nschen.de/veroeffentlichungen) bei der BAGSO – Bundesarbeitsgemeinschaft
der Seniorenorganisationen e. V. zum 1. Juni 2017 wurde diese Empfehlung
umgesetzt. Eine zentrale Säule der Servicestelle ist die Bereitstellung der
Informationsplattform
www.wissensdurstig.de in Form eines Online-Portals.
Ergänzt wird das Online-Informationsangebot durch Printmedien, wie z. B. die
Publikationsreihe („Themenhefte“) für Multiplikatoren, eine
Informationsbroschüre („Wegweiser“) für Seniorinnen und Senioren (s.
https://www.wissensdu
rstig.de/wissen-weitergeben/material/).
3. Hat die Bundesregierung an der Stärkung der digitalen Kompetenzen und
Souveränität älterer Menschen – die auch Gegenstand zweier Workshops
des BMFSFJ auf den IT-bzw. Digital-Gipfeln der Bundesregierung 2016
und 2018 waren – in der 19. Legislaturperiode weitergearbeitet?
a) Wenn ja, wie?
b) Wenn nein, warum nicht?
Die Fragen 3 bis 3b werden gemeinsam beantwortet.
Das BMFSFJ hat neben den in Frage 3 erwähnten Workshops die Thematik der
digitalen Kompetenz und Souveränität älterer Menschen auch in 2019 in einem
Fachgespräch auf dem Digital-Gipfel der Bundesregierung sowie in der
Veranstaltungsreihe „Sozialraum Digital“ in 2018 und 2019 behandelt.
Die Ergebnisse der Veranstaltung „Sozialraum Digital – Werkstattgespräch zum
Achten Altersbericht Ältere Menschen und Digitalisierung“ vom 5. Juni 2019
flossen ein in den Achten Bericht zur Lage der älteren Generation in der
Bundesrepublik Deutschland: Ältere Menschen und Digitalisierung und
Stellungnahme der Bundesregierung (Bundestagsdrucksache 19/21650).
Im Übrigen wird auf die in der Anlage beigefügte Übersicht verwiesen.
4. Fördert die Bundesregierung die Servicestelle „Digitalisierung und
Bildung für ältere Menschen“, die bei der Bundesarbeitsgemeinschaft der
Senioren-Organisationen e. V. (BAGSO) als Projektträger eingerichtet
wurde, auch weiterhin?
Wie gut wird nach Kenntnis der Bundesregierung das Online-Portal
angenommen?
Die Servicestelle wird im Rahmen eines aktuellen Förderbescheids durch das
BMFSFJ bis zum 31. Dezember 2022 gefördert. Die zentrale Säule des
Onlineportals ist die Veranstaltungsdatenbank, deren Kapazitäten aktuell erweitert
werden. Perspektivisch sollen alle Volkshochschulen, Mehrgenerationenhäuser,
kleinere Bildungsträger, Seniorenuniversitäten etc. ihre einschlägigen Angebote
automatisiert dorthin übertragen können. Aktuell beinhaltet die Datenbank etwa
27 000 Veranstaltungen bundesweit. Seit dem Relaunch Mitte 2018 zählt das
Portal 313 000 Klicks.
5. Wie erfolgreich arbeitet nach Informationen der Bundesregierung der
Fachbeirat „Digitalisierung und Bildung für ältere Menschen“ beim
BMFSFJ hinsichtlich der Verbesserung der digitalen Kompetenz älterer
Menschen?
Wird die Arbeit des Fachbeirates – der bis zum Ende der 19.
Wahlperiode berufen wurde – verlängert?
Die Aufgabe des Fachbeirates (
https://www.digitalisierung-und-bildung-fuer-ae
ltere-menschen.de/) ist es, möglichst alle relevanten (zivil)gesellschaftlichen
Kräfte an der Weiterentwicklung des Handlungsfeldes zu beteiligen und den
Auftrag der AG „Bildung im und für das Alter“ des RTAA im Grundsatz
fortzusetzen. Der Fachbeirat umfasst 16 Mitglieder (
https://www.digitalisierung-un
d-bildung-fuer-aeltere-menschen.de/mitglieder).
