[Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Manfred Todtenhausen, Michael
Theurer, Grigorios Aggelidis, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der FDP
– Drucksache 19/29261 –
Das Handwerk in Zeiten von und nach Corona: Entwicklung und Perspektiven
für Konjunktur und Beschäftigung
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Das Handwerk ist wie andere Binnenbranchen in Deutschland von der
Corona-Krise und den Eindämmungsmaßnahmen betroffen – wenn auch
unterschiedlich stark. Während die Geschäfte im Bauhauptgewerbe und im
Ausbaugewerbe oftmals noch gut laufen, leiden Gewerke wie das Kfz-Gewerbe,
aber auch der Messebau und die Nahrungsmittelhandwerke deutlich unter den
Folgen.
Laut aktueller Frühjahrsumfrage der Creditreform Wirtschaftsforschung wird
die Geschäftslage im Handwerk deutlich schlechter als im Vorjahr 2020
beurteilt (vgl.
https://www.creditreform.de/aktuelles-wissen/pressemeldungen-fach
beitraege/news-details/show/wirtschaftslage-und-finanzierung-im-handwerk-2
020/21). So sehen nur noch 62,7 Prozent der Befragten ihre Lage als gut oder
sehr gut. Im Vergleich dazu meldeten im Vorjahr noch 76,2 Prozent positive
Einschätzungen ihrer Lage. Da über 50 Prozent aller Betriebe aus dem
Baubzw. Ausbauhandwerk stammen, fällt die Lagebeurteilung noch moderat aus,
das Bauhandwerk beweist derzeit seine Rolle und seinen Ruf als
Stabilitätsanker im Handwerk wie der Binnenwirtschaft insgesamt.
Allerdings zeigt die Umsatzentwicklung, dass die Corona-Krise Spuren im
Handwerk hinterlässt. Fast ein Drittel der Betriebe (30,2 Prozent) verzeichnete
seit Herbst 2020 einen Umsatzrückgang, nur gut ein Fünftel (21,8 Prozent) der
Befragten ein Umsatzplus (Vorjahr: 38,1 Prozent). Somit überwiegen erstmals
seit der Finanzkrise 2009/2010 und damit einer Dekade Aufschwung wieder
negative Umsatzmeldungen. Hervorstechen tun hier insbesondere das Kfz-
Gewerbe sowie die Nahrungsmittelhandwerke, bei denen jeder zweite Betrieb
ein Umsatzminus verzeichnet.
Gleichzeitig erwarten 22,6 Prozent der Handwerksbetriebe niedrigere Umsätze
in der Zukunft, schlechter waren die Umsatzerwartungen im Handwerk zuletzt
2010. Das hat auch Auswirkungen auf die Investitionsabsichten: Nur knapp
die Hälfte der Betriebe (49,5 Prozent) will in der nächsten Zeit investieren. Im
Jahr 2020 lag der Anteil noch bei 53,1, vor zwei Jahren sogar bei 59,2
Prozent.
Deutscher Bundestag Drucksache 19/29672
19. Wahlperiode 14.05.2021
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie
vom 12. Mai 2021 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
1. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über die konjunkturelle
Lage des Handwerks in den vergangenen fünf Jahren (bitte nach
Umsatzentwicklung nach Jahren und nach Absatzmärkten aufschlüsseln)?
2. Wie ist nach Kenntnis der Bundesregierung die Entwicklung der
Betriebszahlen, der Beschäftigtenzahlen und der Zahl der Auszubildenden
in den vergangenen fünf Jahren verlaufen?
Die Fragen 1 und 2 werden gemeinsam beantwortet.
Bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie konnte das Gesamthandwerk seit
2016 einen permanenten Aufwärtstrend verbuchen. Die Umsätze der Betriebe
wuchsen mit hohen Raten. Ebenso konnten Beschäftigung und Ausbildung
merklich gesteigert werden. Diese Entwicklungen wurden durch die Corona-
Pandemie deutlich abgebremst.
Im Jahr 2020 konnte für das Gesamthandwerk noch ein leichtes Umsatzplus
verbucht werden. Beschäftigten- und Auszubildendenzahlen waren rückläufig.