Die Themenbereiche umfassen Bildung und Digitalisierung, niedrigschwellige
Zugänge, Übergang Erwerbsleben in den Ruhestand, Demografische
Entwicklung, Mobilität und ländlicher Raum, ältere Menschen als Akteure und
Vermittler von Erfahrungen. Seit Mitte 2018 fanden bisher zehn Sitzungen des
Fachbeirats statt.
Auf der Internetseite (
https://www.digitalisierung-und-bildung-fuer-aeltere-me
nschen.de/veroeffentlichungen) sind die Positionspapiere und Empfehlungen
veröffentlicht.
Seit Ausbruch der Pandemie beschäftigt sich der Fachbeirat auch inhaltlich mit
den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das Themen- und Handlungsfeld
des Fachbeirats; siehe Studie „Führt Corona dazu, dass mehr ältere Menschen
die Chancen der Digitalisierung nutzen (können)?“ (
https://www.wissensdursti
g.de/wp-content/uploads/2020/11/ergebnisbericht.pdf).
6. Hat die Bundesregierung neben der Broschüre „Nie zu alt fürs Internet“
zur Förderung der digitalen (Medien-)Kompetenz älterer Menschen, die
in Zusammenarbeit mit der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz erstellt
und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit des BMFSFJ vertrieben wird,
weitere Publikationen in der 19. Wahlperiode entwickelt?
Wie wird die Broschüre nach Kenntnis der Bundesregierung von der
Zielgruppe angenommen (bitte die Zugriffe pro Jahr für die Jahre 2018,
2019 und 2020 angeben)?
Die Broschüre“ Nie zu alt fürs Internet“ wird sehr gut angenommen. Im Jahr
2018 lag der Abgang bei 17 793 Stück, 2019 lag der Abgang bei 21 797 Stück
und 2020 lag der Abgang bei 13 771 Stück.
Im Übrigen wird auf die in der Anlage beigefügte Übersicht verwiesen.
7. Welche konkreten Maßnahmen meinte die Bundesregierung in ihrer
Antwort in Anlage 1 auf Bundestagsdrucksache 19/3649 (S. 22, Zeile 3 der
Tabelle) mit „Maßnahme zur Vermittlung digitaler (Medien-)Kompetenz
älterer Menschen“, gefördert vom BMFSFJ seit 2018?
Es wird auf die in der Anlage beigefügte Übersicht verwiesen.
8. Welche Medienformate und Verbreitungskanäle nutzen nach Kenntnis
der Bundesregierung vor allem ältere Menschen ab dem 65. Lebensjahr
(bitte anders als bei Bundestagsdrucksache 19/20908, Frage 4b, ältere
Menschen ab dem 65. Lebensjahr – und nicht ab dem 50. Lebensjahr –
definieren)?
Laut Statistischem Bundesamt (2021) nutzen in 2020 77 Prozent der über 65-
Jährigen das Internet. Auch die Daten des Deutschen Alterssurveys (DEAS),
https://www.dza.de/forschung/fdz/deutscher-alterssurvey) zeigen, dass der
Großteil der Menschen in ihrer zweiten Lebenshälfte in Deutschland
mittlerweile über einen Internetzugang verfügt und dass die Altersgruppe der 61-75-
Jährigen mit dem Internetzugang in den letzten Jahren stark aufgeholt hat.
In der D21-Digital-Index-Studie 2020/2021 (
https://initiatived21.de/d21index/)
wird aufgezeigt, welche Altersgruppen in welchem Ausmaß bestimmte soziale
Medien nutzen. Es zeigt sich die folgende Nutzung verschiedener sozialer
Medien:
Tabelle 1: prozentualer Anteil der Befragten, die die genannten sozialen
Medien nutzen, nach Alter
60-69 Jahre 70 Jahre und älter
WhatsApp 60 29
YouTube 32 13
Facebook 26 8
Twitter 4 1
Pinterest 4 1
Instagram 4 1
Andere Messengerdienste 2 0
Snapchat 1 0
TikTok 0 0
9. Welche Angebote offeriert und finanziert die Bundesregierung beim
Thema Medienkompetenz der Personen jenseits des 65. Lebensjahres (bitte
nach Ressort bzw. nachgeordneter Behörde; Initiative, Maßnahme,
Gutachten zu Medienkompetenz; Zielgruppe der Initiative; Start; Zeitraum;
Finanzierung 19. WP, analog zu Anlage 1 auf Bundestagsdrucksache
19/3649)?
Das Bundesministerium der Finanzen entwickelt derzeit in Kooperation mit
dem DigitalService4Germany eine vereinfachte digitale Steuererklärung
„Steuerlotse für Rentner:innen und Pensionär:innen“. Ziel des Projektes
„Steuerlotse“ ist es, den genannten Personenegruppen die Erledigung ihrer steuerlichen
Pflichten zu erleichtern und damit auch dieser Zielgruppe die Teilhabe an den
praktischen Vorteilen, die mit nutzerorientierten digitalen Formaten im Alltag
einhergehen, zu ermöglichen.
Im Übrigen wird auf die in der Anlage beigefügte Übersicht verwiesen.
10. Welche Angebote gibt es von Seiten der Bundesregierung für ältere
Menschen, um mehr über Desinformationen und Fake News im Internet zu
lernen sowie Maßnahmen an die Hand zu bekommen, um diese zu
identifizieren und mit ihnen umgehen zu können (Beispiel: „Get Your Facts
Straight!“; die Integration der Antwort in die Tabelle zu Frage 9 wird
bevorzugt)?
Auf der Website der Bundesregierung informiert die Themenseite zum
„Umgang mit Desinformation“ (
https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/u
mgang-mit-desinformation) über Desinformation im Internet. Hier können
Nutzerinnen und Nutzer unter anderem erfahren, wie sie Falschmeldungen
erkennen und wie sie der Verbreitung von Desinformation entgegenwirken
können. Die Informationen sind für alle Bürgerinnen und Bürger gedacht. Sie sind
in klassischer Form auf einer Internetseite aufbereitet und richten sich insofern
gerade und besonders auch an Leserinnen und Leser klassischer Formate und
damit auch an ältere Menschen.
Im Übrigen wird auf die in der Anlage beigefügte Übersicht verwiesen.
11. Welche Studien sind mithilfe der Bundesregierung zustande gekommen,
die sich mit dem Stand der Nachrichtenkompetenz der Bevölkerung und
insbesondere von Personen jenseits des 65. Lebensjahres beschäftigen,
und welche Studien zu diesem Thema liegen ihr darüber hinaus vor
(z. B. Studie der „Stiftung Neue Verantwortung“)?
Die laufende Studie „Digitales Deutschland“ wird vom BMFSFJ gefördert. Sie
dient der Erarbeitung eines Rahmenkonzeptes, mithilfe dessen sich die
gegenwärtige Vielfalt unterschiedlicher Studien und Konzepte zu
Digitalkompetenzen gewinnbringend aufeinander beziehen und verknüpfen lassen. Ein bereits
öffentlich verfügbares Ergebnis der Studie ist die systematisierte Sammlung
von Forschungsarbeiten zum Thema Digitalkompetenz in einer Datenbank
(
https://digid.jff.de). Die Datenbank beinhaltet auch die Kategorie „Alter der
Zielgruppe“, bei der unter anderem das Alter der Seniorinnen und Senioren
kategorisiert ist. Die Datenbank erleichtert daher Forschenden und interessierten
Praktizierenden sowie Bürgerinnen und Bürgern vorhandenes Wissen zu dem
Thema zu konsumieren und weiter zu nutzen, auch im Hinblick auf spezifische
demografische Teilgruppen der deutschen Bevölkerung (wie Seniorinnen und
Senioren). Im Rahmen der Studie „Digitales Deutschland“ wurde im ersten
Quartal 2021 zudem eine bevölkerungsrepräsentative Interviewstudie zu
digitalen Kompetenzen durchgeführt, die derzeit ausgewertet wird. Dabei sind auch
spezifische Aussagen zur Gruppe der Seniorinnen und Senioren zu erwarten.