Dabei zeigte sich ein zweigeteilter Konjunkturverlauf. Während vor allem die
Bau- und Ausbaugewerke nur wenig von der Pandemie beeinträchtigt wurden,
waren die übrigen Handwerksbereiche stark von Geschäftseinbrüchen infolge
des Lockdowns aber auch von internationalen Nachfragerückgängen und
Lieferkettenstörungen betroffen. Auch hier variierte die Betroffenheit zwischen
den Gewerken stark. In einzelnen Bereichen wie beispielsweise dem Messebau,
bei Friseuren und Kosmetikern, Konditoren und Brauern fehlte und fehlt
(phasenweise) die komplette Geschäftsgrundlage. Starke Betroffenheiten gab bzw.
gibt es zudem im Kfz-Gewerbe durch die Schließung der Autohäuser oder im
Bereich der Textil- und Gebäudereinigung.
Die Ergebnisse der Konjunkturumfrage des Zentralverbands des Deutschen
Handwerks (ZDH) für das erste Quartal 2021, an der sich circa 24.000
Handwerksbetriebe beteiligt haben, zeigt deutlich, dass mit den erneuten
Coronabedingten wirtschaftlichen Beschränkungen zum Ende des Jahres 2020 auch
die Erholung der Geschäfte im Handwerk gestoppt wurde. Insbesondere der
private Konsum zeigte sich wieder schwächer und die Bauinvestitionen wurden
von der kalten Witterung zu Jahresbeginn und dem Auslaufen der
Mehrwertsteuersenkung gebremst. Weiter aufwärts ging es hingegen bei Exporten und
Industrieproduktion. Die Geschäftslage wurde von den Handwerksbetrieben
zum Jahresbeginn 2021 schwächer bewertet als im Herbst 2020: 43 Prozent der
Betriebe berichteten von einem guten (minus 6 Prozentpunkte), 25 Prozent von
einem schlechten (plus 9 Prozentpunkte) Geschäftsumfeld. Insgesamt sind die
Betriebe aber zuversichtlicher gestimmt als zuvor und gehen von schrittweisen
Lockerungen für die Wirtschaft spätestens ab den Sommermonaten aus.
Inzwischen erwarten 27 Prozent bessere, nur noch 15 Prozent schlechtere Geschäfte
in den kommenden Monaten. Der Geschäftsklimaindikator für das Handwerk,
der Lage und Erwartungen bündelt, liegt aufgrund der gestiegenen Erwartungen
mit 115 Punkten in etwa auf dem Niveau aus dem Herbst 2020 (116 Punkte).
Detaillierte Ergebnisse der Betriebsbestände, Umsatz-, Beschäftigungs- und
Auszubildendenzahlen sowie der Entwicklung der Konjunkturindikatoren laut
den ZDH-Konjunkturbefragungen sind den nachfolgenden Übersichten zu
entnehmen.
Betriebs-, Beschäftigungs-, Umsatz- und Azubibestand im Handwerk – 2016
bis 2020
Ja
hr Betriebsbestand
Anlage
A
Anlage
B1
Anlage
B2
Anlage
AeT
Gesamthandwerk
Veränderung zum
Vorjahr
2016 702.663 139.295 156.961 349 999.268 -0,5 Prozent
2017 697.848 143.519 158.269 318 999.954 0,1 Prozent
2018 693.080 148.184 160.175 309 1.001.748 0,2 Prozent
2019 694.678 153.196 163.868 291 1.012.033 1,0 Prozent
2020 688.549 161.526 169.305 258 1.019.638 0,8 Prozent
Ja
hr tätige Personen Umsatz Auszubildende
absolut Veränderung zumVorjahr
absolut
in 1.000 Euro
VÄ
Vorjahr absolut
Veränderung zum
Vorjahr
2016 5.142.464 0,6 Prozent 551.469.184 3,7 % 362.842 -0,4 Prozent
2017 5.218.897 1,5 Prozent 574.444.688 4,2 % 365.182 0,6 Prozent
2018 5.337.019 2,3 Prozent 606.880.627 5,6 % 368.033 0,8 Prozent
2019 5.342.356 0,1 Prozent 631.155.852 4,0 % 369.120 0,3 Prozent
2020 5.288.932 -1,0 Prozent 638.098.566 1,1 % 363.393 -1,6 Prozent
Quellen: ZDH 5/2021.