Die Studie „‘Quelle: Internet‘? Digitale Nachrichten- und
Informationskompetenzen der deutschen Bevölkerung im Test“ der Stiftung Neue Verantwortung
(SNV) wurde von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und
Medien und der Bundeszentrale für politische Bildung auf Bundesebene gefördert
und liegt der Bundesregierung vor.
Das BPA hat die folgenden Studien in Auftrag gegeben (Zielgruppe jeweils alle
Altersgruppen):
• Qualitative Studie „Politisches Informationsverhalten im Wandel“, 2018;
• Quantitative Studie „Intensivnutzer Sozialer Medien“, 2018;
• Qualitative Studie „Desinformation und Medienkompetenz“, 2019;
• Quantitative Studie „Informationsverhalten“, 2019;
• Quantitative Studie „Themenspezifisches Informationsverhalten zur
Corona-Pandemie“, 2020;
• Quantitative Studie „Digitale Kompetenz“, 2021.
12. Hat die Bundesregierung neben dem vom BMFSFJ geförderten
Bundesprogramm „Demokratie leben!“ weitere Projekte gefördert bzw.
Programme aufgelegt, um für den Umgang mit Desinformation zu
sensibilisieren?
Hat die Bundesregierung dies insbesondere für Personen jenseits des 65.
Lebensjahres vorgenommen?
Welche der in der Antwort zu den Fragen 9b und 9c auf
Bundestagsdrucksache 19/20908 genannten Projekte wurden explizit für ältere
Personen aufgelegt?
Auf die in der Anlage beigefügte Übersicht wird verwiesen.
13. Welche speziellen Angebote zur Sensibilisierung und Aufklärung von
Älteren über den Umgang mit Social Media, Datenschutz, Fake News,
Hate Speech und Cybermobbing hat die Bundeszentrale für Digitale
Aufklärung wann gemacht (bitte Projekt, Projektträger, dafür vorgesehene
Mittel im Haushalt und verausgabte Haushaltsmittel angeben)?
Es wird auf die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage „Stand
der Umsetzung der ‚Bundeszentrale für Digitale Aufklärung‘„ (Drs. 19/28074)
verwiesen. Die dort aufgeführten Angebote richten sich an die Allgemeinheit
und damit auch an die ältere Generation.
Im Übrigen wird auf die in der Anlage beigefügte Übersicht verwiesen.
14. Hat die Bundesregierung Kenntnis über die Akzeptanz und Nutzung
verschiedener Verbreitungswege von Medieninhalten bei Menschen ab dem
50. Lebensjahr und ab dem 65. Lebensjahr?
a) Falls Kenntnisse vorhanden sind, welche Rückschlüsse zieht die
Bundesregierung daraus allgemein und konkret in Bezug auf die
Medien- und Digitalkompetenzangebote des Bundes?
b) Falls Kenntnisse vorhanden sind, inwiefern hat sich nach Ansicht der
Bundesregierung die Corona-Pandemie auf die Akzeptanz und
Nutzung verschiedener Verbreitungswege bei Menschen ab dem 50.
Lebensjahr und ab dem 65. Lebensjahr ausgewirkt?
c) Falls nein, warum nicht?
Die Fragen 14 bis 14c werden aufgrund des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Die Digitalisierung durchdringt alle Lebensbereiche immer stärker. Der Einsatz
technischer Produkte und Anwendungen wird immer wichtiger. Die
Sachverständigenkommission zur Erstellung des Achten Altersberichts der Bundesregie
rung hat deshalb untersucht, welchen Beitrag Digitalisierung und Technik zu
einem guten Leben im Alter leisten können und welchen Nutzen und Mehrwert
sie für ältere Menschen haben. Im Achten Altersbericht der Bundesregierung
sind für verschiedene Lebensbereiche zentrale wissenschaftliche Befunde über
Nutzung, Akzeptanz und Wirkungen der verschiedenen digitalen Technologien
dargestellt und bewertet.
Die Bundesregierung sieht ebenso wie die Altersberichtskommission Chancen
in der frühzeitigen Einbeziehung der Nutzerinnen und Nutzern in die
Entwicklung digitaler Technologien im Hinblick auf das Empowerment älterer
Menschen. Vor diesem Hintergrund begrüßt die Bundesregierung die ausdrückliche
Ermutigung der älteren Bürgerinnen und Bürger durch die Kommission, sich an
der Gestaltung der eigenen Lebensumwelt und der sozialen Gemeinschaften
mit Hilfe neuer digitaler Technologien zu beteiligen.
Eine zentrale Forderung des Achten Altersberichts ist die nach Digitaler
Souveränität. Digitale Souveränität setzt voraus, dass die älteren Nutzerinnen und
Nutzer digitale Kompetenz entwickeln. Digitale Kompetenz umfasst dabei die
Fähigkeit, digitale Produkte und Systeme nach den eigenen Bedürfnissen,
Interessen und Präferenzen zu nutzen. Dazu gehören sowohl Kenntnisse über die
Bedienung digitaler Technologien sowie Wissen über beabsichtigte und auch
unbeabsichtigte Folgen des Gerätegebrauchs.
Im Rahmen der Umsetzung der Empfehlungen des Achten Altersberichts führt
das BMFSFJ aktuell eine Veranstaltungsreihe (
https://www.achter-altersberich
t.de/termine/veranstaltungsreihe-des-bmfsfj) zu unterschiedlichen
Handlungsfeldern im Online Format durch.
Hier bekommen interessierte Seniorinnen und Senioren umfangreiche
Informationen zum Thema, eine Vielzahl von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren
im Bereich der digitalen Bildung nutzen die Veranstaltungen zum Austausch
und zur Vernetzung. Über die Veranstaltungsreihe des BMFSFJ zum Achten
Altersbericht wird eine große Anzahl von Bürgerinnen und Bürgern
deutschlandweit erreicht.
Für eine kurzfristige Basis-Kompetenz-Vermittlung gibt es bereits eine Vielzahl
von niedrigschwelligen und kostenlosen Angeboten von ehrenamtlichen,
verbandlichen oder auch geförderten Projekt-Initiativen. Deren Angebote für
Menschen, die bislang keinen Zugang zum Internet hatten, müssen naturgemäß vor
Ort zur Verfügung stehen oder eben – wenn die ersten Schritte gemacht sind –
auch gleich Online, z. B. in Video-Tutorials.
In einer Befragung, die für den Deutschen Alterssurvey (DEAS) im Juni/Juli
2020 durchgeführt wurde, wurden die Menschen im mittleren Lebensalter nach
ihrer veränderten Nutzungshäufigkeit des Internets seit Beginn der Corona-
Pandemie gefragt. Von den Menschen im Alter zwischen 46 und 90 Jahren
geben ein Fünftel an, das Internet seit der Corona-Pandemie häufiger zu nutzen.
Bei der Veränderung der Internetnutzung seit der Pandemie zeigen sich aber
auch deutliche Altersunterschiede. So haben die Menschen im mittleren
Lebensalter ihre Nutzung eher ausgeweitet als ältere Menschen. Während in der
Altersgruppe der 46- bis 69-Jährigen etwa ein Viertel der Personen das Internet
häufiger nutzt, liegt dieser Anteil bei den 61- bis 75-Jährigen bei 16,6 Prozent
und bei den 76- bis 90-Jährigen bei 12,5 Prozent.
Ergänzend wird auf die in der Anlage beigefügte Übersicht sowie auf die
Antworten zu den Fragen 2, 4, 5 und 8 verwiesen.