Für Betriebe Quelle: ZDH Betriebsstatistik.
Für tätige Personen und Umsatz: DeStatis, Handwerkszählung für die Berichtsjahre 2016 bis 2018,
Werte für 2019 und 2020 wurden auf Basis der Daten der Handwerksberichterstattung
fortgeschrieben.
Für Auszubildende: ZDH Ausbildungsstatistik.
Konjunkturindikatoren für das Handwerk laut ZDH-Konjunkturumfrage
Gesamthandwerk I/16 III/16 I/17 III/17 I/18 III/18 I/19 III/19 I/20 III/20 I/21
Geschäftsklima 133 140 141 145 139 136 138 131 88 116 115
Beschäftigungsklima -2 6 1 9 1 9 1 9 -3 2 -7
Umsatzklima -10 11 -6 14 0 17 3 13 -23 -7 -28
Auftragsbestandsklima -3 12 5 16 14 24 10 14 -16 -5 -15
Betriebsauslastung
in Prozent 76 81 77 82 80 84 81 84 75 78 75
Auftragsreichweite
in Wochen 7 6,9 7,8 7,7 8,4 9 9,9 9,1 8,3 8,1 8,8
Investitionsklima -3 4 1 5 4 9 6 7 -7 -8 -7
Bau I/16 III/16 I/17 III/17 I/18 III/18 I/19 III/19 I/20 III/20 I/21
Geschäftsklima 133 141 144 150 146 136 144 131 116 122 114
Beschäftigungsklima -8 7 -3 10 -2 12 1 10 0 8 -2
Umsatzklima -20 16 -13 22 -4 29 3 21 -12 8 -10
Auftragsbestandsklima 1 20 12 27 28 37 23 21 8 13 16
Betriebsauslastung
in Prozent 75 87 76 89 81 90 84 90 82 88 83
Auftragsreichweite
in Wochen 9,4 9,5 10,7 11 12,2 12,9 14,5 13,4 14 12,9 15,2
Investitionsklima -12 2 -4 4 2 10 7 7 -3 0 -2
Ausbau I/16 III/16 I/17 III/17 I/18 III/18 I/19 III/19 I/20 III/20 I/21
Geschäftsklima 140 148 149 152 144 140 142 134 99 124 115
Beschäftigungsklima 0 8 1 9 2 12 0 11 -1 8 -2
Umsatzklima -4 17 1 20 9 25 10 22 -12 7 -6
Auftragsbestandsklima 5 21 10 24 23 34 20 23 -2 12 8
Betriebsauslastung
in Prozent 81 86 82 88 85 89 86 89 80 85 83
Auftragsreichweite
in Wochen 7,9 8,1 9 8,8 9,3 10,1 10,9 10,6 9,5 9,7 10,6
Investitionsklima -3 4 1 4 5 8 7 8 -6 -5 -1
gewerblicher Bedarf I/16 III/16 I/17 III/17 I/18 III/18 I/19 III/19 I/20 III/20 I/21
Geschäftsklima 129 135 141 147 139 134 134 119 84 105 103
Beschäftigungsklima 1 7 3 11 5 12 5 8 -5 -1 -9
Umsatzklima -5 10 1 19 9 19 5 4 -24 -19 -21
Auftragsbestandsklima -1 11 10 19 19 26 8 5 -19 -18 -11
Betriebsauslastung
in Prozent 78 82 80 84 82 86 82 83 76 76 75
Auftragsreichweite
in Wochen 8,1 8,2 9 8,9 9 10,3 11,5 9,6 8,2 8,5 8,6
Investitionsklima -3 -3 4 7 7 11 0 2 -13 -20 -14
Kfz I/16 III/16 I/17 III/17 I/18 III/18 I/19 III/19 I/20 III/20 I/21
Geschäftsklima 122 132 134 134 131 130 131 122 67 101 93
Beschäftigungsklima -2 5 1 10 1 11 -1 8 -3 -4 -15
Umsatzklima -16 5 -8 -3 -10 5 -7 -6 -47 -32 -21
Auftragsbestandsklima -17 -2 -11 -4 -8 3 -7 -11 -47 -33 -52
Betriebsauslastung
in Prozent 70 74 71 75 72 77 73 76 65 69 64
Auftragsreichweite
in Wochen 2,6 2,5 2,6 2,6 3,1 2,8 3,1 3 3 2,3 2,9
Investitionsklima 3 9 5 14 13 19 6 13 -9 -17 -19
Lebensmittel I/16 III/16 I/17 III/17 I/18 III/18 I/19 III/19 I/20 III/20 I/21
Geschäftsklima 136 141 138 143 137 136 137 134 80 120 106
Beschäftigungsklima 3 5 0 6 -2 6 1 3 -8 -7 -16
Umsatzklima -10 10 -11 13 -8 6 -5 10 -24 -2 -47
Auftragsbestandsklima -1 7 -8 11 0 9 -3 14 -21 -14 -42
Betriebsauslastung
in Prozent 75 76 74 76 76 76 76 80 74 74 68
Auftragsreichweite
in Wochen 4,7 3,2 4,5 4 5,4 4,9 4,6 5 2,9 3,4 2,8
Investitionsklima 8 12 14 10 5 6 6 8 -6 -3 -11
Gesundheit I/16 III/16 I/17 III/17 I/18 III/18 I/19 III/19 I/20 III/20 I/21
Geschäftsklima 129 135 132 136 129 132 131 135 56 116 107
Beschäftigungsklima 2 6 3 10 0 4 3 10 -1 -2 -4
Umsatzklima -14 -2 -13 -6 -10 -4 -5 6 -34 -6 -46
Auftragsbestandsklima -9 -4 -10 -8 -2 -3 0 6 -35 -8 -40
Betriebsauslastung
in Prozent 73 73 73 75 74 74 74 75 68 69 67
Auftragsreichweite
in Wochen 3,0 2,9 2,9 2,9 3,3 3,4 3,7 3,4 2,4 2,7 3,1
Investitionsklima 9 4 2 4 2 6 0 11 -1 -9 -8
private Dienstleistungen I/16 III/16 I/17 III/17 I/18 III/18 I/19 III/19 I/20 III/20 I/21
Geschäftsklima 122 127 128 131 124 127 128 127 68 99 69
Beschäftigungsklima -2 -2 -1 2 -5 -2 -2 2 -6 -9 -16
Umsatzklima -16 -2 -14 -2 -11 3 -9 5 -39 -34 -72
Auftragsbestandsklima -15 -5 -9 -1 -7 8 -5 7 -34 -31 -64
Betriebsauslastung
in Prozent 66 68 67 70 68 70 69 71 62 64 59
Auftragsreichweite
in Wochen 3,8 3,2 4,2 3,6 4,5 4,3 5,7 4,5 3,9 3,4 3,4
Investitionsklima -6 2 0 2 1 0 -1 5 -12 -10 -16
* Klimaindikatoren stehen für die Salden aus Positiv- und Negativmeldungen zum jeweiligen
Indikator.
** Das Geschäftsklima wird aus den Salden der Positiv- und Negativmeldungen zur aktuellen
Geschäftslage und den Geschäftserwartungen gebildet.
Quellen: ZDH 5/2021.
3. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung die Anzahl der
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich in den letzten zwölf Monaten in
Kurzarbeit befunden haben bzw. noch befinden (bitte nach Monaten
aufschlüsseln)?
Hierzu liegen der Bundesregierung keine Erkenntnisse vor, da die Betriebe des
Handwerks nicht eindeutig abgrenzbar sind und eine Differenzierung nach
Berufen oder Gewerken nicht vorliegt. Monatlich werden die angezeigten
Kurzarbeitenden (§ 96 SGB III) nach wirtschaftlicher Gliederung von der Statistik der
BA veröffentlicht und können auf der folgenden Internetseite abgerufen
werden:
http://bpaq.de/bmas-a38. Angaben zu „Angezeigte und realisierte
Kurzarbeit – Deutschland, West/Ost, Länder, Kreise und Agenturen für Arbeit
(Zeitreihe Monats- und Jahreszahlen)“ sind auf der Internetseite
http://bpaq.de/bma
s-a14 abrufbar.
4. Wie viele Betriebe aus dem Handwerk haben nach Kenntnis der
Bundesregierung seit Beginn der Pandemie im Frühjahr Corona-Hilfen beantragt
und erhalten (bitte nach Gewerbegruppen, Monaten und Bundesländern
aufschlüsseln)?