15. Hat die Bundesregierung Kenntnis über die Akzeptanz und Nutzung von
bestimmten Medien- und Informationsangeboten bei Menschen ab dem
50. Lebensjahr und ab dem 65. Lebensjahr?
a) Falls Kenntnisse vorhanden sind, welche Rückschlüsse zieht die
Bundesregierung daraus allgemein und konkret in Bezug auf die
Medien- und Digitalkompetenzangebote des Bundes?
b) Falls Kenntnisse vorhanden sind, inwiefern hat sich nach Ansicht der
Bundesregierung die Corona-Pandemie auf die Akzeptanz und
Nutzung von bestimmten Medien- und Informationsangeboten bei
Menschen ab dem 50. Lebensjahr und ab dem 65. Lebensjahr ausgewirkt?
c) Falls nein, warum nicht?
Die Fragen 15 bis 15c werden gemeinsam beantwortet.
Es wird auf die Antworten zu den Fragen 8 und 14 verwiesen.
16. Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, ob sich die Ergebnisse zu
den Fragen 14 und 15 bei Menschen mit Migrationshintergrund anders
gestalten?
a) Falls Kenntnisse vorhanden sind, welche Rückschlüsse zieht die
Bundesregierung daraus allgemein und konkret in Bezug auf die
Presse- und Medienvielfalt sowie auf die Medien- und
Digitalkompetenzangebote des Bundes?
b) Falls Kenntnisse vorhanden sind, welchen Stellenwert haben
ausländische private und ausländische staatliche Medien- und
Informationsangebote auf Presse- und Medienvielfalt, auf Fake News und gezielte
Desinformation sowie auf die Medien- und
Digitalkompetenzangebote des Bundes?
c) Falls nein, warum nicht?
Die Fragen 16 bis 16c werden aufgrund des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Bei Menschen mit Migrationshintergrund gilt ebenso wie in der
Gesamtbevölkerung, dass das Internet von Männern und von Menschen mit formal höherer
Bildung tendenziell stärker genutzt wird als von Frauen und Menschen mit
niedrigerem Bildungsniveau. Auch die Deutschkenntnisse spielen bei der
Internetznutzung eine Rolle. Je schlechter die Deutschkenntnisse sind, desto
geringer ist die Internetnutzung im deutschsprachigen Bereich: Während 27 Prozent
der Menschen, die ihre Deutschkenntnisse als gering oder sehr gering
einstufen, täglich das Internet im deutschsprachigen Bereich nutzen, sind es bei den
Menschen mit guten und sehr guten Deutschkenntnissen 44 Prozent.
Bei einem Teil der Migrantinnen und Migranten scheint ihr
Migrationshintergrund die Internetnutzung zu verstärken, indem das Medium u. a. genutzt wird,
um migrationsbedingt eingeschränkte persönliche Kontaktmöglichkeiten und
Einsamkeitsgefühle zu kompensieren. Auch Studien aus anderen Ländern
belegen, dass, insbesondere für ältere Migrantinnen und Migranten, das primäre
Motiv der Internetnutzung die Kommunikation mit weiter entfernt lebenden
Angehörigen oder Freunden ist, gefolgt von den Möglichkeiten auch bei
eingeschränkter Mobilität Zugang zu Dienstleistungsangeboten und Informationen
zu erhalten und eine Verbindung zu Orten und Erinnerungen vor der Migration
herzustellen (A. Ehlers u. a., Digitale Teilhabe und digitale Exklusion im Alter.
Expertise zum Achten Altersbericht der Bundesregierung. Herausgegeben von
C. Hagen u. a. Berlin: Deutsches Zentrum für Altersfragen, 2020).
Die vielfältig vorhandenen niedrigschwelligen Angebote zum
Kompetenzerwerb, wie z. B. Videotutorials oder auch die Broschüre „Nie zu alt fürs
Internet“ in leichter Sprache des BMFSFJ, können auch Menschen mit geringeren
Deutsch-Kenntnissen oder bildungsfernere Gruppen ansprechen.
Deutscher Bundestag – 19. Wahlperiode – 11 – Drucksache 19/29606
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]