Corona-Soforthilfe
Die zur Bewältigung von coronabedingten Liquiditätsengpässen
bereitgestellten Soforthilfen des Bundes wurden von Anfang April 2020 bis zum 31. Mai
2020 (Antragsende) beantragt. Das Programm Corona-Soforthilfe des Bundes
für kleine Unternehmen und Soloselbständige wird durch die Länder
ausgeführt. Bei Antragstellung wurden nur die Branchenabschnitte nach
Wirtschaftszweigklassifikation abgefragt, u. a. Abschnitt C „Verarbeitendes Gewerbe“.
Daten zu Gruppen, Klassen und Unterklassen wurden nicht gesondert erfasst.
Daher liegen der Bundesregierung zu Auszahlungsbeträgen zu den gestellten
Anträgen aus dem Handwerk keine gesonderten Daten vor. Das Programm
Corona-Soforthilfe endete zum 31. Mai 2020, die letztmalige
Branchenauswertung erfolgte mit Stand vom 31. Oktober 2020. Im Rahmen der
Branchenauswertung wurden die Anzahl der Bewilligungen sowie das Bewilligungs- und
Auszahlvolumen erfasst.
Anträge aus dem Handwerk können somit in den Branchenabschnitten C, F, G,
M, N und S gestellt worden sein. Einzelheiten zur Aufschlüsselung nach
Branchenabschnitten, Monaten und Bundesländern mit Stand vom 6. Mai 2021
können der Anlage* entnommen werden. Negativbeträge sind auf zwischenzeitlich
zurückgezogene Anträge, Duplikate und Rückzahlungen zurückzuführen.
Überbrückungshilfen I bis III
Die Überbrückungshilfe I umfasst den Förderzeitraum Juni bis August 2020.
Anträge konnten noch bis zum 9. Oktober 2020 gestellt werden. Die
Überbrückungshilfe II umfasst den Förderzeitraum September bis Dezember 2020.
Anträge konnten noch bis zum 31. Januar 2021 gestellt werden. Die
Überbrückungshilfe III umfasst den Förderzeitraum November 2020 bis Juni 2021.
Anträge können noch bis zum 31. August 2021 gestellt werden. Die Neustarthilfe
umfasst den Förderzeitraum Januar bis Juni 2021. Anträge können noch bis
zum 31. August 2021 gestellt werden.
Die Gesamtantragszahlen zu den ausgewählten Wirtschaftszweigschlüsseln des
Handwerks mit Stand vom 6. Mai 2021 können der nachfolgenden Tabelle
entnommen werden. Einzelheiten zur Aufschlüsselung nach Branchenschlüsseln,
Monaten und Bundesländern können der Anlage* entnommen werden.
Programm AnzahlAnträge
Beantragtes
Volumen
in Euro
Anzahl
Anträge mit
Auszahlung
Ausgezahlte
Fördersumme
in Euro
Überbrückungshilfe I 8.978 55.365.464,72 8.198 50.382.280,59
Überbrückungshilfe II 21.246 191.924.277,67 19.828 174.672.514,75
Überbrückungshilfe III 35.901 678.399.140,37 33.144 463.450.002,19
Neustarthilfe 26.835 151.465.316,01 25.375 143.299.463,34
November- und Dezemberhilfe
Die Novemberhilfe umfasst den Förderzeitraum November 2020, die
Dezemberhilfe den Dezember 2020. Anträge konnten bis zum 30. April 2021 gestellt
werden.
Die Gesamtantragszahlen zu den ausgewählten Wirtschaftszweigschlüsseln des
Handwerks mit Stand vom 6. Mai 2021 können der nachfolgenden Tabelle
entnommen werden. Einzelheiten zur Aufschlüsselung nach Branchenschlüsseln,
Monaten und Bundesländern können der Anlage* entnommen werden.
Programm AnzahlAnträge
Beantragtes
Volumen
in Euro
Anzahl
Anträge mit
Auszahlung
Ausgezahlte
Fördersumme
in Euro
Novemberhilfe 45.530 212.152.107,05 43.534 184.584.829,04
Dezemberhilfe 51.896 231.269.689,48 49.834 183.681.893,92
5. Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Investitionen in
Personal, Ersatzausstattung und Innovationen (z. B. Digitalisierung) in
den vergangenen fünf Jahren entwickelt (bitte nach Gewerbegruppen
aufschlüsseln)?
Hierzu liegen der Bundesregierung keine Informationen vor.
Des Weiteren wird auf die Tabellen in den Antworten zu den Fragen 1 und 2
verwiesen (Investitionsklima).
* Von einer Drucklegung der Anlage wird abgesehen. Diese ist auf Bundestagsdrucksache 19/29672 auf der Internetseite
des Deutschen Bundestages abrufbar.
6. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung die Anzahl der
Insolvenzen im Handwerk (bitte nach Gewerbegruppen aufschlüsseln)?
Der ZDH schätzt die Insolvenzen im Handwerk auf Grundlage der von
Creditreform veröffentlichten Daten. Eine Aufschlüsselung nach Gewerbegruppen ist
nicht möglich.
Insolvenzquoten im Handwerk und in der Gesamtwirtschaft
2016 bis 2020
(Anzahl der Insolvenzen pro 1.000 Unternehmen)
Insolvenzquote 2016 2017 2018 2019 2020
Handwerk (A+B1+B2) 6,2 5,7 5,5 5,2 4,4
Gesamtwirtschaft ohne
Handwerk 6,2 5,8 5,8 5,7 5,0
Insolvenzen absolut *) 2016 2017 2018 2019 2020
Handwerk (A+B1+B2) 4570,0 4220,0 4100,0 3910,0 3240,0
Gesamtwirtschaft 21560,0 20140,0 19410,0 18830,0 16300,0
Unternehmen absolut 2016 2017 2018 2019 2020
Handwerk (A+B1+B2) **) 735035 734864 740066 748320 728136
Gesamtwirtschaft ***) 3476193 3481860 3360117
*) Insolvenzen absolut: Vereine Creditreform „Wirtschaftslage im Handwerk“ / Die Daten für 2020
sind vorläufig.
**) Unternehmenszahl Handwerk Anlagen A und B1 auf Basis Handwerkszählung + Betriebe
Anlage B2 / Die Daten (Anlagen A + B1) für 2019 und 2020 der Handwerkszählung liegen noch nicht
vor und wurden auf Basis der Handwerkszählung 2017 fortgerechnet.
***) Unternehmenszahl Gesamtwirtschaft laut Unternehmensregister / Die Daten für 2019 und
2020 liegen noch nicht vor.
Quellen: ZDH im Mai 2021.
Weitere Informationen liegen der Bundesregierung nicht vor.
7. Welche Auswirkungen ergeben sich nach Kenntnis der Bundesregierung
aus den Folgen der Corona-Pandemie für überbetriebliche
Ausbildungsstätten des Handwerks (generelle Auslastung, Kursbelegung für Aus-,
Fort- und Weiterbildung, Zusatzkosten)?
Die rund 600 Berufsbildungsstätten des Handwerks (BBZ) waren und sind
durch die Corona-Pandemie stark betroffen. Trotz erheblicher Einschränkungen
und Mehrbelastungen haben die Handwerksorganisationen aber alles
darangesetzt, insbesondere in der Überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung (ÜLU) und
in der Meistervorbereitung so viele Kurse wie möglich anzubieten. Dazu
wurden u. a. zusätzliche Räumlichkeiten angemietet, zusätzliches Lehrpersonal
engagiert, Hygienestandards entwickelt und in den Ferienzeiten durchgearbeitet.
Vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) eingeräumte
Flexibilisierungen bei der ÜLU haben diesen Aufholprozess unterstützt. In der
Bilanz ist es gelungen, bis zum Jahresende 2020 den Großteil der ÜLU-Kurse
aufzuholen.
Allerdings haben die angeordneten, mehrwöchige Schließungen (März bis Mai
2020, Dezember bis Februar 2021 und ab April 2021) zu erheblichen
Einnahmeausfällen geführt. In den Öffnungszeiten konnten die mit Priorität
angebotenen Kurse der ÜLU aufgrund der strikten Abstands- und Hygieneregelungen
oft nur mit reduzierten Teilnehmendenzahlen durchgeführt werden. Zahlreiche
Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen konnten wegen des erforderlichen
zusätzlichen Raum- und Personalbedarfs deshalb nicht angeboten werden – mit
entsprechenden weiteren Einnahmeausfällen. Die Auslastungsquoten sind in Folge
dieser Entwicklungen gesunken.
8. Welche Auswirkungen ergeben sich nach Kenntnis der Bundesregierung
aus den Folgen der Corona-Pandemie für Berufsschulen
(Berufsschulklassenauslastung, Kursbelegung)?
Nach der föderalen Ordnung des Grundgesetzes sind für die Schulen die
Länder zuständig. Das gilt auch für die Berufsschulen. Der Bundesregierung liegen
daher zur Fragestellung keine Erkenntnisse vor.
Von dem bereits im vergangenen Jahr aufgelegten und erst kürzlich
verlängerten und weiterentwickelten Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“
profitiert nicht zuletzt das Handwerk. Mit den verschiedenen Förderinstrumenten
des Programms ermöglicht die Bundesregierung auch pandemiebetroffenen
Handwerksbetrieben Investitionen in Ausbildung und damit den eigenen
Fachkräftenachwuchs.
Wie sich der pandemiebedingte Rückgang auf die Auslastung von
Berufsschulkapazitäten ausgewirkt hat, kann auch zum aktuellen Zeitpunkt nicht
beantwortet werden, da Daten zu Schülerinnen und Schülern an berufsbildenden Schulen
im laufenden Ausbildungsjahr nicht vor dem Herbst 2021 vom Statistischen
Bundesamt zu erwarten sind.
9. Welche sonstigen Förderprogramme oder Unterstützungsleistungen hat
die Bundesregierung im Rahmen von Corona bisher für das Handwerk
aufgelegt bzw. plant sie, aufzulegen?
Die Bundesregierung plant derzeit keine zusätzlichen coronaspezifischen
Maßnahmen für das Handwerk. Die während und auch nach der Krise gefragten
Datenverarbeitungstechnischen Möglichkeiten, um Fernlernen und -lehren zu
realisieren bzw. Präsenzunterricht in mehrere Schulungsräume zu übertragen,
können im Rahmen des Förderschwerpunkts „Digitale Ausstattung von
Überbetrieblichen Bildungsstätten (ÜBS) und Kompetenzzentren“ mit einem
Fördersatz von 90 Prozent für die berufliche Fort- und Weiterbildung gefördert
werden. Der Förderschwerpunkt des BMWi soll über den 31. Dezember 2021
hinaus bis Ende 2025 verlängert werden. Eine entsprechende
Sonderfördermaßnahme des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) für die
ÜBS wurde 2016 gestartet und läuft derzeit in ihrer zweiten Phase bis Ende
2023. Das BMBF investiert hier insgesamt 224 Mio. Euro in die
Modernisierung der Ausbildung.
10. Wie groß ist nach Erkenntnissen der Bundesregierung der Anteil der
Handwerksbetriebe bei der Erteilung öffentlicher Aufträge durch Bund,
Länder und Kommunen?
Der Bundesregierung liegen keine Daten zum Anteil von Handwerksbetrieben
bei der Erteilung öffentlicher Aufträge durch Bund, Länder und Kommunen
vor. Seit dem 1. Oktober 2020 erfasst die neu eingerichtete bundesweite
Vergabestatistik Daten über die ab diesem Zeitpunkt vergebenen Aufträge und
Konzessionen. Dabei werden auch Informationen dazu erhoben, ob und inwieweit
kleine und mittelständische Unternehmen an Vergabeverfahren beteiligt sind.
Eine getrennte Erfassung nach Branchen oder Tätigkeitsfeldern der kleinen und
mittleren Unternehmen erfolgt hingegen nicht. Erste Auswertungen der
erfassten Daten werden für Herbst 2021 erwartet.
Dem ZDH liegen ebenfalls keine Erkenntnisse darüber vor, wie groß der Anteil
der an Handwerksbetriebe vergebenen öffentlichen Aufträge ist. Nach seinen
Umfragen und Schätzungen werden circa 14 Prozent des Gesamtumsatzes im
Handwerk durch öffentliche Aufträge generiert.
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ISSN 0722-8333]